{"id":9815,"date":"2013-08-05T08:43:54","date_gmt":"2013-08-05T06:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9815"},"modified":"2013-08-05T08:43:54","modified_gmt":"2013-08-05T06:43:54","slug":"mit-gott-in-der-holle-des-ruandischen-volkermords","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9815","title":{"rendered":"Mit Gott in der H\u00f6lle des ruandischen V\u00f6lkermords"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin in einer christlichen Familie geboren und aufgewachsen. Meine Eltern waren von Ruanda nach Burundi und danach in den Kongo geflohen. Schon in den sechziger Jahren gab es politische Unruhen zwischen den sogenannten ethnischen Gruppen in meinem Land Ruanda. Tutsi wurden nach 1959 zu Tausenden von Hutu get\u00f6tet und als Kakerlake oder Schlangen bezeichnet. Viele Tutsikinder durften nicht zur Schule gehen. So war ich in Burundi geboren, im Kongo aufgewachsen und habe in Ruanda im Dezember 1987 geheiratet.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1990 begann f\u00fcr mich eine harte Zeit wegen der Ideologie des V\u00f6lkermords gegen alle Tutsi in Ruanda. Bald nach meiner Hochzeit wurde mein Mann Charles mit anderen Intellektuellen ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Nach f\u00fcnfeinhalb Monaten wurde er befreit, aber er verlor seine Stelle, weil die so genannten extremistischen Hutu keine Tutsi mehr in der Fabrik haben wollten. Er musste fliehen, wir konnten uns nur manchmal heimlich treffen und 1994 wurde er ermordet \u2013 ich wei\u00df nicht, wie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich f\u00fchlte den Hass meiner feindlichen Hutu Nachbarn: Niemand durfte mich zu Hause besuchen. Da ich im christlichen Glauben aufgewachsen war, habe ich meine Zuflucht zu Gott genommen und ihn in meinen Gebeten herausgefordert. Gott sprach mehrfach zu mir, manchmal durch Bibelverse, manchmal durch Tr\u00e4ume oder durch Menschen \u2013 einmal durch einen Hutu Kollegen: \u201eDu wirst noch viele Probleme bekommen, aber ich werde dich besch\u00fctzen. Und was kein Mensch f\u00fcr dich tun kann, werde ich, Gott, f\u00fcr dich tun.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend des 6. April 1994 wurde das Flugzeug mit dem Pr\u00e4sidenten abgeschossen \u2013 aber dies war das Signal und der Vorwand f\u00fcr den lange geplanten V\u00f6lkermord an allen Tutsi. Eine Million Tutsi und einige gem\u00e4\u00dfigte Hutu wurden in nur 100 Tagen umgebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 16. April kam eine christliche Hutu Frau vom Markt und sagte mir: \u201eIch habe deine Tante, ihre 2 S\u00f6hne und ihren Schwiegervater gesehen, wie sie schon tot auf der Stra\u00dfe lagen.\u201c Sie sagte auch: Die Interahamwe, die Milizen, seien nun auf dem Weg zu meinem Haus. Sie wollten mich, meine Familie und alle Tutsi in der Gegend t\u00f6ten. Zu der Zeit war ich hochschwanger und wartete auf die Geburt, und mein Mann war nicht zu Hause. Wir waren 10 Leute in meinem Haus, wir begannen zu beten, einander und Gott um Vergebung zu bitten. Ich sagte ihnen: \u201eIch f\u00fchle, dass einige von uns sterben und dass einige \u00fcberleben werden. Aber f\u00fcr die, die sterben werden, sage ich: Wir werden uns alle im Himmel treffen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Milizen kamen von hinten ins Haus mit Macheten, Gewehren, \u00c4xten, Schwertern. Als sie die Hintert\u00fcr zerst\u00f6rten, floh ich in das Badezimmer mit meinem zweiten Sohn Christian, der eineinhalb Jahre alt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend dieser Zeit im Badezimmer war ich innerlich verwundet und sprach zu Gott, mit dem ich st\u00e4ndig verbunden war: \u201eDu hast mich entt\u00e4uscht Gott, warum hast du mir nicht vorher gesagt, dass ich sterben muss und deine Braut sein werde, so dass ich mich auf meinen Tod vorbereiten kann?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcnf Leute waren in meinem Schlafzimmer versteckt. Ich h\u00f6rte meine Cousine Th\u00e9r\u00e8se schreien, danach die M\u00f6rder reden vor dem Badezimmer. Als sie die Holzt\u00fcr aufgebrochen hatten, stand ich so da mit verschr\u00e4nkten Armen, schwanger, meinen Sohn Christian auf meinem R\u00fccken. Ich wusste: Das ist das Ende. Aber anstatt mich gleich zu t\u00f6ten, begannen sie einen Dialog. Sie forderten Geld von mir, sie verteilten es an alle und jemand sagte: \u201eWarum willst du diese Tutsi Frau nicht umbringen?\u201c Und er erhob sein Schwert. Ein anderer hielt seine Hand zur\u00fcck: \u201eLass sie, sie ist nicht gef\u00e4hrlich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann verlie\u00dfen sie mich, um andere Tutsi umzubringen. Viele Leute haben viel Geld bezahlt, um nicht durch eine Machete zu sterben sondern durch eine Kugel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um mich herum lagen einige meiner Verwandten im Todeskampf. Mein Geist konnte nicht fassen, was geschah. Mein Hausjunge sagte mir, sie w\u00fcrden zur\u00fcckkommen, um mich zu t\u00f6ten. So gab ich ihnen Christian und versteckte mich unter dem Bett, ich lag im Blut meiner Cousins. Die ganze Nacht h\u00f6rte ich meine Cousine Th\u00e9r\u00e8se wimmern: \u201eJesus von Nazareth, hilf mir.\u201c Dann war sie ruhig und starb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich konnte mich unter dem Bett nicht bewegen und litt sehr &#8211; mitten in der Nacht sp\u00fcrte ich, dass es Zeit war, zu geb\u00e4ren. Ich ging zu einer Nachbarin, die in einer Klinik arbeitete. Sie hatte gro\u00dfe Angst, auch get\u00f6tet zu werden, wenn sie mir \u00f6ffnete, aber sie lie\u00df mich herein. Kurz darauf kamen andere Interahamwe. Die Frau forderte mich auf, mich unter dem Dach zu verstecken, aber das war so kurz vor der Geburt nat\u00fcrlich nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie rannte weg und als sie wiederkam, kam mein kleiner Sohn schon auf die Welt \u2013 es war am fr\u00fchen Morgen des 17. April. Besonders die Tutsi-Jungen waren Todeskandidaten, aber es war der Plan Gottes, mir einen lebendigen Sohn zu schenken. Die Frau hatte nat\u00fcrlich keine sterilisierten Ger\u00e4te, so nahm sie ein klebriges Messer aus der K\u00fcche, und schnitt meine Nabelschnur durch. Dann dr\u00e4ngte sie mich, ihr Haus schnell zu verlassen. Aber das war nicht m\u00f6glich, denn ich blutete, war sehr schwach und schwindelig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam mir eine Idee: Ich wollte mich im Vorratsraum hinter der T\u00fcr verstecken, die T\u00fcr offenlassen, so dass die Killer dachten, dass niemand dort drin sei. Ich stillte mein Baby, damit es nicht schrie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Milizen kamen in das Haus, aber kamen nicht auf die Idee, dass jemand hinter der offenen T\u00fcr w\u00e4re. Sie warfen zwei Granaten ins Haus aber sie explodierten nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem eigenen Haus waren zehn Leute: f\u00fcnf wurden get\u00f6tet, f\u00fcnf haben \u00fcberlebt, einschlie\u00dflich meiner Kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">100 Tage lang war ich immer in Lebensgefahr, voller Furcht und Schrecken. Oft habe ich mit Gott gek\u00e4mpft und ihn gefragt: \u201eWelche S\u00fcnden haben die Tutsi begangen, dass sie wie Fliegen get\u00f6tet werden, gefressen von Hunden, andere in Fl\u00fcsse oder Massengr\u00e4ber geworfen. Wie wirst du ihnen das erkl\u00e4ren am J\u00fcngsten Gericht?\u201c Mein vierj\u00e4hriger erster Sohn fragte mich: \u201eMama, ist das das Ende der Welt?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinen Gebeten habe ich seine Worte auf die Probe gestellt. Ich habe viele Psalmen gelesen und gesprochen. Ich habe gezweifelt und ich war von meinen Pastoren und von den Leitern meiner Gemeinde und Christen entt\u00e4uscht, weil viele von ihnen an diesem V\u00f6lkermord direkt oder indirekt beteiligt waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich versprach Gott immer: \u201eWenn ich \u00fcberlebe, werde ich allen Menschen erz\u00e4hlen, dass du ein gro\u00dfer und m\u00e4chtiger Gott bist. Ich werde alle ermutigen, dir treu zu sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verhei\u00dfungen Gottes sind wahr geworden. Gott sch\u00fctzte mich wunderbar. Ich wei\u00df nicht, warum ich \u00fcberlebt habe, aber wozu! Ich bin noch am Leben, nicht weil ich besser als andere war oder mehr gebetet habe, sondern weil Gott einen Zweck damit verband.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Meine Wut , mein Hass, meine Bitterkeit<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem V\u00f6lkermord war ich sehr tief traumatisiert und sauer auf Gott, weil er nicht auf die Tutsi aufgepasst hatte. Die Hutu waren stolz darauf, uns ausgel\u00f6scht zu haben. Mein lieber Mann Charles, sein Papa, seine sechs Br\u00fcder, mein Opa, meine Oma, meine Tanten, meine Onkel, Cousins und Cousinen, viele meiner lieben Freunde und Nachbarn sind nicht mehr am Leben. Es gibt nur Witwen, die traumatisiert sind, viele sind durch die Verletzungen behindert geworden. Viele Waisen haben keine Eltern mehr, viele Witwen haben ihre M\u00e4nner und Kinder verloren und sind vergewaltigt worden. Man h\u00f6rt nur traurige Geschichten, wie M\u00fctter gezwungen wurden, ihre kleinen Kinder den M\u00f6rdern auszuliefern und ihnen vor den Augen ihrer M\u00fctter auf einem Baumstamm die K\u00f6pfe abgeschlagen wurden\u2026. Mit wem soll ich noch leben? Mit wem kann ich sprechen? Wem kann ich vertrauen? Ich war sauer auf meine Pfingstgemeinde, weil sie mich im Stich gelassen hatte. Warum haben mich die Pastoren und Gemeindemitglieder nicht besucht? Das Essen bekam ich von unerwarteten Personen, die selber arm waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kannte einige von denen, die meine Verwandten get\u00f6tet haben oder wer direkt oder indirekt beteiligt war. Ich war sehr w\u00fctend, bitter, sauer auf Gott, weil er die Tutsi nicht besch\u00fctzt hatte. Ich hasste die Hutu Milizen. Auf der Stra\u00dfe traf ich die UNO Soldaten, die nach dem V\u00f6lkermord Sicherheitsdienst in meiner Umgebung gemacht hatten. Aber wir sind schon tot, was machen sie jetzt hier?, wo wart ihr?, sagte ich in meinem Herzen voller Wut. Und Tutsis wurden auch noch nach dem V\u00f6lkermord von Hutu Milizen get\u00f6tet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war eine gro\u00dfe Frage f\u00fcr mich, wie ich noch mit solchen Menschen leben kann, die das Herz von Raubtieren haben. Wir sagen, dass im V\u00f6lkermord die wilden Tiere freundlicher zu uns waren als die Hutu Milizen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem Haushalt war alles gepl\u00fcndert und aus den M\u00fcllbergen rettete ich nur mein kostbares Tagesbuch. Einige Leute sind zu mir gekommen, und sie konnten mir sagen, wer meine M\u00f6bel und alle Sachen aus meinem Haus an sich genommen hatte. Auf der Stra\u00dfe traf ich Frauen, die meine Kleidung tragen, fand meinen K\u00fchlschrank im Lebensmittelgesch\u00e4ft, ich wollte sie nicht wieder zur\u00fcckbekommen, alle Sachen waren f\u00fcr mich schon verunreinigt. In meinen Feldern wurde die gesamte Ernte weggenommen. Die Tutsi hatten kein Recht mehr auf ihr Eigentum. Ich habe im Haushalt wieder mit Null angefangen. Durch Gottes Wunder konnte ich wieder in meiner alten Firma arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Der Kampf mit der Vergebung<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kniete ich vor dem Bett und habe zu Gott gerufen: Warum hast du das erlaubt, dass eine Million Tutsi ausgel\u00f6scht wurden? Wie sollen wir jemals wieder eine Nation sein? Es hat mich gewundert, dass genau diese Hutu Nachbarn zu mir kamen und um Hilfe baten. Einige von ihnen kamen nach ihrer Flucht aus den Nachbarl\u00e4ndern Kongo oder Burundi zur\u00fcck, und sie hatten nichts. Ich konnte es nicht fassen. Ich dachte in meinem Herzen: \u201eSie sind verr\u00fcckt\u201c, vergessen sie, was sie uns angetan haben? Dann sagte mir die Stimme Gottes: \u201eBitte vergelte nicht B\u00f6ses mit B\u00f6sem, du bist am Leben nur aus Gnade. Du warst nicht ein besserer Mensch als andere, die get\u00f6tet wurden. Ich habe dir das Essen gegeben, ich habe meine Verhei\u00dfungen, mein Worte an Dich gehalten.\u201c Dann habe ich auf die Stimme Gottes geh\u00f6rt. Ich habe im Laufe der Zeit jeden Tag Gott f\u00fcr meine Wut und meinen Hass um Vergebung gebeten, bis Er mich von Wut und Hass geheilt hat. Ich habe meinen Feinden Essen und Kleidung gegeben und sie im Krankenhaus besucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott sagte mir deutlich: \u201eGib ihnen die Chance, ihre Schuld zu bekennen\u201c. Im Gebet antwortete ich: \u201eIch kann es nicht, sie sind ein Gr\u00e4uel f\u00fcr uns, sie sind keine Menschen mehr\u201c. So habe ich Gott meine Schw\u00e4che gezeigt. Ich habe in meinen Gebeten mit Fasten alle m\u00f6glichen Gedanken oder Worte der Bibel mit Gott ausgetauscht. Ich habe auch Gespr\u00e4che mit einigen Hutu gef\u00fchrt, um meine Angst zu verlieren. Manchmal verbrachte ich Zeit im Gebet mit anderen Witwen, in dem wir unsere Entt\u00e4uschungen, Klagen, Angst vor der Zukunft vor Gott ausgesprochen hatten. Manchmal \u00fcberraschte mich Gott durch einen Besuch von Hutu-Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Aufgabe in meiner Gemeinde<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meiner Gemeinde war ich im Gemeindechor, und ich liebte es sehr zu singen und war Diakonisse. So musste ich, die Bed\u00fcrftige, Christen zu Hause oder im Krankenhaus besuchen. Dort hatte ich gern meinen Dienst gemacht aber ich habe auch viel Widerspruch erfahren: \u201eWarum besucht Denise die Feinde zu Hause? Warum hatte sie Beziehungen zu Interahamwe?\u201c Aber in Wahrheit waren nicht alle Hutu Interahamwe oder Milizen. Aber weil wir schon viele Jahre diese b\u00f6se Macht der Ideologie gegen Tutsi in Ruanda vom damaligen Regime erlebt hatten, konnte man verstehen, warum die \u00dcberlebenden alle Hutu so genannt hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kraft der Vergebung <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin Gottes Stimme gefolgt: Bitte hilf ihnen, ihre Schuld zu bekennen. Gott hat mich besonders durch das Wort aus Apostelgeschichte 26,16-18 angesprochen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e\u2026Doch steh auf, denn ich bin dir erschienen, um dich in meinen Dienst zu stellen. Du sollst bezeugen, was du heute gesehen hast und was ich dir noch zeigen werde. Ich werde dich besch\u00fctzen vor den Juden und auch vor den Nichtjuden, zu denen ich dich sende. Gerade ihnen sollst du die Augen \u00f6ffnen, damit sie aus der Finsternis ins Licht kommen, aus der Gewalt des Satans zu Gott. Denn wenn sie auf mich vertrauen, wird ihnen ihre Schuld vergeben und sie erhalten ihren Platz unter denen, die Gott zu seinem heiligen Volk gemacht hat\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch diese Botschaft hat Gott mir die Kraft gegeben, meinen Feinden zu vergeben. Ein Leiter des Dorfbezirks hatte diese Menschen f\u00fcr mich eingeladen, um mit mir ein Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Ich fragte sie: Was wolltet ihr von mir? Sie antworteten: \u201eBitte vergib uns.\u201c Ich habe ihnen \u00f6ffentlich gesagt, dass ich ihnen vergebe. Eine Frau schrie darauf mit gro\u00dfer Emotion: \u201eOooh, Denise vergibt uns wie Jesus Christus am Kreuz!\u201c Gott gab mir viel sp\u00e4ter die Gelegenheit, in die USA zu fliegen, das UNO-Geb\u00e4ude zu besuchen und ihnen zu vergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Freundin Beata bekam einen Brief aus dem Gef\u00e4ngnis von einem jungen Mann, der ihre Kinder get\u00f6tet hatte. Er bittet um Vergebung und seine Mutter brachte den Brief zu Beata nach Hause. Die Bekannten von Beata sagten ihr: \u201eGut, das ist die Chance, Rache zu \u00fcben. Du hast deine Kinder und deinen Mann verloren. Sie bereiteten das Messer und die Plastikt\u00fcte vor, sie wollten die Frau t\u00f6ten. Beata aber \u00fcberlegte und antwortete: \u201eNein, ich habe Jesus Christus erkannt. Ich vergebe ihm.\u201c Preist den Herrn!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil Jesus Christus in dieser Welt schrecklich gelitten hat, kann er uns in unserem Leid in jeder Situation verstehen und uns ein neues heiles Leben und neu Zukunft schenken. Durch das Blut am Kreuz, durch die Kraft der Auferstehung, durch die Liebe Gottes, erm\u00f6glicht er uns zu tun, was f\u00fcr uns unm\u00f6glich ist. Er gibt uns die Kraft, in allen Situationen zu vergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute spricht man in Ruanda im Blick auf die Gegenwart und Zukunft nicht mehr von \u201eHutu\u201c und \u201eTutsi\u201c, wir sind alle \u201eRuander\u201c und wir haben eine Regierung der Einheit und Vers\u00f6hnung. Anders als vor dem V\u00f6lkermord spielen heute die Kirchen und Christen eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr die Heilung der Seele und der Nation. Sie predigen \u00fcber Vergebung unter diesem Motto \u201eNutanga imbabazi urabona amahoro\u201c, d. h. \u201ewenn du vergibst, bekommst du Frieden\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Juli 2008 habe ich meinen zweiten Mann, Wolfgang Reinhardt, in Ruanda geheiratet. Ich lebe seit 2008 in Kassel mit meinen 3 S\u00f6hnen. Mein Mann und ich machen unseren freiwilligen Dienst in Zusammenarbeit mit dem Missionswerk Frohe Botschaft (MFB e.V.) f\u00fcr die vielen noch traumatisierten Witwen und Waisen. Manchmal laden wir Ruander nach Deutschland ein, damit sie ihr Zeugnis geben. Oder wir organisieren Gruppenreisen nach Ruanda, um den Ruandern zu zeigen, dass sie nicht mehr allein sind, um ihnen mit unseren Gaben zu helfen und selber beschenkt zu werden. Wir lassen uns auch gern in verschiedene Gruppen, Gemeinden, Vereine einladen, um dieses wahre Zeugnis weiterzugeben und Menschen zu ermutigen, Gott zu vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir unterst\u00fctzen viele Selbsthilfeprojekte f\u00fcr die \u00dcberlebenden und suchen Sponsoren f\u00fcr drei Arten von Patenschaften: 1. f\u00fcr M\u00fctter und Kinder, 2. f\u00fcr alte Menschen, die Schreckliches erlebt und Angeh\u00f6rige verloren haben, und 3. f\u00fcr die Berufsausbildung junger Waisen. Manche aus diesen Gruppen wurden im V\u00f6lkermord vergewaltigt und HIV-infiziert. Diese Patenschaften und die Partnerschaft \u00fcberhaupt sind ein Zeichen, dass der liebende Gott die Witwen und Waisen nicht vergessen hat. Sie erhalten dort so eine alternative und erweiterte Familie, weil die meisten von ihnen keine nat\u00fcrliche Familie mehr haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott segne euch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Denise Uwimana Reinhardt<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pers\u00f6nliches Zeugnis vom Kongress des Gemeindehilfsbundes \u201cDie Kraft der Vergebung \u2013 Pers\u00f6nlicher und gesellschaftlicher Frieden durch den christlichen Glauben\u201d in Bad Gandersheim am 16.3.2013. Alle Beitr\u00e4ge der beiden Kongresse des Gemeindehilfsbundes in Bad Gandersheim (15.3-17.3.2013) und in Bad Teinach-Zavelstein (22.3.-24.3.2013) sind in einem Dokumentationsband f\u00fcr 7,60 Euro erh\u00e4ltlich, der in der <a href=\"http:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/medienangebote\/literatur\/idea-dokumentationen.html\">Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes<\/a> bestellt werden kann.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Die Geschichte von Denise Uwimana Reinhardt ist auch als Buch erh\u00e4ltlich: \u201eMit Gott in der H\u00f6lle des ruandischen V\u00f6lkermords\u201c, Brunnen-Verlag, 288 Seiten, 14,99 Euro (ISBN 978-3-7655-1552-1)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin in einer christlichen Familie geboren und aufgewachsen. Meine Eltern waren von Ruanda nach Burundi und danach in den Kongo geflohen. Schon in den sechziger Jahren gab es politische Unruhen zwischen den sogenannten ethnischen Gruppen in meinem Land Ruanda. 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