{"id":9836,"date":"2013-08-08T16:07:15","date_gmt":"2013-08-08T14:07:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9836"},"modified":"2013-08-08T16:14:45","modified_gmt":"2013-08-08T14:14:45","slug":"unglaublich-ist-der-umgang-mit-biblischen-befunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9836","title":{"rendered":"&#8222;Unglaublich ist der Umgang mit biblischen Befunden\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stellungnahme von Prof. Axel von Campenhausen zur Familienschrift der EKD<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Campenhausen1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-9841\" alt=\"Campenhausen\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Campenhausen1.jpg\" width=\"95\" height=\"121\" \/><\/a>Die Orientierungshilfe &#8222;Zwischen Autonomie und Angewiesenheit &#8211; Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken&#8220; enth\u00e4lt Richtiges und Lehrreiches. Deshalb kann der Interessierte sie trotz ihrer abschreckenden L\u00e4nge von 160 Seiten lesen. N\u00fctzlich sind insbesondere Passagen, die aktuelle Trends im Familienleben und Partnerschaften beschreiben: die sp\u00e4tere Familiengr\u00fcndung, der R\u00fcckgang der Eheschlie\u00dfungen, die Vervielf\u00e4ltigungen der Formen des Lebens und ihre Anerkennung als Familie (S. 20ff). N\u00fctzlich ist auch die Skizzierung der Ver\u00e4nderung der Rechtslage von Ehe und Familie weg von der Ausgangslage der b\u00fcrgerlichen Ehe und Familie (S. 31ff). Schon der erste Satz verr\u00e4t allerdings den ideologischen Zug der ganzen Schrift und ihrer Deutung der Welt: &#8222;Eine breite Vielfalt von Familien ist, historisch betrachtet, der Normalfall&#8220; (S. 11, 13, 26f, 31, 54, 56, 58). So sehen die Verfasser jedenfalls die Welt und verraten, dass es eine Normalit\u00e4t, sowie richtig und falsch, f\u00fcr sie nicht g\u00e4be. Eine kirchliche Orientierungsschrift sollte damit einsetzen, was ihr Ausgangspunkt ist. <!--more-->Was l\u00e4sst Gott in der Heiligen Schrift, in den Zehn Geboten die Menschen wissen. Was bewahrt die Kirche in Bibel, Bekenntnis und im kirchlichen Leben als Orientierungsnorm? F\u00fcr unseren Zusammenhang ist das die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau, ihre Bestimmung f\u00fcreinander und ihr Auftrag sich zu mehren. Unabh\u00e4ngig davon, wie die Ehe im b\u00fcrgerlichen oder einem anderen Zeitalter (mit wom\u00f6glich heute unvorstellbaren st\u00e4ndischen Unterschieden) im Einzelnen ausgestaltet war, bleibt unverr\u00fcckbar, dass Mann und Frau zusammengeh\u00f6ren und zusammen ihrer Bestimmung nachkommen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Keine Bibelstelle bewertet Homosexualit\u00e4t positiv <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine Regel ist bekanntlich ohne Ausnahme &#8211; was sie als Regel aber deshalb nicht aufhebt: Manche Ehepaare bekommen keine Kinder, manche unverheiratete Frau aber wohl. Hurerei, Ehebruch, Prostitution, Blutschande, Homosexualit\u00e4t &#8211; alles das gab es immer. Freilich wurden sie fr\u00fcher bisweilen grausam verfolgt, und die moderne Propaganda daf\u00fcr war unbekannt. In der Bibel kommt das auch alles vor. Allerdings wird es nicht mit \u00fcberh\u00f6hter Idealisierung von &#8222;Liebe, Verl\u00e4sslichkeit und Treue in Partnerschaft und Familie&#8220; als Normalit\u00e4t hingestellt: &#8222;Durch das biblische Zeugnis hindurch klingt als &#8218;Grundton&#8216; vor allem der Ruf nach einem verl\u00e4sslichen, liebevollen und verantwortungsvollen Miteinander, nach der Treue, die der Treue Gottes entspricht. Liest man die Bibel von dieser Grund\u00fcberzeugung her, dann sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften &#8211; auch aus theologischer Sicht &#8211; als gleichberechtigt anzuerkennen&#8220; (S. 66). Wirklich? Auch die so zitierfreudige Denkschrift kennt keine Bibelstelle, in der Homosexualit\u00e4t positiv bewertet w\u00fcrde. Die so klaren Zehn Gebote lassen keinen Zweifel offen, was unsere Normalit\u00e4t sein soll. Gewiss ist es schwierig, die Grenzen zwischen Laissez faire und sturer Gesetzlichkeit, zu finden. Immerhin ist das mit der Orientierungshilfe des Rates der EKD zum Thema Homosexualit\u00e4t und Kirche &#8222;Mit Spannung leben&#8220; (1996) noch gelungen. Jetzt scheint die Mauer eingest\u00fcrzt zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ohne Orientierung <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewiss, es kommt vieles in der Welt vor. Der ber\u00fchmte Kinsey-Report \u00fcber das sexuelle Verhalten von Mann und Frau (1948, 1953) nannte &#8222;normal&#8220;, was die Masse der Menschen praktizierte. \u00c4hnlich folgern die Verfasser der Denkschrift aus dem Vorkommen bestimmter Verhaltensweisen deren gleichberechtigte W\u00fcnschbarkeit und Normalit\u00e4t. Sie sind &#8211; ganz im Gegensatz zur Bibel &#8211; insofern ganz ohne Orientierung, sozusagen ohne &#8222;Landkarte in Kopf&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Die Urgemeinde war anders <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das heute vielleicht buntere Bild des Zusammenlebens der Menschen n\u00f6tigt keineswegs zu sittlicher Billigung. Man erinnere sich an die Anf\u00e4nge der Kirche. Die kleine christliche Gemeinde lebte in einer Unterwelt, die der unsrigen \u00e4hnlich war. Daraus hat sie nicht den Schluss gezogen, heute &#8222;liberal&#8220; erscheinende Lebewesen in der Gemeinde hinzunehmen. Vielmehr unterschied die christliche Gemeinde sich nicht zuletzt durch eine strengere Auffassung von Ehe und Sexualverhalten von ihrer Umwelt. Das w\u00fcnschte man auch heute, denn Gottes Gebote gelten immer noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Keine N\u00f6tigung, alternative Lebensformen zu billigen <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00fctzlich ist der \u00dcberblick \u00fcber verfassungsrechtliche Vorgaben und die gesetzgeberischen Bem\u00fchungen, die neu entstandenen Probleme in den Griff zu bekommen. Die vielen Gesetze werden nicht erlassen, weil die informellen oder alternativen Formen der Zusammenrudelung ideal w\u00e4ren, sondern deshalb, weil hier Gefahren schlummern und neue Probleme entstehen, die den Gesetzgeber auf den Plan rufen. Seit dem noch aus der Antike stammenden, r\u00f6mischen Recht, sucht das Eherecht nach dem bestm\u00f6glichen Schutz der Schw\u00e4cheren in Ehe und Familie. Diese Schutzmechanismen m\u00fcssen nun f\u00fcr die neuen Formen des Zusammenlebens neu erfunden werden. Eine N\u00f6tigung zur sittlichen Billigung und zur Nachahmung ist damit aber nicht verbunden. Weder der Einzelne (wom\u00f6glich christliche) Staatsb\u00fcrger, noch die Kirchen als Institutionen sind gehalten, unter dem Eindruck neuer sozialer und rechtlicher Verh\u00e4ltnisse von dem abzur\u00fccken, was nach Gottes Gebot, der Bibel und den Bekenntnissen sittlichen Regel, Normalit\u00e4t, Gebot ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Gottes Gebote nicht beachtet <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der in Medien verbreitete Vorwurf, die Orientierungsschrift hebe die Ehe als Normalfall auf, trifft nicht zu. Aber es ist \u00e4rgerlich an ihr, dass die Ehe in ihrer zentralen Rolle nicht ernstgenommen wird. Geradezu unglaublich ist der Umgang mit biblischen Befunden. Hier wird kein Unterschied gemacht zwischen Erscheinungen, die im Zusammenleben der Menschen vorkommen, und solchen, die Billigung und Nachahmung verdienen. Die Herausstellung homosexueller Orientierung als gleichberechtigte Lebensweise ist allgegenw\u00e4rtig. Dementsprechend werden Aussagen der Bibel zur Ehe eines Mannes mit einer Frau und die Missbilligung der Homosexualit\u00e4t nicht ernsthaft ber\u00fccksichtigt. An keiner Stelle der Bibel wird Homosexualit\u00e4t positiv bewertet. Mit Selbstverst\u00e4ndlichkeit geht die Schrift davon aus, dass die kirchlichen Bestimmungen zur Ehe dem vermuteten oder wirklichen gesellschaftlichen Wandel angepasst werden m\u00fcssten, dabei spielen Gottes Gebot, die Zehn Gebote, die Schriften des Neuen Testaments offenbar keine Rolle. Sie werden \u00fcberhaupt nicht beachtet, nicht einmal als \u00fcberholt abgelehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Die Kirche muss dem Staat nicht in allem folgen <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Jurist ist erstaunt, dass die Denkschrift den Eindruck erweckt, als m\u00fcsse die Kirche mit ihrer Ordnung von Ehe und Familie der Ver\u00e4nderung des Sozialverhaltens und der staatlichen Gesetzgebung angepasst werden. Das trifft nicht zu, (Art. 4, 140 GG i.V.m Art.137 Abs.1 und 3 WRV). Unzureichend scheint das Bewusstsein von der Trennung von Staat und Kirche zu sein. Wenn das staatliche Recht auf soziale Ver\u00e4nderungen und ideologische Forderungen reagiert und ohne gro\u00dfe Widerst\u00e4nde darauf eingeht, bedeutet dies nicht, dass die Kirche dem einfach folgen m\u00fcsse. Es gibt in Deutschland gl\u00fccklicherweise keine nennenswerte politische Kraft, die die fr\u00fchere Diskriminierung und P\u00f6nalisierung (Unter-Strafe-Stellen) der Homosexuellen heute richtig f\u00e4nde. Daraus folgt aber doch nicht, dass die Kirche aufh\u00f6ren m\u00fcsste, die Ehe als dem Menschen bestimmte Ordnung und als Normalit\u00e4t zu behaupten und jedermann zu empfehlen. Hilfe f\u00fcr Geschiedene, Alleinerziehende, Homosexuelle bleibt eine kirchliche Aufgabe. Die Kirche muss deshalb aber doch nicht aufh\u00f6ren, die Ehe von Mann und Frau als Bew\u00e4hrte kirchliche Ordnung und als Norm zu verteidigen. Niemand kann sie zwingen, andere Wege f\u00fcr ebenso richtig zu erkl\u00e4ren &#8211; nur weil diese als Brennpunkte sozialer Not besondere Aufmerksamkeit finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Bei Bibel und Bekenntnis bleiben <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier huldigt die Orientierungshilfe einem merkw\u00fcrdigen Positivismus: Was in der Welt vorkommt, erh\u00e4lt in gleicher Weise den kirchlichen Segen. Richtig oder falsch, der biblischen Weisung mehr oder weniger entsprechend &#8211; das gibt es hier nicht. Und das widerspricht Bibel und Bekenntnis. Man kann sehr wohl aufgekl\u00e4rt und modern sein, die Welt und die sozialen Realit\u00e4ten mit offenen Augen sehen und dennoch bei dem bleiben wollen, was die Bibel und Bekenntnis als christliche Werte und Ziele benennen und was man in seiner christlichen Sozialisation seit Kinderzeiten gelernt und bew\u00e4hrt befunden hat. Zu dieser Art des M\u00fcndigwerdens gibt die Denkschrift keine Hilfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Es fehlt an Widerstandskraft <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend stelle ich fest: Die viel zu umfangreich geratene Denkschrift enth\u00e4lt durchaus auch Richtiges und Lehrreiches. Insbesondere sind die referierenden Passagen zum sozialen Wandel in Familie und Gesellschaft und die Skizzierung der rechtlichen Rahmen hilfreich und lesenswert. Schmerzlich ist der Verzicht auf ernsthafte biblische und theologische Er\u00f6rterung. Hier fehlt es in der Kommission sp\u00fcrbar an Kompetenz und dem Rat an Widerstandskraft. Schmerzlich ist das Fehlen jeden erkennbaren Willens, das kirchliche Herkommen in seiner Berechtigung auch unter vielleicht etwas ver\u00e4nderten Bedingungen irgendwie gelten zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Axel von Campenhausen (Hannover), war Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD und EKD-Synodaler.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> Quelle: <a href=\"http:\/\/www.idea.de\/campenhausen\">www.idea.de\/campenhausen<\/a><br \/>\n8. August 2013<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme von Prof. Axel von Campenhausen zur Familienschrift der EKD Die Orientierungshilfe &#8222;Zwischen Autonomie und Angewiesenheit &#8211; Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken&#8220; enth\u00e4lt Richtiges und Lehrreiches. Deshalb kann der Interessierte sie trotz ihrer abschreckenden L\u00e4nge von 160 Seiten lesen. 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