{"id":9639,"date":"2013-06-21T16:32:01","date_gmt":"2013-06-21T14:32:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9639"},"modified":"2013-06-23T17:08:54","modified_gmt":"2013-06-23T15:08:54","slug":"predigt-was-bringt-mir-der-glaube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9639","title":{"rendered":"Predigt: &#8222;Was bringt mir der Glaube?&#8220;"},"content":{"rendered":"<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt \u00fcber Jesaja 55,1-3<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<em>\u201eWohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt \u00a0her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 2\u00a0Warum z\u00e4hlt ihr Geld dar f\u00fcr das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst f\u00fcr das, was nicht satt macht? H\u00f6rt doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am K\u00f6stlichen laben. 3\u00a0Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! H\u00f6ret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schlie\u00dfen, euch die best\u00e4ndigen Gnaden Davids zu geben.\u201c<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Liebe Gemeinde!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In unserem kurzen Predigttext stehen drei Aufforderungen. Dreimal hei\u00dft es: Kommt her!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Kommt her zum Wasser!<br \/>\n&#8211; Kommt her und kauft!<br \/>\n&#8211; Kommt her und h\u00f6rt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So steht es hier. \u00dcbrigens, ganz \u00e4hnlich hat es Jesus am Rande des Laubh\u00fcttenfestes auch gesagt: <i>\u201eWen da d\u00fcrste, der komme!\u201d (Johannes 7,37)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist eine Einladung. Wo eingeladen wird, da scheidet jeder Zwang aus. Wo eingeladen wird, haben wir immer auch die Freiheit, dankend oder nicht dankend abzulehnen. So ist das auch gegen\u00fcber der Einladung, die hier in der Bibel ausgesprochen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau an dieser Stelle liegt f\u00fcr viele eine st\u00e4ndige Versuchung, da\u00df ihnen andere Einladungen wichtiger erscheinen: Einladungen, die unser Vergn\u00fcgen, unseren Lebensstandard und unsere gesellschaftliche Anerkennung betreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon beim Propheten Jeremia h\u00f6ren wir die Klage Gottes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eMein Volk tut eine zweifache S\u00fcnde: mich, die lebendige Quelle verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben.\u201d (Jeremia 2,13)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen wollen etwas vom Leben haben. Das ist ja in Ordnung! Aber sie gehen dabei leicht am wahren Leben vor\u00fcber und k\u00f6nnen ihren Lebensdurst nicht wirklich stillen! Und hier h\u00f6ren wir:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <i>\u201eAlle, die ihr durstig seid, kommt her!\u201d<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit also beginnt unser Predigttext &#8211; mit dieser Aufforderung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><i>Erstens: Kommt her zum Wasser!<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen im Orient haben ein viel st\u00e4rkeres Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie kostbar das Wasser ist, als wir, die wir die Sorge um das t\u00e4gliche Wasser nicht kennen. Weltweit leidet ein Drittel der Weltbev\u00f6lkerung unter D\u00fcrre und Wassernot, wie eine umfassende, internationale Studie belegt &#8211; ein Mangel, der nicht sein m\u00fc\u00dfte. Denn Wasser sei weltweit genug vorhanden. Nur politische Konflikte und fehlende Infrastruktur verhindern die gerechte Verteilung. Wer in den ausged\u00f6rrten Landstrichen seinen Durst nicht stillen kann, ist ein Todeskandidat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hier wird uns gesagt: Es gibt noch einen anderen Durst, der Menschen zur Verzweiflung bringen kann, wenn sie ihn nicht stillen k\u00f6nnen. Das ist der Durst nach Leben, nach erf\u00fclltem Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eWir leben im Zeitalter eines um sich greifenden Sinnlosigkeitsgef\u00fchls.\u201c <\/i>So schreibt der Psychotherapeut Viktor E. Frankl in seinem Buch: \u201eDas Leiden am sinnlosen Leben.\u201c (Herder-Verlag, S. 30). Frankl zitiert aus einem Brief, den ihm ein junger Mann geschrieben hat: <i>\u201eIch bin 22 Jahre alt. Ich besitze einen akademischen Grad, besitze einen luxuri\u00f6sen Wagen, bin finanziell unabh\u00e4ngig, und es steht mir mehr Sex und Prestige zur Verf\u00fcgung als ich verkraften kann. Was ich mich frage, ist nur, was das alles f\u00fcr einen Sinn haben soll.\u201c (S. 32)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eAlle, die ihr durstig seid, kommt her!\u201d <\/i>Das sind Worte, die damals galten und heute, die zeitlos g\u00fcltig sind. Das sind Worte, die gerade auch \u00fcber unserer Zeit, \u00fcber unserer ganzen Zivilisation in Europa stehen. Nicht nur in Deutschland, auch in unseren Nachbarl\u00e4ndern ist in den vergangenen Jahren die sinngebende Kraft des christlichen Glaubens zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine internationale Studie \u00fcber den christlichen Glauben, die an der Universit\u00e4t Chicago im April 2012 ver\u00f6ffentlicht wurde, stellt fest: Christlicher Glauben und Kirchenbindung sind auf den Philippinen mit 94 % der Befragten am st\u00e4rksten und auf dem Gebiet der ehemaligen DDR mit nur 13 % am schw\u00e4chsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch glaube nicht an Gott\u201c, sagen in Ostdeutschland 52,1 % der Befragten, in Westdeutschland nur 10,3 %, in Russland 6,8%, in den USA 3% und auf den Philippinen 0,7 %. <i>(Studie zu finden im Internet unter: <a href=\"http:\/\/www.norc.org\/PDFs\/Beliefs_about_God_Report.pdf\">http:\/\/www.norc.org\/PDFs\/Beliefs_about_God_Report.pdf<\/a>)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine nette gut erfundene Geschichte berichtet von drei Frauen, die den R\u00fcckgang des Kirchenbesuchs beklagen. Sagt die eine: \u201eIn unserer Gemeinde sitzen manchmal nur drei\u00dfig Leute zusammen.\u201c Darauf ihre Freundin: \u201eDas ist ja noch gut. Bei uns waren es am letzten Sonntag nur sieben.\u201c \u201eIn unserer Gemeinde\u201c, so die Dritte, ist es noch schlimmer. Immer wenn der Pastor sagt: &#8218;Geliebte Gemeinde&#8216; werde ich rot.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mu\u00df denn noch alles geschehen, da\u00df Menschen aufwachen und begreifen, da\u00df ihnen etwas Lebensnotwendiges fehlt, wenn sie auf Gottes Wort verzichten?!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Wasser gibt es kein Leben. Ohne das Wasser, das die Bibel meint, kann der Lebensdurst nicht gestillt werden. Da hilft nur eines: unter das Wort Gottes zu kommen und sich ihm r\u00fcckhaltlos anzuvertrauen. Das bedeutet aber: aufbrechen aus den Lebensr\u00e4umen, in denen man unter seinem Lebensdurst leidet und zu Jesus kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hei\u00dft das: zu Jesus kommen? Es hei\u00dft nicht in erster Linie, eine bestimmte Lehre annehmen. Es hei\u00dft, in pers\u00f6nliche Verbindung treten mit Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Sie irgendwo eingeladen sind, treten Sie ja auch in den Lebensraum des Einladenden ein. Sie reichen ihm die Hand &#8211; und er h\u00e4lt Ihnen seine Hand entgegen. Sie erleben in diesem Augenblick einen pers\u00f6nlichen Kontakt. Dann sprechen Sie mit dem Gastgeber &#8211; und er mit Ihnen. Und genauso ist das, wenn Sie zu Jesus kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie treten in seinen Lebensraum ein. Sie ergreifen seine ausgestreckte Hand. Sie erleben seine N\u00e4he, Sie sprechen mit ihm und er mit Ihnen &#8211; im Gebet. Wer zu Jesus kommt, braucht nichts mitzubringen. Nur eines brauchen wir: Wir m\u00fcssen vor ihm ehrlich unsern Lebensdurst zugeben und ihn darum bitten, da\u00df er ihn stille.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><i>Zweitens: Kommt und kauft.<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist auf den ersten Blick eine seltsame Aufforderung, noch seltsamer, da\u00df es hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <i>\u201eKauft ohne Geld und umsonst!\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also, entweder wir kaufen etwas, dann mu\u00df man daf\u00fcr etwas hinlegen &#8211; Geld oder etwas zum Tauschen. Aber umsonst kaufen, das gibt es doch gar nicht. Stimmt, das gibt es in der Welt tats\u00e4chlich nicht. Das gibt es nur bei Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt zwei S\u00e4tze, die sprichwortartig geworden sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Erstens: \u201eEs wird einem doch nichts geschenkt.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Zweitens: \u201eWas nichts kostet, hat auch keinen Wert.\u201c <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sagen wir dazu im Blick auf den Glauben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Es wird einem doch nichts geschenkt. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das stimmt nicht ganz. Es gibt auch im normalen Leben die angenehme Erfahrung, da\u00df einem etwas geschenkt wird, ohne da\u00df eine Gegenleistung erwartet wird. Aber zugegeben: manchmal wei\u00df man es wirklich nicht so ganz genau, ob mit dem Geschenk nicht doch eine bestimmte Erwartung verbunden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt nur ein Geschenk, bei dem man absolut sicher sein kann, da\u00df es wirklich gratis, total gratis ist: Das ist der Glaube, den Gott uns schenkt. Das ist die Bibel, das ist Jesus. Ein Geschenk f\u00fcr jedermann, v\u00f6llig gratis!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bringt mir der Glaube, so fragte ich eingangs und ich gebe jetzt die Antwort: Der Glaube bringt mir das, wonach sich alle Menschen sehnen \u2013 auch dieser junge Mann, der eigentlich alles hatte, was man sich so denken kann &#8211; und doch fehlte ihm etwas: die Zufriedenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird einem nichts geschenkt? Doch, das Wertvollste, was sich \u00fcberhaupt denken l\u00e4\u00dft, wird uns von Gott geschenkt! Wodurch wird man denn zufrieden? Geld und Besitzt\u00fcmer reichen nicht aus, sonst w\u00e4ren ja alle Reichen und Wohlhabenden zufrieden. Gesundheit bringt es auch nicht, sonst w\u00e4ren ja alle Gesunden zufriedene Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zusammensein mit lieben Menschen macht auch nicht automatisch zufrieden. Auch nicht ein guter Beruf, auch nicht sch\u00f6ne Hobbys. Und wenn man das alles zusammen n\u00e4hme: Geld, Gesundheit, gute Ehe, gute Familie, gute Freunde, guter Beruf, sch\u00f6ne Hobbys&#8230;. &#8211; dann kommt als Summe nicht unbedingt Zufriedenheit heraus. Zufriedenheit \u2013 darin steckt das Wort Frieden. Beim Propheten Jeremia lesen wir den wunderbaren Zuspruch Gottes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eIch wei\u00df wohl, was ich f\u00fcr Gedanken \u00fcber euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, das ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.\u201c <\/i>W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt:\u00a0 <i>\u201e\u2026 da\u00df ich euch gebe Zukunft und Hoffnung\u201c (Jeremia 29,11). <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Paulus schreibt an die Epheser: <i>\u201eER \u2013 Christus \u2013 ist unser Friede.\u201c\u00a0(Epheser 2,14)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn dieser Friede uns erf\u00fcllt, dann sind wir wirklich zufrieden. Zufrieden sind die, die inneren Frieden haben. Vom Kirchenvater Aurelius Augustinus aus dem 4. Jahrhundert stammt der Satz: <i>\u201eUnruhig ist unser Herz, Gott, bis es ruht in dir.\u201c <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und diesen Frieden bekomme ich durch den Glauben. Wie kann man da noch sagen: \u201e<i>Was nichts kostet, hat keinen Wert.\u201c <\/i>Was wir im Glauben bekommen, hat einen Wert, sogar einen unsch\u00e4tzbaren Wert. Genau genommen, hat es auch etwas gekostet, dieses Geschenk Gottes \u2013 sehr viel sogar! Es hat ihn seinen Sohn Jesus gekostet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Opfer hat der biblischen Botschaft das Siegel aufgedr\u00fcckt. Das was in der Bibel steht, war auch schon wahr, bevor Jesus \u00fcber diese Erde ging. Aber durch ihn und sein Opfer ist die Botschaft der Propheten im wahrsten Sinne des Wortes endg\u00fcltig best\u00e4tigt und beglaubigt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eWer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Str\u00f6me lebendigen Wassers flie\u00dfen.\u201d (Johannes 7,38)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine merkw\u00fcrdiges Bildwort! Wir m\u00fcssen hier darauf achten, wohin dieses Wort weist. Im biblischen Bericht von der Kreuzigung Jesu wird mitgeteilt, wie nach seinem Tod ein r\u00f6mischer Soldat ihm mit dem Speer in die Seite stach, und wie aus dieser Wunde Wasser und Blut flossen (Johannes 19,34). Wasser und Blut. Woran erinnert uns das? An Taufe und Abendmahl!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Taufe wird einem Menschen im Glauben zugesprochen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eF\u00fcrchte dich nicht, ich habe dich erl\u00f6st, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.\u201d (Jesaja 43,1)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Zuspruch, diese Gewi\u00dfheit gibt mir der Glaube!<br \/>\nUnd im Abendmahl: <i>\u201eDir sind deine S\u00fcnden vergeben.\u201d<br \/>\n<\/i>Diesen Zuspruch, diese Gewi\u00dfheit gibt mir der Glaube!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da geschieht es, da\u00df Lebensdurst gestillt wird, da\u00df Niedergeschlagene gest\u00e4rkt werden, da\u00df die Last der Schuld, die uns ja alle Lebensfreude zunichte machen kann, getilgt wird, da\u00df das Leben in der Gemeinschaft\u00a0 der Getauften &#8211; wenn sie ganz bewu\u00dft ihre Taufe bejahen &#8211; viel st\u00e4rker tr\u00e4gt, als jede andere Gemeinschaft, weil die Gemeinschaft der Getauften aus der engen Verbundenheit mit Christus lebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn unser Leben durch den Glauben an Jesus Christus eine neue Mitte gefunden hat, werden wir frei von uns selbst &#8211; und damit frei f\u00fcr andere. Seine Liebe flie\u00dft in uns hinein und aus uns heraus. Ebenso seine Wahrhaftigkeit. Von uns flie\u00dft ab, was zuvor durch Christus in uns hinein gestr\u00f6mt ist: seine Liebe, seine Wahrhaftigkeit, sein Frieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen auch Nichtchristen liebevoll und wahrhaftig und friedfertig sein. Aber nicht in der Art, wie es Christus uns ans Herz gelegt hat. Denn da ist eine gro\u00dfe Unsicherheit bei den Menschen, wie Liebe, Wahrheit und Frieden miteinander verbunden sind und vor allem, wem sie gelten sollen &#8211; nur denen, die wir nett finden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe, Wahrheit und Frieden, die von Gott kommen, sollen allen angeboten werden. H\u00f6ren Sie: wirklich allen Menschen! Auch wenn bei Gott bereits feststeht, da\u00df nicht alle seine Liebe, seine Wahrheit und seinen Frieden annehmen, so darf uns das nicht abhalten, sie allen anzubieten &#8211;\u00a0 ohne Ansehen der Person. Und darum:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><i>Drittens: Kommt her und h\u00f6rt!<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas zugespitzt k\u00f6nnte man sagen: was und wie ein Mensch wird, verdankt er im wesentlichen dem, was er geh\u00f6rt hat, wie er es aufgenommen und in seinem Leben umgesetzt hat. Nicht alles, was wir h\u00f6ren, ist\u00a0 wert, da\u00df wir es auch behalten. Aber das Eine von dem Andern zu unterscheiden, ist eine besondere Gabe, die nur dem gegeben wird, der zuvor gelernt hat zu h\u00f6ren, zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Augenblick denken wir vielleicht an Gespr\u00e4che, die wir mit unseren Eltern gef\u00fchrt haben, mit der eigenen Frau, dem Mann, den Kindern und Enkeln, den Freunden, den vielen, die uns in unserem Leben bisher begegnet sind. Der hingebungsvoll h\u00f6rende Mensch wirkt auf den ersten Blick passiv. Aber das scheint nur so. In Wirklichkeit erfordert solches intensives Zugewandtsein st\u00e4rkste innere Anteilnahme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich h\u00f6rte vor einiger Zeit ein Interview mit einer ber\u00fchmten amerikanischen Schauspielerin. Pl\u00f6tzlich fragte der Interviewer ganz unverhofft: <i>\u201eWie m\u00fc\u00dfte der Mann sein, der Ihr Herz gewinnen k\u00f6nnte?\u201d<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie war offenbar \u00fcberrascht \u00fcber diese Frage. Sie nahm erst einmal ihr Glas Wasser und bevor sie daraus einen Schluck nahm, sagte sie: <i>\u201eIch werde Ihnen gleich darauf antworten.\u201d<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann setzte sie das Glas ab und gab mit einem\u00a0 einzigen Satz die Antwort: <i>\u201eEr m\u00fc\u00dfte zuh\u00f6ren k\u00f6nnen.\u201d <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Sonst m\u00fc\u00dfte es nicht besonders betont werden. Nicht nur zwischen Mann und Frau, auch zwischen Eltern und Kindern ist das Zuh\u00f6renk\u00f6nnen ganz wichtig. Auch wir Erwachsene m\u00fcssen gut zuh\u00f6ren k\u00f6nnen, wenn ein Kind mit uns spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viel Leid entsteht doch immer wieder dadurch, da\u00df Menschen nicht h\u00f6ren, was der andere sagt, nicht wahrnehmen, was der andere meint, was er braucht, wonach er sich sehnt. Wir k\u00f6nnen viel besser aufeinander h\u00f6ren, wenn wir es gelernt haben, auf Gottes Wort zu h\u00f6ren. Um so mehr wir auf Gottes Wort h\u00f6ren, um so besser werden wir uns untereinander verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottes Wort macht sensibel, einf\u00fchlsam f\u00fcr andere, holt uns weg von dem Kreisen um uns selbst, \u00f6ffnet uns f\u00fcr andere. F\u00fcr den Glaubenden steht es au\u00dfer Frage, da\u00df Gott selbst uns \u00f6ffnet f\u00fcr sein Wort:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eGott der HERR hat mir das Ohr ge\u00f6ffnet.\u201d (Jesaja 50,5)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer in der Bibel liest, gewinnt \u00fcbrigens den Eindruck, da\u00df das H\u00f6ren wichtiger sei als das Sehen. Wir w\u00fcrden wohl eher andersherum sagen das Sehen ist doch wichtiger als das H\u00f6ren. Nein, in der Bibel hat das H\u00f6ren Vorrang, und zwar ein ganz bestimmtes H\u00f6ren &#8211; n\u00e4mlich das H\u00f6ren auf Gott. Das Sehen Gottes tritt nicht nur zur\u00fcck, es wird abgewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dieser Aufforderung zum H\u00f6ren steht das Hauptbekenntnis des Glaubens im alten Bund:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eH\u00f6re, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein&#8230;\u201d (5. Mose 6,4)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An vielen Stellen der Bibel, wo vom Sehen die Rede ist, ist eigentlich das H\u00f6ren gemeint:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eSiehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir&#8230;.\u201d<br \/>\n\u201eSiehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude&#8230;\u201d<br \/>\n\u201eSiehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an&#8230;\u201d<br \/>\n\u201eSiehe, ich mache alles neu.\u201d<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier k\u00f6nnen wir Martin Luthers Rat verstehen, wenn er sagt: Wir m\u00fcssen \u201eunsere Augen in die Ohren stecken.\u201d Mit anderen Worten: Wer das Wort Gottes h\u00f6rt, \u201ewie ein J\u00fcnger h\u00f6rt\u201d, der sieht, was andere nicht sehen. Vor allem: er wird gehorsam. Das sollte sich herumgesprochen haben: Gehorchen kommt von H\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut h\u00f6ren kann man aber nur, wenn es um einen still ist. Hier liegt der entscheidende Schl\u00fcssel zum Ganzen! H\u00f6ren kommt aus der Stille. Da wo Pre\u00dflufth\u00e4mmer dr\u00f6hnen, werde ich keinen Vogelgesang wahrnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wo der L\u00e4rm des Tages nicht von mir weicht, da werde ich Gottes Stimme kaum h\u00f6ren k\u00f6nnen. Da entgeht mir ganz Wesentliches vom Leben, ja vielleicht sogar das Leben selbst, weil mich eine bestimmte Botschaft, die f\u00fcr mich ganz wichtig sein k\u00f6nnte, nicht erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum: <i>\u201eNeigt eure Ohren her zu mir! H\u00f6ret, so werdet ihr leben!\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen das gesammelte, aufmerksame Schweigen, damit wir h\u00f6ren k\u00f6nnen. Bei dem d\u00e4nischen Theologen und Religionsphilosophen S\u00f6ren Kierkegaard, der in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in Kopenhagen lebte und wirkte, las ich den Satz:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eAls mein Gebet immer and\u00e4chtiger wurde, da hatte ich immer weniger und immer weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde zum H\u00f6rer! Ich meinte zuerst, Beten ist Reden. Nun lernte ich aber, da\u00df Beten nicht nur zum Schweigen, sondern zum H\u00f6ren f\u00fchrt!\u201d<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcnsche uns allen, da\u00df uns solches H\u00f6ren geschenkt wird, ein H\u00f6ren, das lebensnotwendig ist! Darum sollten wir diese drei Aufforderungen auch \u00fcber diesen Tag hinaus immer wieder einmal bedenken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Kommt her zum Wasser!<br \/>\n&#8211; Kommt her und kauft!<br \/>\n&#8211; Kommt her und h\u00f6rt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus Christus spricht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eSelig sind, die das Wort Gottes h\u00f6ren und bewahren.\u201c (Lukas 11,28)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Pastor Jens Motschmann, Bremen<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Predigt in Lemgo (St. Pauli-Kirche) am 9. Juni 2013<br \/>\nFestgottesdienst zur 86. Jahrestagung der Ev. Volks- und Schriftenmission<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt \u00fcber Jesaja 55,1-3 \u00a0\u201eWohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt \u00a0her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 2\u00a0Warum z\u00e4hlt ihr Geld dar f\u00fcr das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst f\u00fcr das, was nicht satt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":234,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9639"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/234"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9639"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9639\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9641,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9639\/revisions\/9641"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}