{"id":9539,"date":"2013-05-31T14:31:14","date_gmt":"2013-05-31T12:31:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9539"},"modified":"2013-05-31T14:31:14","modified_gmt":"2013-05-31T12:31:14","slug":"das-schweigen-des-lammes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9539","title":{"rendered":"Das Schweigen des Lammes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wir alle sind zu einem gewissen Grad das Produkt unseres famili\u00e4ren Hintergrundes. Meine Gro\u00dfeltern, wie viele deutsche Juden ihrer Generation, waren \u00fcberzeugte Atheisten. Doch die Eltern meines Vaters, die als Einwanderer nach England kamen, meinten, dass ihre Kinder sich dem britischen Lebensstil anpassen sollten. Aus diesem Grunde lie\u00dfen sie alle ihre Kinder taufen. Meine Mutter lie\u00df sich sp\u00e4ter als Jugendliche ebenfalls in der \u00f6rtlichen Kirchengemeinde taufen, weil sie dem als eng empfundenen Leben der j\u00fcdischen Gemeinde in Manchester entfliehen wollte. In beiden F\u00e4llen wurde die Taufe nicht als ein religi\u00f6ser Akt verstanden, sondern als ein kulturelles Zeichen, das dabei behilflich war, sich mit der britischen Gesellschaft zu identifizieren.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wuchs ich ohne religi\u00f6se Unterweisung oder Praxis auf, und wenn wir \u00fcberhaupt irgend etwas waren, dann waren wir &#8222;Christen&#8220;. Dementsprechend wurde ich auch als S\u00e4ugling getauft. Durch Gottes Gnade bekam ich von meiner Patentante bei meiner Taufe eine Bibel geschenkt, die ich im Alter von ungef\u00e4hr zehn oder elf Jahren in meinem B\u00fccherregal entdeckte. Da mein Name im Einband stand, dachte ich mit kindlichem Stolz, dass es ein gutes Buch sein m\u00fcsse, und begann darin zu lesen. Ich begann mit der Genesis und arbeitete mich best\u00e4ndig durch das Alte Testament ins Neue. Die aufregenden Geschichten und der j\u00fcdische Charakter dieses Buches faszinierten mich. Meine Mutter hatte uns nichts \u00fcber unser j\u00fcdisches Erbe oder unsere Geschichte beigebracht, so dass die Bibel mir die Augen f\u00fcr eine neue Welt \u00f6ffnete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dieser Zeit wurde mir mein j\u00fcdischer Hintergrund durch die schockierenden Enth\u00fcllungen in den Nachrichten \u00fcber die Vorg\u00e4nge in Deutschland w\u00e4hrend des Krieges n\u00e4her gebracht. Ich wusste, dass ein entfernter Verwandter von uns davon betroffen war. In der Tat war die erste Person, die mir die Sehensw\u00fcrdigkeiten Londons zeigte, ein in der Seele gebrochener entfernter Cousin von mir, der mit einem starken ausl\u00e4ndischen Akzent sprach. Im Alter von dreizehn Jahren kam ich auf das Internat Charterhouse und wurde dort zur Zielscheibe massiver anti-semitischer Angriffe. F\u00fcr den Zeitraum von zwei Jahren wurde ich auf \u00fcble Weise schikaniert und f\u00fchlte mich sehr elend. W\u00e4hrend dieser Zeit las ich die Bibel ungef\u00e4hr einmal im Jahr wie einen Roman von vorne bis hinten durch. Ich war fasziniert von diesem Buch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ein hoffnungsloser Fall<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit f\u00fcnfzehn Jahre stellte ich fest, dass Gott durch die Jahrhunderte eine ganze Reihe von Wundern f\u00fcr sein Volk getan hatte. Konnte er das heute auch noch? W\u00fcrde er das auch f\u00fcr mich tun? Und existierte er tats\u00e4chlich? Es war einen Versuch wert. Aus diesen Gedanken heraus entsprang mein, wie ich meine, erstes Gebet \u00fcberhaupt: \u201eLieber Gott, schenke mir 24 Stunden, in denen mir niemand etwas sagt oder tut.\u201c Ich meinte damit, dass mir niemand etwas B\u00f6ses sagen oder tun solle. Doch Gott in seiner wunderbaren Gnade nahm mein Gebet w\u00f6rtlich. Niemand sagte oder tat mir irgendetwas den ganzen n\u00e4chsten Tag \u00fcber. Kein Lehrer nahm Notiz von mir, gab mir eine Hausaufgabe oder rief mich in der Klasse auf. Wir Sch\u00fcler a\u00dfen gemeinsam, aber niemand bat mich, ihm das Salz zu reichen oder den Tisch abzudecken. Als wir am Nachmittag Fu\u00dfball spielten, rief mir niemand zu, ihm den Ball zuzuspielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend jenes Tages ging ich hinaus zur Schulkapelle, einem langgestreckten Geb\u00e4ude mit einer hohen Decke. Ich stand im Dunklen an einen Ende des Schiffes und \u00fcbereignete Gott mit lauter Stimme mein Leben. Ich meine, dass dies der Moment meiner geistlichen Neugeburt war. Von da an lebte ich sehr fromm und wollte Gott mit meinem Leben gefallen. Ich nahm meist an den t\u00e4glichen Schulandachten teil und wurde konfirmiert. Doch ich versuchte Gott vor allem aus eigener Kraft zu gefallen und ihm zu folgen. Es war wohl weniger sein Werk. Diese Phase dauerte f\u00fcr die restliche Schulzeit und die Zeit des Wehrdienstes an, in der ich in der Marine zum Russisch-Dolmetscher ausgebildet wurde. Mit zwanzig Jahren kam ich zur Universit\u00e4t von Oxford. Dort wurde ich von einem jungen Christen angesprochen, der mich f\u00fcr Christus gewinnen wollte. Er lud mich auf sein Zimmer ein und fragte mich, ob ich gerne einen &#8222;Drink&#8220; wolle und machte mir, als ich bejaht hatte, eine Ovomaltine. Da ich gerade von der Marine kam, hatte ich unter einem &#8222;Drink&#8220; doch etwas St\u00e4rkeres verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser Begegnung erkl\u00e4rte mein Freund bei einem Gebetstreffen der &#8222;Christian Union&#8220; (Studentenmission), dass er versucht habe, mir das Evangelium zu erkl\u00e4ren, ich aber wohl ein hoffnungsloser Fall sein. Das h\u00f6rte ein anderer Student, der davon \u00fcberzeugt war, dass es f\u00fcr Gott keine hoffnungslosen F\u00e4lle gibt. Er kam mit meiner Art besser klar und erkl\u00e4rte mir in einfachen Worten das Konzept der Gnade. Nicht, was ich f\u00fcr Gott t\u00e4te, sondern was Gott im Tod und in der Auferstehung Jesu f\u00fcr mich getan hat, sei entscheidend. Diese Offenbarung ver\u00e4nderte mein Leben grundlegend und begeisterte mich f\u00fcr Jesus Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ein Jude unter Muslimen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich der &#8222;Christian Union&#8220; (CU) beitrat, waren nur vier oder f\u00fcnf von den 250 Studenten unseres Colleges Mitglieder der CU. Aber Gott wirkte ganz wunderbar in diesem Jahr, so dass viele zum Glauben an Jesus fanden. Am Ende des Jahres hatten wir eine dynamische &#8222;Christian Union&#8220; &#8211; Arbeit mit rund 60 Mitgliedern. Die Umst\u00e4nde brachten es mit sich, dass ich lernte, wie man Menschen zu Christus f\u00fchrt, wie man J\u00fcnger macht, Bibelstunden und Gebetstreffen leitet. Diese Erfahrung, dass viele Menschen zum Herrn fanden, war eine ausgezeichnete Vorbereitung f\u00fcr meinen sp\u00e4teren Missionsdienst mit OMF (Overseas Mission Fellowship \/ \u00dcberseeische Missionsgemeinschaft) in Indonesien, wo wir mit einer ortsans\u00e4ssigen Reformierten Kirche zusammenarbeiten und uns inmitten einer Massenbewegung zu Gott wiederfanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir 1961 nach Indonesien gingen, waren im Volk der Karo Batak, unter dem wir arbeiteten, gerade einmal 20.000 Christen. Heute, \u00fcber 40 Jahre sp\u00e4ter, sind es rund 350.000 Christen. Es war ganz wunderbar mitzuerleben, wie Gott zu Tausenden Menschenleben ver\u00e4nderte, wie Gemeinden gegr\u00fcndet wurden und viele zum Herrn fanden. Der asiatische Charakter der Karo Batak-Kirche regte mich an, dar\u00fcber nachzudenken, was es bedeutet Jude und Christ zu sein. Wie sieht ein j\u00fcdisches Verst\u00e4ndnis der Bibel aus? Wie formulieren wir Juden Theologie? Wie sieht j\u00fcdische Anbetung aus, wie kommunizieren wir und was f\u00fcr einen F\u00fchrungsstil haben wir?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Karo Batak hatten meist einen animistischen Hintergrund, doch gab es auch einige Muslime. Mein Herz hatte sich ihnen bereits durch fr\u00fchere Begegnungen in Malaysia, in der wohlhabenden Stadt Singapur und in den l\u00e4ndlichen Regionen im S\u00fcden Thailands zugewandt. Als Jude entdeckte ich schnell, dass islamischer Glaube und Glaubenspraxis stark durch die arabischen Wurzeln gespeist war. Juden und Araber sind beide semitische V\u00f6lker, so dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Ich stellte fest, dass mein j\u00fcdischer Hintergrund mir half, mich in meine muslimischen Freunde hineinzuversetzen und ihnen so das Evangelium effektiver zu vermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>All Nations Christan College<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach zehn Jahren mit OMF in Asien wurden meine Frau und ich angefragt, am All Nations Christian College (ANCC), Studenten auf den Missionsdienst in anderen Kulturen vorzubereiten. 24 Jahre geh\u00f6rten wir zu den vollzeitlichen Mitarbeitern des ANCC und halfen mit, rund 2.000 Absolventen auf den Missionsdienst unter Juden und Heiden in allen Nationen vorzubereiten. Es hat uns immer wieder fasziniert, so viele Absolventen zu erleben, die einen solch fruchtbaren Dienst an so vielen Orten und in ganz unterschiedlichen Organisationen tun, darunter &#8222;Christian Witness to Israel&#8220; (CWI) und andere j\u00fcdische Missionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1994 wurden wir vom hauptamtlichen Dienst am ANCC freigestellt, um Dienste in Kirchengemeinden, Studentenmissionsgruppen, Bibelschulen und Konferenzen in Gro\u00dfbritannien und weltweit wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Es ist ein echtes Privileg, aus erster Hand zu erfahren, was Gott in so vielen L\u00e4ndern der Erde und auf allen Kontinenten tut. Auch sind wir sehr dankbar, als assoziierte Lehrkraft am ANCC weiterhin einige Unterrichtsstunden geben zu d\u00fcrfen. Da wir in der N\u00e4he des Campus leben, haben wir die M\u00f6glichkeit, Studenten auf einen Kaffee und f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch einzuladen, was wir sehr genie\u00dfen. Wenn wir zu Hause sind, freuen wir uns an dem Vorrecht, unsere drei wunderbaren Kinder und sieben Enkelkinder zu sehen. Was ist es doch in diesen Tagen f\u00fcr ein Privileg, von einer liebenden Familie umgeben zu sein. In diesem Umfeld schreiben mein Frau und ich unsere B\u00fccher und wir beten, dass Gott uns und unsere B\u00fccher zu seiner Ehre gebrauchen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Martin Goldsmith<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.cwi.org.uk\/judaism\/testimonies\/HASL.html\">Christian Witness to Israel (CWI)<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors und CWI.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00dcbersetzt von Prediger Johann Hesse.<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle sind zu einem gewissen Grad das Produkt unseres famili\u00e4ren Hintergrundes. Meine Gro\u00dfeltern, wie viele deutsche Juden ihrer Generation, waren \u00fcberzeugte Atheisten. Doch die Eltern meines Vaters, die als Einwanderer nach England kamen, meinten, dass ihre Kinder sich dem britischen Lebensstil anpassen sollten. Aus diesem Grunde lie\u00dfen sie alle ihre Kinder taufen. Meine Mutter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":397,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[21],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/397"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9539"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9543,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539\/revisions\/9543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}