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Christen im Westjordanland – verfolgt und vergessen

Freitag 28. Februar 2014 von Susanne Wustl


Susanne Wustl

Seit Generationen leben die PalĂ€stinenser im Westjordanland unter schwierigen Bedingungen. Die Infrastruktur der Wohngebiete ist extrem schlecht, die Arbeitslosigkeit hoch und Armut weit verbreitet. Das Zusammenleben von Israelis und PalĂ€stinensern wird durch den politischen Konflikt stark belastet. Islamische Gruppierungen wie die Hamas versuchen, durch Gewalt und Terrorismus ihre Ziele durchzusetzen. Die Gegenmaßnahmen der israelischen Seite – insbesondere die Kontrollen durch das MilitĂ€r an den Checkpoints – empfinden die PalĂ€stinenser als demĂŒtigend und ungerecht. VorwĂŒrfe, Unversöhnlichkeit und Hass bestimmen die AtmosphĂ€re in der Region. Ein ausgleichender Faktor sind jedoch auf beiden Seiten die Menschen, die an Jesus Christus glauben und deshalb eine Botschaft der Liebe, des Friedens und der gegenseitigen Annahme verbreiten.

Immer wieder nehmen Mitglieder des Philippus-Dienstes ihre Aufgabe wahr, sich vor Ort in Israel und in den besetzten Gebieten Einblick in die Situation der dortigen Christen zu verschaffen. KĂŒrzlich bereisten wir das biblische Kernland JudĂ€a und Samaria, wo fast ausschließlich arabische Muslime leben. Die christliche Minderheit ist verschwindend gering; abgesehen von Nominalchristen aus der anglikanischen, griechisch-orthodoxen und römisch-katholischen Kirche gibt es in der gesamten Westbank etwa zwölf evangelikale Gemeinden mit insgesamt ĂŒber 1.000 GlĂ€ubigen.

Auf unserer Fahrt von Bethlehem nach Jenin im Norden der Westbank sahen wir viele ehemalige christliche Dörfer, in denen jetzt keine oder nur noch wenige christliche Familien leben. Einige von ihnen haben wir besucht. Viele Christen haben den schlechten wirtschaftlichen VerhĂ€ltnissen den RĂŒcken gekehrt und sind ausgewandert (die christlichen PalĂ€stinenser haben in der Regel eine sehr gute Schulbildung, die christlichen Schulen gelten als die besten im Land); deshalb finden sich meistens Staaten der westlichen Welt, die bereit sind, die Christen aus politischen GrĂŒnden aufzunehmen. So kommt es, dass in Bethlehem und Umgebung nur noch wenige Christen wohnen. An dem Ort, wo vor 2000 Jahren Jesus Christus geboren wurde, sind seine Nachfolger heute eine winzige Minderheit.

Der Philippus-Dienst sandte in der Vergangenheit immer wieder Gebetsgruppen dorthin und wird ab sofort verstĂ€rkt FĂŒrbitter in diese Gebiete schicken, um die Geschwister dort zu ermutigen und ihnen den RĂŒcken zu stĂ€rken. Die palĂ€stinensischen Christen sind Garant dafĂŒr, dass radikale KrĂ€fte nicht die Überhand gewinnen und ein Weg zum friedlichen Zusammenleben mit Israel gesucht wird. So fanden wir viele tapfere Zeugen Jesu Christi, die den schwierigen Bedingungen trotzen und entschlossen sind, auch weiterhin ein Licht auf dem Berg zu sein.

Ein prominentes Beispiel dafĂŒr ist Tass, bekannt durch seine Autobiographie „Ich kĂ€mpfte fĂŒr Arafat“. Als erfolgreicher GeschĂ€ftsmann fĂŒhrte er ein bequemes Leben in Amerika, bis Gott ihn wieder in seine Heimat zurĂŒckrief. Seit einigen Jahren baut er in Jericho die Arbeit „Seeds of Hope“ auf: ein Jugendzentrum, mehrere KindergĂ€rten und als aktuelles Bauprojekt ein Gebetshaus hoch ĂŒber der Oase Jericho zeugen von der Hoffnung, die Jesus Christus allen Menschen, die dort wohnen, geben möchte. Es ist beeindruckend zu sehen, wie förmlich in der geistlichen WĂŒste (es leben nur 400 Nominalchristen dort) neues Leben entsteht. Am Anfang riefen die Mullahs aus den Moscheen die Bevölkerung auf, diese christlichen PlĂ€tze zu meiden, aber nun hat Tass breite Akzeptanz gefunden. Mit eigenen Augen konnten wir uns davon ĂŒberzeugen, wie gut die KindertagesstĂ€tten (auch von Moslems) genutzt werden. TatsĂ€chlich werden dort Samen der Hoffnung gesĂ€t und der Bibelkreis in Tass‘ Privathaus wird immer besser besucht.

Es gibt einen geistlichen Hunger in der Westbank und deshalb sollten wir nicht aufhören, unsere christlichen BrĂŒder und Schwestern zum Bleiben zu ermutigen. Sind sie es doch, die das Evangelium unermĂŒdlich verkĂŒndigen und wertvolle Arbeit in den Dörfern und StĂ€dten leisten und somit ein Bollwerk gegen den radikalen Islam bilden.

Ein anderes vorbildliches Beispiel sahen wir in Hebron. In dieser Stadt kann man die geistliche Auseinandersetzung förmlich mit HĂ€nden greifen. Mitten im Bazar, der die Lebensader der Stadt war, ziehen sich Mauern und StacheldrĂ€hte, errichtet von der israelischen Armee. Auf den DĂ€chern des historischen Stadtzentrums haben sich jĂŒdische Siedler niedergelassen – ein permanenter militanter Konflikt. Es gibt lediglich ein einziges christliches Zeugnis in dieser Stadt: die christliche Schule, die ganz bewusst ein Gegengewicht zur angespannten gewaltbereiten Situation in Hebron bildet. Im GesprĂ€ch mit dem Direktor erfuhren wir, wie beliebt die Schule auch bei muslimischen Eltern ist, obwohl sie darĂŒber Bescheid wissen, dass ihren Kindern dort ganz klar die christliche Botschaft vermittelt wird. Ein wunderbares Zeugnis von NĂ€chstenliebe und der Achtung aller Menschen fanden wir vor, als wir die Taubstummenklasse besuchen durften: die SchĂŒler/innen hingen an den Lippen der Lehrerin und wir spĂŒrten dieses tiefe Vertrauen, das die Kinder zu den LehrkrĂ€ften entwickelt haben. Gilt doch in der muslimischen Kultur eine Behinderung als Schande und ein Behinderter als minderwertiger Mensch, der aus der Gesellschaft ausgegrenzt wird. Deutlich konnten wir in allen von uns besuchten christlichen Schulen einen anderen Geist spĂŒren: einen Geist von Liebe, Annahme und WertschĂ€tzung jedes einzelnen Menschen.

Überall im Westjordanland fanden wir solche christlichen Inseln, wo besonders die Kinder und Jugendlichen in christlichen Werten und im Evangelium unterwiesen werden; anstatt Unversöhnlichkeit, Hass und Gewalt weiterzuverbreiten, erleben sie einen anderen Lebensstil, den Christus selbst uns gelehrt hat: „Liebe deinen NĂ€chsten wie dich selbst.“

So tun die Christen, was in ihrer Macht steht, um fĂŒr ihre muslimischen Nachbarn ein Licht zu sein und gute Beziehungen zu ihnen zu pflegen. Durch den liebevollen Dienst von Christen oder aber auch durch TrĂ€ume kommen sie zum Glauben an Jesus Christus. Diese Entscheidung hat meist schwer wiegende Konsequenzen: Unter Moslems empfindet man den Abfall vom Islam als Schande und ein Religionswechsel wird mit dem Tod bestraft. HĂ€ufig werden deshalb Konvertiten von der eigenen Familie verfolgt und enterbt. Sie stehen dann mittellos da und benötigen UnterstĂŒtzung. Deshalb hilft die internationale christliche Gemeinde mit, dass Muslime, die zu Jesus finden, das Land verlassen können, um der andauernden Lebensgefahr zu entkommen. Leider wird das Wachstum der Gemeinde in PalĂ€stina dadurch sehr erschwert.

Wir vom Philippus Dienst möchten uns um Israels Willen in diese bedrohte Kirche investieren. Die diesjĂ€hrigen Sommercamps fĂŒr Kinder konnten wir bereits finanziell unterstĂŒtzen: ein einmaliger Besuch in einem Schwimmbad, ein Sandwich und ein GetrĂ€nk fĂŒr jedes Kind – normalerweise ein unerschwinglicher Luxus fĂŒr die Bevölkerung PalĂ€stinas. Mit großer Hingabe engagieren sich christliche LehrkrĂ€fte und Freiwillige auch in den langen, heißen Sommerferien in diese Kinder, um sie sehr persönlich die Liebe Christi spĂŒren zu lassen.

Wir bitten die deutschsprachige Gemeinde, mit uns Verantwortung zu ĂŒbernehmen und damit letztlich auch Israel zu segnen. Indem wir die arabische christliche Kirche stĂ€rken, stĂ€rken wir auch all jene KrĂ€fte, die fĂŒr den Frieden und das Existenzrecht Israels eintreten.

 „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue bringt er das Recht hinaus.“ (Jesaja 42,3)

 Wir glauben, dass Gottes Arm nicht zu kurz ist, um die harten Herzen weich zu machen und dass in seiner Liebe etwas Neues wachsen kann. Wir haben auf unserer einwöchigen Reise quer durch das Westjordanland zahlreiche Menschen getroffen, die bereit sind, ihr Leben fĂŒr Jesus zu lassen. Wir wollen die nicht im Stich lassen, die sich ganz und gar fĂŒr den Bau des Reiches Gottes engagieren und der teilweise großen Not und Armut unter den PalĂ€stinensern entgegenwirken.

Susanne Wustl aus Freilassing leitet gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernd den Philippus Dienst, der die messianisch-jĂŒdischen und arabisch-christlichen Gemeinden in Israel unterstĂŒtzen möchte. Susanne Wustl schreibt regelmĂ€ĂŸig in verschiedenen christlichen Publikationen zum Thema Israel.  NĂ€heres zu ihrem Engagement in Israel: www.philippus-dienst.de.   Der Gebetsbrief des Philippus Dienstes wird per E-Mail versandt und kann ĂŒber das BĂŒro angefordert werden (office@philippus-dienst.de).

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 28. Februar 2014 um 12:20 und abgelegt unter Christentum weltweit, Gesellschaft / Politik.