{"id":9342,"date":"2013-04-21T22:18:59","date_gmt":"2013-04-21T20:18:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9342"},"modified":"2013-04-21T22:21:20","modified_gmt":"2013-04-21T20:21:20","slug":"osterbotschaft-von-erzbischof-janis-vanags-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9342","title":{"rendered":"Osterbotschaft von Erzbischof Janis Vanags"},"content":{"rendered":"<p><b>Ecce, homo! Sehet, der Mensch<\/b>!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen in der Bibel pflegen Rat zu suchen. In der Heiligen Schrift suchen wir nach gutem Rat f\u00fcr das Leben. Vielleicht ist es v\u00f6llig paradox, dass einer der besten Ratschl\u00e4ge in der Bibel von einer v\u00f6llig unerwarteten Seite kommt \u2013 von Pontius Pilatus. Er weist auf Jesus und sagt: \u201eSehet, der Mensch! Schaut auf Jesus, und ihr werdet sehen, wie der rechte Mensch aussehen muss.\u201c Tats\u00e4chlich, wenn wir auf den auferstandenen Christus blicken, k\u00f6nnen wir in ihm vieles aus unserem eigenen Leben entdecken, denn er wurde in dieser Welt geboren mit der Absicht, ebenso zu leben wie wir. Doch in der Person Christi k\u00f6nnen wir vor allem die Vollkommenheit des Lebens erblicken, das Leben des Menschen, wie es sich Gott vorstellt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Leben Jesu war kein Urlaub in einem s\u00fcdlichen Kurort. Gott entschied sich daf\u00fcr, in der Welt das wahre Leben, voller Anforderungen und Versuchungen, zu leben. Man verleumdete ihn, verriet ihn, folterte ihn, kreuzigte ihn. Er starb in Agonie und fand nicht einmal im Grabe Ruhe \u2013 er stieg hinunter zu den Geistern und Gefangenen (1. Petrus 3,19) und erblickte dort das Entsetzen der H\u00f6lle. Wenn wir auf Jesus blicken, dann k\u00f6nnen wir bei seinem Leben vieles von unserem Leben entdecken. Auch wenn wir selbst nicht unbedingt in die H\u00f6lle hinabsteigen m\u00fcssen, dann f\u00fchlen wir uns manches Mal so, als w\u00e4ren wir dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eins hatte Jesus ganz bestimmt mit uns gemeinsam \u2013 auch er sp\u00fcrte, dass er dem Ende nahe war. Ich habe das auch wirklich selbst erlebt, als ich 15 oder 16 Jahre alt war. Als Zeitmesser hing in meinem Zimmer eine Schachuhr, die sehr laut tickte. Mir kam sie vor wie eine Guillotine, die mit jedem Ticken mein Leben um eine Sekunde verk\u00fcrzt und mich dem Grab n\u00e4her bringt. Dann senkte sich alle Stunde eine winzige Fahne zum Zeichen, dass die Zeit verflossen sei. Schlie\u00dflich konnte ich das nicht mehr\u00a0 aushalten und hielt die Uhr an, aber die Zeit kann man nicht anhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus wusste w\u00e4hrend seines ganzen Lebens, was ihn erwartete. Er lebte im Schatten des Kreuzes, und je n\u00e4her die Zeit heranr\u00fcckte, um so deutlicher wurde das alles, bis hin zum Garten Gethsemane. Dort zitterte er und schwitzte Blut, als er den S\u00fcndenberg der Menschheit erblickte, den er am Kreuz ausl\u00f6sen sollte. Er versuchte das aufzuhalten. \u201eVater, wenn du es willst, so nimm diesen Kelch von mir.\u201c Doch die Zeit kann man nicht aufhalten, und Judas war mit dem Verhaftungskommando bereits unterwegs. Vielleicht gibt es auch in unserem Leben irgend einen schicksalhaften Schatten, ein Stigma, das jeden Augenblick unseres Lebens dokumentiert? Pilatus sagt: \u201eBlick auf Jesus!\u201c Und du wirst sehen, wie sich alles l\u00f6sen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ostermorgen war alles beendet. Versuchen wir, uns in Jesus hinein zu versetzen. Er kam aus dem Grab, erblickte den Sonnenaufgang, atmete die frische Morgenluft ein, begegnete Seinen Freunden, Seiner Mutter, der Himmlische Vater war wieder bei Ihm. Der Ostermorgen war f\u00fcr Jesus ein unbeschreiblich gl\u00fccklicher Morgen. Sogar das Kreuz, das ihn im Garten Gethsemane so \u00e4ngstigte, dass er Wasser und Blut schwitzte, war nun f\u00fcr immer verschwunden. Es wird den Tod nicht mehr geben, auch kein Jammern und Klagen, keine Not und keine Schmerzen. Nur noch die Vollkommenheit des Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blicken wir den auferstandenen Christus an \u2013 wie Er es genie\u00dft, dass er lebendig ist! Wie Er den Augenblick genie\u00dft, da Er lebt, ohne die Vergangenheit zu erw\u00e4hnen \u2013 Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun \u2013 und ohne sich um die Zukunft Sorgen zu machen: Ja, es steht vieles bevor, was noch geschafft werden muss, und was man nicht aufhalten kann. In Seiner Hand ist die ganze Ewigkeit. Und das Allerwichtigste: Er und der Himmlische Vater sind ganz Eins. Und damit kann nichts schief gehen. Diesen Augenblick in der Einigkeit mit dem Vater leben \u2013 das ist die Vollkommenheit des Lebens. Blickt auf Jesus und \u201eSehet, der Mensch!\u201c Und Jesus sagt: \u201eIch lebe, und ihr sollt auch leben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zusammenhang mit dem auferstandenen Christus mag das vielleicht \u00fcberraschen. K\u00f6nnen wir tats\u00e4chlich eine solche Freude erfahren wie einer, der das Grab verlassen hat? Ist es uns sterblichen schwachen Menschen tats\u00e4chlich m\u00f6glich, ein gl\u00fcckliches Leben im Frieden und in der Vollkommenheit der Auferstehung zu leben? Das ist tats\u00e4chlich Gottes Absicht.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht sollten wir zuerst begreifen, wo sich das Grab befindet, das wir verlassen k\u00f6nnen. Wo befinden wir uns an einem Ort, der einem Grabe \u00e4hnlich ist? Von dem Baum der Erkennt- nis des\u00a0 Guten und des B\u00f6sen sagte Gott: \u201eVon den Fr\u00fcchten dieses Baumes sollst du nicht essen, denn an dem Tage, da du von ihnen issest, musst du des Todes sterben.\u201c Diese Warnung m\u00fcssen wir zuerst im Blick auf die Ewigkeit verstehen. Der Tod ist wirklich die Konsequenz der S\u00fcnde. Der Mensch stirbt, weil er s\u00fcndigt. Und der Mensch s\u00fcndigt, weil er es nicht vermag, nicht zu s\u00fcndigen, denn seinem Wesen nach ist er S\u00fcnder. Das k\u00f6nnen wir bei uns selbst gut empfinden. Wir k\u00f6nnen zusammen mit dem Apostel Paulus sprechen: \u201eDas Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das B\u00f6se, das ich nicht will, das tue ich. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Warnung im Garten Eden hat auch eine allt\u00e4gliche Seite. Wenn wir in die Frucht der S\u00fcnde hineinbei\u00dfen, erleben wir, dass unser Gewissen f\u00fcr immer gestorben ist. Du blickst auf dein Leben und begreifst, dass du deine eigenen Prinzipien verraten hast, deine eigenen Ideale besudelt hast, und dass es dir schwer f\u00e4llt, vor Gott zu treten und einem anderen Menschen in das Auge zu blicken, und du sogar deine Selbstachtung verloren hast. Das ist so, als ob man als Lebender gestorben ist. Das Tragische dabei ist, dass wir Esaus Fehler st\u00e4ndig wiederholen, der in einem Augenblick des Hungers sein Erstgeburtsrecht f\u00fcr ein Linsengericht verschleuderte. Er h\u00e4tte sich nur einen kurzen Augenblick bis zum Mittagessen gedulden m\u00fcssen. Auch wir haben etwas wie ein Hungergef\u00fchl, wenn wir gegen unser Gewissen und Gottes klare Anweisung handeln und dabei vielleicht hoffen, etwas Gro\u00dfes und Wertvolles zu gewinnen. Aber nachdem du das Linsengericht erhalten hast, erweist es sich doch als reichlich d\u00fcnn. Dein vorgeblicher Gewinn, den du mit dem Linsengericht gemacht zu haben glaubst, zerrinnt dir zwischen den Fingern, und dir bleibt nichts anderes \u00fcbrig als zu erkennen, dass du f\u00fcr ein Linsengericht deine Seele verkauft hast. Das ist das Gleiche wie das Hineinfallen in ein Grab. Und Esaus j\u00fcngerer Bruder muss auch das Unrecht erkennen, das er getan hat. Und Gott fragt Eva: \u201eWas hast du getan?\u201c und stellt auch mir die gleiche Frage. Manches Mal kann ich sogar die Folgen meines Handelns reparieren, aber ich kann mein Handeln nicht so ver\u00e4ndern als h\u00e4tte es \u00fcberhaupt nicht stattgefunden. Die Tatsache ist und bleibt endg\u00fcltig. Sie gibt ein Urteil \u00fcber mich ab. Wie ein Stein, der vor ein Grab gew\u00e4lzt worden\u00a0ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser auferstandener Herr hat den Stein fortgew\u00e4lzt. Er kam nicht in die Welt wie es manches Mal Touristen tun, die f\u00fcr zwei Tage Liep\u0101ja\/Libau fahren, um dort eine Nacht im Gef\u00e4ngnis zu verbringen. Nicht als wirklich Gefangene, sondern, um zu erfahren, wie man sich dort als Gefangener f\u00fchlt. Aber f\u00fcr Jesus war das alles ernst, und Sein Ziel war die Vergebung. Blick auf Christus, den Gekreuzigten! Alle Irrt\u00fcmer Esaus, unsere S\u00fcnde und unsere Schande hat Er auf sich genommen, um auch sie an das Kreuz zu schlagen und zu vernichten. Durch Seine Auferstehung aus dem Grabe vernichtete er alles und \u00fcbergab es der Verlorenheit und dem Vergessen. Das alles gibt es nicht mehr. Durch die Ausl\u00f6sung der S\u00fcnde des Menschen hat er uns die Vergebung geschenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es mag sein, dass sich diese Worte zu gewaltig anh\u00f6ren. Es kann geschehen, das ein Geldschein von zehn Lats mir \u00fcberhaupt nicht weiter hilft, wenn ich ihn zum Bezahlen des Parkgeldes in einer Tiefgarage brauche, ihn aber nicht habe. So geht es auch mit den gro\u00dfen Worten und hohen Wahrheiten wie zum Beispiel mit der \u201eOsterfreude\u201c oder der \u201eAuferstehung Christi\u201c. Was soll ich mit ihnen anfangen? Wie soll ich diese Begriffe in meinem Alltag umsetzen? Was bedeuten sie mir in meinem Alltagsleben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Reichtum seiner Auferstehung hat Christus in wertvolle Goldm\u00fcnzen eingewechselt. Er hat das so getan, dass wir sie in unserem Alltag auch nutzen k\u00f6nnen und in unsere Hand gegeben als das Sakrament der Bu\u00dfe. Die wahre S\u00fcndenerkenntnis und das aufrichtige S\u00fcndenbekenntnis ist bitter wie der Tod. Die heilige Absolution oder Lossprechung ist etwas wie die Auferstehung. \u201eDeine S\u00fcnden sind dir vergeben.\u201c Das sind Worte, welche die durch das Schuldbewusstsein ersch\u00fctterte Seele aus dem Grab heben, damit sie wieder die Sonne erblicken k\u00f6nnte, denn die Finsternis ist verschwunden, die sie bis dahin umfing. Der Mensch atmet wieder mit voller Brust ein, denn der schwere Stein ist ihm von der Brust abgew\u00e4lzt. Er kann wieder seinen Freunden begegnen und die zerst\u00f6rten Beziehungen kn\u00fcpfen. Er sp\u00fcrt, dass der Himmlische Vater ihn mit einer bedingungslosen Liebe betrachtet. Gott hat sich nie von uns abgewendet, doch jetzt vermag die Seele das wieder zu empfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein gl\u00fccklicher Augenblick. Wie gut lebt es sich doch, wenn dir vergeben worden ist! Was ist das f\u00fcr ein gro\u00dfer Segen, dass Gott seine Kirche bevollm\u00e4chtigt hat zu sagen: \u201eIn Christi Namen spreche ich dich los von allen deinen S\u00fcnden.\u201c Das ist der Alltag des Osterfestes. Das sind Worte, die uns nicht nur zur\u00fcck blicken, sondern auch nach vorne leben lassen. Das ist die M\u00f6glichkeit, zu versuchen, das Leben neu zu gestalten \u2013 zusammen mit dem Ideal des Glaubens, geleitet vom Heiligen Geist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Einstellung gegen\u00fcber meinen alten S\u00fcnden verkehrt sich in ihr Gegenteil. Ohne Vergebung ist S\u00fcnde ein Fallstrick des Todes, der mich in den Abgrund zieht. Die Erfahrung der vergebenen S\u00fcnde ist die Lehre, zu versuchen, mich nicht mehr fehl zu verhalten. Sie lehrt mich aber auch, meinen N\u00e4chsten bei seinen Fehlern und Irrt\u00fcmern besser zu verstehen und die S\u00fcnden des N\u00e4chsten wie meine eigenen S\u00fcnden zu betrachten. Jemand, der seinen N\u00e4chsten richtet, hat noch nicht richtig begriffen, wie viel und zu welchem Preis ihm selbst vergeben worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kann vorkommen, dass Menschen nicht vergessen und vergeben k\u00f6nnen. Wenn jemand eine Strafe f\u00fcr ein Verbrechen erdulden muss, dann kann ihn das S\u00fcndenbekenntnis und die Absolution nicht vor dem Gef\u00e4ngnis bewahren. Das wird auch nicht zum Mitmenschen eine gute Beziehung herstellen. Und dennoch ist f\u00fcr jemanden, f\u00fcr den Gottes Ansicht und Seine ewige Liebe das Allerwichtigste ist, die Vergebung Christi unendlich wichtig. Gott h\u00e4lt uns nichts mehr vor und er denkt nicht mehr daran. Deshalb vergib dir auch selbst, qu\u00e4le dich selbst nicht mehr, sondern steh auf, geh hin und s\u00fcndige nicht mehr. Das ist Auferstehung im Alltag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erfahrung des grenzenlosen Wohlwollens Gottes ist eine Quelle des Mutes. Dass man das Leben von Grund auf \u00e4ndert, ein Leben mit einer neuen geistlichen Motivation beginnt, kann sogar be\u00e4ngstigen. Das ist wie das Hineinfahren in eine Kurve, bei der du nicht wei\u00dft, was hinter ihr kommt. Was wird mit mir geschehen, wenn ich sie verlassen haben werde, was war vielleicht daran schlecht, dass ich mich \u00fcberhaupt auf diesen Umweg eingelassen habe, ohne mich davor zu \u00fcberzeugen, dass er mich zum Ziel f\u00fchrt? Wird mir mein Leben \u00fcberhaupt noch gefallen, wenn ich mich von allem lossage, was meine s\u00fcndlichen Begierden befriedigt? Die Ver\u00e4nderung kann wirklich dramatisch sein. Doch Gottes Wort verhei\u00dft uns, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann, die in Christus Jesus ist. Je vollkommener die Liebe ist, mit der ich Christus liebe, desto gl\u00fccklicher f\u00fchlt sich die Seele, wenn sie Ihm nahe\u00a0 und damit auch mit sich selbst im Einklang ist. Im Augenblick der Absolution nach der Beichte ist uns Christus sehr nahe, und diese N\u00e4he kann uns niemand nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn der Apostel Paulus schreibt: \u201eWisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja \u00a0mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neulich las ich in einem Twitter eine sch\u00f6ne Erkenntnis: \u201e80 % des menschlichen K\u00f6rpers ist Wasser. Wenn das Leben weder ein Traum ist oder ein Ziel hat, dann ist es doch eigentlich zum gr\u00f6\u00dften Teil nur eine Pf\u00fctze.\u201c Und dann dachte ich weiter: Wie wunderbar ist doch das Sakrament der Taufe! Auf diese 80 % Wasser wird noch ein wenig Wasser gegossen, mit Gottes Wort verbunden, und diese Pf\u00fctze wird zu einem Menschen, der mit Christus vereint ist und der das Potential hat, als Gottes Ebenbild heranzuwachsen zu einem neuen Leben und eines Tages zum ewigen Leben mit Gott aufersteht. Ist es nicht wunderbar, dass wir in der Osternacht zehn junge wunderbare Menschen getauft haben und morgen zw\u00f6lf konfirmieren werden? \u201eSiehe, es wird ein Mensch!\u201c Ein auferstandener, ein durch die Vergebung wiedergeborener, den die Liebe Gottes ermutigt, sich nicht zu f\u00fcrchten, im Glauben zu leben. Dort erfahren wir die Vollkommenheit des Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wir k\u00f6nnen nicht nur durch die Vergebung Auferweckte sein. Wir k\u00f6nnen sogar auch andere aus dem Grab heben. Aus was f\u00fcr einem Grab? Aus dem Grab des Nicht-Vergebens, in das wir ihn gelegt und aus unserem Leben ausgeschlossen haben, wenn wir uns ihm\u00a0 \u00fcberlegen f\u00fchlen und das zum Ausdruck bringen. Der fleischlich gesinnte Mensch r\u00e4cht sich daf\u00fcr, schlimmsten Falls sogar mit Anwendung von Gewalt oder mit Mord. Ein etwas mehr \u201egeistlich\u201c empfindender Mensch mordet auch, jedoch etwas \u201egeistlicher\u201c in seinem Herzen. Er \u201ebegr\u00e4bt\u201c seinen Gegner durch Verleumdungen und durch fehlende Bereitschaft zur Vergebung. Er sagt: in der Welt gibt es so viele Menschen, die einander nicht kennen und doch ohne einander auskommen. Weshalb sollten nicht auch wir zu denen geh\u00f6ren? Das gibt ihnen etwas von der S\u00fc\u00dfe eines beruhigenden Gef\u00fchles. Doch da m\u00f6chte ich an eine Stelle im Talmud erinnern, in der es hei\u00dft, dass jeder, der eine Seele vernichtet, damit eine ganze Welt vernichtet. Mit jedem Menschen verlieren wir auch seine Welt. Wir gewinnen nichts mehr von seiner Erfahrung oder Weisheit und k\u00f6nnen auch nichts mehr von unserer Seite zu seinem Wachstum beitragen. Unsere Welt ist f\u00fcr uns \u00e4rmer und fremder geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir uns bewusst werden, wieviel uns vergeben ist \u2013 nur aus Gnade, ohne dass wir es verdient h\u00e4tten &#8211; k\u00f6nnen wir wie aus dem Grabe Herausgekommene sagen: \u201eIch vergebe dir dein Unrecht, das wir nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen k\u00f6nnen. Doch wie Gott mir um Christi Willen vergeben hat, so vergebe auch ich dir von ganzem Herzen und bitte dich um Vergebung f\u00fcr alles, was ich dir angetan habe.\u201c Wie gut lebt es sich doch, wenn man vergeben hat! Das ist wie das Einatmen der frischen Luft am Ostermorgen. Blicke auf Ihn und siehe \u2013 der Mensch! Zerbrechlich und verletzbar als Mensch, aber in Gottes Liebe eingebunden. Vergebung macht reich, denn wenn du dadurch einen Menschen gewinnst, dann gewinnst du eine ganze Welt. So wirst du auch selbst befreit, denn es ist wirklich nicht leicht, ein solches Grab der Verleumdungen und Beschuldigungen mit sich herum zu schleppen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vergebung ist der Mittelpunkt des Osterfestes, denn der Knoten der S\u00fcnde ist gel\u00f6st, die Fesseln des Todes sind herunter gefallen und alles ist neu geworden. Ostern ver\u00e4ndert die Welt wirklich und macht sie zu unserem sch\u00f6nsten Wohnort. Doch mit der Auferstehung ist es ebenso wie mit dem Himmelreich, das Jesus mit dem Sauerteig vergleicht, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchs\u00e4uert war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vollst\u00e4ndige Durchs\u00e4uerung ist ein allm\u00e4hlicher Vorgang, der immer\u00a0 noch nicht zu Ende ist. Er muss sich immer wiederholen, Tag f\u00fcr Tag, wobei man auch stolpern und fallen kann, aber auch wieder aufsteht und es lernt, den Weg geistlich mit Gott weiter zu gehen. Johannes vom Kreuz sagte einmal: Der Weg wird nur durch den Durst erleichtert. Ich w\u00fcnsche euch allen zu Ostern, den Durst nach Gott, nach der N\u00e4he Christi und nach der Auferstehung nicht zu verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcrchten wir uns nicht, in uns selbst hinein zu schauen und die Dinge bei ihrem wahren Namen zu nennen. Nehmt die Vergebung entgegen und gebt sie anderen weiter, und im Vertrauen auf Gott lasst uns freudig im lebendigen Glauben leben. So reifen wir f\u00fcr das Reich Gottes heran, und bereiten uns auf den gro\u00dfen Tag vor, an den man uns in das Grab legt unter den Stein nach der Verhei\u00dfung Christi: \u201eIch bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.\u201c Ich w\u00fcnsche uns allen ein frohes Osterfest.<\/p>\n<p><em>Predigt am Ostersonntag im Dom zu Riga, 31. M\u00e4rz 2013<br \/>\n<\/em><em>\u00dcbersetzung aus dem Lettischen: Johannes Baumann<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ecce, homo! Sehet, der Mensch! Die Menschen in der Bibel pflegen Rat zu suchen. In der Heiligen Schrift suchen wir nach gutem Rat f\u00fcr das Leben. Vielleicht ist es v\u00f6llig paradox, dass einer der besten Ratschl\u00e4ge in der Bibel von einer v\u00f6llig unerwarteten Seite kommt \u2013 von Pontius Pilatus. 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