{"id":9851,"date":"2013-08-12T16:55:43","date_gmt":"2013-08-12T14:55:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9851"},"modified":"2013-08-13T12:23:43","modified_gmt":"2013-08-13T10:23:43","slug":"offener-brief-zehn-fragen-an-den-rat-der-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9851","title":{"rendered":"Offener Brief: Zehn Fragen an den Rat der EKD"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">(1) \u2013 Bitte informieren Sie \u00fcber das \u203aInstrumentarium\u2039: \u00bbOrientierungshilfe\u00ab (auch im Unterschied zur \u203aDenkschrift\u2039), \u00fcber das \u203aprocedere\u2039 (bis hin zur Verabschiedung), \u00fcber den Status von EKD-ad-hoc-Kommissionen, \u00fcber deren Autorit\u00e4t und Legitimation, \u00fcber die Verbindlichkeit solcher Verlautbarung in den verschiedenen EKD-Gliedkirchen. Es f\u00e4llt auf, dass von einzelnen f\u00fchrenden EKD-Vertretern aufgrund der heftigen Kritik die vom Rat herausgegebene und verantwortete \u00bbOrientierungshilfe\u00ab zu einem \u203aDiskussionspapier\u2039 herabgestuft werden soll. Was ist denn nun \u203aSache\u2039? Haben die Regeln der sog. EKD-Denkschriften-Denkschrift \u00bbAufgaben und Grenzen kirchlicher \u00c4u\u00dferungen zu gesellschaftlichen Fragen\u00ab (1970) ihre G\u00fcltigkeit verloren?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2)\u00a0\u00a0 \u2013 Wenn eine solche \u00bbOrientierungshilfe\u00ab im Namen und Auftrag der EKD herausgegeben wird: sollte sich dann nicht zuvor die Synode der EKD eingehend mit dem Entwurf der geplanten \u00bbOrientierungshilfe\u00ab befassen und diese ggf. dann auch beschlie\u00dfen und verantworten? Zudem, wo diese kirchenamtliche \u00c4u\u00dferung die Brauchbarkeit von Bibel und Bekenntnis f\u00fcr heutige Lebensverh\u00e4ltnisse hinterfragt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3)\u00a0\u00a0\u00a0 \u2013 Ist der Eindruck von der Hand zu weisen, wonach diese \u00bbOrientierungshilfe\u00ab dem sogenannten \u203aMainstreaming\u2039 folgt, einem gewissen \u203aGenderismus\u2039, dem Parteiprogramm von \u00bbB\u00fcndnis 90\/die Gr\u00fcnen\u00ab \u2013 aber immer mehr den Boden von Bibel und Bekenntnis verl\u00e4sst? Bibeltreue Mitchristen also bewusst br\u00fcskiert und kirchenferne Mitmenschen erheblich befremdet? Auff\u00e4llig m\u00fcsste sein, dass sich nicht nur kirchentreue, sondern gerade auch s\u00e4kulare Journalisten bundesweit kritisch \u00e4u\u00dfern, weil sie von der evangelischen Kirche einfordern, was von der Bibel her zu Ehe und Familie zu sagen ist! Sie beklagen also ein Versagen f\u00fchrender Kirchenvertreter und benennen das Problem beim Namen: Die sog. \u00bbOrientierungshilfe\u00ab desorientiert und sollte zur\u00fcckgezogen bzw. eingestampft werden! Umkehr tut not!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4)\u00a0\u00a0\u00a0 \u2013 Falls der Rat der EKD diese \u00bbOrientierungshilfe\u00ab nicht zur\u00fcckzieht, riskiert er damit nicht den Zerfall der EKD (als Dachorganisation der verschiedenen Landeskirchen), die Spaltung innerhalb der protestantischen Christenheit in unserer Bundesrepublik, damit unermesslichen Flurschaden? Verliert die EKD nicht an Glaubw\u00fcrdigkeit, an Stimme und Gewicht in der (\u00f6kumenischen) Christenheit und in der \u00d6ffentlichkeit, indem sie sich von Bibel und Bekenntnis absetzt? Welche Grundlagen hat sie denn sonst, wenn nicht diese? Und wie steht es um Pfarrer(innen) in ihrer Ordinationsverpflichtung, wie um kirchliche Mitarbeitende, Kirchen\u00e4lteste \/ Presbyter \/ Kirchenvorst\u00e4nde in ihren Dienstverpflichtungen, die nunmehr in einen Gewissenskonflikt gebracht werden? Ist die bisher erwartete Bindung an die Bekenntnisgrundlagen nunmehr also de facto freigegeben? Was gilt noch in der Kirche?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5)\u00a0\u00a0 \u2013 Stimmt es denn nicht, dass die \u00bbOrientierungshilfe Familie\u00ab den Familienbegriff aufl\u00f6st und bis ins Beliebige hinein aufweicht? Nivelliert als eine der m\u00f6glichen verschiedenen Lebensformen neben anderen? Dabei ist der Begriff \u203aFamilie\u2039 doch wohl immer noch klar definiert, gepr\u00e4gt, gesch\u00fctzt und trennend zu unterscheiden von \u203aPartnerschaften Homosexueller\u2039 und \u203apolyamoren Beziehungen\u2039, f\u00fcr die ein \u203aaliud\u2039 gilt \u2026 Die Begriffe von Ehe und Familie, die im Grunde klar definiert sind, werden ausgeweitet, bewusst dem Missverst\u00e4ndnis ausgesetzt, missbraucht, wenn begrifflich-diffus von der sog. \u203aHomo-Ehe\u2039 die Rede ist, aber auch von \u203afamili\u00e4ren\u2039 und von \u203afamilialen\u2039 Beziehungen. Was damit jeweils konkret gemeint ist, bleibt ungekl\u00e4rt: um unter dem Deckmantel des Begriffs \u203aFamilie\u2039 die Zustimmung f\u00fcr verschiedenste familiale Beziehungen zu erreichen? Diese Vorgehensweise ist nicht nur irritierend zu nennen, sie ist schlichtweg unredlich und kommt einem T\u00e4uschungsman\u00f6ver gleich. Mitchristen werden bewusst get\u00e4uscht \u2013 wer denn kann etwas gegen \u203aFamilie\u2039 haben? Unter der Hand jedoch er\u00f6ffnet der missbr\u00e4uchlich eingef\u00fchrte Familienbegriff ganz andere Optionen! Transparenz sieht anders aus \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u2013 Ehe und Familie im klassischen und bew\u00e4hrten Sinne heute zu leben, f\u00e4llt vielen Menschen in unserer Gesellschaft zunehmend schwer(er). Gerade deshalb w\u00e4re es dringend erforderlich, Ehe und Familie im herk\u00f6mmlichen Sinne zu st\u00e4rken und zu f\u00f6rdern, an den Generationenvertrag zu erinnern, an die Weitergabe des Lebens an nachfolgende Generationen. Ist es denn nicht zum einen die Aufgabe der EKD-F\u00fchrung, wenn sie eine \u00bbOrientierungshilfe Familie\u00ab herausgibt, f\u00fcr die bewusste St\u00e4rkung von Ehe und Familie im herk\u00f6mmlichen Sinne einzutreten \u2013 und zum anderen, die politischen Entscheidungstr\u00e4ger unter Bezug auf Art. 6 GG auf ihre besondere Verantwortung zu fixieren und zur Einf\u00fchrung des Familiensplittings, zur finanziellen F\u00f6rderung von Ehe und Familie zu ermutigen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7)\u00a0\u00a0\u00a0 \u2013 Ist es nicht so, dass der EKD-Rat einem Missverst\u00e4ndnis von \u203aToleranz\u2039 aufsitzt und meint, um der \u203aLiebe Jesu\u2039 willen alles (ab-)segnen zu m\u00fcssen (auch die Ehescheidung?) oder aus \u00e4ngstlicher Anpassung und Anbiederung an den Zeitgeist alles guthei\u00dfen zu m\u00fcssen, was gesellschaftlich \u203ain\u2039 zu sein scheint? Ist es denn nicht Aufgabe von Kirche, im Sinne des Evangeliums in die Gesellschaft hinein \u203aContrapunkte\u2039 zu setzen und auch angesichts zunehmender S\u00e4kularisierung und Individualisierung zum christlichen Glauben einzuladen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8)\u00a0\u00a0 \u2013 Was die \u203atheologische Orientierung\u2039 innerhalb der sog. \u00bbOrientierungshilfe\u00ab angeht, so dr\u00fcckt sich die Kritik weithin folgenderma\u00dfen aus: d\u00fcrftig \/ selektiv \/ verzeichnend \/ unzureichend \/ mangelhaft. Das biblische Gebot: \u00bbnicht ehebrechen\u00ab findet auff\u00e4lligerweise keinerlei Erw\u00e4hnung und Ber\u00fccksichtigung \u2013 das biblische Menschenbild wird in den grundlegenden Passagen ignoriert \u2013 Martin Luthers Wort: \u00bbDie Ehe ist ein weltlich Ding\u00ab wird aus dem Zusammenhang herausgerissen und dadurch entstellt (Luther versteht die Ehe als \u00bbg\u00f6ttliche Stiftung\u00ab) \u2013 Dietrich Bonhoeffers Verst\u00e4ndnis von Ehe im Sinne eines g\u00f6ttlichen Mandats wird erst gar nicht aufgef\u00fchrt. Ist es nicht allzu besch\u00e4mend, wenn sich die \u00bbKirche des Wortes\u00ab (Quelle und Richtschnur christlichen Lebens und kirchlichen Handelns ist allein die Heilige Schrift \/ \u00bbsola scriptura\u00ab) von der R\u00f6mischen Kirche an die Grundlagen von Bibel und Bekenntnis mahnend erinnern lassen muss?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(9)\u00a0\u00a0 \u2013 Wie kann dem widersprochen werden, dass sich der Rat der EKD zunehmend aus dem Ethik-Konsensus mit der R\u00f6misch-katholischen Kirche verabschiedet und isoliert (als Stichworte seien genannt: \u203aPID\u2039 \/ Sterbehilfe \/ Familienbegriff)? Dass es zunehmend schwerer wird, seitens der Gro\u00dfkirchen \u203amit einer Stimme\u2039 in die Gesellschaft hinein zu sprechen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(10)\u00a0\u00a0 \u2013 Und nicht zuletzt: Was ist Gemeindegliedern \u00fcberzeugend zu antworten, die im Sinne von Prof. Dr. Udo Schnelle (\u00bbFAZ\u00ab, 25.06.2013, S. 30) urteilen: \u00bbWarum sollen Menschen einer Kirche angeh\u00f6ren, wenn sich deren Stellungnahmen nicht mehr an der Bibel orientieren?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00f6tig \/ notwendig und (immer noch von der Kirche) erwartet ist eine klare Orientierung als \u203aprotestantische Stimme\u2039 in einer Gesellschaft voller Verunsicherungen \u2013 Desorientierungen braucht es nicht, davon gibt es genug \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erwarten, dass die vom Rat der EKD am 19. Juni 2013 vorgelegte \u00bbOrientierungshilfe Familie\u00ab als offizielle Handreichung der EKD alsbald zur\u00fcckgenommen und seitens der EKD mittelfristig durch eine neue Erkl\u00e4rung ersetzt wird, die die Kontinuit\u00e4t mit der biblisch-reformatorischen Theologie wahrt und die vom unaufgebbaren Leitbild von Ehe und Familie im herk\u00f6mmlichen Sinne wertsch\u00e4tzend ausgeht.<\/p>\n<p><em>Wer diese Protestnote an den Rat der EKD unterst\u00fctzen will, melde sich mit Namen, Berufsbezeichnung, Wohnort per Mail an:<\/em><br \/>\n<i>Pfr. Dr. Hans-Gerd Krabbe<\/i><i><br \/>\n<\/i><i>Martinstra\u00dfe 9<br \/>\n<\/i><i>77855 Achern<br \/>\n<\/i><i>Fon: 07841 \/ 6676.203<br \/>\n<\/i><i>Fax: 07841 \/ 2098.05<br \/>\n<\/i><i>Mail: <\/i><i>hans-gerd.krabbe@gmx.de<\/i><\/p>\n<p>___________________________________________________________________________<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1) \u2013 Bitte informieren Sie \u00fcber das \u203aInstrumentarium\u2039: \u00bbOrientierungshilfe\u00ab (auch im Unterschied zur \u203aDenkschrift\u2039), \u00fcber das \u203aprocedere\u2039 (bis hin zur Verabschiedung), \u00fcber den Status von EKD-ad-hoc-Kommissionen, \u00fcber deren Autorit\u00e4t und Legitimation, \u00fcber die Verbindlichkeit solcher Verlautbarung in den verschiedenen EKD-Gliedkirchen. 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