{"id":9456,"date":"2013-05-20T06:42:24","date_gmt":"2013-05-20T04:42:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9456"},"modified":"2014-01-02T12:23:05","modified_gmt":"2014-01-02T10:23:05","slug":"die-frucht-des-heiligen-geistes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9456","title":{"rendered":"Die Frucht des Heiligen Geistes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff der Frucht begegnet uns oft in der Heiligen Schrift. Wir kennen ihn aus Jesu Gleichnissen, auch Paulus benutzt ihn oft. Weil er uns aus dem gew\u00f6hnlichen Sprachgebrauch gel\u00e4ufig ist, \u00fcbertragen wir im allgemeinen unsere Vorstellungen in die Bibel, ohne zu bedenken, da\u00df er hier neue Dimensionen gewinnt. Heinrich Kemner hat 1987 ein Buch mit dem Titel \u201eDas Geheimnis der Frucht\u201c ver\u00f6ffentlicht und damit wertvolle Schneisen zu einem vertieften Verst\u00e4ndnis geschlagen. In der vorliegenden biblischen Besinnung soll es darum gehen, den Sinngehalt des Fruchtbegriffs aus Psalm 1 und aus drei ausgew\u00e4hlten neutestamentlichen Stellen zu erschlie\u00dfen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.)\u00a0Die Frucht im Psalm 1<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier ist von einem Menschen die Rede, der Gottes Willen aus Gottes Wort erfahren will und bewu\u00dft S\u00fcnde vermeidet und auf den Rat gottloser Menschen verzichtet. \u201eDer ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserb\u00e4chen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Bl\u00e4tter verwelken nicht, und was er macht, ger\u00e4t wohl\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Polarit\u00e4t des Psalms hilft uns hier zum Verst\u00e4ndnis des Begriffs der Frucht. Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideen, die S\u00fcnder, die schuldhaft handeln und die Sp\u00f6tter, die Gott und die Menschen verh\u00f6hnen, stehen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht derjenige, der sich f\u00fcr sein Leben Weisung aus Gottes Wort sucht. Ihm wird verhei\u00dfen, da\u00df er Frucht bringt. Da sich die Gottlosen gottlos verhalten, mu\u00df \u201eFrucht\u201c hier ebenfalls ein Verhalten meinen, also Gedanken, die zu Taten werden, und Worte. \u201eWas alles er tut, es gelingt\u201c, so \u00fcbersetzen Buber und Rosenzweig Vers 3. Wir k\u00f6nnen schon einmal festhalten, da\u00df das Tun derer, die nach Gott fragen, \u201eFrucht\u201c genannt wird. Taten der Gottes- und N\u00e4chstenliebe sind gemeint, Taten und Worte, die Gott die Ehre geben und dem N\u00e4chsten helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.) Wann ist die Frucht vorhanden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir bleiben zun\u00e4chst noch in Ps. 1. In der Natur dauert es bekanntlich manchmal sehr lange, bis aus dem Samen die Pflanze und aus der Bl\u00fcte die Frucht entsteht. Beim winzig kleinen Orchideensamen ist es z.B. so, da\u00df er zwischen 5 und 15 Jahre braucht, bis er sich \u00fcberhaupt zu einem Keimling entwickeln und eine Pflanze werden kann, und auch das gelingt nur, wenn der Samen den richtigen Wirtspilz im Boden findet, der ihn \u00fcber diese lange Zeit mit N\u00e4hrstoffen versorgt. Ist es mit der geistlichen Frucht \u00e4hnlich? Mu\u00df der Fromme viele Jahre warten, bis er Frucht tr\u00e4gt, bis er zu einem Gott wohlgef\u00e4lligen Handeln in der Lage ist? Was ist gemeint, wenn der Psalmist sagt, da\u00df \u201ezu seiner Zeit\u201c die Frucht da ist? Spurgeon hat diese Stelle folgenderma\u00dfen ausgelegt. Er sagt, da\u00df die Frucht da ist, wenn sie gebraucht wird. In der Zeit des Leidens hat der Fromme Geduld, in der Zeit der Pr\u00fcfung hat er Glauben, und in der Zeit des Gl\u00fccks hat er geheiligte Freude.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeremia 17 bringt uns noch etwas weiter. In diesem Kapitel wird Ps. 1 zitiert. Wie dort wird auch von Jeremia der Mensch, der sich nur auf Menschen verl\u00e4\u00dft, mit dem verglichen, der sich auf Gott verl\u00e4\u00dft. Zu diesem f\u00fchrt der Prophet aus: \u201eDer ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzel zum Bach hinstreckt. Denn obgleich die Hitze kommt, f\u00fcrchtet er sich doch nicht, sondern seine Bl\u00e4tter bleiben gr\u00fcn, und er sorgt sich nicht, wenn ein d\u00fcrres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufh\u00f6ren Fr\u00fcchte\u201c. (Jer. 17,8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lernen also aus Ps. 1 und Jer. 17, da\u00df die geistliche Frucht immer da ist, wenn sie gebraucht wird, und da\u00df der gottesf\u00fcrchtige Mensch im Grunde ununterbrochen Frucht tr\u00e4gt. Die Wachstumsgesetze der Natur gelten im geistlichen Leben nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.) Erst die Frucht, dann die Bl\u00e4tter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man stutzt ein wenig, wenn man sich den Baum in Ps. 1 vorstellt. Erst wird seine Frucht genannt, dann die Bl\u00e4tter. Bei den wunderbaren B\u00e4umen in Offb. 22,2 ist es \u00fcbrigens nicht anders, Auch dort werden erst die Fr\u00fcchte, dann die Bl\u00e4tter genannt. In der Natur ist diese Reihenfolge selten, da erscheinen meist zuerst die Bl\u00e4tter. Luther gibt in seiner Auslegung zu Ps. 1 dazu eine interessante Erkl\u00e4rung. Er meint, da\u00df die Reihenfolge Frucht \u2013 Bl\u00e4tter in Ps. 1 darauf hinweist, da\u00df es sich hier nicht um einen nat\u00fcrlichen Baum handelt. Beim gottesf\u00fcrchtigen Menschen sei es so, da\u00df er erst einmal Gott gef\u00e4llig handelt und dann redet. Erst kommt die Tat, dann die Worte. Die Tat wird im Psalm mit dem Begriff der Frucht dargestellt, die Worte mit dem Bild der Bl\u00e4tter. Und da\u00df die Bl\u00e4tter nicht verwelken, so Luther, meint, da\u00df die Worte des Frommen aus Gottes Wort inspiriert und deswegen immer frisch sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.) \u201eFrucht\u201c im Neuen Testament (ausgew\u00e4hlte Beispiele)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konkordanz zeigt, da\u00df der Begriff der Frucht im Neuen Testament h\u00e4ufiger verwendet wird als im Alten Testament. Ich w\u00e4hle drei klassische Texte aus, das Gleichnis vom vierfachen Boden, das Weinstockgleichnis und den Abschnitt \u00fcber die \u201eWerke des Fleisches\u201c und die \u201eFrucht des Geistes\u201c aus dem Galaterbrief.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.1\u00a0Das Gleichnis von der Saat, die auf viererlei Boden f\u00e4llt (Mt. 13,1-9.18-23)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir kennen die Deutung aus Jesu Mund. Er selber ist der S\u00e4mann, der Gottes Wort ausstreut. Er hat \u201eWorte des ewigen Lebens\u201c, so wie es Petrus in Joh. 6,68 sagt. Jesu Worte sind in der lagen, augenblicklich aus einem gottlosen einen gottesf\u00fcrchtigen Menschen zu machen, augenblicklich das Herz eines Menschen grundlegend und dauerhaft zu ver\u00e4ndern. Im Gleichnis trifft das Wort auf ganz unterschiedliche Verh\u00e4ltnisse. Im ersten Fall h\u00f6rt der Mensch das Wort Gottes, aber er versteht es nicht und nimmt es nicht an. Satan kommt und nimmt ihm das Geh\u00f6rte wieder weg. Zu irgendeiner Ver\u00e4nderung seines Wesens kommt es nicht. Bei der zweiten Situation ist es so, da\u00df der Mensch Gottes Wort an sich heran l\u00e4\u00dft, aber es wieder los l\u00e4\u00dft, wenn der Glaube ihm irgendwelche Nachteile bringt. Es hatte in seinem Leben zu wenig Wurzeln entwickelt. Ver\u00e4nderungen gibt es auch hier nicht, Frucht entsteht nicht. Die dritte Situation: der Mensch nimmt Gottes Wort auf, aber er beh\u00e4lt die Welt mit ihren verg\u00e4nglichen Sch\u00e4tzen lieb. Es kommt zu einem Konkurrenzverh\u00e4ltnis, bei dem Gottes Wort unterliegt und wieder verloren geht. Auch hier kommt es zu keiner Frucht. Erst im vierten Fall ist es anders. Da nimmt der Mensch das Wort an, versteht es und r\u00e4umt ihm den ersten Platz in seinem Leben ein. Der Mensch wird ver\u00e4ndert, er \u00e4ndert sein Leben und sein Verhalten. Sein Tun und sein Reden sind jetzt an Gottes Willen orientiert. Er tr\u00e4gt Frucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant ist Jesu Bemerkung \u00fcber den unterschiedlichen Ertrag. Da ist ein Mensch, der hundertf\u00e4ltig Frucht bringt, einer, der sechzigfach und einer der drei\u00dfigfach Frucht tr\u00e4gt. Wenn wir unter Frucht das Handeln und Reden verstehen, dann k\u00f6nnen wir auch diese Unterschiede verstehen und nachvollziehen. Sie bilden die Realit\u00e4t der Christen ab. Hundertfache Frucht bringen diejenigen, die ihr ganzes Leben, ihren ganzen Charakter, ihr ganzes Tun konsequent unter Gottes Regie stellen. In ihnen pr\u00e4gt sich Christus vollst\u00e4ndig ab. Sie sind auch in der Lage, ihre Feinde zu lieben. Sie sind die \u201eVollkommenen\u201c, die Jesus in der Bergpredigt als Kr\u00f6nung der Nachfolge erw\u00e4hnt. \u201eIhr sollt vollkommen sein, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist\u201c (Mt. 5,48). Dann gibt es die \u201esechzigf\u00e4ltigen\u201c. Sie haben viele Bereiche ihres Lebens Christus ausgeliefert. Wo sie fr\u00fcher gelogen haben, da reden sie jetzt die Wahrheit. Wo sie fr\u00fcher von der Pornographie abh\u00e4ngig waren, da f\u00f6rdern sie jetzt in Tat und Wort die W\u00fcrde des anderen Geschlechts. Wo sie fr\u00fcher geizig waren, da \u00f6ffnen sie jetzt ihren Geldbeutel. Sie haben noch nicht alle Lebensbereiche an ihren Herrn abgegeben. Vielleicht sind sie noch nicht in der Lagen, ihren Feinden zu vergeben und ihnen freundlich zu begegnen. Aber sie sind froh und dankbar, da\u00df Christus ihnen schon viel Ver\u00e4nderung geschenkt hat. Und dann die \u201edrei\u00dfigf\u00e4ltigen\u201c. Auch sie sind ver\u00e4ndert, auch sie r\u00e4umen Christus den ersten Platz in ihrem Leben ein. Aber sie halten noch zu viel von ihrer alten Natur fest. Im Kampf zwischen \u201eFleisch\u201c und \u201eGeist\u201c erleben sie noch mehr Niederlagen als Siege. Sie brauchen Hilfe, sie brauchen Ermutigung, da\u00df der Herr das gute Werk, das er bei ihnen begonnen hat, auch weiter f\u00fchrt. Aber so viel steht fest, bei ihnen allen ist Frucht vorhanden, viel und noch nicht so viel. Sie alle leben mit ihrem Herrn, und der Herr mit ihnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2\u00a0Das Weinstockgleichnis (Joh. 15,1-8)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier haben wir eine ganz kostbare Rede Jesu zu seinen Nachfolgern und f\u00fcr seine Nachfolger vor uns. Im Glauben sind sie so eng mit ihm verbunden wie eine Rebe mit ihrem Weinstock. So wie die Rebe aus dem Weinstock ihre ganze Kraft bezieht, so bezieht der Christ seine ganzen Kr\u00e4fte von Christus. An Vers 5 wird ganz deutlich, da\u00df auch dieses Gleichnis auf das neue Tun des Christen abzielt, das Handeln aus Gottesliebe und N\u00e4chstenliebe heraus. \u201eWer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun\u201c. Es geht hier nicht um das Tun schlechthin, es geht um das Gott wohlgef\u00e4llige Tun, um Taten, die aus der Liebe zu ihm entspringen und Taten, die anderen Menschen die Liebe Gottes bringen. Solche Taten k\u00f6nnen wir nur aus der engen Verbundenheit mit Christus heraus tun. Folgende drei Aussagen zur \u201eFrucht\u201c durchziehen das Weinstockgleichnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.2.1\u00a0\u00a0\u00a0 Wer als Christ keine Frucht tr\u00e4gt, wird vom Weinstock, also von Christus weggenommen. Das ist eine ernste Aussage. Sie erinnert an die drei ersten Umst\u00e4nde aus dem S\u00e4manngleichnis. Wer Satan erlaubt, das Wort Gottes wieder wegzunehmen, wer Christus den R\u00fccken kehrt, wenn er als Christ in Bedr\u00e4ngnis kommt, oder wer die Welt lieber hat als Christus, kann keine geistliche Frucht bringen. Er verdorrt und teilt damit das Schicksal all derer, die in das letzte Gericht nach den Werken kommen. Zweifellos ist das gemeint, wenn der Herr in Joh. 15,6 von den verdorrten Reben spricht, die gesammelt und ins Feuer geworfen werden. Gar keine Frucht zu bringen als Christ, nichts von Gottes Liebe weiterzugeben, das ist im Blick auf die Ewigkeit ein riskantes Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.2.2\u00a0\u00a0\u00a0 Wer in irgendeiner Weise Frucht bringt, Gott die Ehre gibt und seinen N\u00e4chstes Gutes erweist, der wird von Gott gereinigt, damit er mehr Frucht bringt. Wer h\u00e4tte keine solche Reinigung n\u00f6tig? In Eph. 5,26 sagt Paulus, da\u00df Christus seine Gemeinde reinigt mit seinem Wort. Wenn wir Gottes Wort h\u00f6ren, geschieht immer auch eine Reinigung. Wir werden gereinigt von schlechten Gedanken, Gef\u00fchlen, Phantasien, Pl\u00e4nen und Idealen. Wir merken, wo in unserem Leben eine \u00c4nderung und Kehrtwendung n\u00f6tig ist. Wir bitten Gott und unsere Mitmenschen um Vergebung, und wo wir bisher vergebungsunwillig waren, vergeben wir. Und wir helfen einander durch gegenseitige geistliche Ermahnung und Ermunterung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.2.3\u00a0\u00a0\u00a0 Wer viel Frucht bringt, so hei\u00dft es in Joh. 15,8, verherrlicht den Vater. Viel Frucht, das ist die hundertf\u00e4ltige Frucht aus dem S\u00e4manngleichnis. Das sind diejenigen Nachfolger Jesu, die gesamtes Handeln unter die Regie Christi stellen. Das sind die \u201eVollkommenen\u201c von Mt. 5,48, die auch ihre Feinde lieben und ihnen Gutes g\u00f6nnen und geben. Sie verherrlichen ihren himmlischen Vater, weil sie den Glanz seines Wesens an sich tragen. Er ist die Liebe in Person, er liebt auch seine Feinde, er liebt alles nicht Liebenswerte. Und wer \u201eviel Frucht\u201c bringt, tr\u00e4gt dieses Wesen Gottes in die Welt hinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3\u00a0Der Kampf zwischen der alten Natur und dem neuen Verhalten (Gal. 5,16-26)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie schon gesagt, hat das Thema \u201eFrucht\u201c auch in den Paulusbriefen eine hohe Bedeutung. Praktisch in jedem seiner Briefe kommt Paulus auf das praktische Leben als Christ zu sprechen. Man k\u00f6nnte sagen, da\u00df er grunds\u00e4tzlich seine Briefe nach dem Kreuzeszeichen aufbaut. Er st\u00e4rkt den Glauben, die vertikale Bewegung des Christen, und er ermahnt zur Liebe, die horizontale Bewegung. So wie Gott selbst sucht auch der Apostel in seinen Gemeinden \u201eFrucht\u201c, also Spuren des neuen Verhaltens. Den R\u00f6mern schreibt er, da\u00df er gern unter ihnen Frucht wirken m\u00f6chte (R\u00f6m. 1,13). In R\u00f6m. 7,4 sagt er, da\u00df wir Christen deswegen Christus angeh\u00f6ren, \u201edamit wir Gott Frucht bringen\u201c. In R\u00f6m. 12,1 und 2, dort, wo der zweite Hauptteil des R\u00f6merbriefs beginnt, wo es ihm um die t\u00e4tige Liebe geht, ruft er dazu auf, da\u00df die Christen ihre Leiber als ein Opfer hingeben, das lebendig, heilig und Gott wohlgef\u00e4llig ist, und er fordert sie dazu auf, ihr Denken so zu \u00e4ndern, da\u00df sie pr\u00fcfen und erkennen k\u00f6nnen, was Gott will, n\u00e4mlich ihr gutes, gottgef\u00e4lliges und vollkommenes Handeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil ein solches in der Liebe Gottes gegr\u00fcndetes und egoismusfreies Handeln auch reifen Christen nicht in den Scho\u00df f\u00e4llt, widmet sich Apostel in Gal. 5 der Frage, wie sie sich angesichts des Kampfes zwischen \u201eFleisch\u201c und \u201eGeist\u201c, zwischen der alten und der neuen Natur, verhalten sollen. Es ist ja eine allt\u00e4gliche Erfahrung f\u00fcr uns Christen, da\u00df sich der alte Egoismus gerade dann wieder meldet, wenn wir etwas Gutes f\u00fcr Gott und unsere N\u00e4chsten tun wollen. Wie schnell kommt dann immer die Frage an das eigene Ich auf \u201eUnd wo bleibst du?\u201c Es gibt eine kleine Geschichte aus der Kindheit Pastor Kemners, die hierher pa\u00dft. Der kleine Heinrich Kemner war mit seinem Vater bei einem Missionsfest, wo Bodelschwingh sprach. Anschlie\u00dfend, als die Kollektenk\u00f6rbe durchgingen, zog der Vater seine Brieftasche und nahm 100 Reichsmark heraus, eine gro\u00dfe Menge Geld damals. Der kleine Heinrich beobachtete seinen Vater und meinte \u201eSo viel?\u201c Die Antwort, die der Vater gab, war eindr\u00fccklich. Er sagte n\u00e4mlich gar nichts, sondern entnahm seiner Brieftasche noch einen zweiten Hunderter, worauf es dem Sohn ganz und gar die Sprache verschlug. Genau so ist es. Der alte Adam und die alte Eva regen sich, sobald der neue Mensch etwas zu Gottes Ehre tun will. Wie soll sich der Christ in diesem Spannungsfeld verhalten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Galaterbrief gibt folgende Antwort. \u201eWandelt im Geist, dann werdet ihr den Begierden der alten Natur nicht nachgeben\u201c. (5,16) Eine gewichtige Aussage.\u00a0 Der Geist mu\u00df uns regieren. Eigene Anstrengungen reichen nicht aus. Das Mittelalter hat sich damals die Antwort gegeben, da\u00df der ernsthafte Christ hinter die Klostermauern mu\u00df, wenn er Frucht bringen will. Die b\u00f6se Welt hindere ihn daran. Armut, Keuschheit, Gehorsam, die drei sog. Evangelischen Ratschl\u00e4ge, k\u00f6nne man nur im Kloster realisieren. Doch die Geschichte zeigt, da\u00df auch die strengste Klosterregel nicht in der Lage ist, die alte Natur zu \u00fcberwinden. Das vermag nur der Heilige Geist. Deswegen kann die Antwort nur darin bestehen, den Geist um die Regie \u00fcber das eigene Verhalten zu bitten. Was Paulus dann in 5,19 schreibt, k\u00f6nnen wir Menschen des 21. Jahrhunderts sofort nachvollziehen. Die Verhaltensmuster der alten Natur sind in der Tat \u201eoffenkundig\u201c. Unsere Medienindustrie sorgt daf\u00fcr, ja propagiert sie noch. Unz\u00fcchtige Verhaltensweisen, okkulte Praktiken, Eifersuchtsdramen, Zornausbr\u00fcche, unvers\u00f6hnliches Nachtreten, Saufen, Fressen \u2013 das alles kennen wir zur Gen\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab V. 22 kommt nun ein neuer Ton auf, ein Dreiklang ist es, genau gesprochen sind es sogar drei Dreikl\u00e4nge. Paulus spricht vom neuen Verhalten, vom neuen Tun, vom neuen Reden. Er spricht jetzt von der Frucht des Geistes. Und so wie er in V. 19 und 20 die Handlungen der alten Natur erw\u00e4hnte, spricht er auch jetzt von Handlungen, auch wenn er Substantive gebraucht. Es geht um das Tun, zu dem der Christ bevollm\u00e4chtigt ist, das ihm m\u00f6glich ist, wenn der Geist \u00fcber ihn das Sagen bekommt. Wir finden drei Dreikl\u00e4nge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.3.1\u00a0\u00a0\u00a0 Christen d\u00fcrfen lieben, sich freuen und den Frieden suchen. Hier geht es um unser neues Verh\u00e4ltnis zu Gott. Den Vater im Himmel lieben, das ist das H\u00f6chste, wozu uns der Geist bef\u00e4higt. \u201eGott ist das Gr\u00f6\u00dfte, das Sch\u00f6nste und Beste, Gott ist das S\u00fc\u00dfte und Allergewi\u00dfte, aus allen Sch\u00e4tzen der edelste Hort\u201c. So hat es Paul Gerhardt unnachahmlich ausgedr\u00fcckt. Dann die Freude. Neben der Liebe bestimmt die Freude unser Verh\u00e4ltnis zu Gott. \u201eFreut euch im Herrn allewege\u201c, so sagt es Paulus in Phil. 4,4. Das ist ein bewu\u00dftes Handeln. Der Geist fordert uns auf, uns zu freuen im Herrn \u00fcber Gott. Und er holt uns immer wieder in den Frieden mit Gott, so da\u00df auch wir Friedensstifter sein k\u00f6nnen (Mt. 5,9). Das alles ist Frucht, neues Verhalten, Gott lieben, sich an ihm freuen und seinen Frieden suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.3.2\u00a0\u00a0\u00a0 Der zweite Dreiklang bezieht sich auf das neue Verhalten in der Welt und unseren Feinden gegen\u00fcber. In der Welt gilt es f\u00fcr Christen, manche Widerw\u00e4rtigkeit zu tragen. Wir brauchen Tragkraft, so sollte man eigentlich das griechische Wort f\u00fcr Geduld \u00fcbersetzen. Wer die ihm auferlegten Lasten willig tr\u00e4gt, bringt geistliche Frucht. Dann die Freundlichkeit. Freundlichen Menschen gegen\u00fcber freundlich zu sein ist keine Kunst. Aber zu denen, die uns mi\u00dfachten, schm\u00e4hen oder mit Blicken t\u00f6ten, freundlich zu sein, das ist Frucht, das ist das Werk des Geistes. Und schlie\u00dflich g\u00fctig zu sein zu denen, die hartherzig und gemein sind. Auch das ist Frucht, die der Geist schenkt. All das ist neues Verhalten, ein neues Tun und Reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.3.3\u00a0\u00a0\u00a0 Der dritte Dreiklang scheint sich auf das neue Verhalten in der Gemeinde zu beziehen. Treu und verl\u00e4\u00dflich gilt es zu sein, denn ohne Treue kann keine verbindliche Gemeinschaft auskommen. Sanftm\u00fctig sollen wir denen beistehen, die auf einen Irrweg geraten oder in Schuld gefallen sind (Gal. 6,1). Und keusch, zur\u00fcckhaltend und geheiligt soll unser Auftreten dem anderen Geschlecht gegen\u00fcber sein, eine hochaktuelle Ermahnung. Wer sein Leben sin der Gemeinschaft seiner Glaubensgeschwister so gestaltet, bringt Frucht, \u00fcber die sich Gott freut und durch die eine Gemeinde geistlich gest\u00e4rkt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles in allem: das Stichwort \u201eFrucht\u201c bringt uns auf die Spur zu einem wahrhaft alternativen Lebensstil. Er ist dort m\u00f6glich, wo sich Menschen dem Wort Gottes \u00f6ffnen, Christus an die erste Stelle ihres Lebens stellen und ihr Verhalten unter die Regie des Heiligen Geistes geben. So k\u00f6nnen wir uns in einer Welt des Egoismus und der Selbstbestimmung als Nachfolger Christi erweisen und bew\u00e4hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff der Frucht begegnet uns oft in der Heiligen Schrift. Wir kennen ihn aus Jesu Gleichnissen, auch Paulus benutzt ihn oft. Weil er uns aus dem gew\u00f6hnlichen Sprachgebrauch gel\u00e4ufig ist, \u00fcbertragen wir im allgemeinen unsere Vorstellungen in die Bibel, ohne zu bedenken, da\u00df er hier neue Dimensionen gewinnt. 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