{"id":9830,"date":"2013-08-08T09:05:28","date_gmt":"2013-08-08T07:05:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9830"},"modified":"2013-08-08T09:06:19","modified_gmt":"2013-08-08T07:06:19","slug":"buchbesprechung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9830","title":{"rendered":"Buchbesprechung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>\u201eDie Pfingst- und Charismatische Bewegung. Eine biblische Orientierung\u201c von Rudolf Ebertsh\u00e4user, Edition Nehemia CH Steffisburg 2012, 198 Seiten, 4,90 Euro<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Klappentext informiert dar\u00fcber, dass der Autor selbst Mitglied einer charismatischen Gemeinde gewesen ist, sich dann aber von der charismatischen Bewegung gel\u00f6st hat. In mehreren Ver\u00f6ffentlichungen hat er sich kritisch mit der Charismatik auseinandergesetzt. Weil die charismatische Bewegung eine einflussreiche Bewegung weltweit und in Deutschland ist und insbesondere j\u00fcngere Christen, die wenig \u00fcber sie wissen, mit ihr in Ber\u00fchrung kommen und oft fasziniert oder befremdet von ihr sind, m\u00fcsste die Besch\u00e4ftigung mit dem Ph\u00e4nomen wohl zur Bildungsarbeit \u00a0jeder Kirchengemeinde geh\u00f6ren. Ob das 200-Seiten-Taschenbuch von Ebertsh\u00e4user nicht einen hilfreichen Beitrag dazu leisten kann? Seine kritische Betrachtungsweise kommt sachlich daher, ist in einem knappen, guten Stil vorgetragen und l\u00e4sst Bibelstellen unter einem Aspekt aufleuchten, den man bisher nicht unbedingt so \u00a0gesehen hat.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige der Thesen und Argumente von Rudolf Ebertsh\u00e4user werden im folgenden nach Kapitel\u00fcberschriften geordnet skizziert. Ich f\u00fcge jeweils einen Kommentar an, aus dem ersichtlich wird, dass ich als Leser des Buches dem Theologen Ebertsh\u00e4user nicht in allem zustimme. So manches w\u00e4re noch einmal zu pr\u00fcfen und zu \u00fcberdenken. Ich meine allerdings, dass das Buch Stoff f\u00fcr eine Diskussion enth\u00e4lt, die wir gerade heute f\u00fchren m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>A. Die Pfingst- und Charismatische Bewegung \u2013 endzeitliche Erweckung oder endzeitliche Verf\u00fchrung?<\/b><\/p>\n<p>Ebertsh\u00e4user erkl\u00e4rt, dass f\u00fcr diese Bewegung die Erwartung einer gro\u00dfen Erweckung in der Endzeit typisch ist. Die Endzeitreden Jesu stellen jedoch einen Zukunftshorizont vor, der f\u00fcr eine letzte Phase der Kirchengeschichte zunehmende Verwirrung und Verf\u00fchrung zeigt. In Mt 7,15 warnt Jesus vor solchen, die von seinem Namen ausgiebig Gebrauch machen, sich durch Weissagungen, D\u00e4monenaustreibungen und Wundertaten (!) hervortun, jedoch den Willen Gottes und das Reich Gottes verfehlen. Von einem zunehmenden Einfluss von Irrlehre und einem Pseudochristentum in den letzten Zeiten sprechen die apostolischen Briefe 2.Thess, 1.\/2. Tim, 2.Petr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar:<\/b> Von diesen letztgenannten, eher selten ausgelegten biblischen B\u00fcchern her stellt sich in der Tat die Frage, ob die Prophetie schwieriger Zeiten nicht leicht durch Prophetien menschlicher Herkunft von besonders gesegneten Zeiten \u00fcberlagert werden k\u00f6nnte. Ist es nicht auffallend, dass manche Mitchristen und Prediger eigentlich immer nur von zu erwartenden neuen Erweckungen und Aufbr\u00fcchen sprechen, aber kaum einmal von der verl\u00e4sslich angek\u00fcndigten Unterwanderung der Christenheit durch den Geist des Antichrists?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>B. Lehrt die Bibel eine pfingstlerische \u201eGeistestaufe\u201c?<br \/>\n<\/b><br \/>\nIn der charismatischen Bewegung ist oft von einer Geistestaufe die Rede, die auf die Wassertaufe folgen m\u00fcsse. Ebertsh\u00e4user h\u00e4lt dies f\u00fcr einen Irrtum. Nach Eph 2,13 und 1.Kor 12,13 wird der Geist dem Menschen geschenkt, der zum Glauben kommt und in die Gemeinde als den Leib Christi hineingetauft wird. Wassertaufe und Geistestaufe geh\u00f6ren in der apostolischen Lehre zusammen. Das ist auch bei den J\u00fcngern so, von denen Apg 19 spricht, die den Geist deswegen noch nicht empfangen hatten, weil sie die Jesusbotschaft noch nicht vernommen hatten. Ebertsh\u00e4user weist darauf hin, dass bei einem zweiten Geist-Empfang die Gefahr besteht, dass nach der Warnung von 2.Kor 11,4 der andere Geist eines anderen Evangeliums von den Christen Besitz ergreift. Dieser falsche Geist manifestiert sich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; in Prophetien, die nicht eintreffen;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; in ekstatischen Zust\u00e4nden, die eher auf unw\u00fcrdige, dunkle Geister als auf die Vern\u00fcnftigkeit jener Menschen hinweisen, die von D\u00e4monen befreit werden;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; sowie in ethisch-moralischen Verfehlungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die notwendige, echte Erneuerung der Kirche aus der Kraft des Geistes wird durch diese Besch\u00e4ftigung mit einem falschen Geist gerade verhindert, meint Ebertsh\u00e4user.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar:<\/b> Aus eigener Erfahrung kann ich best\u00e4tigen, dass gerade junge Christen durch das Lehren und Herbeiw\u00fcnschen der Geistestaufe in ihrem Glauben verunsichert werden und sich unter Druck gesetzt f\u00fchlen. Die Szene von der Taufe Jesu Mt 3,13-17 zeigt, dass der Geist dort kommt und wirkt, wo im Namen des dreieinigen Gottes getauft wird. Allerdings kann er durch Unglaube und Ungehorsam verdr\u00e4ngt werden. Wo jedoch ein Mensch zum Christusbekenntnis zur\u00fcckfindet, ist dies nach 1.Kor 12,3 ohne den Geist gar nicht m\u00f6glich. Der Christ hat die Mahnung n\u00f6tig, sich mehr vom Geist erf\u00fcllen zu lassen (Eph 5,18). Aber diese Mahnung zielt nicht auf eine zweite Geistestaufe ab. Sondern auf eine vern\u00fcnftige, n\u00fcchterne, christliche Lebenshaltung \u2013 im Unterschied zu dem \u201eunordentlichen Wesen\u201c des Betrunkenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>C. Gibt es heute noch echte Prophetien und Wunderzeichen?<\/b><\/p>\n<p>Der Autor Ebertsh\u00e4user kennt charismatische Prediger, die von sich behaupten, die Gabe der Prophetie zu besitzen, wie sie in der Urchristenheit vorkam (1.Kor 12,10). Jedes Gemeindeglied habe etwas von dieser Gabe, so meinen charismatisch orientierte Christen. Sie \u00e4u\u00dfere sich in prophetischen Eindr\u00fccken, Bildern, Tr\u00e4umen und inneren Stimmen. Das Problem dieser Prophetien ist, das sich Ansagen von Zuk\u00fcnftigem immer wieder als falsch herausstellen. Dazu wird dann erkl\u00e4rt, dass sich in der Prophetie Wahres und Falsches vermischen k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebertsh\u00e4user h\u00e4lt dieser Erwartung und Praxis 1.Kor 13,8 entgegen, wo der Apostel vom Aufh\u00f6ren besonderer Gaben wie Weissagung, Sprachenrede (\u201eGlossolalie, Zungenrede\u201c) und Erkenntnis-Worte spricht, wenn \u201edas Vollkommene\u201c kommen wird (1.Kor 13,10). Dieser Begriff meine nicht die Vollkommenheit des ewigen Lebens, weil es im ewigen Leben auch kein Glauben und kein Hoffen mehr gebe (1.Kor 13,13 \u201eNun aber <i>bleiben<\/i> Glaube, Hoffnung, Liebe\u201c), argumentiert der Autor. Vielmehr sei die vollst\u00e4ndige Lehre des Evangeliums gemeint, die nach Abschluss der neutestamentlichen Schriften f\u00fcr jedermann einsichtig und verl\u00e4sslich vorgelegen habe. Die Gabe der Prophetie sei nur in der Anfangszeit n\u00f6tig gewesen, um der noch jungen Christenheit mit vielen Kenntnisl\u00fccken eine vollst\u00e4ndige Offenbarung des Evangeliums zu schenken. Die Apostel warnen vor massiver Falschprophetie in der nachapostolischen Zeit (1.Joh 4,1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar: <\/b>Die Bibel f\u00fchrt immer wieder vor Augen, wie der Heilige Geist klare Gottesworte an ausgew\u00e4hlte Personen \u00fcbermittelt, zum Zweck der Verk\u00fcndigung. Die Erkl\u00e4rung, dass sich Wahres und Falsches vermischen k\u00f6nne, klingt nach einer Ausflucht. Sie unterstellt dem Heiligen Geist Unklarheit in der Ausdrucksweise und Unf\u00e4higkeit bei der \u00dcbermittlung von Offenbarungsworten. Zeigt sich nicht bereits im NT, dass nach einer Zeit des Aufbruchs mit vielen notwendigen Prophetien und Erkenntnisworten die Bewahrung und Pflege des Glaubens von der Auslegung des Schriftwortes erwartet wird (siehe z.B. 1.Tim 4,13; 2.Tim 3,14-17!)? Zeigt nicht die Missions- und Kirchengeschichte dasselbe Bild, dass nach einer Gr\u00fcndungsphase mit unmittelbar eingegebenen Tr\u00e4umen, Gottesworten und Weisungen immer die Phase der Konsolidierung mithilfe der Schriftauslegung folgt, die f\u00fcr ein lebendiges Christenleben vollkommen ausreicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die \u201eZeichen und Wunder\u201c, auf die die Pfingst- und Charismatische Bewegung so viel Wert legt. F\u00fcr viele Charismatiker sind sie n\u00f6tig zum Erweis eines echten, geistgesalbten, vollm\u00e4chtigen Christenlebens, erkl\u00e4rt Ebertsh\u00e4user. Zweifellos wurde die Erstverk\u00fcndigung des Evangeliums durch Jesus und die Apostel durch eine Vielzahl von Zeichen und Wunder von Gott her best\u00e4tigt. Doch Hebr 2,4 blickt auf die Zeit der Bekanntmachung des Evangeliums mit Zeichen und Wundern zur\u00fcck. Der Autor des Hebr\u00e4erbriefs st\u00e4rkt den Glauben der Gemeinde nicht durch die Verhei\u00dfung neuer au\u00dfergew\u00f6hnlicher Erfahrungen, sondern durch die Auslegung des AT auf Jesus hin. Selbstverst\u00e4ndlich bleibt Gott ein Gott, der Wunder tut. Doch Jesus und seine Apostel warnen die Gemeinde vor letzten Zeiten, in denen falsche Christusse und falsche Propheten sich durch d\u00e4monische Zeichen und Wunder ausweisen (Mt 24,24; 2.Thess 2,9f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar:<\/b> Auch im R\u00f6merbrief spricht Paulus wie beil\u00e4ufig von den Zeichen und Wundern, die er bei Gemeindegr\u00fcndungen vollbracht hat (R\u00f6 15,19), macht sie aber innerhalb seiner umfassenden Darlegung der Lehre vom Evangelium nicht zum Thema. Das hei\u00dft, dass Zeichen und Wunder f\u00fcr die Evangeliumslehre nicht konstitutiv und f\u00fcr die kommende Zeit der Gemeinde nicht entscheidend sind. Dazu steht die charismatische Sehnsucht nach Zeichen und Wundern, die sich auf der B\u00fchne vorf\u00fchren lassen, in scharfem Kontrast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>D. \u201eLobpreis\u201c, \u201eZungenreden\u201c, \u201eD\u00e4monenaustreibungen\u201c \u2013 Charismatische Praktiken unter der Lupe<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor Ebertsh\u00e4user beschreibt das f\u00fcr Charismatiker so wichtige Gottesdienstelement \u201eLobpreiszeit\u201c als etwas Gelenktes und Suggestives, das die Anwesenden in eine Haltung der Passivit\u00e4t und Offenheit f\u00fcr einen Geist bringt, den man f\u00fcr den Heiligen Geist h\u00e4lt. Er offenbart sich auf dem H\u00f6hepunkt der Lobpreiszeit, dem \u201eDurchbruch\u201c, durch das Umfallen von Betern, das Weinen oder das Prophezeien. Diese Wirkungen schreibt Ebertsh\u00e4user einem Irrgeist zu. Der sogenannte \u201eDurchbruch\u201c wird durch gezielten Einsatz von Rhythmus und Melodie erreicht, bei dem die Musik eine quasi hypnotisierende Wirkung entfaltet. Zudem transportieren die Anbetungslieder falsche Erwartungen einer gro\u00dfen Erweckung und Geistausgie\u00dfung in der Endzeit und andere Irrt\u00fcmer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar:<\/b> Wenn heute viele Gemeinden die \u201eLobpreiszeit\u201c mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit in den Gottesdienst \u00fcbernehmen, ist die Reflexion der originalen Idee und Gestaltung n\u00f6tig. Kann man die \u201eLobpreizeit\u201c in der beschriebenen Form als neutrale Form sehen? Oder tr\u00e4gt sie mit ihrer Emotionalit\u00e4t, ihren eingeschobenen Gebeten, ihren ekstatischen H\u00f6hepunkten nicht etwas Neues und Fremdes in den Gottesdienst hinein? Oder anders gefragt: Was macht sie denn im Vergleich zum bisherigen gottesdienstlichen Singen und Loben so unverzichtbar?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u201eZungenreden\u201c sehen charismatische Christen als Zeichen der Empfang der Geistestaufe, als wirksame Form des Gebets und als eine Weise der Prophetie. Ebertsh\u00e4user gibt auch im Blick auf diese etwa in Korinth vorkommende Gabe der ersten Stunde zu bedenken, dass sie in den Belehrungen der Apostelbriefe f\u00fcr die Aufbauzeit der Kirche kaum eine Rolle mehr spielt. Er vertritt die These, dass das \u201eSprachenreden\u201c, wie in 1.Kor 12-14 verhandelt, kein anderes Sprachenreden als dasjenige von Apg 2 war: n\u00e4mlich ein Reden in einer real existierenden, menschlichen Sprache. In Apg 2 wurde dieses Reden in Fremdsprachen als vorausweisendes Zeichen auf die Zeit der V\u00f6lkermission geschenkt. In 1.Kor 14,21f stellt es vor allem ein Gerichtszeichen f\u00fcr Israel dar, weil sich Gott von dem verstockten Israel abwendet und den Nationen anderer Sprache zuwendet. In dem Moment, in dem Evangeliumsverk\u00fcndigung und Gemeindeaufbau tats\u00e4chlich in anderen L\u00e4ndern mit ihrer eigenen Sprache betrieben wird, ergibt ein \u201eFremdsprachen-Reden\u201c keinen Sinn mehr. Denn es kommt ja alles gerade auf den Transport des Evangeliums in verst\u00e4ndlicher Sprache an! Dann aber erweist sich das charismatische Lallen von Phantasielauten, das gerne als Reden in der Engelsprache ausgegeben wird, als \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar:<\/b> Der Auslegungsansatz, dass es im 1.Kor um kein anderes Sprachenreden als in Apg 2 ergeht, scheint mir ebenso einfach wie vern\u00fcnftig und stimmig zu sein. In der Zeit der Kirche und des Gemeindeaufbaus vor Ort macht ein wundersames Reden in fremder oder gar himmlischer Sprache keinen Sinn. Das Evangelium l\u00e4sst sich nur in verst\u00e4ndlicher Sprache vermitteln, die von Missionaren und Bibel\u00fcbersetzern oft durch m\u00fchsames Studium erworben werden muss. Das ist der Normalfall, der nicht durch den Ausnahmefall am Beginn der Kirche \u00fcberblendet werden darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Austreiben von D\u00e4monen wird in charismatischen Kreisen sehr hervorgehoben und auch unter gl\u00e4ubigen Christen praktiziert. Ebertsh\u00e4user weist darauf hin, dass die D\u00e4monenaustreibungen des Neuen Testaments durchweg an Ungl\u00e4ubigen vollzogen wurden zur Demonstration der Macht des Messias. Gl\u00e4ubige sind dagegen grunds\u00e4tzlich befreit von der Herrschaft der D\u00e4monen (Kol 1,12-14). Dagegen begibt sich die \u201eBefreiungsseelsorge\u201c in den Bereich der Geisterbeschw\u00f6rung und des Spiritismus. Sie l\u00e4uft Gefahr, gerade solche Verstrickungen hervorzurufen, von denen sie eigentlich befreien will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar: <\/b>Der Vergleich von Missionsgebieten, in denen d\u00e4monische Besessenheit aufgrund eines intensiven Okkultismus tats\u00e4chlich vorkommt und von verl\u00e4sslichen Zeugen geschildert wird, mit Europa, wo dieses Ph\u00e4nomen selten auftritt, l\u00e4sst die charismatische \u00dcberbetonung dieses Themas deutlich werden. Hinter ihm d\u00fcrfte wiederum die Sehnsucht nach einem greifbar-aktuellen Kraftwirken des Geistes stehen, das sich eindr\u00fccklich f\u00fcr andere vorf\u00fchren l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>E. Zur Geschichte der Pfingst- und Charismatischen Bewegung<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon im altkirchlichen Montanismus und in der katholischen Mystik, die viele fragw\u00fcrdige Visionen und \u00fcbernat\u00fcrliche Erfahrungen von Heiligen \u00fcberliefert und verehrt, sieht Ebertsh\u00e4user einen schw\u00e4rmerischen Geist am Werk, der wegf\u00fchrt vom n\u00fcchternen, biblisch gegr\u00fcndeten Glauben. In der Heiligungsbewegung des 19. Jhdt in den USA traten bereits Gruppen auf, die Wunderheilungen und Geistestaufe praktizierten (z.B. die \u201eFeuergetaufte Heiligungskirche\u201c). Die \u201eGeistausgie\u00dfung\u201c am 1. Januar 1901 in Topeka in der Bibelschule des Heiligungspredigers Charles F. Parham l\u00f6ste die sogenannte Pfingstbewegung aus, die mit ihren falschen Prophetien und angeblichen Wunderzeichen viel Verwirrung und Spaltung in die Gemeinden hineintrug. Die der Pfingstbewegung verwandte Charismatische Bewegung begann mit der Erfahrung der Geistestaufe des anglikanischen Pfarrers Dennis Bennett im Jahr 1960. Sie gewann \u00fcberall an Einfluss, z.B auch durch die \u201echarismatische Erneuerungsbewegung\u201c innerhalb der katholischen Kirche seit 1967. Durch die Vineyard-Gemeinde von John Wimber, die Wort-des-Glaubens-Gemeinden von Kenneth Hagin und die Calvary-Chapel-Gemeinden von Chuck Smith erhielt die Bewegung in den siebziger Jahren zus\u00e4tzlich Aufwind. Eine wichtige Rolle bei ihrer Ausbreitung spielten \u00fcberkonfessionelle, weltweit operierende Werke wie Jugend mit einer Mission, Teen Challenge oder Full Gospel Businessmen. Heute gibt es sch\u00e4tzungsweise 520 Millionen charismatische Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Charismatische Gedanken und Praktiken gewinnen im evangelikalen Raum an Einfluss, \u00a0beobachtet Ebertsh\u00e4user. Die Lobpreismusik wird von Evangelikalen \u00fcbernommen. In der Evangelischen Allianz und bei ProChrist arbeiten Charismatiker mit. Ebertsh\u00e4user bewertet diesen Vorgang sehr kritisch: \u201eDer Abfall vom biblischen Evangelium schreitet voran, aber erschreckend viele Evangelikale sind schon so benebelt, dass sie es nicht mehr erkennen k\u00f6nnen.\u201c (167)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar:<\/b> Wenn neuerdings f\u00fchrende Charismatiker zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz geh\u00f6ren, ist es notwendig, neu zu fragen, wie sich denn die Allianzbewegung bzw. die Evangelikalen definieren. Von der geschichtlichen Entwicklung her handelt es sich um zwei verschiedene Verst\u00e4ndnisse des Gemeindeaufbaus nach apostolischer Anweisung. Ob sich diese zwei Verst\u00e4ndnisse miteinander verbinden lassen? Jedenfalls w\u00e4re n\u00f6tig, dass vor der Verflechtung von Bewegungen Gespr\u00e4che \u00fcber Lehrunterschiede und Unterschiede in der Gemeindepraxis stattfinden. Sollten diese Unterschiede verdr\u00e4ngt, \u00fcberspielt oder auch toleriert werden, ergibt sich tats\u00e4chlich eine neue evangelikal-charismatische Allianz, die sich nicht mehr so wie bisher in \u00dcbereinstimmung befindet mit Gemeinden, die die charismatische Bewegung hinterfragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>F. Die bibeltreue Gemeinde in der Auseinandersetzung mit endzeitlichen Verf\u00fchrungen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biblische Weisung \u201eRichtet nicht!\u201c wird gerne gegen Kritiker von neuen christlichen Bewegungen in Anschlag gebracht. Ebertsh\u00e4user wehrt sich gegen ein Verbieten von Kritik mit dem Hinweis auf echte Liebe zum Bruder, die die Wahrheit nicht verschweigen kann. Die Pr\u00fcfung der Geister ist der Gemeinde in 1.Joh 4,1 aufgetragen. Das Neue Testament lehrt nicht die Annahme und Toleranz von Irrlehrern, sondern die klare Trennung von ihnen, weil die Irrlehre das Gemeindeleben wie Sauerteig durchdringt und zersetzt. Nach 2.Kor 6,14ff ist die Scheidung zwischen Kirche und abgefallener, verwirrter Kirche, zwischen Gottes Tempel und G\u00f6tzentempel geistlich unverzichtbar. Deswegen muss sich die bibeltreue Gemeinde der Auseinandersetzung mit einem falschen Geist stellen und in schwierigen Zeiten gegen den Strom schwimmen und den schmalen Weg gehen, so der Aufruf von Ebertsh\u00e4user (mit Hinweis z.B. auf 2.Petr 3,17f \u201eSo h\u00fctet euch, dass ihr nicht durch die Verf\u00fchrung der Frevler mit fortgerissen werdet.\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kommentar:<\/b> Ebertsh\u00e4user greift eine Sto\u00dfrichtung des Neuen Testaments auf, die heute gerne verschwiegen wird. Alles, was mit dem Ringen um die Wahrheit, dem Pr\u00fcfen der Geister\u00a0 und dem Trennen von falscher Lehre zusammenh\u00e4ngt, stellt man gerne zur\u00fcck, um um so mehr das Tolerieren von alternativen Meinungen und das Bewahren der Einheit zu betonen. So wahr die Einheit der Kirche nach M\u00f6glichkeit zu bewahren ist, so wenig darf dies um den Preis der Aufgabe einer klaren Anschauung der Wahrheit apostolischer Lehre geschehen. Die Kirche ist auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut (Eph 2,20). Wenn man sich \u00fcber dieses Fundament in wesentlichen Punkten nicht einig ist, kann auch keine Kirchen-Einheit k\u00fcnstlich erhalten oder hergestellt werden.<\/p>\n<p><em>Pfarrer Dr. Tobias Ei\u00dfler, Gunzenhausen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Pfingst- und Charismatische Bewegung. Eine biblische Orientierung\u201c von Rudolf Ebertsh\u00e4user, Edition Nehemia CH Steffisburg 2012, 198 Seiten, 4,90 Euro Der Klappentext informiert dar\u00fcber, dass der Autor selbst Mitglied einer charismatischen Gemeinde gewesen ist, sich dann aber von der charismatischen Bewegung gel\u00f6st hat. In mehreren Ver\u00f6ffentlichungen hat er sich kritisch mit der Charismatik auseinandergesetzt. 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