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Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk (Jesaja 19,25a)

Mittwoch 14. Februar 2018 von Gerald Lauche


Gerald Lauche

Hochkultur

Ägypten nimmt eine Brückenfunktion zwischen dem afrikanischen und asiatischen Kulturraum ein. Bis heute übt dieses Land eine einzigartige Faszination auf seine vielen internationalen Besucher aus. Aus allen Erdteilen kommen sie und staunen über die alten Baudenkmäler und die faszinierenden Exponate, die die Museen des Landes zur Schau stellen. Die Hieroglyphen, die wissenschaftlichen Entwicklungen, die religiösen Gedanken und die militärischen Eroberungen sind lebendiger Ausdruck einer afrikanischen Hochkultur. Ein flüchtiger Blick auf die Geographie Ägyptens macht deutlich, wie wahr der Ausspruch des griechischen Geographen Herodotus ist, dass Ägypten ein „Geschenk des Nils“ ist. Der längste Fluss der Welt ist die Lebensader des Landes und ermöglichte erst die Entwicklung einer Hochkultur, die vor 5000 Jahren in diesem Teil Afrikas ihren Anfang nahm.

Im ersten Jahrtausend v. Chr. begann der graduelle Niedergang des ägyptischen Einflusses in der Region und die Besatzungsmächte Ägyptens wechselten sich bis in die Neuzeit hinein periodisch ab.

Heilsgeschichte

Die Bibel ist eine ausdrucksvolle Urkunde des heilsgeschichtlichen Handelns Gottes in der allgemeinen Geschichte der Völkerwelt. Es ist erstaunlich und auffällig, welche markante Rolle Ägypten in diesem Handeln Gottes zukommt.

Zufluchtsort

Vor allem erscheint Ägypten als Zufluchtsort für Fremde und Menschen in Not. In unterschiedlichen Lebensphasen fanden Menschen, mit denen Gott seine Geschichte schrieb, Zuflucht im Land am Nil.

Abram, der Träger der universalen Segensverheißung Gottes („In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“ 1. Mo. 12,3) und Sarai fanden hier während einer Hungersnot Aufnahme (1. Mo. 12,10). Für Josef wurde Ägypten zum neuen Zuhause. Trotz Verleumdung und Vergessen wurde er der zweite Mann im Staat und ermöglichte durch seine kluge Landwirtschaftspolitik das Überleben des wachsenden Gottesvolkes. Und schließlich wurde Ägypten der Zufluchtsort für Jesus, Maria und Josef vor dem mörderischen Zorn des Königs (Mt. 2,13). Nach dem Tod des Herodes kehrten sie zurück nach Israel und erfüllten die alttestamentliche Verheißung aus Hosea 11,1: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ In der koptischen Kirchentradition spielt diese Geschichte eine wichtige Rolle. Über die biblisch bezeugte Tatsache der Flucht nach Ägypten hinaus meint man konkrete Orte, an denen sich die Heilige Familie aufgehalten haben soll, festmachen zu können. Aus verschiedenen Überlieferungen wurde eine Reiseroute rekonstruiert und touristisch aufbereitet.

Beginn der christlichen Gemeinde

Schon der Pfingstpredigt des Petrus hörten bereits Menschen aus Ägypten zu (Apg. 2,10). Später wurde der in Alexandrien gebürtige Jude Apollos (Apg. 18,24ff) zu einem wortgewaltigen Verkündiger des Evangeliums. Nach der Tradition der koptischen Kirche liegen die Anfänge des Christentums in der Mitte des 1. Jahrhunderts. Es wird angenommen, dass Markus, der Vetter des Barnabas (Kol 4,10) und Schreiber des zweiten Evangeliums, zwischen 48-60 n. Chr. nach Alexandrien kam und dort 68 n.Chr. den Märtyrertod gestorben ist. Durch seine Verkündigung soll die ägyptische (koptische) Kirche entstanden sein. Deshalb verstehen sich die Patriarchen der koptischen Kirche bis heute als Nachfolger des Gründungsapostels Markus. So ist der derzeitige Papst Tawadrus II der 118. Nachfolger auf dem „Stuhl des Markus“.

Gerichts- und Segensworte

In Psalm 68,32 prophezeit David die Hinwendung von Ägyptern und Kuschiten zum Gott Israels. Und obwohl Jahwe auch deutliche Gerichtsworte über Ägypten verkünden ließ (Jes. 19,1-15; Hes. 29-32; Jer. 46), wendet er dennoch heilbringend diesem Volk zu (Jes. 1916-25). Gott wird den Ägyptern bekannt werden und die Ägypter werden den Herrn erkennen und sich zu ihm bekehren. Es wird einen Altar mitten in Ägypten für Jahwe geben. Eine Straße des Heils wird vom Irak bis nach Ägypten verlaufen. Mit Israel und dem Irak wird Ägypten ein Segen mitten auf Erden sein (Jes. 19,24-25). Denn Gott verheißt: „Gesegnet bist du Ägypten, mein Volk, und du Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbe.“ Es ist diese Verheißung, die der leidgeprüften ägyptischen Kirche der Gegenwart eine hoffnungsvolle Perspektive verleiht.

Quelle: Gerald Lauche, aus Zeitschrift EMO AKTUELL 1/2018

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 14. Februar 2018 um 9:12 und abgelegt unter Christentum weltweit.