{"id":9566,"date":"2013-06-08T06:00:11","date_gmt":"2013-06-08T04:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9566"},"modified":"2013-06-08T08:01:25","modified_gmt":"2013-06-08T06:01:25","slug":"predigt-christus-unser-hoherpriester-hebr-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9566","title":{"rendered":"Predigt: Christus unser Hoherpriester (Hebr 7)"},"content":{"rendered":"<p><b>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Christus und der geheimnisvolle Priesterk\u00f6nig<\/b><\/p>\n<p><b>1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wer K\u00f6nig ist, kann nicht auch Priester sein<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber dem Kreuz Christi lie\u00df Pilatus ein Schild anbringen, auf dem zu lesen war: Jesus von Nazareth, K\u00f6nig der Juden (INRI). Jesus war der angek\u00fcndigte K\u00f6nig Israels, der Sohn Davids, aus dem Stamme Juda. Jesus ist nicht nur der K\u00f6nig Israels, sondern der K\u00f6nig der K\u00f6nige und Herr \u00fcber alle Herren der Erde, wie ihn die Offenbarung beschreibt. Jesus ist K\u00f6nig. Doch genau an dieser Stelle tat sich ein Problem auf. Wenn Jesus der verhei\u00dfene messianische K\u00f6nig ist, wie kann er dann ein Opfer f\u00fcr die S\u00fcnden Israels bringen, das vor Gott und f\u00fcr Israel G\u00fcltigkeit besitzt. Wie kann er S\u00fcnden vergeben? <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus berief sich immer wieder auf Mose und die Propheten. Doch Gott hatte durch Mose und die Propheten eine klare Arbeitsteilung vorgesehen: Das Amt des K\u00f6nigs war an den Stamm Juda und dort an das Haus David gebunden und das Priesteramt war an den Stamm Levi und dort an das Haus Aaron gebunden. Ja, Jesus konnte K\u00f6nig sein, weil er aus dem Stamm Juda und dem Hause David war. Damit stammte er aber nicht aus dem Stamm Levi und konnte somit aus dem Blickwinkel des Gesetzes nicht zugleich Priester sein, zwischen Gott und Mensch vermitteln, ein g\u00fcltiges Opfer bringen, die S\u00fcnden vergeben oder priesterliche F\u00fcrbitte halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Melchisedek und Abraham<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Gott w\u00e4re nicht Gott, wenn er dieses Problem nicht schon vor Grundlegung der Welt gesehen h\u00e4tte und im Verlauf der Offenbarungsgeschichte die Weichen rechtzeitig so gestellt h\u00e4tte, dass die K\u00f6nigs- und die Priesterlinie auf wunderbare Weise in der einen Person des Messias zusammenlaufen w\u00fcrden und das auch noch in \u00dcbereinstimmung mit Mose und Propheten. Ein g\u00f6ttliches Kunstst\u00fcck, das dem Leser der Bibel erst bei genauerem Hinsehen und vor allem durch das Studium des Hebr\u00e4erbriefes aufgeht. Die Schl\u00fcsselfigur in der L\u00f6sung des Problems ist der geheimnisvolle Priesterk\u00f6nig Melchisedek, der uns in der Abrahamsgeschichte begegnet (1 Mose 14). \u00dcber ihn schreibt der Hebr\u00e4erbrief:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<i>&#8222;Dieser Melchisedek aber war K\u00f6nig von Salem, Priester Gottes des H\u00f6chsten; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg \u00fcber die K\u00f6nige zur\u00fcckkam, und segnete ihn; 2 ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens hei\u00dft er \u00fcbersetzt: K\u00f6nig der Gerechtigkeit; dann aber auch: K\u00f6nig von Salem, das ist: K\u00f6nig des Friedens.\u00a0 3 Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.\u00a0 4 Seht aber, wie gro\u00df der ist, dem auch Abraham, der Erzvater, den Zehnten gab von der eroberten Beute.&#8220; (Hebr 7,1-4)<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel berichtet, dass die K\u00f6nige von Sodom und Gomorrah durch ein K\u00f6nigsb\u00fcndnis unter der F\u00fchrung von K\u00f6nig Kedor-Laomer besiegt wurden. Dabei wurden viele Gefangene und gro\u00dfe Beute gemacht. Einer der Gefangenen waren Lot und seine Familie. Abraham griff den siegreichen K\u00f6nig mit seinen Leuten an und errang einen Sieg, den offensichtlich Gott geschenkt hatte. Im Anschlu\u00df an diesen Sieg taucht pl\u00f6tzlich wie aus dem Nichts der geheimnisvolle Melchisedek auf: &#8222;Aber Melchisedek, der K\u00f6nig von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des H\u00f6chsten und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom h\u00f6chsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; gelobt sei Gott der H\u00f6chste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem&#8220; (1 Mose 14,18-20).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>1.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Melchisedek und Christus<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein in diesem kurzen Abschnitt steckt viel und Entscheidendes. Der Hebr\u00e4erbrief weist uns 1.) darauf hin, dass Melchisedek \u00fcbersetzt wird mit &#8222;Melech&#8220; (K\u00f6nig) und &#8222;Zedek&#8220; (Gerechtigkeit). 2.) Melchisedek ist K\u00f6nig der Stadt Salem, also der Stadt des Friedens, des sp\u00e4teren Jerusalems (Ps 76,3). K\u00f6nig der Gerechtigkeit und K\u00f6nig des Friedens? Kommt uns das nicht bekannt vor? Jesus Christus ist unsere Gerechtigkeit und unser Friede (vgl. 1. Kor 1,30; Eph 2,14). 3.) Melchisedek begegnet uns ohne den Nachweis einer genealogischen Abstammung, wie es sonst bei den Patriarchen und insbesondere bei den sp\u00e4teren levitischen Priestern \u00fcblich war. Ihm wird vom Apostel bescheinigt, dass er <i>ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. <\/i>In Vers 8 lesen wir \u00fcber Melchisedek, dass von ihm bezeugt wird &#8222;<b><i>dass er lebt<\/i><\/b>&#8222;. Er hat keinen Anfang noch Ende des Lebens und ist so ein ewiger Priesterk\u00f6nig. Wer ist er? Ist er ein unsterblicher Engelk\u00f6nig? Wir wissen es nicht und es ist auch unerheblich. 4.) Er reicht als Priesterk\u00f6nig Abraham Brot und Wein. In Melchisedek begegnet uns ein Vorl\u00e4ufer auf den Priesterk\u00f6nig Christus, der seinen J\u00fcngern Brot und Wein reicht mit den Worten: &#8222;Nehmet, das ist mein Leib \u2026 und \u2026 das ist mein Blut des Bundes, das f\u00fcr viele vergossen wird.&#8220; (Mk 14,22-24) 5.) Melchisedek segnet Abraham sowie Christus die Seinen gesegnet hat (z. B. Lk 24,50) 6.) Melchisedek empf\u00e4ngt von Abraham den Zehnten und empf\u00e4ngt so als Stellvertreter und &#8222;<i>Priester Gottes des H\u00f6chsten&#8220;<\/i> den Zehnten, der Gott allein zusteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Apostel zieht einen f\u00fcr unsere anf\u00e4ngliche Fragestellung wegweisenden Schlu\u00df: <i>So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit. <\/i>Melchisedek ist ein Vorl\u00e4ufer des Christus und Christus kann somit auch ganz im Sinne des mosaischen Gesetzes in einer Person das Amt des K\u00f6nigs und das Amt des Priesters miteinander verbinden. Das K\u00f6nigsamt hat er im Sinne des davidischen K\u00f6nigtums und das Priesteramt hat er im Sinne der melchisedekschen Priesterordnung, die eine ewige Priesterordnung ist. Wer in dieser Priesterordnung steht, braucht keinen genealogischen Nachweis vorlegen, der die Abstammung von Aaron und Levi belegt. Jesus Christus ist K\u00f6nig und Priester zugleich \u2013 die k\u00f6nigliche und die priesterliche Linie werden nach dem Vorbild des Priesterk\u00f6nigs Melchisedek in seiner Person geb\u00fcndelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Vorrang der Priesterordnung nach Melchisedek<\/b><b><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus j\u00fcdisch-orthodoxer Seite Sicht, k\u00f6nnte nun das Argument vorgebracht werden, dass ja die levitische Ordnung 500 Jahre nach der Begegnung im K\u00f6nigstal im mosaischen Gesetz eindeutig und abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt wurde. Sie ist sp\u00e4ter und steht damit \u00fcber dem K\u00f6nigpriestertum Melchisedeks. Aus diesem Grunde muss eine Priester Gottes doch aus dem Stamm Levi und Nachkomme Aarons sein und Stiere und Schafe opfern, damit S\u00fcnden vergeben werden k\u00f6nnen. Doch der Apostel zeigt, dass die Priesterordnung nach Melchisedek Vorrang vor der levitischen Ordnung hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Melchisedek empf\u00e4ngt den Zehnten<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Melchisedek empfing als Priester des h\u00f6chsten Gottes den Zehnten der eroberten Beute von Abraham. Nun k\u00f6nnte nat\u00fcrlich argumentiert werden, dass auch die Leviten den Zehnten Israels entgegennahmen (Vers 5). Dagegen stand aber zweierlei: 1.) Melchisedek war im Gegensatz zu den Leviten ein ewiger Priester. Wenn ein ewiger und unsterblicher Priester den Zehnten entgegennimmt, dann hat sein Priestertum Vorrang vor einer sterblichen Priesterschaft. 2.) Indem Abraham den Zehnten an Melchisedek gab, gab auch indirekt Levi den Zehnten. Weil Levi, wie es w\u00f6rtlich hei\u00dft, noch in den &#8222;Lenden Abrahams&#8220; war, ihm also noch geboren werden wollte (Verse 9 u. 10), wurde auch Levi mit dem Zehnten belegt und gab ihn durch seinen Patriarchen (Vers 10), also den ersten seines Geschlechts, an Melchisedek. Das Priestertum des Melchisedeks ist h\u00f6her als das levitische Priestertum, weil es den Zehnten von Levi empfing.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Melchisedek segnete Abraham<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>&#8222;Nun aber ist unwidersprochen, dass das Geringere vom H\u00f6heren gesegnet wird.&#8220; (Vers 7) <\/i>Gott segnet den Menschen und damit gilt das Prinzip, dass das H\u00f6here den Geringeren segnet. Wenn nun Melchisedek kommt, um Abraham im Namen des H\u00f6chsten Gottes zu segnen (Vers 6), dann segnet er als der H\u00f6here den Geringeren. Wenn Abraham als erster seines Geschlechts gesegnet wird, dann werden mit ihm auch alle Nachkommen gesegnet. Auch hier zeigt sich, dass das Priestertum des Melchisedeks \u00fcber dem levitischen Priestertum steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Verg\u00e4nglichkeit und Schwachheit des levitischen Priestertums<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>&#8222;W\u00e4re nun die Vollendung durch das levitische Priestertum gekommen, \u2026, wozu war es dann n\u00f6tig, einen andern als Priester nach der Ordnung Melchisedeks einzusetzen, anstatt einen nach der Ordnung Aarons zu benennen?&#8220;<\/i>(Hebr 7,11). Das levitische Priestertum war zwar von Gott durch das Gesetz Mose eingesetzt, hatte aber nicht die Kraft, die Vollendung zu bringen (Hebr 7,11.19). Es war nicht in der Lage, den Menschen mit Gott zu vers\u00f6hnen und ewiges Leben zu bringen. Das levitische Priestertum ist im Gegensatz zum Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks ein schwaches Priestertum, das dem Menschen nicht wirklich helfen und retten kann: 1.) Die levitischen Priester erhielten ihre Priesterschaft kraft \u201e<i>\u00e4u\u00dferlicher Gebote<\/i>\u201c (Hebr 7,15), w\u00e4hrend das Priestertum nach Melchisedek ein Priestertum &#8222;<i>kraft unzerst\u00f6rbaren Lebens ist<\/i>&#8220; (Hebr 7,16). 2.) Die levitischen Priester waren sterblich: &#8222;<i>Auch sind es viele, die Priester wurden, weil der Tod keinen bleiben lie\u00df&#8220;<\/i> (Hebr 7,23) 3.) Die levitischen Priester waren selbst schwache S\u00fcnder und brauchten Reinigung f\u00fcr ihre S\u00fcnden, indem sie Opfer f\u00fcr sich selbst darbrachten: <i>&#8222;Er hat es nicht n\u00f6tig, wie jene Hohenpriester, t\u00e4glich zuerst f\u00fcr die eignen S\u00fcnden Opfer darzubringen und dann f\u00fcr die des Volkes<\/i>&#8220; (Hebr 7,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gottes Schwur und das bessere Priestertum <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesetz mit seinem levitischen Priestertum konnte keine Vollendung bringen. Es war nicht in der Lage, den Menschen mit Gott zu vers\u00f6hnen<i>. &#8222;Denn das Gesetz konnte nichts zu Vollendung bringen -, und eingef\u00fchrt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen. Und das geschah nicht ohne Eid. Denn jene sind ohne Eid Priester geworden, dieser aber durch den Eid dessen, der zu ihm spricht<\/i>. (Hebr 7,18.19) Der Name Melchisedek begegnet uns im mosaischen Gesetz und in den Propheten nicht mehr. Nur noch einmal taucht der wundersame Priesterk\u00f6nig auf und zwar in den Psalmen: <i>&#8222;<\/i><i>Der HERR hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: \u00bbDu bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.&#8220; <\/i>(Ps 110,4). K\u00f6nig David war es, der den 110. Psalm aufschrieb und der Heilige Geist lie\u00df ihn einen Schwur Gottes aufschreiben, mit dem Gott ein kommendes Priestertum nach der Weise Melchisedeks ank\u00fcndigte. Das levitische Priestertum, das nicht mit einem Schwur Gottes eingesetzt wurde, sollte durch eine bessere Ordnung abgel\u00f6st werden. Gott hat sich daf\u00fcr mit einem Schwur verb\u00fcrgt. Der kommende Messias, der auf dem Thron Davids sitzen und in Ewigkeit regieren wird (Jes 9,1ff), wird zugleich ein ewiger Priester sein nach der ewigen Priesterordnung des Melchisedek. Durch K\u00f6nig David, also 600 Jahre nach der Offenbarung des sinaitischen Gesetzes, lie\u00df Gott prophetisch ank\u00fcndigen, dass der Messias ein besseres, weil ewiges Priestertum bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Quadratur des Kreises<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es nicht gro\u00dfartig? Gott gelingt hier gewisserma\u00dfen die Quadratur des Kreises. Wie kann der Messias zugleich K\u00f6nig und Priester sein? Laut mosaischen Gesetz scheint dies zun\u00e4chst ausgeschlossen. Die k\u00f6nigliche Linie aus dem Stamm Juda und die priesterliche Linie aus dem Stamm Levi laufen getrennt voneinander. Doch in den Psalmen k\u00fcndigt der K\u00f6nig aus Juda an, dass sein Nachkomme, der K\u00f6nig aus dem Hause David, zugleich ein Priester nach der Ordnung Melchisedeks sein wird. Wie dieser wird auch der Christus ein Priesterk\u00f6nig sein, der Gerechtigkeit und Frieden bringen wird. Eine wunderbare g\u00f6ttliche Quadratur des Kreises!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Christus und sein hohepriesterlicher Dienst f\u00fcr uns<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die Schwachheit an sich haben; dies Wort des Eides aber, das erst nach dem Gesetz gesagt worden ist, setzt den Sohn ein, der ewig und vollkommen ist <\/i>(Hebr 7,28). Gott setzt mit dem Schwur aus Psalm 110 seinen eigenen Sohn, der \u201e<i>ewig und vollkommen<\/i>\u201c ist, als ewigen Hoherpriester ein. Der Apostel schreibt: &#8222;<i>So ist Jesus B\u00fcrge (Garant) eines viel besseren Bundes geworden<\/i>&#8220; (Hebr 7,22). Im Gegensatz zum alten Bund ist der neue Bund wirklich in der Lage, auf ewig mit Gott zu vers\u00f6hnen und damit die Grundlage f\u00fcr eine ewige Gemeinschaft mit Gott zu legen. Wir wollen uns nun in einem dritten Schritt den Priesterdienst unseres Herrn vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Christus opfert sich f\u00fcr uns<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Denn einen solchen Hohenpriester mu\u00dften wir auch haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den S\u00fcndern geschieden und h\u00f6her ist als der Himmel. 27 Er hat es nicht n\u00f6tig, wie jene Hohenpriester, t\u00e4glich zuerst f\u00fcr die eigenen S\u00fcnden Opfer darzubringen und dann f\u00fcr die des Volkes; denn das hat er ein f\u00fcr allemal getan, als er sich selbst opferte. (Hebr 7,26.27) <\/i>Es bleibt gerade uns modernen Menschen ein unerkl\u00e4rlicher f\u00fcr manche auch unertr\u00e4glicher Gedanke, dass sich ein anderer f\u00fcr uns opfern muss. Und doch gibt es das auch in den Sternstunden der Menschheitsgeschichte der Menschen. Am 29. Juli 1941 traf der polnische Pater Maximilian Kolbe eine schwere Entscheidung. Im KZ Auschwitz sollte ein wahllos ausgesuchter H\u00e4ftling, Ehemann und Vater von zwei kleinen Kindern, zum Tode durch Verhungern im ber\u00fcchtigten Hungerbunker verurteilt werden. Maximilian Kolbe bat den Lagerkommandanten Karl Fritzsch, nicht den v\u00f6llig verzweifelten Familienvater in den Hungerbunker zu werfen, sondern ihn. Kolbe war 16 Tage sp\u00e4ter tot. Der polnische Familienvater \u00fcberlebte Auschwitz und starb im 1995.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mensch ist in einer noch aussichtsloseren Lage als der Familienvater in Auschwitz. Durch seinen Ungehorsam gegen\u00fcber Gott und seine S\u00fcnde hat er sich selbst den ewigen Tod zugezogen, die Trennung von Gott auf ewig, das ist die H\u00f6lle, die auch der \u201e<i>zweite Tod<\/i>\u201c genannt wird (1 Mose 2,17; R\u00f6m 6,23; Offb 20,14). Christus ist der heilige und reine Hohepriester Gottes, der stellvertretend f\u00fcr uns, das notwendige Todesopfer auf sich nimmt, um unsere Strafe zu erleiden. Er geht f\u00fcr uns in die H\u00f6lle des Kreuzestodes, damit wir die H\u00f6lle und den ewigen Tod nicht erleiden m\u00fcssen. Gott hat den, &#8222;<i>der von keiner S\u00fcnde wusste, f\u00fcr uns zur S\u00fcnde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit w\u00fcrden, die vor Gott gilt<\/i>&#8220; (2 Kor 5,21). Christus ist der K\u00f6nig der Gerechtigkeit \u2013 er war ohne S\u00fcnde. Doch am Kreuz von Golgatha erlitt er die Strafe des S\u00fcnders. Er, der den Tod doch gar nicht h\u00e4tte erleiden m\u00fcssen, weil er der ewige Sohn Gottes ist, ging freiwillig in den Tod. Kein levitischer Priester konnte solch ein Opfer bringen. Nur der ewige Priesterk\u00f6nig konnte es. Er tat es aus Liebe zu uns. Er nimmt unsere Ungerechtigkeit auf sich, wir erhalten durch den Glauben seine Gerechtigkeit. Welch wunderbarer Tausch. Der Priesterk\u00f6nig Christus macht uns durch seinen Priesterdienst gerecht und stellt die ewige Gemeinschaft mit Gott wieder her. Pater Maximilian Kolbe tat einen priesterlichen Dienst f\u00fcr den polnischen Familienvater, indem er stellvertretend f\u00fcr ihn den Tod auf sich nahm und so sein Leben um Jahrzehnte verl\u00e4ngerte. Christus hat als Hoherpriester stellvertretend f\u00fcr uns die H\u00f6llenstrafe des Kreuzestodes getragen, damit wir auf ewig leben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Christus ist Mittler unzerst\u00f6rbaren Lebens<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus Christus ist Hoherpriester &#8222;<i>nach der Kraft unzerst\u00f6rbaren Lebens<\/i>&#8220; (Hebr 7,16) und ein Priester &#8222;<i>in Ewigkeit<\/i>&#8220; (Hebr 7,17). W\u00e4hrend die levitischen Priester starben, hat dieser &#8222;<i>weil er ewig bleibt, ein unverg\u00e4ngliches Priestertum<\/i>&#8220; (Hebr 7,23.24). <i>&#8222;Dadurch kann er auch f\u00fcr immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt\u2026&#8220;<\/i> (Hebr 7,25). Ja, Jesus Christus hat das Unvorstellbare getan. Er hat sich als Priester in den Tod gegeben. Doch der Tod hatte keine Macht \u00fcber diesen Priester, wie er \u00fcber alle anderen Priester Macht hatte; dieser Priester blieb nicht im Grab, sondern ist von den Toten auferstanden. Jeder, der durch ihn zu Gott kommt, den rettet er, so der griechische Text w\u00f6rtlich. Wenn es hei\u00dft <i>&#8222;Dadurch kann er auch f\u00fcr immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt\u2026&#8220;<\/i>, dann wollen wir festhalten, dass wir 1.) <b><i>nur und allein durch ihn zu Gott kommen k\u00f6nnen<\/i><\/b>. Es gibt keine andere Religion, keine anderen Propheten und kein anderes Priestertum, durch das wir zu Gott kommen k\u00f6nnen. 2.) <b><i>wir m\u00fcssen auch kommen!<\/i><\/b> Sein priesterliches Werk wird uns nicht automatisch angerechnet, sondern wir m\u00fcssen im Glauben zu diesem einen Priester kommen und die Gabe der Vergebung und des unzerst\u00f6rbaren Lebens aus seiner Hand empfangen, so wie Abraham die Gaben des Brotes und des Weines aus der Hand des Melchisedek nahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir zu ihm im Glauben gekommen sind, dann sagt er uns: <i>&#8222;F\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle&#8220;<\/i> (Offb 1,17.18). Wenn wir diesen Hohenpriester haben, dann brauchen wir uns nicht mehr f\u00fcrchten vor dem Tod und vor der H\u00f6lle, denn er hat beides \u00fcberwunden und besiegt und hat die Schl\u00fcssel, also die Zugangsrechte zum Tod und zur H\u00f6lle. Er holt uns aus der Todes- und H\u00f6llenverfallenheit heraus und schenkt uns das ewige Leben. Wenn wir mit Christus verbunden sterben, dann wird er uns von den Toten auferwecken und zu sich holen in sein ewiges Reich des Friedens. Christus ist der Hohepriester, der uns das unzerst\u00f6rbare Leben aus Gott vermittelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Christus betet f\u00fcr uns<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und noch ein drittes wird uns genannt: &#8222;<i>denn er lebt f\u00fcr immer und bittet f\u00fcr sie<\/i>&#8220; (Hebr 7,25). Maximilian Kolbe konnte in seinem Martyrium noch tr\u00f6sten und beten f\u00fcr die, die mit ihm in den Tod gehen sollten. Sicher wird er in priesterlicher F\u00fcrbitte f\u00fcr die eingestanden haben, die um ihn herum in Todesnot waren. Hier wird an einem Menschen sichtbar, was Christi priesterlicher Dienst f\u00fcr uns ist. Auch er betete noch mitten in Schmerz und Leid als er am Kreuz ausrief: \u201e<i>Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun<\/i>\u201c. Er betete f\u00fcr seine Feinde und er betete und betet f\u00fcr seine Freunde. Jesus k\u00fcndigte Petrus an, dass der Satan die J\u00fcnger sieben wird wie den Weizen, doch er sagt ihm auch etwas zu: &#8222;<i>Ich aber habe f\u00fcr dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6re<\/i>&#8220; (Lk 22,32). Christus h\u00e4lt F\u00fcrbitte f\u00fcr seine J\u00fcnger, damit ihr Glaube nicht aufh\u00f6re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einigen Tagen habe ich \u00fcber die Internetseite der Organisation Christian Solidarity International ein vorbereitetes Petitionsschreiben an den iranischen Pr\u00e4sidenten Ahmanedischad gesandt und darum gebeten, dass Pastor Behnam Irani, aus dem Gef\u00e4ngnis freikommt. Er war Muslim und ist Christ geworden und ist auf Grund seines Glaubens unter schrecklichen Umst\u00e4nden eingesperrt. Wir alle haben hier eine priesterliche Aufgabe, f\u00fcr unsere verfolgten Br\u00fcder und Schwestern im Gebet einzutreten. Doch wie schwach ist doch unser F\u00fcrbittedienst und wie froh d\u00fcrfen wir sein, dass Pastor Irani und mit ihm wir alle einen Priester haben, der f\u00fcr uns F\u00fcrbitte tut. Und wenn wir uns fragen und vielleicht zweifeln, ob unsere schwachen Gebete erh\u00f6rt werden, die wir f\u00fcr andere beten, so d\u00fcrfen wir uns zwar auf Gottes Verhei\u00dfungen berufen, aber ebenso gewiss sein, dass die Gebete dieses ewigen Hohenpriesters, des Sohnes Gottes erh\u00f6rt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wird es sein, wenn wir einmal in schwere physische oder psychische Not, vielleicht in Verfolgungsnot kommen, oder alt und dement sind und die Kraft zum Beten nicht mehr finden, der Glaube zu zerbrechen droht. Wir d\u00fcrfen dann wissen: Jesus betet zum Vater. Im hohepriesterlichen Gebet betet Jesus: <i>&#8222;Ich bitte f\u00fcr sie und bitte nicht f\u00fcr die Welt, sondern f\u00fcr die, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein<\/i>&#8220; (Joh 17,9). Wir wollen dem Herrn danken, dass er f\u00fcr uns betet, wollen uns aber selbst von ihm anstecken lassen und vermehrt den priesterlichen F\u00fcrbittedienst f\u00fcr andere, besonders die, die in Not sind, \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<b>3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Christus segnet uns<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend wird der priesterliche Dienst Christi in den Gesten des geheimnisvollen Priesterk\u00f6nigs Melchisedek zum Ausdruck gebracht. Melchisedek brachte Abraham Brot und Wein und er segnete Abraham im Namen des Gottes des H\u00f6chsten. Wenn wir zum Priesterk\u00f6nig Christus kommen, dann reicht er uns in Brot und Wein seinen Leib und sein Blut, sein Leben f\u00fcr uns gegeben, damit wir aus der Sklaverei der S\u00fcnde und der \u00dcbermacht des Todes erl\u00f6st werden k\u00f6nnen und das unzerst\u00f6rbare Leben durch seine ewige Priesterschaft vermittelt bekommen. Durch ihn und seinen priesterlichen Dienst werden wir &#8222;<i>gesegnet mit allem geistlichen Segen im Himmel<\/i>&#8220; (Eph 1,3). Wir wollen diesen Segen dankbar aus seiner Hand empfangen und selbst im priesterlichen Dienst diesen Segen anderen weitervermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Prediger Johann Hesse<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Predigt vom 2. Juni 2013 in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes (Abendmahlsgottesdienste finden dort regelm\u00e4\u00dfig jeweils am ersten Sonntag im Monat um 17.00 Uhr statt).<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Christus und der geheimnisvolle Priesterk\u00f6nig 1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wer K\u00f6nig ist, kann nicht auch Priester sein \u00dcber dem Kreuz Christi lie\u00df Pilatus ein Schild anbringen, auf dem zu lesen war: Jesus von Nazareth, K\u00f6nig der Juden (INRI). 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