{"id":9796,"date":"2013-07-27T19:50:08","date_gmt":"2013-07-27T17:50:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9796"},"modified":"2013-07-27T21:33:22","modified_gmt":"2013-07-27T19:33:22","slug":"postmoderner-rat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9796","title":{"rendered":"Postmoderner Rat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der breite Weg der Evangelischen Kirche in Deutschland<br \/>\n<\/strong><strong>Offener Brief an den Rat der EKD<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eOrientierungshilfe\u201c \u201eZwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken\u201c, ist \u00fcberfl\u00fcssig, vergangenheitsorientiert und perspektivlos, sehr geehrte Mitglieder des Rates der EKD.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>1. <\/b>Wir leben in der Postmoderne. Die \u00fcberkommenen Sitten und Br\u00e4uche haben wir abgeschafft, weil sie uns eingrenzten. Autonom sind wir geworden. Wir informieren uns im Internet, nehmen Ma\u00df an den neuen Sitten und Br\u00e4uchen, die sich um uns herum ausgebildet haben und entscheiden v\u00f6llig selbst\u00e4ndig. Sind nun neue \u201eErzieher des Menschengeschlechts\u201c (nach Lessing) erstanden, die uns orientieren, also beeinflussen wollen? Darauf k\u00f6nnen wir gerne verzichten. Wenn Sie uns Autonomie zusprechen, dann nehmen Sie uns bitte ernst und begrenzen Sie unsere Freiheit nicht!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2. <\/b>Sie orientieren Ihre Ausf\u00fchrungen an der Gegenwart. Die aber ist das Verg\u00e4nglichste, was es gibt: Kaum betrachtet, ist sie l\u00e4ngst entschwunden und Vergangenheit geworden. Es n\u00fctzt nichts, zum Augenblick zu sagen: \u201eVerweile doch, du bist so sch\u00f6n!\u201c Sie haben sich bei Ihrer \u201eOrientierungshilfe\u201c an dem Gegenw\u00e4rtigen ausgerichtet. Das ist aber schon Schnee von gestern, bevor es im Internet oder auf Papier steht. Deswegen bieten Sie nur Altbekanntes, das wir schon lange kennen und vielleicht auch l\u00e4ngst ausprobiert haben. Wir orientieren uns eventuell auch neu. Daf\u00fcr nutzen wir aber unsere F\u00e4higkeit, selbst unsere Netzwerke zu kn\u00fcpfen und eigene Gesetze zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3. <\/b>Was k\u00f6nnen wir aus Ihrer umfangreichen Arbeit Neues lernen? Die Familie soll gest\u00e4rkt werden. Das ist aller Ehren wert. Aber die vielen Gesichter, die die Familie hat, verm\u00f6gen uns zu verwirren. Das haben Sie nicht behandelt, sondern nur beschrieben, was ist. Alles ist gleich g\u00fcltig, also letztlich gleichg\u00fcltig (Armin Kraft). Worin besteht die \u201everl\u00e4ssliche Gemeinschaft\u201c, wenn alles flie\u00dft und wir uns in diesem Strom kaum \u00fcber Wasser halten k\u00f6nnen? Unsere Schwierigkeiten m\u00f6gen finanzielle Gr\u00fcnde haben oder sexuelle oder was auch immer. F\u00fcr diese Situationen geben Sie uns leider keine Perspektiven. Jedem und jeder ist sein\/ihr eigener Weg \u00fcberlassen \u2013 dar\u00fcber braucht man uns aber nicht zu belehren. Es geht Ihnen darum, allen \u201efamili\u00e4ren Gemeinschaften\u201c den Nutzen der Sozialgesetze zugute kommen zu lassen. Wenn es nicht anders geht, dann sorgt daf\u00fcr aber schon unser Bundesverfassungsgericht. Dabei hatte ich immer gedacht, seine Norm sei unser Grundgesetz, nicht aber das, was jetzt vielen als plausibel gilt. Die Bundesjustizministerin hat den Vorschlag gemacht, zum Begriff der Ehe einfach den der Familie hinzuzusetzen. So einfach kann Jurisprudenz sein! Aber ob sie dann noch Klugheit ist (was sie ihrem Namen nach sein sollte), das darf ein Nichtjurist sicher fragen. Wir haben also genug Leute, die die Gegenwart \u201everbessern\u201c. Was will dann noch die EKD mit einem Rat, einer Orientierungshilfe?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eLiebe gilt als die intensivste pers\u00f6nliche und exklusive Beziehung zwischen zwei Menschen, und <\/i>40 <i>sie wird gerade in einer erf\u00fcllten sexuellen und erotischen Beziehung auch so erfahren\u201c <\/i>(S. 67). F\u00fcr uns Deutsche ist es nicht leicht, von Liebe zu sprechen, wie Ihr Satz zeigt. Der Begriff ist umfassend und deswegen alles andere als eindeutig. Da hatten es die Lateiner besser. Sie unterschieden pers\u00f6nliche Zuneigung (amor), Hilfe (caritas) und Geschlecht (sexus). Sie aber sprechen nur von den sexuellen und erotischen Seiten der Liebe. Es gibt aber auch das, was Jesus von Nazareth N\u00e4chstenliebe genannt hat. In einer Familie etwa sollte Liebe herrschen. Das ist nicht immer leicht, aber eigentlich doch das, was verbindet, hilft, beisteht. Der Schutz der Kinder vor den sexuellen Phantasien ihrer Eltern \u2013 soweit es diese (mit Schmerz sei es gesagt) wirklich gibt \u2013 war ein klarer Bestandteil famili\u00e4rer Ethik. Aber auch daran wird ger\u00fcttelt \u2013 wenn es sich denn um Vollj\u00e4hrige handelt (sagt man). Als ob dies in einer Familie mit ihren Machtstrukturen ein \u00fcberzeugendes Argument w\u00e4re. Es ist deswegen erforderlich zu sagen, was wir mit Liebe meinen, wenn wir \u00fcber sie sprechen. Die N\u00e4chstenliebe w\u00fcrde geradezu in ihr Gegenteil verkehrt, wenn praktische Hilfe zu sexueller Ausbeutung missbraucht werden w\u00fcrde. Von diesem und vielem anderem zum Thema Liebe h\u00e4tte ich von Ihnen gerne mehr erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eAngesichts des Wandels ist auch die Kirche aufgefordert, Familie neu zu denken und die neue Vielfalt von privaten Lebensformen anzuerkennen. \u2026 Diese Anerkennung ist nicht \u2026 als Anpassung an neue Familienwirklichkeiten zu verstehen, sondern als eine normative Orientierung\u201c <\/i>(S. 141). Die Lebensvielfalt ist die neue Norm. Hier wird neue Offenbarung postuliert, auf die wir uns einstellen sollen. Das ist eine nat\u00fcrliche Theologie von einer viele Christen erdr\u00fcckenden Einfachheit. Die \u201ealte\u201c Offenbarung, f\u00fcr uns Evangelische in der Bibel zusammengefasst, nimmt bei Ihnen dagegen nur einen bescheidenen Raum ein. Zur Kommission von zehn Frauen und vier M\u00e4nnern, die f\u00fcr dieses Thema gebildet wurde, geh\u00f6rte weder ein(e) Alt- noch ein Neutestamentler(in). Die Folgen sind entsprechend. Von Z\u00e4rtlichkeit unter M\u00e4nnern rede die Heilige Schrift, wird behauptet. Der Ratsvorsitzende wird auf Belege daf\u00fcr angesprochen, weil die Arbeitsgruppe keine genannt hat! Er nennt 2. Samuel 1,26: \u201e\u201aDeine Liebe war mir k\u00f6stlicher als Frauenliebe\u2019, David zu Jonathan\u201c (FAZ Nr. 154, 2013, S. 4). Wenn hier Homosexualit\u00e4t gemeint w\u00e4re, was die Exegeten bestreiten, w\u00fcrde dies unser Dogma von der Homosexualit\u00e4t untergraben. Denn w\u00e4hrend alte christliche Lehren von vielen abgelehnt werden, gilt der Satz: \u201eEinmal homo, immer homo\u201c als unumst\u00f6\u00dflich. Die Homosexualit\u00e4t soll eine Sch\u00f6pfungsvariante sein, die Gott vorgegeben hat und die deswegen unver\u00e4nderlich ist. Nun w\u00e4re aber David das beste Beispiel f\u00fcr Bisexualit\u00e4t, hat er doch sogar den Ehemann einer Frau ermorden lassen, um sie gewinnen zu k\u00f6nnen (Bathseba im Bade, die die Mutter Salomos wurde). Wird hier Familie neu gedacht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eHeute erscheinen die Institutionen Ehe und Familie nicht mehr als unver\u00e4nderliche Ordnung\u201c <\/i>(S. 68). Wer unsere Lebensvielfalt zur Norm macht, kann so sprechen. Wenn in der \u201eOrientierungshilfe\u201c angedeutet wird, das Neue Testament gehe in Fragen der Familie und Ehe \u00fcber das Alte Testament hinaus, dann w\u00e4re es erforderlich gewesen, auch das zu belegen. Aber wieder klafft eine L\u00fccke. Jesus hat in der Tat die Konzentration auf Gottes Reich als etwas Besonderes hingestellt: \u201eEtliche enthalten sich der Ehe, weil sie von Geburt an zur Ehe unf\u00e4hig sind; etliche enthalten sich, weil sie von Menschen untauglich gemacht sind; und etliche enthalten sich, weil sie um des Himmelreichs willen auf die Ehe verzichten\u201c (Matth\u00e4us 19,12). Der Jude Jesus wusste also von Impotenz, von Eunuchen und von wenigen, die sich so auf Gott konzentrieren wollen, dass sie auf Sexualit\u00e4t verzichten. Die gro\u00dfe Masse aber lebt in der Ehe. Von Homosexualit\u00e4t redet Jesus nicht. Die \u00e4u\u00dfere Form der Ehe war immer ver\u00e4nderlich. Vor der Reformation war im Abendland das Eherecht von der Kirche verwaltet worden. Davon wollte Luther sie befreien. Deswegen nennt er das Eherecht ein \u201eweltlich Ding\u201c. Aber geregelt sollte die eheliche Ordnung bleiben. Ihr Sinn und ihre innere Aufgabe waren sowieso, weil von Gott vorgegeben, unver\u00e4nderlich. Klandestine Ehen z. B., bei denen der Mann der Frau versprach, sie zu ehelichen, sie aber sitzen lie\u00df, wenn sie schwanger wurde, sollten vom Staat zum Schutz von Frauen verboten werden. Bisher galt in allen christlichen Kirchen: Die Ehe von Frau und Mann ist von Gott gestiftet und kann nicht nach Belieben ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der vom Rat der EKD angenommenen Arbeit geht es vorrangig um die Vielfalt heutiger Lebensformen, eine m\u00f6glichst \u201eunverd\u00e4chtige\u201c Umschreibung homosexueller Partnerschaften. Unter dieser Beschr\u00e4nkung leiden die vorgelegten Er\u00f6rterungen. Sie haben nur Deutschland (und noch ein wenig Europa) im Blick, nicht aber unsere globalisierte Welt. Sie tun auch so, als ob wir ungestraft neue Normen erfinden k\u00f6nnten, ohne uns um die \u00fcbrige Christenheit scheren zu m\u00fcssen. Dabei wird all dies schon seit Jahrzehnten diskutiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Biblische Zentralstelle f\u00fcr das EKD-Papier ist der Satz: \u201eEs ist nicht gut, dass der Mensch allein sei\u201c (1. Mose 2,18, was man dem Sinne nach auch bei Aristoteles h\u00e4tte finden k\u00f6nnen). Bei der mehrfachen Zitation dieser Worte wird nie die Fortsetzung kundgetan: \u201eich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei\u201c. Das w\u00fcrde homosexuelle Lebensformen mindestens in Frage stellen, wenn nicht gar ausschlie\u00dfen, um deren Durchsetzung und Anerkennung es den Verfassern geht. Es wird vom \u201eSch\u00f6pfungsbericht\u201c geschrieben. Aber es gibt deren zwei. Leider fehlt folgende Aussage des anderen Berichts: \u201eGott schuf den Menschen zu seinem Bilde, \u2026 und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch\u201c (1. Mose 1, 27f.). Das also ist Familie: Mann, Frau, Kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche haben eine Phobie vor dem Begriff Sch\u00f6pfungsordnung. Sprechen wir also von Theonomie: Gott der Sch\u00f6pfer hat mit seiner Sch\u00f6pfung Gesetze verbunden. Dazu geh\u00f6rt das Miteinander von zwei Geschlechtern, denen auch die Fortpflanzung zugesprochen wird. Aber von Theonomie ist in dem Papier nicht die Rede, nicht einmal von den Problemen der Autonomie \u2013 ganz so einfach ist die nicht zu verwirklichen, wie in der \u201eHilfe\u201c unterstellt wird. \u201eWie Kirche und Diakonie Familien stark machen k\u00f6nnen.\u201c Das wird ausf\u00fchrlich von der Kommission dargestellt. Aber das gr\u00f6\u00dfte Problem wird \u00fcbergangen: Wie kann es bei uns geschehen, dass Jahr f\u00fcr Jahr etwa 100000 Kinder abgetrieben werden? Verboten ist zwar das T\u00f6ten von Menschen, aber in diesem Fall bleibt es ungestraft. Sind wir da wirklich fein raus oder schreit es nicht vielmehr zum Himmel?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ph\u00e4nomene unserer Zeit zur Norm zu machen, ist nicht neu. Immer haben wir Menschen den Stempel unserer Zeit. Von \u201eAlterskohorten\u201c wird gesprochen, die unter denselben Voraussetzungen ausgebildet wurden und die davon Zeit ihres Lebens gezeichnet sind. Aber wenn uns gesagt wird, es gebe Ehepaare, die keine Kinder wollten, dann k\u00f6nne man auch Homosexuelle wie Ehepaare behandeln \u2013 obwohl diese h\u00e4ufig Kinder in ihre neue Beziehung einbr\u00e4chten oder durch k\u00fcnstliche Befruchtung welche bek\u00e4men, also in dieser Beziehung h\u00e4ufig besser dastehen! \u2013, dann wird eine (nach christlichem Ma\u00dfstab \u201afalsche\u2019) individuelle Entscheidung zum Ma\u00dfstab, zur Norm gemacht. Mit den G\u00fctern, die Gott uns anvertraut, haben wir anders umzugehen: verantwortlich, in Liebe, Glaube und Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Deutschen Christen machten Volk, Nation und Rasse zu Sch\u00f6pfungsordnungen, zu neuen Normen. Dabei steht in den Sch\u00f6pfungsberichten zwar etwas von Mann, Frau und Kindern, aber nichts von Volk, Nation oder Rasse. Die Deutschen Christen wurden in fast allen evangelischen Kirchen Deutschlands von den Kirchenmitgliedern im Juni 1933 mehrheitlich in die Synoden gew\u00e4hlt \u2013 mit fatalen Folgen. Dieser Vergleich wird m\u00f6glicherweise manche \u00e4rgern. Aber das ist nicht beabsichtigt. Vielmehr geht es darum, dass wir die Folgen unserer Neunormierung bedenken. Sie liegen auf der Hand: Wir kehren zur\u00fcck in die hellenistische, vorchristliche Zeit. Auch damals lebten die Menschen vielf\u00e4ltig. Es war die j\u00fcdisch-christliche Lehre, die den Hedonismus zur\u00fcckdr\u00e4ngte, den Wunsch, sich das Leben so angenehm wie m\u00f6glich zu machen. Wenn die Christen damals sich auf das Leben ihrer Zeit eingestellt h\u00e4tten, w\u00e4ren sie so wenig aufgefallen wie wir. Sie taten das aber nicht \u2013 jedenfalls einige von ihnen. Sie versuchten, anders zu leben und verantwortlich mit den Mitmenschen und Gottes Sch\u00f6pfung umzugehen. Dadurch fielen sie auf. Etliche lie\u00dfen ihr Leben f\u00fcr ihren Glauben. Sie \u201estanden in der Gunst des ganzen Volkes\u201c (Apostelgeschichte 2,47). Das veranlasste Menschen aufzuhorchen. Sie \u00e4nderten sich. Geben wir dazu Anlass?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ratsvorsitzende hat meines Erachtens Unrecht, wenn er in Bezug auf \u201edie Institutionenethik von Ehe in der Bibel\u201c erkl\u00e4rt: \u201eDort wird die rechtliche Gestalt der Ehe vorrangig unter dem Gesichtspunkt des Eigentumsrechts verhandelt.\u201c Nach meiner Erinnerung geht es hier vorrangig um Liebe, und damit auch um Korrektur der S\u00fcnden, die nat\u00fcrlich auch in der Ehe nicht ausbleiben. Der Ratsvorsitzende hat Recht, wenn er das vorliegende Papier nicht \u00e4ndern will. Mein Vorschlag zur G\u00fcte: Das Papier zur\u00fcckziehen! Dazu geh\u00f6rt Gr\u00f6\u00dfe. Denn wer gibt schon gerne zu, dass er unter Niveau geraten ist? Bisher war es \u00fcblich, dass in den Kommissionen die Vertreter verschiedener Ansichten sich zusammenraufen mussten. Das war hier offenbar nicht vorgesehen. Bei oberfl\u00e4chlicher Harmonie geht dann \u2013 trotz aller Arbeit \u2013 schnell die Puste aus. Das Innovative bleibt auf der Strecke. Vor dem \u201ebreiten Weg\u201c der postmodernen Beliebigkeit, der \u201ezur Verdammnis f\u00fchrt\u201c, hat schon Jesus gewarnt: Matth\u00e4us 5,13. Es wird behauptet: \u201eDie Ad-hoc-Kommission wurde unter Fach- und Sachgesichtspunkten zusammengestellt.\u201c K\u00f6nnen wir normalen Sterblichen diese erfahren? Haben Sie, liebe Ratsmitglieder, hier Ihr Urteil einbringen k\u00f6nnen? Oder half die Verwaltung, die weitgehend anonym bleibt, w\u00e4hrend Sie jetzt f\u00fcr alles gerade stehen m\u00fcssen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der fragmentarische R\u00fcckgriff auf die Heilige Schrift und Behauptungen ohne Belege sind unwissenschaftlich. Diejenigen, die nach Orientierung suchen, werden durch diese Art der Darlegung ungen\u00fcgend informiert. Bisher galt bei uns nicht, dass der Zweck die Mittel heilige. Dabei sollte es doch sicher bleiben!? Aber jedenfalls wird in diesem Papier nicht nur \u00fcber Luther, sondern auch \u00fcber Calvin und Melanchthon hinausgegangen, die ebenso wie Luther in der Dekade erinnert wurden und die alle drei f\u00fcr Bildung und damit auch f\u00fcr zuverl\u00e4ssige Unterrichtung stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kritiker des EKD-Papiers werden als Reaktion\u00e4re hingestellt. Damit bef\u00e4nde ich mich in guter Gesellschaft: Auch Luther war reaktion\u00e4r: Die Kirche sollte von Falschem befreit werden, damit Gott wieder unsere Herzen erreicht (und damit war er zugleich revolution\u00e4r!). Wir begehen eine Luther-Dekade bis 2017. Sich von Luther zu distanzieren, wo es erforderlich ist, ist richtig und tut gut. Sein Verst\u00e4ndnis der Ehe ist aber ein anderes, als manche, die jetzt das Sagen haben, uns glauben machen wollen. Es ist unzutreffend zu meinen, die Ehe werde bei uns geringer geachtet als bei den Katholiken. Sie ist n\u00e4mlich f\u00fcr alle Reformatoren g\u00f6ttliche Stiftung. Die Sakramente halten wir Protestanten f\u00fcr Stiftungen Christi. Wer hier Wertunterschiede feststellen wollte, beginge einen gro\u00dfen Fehler. Bisher haben wir ihn vermieden und uns darin mit allen anderen Christen verbunden gewusst. Die stellvertretende Vorsitzende der Kommission, Prof. Ute Gerhard in Bremen, von der zwei Aufs\u00e4tze im Literaturverzeichnis zu finden sind, hat von einem Kurswechsel gesprochen, der durch die Arbeit der Kommission erreicht worden sei. So sieht es auch das Papier. Der Ratsvorsitzende tut, was seines Amtes ist, er beruhigt. Er spricht lieber von einem \u201ePerspektivwechsel\u201c. Aber Ver\u00e4nderungen sieht auch er, die einmal in einer (h\u00f6herwertigen) Denkschrift fixiert werden k\u00f6nnten. Klar ist, dass die Wellen nicht so hoch schlagen, weil das Thema emotionsgeladen, sondern weil es wichtig ist: Es geht um Abkehr von bisheriger Lehre und um Hinwendung zu neuen Normen, die der gesellschaftliche Wandel geschaffen hat. Das zu problematisieren, d\u00fcrfte in der evangelischen Kirche erlaubt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wollen wir bis 2017 erreichen? Machen wir weiter wie bisher, so ist das f\u00fcr manche Evangelische zum Katholischwerden, wie zu h\u00f6ren ist. L\u00f6sen wir uns als Kirche von innen her auf, wie andere meinen? Oder steht die EKD vor einer Wende? Nicht nur die schw\u00e4bische Hausfrau k\u00f6nnte sagen: Das Kirchenamt der EKD ist mir zu teuer f\u00fcr das, was es leistet. Es gab erst einmal eine einzige Kirche in Deutschland, die das 1933 werden wollte, aber nicht wurde, die \u201eDeutsche Evangelische Kirche\u201c. Sie ist sanft entschlafen und nur noch Insidern bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es g\u00e4be die M\u00f6glichkeit, mit der Luther-Dekade ernst zu machen. Wir k\u00f6nnten fragen: Was erbrachte die Reformation, was nicht? Dazu w\u00e4re es erforderlich, die damals ge\u00e4u\u00dferte Theologie neu zu erarbeiten. Daf\u00fcr k\u00f6nnten wir bei Luther anfangen: \u201eWenn unser Herr und Meister Jesus Christus sagt: \u201aTut Bu\u00dfe\u2019, dann will er, dass das ganze Leben seiner Gl\u00e4ubigen auf Erden eine stete Bu\u00dfe sein soll.\u201c So die erste der 95 Thesen Luthers \u00fcber den Ablass vom Oktober 1517. Also Umkehr wird von Jesus Christus gefordert, denn nichts anderes ist Bu\u00dfe. S\u00e4tze der Reformatoren wie diese sind der Anlass f\u00fcr das Luther-Gedenken 2017 \u2013 eigentlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Erlangen, 16.7.2013<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Gerhard M\u00fcller DD.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der breite Weg der Evangelischen Kirche in Deutschland Offener Brief an den Rat der EKD Die \u201eOrientierungshilfe\u201c \u201eZwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken\u201c, ist \u00fcberfl\u00fcssig, vergangenheitsorientiert und perspektivlos, sehr geehrte Mitglieder des Rates der EKD. 1. Wir leben in der Postmoderne. 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