{"id":9330,"date":"2013-04-19T13:51:34","date_gmt":"2013-04-19T11:51:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9330"},"modified":"2013-04-19T13:53:28","modified_gmt":"2013-04-19T11:53:28","slug":"bericht-uber-menschenrechtsverstose-in-der-turkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9330","title":{"rendered":"Bericht \u00fcber Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfe in der T\u00fcrkei"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>1.)\u00a0 Einleitung und Zusammenfassung (15. Januar 2013)<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vereinigung Protestantischer Kirchen (Anm. 1) bem\u00fcht sich mitzuhelfen, dass jedem Menschen an jedem Ort das Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit gew\u00e4hrt wird im Sinne von Artikel 18 der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte der Vereinten Nationen: \u201eJeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schlie\u00dft die Freiheit ein, seine Religion oder \u00dcberzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, \u00f6ffentlich oder privat durch Lehre, Aus\u00fcbung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen\u201c und ebenso im Sinne des Artikels 24 unserer gegenw\u00e4rtigen Verfassung, der lautet: \u201eJeder hat die Freiheit des Gewissens, der Religion, des Glaubens und der \u00dcberzeugung.\u201c Nach Aussage etlicher lokaler und internationaler Organisationen gibt es in unserem Land in puncto Religions- und Glaubensfreiheit weiterhin viele Schwierigkeiten und Probleme, obgleich diese Rechte durch die Autorit\u00e4t internationaler Vereinbarungen \u00fcber die Menschenrechte und unserer Verfassung zugesichert sind. Doch gab es in den letzten Jahren auch signifikante und positive Entwicklungen. Als Beitrag zur F\u00f6rderung von Glaubensfreiheit soll dieser Bericht einige der Erfahrungen und Probleme darstellen, welche die evangelische Gemeinschaft im Jahre 2012 auf dem Gebiet der Religionsfreiheit erlebt hat. (Anm. 2)<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Jahr 2012 kann wie folgt kurz zusammengefasst werden: Hassdelikte gegen Christen gab es auch weiterhin in 2012, und evangelische Christen und Kirchen wurden physisch angegriffen. F\u00fcr evangelische Christen blieb es weiterhin ein Problem, gottesdienstliche St\u00e4tten einzurichten oder noch weiter zu benutzen. Obgleich es dieses Jahr einige Fortschritte zu verzeichnen gab in Bezug auf den Eintrag von Vereinen (dernek) und Gemeinden, die so einen legalen Status erlangten, fehlt immer noch eine umfassende L\u00f6sung. Neben einigen Lichtblicken gab es immer noch Probleme im Rahmen des Pflichtfaches \u201eReligi\u00f6se Kultur und moralisches Wissen\u201c (RKMW) in den Schulen. Es gab auch keinerlei Fortschritte in Sachen Gew\u00e4hrleistung des Rechtes der Christen auf Ausbildung ihrer eigenen religi\u00f6sen Mitarbeiter. Einige ausl\u00e4ndische Mitarbeiter oder Mitglieder von Gemeinden mussten die T\u00fcrkei verlassen, weil ihnen das Visum verweigert wurde oder weil man sie auswies. Auch die Rubrik \u201eReligionszugeh\u00f6rigkeit\u201c auf dem Personalausweis blieb 2012 bestehen, was das Risiko der Diskriminierung weiterhin vergr\u00f6\u00dfert. Der Prozess wegen des Mordes an den drei Christen in Malatya 2007 zog sich weiter hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits gibt es auch einige positive und hoffnungsvolle Entwicklungen zu berichten. Die Klagen von evangelischen Sch\u00fclern, dass sie gezwungen w\u00fcrden, am RKMW-Unterricht teilzunehmen, haben abgenommen, weil das Erziehungsministerium in den vorangegangenen Jahren Schulen diesbez\u00fcglich informiert hat. Dazu fing man 2012 an, nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, dass christliche Sch\u00fcler einen Unterricht \u00fcber das Christentum erhalten. Man hat damit begonnen, mithilfe christlicher Gemeinden einen Lehrplan und Unterrichtsmaterial zu erarbeiten. Au\u00dferdem war die evangelische Gemeinschaft eingeladen, am \u201cKomitee zur Einigung \u00fcber die Verfassung\u201c teilzunehmen und bekam die Gelegenheit, ihre Vorschl\u00e4ge zum Entwurf der neuen Verfassung zu \u00e4u\u00dfern. 2012 wurde keine Gottesdienstst\u00e4tte geschlossen, obgleich ein Ort, der f\u00fcr Gottesdienste benutzt wurde, eine Aufforderung zur Schlie\u00dfung erhielt. Es gab keine Probleme bei den Antr\u00e4gen bez\u00fcglich Weihnachtsfeiern an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen. Wir freuen uns dar\u00fcber, dass es keine Versuche gegeben hat, die weihnachtlichen Feiern zu verhindern oder zu st\u00f6ren, die so gefeiert wurden, dass sie auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>2.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hassdelikte als verbale und physische Angriffe <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 3. Februar 2012 war der Leiter der Izmir \u00c7e\u015fme L\u00fctuf (Gnade) Kirche, Engin Duran, mit seiner Frau und seinem Kind zuhause. Gegen 3 Uhr nachts h\u00f6rten sie Schl\u00e4ge gegen die Haust\u00fcr, und eine unbekannte Person \u2013 oder Personen \u2013 versuchte sie zu \u00f6ffnen. Weil er Drohungen von verschiedenen radikalen religi\u00f6sen Organisationen via Internet bekommen hatte, rief er die Polizei an. Obgleich die Polizei schnell erschien, gelang es der Person oder den Personen zu entkommen. Sie wurden nicht gefasst. Der Gemeindeleiter erstattete Anzeige, f\u00fcrchtete aber um sein Leben und das seiner Familie und beschloss, die Stadt zu verlassen. Die f\u00fcr den Gottesdienst benutzten R\u00e4umlichkeiten wurden vom Gemeindeleiter geschlossen. Seitdem sind die wenigen verbliebenen Christen ohne Gottesdienstst\u00e4tte und haben weiterhin Angst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 25. Februar 2012 wurde das Geb\u00e4ude der Agape- Kirche in Samsun verw\u00fcstet. Der T\u00e4ter war rasch durch Aufnahmen der \u00dcberwachungskamera identifiziert. Bei der aufgrund der Anzeige durch die Gemeinde erfolgten Vernehmung gestand der Mann, was er getan hatte. Die Gemeinde zog ihre Anzeige zur\u00fcck und der Mann wurde freigelassen. Es ist wichtig zu betonen, dass derartige Vorf\u00e4lle sich in Samsun regelm\u00e4\u00dfig ereignen. Am 7. M\u00e4rz 2012 bel\u00e4stigte und bedrohte ein Mann die Mitarbeiter der Buchhandlung S\u00f6z (d.h. Wort) in Adana, die christliche Druckerzeugnisse verkauft. Man erstattete Anzeige bei der Polizei, doch nichts wurde zur Identifizierung unternommen, obgleich Kameraaufnahmen zeigen, dass an diesem Vorfall drei Personen beteiligt waren. Danach hat die Polizei den Schutz der Buchhandlung intensiviert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 7. April 2012 verlangten vier junge M\u00e4nner Einlass in die L\u00fctuf (Gnade) Kirche im Istanbuler Stadtteil Bah\u00e7elievler. Der Gemeindeleiter, Semir Serkek, bat sie, am Morgen wiederzukommen, da es schon sp\u00e4t sei. Au\u00dferdem hatte er das verd\u00e4chtige Verhalten der jungen M\u00e4nner bemerkt. Danach bedrohten die Eindringlinge Semir Serkek mit Bemerkungen wie: \u201eDies ist ein muslimischer Stadtteil. Was hat eine Kirche hier zu suchen? Wenn Sie nicht das muslimische Glaubensbekenntnis rezitieren, bringen wir Sie um.\u201c Sie schlugen ihn und ergriffen dann die Flucht. Die Polizei wurde alarmiert und die Beamten kamen rasch zum Tatort. Obgleich die Kameraaufnahmen \u00fcberpr\u00fcft und Aussagen von Augenzeugen protokolliert wurden, wurden die jungen M\u00e4nner nicht identifiziert und niemand wurde verhaftet. Nach dem Vorfall installierte die Gemeinde auf eigene Kosten ein Sicherheitssystem, und die Polizei verst\u00e4rkte ihre Sicherheitsma\u00dfnahmen. Personenschutz wurde nicht zugewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 3. Juni 2012 erregten drei M\u00e4nner Verdacht, weil sie wiederholt das B\u00fcro von Radio Schema in Ankara aufgesucht hatten, als niemand da war. Radio Schema sendet christliche Programme. Weil der Sender bereits viele Male vorher verschiedene Drohungen erhalten hatte, wurde dieser Vorfall beim Staatsanwalt und bei der Polizei gemeldet. Da man die betreffenden Personen nicht identifiziert hat, wurde der Fall nicht weiterverfolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 28. Juli 2012 protestierte eine Gruppe gegen eine Kirchgemeinde, die in Denizli gegr\u00fcndet wurde, in der Hoffnung, diese zur Schlie\u00dfung zu veranlassen. Da die von der Polizei aufgrund zunehmender Drohungen ergriffenen Sicherheitsma\u00dfnahmen verst\u00e4rkt wurden, gab es keine physischen Angriffe. Zurzeit h\u00e4lt die Gemeinde weiterhin ihre Gottesdienste \u00f6ffentlich ab. Die als \u201eGebetshaus\u201c bekannte Zweigstelle des \u201eVereins Dirili\u015f- (Auferstehungs-) Kirche im Izmirer Bezirk Konak sah sich das ganze Jahr \u00fcber verbalen Drohungen und Angriffen mit Eiern durch 14 bis 18-j\u00e4hrige Jugendliche ausgesetzt. Als dann schlie\u00dflich der Vertreter des Vereins mit einer Schusswaffe bedroht wurde, informierte man die Stadtteilverantwortlichen, dass man die Sache dem Staatsanwalt und der Polizei melden werde. Daraufhin warnten die Stadtteilleiter die jungen Leute. Auch die Familien wurden mit einbezogen und die Jugendlichen entschuldigten sich. Der Verein beschloss daraufhin, auf die angedrohte Anzeige zu verzichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 12. November 2012 wurde eine Frau, die an Gottesdiensten in Batman teilnahm, von Zivilpolizisten verbal bedr\u00e4ngt und bedroht, weil sie solche Treffen besuchte. Au\u00dferdem drohte der f\u00fcr den Wohnblock, in dem die religi\u00f6sen Versammlungen stattfinden, zust\u00e4ndige Hausmeister damit, Informationen \u00fcber die Aktivit\u00e4ten und die Menschen, die zu den Treffen kommen, an die Polizei weiterzugeben. Die Frau erstattete Anzeige, aber es hat sich noch nichts weiter getan. Doch seitdem hat es keine weiteren Schikanen oder Drohungen in Batman gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2012 wurde aus den Provinzen Denizli, Diyarbak\u0131r, Sinop und Hatay berichtet, dass Zivilpolizisten Leute gewarnt, ihnen gedroht oder sie schikaniert h\u00e4tten, weil sie an Gottesdiensten teilgenommen hatten. Sie h\u00e4tten sie davor gewarnt, sich weiter mit Christen zu treffen, oder Informationen \u00fcber die Teilnehmer an den Treffen verlangt. Die Empf\u00e4nger solcher Warnungen oder Drohungen erstatteten keine Anzeige, weil sie glauben, dass dies ergebnislos sein w\u00fcrde. In 2012 lief der Personenschutz der Polizei f\u00fcr Leiter von f\u00fcnf evangelischen Gemeinden weiter, um sie vor m\u00f6glichen Angriffen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>3.)\u00a0 Probleme bei der Einrichtung von Gottesdienstst\u00e4tten (Anm. 3) <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das juristische Problem, dass man keine Gottesdienstst\u00e4tten einrichten kann, besteht auch 2012 weiterhin f\u00fcr evangelische Christen. Im Jahr 2003 wurde das Gesetz \u00fcber Bebauungspl\u00e4ne Nr. 3194 im Rahmen des 6. Harmonisierungspakets zur Ann\u00e4herung an die EU abge\u00e4ndert mit der Absicht, dem Bed\u00fcrfnis nichtmuslimischer B\u00fcrger nach Gottesdienstst\u00e4tten entgegenzukommen. Man ersetzte das Wort \u201eMoschee\u201c durch den Ausdruck \u201eGottesdienstort\u201c. Aber die negativen Erfahrungen der t\u00fcrkischen Protestanten bei ihrer Suche nach einem Ort f\u00fcr die Gottesdienste zeigen auf, was f\u00fcr schwere Behinderungen und Rechtsverletzungen die evangelische Gemeinschaft in Bezug auf die Interpretation und Anwendung dieser f\u00fcr sie eigentlich positiven legalen Entwicklung erlebt und dass sie ihre gesetzlichen Rechte nicht nutzen kann. Ein bezeichnendes Problem ist dabei, dass die Stadtverwaltungen bef\u00fcrchten, W\u00e4hlerstimmen zu verlieren. Sie wollen nicht in den Ruf kommen, die Einrichtung von Kirchen zu unterst\u00fctzen. Aus diesem Grund werden Antr\u00e4ge f\u00fcr die Einrichtung von Gottesdienstorten abgelehnt oder bleiben in einem endlosen b\u00fcrokratischen Prozess h\u00e4ngen. Au\u00dferdem ist noch zu bemerken, dass Antragsteller, die eine Kirche errichten oder eine Gemeinde offiziell anerkennen lassen wollen, von der Beh\u00f6rde, bei der sie die Antr\u00e4ge einreichen, aufgefordert werden, eine Begutachtung vom Amt des Ministerpr\u00e4sidenten einzuholen oder sich an das Direktorat f\u00fcr Religi\u00f6se Angelegenheiten zu wenden, das erkl\u00e4rterma\u00dfen nur f\u00fcr den islamischen Glauben zust\u00e4ndig sei und nur f\u00fcr ihn arbeitet. Zu all dem kommt noch hinzu, dass christlichen Gemeinden verwehrt wird, historische Kirchengeb\u00e4ude, die von staatlichen Institutionen verwaltet werden, f\u00fcr einen Sonntagsgottesdienst oder f\u00fcr Festtagsgottesdienste zu nutzen, obgleich diese Geb\u00e4ude f\u00fcr viele andere Anl\u00e4sse genutzt werden \u2013 aber nie als Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2012 hat die Stadt Izmir ohne jegliche Begr\u00fcndung dem Verein \u201eI\u015fik-Gemeinde\u201c die Benutzung der Aya Vukla Kirche f\u00fcr die Osterfeierlichkeiten verweigert. Diese Kirche geh\u00f6rt zu den Kirchen im Inventar der Stadt und wird st\u00e4ndig f\u00fcr viele Aktivit\u00e4ten \u2013 au\u00dfer f\u00fcr kirchliche Zwecke \u2013 genutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 15. Mai 2012 erhielt eine kleine Lokalit\u00e4t, die als Haus des Gebets benutzt wurde, ein Schreiben von der Provinzregierung von Izmir, dass sie geschlossen w\u00fcrde, weil sie gegen den Bebauungsplan versto\u00dfe. Die Schlie\u00dfung des Gebetshauses konnte dadurch verhindert werden, dass man es in eine Vertretung des \u201eVereins Auferstehungskirchen\u201c umwandelte. vom November 2008 auf unserer englischen Website nachlesen. Die dort aufgef\u00fchrten Probleme dauern heute noch an. (http:\/\/protestankiliseler.org\/index.php?option=com_content&amp;view=article &amp;id=1140&amp;Itemid=462)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelische Kirche von Be\u015fikta\u015f im Istanbuler Stadtteil Be\u015fikta\u015f stellte bei der Stadtverwaltung von Istanbul den Antrag, das Geb\u00e4ude, das sie nutzten, als Gottesdienstort anzuerkennen. Der Antrag wurde am 1. September 2010 abgelehnt. 2012 wurde ein Vordach ver\u00e4ndert, um den Versammlungsraum zu erweitern. Rasch war die Stadtverwaltung von Be\u015fikta\u015f vor Ort, schloss und versiegelte die Liegenschaft und erkl\u00e4rte, dass der Anbau abgerissen werden m\u00fcsse. Au\u00dferdem verh\u00e4ngte sie eine Geldstrafe. Obgleich die geforderten Ver\u00e4nderungen nur einen kleinen Bereich betrafen, versuchte die Stadt, die Strom- und Wasserzufuhr f\u00fcr das ganze Geb\u00e4ude zu kappen, damit es als Ganzes nicht mehr zu benutzen war. Trotz aller eingereichten Antr\u00e4ge und Umbaupl\u00e4ne ging es nicht vorw\u00e4rts. Die Umbauten am Vorbau wurden am 17. Oktober 2012 abgerissen und der vorige Zustand wiederhergestellt. Obgleich es etliche Geb\u00e4ude in dem Stadtteil gibt, bei denen die Lage \u00e4hnlich zu sein scheint, ist doch auff\u00e4llig, wie sehr der Fokus auf der Kirche liegt, dass die notwendigen Baugenehmigungen nicht erteilt wurden und dass so schnell Geldbu\u00dfen verh\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 8. August 2012 hat die Istanbuler Evangelische Kirche von G\u00fcng\u00f6ren an die Stadtverwaltung von G\u00fcng\u00f6ren einen Antrag auf Genehmigung eines Gottesdienstortes gestellt. Die Beamten wollten diesen Antrag nicht bearbeiten und teilten dem Gemeindeleiter m\u00fcndlich mit, die Stadtverwaltung sei eine politische Einrichtung und solch eine Entscheidung sei ihr nicht m\u00f6glich. Als der Gemeindeleiter darauf bestand, wurde der Antrag am folgenden Tag bearbeitet und zwecks Stellungnahme zum Direktorat f\u00fcr Religi\u00f6se Angelegenheiten weitergeleitet. Seitdem hat sich in dieser Angelegenheit noch nichts getan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>4.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Recht auf Verbreitung der Religion <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obgleich das Recht, seinen Glauben zu verbreiten und dar\u00fcber zu sprechen, gesetzlich garantiert ist, wird die Verbreitung von Glaubens\u00fcberzeugungen au\u00dferhalb des Glaubens der Mehrheit immer noch als Bedrohung betrachtet. Zu den deutlichsten Beispielen daf\u00fcr geh\u00f6rt das Buch der 8. Grundschulklasse, \u201eGeschichte der Reformen der T\u00fcrkischen Republik und des Atat\u00fcrkismus\u201d.(Anm. 4) In dem Kapitel \u00fcber nationale Bedrohungen wird dort unter der \u00dcberschrift \u201eMissionsaktivit\u00e4ten\u201d missionarische T\u00e4tigkeit als nationale Bedrohung beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab 2010 einen Briefwechsel mit dem Erziehungsministerium bez\u00fcglich der Entfernung dieses Kapitels. Aber trotz der Proteste, dass das Kapitel die Intoleranz gegen\u00fcber Christen verst\u00e4rke und den Weg f\u00fcr verschiedenste \u00dcbergriffe auf sie ebne, erfolgte eine negative Antwort. (Anm. 5) Auch in den B\u00fcchern von 2012 wurde dieser Abschnitt beibehalten. Dazu kommt noch, dass in den B\u00fcchern und Hilfen zur Vorbereitung auf die Abschlusspr\u00fcfung (SBS) zu diesem Thema verschiedene Unwahrheiten enthalten sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 20. Dezember 2012 sprachen in einer Cafeteria der Istanbuler Marmara-Universit\u00e4t auf dem G\u00f6ztepe- Campus evangelische Christen mit einer Gruppe Studenten der islamisch-theologischen Fakult\u00e4t. Sie wurden von einer Gruppe von 10 Menschen verpr\u00fcgelt, die sich \u201eIdealisten\u201c nannten. Der Fall wurde dem Sicherheitsdienst des Campus gemeldet. Eine Abteilung dieses Sicherheitsdienstes entschuldigte sich f\u00fcr den Vorfall, aber es wurde nichts gegen die Angreifer unternommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>5.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Religionsunterricht als Pflichtfach <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2012 nahmen die Beschwerden dar\u00fcber ab, dass Kinder nicht von dem Pflichtfach Religionsunterricht (RCMK) befreit werden konnten. 2010 waren Kommuniqu\u00e9s an das Erziehungsministerium bez\u00fcglich dieses Unterrichts geschickt worden und man hatte gefordert, dass christliche Kinder von der Teilnahme an solchem Unterricht befreit w\u00fcrden. Daraufhin informierte das Erziehungsministerium alle Schulen in der T\u00fcrkei bez\u00fcglich dieses Themas. Einer christlichen Sch\u00fclerin der 1. Klasse des Gymnasiums in Izmir wurde erkl\u00e4rt, man k\u00f6nne wegen der \u00c4nderungen im Lehrplan des Religionsunterrichts keine Ausnahme machen. Das wurde ihr anl\u00e4sslich eines Gespr\u00e4chs mitgeteilt, das sie und ihre Familie mit dem Schuldirektor wegen Befreiung vom Religionsunterricht hatten. Das Problem wurde jedoch 5 Sie k\u00f6nnen den diesbez\u00fcglichen Briefwechsel unter \u201cannouncements\u201d auf unserer englischen Website. www.protestankiliseler. org nachlesen. gel\u00f6st, nachdem man auf die gesetzlichen Rechte der Familie aufmerksam machte und einige Diskussionen mit dem Erziehungsministerium hatte. Ein \u00e4hnlicher Fall ereignete sich in Diyarbak\u0131r und wurde genau so gel\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einem christlichen Sch\u00fcler der ersten Gymnasialklasse in Diyarbak\u0131r wurde gesagt, er m\u00fcsse, weil es keine Wahlf\u00e4cher au\u00dfer denen im Islam (Religi\u00f6se Grundkenntnisse, Koran und Leben des Propheten) gebe, eines von diesen w\u00e4hlen, um die erforderliche Anzahl von Punkten zu bekommen. T\u00e4te er es nicht, w\u00fcrde er nicht in die n\u00e4chste Klasse versetzt werden k\u00f6nnen, weil er nicht genug Punkte habe. Es gab aber keine weiteren Wahlf\u00e4cher au\u00dfer den obigen drei, weil andere Sch\u00fcler keine anderen F\u00e4cher w\u00e4hlten. In den Diskussionen zwischen der Familie und der Schule sagte man der Familie, dass der Sch\u00fcler keines dieser F\u00e4cher w\u00e4hlen m\u00fcsse, weil es ja Wahlf\u00e4cher seien, aber weil es keine anderen Wahlf\u00e4cher gebe, w\u00fcrden ihm am Jahresende Punkte fehlen und er w\u00fcrde automatisch nicht in die n\u00e4chste Klasse versetzt. Der Vorschlag, an einer anderen Schule an Wahlf\u00e4chern teilzunehmen, wurde auch abgelehnt. Aufgrund dieser Entwicklungen sprach die Familie beim lokalen B\u00fcro des Erziehungsministeriums vor. Aber sie bekam keinen positiven Bescheid. Dann brachten sie den Fall vor das Provinzialb\u00fcro des Erziehungsministeriums. Nach den dortigen Diskussionen wurde entschieden, dass der Sch\u00fcler zu einer anderen Schule \u00fcberwechseln solle. Doch obgleich das erste Semester fast zu Ende ist, hat der Wechsel noch nicht stattgefunden. Dazu kommt noch, dass die Unsicherheit weiter besteht, wie die Noten des Sch\u00fclers gewertet werden, wie er sich in der neuen Schule eingew\u00f6hnen wird und wie bestehende andere Probleme gel\u00f6st werden sollen. Inzwischen wurde damit begonnen, Lehrpl\u00e4ne und Unterrichtsmaterial f\u00fcr Wahlf\u00e4cher f\u00fcr christliche Sch\u00fcler der Schuljahre 5\u20136 und 9\u201310 auszuarbeiten, damit sie etwas \u00fcber ihren Glauben lernen k\u00f6nnen. Dass Vertreter der Kirche an der Vorbereitung der Unterrichtseinheiten, des Lehrplans und der Lehrb\u00fccher beteiligt sind, ist eine wichtige und positive Entwicklung. Es wird erwartet, dass dieses Projekt so schnell wie m\u00f6glich beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>6.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Problem der Ausbildung von Geistlichen <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch 2012 erlauben die gegenw\u00e4rtigen Staatsgesetze in der T\u00fcrkei auf keinerlei Weise die Ausbildung von Geistlichen und die Er\u00f6ffnung von Schulen zur Ausbildung der Mitglieder religi\u00f6ser Gemeinschaften. Dabei ist das Recht, Geistliche auszubilden und zu f\u00f6rdern, ein Grundelement von Religions- und Glaubensfreiheit. Die evangelische Gemeinschaft l\u00f6st dieses Problem gegenw\u00e4rtig dadurch, dass sie Nachwuchs anlernt, Kurse innerhalb der T\u00fcrkei erteilt oder Studenten ins Ausland schickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>7.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Recht, Rechtspersonen zu gr\u00fcnden und sich zu organisieren <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 2005 sind aus den oben genannten Beweggr\u00fcnden Schritte unternommen worden, um anerkannte Vereine zu bilden. Dadurch sollen Schwierigkeiten wie die mit dem Gesetz zu den Bebauungspl\u00e4nen ausger\u00e4umt, der Wunsch nach einem rechtlichen Status verfolgt und die Einschr\u00e4nkungen im neuen Vereinsrecht durch das Gesetz Nr. 5253 unwirksam gemacht werden. Allein 2012 hat die evangelische Gemeinschaft 25 Kirchenvereine gegr\u00fcndet und 7 Zweigstellen, die mit diesen Vereinen verbunden sind. Dieser Prozess der Vereinsgr\u00fcndung geht weiter. Vereine werden aber nicht als \u201eKirche\u201c oder \u201eGottesdienstort\u201c akzeptiert. Damit eine Kirche gegr\u00fcndet werden kann, muss es eine Rechtsperson geben, wie 2004 vom damaligen Justizminister, Cemil \u00c7i\u00e7ek, erkl\u00e4rt wurde. Das Problem, wie aus einer religi\u00f6sen Gemeinschaft eine Rechtsperson werden kann, ist noch nicht gel\u00f6st. Die aktuelle Rechtslage erlaubt es einer religi\u00f6sen Gemeinschaft nicht, als \u201eGemeinde\u201c den Titel einer Rechtsperson zu erlangen. Zudem scheint der aktuelle Weg zur Vereinsbildung sehr komplex und f\u00fcr kleine Gemeinden schwer gangbar zu sein. Daher sind kleine Gemeinden weiterhin hilflos bei ihrem Versuch, ein Verein oder eine Rechtsperson zu werden. Dazu ist zu bemerken, dass andere nicht-muslimische Gruppen neben den Protestanten auch dazu tendieren, einen legalen Status dadurch zu erlangen, dass sie den Weg der Vereinsgr\u00fcndung einschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>8.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Obligatorische Angabe der Religionszugeh\u00f6rigkeit<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem mit der Rubrik \u201eReligion\u201d auf den Personalausweisen bestand 2012 weiter. Die Rubrik f\u00fcr die Religionszugeh\u00f6rigkeit auf den Ausweisen zwingt weiterhin die Menschen, ihren Glauben anzugeben und erh\u00f6ht das Risiko einer Diskriminierung auf allen Lebensgebieten. Das Problem wird nicht dadurch gel\u00f6st, dass man die Registrierung der Religion f\u00fcr freiwillig erkl\u00e4rt. Wollen Eltern zum Beispiel, dass ihre Kinder nicht am Pflicht-Religionsunterricht in der Schule teilnehmen, d\u00fcrfen sie die Rubrik \u201eReligion\u201c nicht offen lassen, weil sie beweisen m\u00fcssen, dass sie Christen sind, damit ihre Kinder vom Religionsunterricht befreit werden. Wir fordern und erwarten, dass die neuen Personalausweise keine Rubrik f\u00fcr Religion mehr haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>9.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Diskriminierung <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Diskriminierung Christen gegen\u00fcber wird weiterhin sowohl von Individuen als auch von Gemeinden weit verbreitet gesp\u00fcrt. Die Einzelnen f\u00fchlen sie, wenn sie ihr Recht auf Bildung einfordern wollen oder am Arbeitsplatz oder \u2013 wenn es sich um M\u00e4nner handelt \u2013 im Milit\u00e4rdienst. Die Angabe der Religion auf dem Ausweis ist weiterhin ein Faktor, der das Risiko einer Diskriminierung vergr\u00f6\u00dfert. Dass die evangelische Gemeinschaft Diskriminierungen verinnerlicht hat, dass man Schwierigkeiten hat, Diskriminierung zu beweisen und dass die aktuellen Gesetze und Politik unzureichend sind, sind Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das Fehlen von Anzeigen oder Gerichtsverfahren wegen Diskriminierung. 2012 arbeiteten vier Christen, die anonym bleiben m\u00f6chten, im \u00f6ffentlichen Dienst in derselben Institution in Izmir. Man berichtete \u00fcber sie, dass sie christliche Versammlungen besuchten und sich mit anderen Christen trafen. Daher wurden sie als \u201emissionarische\u201c Gefahr f\u00fcr den Rest ihrer Kollegen betrachtet. Auf den Druck von Polizei und Beamten des Geheimdienstes hin versetzte die Verwaltung sie an andere Arbeitsorte. Dies wurde ihnen ganz klar von den Verwaltungsbeamten gesagt. Weil die Beteiligten nicht glauben, dass sie mit einer Beschwerde einen positiven Erfolg haben w\u00fcrden und auch kein Gerichtsverfahren anstrengen wollen, haben sie nichts unternommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2012 bewirkte die Strategie, Aufenthaltsgenehmigungen nicht mehr zu erneuern oder Leute auszuweisen, dass etliche ausl\u00e4ndische Personen und Familien, die zur evangelischen Gemeinschaft geh\u00f6rten, das Land verlassen mussten. Diese Menschen haben seit vielen Jahren in der T\u00fcrkei gelebt. Viele haben H\u00e4user gekauft und andere Investitionen get\u00e4tigt. Viele wurden mitten im Schuljahr ihrer Kinder aufgefordert, das Land zu verlassen. Wenn man bedenkt, dass bei etlichen Familien der Antrag auf Einb\u00fcrgerung abgelehnt und die Erneuerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung ohne jegliche Erkl\u00e4rung verweigert wurde, dr\u00e4ngt sich die Schlussfolgerung auf, dass diese Entscheidungen einzig aufgrund ihres Glaubens getroffen wurden. Einige der Personen, die ihren Glauben gewechselt haben, lie\u00dfen, obgleich sie Christen sind, auf ihrem Ausweis \u201eIslam\u201c als Religion eintragen, weil sie sonst bei der Arbeitsplatzvergabe, im Arbeitsleben und im Alltagsleben diskriminiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>10.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Medien <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als positive Entwicklung war 2012 festzustellen, dass die diffamierenden und unrichtigen Informationen \u00fcber Christen und die Verbreitung von nicht objektiven Sendungen \u00fcber nationale Medien im Vergleich zu 2011 abgenommen haben. Doch obgleich sie an Zahl abgenommen haben, wird von der evangelischen Gemeinschaft mit Sorge beobachtet, dass das Christentum und\/oder seine Symbole mit terroristischen Gruppierungen in Verbindung gebracht werden und dass auch Christen oder das Christentum als negative Komponente der Gesellschaft dargestellt werden. Diese Art Programmierung birgt das Potenzial, gef\u00e4hrliche Auswirkungen f\u00fcr Christen zu haben. Auch in lokalen Programmen und im Internet wurden gegen Christen gerichtete Ver\u00f6ffentlichungen beobachtet. <b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>11.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Prozess im Mordfall von Malatya <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nun fast 6 Jahre her, seit drei Christen in Malatya auf grausame Weise ermordet wurden, und mehr als f\u00fcnf Jahre seit dem Beginn des Prozesses. Die im Jahr 2012 beim Gericht eingereichte neue Anklageschrift und der Ablauf des Prozesses geben detaillierte Informationen dar\u00fcber, wie die angeklagten Anstifter ein Umfeld von Hass gegen Nicht-Muslime geschaffen haben und was f\u00fcr eine Rolle \u00f6ffentliche Amtstr\u00e4ger, die Medien und die Zivilgesellschaft damals gespielt haben. Die Familien und die evangelische Gemeinschaft hoffen auf substanzielle Beweise im laufenden Prozess und auf ein rasches Prozessende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>12.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dialog<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vereinigung Protestantischer Kirchen wurde eingeladen, am Komitee zur Einigung \u00fcber die Verfassung teilzunehmen, das die Aufgabe hat, bei dem Entwurf einer neuen Verfassung mitzuwirken. Vertreter der Vereinigung hatten die M\u00f6glichkeit, schriftlich und m\u00fcndlich ihre Vorschl\u00e4ge einzubringen. Dies wurde von der Vereinigung als positive und bedeutsame Entwicklung betrachtet. Wie oben gesagt, war eine weitere positive und bedeutsame Entwicklung im Jahr 2012, dass es keine Probleme gab, \u00fcberall im Land Weihnachten zu feiern, manchmal sogar unter freiem Himmel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>13.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Empfehlungen <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>13.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Empfehlungen f\u00fcr die neue Verfassung und die Gesetzgebung <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Periode der Erarbeitung einer neuen Verfassung sollte ohne Verz\u00f6gerung, unter Beteiligung aller Gesellschaftsgruppen und mit Respektierung der Menschenrechte, der Herrschaft des Gesetzes, der Institutionen und der demokratischen Prozesse, die alle in einer oder anderer Form garantiert werden, zum Abschluss gebracht werden. In der Verfassung sollte die Freiheit von Religion und Glauben genau so garantiert werden wie es der Artikel 9 der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention besagt. Ein Schritt nach vorne im Bereich der Freiheit von Religion und Glauben w\u00e4re, wenn die Regierung versichern w\u00fcrde, dass sie alle Religionen gleichbehandelt und sie unparteiisch respektiert. Ein Dialog der Regierung oder einer \u00f6ffentlicher Institution mit der evangelischen Gemeinschaft bez\u00fcglich Fragen, die uns betreffen, w\u00fcrde viel dazu beitragen k\u00f6nnen, dass es mit der Beseitigung von Vorurteilen und einer L\u00f6sung von Problemen vorangeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>13.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Empfehlungen f\u00fcr das Justizministerium und das Innenministerium <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist bedauerlich, dass Intoleranz und Hassdelikte gegen\u00fcber Christen auch 2012 stattgefunden haben. Hassdelikte (auch gegen welche Gruppen sie sich richten) sollten wirksam vom Justizministerium registriert werden und die Faktoren, die die Basis daf\u00fcr bilden, dass diese Verbrechen begangen werden k\u00f6nnen, m\u00fcssten beseitigt werden. Das Gesetz gegen Hassdelikte sollte festgeschrieben werden, effiziente polizeiliche Nachforschungen sollten durchgef\u00fchrt und Hassdelikte sollten nicht hingenommen und gestattet werden. . Ein wirksames und umfassendes Gesetz gegen Diskriminierung muss geschrieben werden. Das Problem der Einrichtung von Gottesdienstorten f\u00fcr evangelische Gemeinden, die keine historischen Kirchengeb\u00e4ude haben, ist seit Jahren akut und konnte noch nicht gel\u00f6st werden. Dies wird aber als ein Grundrecht f\u00fcr die Aus\u00fcbung einer Religion betrachtet. In dieser Sache sollten sofortige Schritte seitens der lokalen und zentralen Beh\u00f6rden getan werden. Christen m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit haben, kleine Gebetsst\u00e4tten zu \u00f6ffnen, die ihnen zur Verf\u00fcgung gestellt werden, \u00e4hnlich dem Moschee-Konzept. St\u00e4dte, das Ministerium f\u00fcr Kultur und andere Regierungsbeh\u00f6rden, die Kirchengeb\u00e4ude besitzen, sie aber f\u00fcr andere Zwecke nutzen, sollten christlichen Gemeinden zumindest erlauben, diese Geb\u00e4ude an Sonn- oder Festtagen f\u00fcr den Gottesdienst zu benutzen. Die Rubrik \u201eReligionszugeh\u00f6rigkeit\u201d auf Ausweisen und anderen Dokumenten \u00f6ffnet die T\u00fcr f\u00fcr Diskriminierung und muss entfernt werden. Die Sicherheitskr\u00e4fte m\u00fcssen \u00fcber die Rechte von Nichtmuslimen informiert werden, dazu geh\u00f6rt das Recht, seinen Glauben zu verbreiten. Es darf nicht zugelassen werden, dass diese Grundrechte und Freiheiten von staatlichen Vertretern oder sonst einer Person mit der Begr\u00fcndung, es handle sich um \u201emissionarische Aktivit\u00e4ten\u201c, verweigert werden. Die Verweigerung von Visa oder die Ausweisung von ausl\u00e4ndischen Gemeindemitgliedern aufgrund von sogenannter \u201emissionarischer Aktivit\u00e4t\u201d muss aufh\u00f6ren. Beamte des \u00f6ffentlichen Dienstes m\u00fcssen im Rahmen der Menschenrechtsausbildung geschult werden, die Gewissens- und Religionsfreiheit zu achten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>13.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Empfehlungen f\u00fcr das Erziehungsministerium <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Informationen oder Erkl\u00e4rungen, die Hass oder Vorurteile gegen\u00fcber Christen beinhalten, vor allem Kapitel in Schulb\u00fcchern mit \u00dcberschriften wie \u201emissionarische Aktivit\u00e4ten\u201c, m\u00fcssen entfernt werden. Es d\u00fcrfen nicht nur gute Vors\u00e4tze gefasst werden, sondern es m\u00fcssen Schritte unternommen werden, damit \u00fcberwacht wird, dass politische Entscheidungen hinsichtlich der Ausformung einer Kultur durchgesetzt werden, in der verschiedene Glaubensrichtungen mit Respekt f\u00fcreinander zusammenleben k\u00f6nnen. Aufgrund der M\u00f6glichkeit, dass christliche Familien und Sch\u00fcler stigmatisiert werden und unter sozialen Druck geraten, wird erwartet, dass das Erziehungsministerium vorbeugend die Schulen bez\u00fcglich der Rechte von Nichtmuslimen in Schule und Klassenzimmer informiert sowie \u00fcber die Frage der Befreiung vom Religionsunterricht, ohne darauf zu warten, dass die Familien Beschwerde einlegen. Wenn Regelungen bez\u00fcglich der Wahlf\u00e4cher verfasst werden, m\u00fcssen die Schulen die nichtmuslimischen Sch\u00fcler in der Schule ber\u00fccksichtigen und f\u00fcr sie Ersatzf\u00e4cher ohne islamische Inhalte vorsehen. Vertreter der zentralen und lokalen Regierungsbeh\u00f6rden, vor allem im Bereich des Erziehungsministeriums, sollten dringend aktiv die Idee einer Kultur f\u00f6rdern, in der Menschen einer anderer Religion Verst\u00e4ndnis entgegengebracht wird und anerkannt wird, dass diese Menschen B\u00fcrger der Republik T\u00fcrkei sind und dieselben Rechte besitzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>13.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Empfehlungen f\u00fcr Print- und audiovisuelle Medien\u00a0 <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des Rechts auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung sollten die Medien ihren eigenen \u201eEthikkodex\u201d schaffen. Schnelle und effiziente Kontrollmechanismen sollten gegen Diskriminierung und Intoleranz in den gedruckten und gesendeten Medien eingerichtet werden.\u00a0 Hochachtungsvoll, Vereinigung Protestantischer Kirchen (T\u00fcrkei) Komitee f\u00fcr Religionsfreiheit und Rechtsfragen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Anmerkungen\u00a0 <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anm. 1 Mit Wirkung von Januar 2009 wurde die 1989 gegr\u00fcndete \u201eEvangelische Allianz in der T\u00fcrkei\u201c als Verein eingetragen und arbeitet seitdem unter der Bezeichnung \u201eVereinigung Protestantischer Kirchen\u201c. Der Bericht der Evangelischen Allianz wurde \u00fcbersetzt von Heidemarie Henschel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anm. 2 Der Bericht beschr\u00e4nkt sich auf die evangelische Gemeinschaft, weil wir nur \u00fcber begrenzte Mittel verf\u00fcgen und \u00fcber diese Gruppierung am besten Bescheid wissen. Unsere Gemeinschaft verteidigt die Glaubensfreiheit f\u00fcr jedermann. Dies schlie\u00dft auch das Recht ein, nicht zu glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anm. 3 Was f\u00fcr Probleme die evangelische Gemeinschaft in Bezug auf Lokalit\u00e4ten f\u00fcr den Gottesdienst hat, kann man in dem Bericht vom November 2008 auf unserer englischen Website nachlesen. Die dort aufgef\u00fchrten Probleme dauern heute noch an. http:\/\/protestankiliseler. org\/index.php?option=com_content&amp;view=article &amp;id=1140&amp;Itemid=462<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anm. 4 Erziehungsministerium, Grundschule 8. Klasse \u201cGeschichte der Reformen der T\u00fcrkischen Republik und des Atat\u00fcrkismus\u201d Lehrbuch. Seite 205 (MEB \u0130lk\u00f6\u011fretim 8. s\u0131n\u0131f \u201cT\u00fcrkiye Cumhuriyeti \u0130nk\u0131lap Tarihi ve Atat\u00fcrk\u00e7\u00fcl\u00fck\u201d) State Book Publishers \u2013 ISBN: 978-975-11-3073-0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anm. 5 Sie k\u00f6nnen den diesbez\u00fcglichen Briefwechsel unter \u201cannouncements\u201d auf unserer englischen Website. www.protestankiliseler. org nachlesen. \u00a0\u00a0Quelle: IIRF Bulletin 2. Jahrgang, S. 1\u201313 = Nr. 9, M\u00e4rz 2013 Vereinigung Protestantischer Kirchen (T\u00fcrkei)\u00a0 Das Internationale Institut f\u00fcr Religionsfreiheit arbeitet unter der Aufsicht der Weltweiten Evangelischen Allianz und ist als Organisation registriert in PO Box 265, Suite 6, Borough House, Rue du Pr\u00e9, Saint Peter Port, Guernsey, Channel Islands, GY1 3QU. Das B\u00fcro in Colombo ist registriert bei der Asiatischen Evangelischen Allianz in Sri Lanka. Das B\u00fcro in Cape Town ist registriert als IIRF Cape Town B\u00fcro in S\u00fcdafrika. Das B\u00fcro in Bonn ist dem ProMundis e.V. angeschlossen (Bonn, 20 AR 197\/95).<\/p>\n<p><b>Inhaltsverzeichnis<\/b><\/p>\n<p><b>1.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Einleitung und Zusammenfassung (15. Januar 2013)<br \/>\n2.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hassdelikte als verbale und physische Angriffe<br \/>\n3.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Probleme bei der Einrichtung von Gottesdienstst\u00e4tten<br \/>\n4.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Recht auf Verbreitung der Religion<br \/>\n5.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Religionsunterricht als Pflichtfach<br \/>\n6.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Problem der Ausbildung von Geistlichen<br \/>\n7.)\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 Das Recht, sich zu\u00a0 organisieren<br \/>\n8.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Obligatorische Angabe der Religionszugeh\u00f6rigkeit<br \/>\n9.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Diskriminierung<br \/>\n10.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Medien<br \/>\n11.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Prozess im Mordfall von Malatya<br \/>\n12.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Dialog<br \/>\n13.)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Empfehlungen <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.)\u00a0 Einleitung und Zusammenfassung (15. Januar 2013) Die Vereinigung Protestantischer Kirchen (Anm. 1) bem\u00fcht sich mitzuhelfen, dass jedem Menschen an jedem Ort das Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit gew\u00e4hrt wird im Sinne von Artikel 18 der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte der Vereinten Nationen: \u201eJeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schlie\u00dft [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":390,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[21,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9330"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/390"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9330"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9330\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9341,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9330\/revisions\/9341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}