{"id":9379,"date":"2013-04-29T10:45:01","date_gmt":"2013-04-29T08:45:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9379"},"modified":"2013-04-29T10:45:01","modified_gmt":"2013-04-29T08:45:01","slug":"thesen-aus-der-gemeinde-zum-gesprachsprozess-in-der-evangelisch-lutherischen-landeskirche-sachsens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9379","title":{"rendered":"Thesen aus der Gemeinde zum Gespr\u00e4chsprozess in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der s\u00e4chsischen Landeskirche findet ein Gespr\u00e4chsproze\u00df statt. Der wird organisiert von einer &#8222;Steuerungsgruppe&#8220;. Die ist sich einig, &#8222;dass der Gespr\u00e4chsproze\u00df in der Breite stattfinden muss und nicht nur in Klausurtagungen der Pfarrerschaft&#8220;. Es ginge darum, &#8222;die Basis der Gemeinden zu erreichen.&#8220; Das ermutigt mich, meine Gedanken in diesen Gespr\u00e4chsproze\u00df mit einzubringen. Zumindest m\u00f6chte ich es versuchen. Bisher haben in diesem Zusammenhang zwei Theologen je 20 Thesen ver\u00f6ffentlicht: OLKR P. Meis wohl f\u00fcr die Kirchenleitung und Dr. C. Rentzing f\u00fcr die S\u00e4chsische Bekenntnisinitiative.<sup>(1) <\/sup>Hier folgen nun 12 Thesen &#8222;aus dem Maul des Volkes&#8220;; d. h. von einem Laien, einem einfachen lutherischen Christen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verstehe mich als Vertreter der &#8222;Kerngemeinde&#8220;. (Sicherheitshalber in Klammer:\u00a0 Das Maul des Volkes redet gerade heraus, was es denkt; wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Es redet nicht, wie Akademiker reden; erst recht nicht wie Diplomaten reden. Es redet ungeschickt, unbeholfen, poltrig; im Grunde stammelt es nur. Aber dieses Maul ist ein ehrliches Maul. Es sagt, was ihm auf der Seele brennt. Das Maul des Volkes redet mit dem Herzen &#8211; allerdings mit einem zornigen Herzen. Wer damit nicht umgehen kann, sollte besser etwas anderes lesen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anlass ist der Bericht des Landesbischofs<sup>(2)<\/sup> vor der 26. Landessynode der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens am 17. 11. 2012. Dort sagte Bischof Bohl zun\u00e4chst: &#8222;Darum nennen wir sie [die Bibel] &#8218;Buch der B\u00fccher&#8216; und &#8218;Heilige&#8216; Schrift; sie ist das Gotteswort&#8220;. Wenig sp\u00e4ter betont er: &#8222;&#8230; wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins.&#8220; Es ist das Geheimnis des Bischofs, wie er beide Aussagen unter einen Hut bekommt. Aber wenn er das Wort Gottes nicht mit den Buchstaben der Bibel in eins setzt, dann bedeutet das: Der Wortlaut der Bibel ist eine Sache, das Wort Gottes eine andere. Beide k\u00f6nnen \u00fcbereinstimmen, m\u00fcssen es aber nicht. Sie k\u00f6nnen sich auch unterscheiden oder gar widersprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Unterscheidung zwischen dem Wortlaut der Heiligen Schrift und dem Wort Gottes wirft zahlreiche Fragen auf. Die betreffen nicht nur unser Schriftverst\u00e4ndnis sondern auch unser Verst\u00e4ndnis u. a. von Gott, Geist und Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Die Thesen <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn \u00a0Bischof Bohl sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. macht er die Bibel f\u00fcr mich unbrauchbar und wertlos. Damit nimmt er mir Gott und den Glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. reiht er sich ein in die Reihe all derer, von denen Gott in Jeremia 2,13 sagt: Sie tun &#8222;eine zwiefache S\u00fcnde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch\u00a0 rissig sind und kein Wasser geben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. steht er in der Tradition der Frage, die bereits im Paradies gestellt wurde: &#8222;Sollte Gott gesagt haben?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. \u00fcberantwortet er das Wort Gottes in der Menschen H\u00e4nde. Die k\u00f6nnen nun mit ihm umspringen, wie es ihnen beliebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. macht er Glauben, Theologie und Kirche zum ausgeblasenen Osterei: eine fromm bemalte Schale mit leerem Wortgeklingel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. durchs\u00e4uert er seine Kirche mit &#8222;dem Sauerteig der Pharis\u00e4er, welches ist die Heuchelei&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. glaubt er an einen anderen Gott als ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8. nimmt er unserer Kirche die F\u00e4higkeit, die Geister zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. \u00fcberantwortet er den Geist Gottes in die H\u00e4nde der Menschen. Er macht ihn zu einer variablen Gr\u00f6\u00dfe in theologischen Gleichungen, zur Rechtfertigung f\u00fcr Beliebigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10. zerst\u00f6rt er das geistliche Fundament unserer Kirche: das Priestertum aller Gl\u00e4ubigen. An dessen Stelle setzt er die Dominanz der Fachtheologie, das evangelische Lehramt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11. entm\u00fcndigt er nicht nur die Heilige Schrift sondern auch die Gemeinden. Und er macht die evangelische Kirche zur Theologenkirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12. schickt er unsere Kirche auf einen Weg, auf dem sie Gefahr l\u00e4uft, sich Gott zum Feind zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zur Begr\u00fcndung <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Einleitung: <\/b>Wenn der Fahrer eines Autos die Kupplung &#8222;kommen l\u00e4\u00dft&#8220;, kann die Kraft des Motors auf die R\u00e4der wirken und das Fahrzeug setzt sich in Bewegung. Manchmal geht solch eine Kupplung auch kaputt. Sie beginnt zu schleifen oder greift gar nicht mehr. Dann kann der Motor mit voller Kraft durchdrehen &#8211; dennoch kommt das Fahrzeug kaum noch vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel ist solch ein Motor voller Kraft aus der Ewigkeit. Und Theologie ist wie ein Getriebe, das diese Kraft mit &#8222;dem passenden Gang&#8220; in die Gemeinden bzw. den Alltag der Christen \u00fcbertragen soll. Doch wenn der Bischof das Wort Gottes von den Buchstaben der Bibel losl\u00f6st, tritt er gewisserma\u00dfen die Kupplung &#8211; und die beginnt zu schleifen. Die Heilige Schrift verliert an Glaubw\u00fcrdigkeit, an Gewicht, an Autorit\u00e4t. Ihre Aussagen werden fragw\u00fcrdig und unverbindlich. Dadurch wird die Verbindung zwischen Bibel und Leben gelockert. Die Kraft Heiligen Schrift kann im Alltag nicht mehr greifen; sie rutscht ab und l\u00e4uft ins Leere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ergebnis ist allerorten mit H\u00e4nden zu greifen: Das Fahrzeug Kirche kommt kaum noch vorw\u00e4rts. Ihr Einflu\u00df in der Gesellschaft schwindet. Sowohl die Zahl der Mitglieder als auch die der Gottesdienstbesucher sinkt Jahr um Jahr. Die Strukturen werden weiter und weiter ausged\u00fcnnt. Die Arbeit in den Gemeinden verliert an Anziehungskraft. Der &#8222;christliche Grundwasserspiegel&#8220; in der Gesellschaft sinkt &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Folge ist (bzw. war zeitweilig) viel von Kirchenreform die Rede. Ein &#8222;Impulspapier&#8220; wurde verfa\u00dft. Dort wird vieles aufgez\u00e4hlt, was k\u00fcnftig besser werden soll. Die Qualit\u00e4t der evangelischen Theologie wird nicht erw\u00e4hnt, auch nicht die der Pfarrer-Ausbildung. Fragen wie &#8222;Was genau glauben wir?&#8220; oder &#8222;Warum \u00fcberzeugt unser Evangelium nicht?&#8220; oder &#8222;Wie lautet \u00fcberhaupt die &#8218;gute Nachricht&#8216;, die wir predigen sollen?&#8220; &#8211; solche Fragen scheinen die Reformer nicht im Blick zu haben. Damit aber gleicht die EKD einem Taxi-Unternehmen, dessen Fahrzeuge unzuverl\u00e4ssig und zu langsam fahren. Um die Kunden dennoch zu halten, beschlie\u00dft die Firmenleitung mehr Annehmlichkeiten f\u00fcr ihre Fahrg\u00e4ste zu schaffen: bequemere Sitze, bessere Radios, Getr\u00e4nke-Automaten auf der R\u00fcckbank &#8230; Aber keiner kommt auf die Idee, die Kupplungen zu reparieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In unsere Kirche k\u00f6nnte manches anders und besser werden, zweifellos. Doch das gr\u00f6\u00dfte Problem ist diese Schleif-Kupplungs-Theologie: &#8222;Wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins.&#8220; Die verursacht gewaltige Probleme in Kirche und Gemeinden. Dazu die Thesen bzw. hier die dazugeh\u00f6rigen Begr\u00fcndungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>I. Schriftverst\u00e4ndnis<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 1.<\/b> Christ wurde ich dank Familie, Gemeinde und vor allem der Jugendarbeit in &#8222;Karl-Marx-Stadt II&#8220;. Dann aber hat es mich 1980 in die Diaspora verschlagen. Seitdem lebt mein Glaube praktisch nur noch aus der Bibel. Er h\u00e4ngt an den Buchstaben auf dem Papier zwischen deren Buchdeckeln. Von dort holt er sich Hoffnung, Trost, Kraft, Ausdauer, Geduld &#8230; An diesem Buchstaben h\u00e4ngt mein Herz. Sie sind das Wertvollste, was ich besitze. Welch ungeheurer Reichtum ist es, Gottes Wort in H\u00e4nden halten zu k\u00f6nnen und mit meinen eigenen Augen zu lesen, was der gro\u00dfe allm\u00e4chtige Gott mir zu sagen hat. Von daher kann ich nachempfinden, warum evangelische Christen einst sangen: &#8222;Herr, dein Wort die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir. Denn ich zieh&#8216; ihn aller Habe und dem gr\u00f6\u00dften Reichtum f\u00fcr.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun aber kommt Bischof Bohl und sagt: &#8222;Wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;. Andere Theologen formulieren, die Bibel sei nicht Gottes Wort, sondern sie enthalte es nur. Mitunter wird auch klipp und klar gesagt, die Bibel sei gar nicht Gottes Wort.<sup>(3)<\/sup> Alle diese Aussagen haben eines gemeinsam: Wenn sie zutr\u00e4fen, w\u00fcrde mit einem Schlag die ganze Bibel f\u00fcr mich wertlos. Denn woher sollte ich dann wissen, was darin Gottes Wort ist und was nicht? Welchen biblischen Aussagen k\u00f6nnte ich noch vertrauen? Ich w\u00e4re zutiefst verunsichert und w\u00fc\u00dfte nicht mehr, was ich glauben kann und was nicht. Ich verl\u00f6re den Halt, an dem mein Herz und mein Glaube, letztlich mein ganzes Leben, h\u00e4ngen. Wie will ich an einen Vater im Himmel glauben, wenn ich nicht sicher wei\u00df, was der mir zu sagen hat?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So lange es die Bibel gibt, wurde sie angefeindet und auf alle erdenkliche Weise angegriffen. Seit etwa zwei Jahrhunderten beteiligen sich auch evangelische Theologen an diesen Angriffen. Sie verk\u00fcnden zum Beispiel, dass Jesus weder die Bergpredigt gehalten noch das Abendmahl eingesetzt habe, das leere Grab zu Ostern eine Legende sei und die meisten Wundergeschichten frei erfunden.<sup>(4)<\/sup> Sie wissen unz\u00e4hlige Gr\u00fcnde, warum man die Bibel (historisch) kritisch sehen m\u00fcsse und sie deshalb nicht beim Wort nehmen d\u00fcrfe. Ein relativ neuer Trend sind zahlreiche Stimmen in unserer Kirche, die auf merkw\u00fcrdige oder bedenkliche Stellen in der Bibel verweisen. Diese Stimmen kratzen alles zusammen, was sie meinen, gegen die Heilige Schrift verwenden k\u00f6nnen. Weil da etwas von wiederk\u00e4uenden Hasen st\u00fcnde oder von Mischgewebe oder von Steinigungen usw., brauche man die ganze Bibel nicht ernst zu nehmen und k\u00f6nne folglich denken und tun, was man selber f\u00fcr richtig h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich geh\u00f6re nicht zu denjenigen, die \u00fcber die Bibel meckern und m\u00e4keln. Ich geh\u00f6re zu denen, die f\u00fcr die Bibel eintreten. Ich frage nicht, was spricht gegen sie, sondern ich suche, was sie wertvoll macht. Und das ist gewaltig viel! Deshalb verteidige ich die Heilige Schrift vor den &#8222;Heiden&#8220; und gegen Atheisten, Sp\u00f6tter, Theologen und &#8211; wenn es sein mu\u00df &#8211; auch gegen evangelische Bisch\u00f6fe. Wenn das leere Grab eine Legende ist, dann sollte die evangelische Theologie ihren Betrieb einstellen. Denn dann h\u00e4tte Paulus Recht und der christliche Glaube w\u00e4re ein einziger gro\u00dfer Schwindel und wir Christen die elendsten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten &#8211; und deshalb jucken mich auch wiederk\u00e4uende Hasen und andere Merkw\u00fcrdigkeiten nicht. Wenn Kirche und Christen sich den zentralen Aussagen der Bibel wirklich stellen w\u00fcrden, bliebe gar keine Zeit, sich mit solchen Kindereien abzugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn ein lutherischer Bischof sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann frage ich ihn: &#8222;Womit denn sonst? Womit sollen wir das Wort Gottes dann in eins setzen?&#8220; Vielleicht mit all den Predigten voll gequirlter Belanglosigkeiten, die unsere Kirche unter die gro\u00dfe \u00dcberschrift stellen: &#8222;Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel!&#8220; Oder soll ich das Wort Gottes in eins setzen mit den Moralpredigten, die mich zu einem guten Gutmenschen machen wollen; Predigten voll wohlfeiler Ratschl\u00e4ge zu Frieden, Gerechtigkeit, Umweltschutz und \u00e4hnlichen Themen? Oder ist das Wort Gottes eins mit all den Weisheiten, welche Theologen in unz\u00e4hlige Fachb\u00fccher schreiben, nach denen in 50 Jahren kein Hahn mehr kr\u00e4ht? Oder soll ich das Wort Gottes in eins setzen mit jenen frommen Spr\u00fcchen, mit denen Kirchenleitungen begr\u00fcnden, warum sie den jeweils aktuellen ideologischen Moden in Politik und Medien nachlaufen m\u00fcssen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es tut mir leid, aber ich halte mich an dieses Buch in meiner Hand. Ich vertraue &#8211; sola scriptura! &#8211; allein dem, was dort mit schwarzen Buchstaben auf wei\u00dfem Papier geschrieben steht. Dieses Wort Gottes ist das einzige, dem ich glauben kann und glauben will. Wenn Pfarrer, Theologen, Bisch\u00f6fe usw. dieses Wort Gottes bezeugen, sollen sie gesegnet sein. Wenn sie ein anderes predigen, k\u00f6nnen sie mir den Buckel runterrutschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier wei\u00df ich mich eins mit Martin Luther: &#8222;Wer einen Gott hat ohne sein Wort, der hat keinen Gott&#8220;. Deshalb gilt f\u00fcr mich: Entweder ich habe eine Bibel, die als Ganzes Gottes Wort <b><i>ist<\/i><\/b> &#8211; oder ich kann die Bibel als Ganze wegwerfen und mit ihr den gesamten christlichen Glauben. Entweder die Buchstaben der Bibel sind die Heilige Schrift &#8211; oder ich habe gar keine Heilige Schrift und damit auch keinen Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn also Bischof Bohl sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann macht er die Bibel f\u00fcr uns einfache Christen unbrauchbar und wertlos. Und damit nimmt er uns Gott und den Glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 2.<\/b> Die Unterscheidung zwischen Wort Gottes und dem Wortlaut der Bibel geht einher mit der Meinung, die Bibel sei &#8222;eine von Menschen geschriebene religi\u00f6se Urkunde und daher zu lesen und zu verstehen wie andere menschliche Urkunden auch&#8220; (H. Zahrnt). Folglich spielen Literarkritik, Form- und Redaktionsgeschichte in der heutigen Theologie eine wichtige Rolle. Ich halte diese Meinung &#8211; Entschuldigung &#8211; f\u00fcr kompletten Unsinn. Denn: &#8222;Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel h\u00f6her ist als die Erde, so sind auch meine Wege h\u00f6her als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken&#8220; (Jes 55,8f). Diese &#8222;historisch-kritischen Methoden&#8220; m\u00f6gen Goethe gerecht werden oder Karl May oder Grimms M\u00e4rchen &#8211; nicht aber dem heiligen Wort des Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Physiker oder Chemiker oder andere Naturwissenschaftler versuchen, mit den Mitteln ihrer Wissenschaft die Existenz eines Gottes zu beweisen, so wird ihnen das nicht gelingen. Der Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde ist f\u00fcr den menschlichen Verstand unerreichbar. Deshalb gibt es keine Gottesbeweise, mit deren Hilfe man Gott gewisserma\u00dfen in ein Reagenzglas oder in eine mathematische Formel einsperren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Humanwissenschaften und ihre Methoden k\u00f6nnen nicht beweisen, dass Jesus Gottes Sohn war. Sie k\u00f6nnen das G\u00f6ttliche im Menschen Jesus von Nazareth nicht herausfiltern und zur Schau stellen. Deshalb glauben und bekennen wir: &#8222;Jesus Christus &#8211; wahrer Mensch und wahrer Gott&#8220;. Jesus Christus war zu 100 Prozent Mensch und zu 100 Prozent Gott. Im Glaubensbekenntnis von Chalcedon hei\u00dft es deshalb: &#8222;Zwei Naturen &#8211; unvermischt, unver\u00e4ndert, ungetrennt und unteilbar&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau dies d\u00fcrfte auch f\u00fcr die Bibel gelten: Wahres Menschenwort und wahres Wort Gottes; zu 100 Prozent Worte von Menschen und zu 100 Prozent Worte von Gott; &#8222;zwei Naturen &#8211; unvermischt, unver\u00e4ndert, ungetrennt und unteilbar&#8220;. Deshalb ist das Wort Gottes in der Bibel f\u00fcr den menschlichen Verstand unerreichbar. Es ist unm\u00f6glich, mit den Methoden der Literatur- oder anderer Geisteswissenschaften Gottes Wort und Menschenwort zu trennen. Jeder Versuch, ein echtes oder reines oder wirkliches Wort Gottes aus der Bibel herauszufiltern, mu\u00df scheitern. Geradezu aberwitzig ist es, solch ein echtes Wort Gottes zwischen, neben bzw. hinter den Buchstaben der heiligen Schrift aufsp\u00fcren zu wollen oder gar au\u00dferhalb der Bibel zu suchen. Denn dann landet man unweigerlich bei der Weisheit dieser Welt oder wie Paulus es ausdr\u00fcckt (Kol 2,8) bei &#8222;Philosophie und leeren Trug, gegr\u00fcndet auf der Menschen Lehre und auf die Elemente der Welt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niemand kann Gott beweisen. Ich kann an ihn glauben &#8211; oder auch nicht. Niemand kann beweisen, dass Jesus Christus der eingeborne Sohn Gottes ist. Ich kann an ihn glauben &#8211; oder auch nicht. Niemand kann beweisen, dass die Bibel Gottes Wort ist. Ich kann das glauben; richtiger wohl: Ich kann <i>ihr<\/i> glauben, ihren Worten, ihren Buchstaben, dem was &#8222;geschrieben steht&#8220; &#8211; oder auch nicht. All die historisch-kritischen Methoden der Geisteswissenschaften, die behaupten, ein von den Buchstaben der Bibel losgel\u00f6stes Wort Gottes identifizieren zu k\u00f6nnen, d\u00fcrften kaum mehr sein als Besch\u00e4ftigungstherapie f\u00fcr Theologen oder richtiger wohl Hochstapelei. Man gibt vor, den theologischen Stein der Weisen gefunden zu haben. Doch der z\u00e4hlt unter Aberglaube bzw. theologisch verbr\u00e4mter Unglaube.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Bischof Bohl also sagt: &#8222;Wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann reiht er sich ein in die schier endlose Reihe all derer, von denen der Gott der Bibel in Jeremia 2,13 sagt: Sie tun &#8222;eine zwiefache S\u00fcnde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch\u00a0 rissig sind und kein Wasser geben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 3.<\/b> Das Schriftverst\u00e4ndnis des Bischofs wurde bereits vor tausenden von Jahren beschrieben. Die Bibel braucht dazu ganze sechs Verse, n\u00e4mlich 1Mose 3,1-6: Gott hatte ein Gebot gegen, eindeutig, klipp und klar, ohne Wenn und Aber. Doch dann kam die Frage auf: &#8222;Hat Gott das wirklich gesagt?&#8220; Eva kannte das Gebot genau: &#8222;Du sollst nicht essen vom Baum der Erkenntnis; denn an dem Tage, da du davon issest, mu\u00dft du des Todes sterben&#8220;. Doch Eva sah auch, &#8222;da\u00df von dem Baum gut zu essen w\u00e4re und da\u00df er eine Lust f\u00fcr die Augen w\u00e4re und verlockend, weil er klug machte&#8220;. Also fand sie Gefallen an dem Versprechen der Schlange: &#8222;Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und b\u00f6se ist&#8220;. Das Ende vom Lied: S\u00fcnde und Tod kamen in die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heutige Theologie erinnert sehr an diese Methode: Sie hat Gottes Wort schwarz auf wei\u00df. Darin steht vieles, was f\u00fcr uns schwer verst\u00e4ndlich ist und kaum noch Bedeutung hat. Doch darin findet auch sich eine F\u00fclle &#8222;fester Kerne&#8220;; sprich: klare, eindeutige Ansagen &#8211; Angebote und Verbote, Zusagen und Mahnungen, Verhei\u00dfungen und Warnungen. Sie sind klipp und klar formuliert, ohne Wenn und Aber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Theologen kennen diese festen Kerne in der Heiligen Schrift genau. Doch da sind auch die Fr\u00fcchte dieser Welt &#8211; eine Lust f\u00fcr die Augen und verlockend, weil sie klug machen. Obendrein versprechen diese Fr\u00fcchte Wohlwollen, Anerkennung und Ehre in den Augen der Welt. Folglich lieb\u00e4ugeln viele Theologen mit der Frage: &#8222;Sollte Gott gesagt haben?&#8220; Da die Worte der Schlange inzwischen etwas verp\u00f6nt sind, werden sie halt den heutigen Gegebenheiten angepa\u00dft: &#8222;der Buchstabe t\u00f6tet, blo\u00dfes Rezitieren von Bibelversen, naiver Biblizismus, toter Buchstabenglaube, fundamentalistisch, notwendige Unterscheidung von Geist und Buchstabe &#8230;&#8220; Dazu wei\u00df man tausend fromme Begr\u00fcndungen, warum wir die Fr\u00fcchte dieser Welt genie\u00dfen d\u00fcrften: &#8222;Der Geist leitet uns, Dialog zwischen Text und Leser, die Mitte der Schrift, was Christum treibet &#8230;&#8220;\u00a0 Und prompt k\u00f6nnen sie z. B. verk\u00fcnden: &#8222;Dass der Geist Gottes verletzt wird &#8230; wenn grunds\u00e4tzlich die verantwortlich in Liebe, Treue und F\u00fcrsorge gelebte Homosexualit\u00e4t als S\u00fcnde bezeichnet wird&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das biblische Wort Gottes erkennt man an dem Begriff &#8222;Wahrheit&#8220;: &#8222;Ich bin die Wahrheit &#8230; ich bin ein K\u00f6nig, der die Wahrheit bezeugen soll &#8230; die Wahrheit wird euch frei machen &#8230; der Geist der Wahrheit &#8230; die Rechte des Herrn sind Wahrheit &#8230; die Wahrheit tun &#8230;&#8220; Das &#8222;Wort Gottes&#8220; der Theologen kreist um den Begriff &#8222;Toleranz&#8220; (in Fachkreisen wohl &#8222;relational&#8220;?).\u00a0 Hier macht sich verd\u00e4chtig, wenn jemand seine \u00dcberzeugung als Wahrheit bezeichnet und daf\u00fcr eintritt (zumindest wenn er Christ ist). Wenn er sagt: &#8222;ja, ja, nein, nein&#8220;; oder wenn er deutlich macht: &#8222;Nach meinem Glauben ist dieses richtig und jenes falsch&#8220;; oder wenn er bekennt: &#8222;Ich glaube, Jesus ist die Wahrheit, und deswegen ist jenes die Unwahrheit&#8220;. Kurz: wenn jemand ohne Wenn und Aber zu seinem Glauben steht, dann sei er oder sie intolerant. Denn das versto\u00dfe gegen das Liebesgebot und verletze den Geist Jesu Christi. Der wolle ja, &#8222;dass sie alle eins seien&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende steht eine verwaschene, verschwommene Theologie, die alle festen Kerne der Heiligen Schrift aufgel\u00f6st hat; eine Theologie, die es allen recht macht und keinem weh tut; die die Vorgaben der Welt beachtet, alle unsere W\u00fcnsche erf\u00fcllt und obendrein noch fromm klingt. In Sachsen hat man &#8211; im H\u00f6ren auf die Schrift! &#8211; die Quadratur des theologischen Kreises gefunden: Beide Positionen seien &#8222;geistlich und theologisch angemessen&#8220;; auf deutsch: Ja ist in Ordnung, nein ist auch in Ordnung; richtig ist gut, falsch ist auch gut; die Frucht des Baumes essen ist gottgef\u00e4llig, die Frucht des Baumes nicht essen ist auch gottgef\u00e4llig; Homo-Ehe im Pfarrhaus &#8218;untersteht dem Anspruch und Zuspruch Gottes&#8216;, die Ablehnung der Homo-Ehe im Pfarrhaus tut das auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz: einst war das Wort Gottes &#8222;wie ein Hammer der Felsen zerschmei\u00dft&#8220;, heute erinnert es an den ber\u00fchmten Pudding, der an die Wand genagelt werden soll: Jeder darf glauben, was ihm gerade einf\u00e4llt &#8211; Hauptsache wir bleiben zusammen und spielen heile Glaubenswelt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Haken daran steht in Joh 8,31: &#8222;Wenn ihr bleiben werdet in meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine J\u00fcnger und werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.&#8220; Wenn Kirche das Zeugnis der Wahrheit aufgibt, kann sie sich zehnmal Kirche der Freiheit nennen &#8211; sie verspielt genau das, n\u00e4mlich die F\u00e4higkeit zur Freiheit. Wenn Kirche S\u00fcnde nicht S\u00fcnde nennt, kann sie auch niemanden davon befreien. Eine Theologie ohne Wahrheit ist der S\u00fcnde Knecht &#8211; und mit ihr alle, die ihr anhangen. Eine solche Kirche bleibt mit all ihrem Reden und Tun immer im Schatten des &#8222;ihr werdet des Todes sterben&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daran \u00e4ndert auch nichts, wenn solche Kirche sich vor Fr\u00f6mmigkeit schier \u00fcberschl\u00e4gt und wie wild mit Bibel- und anderen frommen Spr\u00fcchen um sich wirft. Z. B. sagt der Bischof: &#8222;Dabei d\u00fcrfen wir auf die Gegenwart des heiligen Geistes hoffen, der uns helfen wird, das Wort Gottes besser zu verstehen, beieinander zu bleiben und gemeinsam ein kr\u00e4ftiges Zeugnis zu geben.&#8220;<sup>(16)<\/sup> Ein kr\u00e4ftiges Zeugnis? Der so selbstverst\u00e4ndlich vereinnahmte Heilige Geist ist vermutlich anderer Meinung: &#8222;Ich wei\u00df deine Werke, da\u00df du weder kalt noch warm bist. Ach da\u00df du doch kalt oder warm w\u00e4rest. Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde&#8220; (Off 3,15f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum, wenn Bischof Bohl sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann steht er in der Tradition der Frage, die bereits im Paradies gestellt wurde: &#8222;Sollte Gott gesagt haben?&#8220; Und mit diesem Schriftverst\u00e4ndnis tr\u00e4gt der Bischof S\u00fcnde und Tod in seine Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Die Thesen 4 &#8211; 6 fallen etwas aus dem Rahmen. Sie gehen sehr ins Detail. Wem das zu z\u00e4h ist, lese bitte bei These 7 weiter. Dort wird es wieder lockerer.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 4.<\/b> Das Schriftverst\u00e4ndnis des Bischofs wird auch in Psalm 2,2f angesprochen: &#8222;Die Herren halten Rat miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten: &#8218;Lasset uns zerrei\u00dfen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!'&#8220; Dies besagt im Grunde das gleiche wie 1Mo 3, setzt aber einen zus\u00e4tzlichen Akzent:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott und sein Wort setzen uns Grenzen. Sie sagen &#8222;du sollst&#8220; oder &#8222;du sollst nicht&#8220;; sie sagen ja oder nein; sie sagen richtig oder falsch. Doch solche Grenzen sind dem aufgekl\u00e4rten Mensch l\u00e4stig. Er kann es nicht ausstehen, wenn jemand ihm vorschreibt, was er tun oder lassen soll. Deswegen hat er Mittel und Wege gefunden, diese Grenzen auszuhebeln und die g\u00f6ttlichen Stricke von sich zu werfen. Das Mittel, das die aufgekl\u00e4rte Theologie f\u00fcr diese Zwecke benutzt, ist halt der Angriff auf die Buchstaben der Heiligen Schrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen sei &#8222;Sinngewinnung aus Zeichen&#8220;. D. h., beim Schreiben wird Sinn, werden Ideen, Gedanken, Vorstellungen gewisserma\u00dfen konserviert. Sie werden in Worte gekleidet und die werden mit Buchstaben festgehalten. Sie werden buchst\u00e4blich festgeschrieben. Danach sind diese Ideen, Gedanken, Vorstellungen f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich. Sie k\u00f6nnen zu jeder Zeit aus den Buchstaben wieder herausgelesen werden. Christen glauben, dass Gott genau das getan hat: Er hat das, was er uns mitteilen m\u00f6chte, in Worte gekleidet und mit Buchstaben festgeschrieben. Nun sind Gottes Gedanken in der heiligen Schrift f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich. Sie k\u00f6nnen zu jeder Zeit dort nachgelesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Voraussetzungen f\u00fcr das Gelingen der &#8222;Gedanken\u00fcbertragung&#8220; vom Schreiber zum Leser sind &#8211; zun\u00e4chst &#8211; verst\u00e4ndliche Worte und eindeutige Buchstaben. Wenn ein Chinese mir einen Brief schreibt mit chinesischen Schriftzeichen, sehe ich alt aus. Wenn ich Gottes Wort nur in Hebr\u00e4isch, Griechisch oder Latein habe, nutzt es mir nichts. Deshalb hat Luther die Bibel in die deutsche Sprache \u00fcbersetzt. Er hat uns, dem Volk, aufs Maul geschaut, um Gottes Worte in solche Sprache und Zeichen zu fassen, dass wir, das Volk, sie verstehen. Dank Luther ist das, was Gott uns sagen will, zu jeder Zeit f\u00fcr jeden Deutschen zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun kommt aber Bischof Bohl und l\u00f6st das Wort Gottes von den Buchstaben der Bibel. Damit unterstellt er: Was Gott uns sagen will, sei gar nicht verbindlich festgeschrieben, zumindest nicht in der Bibel. Folglich k\u00f6nne man es dort auch nicht nachlesen, zumindest nicht eindeutig und verbindlich. Es brauche es ein spezielles Fachwissen, um Gottes Gedanken herauszufinden. Das wiederum hei\u00dft auf deutsch: Wir &#8222;normalen Menschen&#8220; k\u00f6nnten nicht wissen, was Gott sagen will. Das sei uns, dem Volk, nicht zug\u00e4nglich. Damit macht ein evangelischer Bischof Luthers \u00dcbersetzung praktisch r\u00fcckg\u00e4ngig. Er nimmt dem deutschen Volk das Wort Gottes wieder aus der Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der eigentliche Trick ist aber noch ein anderer: Was festgeschrieben wurde, steht fest; daran ist nicht zu r\u00fctteln. Was nicht festgeschrieben ist, steht dagegen nicht fest. Das kann ver\u00e4ndert werden. Wenn also der Sinn vom Zeichen bzw. das Wort Gottes von den Buchstaben losgel\u00f6st wird, kann der eine Theologe dieses behaupten, der n\u00e4chste jenes und der dritte wieder anderes. Sie alle k\u00f6nnen den Wortlaut der Bibel hier ein wenig verdrehen, dort ein wenig verbiegen und da ein wenig umdeuten. Am Ende ist &#8222;Wort Gottes&#8220; nicht mehr das, was Gott den Menschen sagen will, sondern was Theologen w\u00fcnschen, das Gott uns sagen sollte; d. h. wo &#8222;Wort Gottes&#8220; draufsteht, ist &#8222;Wort der Theologen&#8220; drin. Und genau das ist das Wesen des Schriftverst\u00e4ndnisses der heutigen Theologie: Es hat die Bande des HERRN zerrissen und die g\u00f6ttlichen Stricke von sich geworfen. Das Wort Gottes wurde seiner objektiven Grundlage beraubt und in das subjektive Ermessen der Theologen gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist selbstverst\u00e4ndlich nicht die Erfindung eines einzelnen s\u00e4chsischen Bischofs sondern das Ergebnis eines mehr als 200 Jahre w\u00e4hrenden Prozesses. Der bewirkte einen Umbruch aller Grundlagen des kirchlichen Glaubens. Dabei wurde das Oberste zuunterst und das Unterste nach oben gekehrt. Es ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Und dieser Umbruch l\u00e4\u00dft sich &#8211; zugespitzt &#8211; auf den Punkt bringen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den Platz der Bibel haben sich die Theologen gesetzt. Einst galt &#8222;sola scriptura&#8220;, allein die Schrift ist der Ma\u00dfstab f\u00fcr ja oder nein, richtig oder falsch &#8211; heute z\u00e4hlt allein der Theologe und dessen Meinung. Einst entschied der Wortlaut der Heiligen Schrift \u00fcber &#8222;du sollst&#8220; oder &#8222;du sollst nicht&#8220; &#8211; heute entscheiden das die Theologen. Einst setzten Gott und sein festgeschriebenes Wort uns Menschen Grenzen &#8211; heute tun das die Theologen; genauer: sie setzen Gott und seinem Wort Grenzen. Kurz: einst herrschte Gottes Wort \u00fcber Theologie und Kirche &#8211; heute herrschen die Theologen \u00fcber Gottes Wort und damit \u00fcber die Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seinerzeit wurde Jesus durch einen Ku\u00df verraten. Dadurch wurde &#8222;des Menschen Sohn in der Menschen H\u00e4nde \u00fcberantwortet&#8220;. Wenn Bischof Bohl sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann tut er im Prinzip genau das, was Judas seinerzeit tat: Er \u00fcberantwortet das Wort Gottes in der Menschen H\u00e4nde. Die k\u00f6nnen nun mit ihm umspringen, wie es ihnen beliebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 5.<\/b> In DER SONNTAG konnte man lesen: &#8222;Mein Theologiestudium habe ich mit viel Freude und Interesse erlebt &#8230; Uns war vermittelt worden, nicht zu fragen: Ist das so gewesen? Sondern zu fragen: Was bedeutet das? Und dass Bedeutungen von Mensch zu Mensch und in unterschiedlichen Zeiten sich \u00e4ndern, zeigt, wie vielschichtig, aufregend und anregend die Bibel ist.&#8220;<sup>(5)<\/sup> Hier ist nicht der Ort, das eigenartige Denken der modernen Theologie ausf\u00fchrlich darzulegen. Dennoch, dieses Zitat bringt es auf den Punkt! Heutige Theologie fragt nicht: &#8222;Ist das so gewesen?&#8220; Sie interessiert sich nicht f\u00fcr Tatsachen, f\u00fcr historische Fakten. Im Gegenteil, sie ist \u00fcberzeugt, das meiste von dem, was die Bibel berichtet, sei gar nicht wirklich geschehen. Folglich sucht diese Theologie das, was gar nicht geschehen ist, so zu deuten, dass es dennoch Bedeutung gewinnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Ergebnis verstehen sich diese Theologen nicht als Zeugen sondern als Deuter; nicht als Stern- sondern als Literaturdeuter, gewisserma\u00dfen als Literar-Astrologen. Sie bezeugen nicht Geschichte, sondern sie deuten Geschichten. Ihr Glaube ist nicht gegr\u00fcndet auf historischen Tatsachen sondern auf religi\u00f6sen Ideen, auf frommen Fiktionen. In der Folge bezeugen diese Theologen nicht, &#8222;es steht geschrieben&#8220;, sondern sie deuten den Wortlaut der Bibel (die &#8222;Buchstaben&#8220;) und verk\u00fcnden ihre Deutungen als &#8222;Wort Gottes&#8220;. Sie bezeugen auch nicht, &#8222;ich glaube an Gott den Vater &#8230;&#8220;, sondern sie deuten das Bekenntnis und auf diese ihre Deutungen gr\u00fcnden sie den Glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohlgemerkt: Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch heute noch Theologen, die Heilsgeschichte bezeugen. Doch die sprechen nicht f\u00fcr die ganze Kirche, sondern sind Einzelmeinungen unter anderen Einzelmeinungen. Oder wohl richtiger: sie sind ein kleines Gr\u00fcppchen neben der gro\u00dfen Schar der Theologen,\u00a0 die Heilstheorien verk\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Beispiel 1: Die historische Tatsache &#8222;Jungfrau Maria&#8220; wurde verdr\u00e4ngt durch die Idee einer Jungfrau, durch die Deutung des Begriffes. Viele Theologen bekennen &#8222;ich glaube &#8230; geboren von der Jungfrau Maria&#8220;. Dennoch sind sie \u00fcberzeugt, diese Aussage beschreibe keinen &#8222;gyn\u00e4kologischen Befund&#8220;, sondern habe die Bedeutung &#8222;dass man in Jesus Gott begegnet&#8220;<sup>(6)<\/sup> oder &#8222;Gott kommt den Menschen n\u00e4her, als dieser sich selbst nahe zu sein vermag&#8220;. <sup>(7)<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder: Die Leipziger Theologie-Professorin G. Schneider-Flume spricht von &#8222;fundamentalen Lebensbeziehungen, f\u00fcr deren tragenden Grund der Name Gott &#8211; das hei\u00dft Liebe &#8211; steht&#8220;.<sup>(8)<\/sup> Auf deutsch: Wenn diese Theologin sagt, &#8222;ich glaube an Gott&#8220;, meint sie nicht eine \u00fcbernat\u00fcrliche Person, ein &#8222;h\u00f6heres Wesen&#8220; &#8211; sondern sie deutet Gott als ein anderes Wort f\u00fcr Liebe, sprich: f\u00fcr ein bestimmtes Sozialverhalten, f\u00fcr gelingende zwischenmenschliche Beziehungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder: Ihr Kollege Prof. R. Leonhardt wird in einer Studentenzeitung zitiert (sinngem\u00e4\u00df): &#8222;Die Pointe des Christentums als Erl\u00f6sungsreligion sei nicht Jenseitsvertr\u00f6stung sondern &#8218;Endlichkeitsmanagement&#8216;, denn das Christentum verweist nicht auf ein Jenseits sondern bedeutet eine bestimmte Art zu leben.&#8220; Das hei\u00dft, dieser Professor bezeugt nicht &#8222;Ich glaube &#8230; an das ewige Leben&#8220;, sondern er deutet den christlichen Glauben als &#8222;Endlichkeitsmanagement&#8220;, als eine bestimmt Art zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ergeht es allen Grundworten des Glaubens. Sie werden (um)gedeutet. Viele brave Kirchg\u00e4nger w\u00e4ren sehr erstaunt, w\u00fcrden sie verstehen, was Theologen meinen, wenn sie &#8222;Gott&#8220; sagen oder &#8222;Jesus Christus&#8220; oder &#8222;Heiliger Geist&#8220; oder &#8222;Sch\u00f6pfer&#8220; oder &#8222;Jungfrau&#8220; oder &#8222;Auferstehung&#8220; oder &#8222;ewiges Leben&#8220; oder &#8230; Noch viel erstaunter w\u00e4ren diese braven Kirchg\u00e4nger, w\u00fcrden sie ahnen, wie viele verschiedene G\u00f6tter oder Jesus Christusse oder Heilige Geister oder Sch\u00f6pfer oder Jungfrauen oder Auferstehungen oder ewige Leben sich in unserer Kirche tummeln; d. h. wie viele verschiedene Deutungen diesen Begriffen in Theologenkreisen untergeschoben werden. Auch diese Worte wurden des ihnen &#8222;objektiv innewohnenden&#8220; Sinnes beraubt und dem subjektiven Ermessen ausgeliefert. Heute kann jeder Theologe sie genau so deuten &#8211; d. h. die Bedeutung zuschreiben -, wie es ihm genehm ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz: den Worten unseres Glaubens ist es ergangen wie manchen H\u00fchnereiern zu Ostern. Sie wurden vorsichtig angebohrt und ausgeblasen. Geblieben ist eine bunt bemalte Schale, der Inhalt aber ist nur noch lauwarme Luft; sprich: ein &#8222;von Mensch zu Mensch und in unterschiedlichen Zeiten sich \u00e4nderndes\u201c Wort- bzw. Deutungsgeklingel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter all dem zeigt sich ein eigenartiges Gef\u00e4lle: Zuerst wird die Theologie von der Geschichte gel\u00f6st, dann das &#8222;Wort Gottes&#8220; von den Buchstaben, dann das Denken von der Sprache und zuletzt die Kirche vom Glauben. Denn die bezeugt nicht <b><i>den <\/i><\/b>christlichen oder <b><i>den<\/i><\/b> evangelischen Glauben, sondern sie bietet &#8222;Pluralit\u00e4t&#8220;, d. h. eine un\u00fcberschaubare F\u00fclle unterschiedlichster Deutungen dieses Glaubens. Es wird st\u00e4ndig geredet von Gott, Evangelium, Auferstehung und anderen frommen Dinge. Doch wenn man diese wohlklingenden Worte abklopft, klingen sie hohl. Es wird nicht deutlich, was genau damit gemeint ist. In den christlichen Begriffen ist keine Kraft mehr, kein Leben. Am Ende verfassen Kirchenleitungen und Synoden unz\u00e4hlige Stellungnahmen zu unz\u00e4hligen Themen in Politik und Gesellschaft. Doch wen interessieren die wirklich? Sie sind kaum mehr als Papier gewordene Belanglosigkeit; eben hohle Schalen &#8211; leere Worte ohne Substanz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesicht der heutigen Theologie ist der evangelische Kirchentag: ein l\u00e4rmender Marktplatz, wo man alles und jedes als Wort Gottes anpreisen bzw. als Glauben verkaufen kann; ein buntes Fest voller Jubel, Trubel, Heiterkeit. Aber das Herz dieser Theologie findet man in der stillen, unspektakul\u00e4ren Arbeit in den Gemeinden; genauer: auf all den unz\u00e4hligen St\u00fchlen und B\u00e4nken, die auch am Sonntagmorgen leer bleiben. Eben weil die M\u00fchseligen und Beladenen dort keine &#8222;gute Nachricht&#8220; h\u00f6ren sondern nur Deutungen des Evangeliums; weil sie dort nicht Brot des Lebens erhalten sondern Spekulationen, was damit wohl gemeint sein k\u00f6nnte; weil ihnen nicht ein allm\u00e4chtiger Gott, Vergebung der S\u00fcnden, Auferstehung usw. bezeugt, sondern nur die entsprechenden Ideen kommentiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Kirche wei\u00df Millionen gute Ratschl\u00e4ge zu Frieden, Gerechtigkeit und Umweltschutz. Doch Evangelium f\u00fcr den einzelnen Menschen? Gute Nachrichten, die mich tr\u00f6sten, die mir Kraft und Hoffnung geben, die mein Leben positiv ver\u00e4ndern? Gottes Worte, die mir SEINE N\u00e4he, SEINEN Segen, SEINEN Frieden bringen; die mich zu SEINEM Kind machen, mich in der Ewigkeit geborgen und zu Hause sein lassen? (Nochmals: Solches Evangelium ist noch zu h\u00f6ren! Aber diese Stimmen werden leiser und weniger.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Kirchengeb\u00e4ude sind leere H\u00fcllen &#8211; oft genug wundersch\u00f6ne, liebevoll gepflegte H\u00fcllen! &#8211; weil das Evangelium, das in ihnen gepredigt wird, solch eine leere H\u00fclle ist. Wenn Bischof Bohl also sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann macht er Glauben und Kirche zum Osterei: eine fromm bemalte Schale mit leerem Wortgeklingel. &#8222;Du hast den Namen, da\u00df du lebst und bist tot&#8220; (Off 3,1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 6.<\/b> Die Leere der Ostereier-Theologie wird selbstverst\u00e4ndlich nicht an die gro\u00dfe Glocke geh\u00e4ngt. Dennoch wird sie gelegentlich f\u00fcr jedermann sichtbar: Z. B. war im Zusammenhang mit dem Homo-Ehe-Beschlu\u00df irgendwo in Sachsen die Frau eines Pfarrers aus der Kirche ausgetreten. In der Folge verbot Bischof Bohl diesem Pfarrer, seiner Frau im Gottesdienst das Abendmahl zu spenden. Laut dem Pressesprecher der s\u00e4chsischen Landeskirche wurde das begr\u00fcndet: &#8222;Nicht nur in der s\u00e4chsischen Landeskirche gingen die Gemeinden und ihre Leitung davon aus, dass eine Person, die sich von der Gemeinde trennt, am Abendmahl weder teilnehmen wolle noch k\u00f6nne.&#8220; Und w\u00f6rtlich: &#8222;Dies ist keine Festlegung, die f\u00fcr einen Einzelfall angeordnet worden ist. Sie ist die Folge eines jeden Kirchenaustritts.&#8220;<sup>(9)<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dummerweise hatte etwa zur gleichen Zeit der Pressesprecher der EKD gegen\u00fcber der s\u00fcddeutschen Zeitung das genaue Gegenteil erkl\u00e4rt. In der ev. Kirche sei die Teilnahme am Abendmahl nicht an die Mitgliedschaft sondern an die Taufe gekn\u00fcpft, die immer erhalten bliebe. Und w\u00f6rtlich: &#8222;Sie k\u00f6nnen austreten soviel sie wollen, wir laden sie immer wieder ein.&#8220;<sup>(10)<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber solchen Peinlichkeiten h\u00e4ngt ein uralter Geruch, n\u00e4mlich der Widerspruch zwischen &#8222;auswendig&#8220; und &#8222;inwendig&#8220;; Mt 23,27f: &#8222;Weh euch, Schriftgelehrte und Pharis\u00e4er, ihr Heuchler, die ihr seid gleichwie die \u00fcbert\u00fcnchten Gr\u00e4ber, welche auswendig h\u00fcbsch erscheinen, inwendig aber sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat. So auch ihr: von au\u00dfen scheinet ihr vor den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und \u00dcbertretung.&#8220; Dies klingt zwar heftig, dennoch h\u00e4ngt genau dieser Geruch im Raum:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Hannover, bei der EKD, sieht man &#8222;inwendig&#8220; den Mitgliederschwund, deshalb kn\u00fcpft man &#8222;auswendig&#8220; das Abendmahl an die Taufe und ruft den Ausgetretenen hinterher: &#8222;Kommt zur\u00fcck! Ihr seid zum Abendmahl herzlich eingeladen.&#8220; In Dresden dagegen will man &#8222;inwendig&#8220; einen Aufstand niederschlagen und die Querulanten in die Schranken weisen, deshalb wird das Abendmahl &#8222;auswendig&#8220; an die Mitgliedschaft gebunden: &#8222;Wer austritt, schlie\u00dft sich vom Abendmahl aus. Ihr seid nicht eingeladen!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier stellt sich die Frage: Folgt kirchliche Theologie den Vorgaben der Bibel oder denen der Kirchenpolitik? Erw\u00e4chst sie aus einer inneren \u00dcberzeugung oder ist sie nur taktisches Instrument der Kirchenoberen? Die s\u00e4chsische Landeskirche hatte vermutlich noch niemals eine so fromme und geistliche und bibeltreue Kirchenleitung wie im Jahre 2012 &#8211; sofern man ihrem Auftreten nach dem Homo-Ehe-Beschlu\u00df Glauben schenkt. Ist dieses fromme Gehabe Ausdruck eines ehrlichen Glaubens oder dient es nur dazu, die aufm\u00fcpfigen Gemeinden zu beruhigen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Jahrhunderte hin war allen Theologen klar, die Bibel sieht Homosexualit\u00e4t kritisch. 2001 hatte die s\u00e4chsische Kirchenleitung nochmals genauer hingeschaut und festgestellt: &#8222;Homo-Ehe im Pfarrhaus ist nicht m\u00f6glich&#8220;. Nur elf Jahre sp\u00e4ter sagt diese Kirchenleitung pl\u00f6tzlich das Gegenteil. Bischof Bohl begr\u00fcndet diesen Sinneswandel: &#8222;Die Kirchenleitung war sich ihrer Aufgabe sehr bewu\u00dft, der Einheit zu dienen &#8230; Zugleich wu\u00dfte sie sich dem Bem\u00fchen um die Wahrheit im H\u00f6ren auf die Schrift verpflichtet; sie hat konzentriert und in eine geistlich gepr\u00e4gten Atmosph\u00e4re diskutiert.&#8220;<sup>(11) <\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Im H\u00f6ren auf die Schrift&#8220;? Sagt Bibel heute etwas anderes als 2001? Oder hat der &#8222;Geist Gottes&#8220; \u00fcber Nacht seine Meinung ge\u00e4ndert? Oder stimmt etwas nicht mit den Ohren der Theologen? H\u00f6ren die in der Schrift immer nur das, was sie h\u00f6ren wollen? (Albert Schweitzer habe diesen H\u00f6rschaden bereits vor 100 Jahren diagnostiziert &#8211; angesichts der damaligen &#8222;Leben-Jesu Forschung&#8220;.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder: Vor 60 Jahren war die Stimmung in der Gesellschaft noch eine v\u00f6llig andere. Damals w\u00e4re das &#8222;H\u00f6ren auf die Schrift&#8220; vielleicht glaubhaft gewesen. Heute aber entsteht ein anderer Eindruck: Die ev. Kirche hat Angst, den Anschlu\u00df zu verpassen, also rennt sie Politik und Medien hinterher und springt auf deren fahrenden Zug auf; sprich: sie knickt ein vor dem L\u00e4rm der ver\u00f6ffentlichten Meinung. Und dieses Einknicken sucht sie hinter einer fromm-theologischen Propaganda zu verstecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder: wenn die Kirchenleitung all ihren Eifer um Gespr\u00e4chsproze\u00df, Einheit der Kirche usw. bereits vor ihrem Beschlu\u00df vom 21. 01. 2012 gezeigt h\u00e4tte, w\u00e4re dieser Eifer u. U. glaubw\u00fcrdig gewesen. Jetzt, hinterher, ist er das nicht mehr. Folglich h\u00e4ngt \u00fcber all diesen Beteuerungen der Geruch; Mk 12,38f (sinngem\u00e4\u00df): Die Schriftgelehrten gehen in frommen Gew\u00e4ndern und verrichten zum Schein lange Gebete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit anderen Worten: Kirche tut alles, um den Widerspruch zwischen &#8222;auswendig&#8220; und &#8222;inwendig&#8220; zu verbergen. Wird dieser Geruch dennoch so durchdringend, dass die Stillen im Lande unruhig werden, schmiert man ihnen frommen Honig ums Maul. Und den reicht man ihnen auf g\u00fcldenen L\u00f6ffelchen. Bischof Bohl z. B. benutzte vor der s\u00e4chsischen Synode die L\u00f6ffelchen &#8222;Wahrheit in Christus&#8220;, &#8222;Christus, die Mitte der Schrift&#8220;, &#8222;was Christum treibet&#8220; und &#8222;dass der Buchstabe t\u00f6tet, aber nur der Geist lebendig macht&#8220;.<sup>(2)<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All diese g\u00fcldenen Honigl\u00f6ffel haben eines gemeinsam: &#8222;Auswendig&#8220; klingen sie fromm, aber niemand kann genau sagen, was &#8222;inwendig&#8220; drin ist. Es ist nirgendwo verbindlich festgelegt, was Christum treibet, oder was der Geist lebendig macht oder wo genau die Mitte der Schrift zu finden ist. Im Gegenteil, dies alles ist &#8222;unterschiedlich interpretierbar und unbegrenzter Entfaltung und Differenzierung f\u00e4hig.&#8220;<sup>(12)<\/sup> Die Betonung liegt dabei auf &#8222;unbegrenzt&#8220;! Sprich: den Deutungen sind keine Grenzen gesetzt. Jeder Mann und jede Frau kann sich eine eigene Mitte der Schrift suchen oder selbst entscheiden, was f\u00fcr ihn oder sie Christum treibet oder was der Geist lebendig macht oder eben auch nicht. Letztlich kann man dahinter alles verbergen bzw. man kann damit alles begr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Folge zeigt sich in unserer Kirche eine fatale Tendenz: Auswendig bekennt sie &#8222;Gott &#8230; den Sch\u00f6pfer &#8230; das ewige Leben&#8220;, inwendig denkt sie Liebe (sprich: zwischenmenschliche Beziehungen), Evolution und &#8222;Endlichkeitsmanagement&#8220;; auswendig redet sie vom Wort Gottes, inwendig vertritt sie &#8222;Theologen Wort&#8220;; auswendig beschw\u00f6rt sie die Einheit der Kirche, inwendig fa\u00dft sie Beschl\u00fcsse, die genau diese Einheit zerst\u00f6ren; auswendig vertritt sie den christlichen Glauben, inwendig ist sie ein weltanschaulicher Flohzirkus; auswendig ist sie Kirche, inwendig ist sie &#8222;Welt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und diese Losl\u00f6sung des Inwendig vom Auswendig beginnt dort, wo der Sinn vom Zeichen gel\u00f6st wird; wo der Glaube die Stricke der g\u00f6ttlichen Buchstaben abwirft und eigene Wege geht. Wo der festgeschriebene Wortlaut der heiligen Schrift verdr\u00e4ngt wird von dem, wonach &#8211; wie Paulus bzw. Luther es in 2Ti 4,3 so trefflich formuliert &#8211; den Menschen die &#8222;Ohren jucken&#8220;. Wenn Bischof Bohl also sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann durchs\u00e4uert er seine Kirche mit &#8222;dem Sauerteig der Pharis\u00e4er, welches ist die Heuchelei&#8220; (Luk 12,1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>II. Gott<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 7.<\/b> In unserer Kirche wird gern und viel vom &#8222;Wort Gottes&#8220; geredet. Doch was genau bedeutet dieser Begriff? Er setzt ja voraus, dass da irgendwie und irgendwo ein Gott existiert, sprich: ein &#8222;h\u00f6heres Wesen&#8220;, eine transzendente Person mit Verstand und Willen. Wenn dieser Gott uns Botschaften sendet, wenn er &#8211; wie auch immer &#8211; zu uns Menschen redet, dann ist das, was er uns zu sagen hat, halt &#8222;Wort Gottes&#8220;. Im Verst\u00e4ndnis manchen Religionen geschieht dies durch Tr\u00e4ume oder Visionen, im Alten Testament wurden diese Botschaften oftmals durch Propheten \u00fcberbracht, im Neuen Testament hei\u00dft es, Gott habe geredet durch seinen Sohn (Heb 1,1). F\u00fcr den christlichen Glauben heute liegen diese Botschaften in gedruckter Form vor. D. h., Gott wendet sich schriftlich an uns; er schickt uns sein Wort in Form eines Buches.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Haken ist nur, dass viele Theologen gar nicht an solch einen Gott glauben. Wenn sie dieses Wort benutzen, meinen sie halt Liebe oder &#8222;die Alles bestimmende Wirklichkeit&#8220; oder den &#8222;Grund der M\u00f6glichkeit von \u00fcberhaupt allem&#8220; oder was auch immer &#8211; zumindest aber keine Person mit eigenem Verstand und Willen. Deshalb kann der &#8222;Gott&#8220; dieser Theologen gar nicht reden und uns auch keine Botschaften schicken. F\u00fcr diese Theologie gibt es gar kein &#8222;Wort Gottes&#8220; im eigentlichen Sinne. Dieser Begriff dient nur als eine Art Stempel, den sie auf &#8222;Menschen-Worte&#8220; dr\u00fcckt, um denen gr\u00f6\u00dferes Gewicht zu verleihen. Folglich ist das &#8222;Wort Gottes&#8220; in unserer Kirche oft genug nur ein Etiketten-Schwindel, mit dem manche Theologen sich und ihr Reden wichtig machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe keine Ahnung, was genau Bischof Bohl meint, wenn er von &#8222;Gott&#8220; spricht. Wenn er aber sagt: &#8222;Wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann bedeutet das: Der allm\u00e4chtige Gott war nicht in der Lage, seiner Kirche die Heilige Schrift zu geben, die sie braucht; zumindest keine, in der genau das geschrieben steht, was &#8222;unser Vater im Himmel&#8220; seiner Kirche zu sagen hat. Stattdessen m\u00fcsse er laufend nachbessern. Der Heilige Geist sei gezwungen, den Theologen st\u00e4ndig hinterherzulaufen, um ihnen klarzumachen, dass der dreieinige Gott etwas anderes sagen m\u00f6chte, als er in die Bibel hat schreiben lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem scheint der Bischof zu denken: Der das Ohr gepflanzt hat, mag zwar h\u00f6ren k\u00f6nnen; und der das Auge gemacht hat, mag zwar sehen k\u00f6nnen &#8211; aber reden kann er nicht; zumindest nicht klar und verst\u00e4ndlich. Die Unterscheidung von Buchstaben der Bibel und Gottes Wort unterstellt Gott gewisserma\u00dfen einen Sprachfehler: Der uns die Sprache gegeben hat, k\u00f6nne selber nicht richtig sprechen. Deshalb brauche er zum Reden menschliche Hilfe, sprich: die Theologen m\u00fcssen \u00fcbersetzen, was Gott so undeutlich vor sich hingestammelt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin entschieden anderer Meinung. Ich glaube nicht, dass unser Gott solch ein St\u00fcmper ist. Im Gegenteil, ich glaube an Gott, den Allm\u00e4chtigen, den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde. Ich glaube, dass dieser lebendige Gott das ungeheure Weltall und all die Wunder auf der Erde gemacht hat. Deshalb glaube ich auch, dass er ein Buch schaffen kann &#8211; und zwar genau so, wie er sich das vorgestellt hat. Ob dieses Buch dann unseren Erwartungen und W\u00fcnschen gerecht wird, ist eine andere Frage. Aber ich glaube, die Heilige Schrift samt allen ihren Buchstaben ist genau so geworden, wie Gott sie gewollt hat. Jesus ist kein Spinner, wenn er sagt; Mt 5,19: &#8222;Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein T\u00fcpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht&#8220;. Es grenzt an Gr\u00f6\u00dfenwahn, wenn Theologen kl\u00fcger sein wollen als der Sohn des lebendigen Gottes und die Buchstaben der Bibel verwerfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem glaube ich, dass unser Gott Ursprung und Quelle aller Worte ist. Ich glaube an den Gott, der &#8222;sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.&#8220; Ich glaube an den Gott, der alle Dinge tr\u00e4gt mit seinem lebendigen Wort. Ich glaube, &#8222;wenn er spricht, so geschieht&#8217;s; wenn er gebietet, so steht&#8217;s da&#8220;. Ich glaube: &#8222;Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort&#8220;.\u00a0 Es ist geradezu aberwitzig, wenn Menschen meinen, Wort und Sprache besser zu beherrschen, als Gott das tut; wenn sie an den Worten dieses Gottes herumm\u00e4keln und herumbessern; wenn sie sich zu Kritikern und Meistern der Heiligen Schrift aufblasen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin \u00fcberzeugt: Gott selber hat uns die Bibel gegeben. Er selbst ist deren Verfasser. Der Heilige Geist hat sie &#8211; wie auch immer &#8211; durch Menschen hindurch geschrieben. Deshalb spricht Gott selber durch die Bibel zu uns, und zwar durch die Buchstaben, die dort schwarz auf wei\u00df gedruckt sind. Und ich bin \u00fcberzeugt, dass Gott uns genau die Bibel gegeben hat, die er wollte und die wir brauchen. Dort steht all das geschrieben, was wir wissen m\u00fcssen &#8211; und zwar so, wie es f\u00fcr uns gut und richtig ist. Man mu\u00df es nur lesen. Und wenn wir etwas nicht verstehen, dann liegt das Problem nicht in der Bibel sondern bei uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist und bleibt eine Tatsache, an der kein Theologe vorbei kommt; Mt 11,25: &#8222;Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unm\u00fcndigen offenbart.&#8220; Um die Bibel zu verstehen, braucht es zun\u00e4chst keinen gelehrten Kopf sondern einen zerschlagenen, dem\u00fctigen Geist, der &#8222;erzittert vor meinem Wort&#8220; (Jes 66,2). Auch 1Ko 2,14 ist und bleibt eine Tatsache, an der selbst der kl\u00fcgste Theologe nichts \u00e4ndern kann: &#8222;Der nat\u00fcrliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es mu\u00df geistlich verstanden sein.&#8220; Gott selbst mu\u00df uns sein Wort aufschlie\u00dfen und erkl\u00e4ren. Wenn er das nicht tut, dann versteht auch der intelligenteste und aufgekl\u00e4rteste Theologe nichts vom &#8222;Wort Gottes&#8220; &#8211; und zwar absolut nichts. Er ist blind und taub f\u00fcr die geistliche Botschaft, die Gott uns durch die Bibel \u00fcbermittelt. Von daher d\u00fcrfte Jesus heute die gleichen Probleme mit seinen J\u00fcngern haben wie seinerzeit; Joh 16,12: &#8222;Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr k\u00f6nnt es jetzt nicht ertragen&#8220;. Wobei zu bef\u00fcrchten ist, dass wir heute noch sehr viel weniger ertragen k\u00f6nnen als seinerzeit die Apostel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nochmals, ich wei\u00df nicht, an was f\u00fcr einen Gott Bischof Bohl glaubt. Aber wenn er sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann mu\u00df das ein anderer Gott sein als der, an den ich glaube.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>III. Geist<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 8.<\/b> Einst galt in unserer Kirche &#8222;sola scriptura&#8220;: Die Heilige Schrift ist die letzte, entscheidende Autorit\u00e4t \u00fcber Glaube, Theologie und Kirche. Heute dagegen wird &#8222;scriptura&#8220; durch eine andere Autorit\u00e4t ersetzt. Bischof Bohl begr\u00fcndet dies mit 2Ko 3,6: &#8222;Denn der Buchstabe t\u00f6tet, aber der Geist macht lebendig.&#8220; Er betont: &#8222;Der Geist will vom Buchstaben unterschieden sein&#8220;. Was letztlich bedeutet: Nicht was die Bibel sagt, sei entscheidend f\u00fcr unseren Glauben sondern etwas anderes. Es gelten nicht die Buchstaben, nicht der Wortlaut, nicht &#8222;es steht geschrieben&#8220; &#8211; sondern es z\u00e4hle ein &#8222;Geist&#8220;. Der st\u00fcnde als letzte, entscheidende Autorit\u00e4t \u00fcber Glauben, Theologie und Kirche. Damit wird die Kirche des Wortes zu der Kirche eines Geistes gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders formuliert: F\u00fcr die Reformatoren galt die Bibel als &#8222;norma normans&#8220;. Sie war die Norm, die den Glauben &#8222;normierte&#8220;. An ihr mu\u00dften sich Theologie und kirchliche Ordnungen messen lassen. Die Bibel konnte das leisten, weil sie aus bedruckten Papier besteht; d. h. in ihr sind Normen und Ma\u00dfst\u00e4be festgeschrieben. Heute nun sei ein Geist diese normierende Norm. Der aber ist wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Die Normen und Ma\u00dfst\u00e4be dieses Geistes sind nirgendwo festgeschrieben. Die m\u00fcssen erst in ihn hineingelegt werden. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen die Normen dieses Geistes dann auch aus der Bibel stammen. Doch das m\u00fcssen sie nicht; sie k\u00f6nnen auch aus ganz anderen Quellen kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das allerdings bringt erhebliche Risiken mit sich. Denn in der Bibel wimmelt es von Menschen, die sich auf solch einen Geist beriefen &#8211; und katastrophal daneben lagen. Einst waren es 400 Propheten, die dem K\u00f6nig Ahab Heil und Sieg verk\u00fcndeten im Kampf um Ramot in Gilead. Doch stattdessen starb der K\u00f6nig und die Hunde leckten sein Blut (1K\u00f6 22). Zur Zeit Jeremias predigten die Propheten den Bewohnern Jerusalems: &#8222;Ihr werdet das Schwert nicht sehen und keine Hungersnot bei euch haben, sondern Gott will euch best\u00e4ndigen Frieden geben an diesem Ort.&#8220; (Jer 14,13) Doch stattdessen wurde die Stadt erobert, seine Bewohner starben &#8222;durch Schwert und Hunger&#8220; oder wurden in die &#8222;babylonische Gefangenschaft&#8220; gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in der Geschichte unserer Kirche geschah dies immer wieder. Thomas M\u00fcnzer und die T\u00e4ufer von M\u00fcnster beriefen sich auf einen Geist &#8211; und scheiterten kl\u00e4glich. So gab und gibt es bis heute zahlreiche Sekten, wo Menschen von ganzem Herzen ihren &#8222;Propheten&#8220; folgen, obwohl die &#8222;falsche Offenbarung, nichtige Wahrsagung und ihres Herzens Trug&#8220; predigen (Jer 14,14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb betont die Bibel nachdr\u00fccklich: &#8222;Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeden Geist, sondern pr\u00fcfet die Geister, ob sie von Gott sind, denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt&#8220; (1Jh 4,1). Doch wie kann man denn die Geister pr\u00fcfen? Wie kann ich feststellen, ob dieser Geist, der heute unsere Kirche treibt, tats\u00e4chlich der Geist Gottes ist? Vielleicht ist es auch der Geist der Welt (1Ko 2,12) oder ein L\u00fcgengeist (1K\u00f6 22,22) oder der Geist des Irrtums oder gar der des Antichristen (1Joh 4,6 u. 3)? Immerhin warnte schon Paulus vor &#8222;M\u00e4chtigen und Gewaltigen, n\u00e4mlich die Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, den b\u00f6sen Geistern unter dem Himmel&#8220; (Eph 6,12).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einst wurde Jesus vom Teufel versucht. Seine Antwort lautete stets: &#8222;Es steht geschrieben&#8220;. Jesus hat sich auf den Wortlaut der Bibel berufen. Er hat buchst\u00e4blich auf die Buchstaben gepocht. Dieses Schwert des Geistes d\u00fcrfte auch heute noch die einzige Waffe sein, mit dem die Gemeinde Jesu den Geistern dieser Welt widerstehen und die listigen Anl\u00e4ufe des Teufel abwehren kann. Wenn diese Waffe stumpf wird, bleiben als Abwehrkr\u00e4fte nur noch menschliche Klugheit und guter Wille. Damit wird der Teufel vielleicht im M\u00e4rchen \u00fcberlistet aber nicht in der Realit\u00e4t. Allein der Blick in die Geschichte des letzten Jahrhundert zeigt, wie anf\u00e4llig die aufgekl\u00e4rte Menschheit ist gerade f\u00fcr die Geister, die den Himmel versprechen und die H\u00f6lle bringen. Dieser Blick zeigt auch, dass die evangelische Kirche alles andere als immun ist gegen\u00fcber solchen Geistern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb stellen die Buchstaben der Bibel deutliche Warnschilder neben jede(!) Theologie; z. B. Jer 23,28: &#8222;Ein Prophet der Tr\u00e4ume hat, der erz\u00e4hle Tr\u00e4ume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR.&#8220; Oder Jer 29,8f: &#8222;La\u00dft euch durch die Propheten, die bei euch sind, und durch die Wahrsager nicht betr\u00fcgen, und h\u00f6rt nicht auf die Tr\u00e4ume, die sie tr\u00e4umen! Denn sie weissagen euch L\u00fcge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der HERR.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Kirche, die die Buchstaben der Bibel abwertet, l\u00e4uft Gefahr, geistliches AIDS zu bekommen. Ihr Immunsystem wird geschw\u00e4cht. Sie verliert die F\u00e4higkeit, zu unterscheiden zwischen Weizen und Stroh, zwischen Gottes Wort und Theologen Wort, zwischen Wort des HERRN und den Tr\u00e4umen von Gutmenschen jeder Art. Kurz: sie verliert die F\u00e4higkeit, die Geister zu pr\u00fcfen. Damit steht sie deren Einfl\u00fcsterungen und Angriffen hilflos gegen\u00fcber. Wenn Bischof Bohl also sagt, &#8222;der Geist will vom Buchstaben unterschieden sein&#8220;, dann singt er praktisch das Lied: &#8222;Die T\u00fcr ist hoch, die Tor sind weit, komm doch herein, du Geist der Zeit.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 9.<\/b> Der Bischof beruft sich auf 2Ko 3,6: &#8222;Denn der Buchstabe t\u00f6tet, aber der Geist macht lebendig.&#8220; In meiner Bibel steht als \u00dcberschrift \u00fcber dem gesamten Kapitel &#8222;Die Herrlichkeit des Dienstes am neuen Bund&#8220;. Paulus unterscheidet darin zwischen der Herrlichkeit des alten Bundes und der Herrlichkeit des neuen Bundes, d. h. zwischen Gesetz und Evangelium. Er spitzt diese Unterscheidung zu und bringt sie auf den Punkt: Buchstaben oder Geist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Laie kann ich theologische Feinheiten nicht beurteilen. Dennoch d\u00fcrfte feststehen: Wenn Paulus hier &#8222;Buchstabe&#8220; schreibt, meint er nur bestimmte Buchstaben, n\u00e4mlich das schriftlich fixierte Regelwerk des j\u00fcdischen Gesetzes, die Thora. Und die umfa\u00dft die f\u00fcnf B\u00fccher Mose. (Vielleicht auch das gesamte Alte Testament und sonstige Vorschriften des j\u00fcdischen Glaubens; die theologischen Nachschlagewerke sind sich da nicht ganz einig.) Die Buchstaben des Evangeliums, d. h. die Worte des Neuen Testamentes, z\u00e4hlen auf jeden Fall nicht dazu. Sie werden ausdr\u00fccklich davon ausgenommen. Letztlich d\u00fcrfte Paulus in 2Ko 3,6 unterscheiden zwischen dem Regelwerk der j\u00fcdischen Religion und dem Glauben an Jesus Christus; zwischen dem Gesetz der Thora und dem Evangelium (d. h. dem Gesetz des Geistes in R\u00f6 8,2 sowie dem Gesetz Christi in Gal 6,2). Zugespitzt: Paulus unterscheidet zwischen den Worten des Alten Testamentes und den Worten des Neuen Testamentes, zwischen den Buchstaben des Alten Bundes und den Buchstaben des Neuen Bundes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch diese Unterscheidung trifft der Bischof nicht. Er bezieht das, was Paulus als &#8222;Buchstabe&#8220; bezeichnet, auf die ganze Bibel; d. h. er bewertet alle ihre Buchstaben gleich. Der Bischof unterstellt, auch die Buchstaben des Evangeliums w\u00fcrden t\u00f6ten. Damit aber verf\u00e4lscht er die Aussage des Paulus. Er gibt ihr eine Bedeutung, die sie nicht hat &#8211; um sie als Argument gegen den Wortlaut der Bibel zu verwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Vorgehen sollte man sich gr\u00fcndlich auf der Zunge zergehen lassen: Einst galt &#8222;sola scriptura&#8220;; allein die Schrift, d. h. das in der Bibel mit Buchstaben Geschriebene, sei die Grundlage unseres Glaubens. Heute hei\u00dft es, die Buchstaben, das Geschriebene, die Schrift, w\u00fcrden t\u00f6ten; &#8222;scriptura&#8220; sei gef\u00e4hrlich! Damit stellt die hohe evangelische Geistlichkeit vor der Bibel ein Warnschild auf: &#8222;Achtung Gefahr! Vor der Lekt\u00fcre wird gewarnt! Der Wortsinn dieses Buches kann t\u00f6dlich sein!&#8220; Mit dieser Auslegung von 2Ko 3,6 wird das genaue Gegenteil gesagt von dem, was die Reformatoren wollten. Die evangelische Theologie wird <i>buchst\u00e4blich<\/i> auf den Kopf gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obendrein erinnert dieses Vorgehen an Mt 26,59: &#8222;Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsch Zeugnis wider Jesus.&#8220; Mit \u00e4hnlichem falsch Zeugnis beschw\u00f6ren heute Theologen und hohe Geistlichkeit einen Geist, von dem sie behaupten, er k\u00f6nne uns &#8222;in alle Wahrheit leiten&#8220;? Und den stellen sie \u00fcber die Buchstaben der Bibel, damit der &#8211; letztlich &#8211; die Heilige Schrift kontrolliert und kritisiert und korrigiert? Sie rufen mit ihrem falsch Zeugnis einen Geist, der &#8211; letztlich &#8211; entscheiden kann, was Gottes Wort (und damit Gott selber!) sagen darf und was nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Geist der Theologen unterscheidet sich erheblich von dem Heiligen Geist in der Bibel. Denn dort steht in Joh 3,8: &#8222;Der Wind bl\u00e4st, wo er will und du h\u00f6rst sein Sausen wohl; aber du wei\u00dft nicht, woher er kommt und wohin er f\u00e4hrt. So ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.&#8220; Bei dem Geist, auf den die heutige Theologie sich beruft, wei\u00df man sehr wohl, woher er kommt und wohin er f\u00e4hrt. Denn er sagt &#8211; welch Zufall! &#8211; immer genau das, was der Theologe h\u00f6ren will. Dieser Geist erinnert weniger an den Wind als vielmehr an einen elektrischen F\u00f6hn. Man kann ihn nach Belieben ein- und ausschalten; und wenn er denn an ist, pustet er genau da, wo der Theologe es m\u00f6chte. Oder er weht genau in die Richtung, in die die kirchliche Obrigkeit das Kirchenschiff zu steuern gedenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einst konnte der Geist Gottes f\u00fcr sich selber sprechen &#8211; und zwar durch die Buchstaben der Bibel. Die waren sein Werkzeug. Durch sie hat er das Leben spendende Worte Gottes zu den Menschen gebracht. Jesus sagt: \u201eDie Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben\u201c (Joh 6,63). Diese Worte wurden mit Buchstaben festgeschrieben. \u00a0Doch die z\u00e4hlen heute nicht mehr: &#8222;Der Geist will vom Buchstaben unterschieden sein&#8220;, sagt der Bischof. Der Geist, der die Kirchenleitung treibt, will von den Worten Jesu unterschieden sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ende vom Lied: Diese Theologie hat dem Geist Gottes das Werkzeug, die Stimme, die Worte genommen. Daf\u00fcr hat sie ihm andere Werkzeuge gegeben, n\u00e4mlich den kritischen Verstand bzw. die pers\u00f6nliche Meinung des Theologen. Was der f\u00fcr gut und richtig befindet, das gilt heute als vom Geist Gottes gebilligt; was dem Theologen nicht zusagt, sei es eben nicht. Dadurch darf der Heilige Geist heute nur noch durch die Theologen sprechen &#8211; dass er auch einmal eine eigene Meinung \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnte, ist praktisch ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Bischof Bohl sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann \u00fcberantwortet er auch den Geist Gottes in die H\u00e4nde der Menschen. Die k\u00f6nnen ihm nun vorschreiben, was er lebendig machen darf und was nicht. Oder richtiger: er macht den Heiligen Geist zu einer variablen Gr\u00f6\u00dfe in theologischen Gleichungen, zur Rechtfertigung f\u00fcr Beliebigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>IV. Kirche <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 10<\/b>. Zu allen Zeiten und vermutlich in allen Religionen gab es &#8222;spirituelle Spezialisten&#8220;. Die standen zwischen Gott und den einfachen Menschen. Sei es der Schamane im Urwald, sei es der katholische Priester in einer Kathedrale &#8211; sie alle berufen sich auf besondere religi\u00f6se F\u00e4higkeiten, die sie aus der Masse der Menschen herausheben. Dagegen ist Luther aufgestanden und hat betont, vor Gott sind alle gleich! Egal ob Papst oder Priester oder M\u00f6nch oder Bauer oder Handwerker oder Hausfrau &#8211; unser aller allt\u00e4gliches Leben kann ein Gottesdienst sein und ist, wenn es im Glauben geschieht, vor Gott wertvoll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn aber der Wortlaut der Bibel eine Sache ist und das Wort Gottes eine andere, dann w\u00e4re dieser Grundpfeiler der Reformation zerst\u00f6rt. Denn wir Bauern, Handwerker, Hausfrauen usw. k\u00f6nnten dann nicht wissen, was Gott uns sagen will. Es brauchte Spezialisten mit besonderen F\u00e4higkeiten, die uns einfachen, dummen Christenmenschen erkl\u00e4ren, was Gottes Wort ist bzw. was Gott uns zu sagen hat. Wir Laien w\u00e4ren abh\u00e4ngig von Priestern und Schriftgelehrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese religi\u00f6sen Spezialisten m\u00fc\u00dften dann z. B. Gottes Wort vom Menschenwort in der Bibel trennen.\u00a0 Sie w\u00fcrden entscheiden, was in der Bibel als Gottes Wort gelten darf und was nicht. Sie w\u00e4ren eine Instanz bzw. eine Autorit\u00e4t, die \u00fcber der Schrift st\u00fcnde, sie kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert; eine Autorit\u00e4t die festlegt, was Gott sagt und was nicht bzw. was Gott meint, auch wenn in der Bibel etwas anderes steht. Im normalen Leben nennt man solch eine Instanz Vormund und in der Kirche hei\u00dft sie Lehramt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solches hat tats\u00e4chlich viele Jahrhunderte lang \u00fcber den Glauben der Christenheit geherrscht, zumindest in dem Teil Europas, der r\u00f6misch-katholisch war. Doch dann kam Luther und stellte klar: Auch P\u00e4pste und Konzilien k\u00f6nnen irren. Deshalb darf kein Lehramt sondern allein die Bibel festlegen, was wir glauben k\u00f6nnen und was nicht. Auf diesem Fundament, &#8222;sola scriptura&#8220;, wurde vor 500 Jahren unsere evangelische Kirche errichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch in der hat mittlerweile ein erneuter Umbruch stattgefunden. Eine gro\u00dfe Mehrheit der evangelischen Theologen ist halt zu der \u00dcberzeugung gekommen, der Wortlaut der Bibel sei wenig glaubhaft, unzuverl\u00e4ssig und sogar gef\u00e4hrlich &#8211; denn immerhin, so betonen sie, die Buchstaben der Bibel t\u00f6ten! Um diese Probleme zu beheben, wurde das &#8222;Wort Gottes&#8220; von den Buchstaben der Bibel losgel\u00f6st und in das Ermessen der Theologen gestellt; d. h. die Heilige Schrift wurde erneut entm\u00fcndigt. Zur Abwechslung wurde nun ein evangelisches Lehramt etabliert, das die Buchstaben der Bibel kontrolliert. Dieser evangelische Vormund tr\u00e4gt den Namen &#8222;historisch kritische Methode&#8220;: allein der (kritische!) Theologe entscheidet, was Gottes Wort ist und was nicht, was in unserer Kirche als richtig und als falsch, als Wahrheit und als L\u00fcge gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist die evangelische Kirche wieder in den Zustand vor der Reformation zur\u00fcckgefallen. Der Unterschied ist nur: das katholische Lehramt ist \u00fcber Jahrhunderte gewachsen. Es ist geordnet und berechenbar. Da kann jeder wissen, woran er ist. Das Lehramt in der evangelischen Kirche besteht aus dem ungeordneten Nebeneinander zahlreicher Professoren, deren Lehren eher zuf\u00e4llig aus dem jeweils herrschenden Zeitgeist erwachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohlgemerkt: Es hei\u00dft, der gr\u00f6\u00dfte Erfolg des Teufels sei, die Menschen davon \u00fcberzeugt zu haben, dass es ihn nicht g\u00e4be. \u00c4hnlich geh\u00f6rt zum Wesen des evangelischen Lehramtes die Behauptung, es existiere gar nicht. Wer sich aber ein wenig mit der ev. Kirche bzw. deren Theologie besch\u00e4ftigt, der begegnet ihm auf Schritt und Tritt. In ihren geistlich-theologischen Strukturen sind die Protestanten heute kaum mehr als eine katholische Sekte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies belegt z. B. Bischof Bohl, wenn er sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;. Damit entm\u00fcndigt er die Bibel und zerst\u00f6rt so das geistliche Fundament unserer Kirche: das Priestertum aller Gl\u00e4ubigen. An dessen Stelle setzt er die Dominanz der Fachtheologie, eben das evangelische Lehramt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 11.<\/b> Das evangelische Kirchenverst\u00e4ndnis tendiert &#8211; zumindest in der Theorie &#8211; in die Richtung: &#8222;Alle Macht geht von der Gemeinde aus.&#8220; Denn die beauftrage, sprich: ordiniert, Pfarrer, Bisch\u00f6fe usw., damit diese Theologie sachgerecht aus\u00fcben. Daher seien Pfarrer, Bisch\u00f6fe usw. der Gemeinde zur Rechenschaft verpflichtet. In diesem Zusammenhang wird gerne Luther zitiert, wonach &#8222;eine christliche Versammlung oder Gemeinde Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen&#8220;. (Der Schlu\u00df des Zitates wird geflissentlich weggelassen: &#8222;&#8230; und Lehrer zu berufen, ein und abzusetzen.&#8220;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Praxis sieht wie \u00fcblich anders aus. Es fragt sich, ob Theologen und hohe Geistlichkeit jemals bereit waren, sich von der Gemeinde in die Karten schauen zu lassen. Doch selbst wenn, wie k\u00f6nnte das denn geschehen? Um &#8222;alle Lehre zu beurteilen&#8220;, braucht die Gemeinde einen Ma\u00dfstab, mit dem sie die theologische Lehre messen und bewerten kann. Wenn Theologen aber behaupten, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann schlagen sie der Gemeinde diesen Ma\u00dfstab aus der Hand. &#8222;Der Geist&#8220;, &#8222;die Mitte der Schrift&#8220;, &#8222;was Christum treibet&#8220; und all diese g\u00fcldenen L\u00f6ffelchen sind viel zu ungenau und deshalb unbrauchbar. Mit diesen schwammigen Allgemeinpl\u00e4tzen entziehen sich Theologen jeder Kontrolle. Denn wie k\u00f6nnte ein fachfremder Laie die verworrenen Lehren der &#8222;wissenschaftlichen Theologie&#8220; beurteilen &#8211; es sei denn, er mi\u00dft sie am Wortlaut der Schrift?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der badische Bischof U. Fischer kritisierte vor der dortigen Landessynode &#8222;blo\u00dfes Rezitieren und Reklamieren&#8220; von Bibelversen sowie einen &#8222;naiven Biblizismus&#8220;, der das Wort Gottes mit den Worten der Bibel gleichsetze. &#8222;Vielmehr lasse sich in einem mehrstufigen Verfahren aus theologischen, historischen und soziologischen Einsichten ein ethisches Urteil gewinnen, &#8218;dass beanspruchen kann, an dem aus der Bibel zu uns sprechenden Wort Gottes orientiert zu sein'&#8220;.<sup>(13)<\/sup> In solchen Aussagen schwingt un\u00fcberh\u00f6rbar der feine Unterton: &#8222;Laien haben keine Ahnung. Deshalb sollten sie den Mund halten und die Theologie den Theologen \u00fcberlassen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Haltung ist aktuell sehr gut zu beobachten. Die Leitung der s\u00e4chsischen Landeskirche hat die T\u00fcren ihrer Pfarrh\u00e4user der Homo-Ehe weit ge\u00f6ffnet. (Die diesbez\u00fcglichen Bedingungen d\u00fcrften in der Praxis kaum von Bedeutung sein.) Ca. 120 Kirchenvorst\u00e4nde hatten gebeten, dies nicht zu tun. Sie wurden ignoriert. Ihr Argument &#8222;Aber in der Bibel steht doch &#8230;&#8220; konnte Kirchenleitung und Synode nicht umstimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine entsprechende Arbeitsgruppe hatte zwar in ihrem Abschlu\u00dfbericht einstimmig festgehalten, &#8222;dass die im Alten Testament beschriebenen homosexuellen Handlungen durchweg negativ als gottwidriges und sch\u00f6pfungswidriges Verhalten von M\u00e4nnern beurteilt werden&#8220; und &#8222;Im Neuen Testament gibt es ebenfalls keine positiven Aussagen zur Homosexualit\u00e4t&#8220;&#8220;. Dennoch kam die Mehrheit der dort versammelten Theologen zu dem Ergebnis: &#8222;Auch die gelebte Homosexualit\u00e4t untersteht dem Liebesgebot und somit dem Anspruch und Zuspruch Gottes&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen solch geballten Sachverstand standen die 120 Gemeinden auf verlorenem Posten. Sie hatten weder das Recht noch die Macht, die Lehre in der Landeskirche zu beurteilen. Wenn Bischof Bohl also sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, entm\u00fcndigt er nicht nur die Heilige Schrift sondern auch die Gemeinden. Und er macht die evangelische Kirche zur Theologenkirche. Die k\u00f6nnen dann tun und lassen, was sie wollen &#8211; kein Mensch kann sie daran hindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zu These 12.<\/b> In der Beziehung zwischen Jesus und seiner religi\u00f6sen Obrigkeit spiegelte sich in der Tat die Spannung zwischen Evangelium und Gesetz, die Spannung zwischen dem Geist, der lebendig macht, und dem Buchstaben, der t\u00f6tet. Dennoch wurden Schriftgelehrte und Hohenpriester von noch ganz anderen Motiven getrieben; z. B. Joh 11,48: &#8222;Lassen wir Jesus gew\u00e4hren, dann werden sie alle an ihn glauben, und es kommen die R\u00f6mer und nehmen uns Land und Leute&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies d\u00fcrfte heute nicht anders sein. Religi\u00f6se Organisationen schielen nach Einflu\u00df auf &#8222;Land und Leute&#8220;. Folglich neigen Kirchenleitungen dazu, dieses Streben bei ihren Entscheidungen zu ber\u00fccksichtigen. Was mitunter fatale Folgen haben kann: Vor 80 Jahren nahm die evangelische Kirche eine tiefbraune Farbe an. Viele Kirchenf\u00fchrer wandelten sich in stramme &#8222;Deutsche Christen&#8220; und einige Landeskirchen (darunter die s\u00e4chsische) finanzierten in Eisenach das &#8222;Institut zur Erforschung und Beseitigung des j\u00fcdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben&#8220; (kurz: &#8222;Entjudungs-Institut&#8220;). Und nur wenige Jahre sp\u00e4ter zierte die Landeskirchen in der DDR ein r\u00f6tlicher Anstrich. U. a. warben im gesamten Ostblock die &#8222;Kirchen im Sozialismus&#8220; f\u00fcr dessen sozialistischen Propaganda-Weltfrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute nun singen Politik und Gesellschaft das Hohelied der Homosexualit\u00e4t. Und prompt stimmt ev. Kirche kr\u00e4ftig ein. Die Kirchenleitungen singen mit der Welt im Chor und begr\u00fcnden dies mit dem &#8222;H\u00f6ren auf die Schrift&#8220; Es tut mir leid, aber auch hier werde ich mi\u00dftrauisch: Dreht sich der aktuelle Streit wirklich um unser Schriftverst\u00e4ndnis &#8211; oder geht es eher um unser Weltverst\u00e4ndnis? Folgt unsere Kirche tats\u00e4chlich Gott und seiner Wahrheit &#8211; oder ihrem Streben nach Einflu\u00df auf &#8222;Land und Leute&#8220;?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die alten R\u00f6mer waren ein tolerantes Volk. Jeder konnte denken und glauben, was er wollte &#8211; vorausgesetzt er unterwarf sich der der offiziellen Staats-Ideologie und akzeptierte den Kaiser als gott\u00e4hnliches Wesen. Diese Unterwerfung geschah in Form eines kleinen Opfers auf einem entsprechenden Altar. Wer das darbrachte, z\u00e4hlte als guter R\u00f6mer; wer es verweigerte, galt als Staatsfeind und riskierte u. U. Kopf und Kragen. In der DDR hatten die Wahlen, Jugendweihe usw. eine \u00e4hnliche Funktion. Wer da hinging, verneigt sich gewisserma\u00dfen vor der der sozialistischen Ideologie und galt als guter Staatsb\u00fcrger. Wer das nicht tat, konnte sich u. U. erheblichen \u00c4rger einhandeln. Heute opfern Politik und Medien auf dem Altar der &#8222;political correctness&#8220;. Wer da mitspielt, z\u00e4hlt als guter Demokrat. Wer sich dieser Ideologie verweigert, wird u. U. heftig angefeindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Barmer Erkl\u00e4rung von 1934 hei\u00dft es (3): &#8222;Wir verwerfen die falsche Lehre, als d\u00fcrfe die Kirche ihre Botschaft und ihre Ordnungen ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugungen \u00fcberlassen.&#8220;<sup>(14)<\/sup> In genau dieser Spannung standen Christen und Kirche zu allen Zeiten: Gehorchen wir dem erste Gebot oder akzeptieren wir, dass &#8222;andere G\u00f6tter&#8220; uns beherrschen? Ist allein Christus unser Herr, oder dulden wir noch andere Herren \u00fcber uns? Stehen wir zu unserem Glauben oder unterwerfen wir uns anderen Ideologien?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im alten Rom haben viele Christen das Kaiseropfer verweigert &#8211; und daf\u00fcr u. U. mit ihrem Leben bezahlt. Aber es gab auch Christen, die dieses Opfer dargebracht haben. Im Dritten Reich haben viele Christen den Nazis Widerstand geleistet. Aber eine ungleich gr\u00f6\u00dfere Zahl hat sich, wie die meisten Landeskirchen, deren Ideologie unterworfen. In der DDR haben viele Christen eine klare Haltung vertreten. Dennoch war es eine weit verbreitete Praxis, zun\u00e4chst zur Jugendweihe zu gehen und ein Jahr sp\u00e4ter zur Konfirmation. Auch wurde die Staatsn\u00e4he und Stasi-Verstrickung der ev. Landeskirchen nicht wirklich aufgearbeitet. Heute entz\u00fcndet sich dieser Konflikt u. a. am Thema &#8222;Homosexualit\u00e4t&#8220;: Beziehen Christen und Kirchen eine eigene, unabh\u00e4ngige Position, die sich an der Bibel (und unabh\u00e4ngiger Wissenschaft) orientiert &#8211; oder knicken sie ein und unterwerfen sich den Forderungen der Ideologie, die derzeit Politik und Gesellschaft dominiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Thema ist sehr sensibel. Man sollte sich vor leichtfertigen Urteilen oder gar Verurteilungen h\u00fcten. Unser Gott ist gn\u00e4dig und barmherzig; bei ihm ist viel Vergebung. Er wird niemanden verurteilen, nur weil er oder sie unter dem Druck der Umst\u00e4nde einmal eine falsche Entscheidung getroffen hat. Dennoch steht hinter diesen Fragen ein gro\u00dfer Ernst: &#8222;Wer mich bekennt vor den Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will auch ich verleugnen vor meinem himmlischen Vater.&#8220; (Mt 10,32f) Wer Christ ist und zu seinem Glauben steht, mu\u00dfte zu allen Zeiten Schwierigkeiten in Kauf nehmen; Joh 15,19: &#8222;W\u00e4ret ihr von der Welt, so h\u00e4tte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erw\u00e4hlt habe, darum ha\u00dft euch die Welt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen und ihre Kirche stehen grunds\u00e4tzlich immer vor der Entscheidung: Stehen wir zu unserem Gott und seiner Wahrheit und nehmen den damit verbundenen \u00c4rger in Kauf &#8211; oder gehen wir diesem \u00c4rger aus dem Weg, indem wir &#8222;der Welt&#8220; das geben, was sie von uns fordert. Dies ist oft genug weder eine einfache noch eine leichte Entscheidung! Eines aber ist sicher: Wenn eine Kirche das Wort Gottes von den Buchstaben der Bibel losl\u00f6st und es &#8222;dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugen&#8220; anpa\u00dft, dann sollte sie sich der Warnung des Jakobus bewu\u00dft sein; Jak 4,4: &#8222;Wi\u00dft ihr nicht, da\u00df Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen &#8222;absolut reinem Glauben&#8220; und v\u00f6lliger Anpassung liegt ein unendlich weites Feld. Dennoch, wenn Bischof Bohl sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann schickt er seine Kirche auf einen Weg, auf dem sie Gefahr l\u00e4uft, sich Gott zum Feind zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Nachwort 1: <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Bericht der Kirchenleitung an die Landessynode im Herbst 2012 findet sich fast ganz am Schlu\u00df ein Zitat von M. Buber (gek\u00fcrzt): &#8222;Die wahre Gemeinde entsteht &#8230; da\u00df sie alle zu einer lebendigen Mitte in lebendiger gegenseitiger Beziehung stehen &#8230; der Baumeister ist die lebendig wirkende Mitte&#8220;.<sup>(15)<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau das ist der entscheidende Punkt! Und genau das ist die entscheidende Frage: Was ist denn diese &#8222;lebendig wirkende Mitte&#8220;, die unsere Kirche zu einer &#8222;wahren Gemeinde&#8220; macht? Anders ausgedr\u00fcckt: Dreht sich der Streit, der derzeit die s\u00e4chsischen Gem\u00fcter aufw\u00fchlt, nur um Randfragen des Glaubens? Oder geht es da um viel, viel mehr &#8211; n\u00e4mlich um genau diese &#8222;lebendig wirkende Mitte&#8220;? Sind die s\u00e4chsischen Gem\u00fcter in den entscheidenden Fragen des Glaubens noch immer ein Herz und eine Seele? Oder ist der Streit um die Homosexualit\u00e4t nur ein Symptom daf\u00fcr, dass unsere Kirche in ihrem tiefsten Inneren bereits zerrissen und gespalten ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Bischof Bohl sagt, &#8222;wir setzen nicht das Wort Gottes mit den Buchstaben der Bibel in eins&#8220;, dann teilt er unsere Kirche in (mindestens) zwei Lager: A) sind diejenigen, die anderer Meinung sind; diejenigen, f\u00fcr die die Bibel Gottes Wort ist, deren Glaube an den Wortlaut, an die Buchstaben der Heiligen Schrift gebunden ist. Lager B) sind diejenigen, die die Meinung des Bischofs teilen; die den Wortlaut der Bibel kritisieren und ihren Glauben an die Auslegung, an die &#8222;Interpretation&#8220; der Bibel h\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz: F\u00fcr A) ist das Wort Gottes festgeschrieben; f\u00fcr B) ist es ver\u00e4nderlich. A) sucht es in Schrift; B) sucht es im Hirn des Theologen. Aus dieser unterschiedlichen Weichenstellung heraus, entwickeln sich halt unterschiedliche theologische Positionen. Diese m\u00f6gen sich \u00e4u\u00dferlich \u00e4hneln, in der Sache aber haben sie wenig gemein. Die Folge davon ist eine Kirche, die auswendig wie eine Einheit wirkt, inwendig aber bereits zerbrochen ist &#8211; eben weil sie kein alle verbindendes &#8222;Wort Gottes&#8220; mehr besitzt und damit die &#8222;lebendig wirkende Mitte&#8220; verloren hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von daher stellt sich zwangsl\u00e4ufig die Frage: Wenn das Fehlen eines gemeinsamen Fundamentes und daraus folgend das Fehlen einer gemeinsamen Theologie und eines gemeinsamen Glaubens nicht den &#8222;status confessionis&#8220; ausl\u00f6st &#8211; WAS DANN ? ? ?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Nachwort 2<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 13. Kapitel der Offenbarung ist zun\u00e4chst die Rede von einem Tier, dem Macht gegeben wurde, &#8222;zu k\u00e4mpfen mit den Heiligen und sie zu \u00fcberwinden&#8220;. Danach wird ein zweites Tier beschrieben, das &#8222;verf\u00fchrt die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun &#8230; ihm Macht gegeben ist&#8220;. Seit es Christen und ihre Kirche gibt, sind sie diesen beiden Gefahren ausgesetzt: Bedrohung und Verf\u00fchrung. Auch heute werden Christen in vielen L\u00e4ndern bedroht; sie werden mit allen erdenklichen Mitteln unter Druck gesetzt. In Europa ist dieser Druck derzeit noch relativ gering. Daf\u00fcr ergie\u00dfen sich ganze Fluten von Verf\u00fchrung \u00fcber die Christenheit und ihre Kirchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um diesen Fluten widerstehen zu k\u00f6nnen, braucht unsere Kirche Christen, die ihre Bibel kennen; die sie tagt\u00e4glich lesen &#8211; vorw\u00e4rts, r\u00fcckw\u00e4rts, kreuz und quer; Menschen, die die Buchstaben der Heiligen Schrift regelrecht essen: &#8222;Dein Wort ward meine Speise&#8220;, schreibt Jeremia, &#8222;dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost.&#8220; (Jer 15,16) Sie braucht Christen, die Gottes Gebot w\u00f6rtlich und buchstabengetreu befolgen; Jos 1,8: &#8222;La\u00df das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, da\u00df du h\u00e4ltst und tust in allen Dingen, nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und sie braucht die Hilfe des echten, des tats\u00e4chlichen &#8222;Heiligen Geistes&#8220;. Der m\u00f6ge solchen Christen die F\u00e4higkeit schenken, die Geister zu unterscheiden, die unsere Kirche in alle nur denkbaren theologischen Himmelsrichtungen auseinander treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn unsere Kirche Zukunft haben will, braucht sie eine Theologie, die unter Schmerzen gelernt hat: Die Geister t\u00f6ten, aber die Buchstaben machen lebendig. M\u00f6ge Gott uns wieder solche Theologen erwecken!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"right\"><em>Andreas Rau<\/em><br \/>\n<em> <a href=\"mailto:rau@DerLaie.com\">rau@DerLaie.com<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/derlaie.com\">www.DerLaie.com<br \/>\n<\/a>Tel.: 03904 461485<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Quellenangaben<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(1) \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.evlks.de\/publikationen\/texte\/20337.html\">http:\/\/www.evlks.de\/publikationen\/texte\/20337.html<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(2)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.evlks.de\/doc\/Vorlage_50_Bericht_des_Landesbischofs.pdf<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(3)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kirchenpr\u00e4sident P. Steinacker, &#8222;zeitzeichen&#8220; 11\/2005 S. 39<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(4)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 z. B. in &#8222;Ist Jesus dem Glauben im Weg?&#8220;; Interview mit Prof. Andreas Lindemann, Bethel; DER SPIEGEL 50\/1999, Seite 130 ff.; <b>\u00a0\u00a0<\/b>http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-15239644.html<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(5)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Der Sonntag&#8220; 10\/2013, Leserbrief von G. Wizisla, Falkensee<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(6)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kirchenpr\u00e4sident Steinacker; &#8222;zeitzeichen&#8220; 11\/2005 S. 40<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(7)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Prof. E. J\u00fcngel; &#8222;ideaSpektrum&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(8)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Der Sonntag&#8220; 5\/2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(9)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;ideaSpektrum&#8220; 36\/2012<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(10)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/ekd-sprecher-zu-kirchensteuer-urteil-wir-laden-sie-trotzdem-immer-wieder-ein-1.1479430<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(11)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Pastor@lbrief vom 27. 02. 2012<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(12)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Prof. W. H\u00e4rle, &#8222;Dogmatik&#8220; S. 136f<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(13)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/p18860.typo3server.info\/nachrichten\/detailartikel\/artikel\/bischof-warnt-vor-irrwegen-bei-der-bibelauslegung.html\">http:\/\/p18860.typo3server.info\/nachrichten\/detailartikel\/artikel\/bischof-warnt-vor-irrwegen-bei-der-bibelauslegung.html<\/a>\u00a0 Zitiert nach ideaSpektrum<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(14)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Evangelisches Gesangbuch Nr. 810<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(15)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.evlks.de\/doc\/Vorlage_49_Bericht_der_Kirchenleitung.pdf<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(16)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Geistliches Wort zum Auftakt des Gespr\u00e4chsprozesses \u2026&#8220; <a href=\"http:\/\/www.evlks.de\/doc\/Geistliches_Wort_des_Landesbischofs_zum_Gespraechsprozess.pdf\">http:\/\/www.evlks.de\/doc\/Geistliches_Wort_des_Landesbischofs_zum_Gespraechsprozess.pdf<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der s\u00e4chsischen Landeskirche findet ein Gespr\u00e4chsproze\u00df statt. Der wird organisiert von einer &#8222;Steuerungsgruppe&#8220;. Die ist sich einig, &#8222;dass der Gespr\u00e4chsproze\u00df in der Breite stattfinden muss und nicht nur in Klausurtagungen der Pfarrerschaft&#8220;. Es ginge darum, &#8222;die Basis der Gemeinden zu erreichen.&#8220; Das ermutigt mich, meine Gedanken in diesen Gespr\u00e4chsproze\u00df mit einzubringen. Zumindest m\u00f6chte ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":37,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9379"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/37"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9379"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9379\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9384,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9379\/revisions\/9384"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9379"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9379"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9379"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}