{"id":9656,"date":"2013-06-24T18:07:18","date_gmt":"2013-06-24T16:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9656"},"modified":"2013-07-23T10:42:37","modified_gmt":"2013-07-23T08:42:37","slug":"gesellschaftliche-vielfalt-statt-gottlicher-wahrheit-die-neue-orientierungshilfe-der-ekd-fordert-die-desorientierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9656","title":{"rendered":"Gesellschaftliche Vielfalt statt g\u00f6ttlicher Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die neue Orientierungshilfe der EKD f\u00f6rdert die Desorientierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eOrientierungshilfe\u201c des Rates der EKD <i>\u201eZwischen Autonomie und Angewiesenheit\u201c \u2013 Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken<\/i> will Familien als verl\u00e4ssliche Gemeinschaften st\u00e4rken und setzt dazu verhei\u00dfungsvoll im Sch\u00f6pfungsbericht an: \u201eEs ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.\u201c Doch weit gefehlt, wer nun gemeint h\u00e4tte, in dem 160 Seiten starken Dokument Orientierung aus Gottes Wort f\u00fcr die Gestaltung von Ehe und Familie zu erhalten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Orientierungshilfe l\u00f6st den biblischen Ehe- und Familienbegriff auf und ersetzt ihn durch eine diffuse \u201eVervielf\u00e4ltigung der Lebensformen\u201c, deren konstitutives Merkmal \u201eVerl\u00e4sslichkeit und Verantwortung\u201c ist.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>1. <\/b><b>Vielfalt als hermeneutischer Schl\u00fcssel <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Einsamkeit des Mannes her kommend, fragt die \u201eOrientierungshilfe\u201c nicht weiter, wie Gott das Alleinsein des Mannes denn eigentlich \u00fcberwindet. Die Erschaffung der Frau &#8211; und nicht eines weiteren Mannes &#8211; als Hilfe und Gegen\u00fcber des ersten Menschen wird \u00fcbergangen, wohl weil ein \u201enormatives Verst\u00e4ndnis der Ehe als g\u00f6ttliche Stiftung und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Sch\u00f6pfungsordnung\u201c nicht der \u201eBreite des biblischen Zeugnisses\u201c entspreche. In anderen Worten: Man will sich nicht lange mit der Erschaffung von Mann und Frau aufhalten, weil man damit ein \u00fcberholtes Eheverst\u00e4ndnis und \u00fcberkommene Geschlechterrollen unn\u00f6tig repetieren und m\u00f6glicherweise zementieren w\u00fcrde. Das aber soll verhindert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen fragt die \u201eOrientierungshilfe\u201c zun\u00e4chst nach dem \u201eFamilienleben heute\u201c und stellt dabei aktuelle Trends fest: \u201edie sp\u00e4tere Familiengr\u00fcndung und der R\u00fcckgang von Eheschlie\u00dfungen, die Vervielf\u00e4ltigung von Familienformen, das Auseinanderdriften der sozialen Lebenslagen und die steigende Kinderarmut, schlie\u00dflich gibt es mehr Familien mit Migrationshintergrund.\u201c (S. 20) Die \u201eVielfalt des Familienlebens\u201c nimmt zu, weil angesichts der hohen Scheidungsraten \u201eFamilien auf Ehebasis zunehmend Patchwork-Konstellationen mit komplexeren Lebensf\u00fchrungen\u201c sind. (S. 26). Der Anteil der Alleinerziehenden und der nichtehelichen Partnerschaften sei gestiegen und auch die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sind Teil dieser \u201eVervielf\u00e4ltigung der Lebensformen\u201c in unserer Gesellschaft (S. 27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese \u201eVervielf\u00e4ltigung\u201c wird nun von den Verfassern der \u201eOrientierungshilfe\u201c nicht als zu \u00fcberwindende Orientierungslosigkeit wahrgenommen, sondern zum eigentlichen Ausgangspunkt ihres Ehe- und Familienverst\u00e4ndnisses. Sie wird zudem zum hermeneutischen Schl\u00fcssel der biblischen Texte: \u201eDabei konnte leicht \u00fcbersehen werden, dass die Bibel im Alten und Neuen Testament das familiale Zusammenleben in einer gro\u00dfen Vielfalt beschreibt.\u201c (S. 56) Der Begriff \u201eVielfalt\u201c wird auf 160 Seiten 21 Mal verwendet. Hinzu kommen die in verschiedenen Zusammenh\u00e4ngen gebrauchten Begriffe \u201eVervielf\u00e4ltigung\u201c und \u201evielf\u00e4ltig\u201c. Im Schnelldurchgang finden die Verfasser dann in der Tat eine Vielfalt von Formen des Zusammenlebens in der Bibel, ob es nun die Patchworkfamilien der Patriarchen sind, das generationen\u00fcbergreifende Zusammenleben im Buch Ruth, der Ehebruch Davids mit Bathseba oder der Eheverzicht Jesu. Diese Vielfalt der in der Bibel beschriebenen Lebenswirklichkeit wird nun zur Grundlage eines neu-evangelischen Ehe- und Familienbegriffes gemacht. Weil schon die Bibel eine Vielfalt von Lebensformen aufweise, m\u00fcsse auch das evangelische Verst\u00e4ndnis von Ehe und Familie diese Vielfalt widerspiegeln. Im Klartext hei\u00dft das: Alles ist m\u00f6glich! Zu Ende gedacht wird dadurch jede Form des menschlichen Zusammenlebens, solange sie dem obersten Gebot der Vielfalt entspricht und mindestens von einem \u201everbindlichen und verantwortlichen Miteinander\u201c (S. 66) gepr\u00e4gt ist, als Ehe und Familie verstanden. Selbstredend geh\u00f6ren auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften in dieses neu-evangelische Verst\u00e4ndnis von Ehe- und Familie hinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2. <\/b><b>Die Dekonstruktion biblischen Eheverst\u00e4ndnisses<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eOrientierungshilfe\u201c betont die Wandelbarkeit und historische Bedingtheit von Ehe und Familie. Im 3. Kapitel \u201eFamilie und Wandel\u201c hei\u00dft es: \u201eEine breite Vielfalt von Familienformen ist, historisch betrachtet, der Normalfall. Die b\u00fcrgerliche Familie als Ideal entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert durch die Trennung von m\u00e4nnlicher Erwerbswelt und weiblicher Familiensph\u00e4re mit Haushalt und Kindererziehung.\u201c (S. 31). \u201eDer Begriff von Familie, der die verschiedenen Lebensformen umfasste, hat sich \u00fcberhaupt erst im 18. Jahrhundert herausgebildet.\u201c (S. 32). Die \u201eEhe als Institution\u201c bildete sich erst nach Auffassung der Ad-hoc-Kommission (die sich \u00fcbrigens aus 10 Frauen und 4 M\u00e4nnern zusammensetzt, erst im 19. Jahrhundert heraus. Diese Institutionalisierung habe Ungerechtigkeiten bef\u00f6rdert und eine \u201eGeschlechterordnung legitimiert, in der dem Mann als Haupt der Gemeinschaft alle Entscheidungsbefugnis, alle Verf\u00fcgung \u00fcber das eheliche Eigentum und die Pflicht zum Unterhalt oblag. Die Frau hingegen war zur Einhaltung der ehelichen Pflichten, zur Unterordnung und Gehorsam und gem\u00e4\u00df einer traditionellen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zu pers\u00f6nlichen Dienstleistungen jeder Art in der Familie, wie auch im Betrieb des Mannes, verpflichtet\u201c (S. 34). Die vielf\u00e4ltigen Proteste und Rechtsk\u00e4mpfe der Frauenbewegung haben einen Wandel herbeigef\u00fchrt, der sich auch im b\u00fcrgerlichen Recht niedergeschlagen habe: \u201eWeltweit hat die Frauenbewegung damit einen kulturellen Wandeln in den Geschlechterbeziehungen eingeleitet, der nicht ohne Einfluss auf das Familienrecht geblieben ist\u201c (S. 36). Es folgten Ver\u00e4nderungen des Eherechts, des Familienrechts und des Scheidungsrechts. In j\u00fcngster Zeit werde das Verh\u00e4ltnis von Eheinstitut und Eingetragener Lebenspartnerschaft diskutiert und einander rechtlich angeglichen (S. 45).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem die \u201eOrientierungshilfe\u201c die Wandelbarkeit von Ehe- und Familie betont und mit der Beschreibung dieses Wandels erst im 18. Jahrhundert einsetzt \u2013 als ob es vorher Ehe- und Familie nicht gegeben h\u00e4tte \u2013 suggeriert sie, dass das Verst\u00e4ndnis von Ehe als Institution oder Stiftung nicht mehr als ein gesellschaftliches Konstrukt ist. Wurde die Ehe aber erst einmal als romantisches Konstrukt des B\u00fcrgertums dargestellt, f\u00e4llt es nicht schwer, diese Konstruktion f\u00fcr \u00fcberholt zu erkl\u00e4ren, niederzurei\u00dfen und zeitgem\u00e4\u00df zu rekonstruieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3. <\/b><b>Die Relativierung des Scheidungsverbotes<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Dekonstruktion des biblischen Eheverst\u00e4ndnisses geh\u00f6rt die Aufl\u00f6sung des Scheidungsverbotes. Dieses wird in der Orientierungshilfe zwar noch erw\u00e4hnt, sogleich aber als historisch bedingtes Schutzgebot f\u00fcr die Frau uminterpretiert und aufgeweicht. Jesus habe das Scheidungsverbot betont, weil er damit die Ehepartner in die Verantwortung f\u00fcreinander rufe: \u201evor allem wohl die der Ehem\u00e4nner f\u00fcr ihre Frauen, die auf m\u00e4nnlichen Schutz angewiesen waren, da sie keine eigenen Rechte hatten. Eine solche \u00f6konomische Abh\u00e4ngigkeit und Schutzlosigkeit erleben Frauen in den westlichen Gesellschaften nicht mehr; nur an der Situation von Kindern w\u00e4hrend einer Scheidung kann noch etwas davon sp\u00fcrbar werden\u2026Das Scheidungsverbot Jesu erinnert die Paare und Eltern an ihre Verantwortlichkeit und macht Kirche und Gesellschaft deutlich, dass Verl\u00e4sslichkeit f\u00fcr jede Gemeinschaft konstitutiv sind, weil sie den schw\u00e4cheren sch\u00fctzen und damit erst den Spielraum f\u00fcr Freiheit und Entwicklung er\u00f6ffnen.\u201c (S. 62) Das Scheidungsverbot wurde demnach eingerichtet, um die Frau in ihrer wirtschaftlichen Abh\u00e4ngigkeit zu sch\u00fctzen. Da dieser Grund heute entfalle, hat das Verbot aus Sicht der Verfasser nur noch Erinnerungscharakter. Es erinnert uns an unsere \u201eVerantwortlichkeit\u201c und dass Gemeinschaft \u201everl\u00e4ssliche Beziehungen\u201c braucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus verbietet die Scheidung von Ehepartnern in eindeutigen und klaren Worten: \u201eWas nun Gott zusammengef\u00fcgt hat, das soll der Mensch nicht scheiden\u201c (Mt 19,6). Die Verfasser der \u201eOrientierungshilfe\u201c kippen das Verbot des Herrn und deuten es um in eine antike Lebensweisheit, die uns an ein diffuses und wenig konkretes \u201everantwortliches Handeln\u201c erinnert. Wer nun fragt, wie dieses \u201everantwortliche Handeln\u201c aussieht, findet keine Antwort, denn alles ist ja erlaubt: \u201eAus diesem evangelischen Verst\u00e4ndnis erw\u00e4chst eine gro\u00dfe Freiheit im Umgang mit gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen, die angesichts der Herausforderungen der eigenen Zeit immer wieder neu bedacht und oft auch erst errungen werden muss. Das zeigt sich im Umgang mit Scheidungen und Geschiedenen genauso wie mit Alleinerziehenden oder auch mit gleichgeschlechtlichen Paaren. Gesellschaftliche Emanzipationsprozesse haben die Ordnungen von Ehe und Familie ebenso ver\u00e4ndert wie Geschlechterrollen, Beziehungen und Konventionen.\u201c (S. 64) Wie soll nun die Kirche auf diese Emanzipationsprozesse, Ver\u00e4nderungen und Umwertungen reagieren? Sie passt die Gebote und Verbote ihres Herrn und Gottes flugs den neuen gesellschaftlichen Realit\u00e4ten an und fordert von ihren Mitgliedern \u201eFamilie neu zu denken und die neue Vielfalt von privaten Lebensformen unvoreingenommen anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen\u201c (S. 141). Die unvoreingenommene Anerkennung der Vielfalt von Lebensformen sei als \u201enormative Orientierung\u201c zu verstehen. Will sagen: Gottes Gebot wird beseitigt und die EKD f\u00fchrt ein neues Gebot ein: Das Gebot der uneingeschr\u00e4nkten Anerkennung der Vielfalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>4. <\/b><b>Die \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dieser uneingeschr\u00e4nkt anzuerkennenden Vielfalt rechnet die \u201eOrientierungshilfe\u201c insbesondere auch die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften: \u201eDurch das biblische Zeugnis hindurch klingt als \u201aGrundton\u2018 allem der Ruf nach einem verl\u00e4sslichen, liebevollen und verantwortlichen Miteinander, nach einer Treue, die der Treue Gottes entspricht. Liest man die Bibel von dieser Grund\u00fcberzeugung her, dann sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften, in denen sich Menschen zu einem verbindlichen und verantwortlichen Miteinander verpflichten, auch in theologischer Sicht als gleichwertig anzuerkennen. Nutzen homosexuelle Menschen heute die rechtliche M\u00f6glichkeit der eingetragenen Partnerschaft, dann erkl\u00e4ren sie, wie heterosexuelle Menschen, bei der Eheschlie\u00dfung \u00f6ffentlich ihren Willen, sich dauerhaft aneinander zu binden und f\u00fcreinander Verantwortung zu tragen.\u201c (S. 66)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz und im Vor\u00fcbergehen nehmen die Verfasser Bezug auf solche Aussagen der Heiligen Schrift, die Homosexualit\u00e4t als S\u00fcnde kennzeichnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gr\u00e4uel.\u201c (3 Mose 18,22; 20,13)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDarum hat sie Gott dahingegeben in sch\u00e4ndliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den nat\u00fcrlichen Verkehr vertauscht mit dem widernat\u00fcrlichen; desgleichen haben auch die M\u00e4nner den nat\u00fcrlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.\u201c (R\u00f6mer 1,26.27)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da diese beiden Aussagen jedoch eine f\u00fcr die Verfasser unangenehme Disharmonie erzeugen, werden sie kurzerhand und ohne Begr\u00fcndung f\u00fcr zeitbedingt und \u00fcberholt erkl\u00e4rt. Zudem wird ein Widerspruch innerhalb des biblischen Kanons postuliert, denn es gebe \u201eallerdings auch biblische Texte, die von z\u00e4rtlichen Beziehungen zwischen M\u00e4nnern sprechen.\u201c (S. 66) Genaue Textangaben fehlen an dieser Stelle und doch ahnt man, was gemeint sein k\u00f6nnte. Die Eisegese, also das Hineintragen der eigenen Weltanschauung in den biblischen Text, wird hier auf einen H\u00f6hepunkt getrieben: Das sexuell und homoerotisch aufgeladene Denken unserer Zeit wird in die M\u00e4nnerfreundschaft zwischen David und Jonathan oder die besondere Beziehung zwischen Jesus und Johannes den biblischen Text verfremdend und umdeutend hineingetragen. Mit biblischer Theologie oder gr\u00fcndlicher Exegese hat dies nichts mehr zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>5. Der Umgang mit der Heiligen Schrift<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Umgang der Verfasser der \u201eOrientierungshilfe\u201c mit der Heiligen Schrift ist \u00fcberhaupt besch\u00e4mend und kann nicht mehr als evangelisch oder \u00fcberhaupt christlich bezeichnet werden. Wir haben bereits gesehen, dass das Bibelwort aus dem Sch\u00f6pfungsbericht nicht mehr ist als ein Feigenblatt. Eigentlicher Ausgangspunkt und hermeneutisches Grundprinzip ist die Vielfalt. Die Verfasser \u00fcbersehen, dass die Bibel selbstverst\u00e4ndlich die Vielfalt des Lebens und auch der Lebensformen abbildet, dies aber immer gewichtend und wertend. Die Bibel beschreibt eine Sch\u00f6pfung und Menschheit, die von Gott abgefallen ist und deshalb von S\u00fcnde gekennzeichnet ist. Die Orientierungshilfe sieht die Vielfalt menschlicher S\u00fcnde nicht mehr. So kommt der Begriff \u201eS\u00fcnde\u201c an sich nur einmal vor, dort aber nur im Sinne von \u201eS\u00fcnde\u201c, die heute nicht mehr als S\u00fcnde zu verstehen sei (S. 66). Die Verfasser sind blind geworden f\u00fcr die Todesmacht der S\u00fcnde. Im Gegensatz dazu beschreibt die Bibel die Auswirkungen einer von Gott abgefallenen s\u00fcndigen Welt f\u00fcr Ehe und Familie, doch offenbart sie mitten in dieser d\u00e4monisierten Vielfalt das gute Gebot Gottes und den Weg des Evangeliums. Gottes Gebot hat die Funktion, S\u00fcnde aufzudecken, falsche Lebenswege und Lebensformen als Irrwege zu enttarnen und den Menschen auf den schmalen Weg des Evangeliums und des (ewigen) Lebens zu f\u00fchren. Da die Verfasser der \u201eOrientierungshilfe\u201c keine S\u00fcnde mehr kennen, k\u00f6nnen sie in der modernen Vielfalt eigenkonstruierter Lebensformen nur anerkennenswerte Wege sehen. Wo Gottes Gebote sich gegen die unvoreingenommene Akzeptanz aller Lebensformen stellen, st\u00f6ren sie die Harmonie der Vielfalt. Werden Gebote in der \u201eOrientierungshilfe\u201c erw\u00e4hnt, werden sie darum meist f\u00fcr zeitlich und kulturell bedingt und \u00fcberholt erkl\u00e4rt. Die Gebote und Ordnungen Gottes m\u00fcssen dem Gebot der Vielfalt weichen. Dies sieht dann z. B. so aus: \u201e\u00dcber der inneren Zustimmung zu dieser Erfahrung kann in den Hintergrund treten, was uns heute in diesen Texten fremd ist, etwas dass das Sch\u00f6pfungsgeschehen vom Mann her gedacht ist, die Frau als Gef\u00e4hrtin des Mannes verstanden wird, als Hilfe, die ihm gleich sei \u2013 oder dass das Paar einander, vor allem aber die Frauen ihren Ehem\u00e4nnern \u201euntertan sein sollen\u201c, weil \u201eder Mann des Weibes Haupt\u201c sei (Eph 5). (S. 55\/56) Was fremd ist und st\u00f6rt, m\u00f6ge bitte in den Hintergrund treten, die Vielfalt der Lebensformen soll in den Vordergrund treten, auch dann, wenn sie Gottes Wort und Ordnung widersprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>6. Fazit<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die EKD-Orientierungshilfe ist eine Hilfe zur Desorientierung. Sie geht von der orientierungslosen Vielfalt unserer Zeit aus und macht sie zum Leitprinzip ihres Schriftverst\u00e4ndnisses und ihres Bildes von Ehe und Familie. Der Mensch erh\u00e4lt bleibende Orientierung aber nur im H\u00f6ren auf Gottes Wort (Lk 11,28). Ein modernes Verst\u00e4ndnis von Ehe und Familie kann nur auf der Grundlage des Willens Gottes entwickelt werden und muss sich an die Leitlinien der Heiligen Schrift orientieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ehe ist ein von Gott eingesetzter und bis zum Tod eines Ehepartners andauernder Bund zwischen einem Mann und einer Frau (1 Mose 1,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ehebund soll nicht gebrochen werden (2 Mose 20,14). Er steht bis heute unter dem g\u00f6ttlichen Scheidungsverbot: \u201eWas Gott zusammengef\u00fcgt hat, soll der Mensch nicht scheiden\u201c (Mt 19,6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott segnet Mann und Frau mit dem Adel der Fruchtbarkeit. Es sollen Kinder geboren werden und Familie entstehen (1 Mose 1,28; Ps 127,3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott m\u00f6chte nicht, dass die Gabe der Sexualit\u00e4t au\u00dferhalb des Ehebundes ausgelebt wird. Dies wird in der Heiligen Schrift als S\u00fcnde der Unzucht gewertet: \u201eDenn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht\u201c (1 Thess 4,4.5; 1 Kor 7,2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichgeschlechtliche Partnerschaften k\u00f6nnen nicht mit der Ehe gleichgesetzt werden und stehen nicht im Einklang mit Gottes Willen (3 Mose 18,22; 20,13; R\u00f6mer 1,26.27). Die \u201eOrientierungshilfe\u201c nennt S\u00fcnde nicht mehr beim Namen und verheimlicht den Betroffenen, dass es Auswege, Alternativen und Ver\u00e4nderung auch f\u00fcr homosexuell empfindende Menschen gibt (1 Kor 6,9-11; R\u00f6mer 12,2). Entsprechende seelsorgerliche Angebote macht die Orientierungshilfe nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Orientierung ist da, wo die biblischen Leitlinien zeitgem\u00e4\u00df erkl\u00e4rt und angewandt werden. Die EKD-Orientierungshilfe leistet dies nicht. Anstatt Orientierung zu geben, f\u00f6rdert der Rat der EKD die Desorientierung der Menschen. Gottes gute Ehe- und Familienordnung wird nicht aufgerichtet, sondern zerst\u00f6rt. Damit machen die Verfasser sich an den Menschen schuldig, denen sie keine Hilfe zu einem gelingenden Leben unter Gottes Segen vermittelt und teilweise deren Irrwege best\u00e4tigt. Jesus wies die Schriftgelehrten seiner Zeit mit scharfen Worten zu Recht: \u201eWeh euch, Schriftgelehrte und Pharis\u00e4er, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschlie\u00dft vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die hinein wollen lasst ihr nicht hineingehen\u201c (Mt 23,13). Die Verantwortlichen der EKD sollten ihre \u201eOrientierungshilfe\u201c schnellstens zur\u00fccknehmen, um nicht von diesem Herrenwort getroffen zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Johann Hesse, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gemeindehilfsbundes<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Der Gemeindehilfsbund bereitet ein Faltblatt zur EKD-Orientierungshilfe vor, das im September erscheint. Es wird nicht den obenstehenden, sondern einen neuen Text enthalten.\u00a0Es kann bei der Gesch\u00e4ftsstelle vorbestellt werden.<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/20130617_familie_als_verlaessliche_gemeinschaft.pdf\">Zur EKD-Orientierungshilfe <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Orientierungshilfe der EKD f\u00f6rdert die Desorientierung Die \u201eOrientierungshilfe\u201c des Rates der EKD \u201eZwischen Autonomie und Angewiesenheit\u201c \u2013 Familie als verl\u00e4ssliche Gemeinschaft st\u00e4rken will Familien als verl\u00e4ssliche Gemeinschaften st\u00e4rken und setzt dazu verhei\u00dfungsvoll im Sch\u00f6pfungsbericht an: \u201eEs ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.\u201c Doch weit gefehlt, wer nun gemeint h\u00e4tte, in dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":111,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,13,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9656"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/111"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9656"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9656\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9663,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9656\/revisions\/9663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}