{"id":9350,"date":"2013-04-24T09:00:10","date_gmt":"2013-04-24T07:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9350"},"modified":"2013-06-20T11:01:29","modified_gmt":"2013-06-20T09:01:29","slug":"ist-gott-ein-launisch-boshafter-tyrann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9350","title":{"rendered":"Ist Gott ein &#8222;launisch-boshafter Tyrann&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Biblische Gewalttexte verstehen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>1\u00a0 Gewalttexte als Stolpersteine <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vertreter des Atheismus berufen sich immer wieder auf die Gewalttexte der Bibel als Beleg f\u00fcr die Richtigkeit ihres atheistischen Weltbildes und ihrer ablehnenden Haltung gegen\u00fcber Gott. So verweist Richard Dawkins auf verschiedene alttestamentliche Texte und meint dann, Gott sei ein &#8222;rachs\u00fcchtiger, blutr\u00fcnstiger ethnischer S\u00e4uberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und V\u00f6lker mordender, \u2026 gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.&#8220;<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Doch auch f\u00fcr viele Christen sind Gewalttexte regelrechte Stolpersteine. Man stolpert dar\u00fcber in der t\u00e4glichen Bibellese oder sie erweisen sich als Hindernisse im evangelistischen Gespr\u00e4ch.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2\u00a0 Holzwege<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Holzwege werden eingeschlagen, um das Problem der biblischen Gewalttexte in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) <i>Ignorieren<\/i>: Anst\u00f6\u00dfige Bibelstellen werden ignoriert. Der Bibelleser konzentriert sich auf die erbaulichen Bibelstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) <i>Scheidung von Altem und Neuem Testament<\/i>: Der Bibelleser meint, im Alten Testament begegne uns ein anderer, ein zorniger und gewaltt\u00e4tiger Gott, w\u00e4hrend uns im Neuen Testament der Gott der Liebe begegne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) <i>Entsch\u00e4rfung durch Mythologisierung<\/i>: Die Gewalttexte seien unhistorisch, die Gewalt sei nur ein Stilmittel dieser Texte. Wer Gewalttexte als historisch einstuft, gilt als latent gewaltbereit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3\u00a0 Wie wir Gewalttexte richtig verstehen k\u00f6nnen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.1\u00a0 Gewalt muss differenziert betrachtet werden<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst muss gefragt werden, um welche Form von Gewalt es sich in einer Bibelstelle handelt. Es muss unterschieden werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) Gewalt, die beschrieben und verurteilt wird (1 Mose 4,1ff).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Gewalt, die in der mosaischen Strafgesetzgebung angeordnet wird (3 Mose 24,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) Gewalt in Angriffskriegen gegen Israel (2 K\u00f6n 24-25).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.) Gewalt in den von Gott verordneten &#8222;Kriegen des Herrn&#8220; (5 Mose 20,16-18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5.) Gewalt, die von Gott angeordnet oder ausge\u00fcbt wird, um S\u00fcnde und Ungehorsam strafgerichtlich zu ahnden (1 Mose 19).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6.) Gewalt, die sich einer einfachen Zuordnung entzieht (Richter 11; Ps 137,9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es darf bei Gewalttexten nie vergessen werden, dass Gewalt auch aus humanistischer Sicht durchaus legitim sein kann (z. B. der Kriegseintritt der USA in den 2. Weltkrieg) und dass die Beurteilung von Gewalt dem Zeitgeist unterliegt. So war die Abtreibung ungeborener Kinder in Europa \u00fcber Jahrtausende ge\u00e4chtet, w\u00e4hrend heute die j\u00e4hrliche T\u00f6tung von 130.000 Kindern allein in Deutschland als Menschenrecht ausgegeben wird.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.2\u00a0 Gewalt im heilsgeschichtlichen Gesamtzusammenhang<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>1.) Gewalt zwischen Sch\u00f6pfung und Vollendung<\/i>:<i> <\/i>Die Bibel beschreibt die urspr\u00fcngliche Sch\u00f6pfung Gottes als &#8222;sehr gut&#8220; (1 Mose 1,31). Gott schuf eine gewaltfreie Welt ohne Leid, ohne Krieg, ohne Schmerzen und ohne Tod. Der Mensch hat diese Ursprungabsicht Gottes durchkreuzt. Doch Gott wird sein Ziel erreichen. Er wird eine Vollendungswelt erschaffen, in der Gerechtigkeit wohnt (2 Petr 3,13) und in der es &#8222;weder Tod, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz geben wird&#8220; (Offb 21,4). Gewalt findet nur zwischen den beiden heilsgeschichtlichen Polen Sch\u00f6pfung und Vollendung statt. Sie ist ein Fremdk\u00f6rper im Heilsplan Gottes und muss als ein vor\u00fcbergehender Zustand eingeordnet werden, der dem Wesen Gottes fremd ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>2.) Gewalt als Folge des S\u00fcndenfall<\/i>s: Im Paradies diente die Todesstrafe zur Best\u00e4tigung des Gebotes Gottes, um den eigentlich unsterblichen Menschen vor dem Ungehorsam zu sch\u00fctzen (1 Mose 2,16.17). Seit der \u00dcbertretung des Gebotes ist die Menschheit der Gewalt des Todes preisgegeben (R\u00f6m 5,12). Die Wurzel aller Gewalt liegt im H\u00f6ren auf die Stimme Satans und in der Nicht-Beachtung des sch\u00fctzenden Gebotes Gottes im Paradies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.3\u00a0 Gewalt als Mittel zur Wiederherstellung des Friedens<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Augustinus begr\u00fcndete in seinem Buch De Civitate Die (Vom Gottesstaat) das F\u00fchren gerechter Kriege. Ein gerechter Krieg k\u00f6nne demnach gef\u00fchrt werden, wenn eine gravierende Verletzung oder Bedrohung der Rechtsordnung (causa iusta) vorliege, der Krieg dem Frieden diene und diesen wiederherstellen solle (iustus finis). Er m\u00fcsse zudem von einer dazu legitimierten Autorit\u00e4t angeordnet werden (legitima auctoritas).<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Diese These vom gerechten Krieg kann uns helfen, das Aus\u00fcben von Gewalt durch Gott zu verstehen. Gott ist als Sch\u00f6pfer und Weltherrscher dazu legitimiert, Gewalt auszu\u00fcben, um eine schwerwiegende Bedrohung oder Verletzung der von ihm gesetzten Rechtsordnung zu verhindern und den Weltfrieden wiederherzustellen. Ausdr\u00fccklich war z. B. die Vernichtung der vorsintflutlichen Menschheit eine Reaktion Gottes auf eine verdorbene Menschheit, die in Chaos, Bosheit und Gewalttat versank. (1 Mose 6,11-13). Gottes Sintflutgericht diente der Eind\u00e4mmung der Gewalt, stellte vor\u00fcbergehend den Weltfrieden wieder her und garantierte so den Nachkommen Noahs vorerst eine zun\u00e4chst relativ gewaltfreie Lebensumwelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.4\u00a0 Gewalt als Mittel zur Gewaltpr\u00e4vention<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Bibel wird Gewalt als Mittel zur Gewaltverhinderung eingesetzt. Auf Mord stand im Alten Bund die Todesstrafe (1 Mose 9,6) und andere Straftaten unterlagen dem sogenannten Talionsrecht (2 Mose 21,23-.25), bei dem &#8222;Auge um Auge&#8220; und &#8222;Zahn um Zahn&#8220; gefordert wurde. Durch das hohe Strafma\u00df wurde die Allgemeinheit gesch\u00fctzt, denn ein potentieller T\u00e4ter wusste, dass er sein Leben verwirkt hatte (Generalpr\u00e4vention). Zudem verhinderte der Vollzug der Todesstrafe, das Begehen einer weiteren Straftat durch denselben T\u00e4ter (Spezialpr\u00e4vention).<a title=\"\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Auch andere Vergehen wie die Sabbatsch\u00e4ndung, das Verfluchen der Eltern, Vergewaltigung, Unzucht in nahen Verwandtschaftsverh\u00e4ltnissen, homosexuelle Praxis oder Sodomie wurden unter Todesstrafe gestellt, um zu verhindern, dass Gottlosigkeit, sexuelle Verwahrlosung und Gewalt sich im Volk ausbreiteten, denn Israel sollte ein heiliges Volk sein. Der Vollzug der Strafen lag in der Hand der Obrigkeit. Somit war die Gewalt entprivatisiert, was Selbstjustiz und Blutrache verhinderte. Durch die schriftliche Fixierung in einem Gesetzbuch herrschte Rechtssicherheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.5\u00a0 Gewalt und die &#8222;Kriege des Herrn&#8220;<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein heilsgeschichtlicher Spezialfall sind die sogenannten &#8222;Kriege des Herrn&#8220;. Sie galten den sieben kanaanitischen V\u00f6lkern, die im Land Kanaan siedelten (5 Mose 7,1). Israel sollte diese V\u00f6lker im Auftrag Gottes kriegerisch bek\u00e4mpfen und &#8222;an ihnen den Bann vollstrecken&#8220;, was die T\u00f6tung von M\u00e4nnern, Frauen, Kindern und allen Tieren beinhaltete (5 Mose 20,16-18; vgl. Josua 6). Folgende Gr\u00fcnde werden in der Bibel f\u00fcr diese Kriege genannt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) <i>Schutz vor Verf\u00fchrung<\/i>: Die Ausrottung der Bev\u00f6lkerung und die Zerst\u00f6rung der Kultst\u00e4tten sollte verhindern, dass Israel zum G\u00f6tzendienst verf\u00fchrt wurde und die oftmals perversen und gewaltt\u00e4tigen Praktiken der Kanaaniter erlernte (5 Mose 7,5; 5 Mose 12,31).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) <i>Schutz vor Unterdr\u00fcckung<\/i>: Die Kriege sollten verhindern, dass Israel im Land durch die kanaanitischen V\u00f6lker bedr\u00e4ngt, bedroht und unterdr\u00fcckt w\u00fcrde (4 Mose 33,55.56).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) <i>Gericht an Kanaan<\/i>: Die Kriege Israels waren Gottes Strafgericht an der Gottlosigkeit, Boshaftigkeit und Gewaltt\u00e4tigkeit der Kanaaniter (5 Mose 9,5). Gott richtete Kanaan durch Israel, weil das Ma\u00df seiner S\u00fcnde voll war (1 Mose 15,16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4.) <i>Gottes Versprechen<\/i>: Die Kriege fanden statt, um den Schwur zu erf\u00fcllen, den Gott Abraham gegeben hatte. Nach diesem Schwur sollte Israel das Land Kanaan von Gott erhalten (5 Mose 7,8; vgl. 1 Mose 15,7.16 ).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter dem allen stand das langfristige heilsgeschichtliche Ziel, die Geburt des Erl\u00f6sers in Betlehem (Micha 5,1) und die Kreuzigung und Auferstehung Christi in Jerusalem zu erm\u00f6glichen. Aus Israel sollte der Segen Gottes zu allen V\u00f6lker kommen (1 Mose 12,1ff; 49,10; Joh 4,22). Mit der Ansiedlung Israels in Kanaan verfolgte Gott das langfristige Ziel der Welterl\u00f6sung und -vollendung. Dieser heilsgeschichtliche Zusammenhang verdeutlicht, dass es sich bei den Kriegen des Herrn um ein heilsgeschichtlich gebotenes, zeitlich und lokal begrenztes Ph\u00e4nomen handelte.<a title=\"\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.6\u00a0 Gewalttexte und die Dimension des Gerichts<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewalt tritt in der Bibel immer wieder auf, wenn Gott sein Gericht vollzieht. Gott richtet die \u00c4gypter f\u00fcr ihren G\u00f6tzendienst und die Gewalt an Israel (2 Mose 7-14) und Gott richtet das ungehorsame Israel durch die Assyrer und Babylonier (1 K\u00f6n 17; 2 K\u00f6n 24-25). Und auch am Ende der Menschheit wird Gott eine gottlose Menschheit mit Plagen strafen und im Endgericht auf ewig strafen (Offb 8-9; 21,14.15). Die &#8222;Gerichtsdimension&#8220; steht auch im Hintergrund der Strafgesetzgebung des mosaischen Gesetzes. Wir finden sie in der Bestrafung Israels nach dem Tanz um das goldenen Kalb (2 Mose 32,15ff), die T\u00f6tung des Simri durch Pinhas (4 Mose 25,7), im Untergang der Rotte Korachs (4 Mose 16,1ff), dem Tod von Abihu und Nadab (3 Mose 10,1-2), dem Untergang der Familie Achans nach dem Diebstahl zu Ai (Josua 7,24ff) oder dem Tod des Usa (2 Sam 6,7), der selbst K\u00f6nig David verst\u00f6rte (2 Sam 6,8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierhin geh\u00f6rt wohl auch der befremdliche Wunsch des Psalmisten: &#8222;Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert&#8220; (Ps 137,9).<a title=\"\" href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> Hier stellt sich die berechtigte Frage, ob solch ein &#8222;Wunsch&#8220; in der Bibel stehen darf. Er entzieht sich jedoch einer einfachen Zuordnung (siehe 3.1). In der Bibel steht Vieles, was nicht von Gott gutgehei\u00dfen wird, obwohl es Gottes Wort ist. Allerdings muss auch dieser Wunsch des Beters auf seinem historischen Hintergrund betrachtet werden. Der Beter ist erf\u00fcllt von den Eindr\u00fccken des Untergangs Jerusalems, in dem Frauen und Kinder vor Hunger starben. Die \u00dcberlebenden wurden entweder durch babylonische Soldaten umgebracht oder deportiert. Aus dieser Gewalterfahrung heraus entstand der klagende Ruf des Beters, Gott m\u00f6ge an Babylon ein ebenso hartes Gericht vollziehen. Spurgeon schrieb dazu: &#8222;Die blutd\u00fcrstige M\u00f6rderstadt (Babylon) sollte mit derselben eisernen Rute gez\u00fcchtigt werden, die sie einst geschwungen hatte.<a title=\"\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Zu Recht merkt Spurgeon an, dass dieser Vergeltungswunsch nicht Sache des Evangeliums ist, doch zeigen seine Ausf\u00fchrungen, dass ein differenzierter Blick auf den Hintergrund dieses Vergeltungswunsches n\u00f6tig ist. Gewiss ist, dass der Wunsch des Beters nach Vergeltung erh\u00f6rt wurde, denn Babylon wurde durch die Perser im Jahr 539 v. Chr. besiegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gericht Gottes, der Zorn Gottes und die zeitlichen und ewigen Strafen des Gerichtes Gottes lassen sich rein menschlich nicht erkl\u00e4ren. Gott ist ein heiliger Gott und die Bibel sagt uns, dass Gott gerecht ist, wenn er zornig ist und Gericht h\u00e4lt (Ps 7; Offb 15,1-4). Es liegt ein tiefes Geheimnis in der Heiligkeit Gottes, in der abgrundtiefen Bosheit des B\u00f6sen und in der S\u00fcnde des Menschen. Dieses tiefe Geheimnis steht hinter der Schwere des Gerichtes Gottes in seiner zeitlichen und ewigen Dimension. Ein Geheimnis, dass wir erst in der Ewigkeit ganz verstehen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Exkurs: Kollektivschuld<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es verst\u00f6rt, dass in g\u00f6ttlichen Strafgerichten auch \u201eunschuldige Kinder\u201c sterben. Anders als unser Rechtsempfinden, das stark individualistisch gepr\u00e4gt ist, gibt es im biblischen Rechtsempfinden eine st\u00e4rkere Auspr\u00e4gung der Kollektivschuld. So steht die gesamte Menschheit im Kollektivschuldzusammenhang der Urs\u00fcnde des ersten Menschenpaares (R\u00f6m 5,12). Demzufolge gibt es aus biblischer Sicht keine v\u00f6llig \u201eunschuldigen Kinder\u201c, da alle Menschen als Nachkommen Adams und Evas unter dem Gerichtsurteil des Todes stehen. Das gilt auch f\u00fcr die Tierwelt, die &#8222;schuldlos&#8220; in das Gerichtsurteil der Verg\u00e4nglichkeit einbezogen wurde (R\u00f6m 8,20). Kollektivschuldzusammenh\u00e4nge greifen auch bei der Sintflut, der Zerst\u00f6rung Sodoms und Gomorrhas oder auch in der sp\u00e4teren Geschichte Israels (Josua 7; 1. u. 2. K\u00f6nige). Der uns verst\u00f6rende Aspekt des Schuldzusammenhangs wird bleiben und erst in der Ewigkeit aufgel\u00f6st werden. Bedenken wir aber auch, dass oft mit zweierlei Ma\u00df gemessen wird: Gott wird angeklagt, wenn zwei B\u00e4ren auf Gehei\u00df des Propheten 42 Kinder zerrei\u00dfen, die Elisa verspottet hatten (2 K\u00f6nige 2,19ff), aber die bereits erw\u00e4hnten 130.000 in bundesdeutschen Kliniken ver\u00e4tzten, totgespritzten und zerst\u00fcckelten Babys werden oft klaglos hingenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.7\u00a0 Gewalttexte im Licht des Neuen Bundes<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Richard Dawkins schreibt: &#8222;In der neutestamentlichen Theologie indes kommt als Kr\u00f6nung noch eine neue Ungerechtigkeit hinzu: ein neuer Sadomasochismus, \u00fcber dessen Boshaftigkeit selbst das Alte Testament kaum hinausgeht. Bei genauerem Nachdenken ist es wirklich bemerkenswert, dass eine Religion ein Folter- und Hinrichtungsinstrument zum heiligen Symbol macht\u2026&#8220;<a title=\"\" href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> Doch Dawkins \u00fcbersieht, dass gerade in dem grausamen Tod des Gottessohnes die entscheidenden Antworten auf die Gewaltfrage verborgen sind. Der Schl\u00fcssel f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Alten Testaments und damit auch der alttestamentlichen Gewalttexte ist das Neue Testament und hier insbesondere der Tod und die Auferstehung Christi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was der Atheist Dawkins als Kr\u00f6nung der Ungerechtigkeit und Boshaftigkeit und in monstr\u00f6s-satanischer Verkehrung als sadomasochistischen Lustgewinn Gottes ansieht, ist in Wirklichkeit Ausdruck seiner h\u00f6chsten und gr\u00f6\u00dften Zuneigung zu einer verlorenen, in S\u00fcnde und Gewalt verstrickten und ewiger Verdammnis ausgelieferten Menschheit. Der Sohn Gottes wird Mensch, um sich selbst dem ernsten Gericht Gottes und der Gewalt einer gewaltt\u00e4tigen Menschheit auszuliefern: &#8222;F\u00fcrwahr, er trug unsere Krankheit und unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott gemartert w\u00e4re. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer S\u00fcnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt&#8220; (Jes 53,4.5).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biblischen Texte machen deutlich, dass nur ein Motiv hinter dem Kreuzestod Christi stand. Die Liebe. Gott ist die Liebe (1 Joh 4,8) und seine Liebe will das Wohl des Menschen (Jer 29,11). In seiner Liebe sendet Gott seinen Sohn in diese Welt (Joh 3,16), um S\u00fcnde und Gewalt zu \u00fcberwinden. Jesus Christus liefert sich der rohen Grausamkeit und Brutalit\u00e4t der Menschen aus und nimmt mit seinem Tod am Kreuz das harte Strafgericht Gottes stellvertretend f\u00fcr unsere S\u00fcnde auf sich (Jes 53,4.5; Joh 1,29; 1 Petr 2,24). Mit seiner Auferstehung tritt der Anfangspunkt der neuen Vollendungswelt in die Geschichte der Menschheit ein. Wer im Glauben zu dem Gekreuzigten und Auferstandenen kommt, der hat jetzt schon Anteil der zuk\u00fcnftigen Welt Gottes, in der es keinen Tod und kein Leid mehr geben wird und in der best\u00e4ndiger Frieden herrschen wird (Offb 21,4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Leben der Christen soll den Weltfrieden der neuen Sch\u00f6pfung schon hier und jetzt widerspiegeln. Deshalb sind Christen zur Gewaltfreiheit berufen. Mitten in einer Welt, die in Gewalt versinkt, sollen Christen Friedensstifter sein (Mt 5,9; 5,44; 26,52; R\u00f6m 12,21; Eph 6,17). Die Gewalttexte der Bibel m\u00fcssen aus dem Blickwinkel des gekreuzigten und auferstandenen Christus gelesen und verstanden werden. Wenn Gott selbst in seinem Sohn sich der Gewalt des Kreuzestodes ausliefert, dann kann er kein &#8222;launisch-boshafter Tyrann&#8220; sein. Er muss dann ein Gott sein, der die Gewalt hasst, der sie erleidet, erduldet und begrenzt einsetzt, um sie zu \u00fcberwinden und auf ewig zu beseitigen. Wenn Gott seinen Sohn von den Toten auferweckt, dann kann er kein Freund von Gewalt und Grausamkeit sein. Vielmehr zeigt sich im Licht des Ostermorgens, dass Gott den Frieden und das Leben liebt und uns Menschen in Ewigkeit daran teilhaben lassen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><i>&#8222;Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.&#8220; (Lk 6,36).<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><br \/>\nJohann Hesse, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gemeindehilfsbundes<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Dieser Text kann in gek\u00fcrzter Form als Faltblatt <a href=\"http:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/medienangebote\/literatur\/faltblaetter.html\">hier<\/a> heruntergeladen oder bestellt werden (<a href=\"http:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/medienangebote\/literatur\/faltblaetter.html\">www.gemeindehilfsbund.de<\/a>). <\/i><\/p>\n<div><\/div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Richard Dawkins, <i>Der Gotteswahn<\/i>, Ullstein, Berlin 2007, S. 45.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Michael Kotsch, <i>Gewalt im Alten Testament<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.sermon-online.de\">www.sermon-online.de<\/a> (14.09.2012)<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerechter_Krieg#Augustinus_von_Hippo\">www.wikipedia.de\/gerechter_krieg #Augustinus_von_Hippo<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Die einseitige Ablehnung der Todesstrafe in unserer Zeit kann sich nur bedingt auf das Gesamtzeugnis der Schrift berufen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Die Kreuzz\u00fcgler haben sich bei der Eroberung Jerusalems (1099 n. Chr.) missbr\u00e4uchlich auf den Bericht von der Eroberung Jerichos im Josuabuch berufen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jesus-offline.de\">www.jesus-offline.de<\/a> schlie\u00dft seine Liste mit Gewalttexten mit dieser Bibelstelle gewisserma\u00dfen als &#8222;Gipfel der Grausamkeit&#8220;<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> C. H. Spurgeon, <em>Die Schatzkammer Davids<\/em>, IV. Band, S. 289. Es lohnt sich, die Ausf\u00fchrungen Spurgeons zu dieser Stelle zu lesen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Richard Dawkins, <em>Der Gotteswahn<\/em>, S. 348.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biblische Gewalttexte verstehen 1\u00a0 Gewalttexte als Stolpersteine Vertreter des Atheismus berufen sich immer wieder auf die Gewalttexte der Bibel als Beleg f\u00fcr die Richtigkeit ihres atheistischen Weltbildes und ihrer ablehnenden Haltung gegen\u00fcber Gott. 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