{"id":9323,"date":"2013-04-18T09:26:46","date_gmt":"2013-04-18T07:26:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9323"},"modified":"2013-04-18T09:26:46","modified_gmt":"2013-04-18T07:26:46","slug":"religionsfreiheit-und-christenverfolgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9323","title":{"rendered":"Religionsfreiheit und Christenverfolgung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzlich titelte der Spiegel anl\u00e4sslich des Gru\u00dfwortes der Bundeskanzlerin auf der Herbst-Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Timmendorfer Strand: \u201eMerkel beim Kirchenparlament: \u201aDas Christentum ist die am meisten verfolgte Religion\u2018\u201c. Viele Zeitungen und Kommentare waren emp\u00f6rt. Und diese Emp\u00f6rung \u00fcber Merkels Satz schien bei Etlichen gr\u00f6\u00dfer zu sein, als \u00fcber Christenverfolgung selbst. Ich h\u00e4tte doch wenigstens Aussagen in den Medien erwartet wie: \u201eJa, Christenverfolgung ist weltweit stark verbreitet, es sterben viel zu viele Christen, aber man sollte doch auch &#8230;\u201c \u2013 So jedoch bekommt man den Eindruck, dass die Reaktion anders gewesen w\u00e4re, wenn sie eine andere Religion als das Christentum erw\u00e4hnt h\u00e4tte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann vor allem die Argumentation nicht nachvollziehen, die oft zu h\u00f6ren war, dass eine solche Aussage nicht zul\u00e4ssig sei, da sie andere Religionen herabsetze oder sage, deren Verfolgung sei weniger schlimm. Wir sagen st\u00e4ndig, dass Frauen h\u00e4ufiger als M\u00e4nner misshandelt werden. Damit hei\u00dfen wir doch die Misshandlung von M\u00e4nnern nicht gut! Wer feststellt, dass j\u00fcdische Gr\u00e4ber \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig gesch\u00e4ndet werden, h\u00e4lt doch anderweitige Grabsch\u00e4ndung nicht f\u00fcr gut oder weniger schlimm. Und Rankings gibt es beispielsweise f\u00fcr Demokratie, Pressefreiheit, oder f\u00fcr Korruption, Rasssismus, Frauenfeindlichkeit und deren Opfer, warum nicht f\u00fcr Religionsfreiheit und deren Opfer? In meinem Buch \u201eRassismus\u201c belege ich, dass die weltweit verbreitesten Arten des Rassismus die gegen Juden, Sinti und Roma und gegen Dunkelh\u00e4utige sind. Damit setze ich doch andere Opfer nicht herab. \u201eJeder Verfolgte leide \u2013 egal, welcher Religion er angeh\u00f6rt\u201c, sagte der Chef von \u201eHuman Rights Watch\u201c (HRW), Wenzel Michalski. Und in der WELT hie\u00df es j\u00fcngst, die Bundesregierung solle sich f\u00fcr den Schutz aller bedrohten Minderheiten einsetzen. Aber genau das tut diese Bundesregierung mehr als fast alle anderen Regierungen der Welt! Bei der letzten Bundestagsdebatte sa\u00df ich auf der Ehrentrib\u00fcne zwischen dankbaren Bahai, Aleviten, Sufis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrem Synodalgru\u00dfwort zu Recht die weltweite Lage der Religionsfreiheit allgemein als sehr negativ bezeichnet und auch deutlich gesagt, dass die Religionsfreiheit \u201eals elementares Menschenrecht\u201c weltweit und in Deutschland zu sch\u00fctzen sei. Wer immer der Kanzlerin unterstellte, sie wolle nur Christen sch\u00fctzen, hat nicht zugeh\u00f6rt, weder vor der Synode, noch sonst, wenn die Kanzlerin zu diesem Thema spricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keiner sagte \u00fcbrigens, soweit ich das \u00fcbersehen kann, ihre Aussage sei generell falsch. Einige sagten \u2013 und das k\u00e4me der Wahrheit schon n\u00e4her \u2013 wir h\u00e4tten daf\u00fcr noch nicht genug Daten, m\u00fcssten den vorhandenen Zahlen gegen\u00fcber zur\u00fcckhaltender sein oder man m\u00fcsse hier und dort noch mehr differenzieren. Dar\u00fcber kann und muss man gewiss streiten: Ich selbst habe mit wissenschaftlichen Argumenten beispielsweise gerade die oft genannte Zahl von weltweit 100.000 christlichen M\u00e4rtyrern widerlegt: Diese Zahl ist vermutlich f\u00fcnf bis zehnmal zu hoch. Wer jedoch die Aussage der Bundeskanzlerin als solche anzweifelt, sollte sich lieber nicht mit ihrem kurzen Statement auseinander setzen, sondern mit den Fachleuten und Untersuchungen, auf die die Bundeskanzlerin damit zur\u00fcck greift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da w\u00e4re etwa die neue umfangreiche Studie \u201eChristianophobia\u201c (Oxford 2012) von Rupert Shortt, der die Aussage der Bundeskanzlerin w\u00f6rtlich enth\u00e4lt. Da w\u00e4re der Bericht des PEW Forums on Religion &amp; Public Life vom August 2011 (\u201eRising Restrictions on Religion\u201c), nach dem keine Religion in mehr L\u00e4ndern Unterdr\u00fcckung erlebte, als die Christen, n\u00e4mlich in 130 L\u00e4ndern. Da w\u00e4ren Ver\u00f6ffentlichungen des Internationalen Instituts f\u00fcr Religionsfreiheit, das ich leite, das zwar evangelisch orientiert ist, in dessen akkreditierter Fachzeitschrift \u201aInternational Journal of Religious Freedom\u2019 aber Vertreter aller Religionen wie auch nichtreligi\u00f6se Forscher ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich selbst bin wohl auch nicht ganz unschuldig, da ich 2010 in meinem Hauptvortrag auf der 47. EAK-Bundestagung \u201eVerfolgung und Diskriminierung von Christen im 21. Jahrhundert\u201c im Jahre 2010 (s. \u201eEvangelische Verantwortung\u201c 11+12\/2010, S. 5\u201310), vor dem die Bundeskanzlerin ein eindeutiges Bekenntnis zur Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung ablegte, \u00e4hnliche Aussagen gemacht habe, zu denen ich weiter stehe, zumal die Daten, die die zunehmend Forschung zur Lage der Religionsfreiheit in den letzten drei Jahren hervorgebracht haben, mich darin best\u00e4rken. Deswegen m\u00f6chte ich das Wesentliche kurz skizzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Das Christentum auf der Sonnen- und Schattenseite der Religionsfreiheit <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Christentum genie\u00dft die Sonnenseite der Religionsfreiheit st\u00e4rker als die anderen gro\u00dfen Weltreligionen, aber auch seine Schattenseite st\u00e4rker. Keine andere gro\u00dfe Religionsgemeinschaft hat einen so hohen Prozentsatz an Mitgliedern, die unbehelligt ihre Religionsfreiheit leben k\u00f6nnen. Das hat nat\u00fcrlich damit zu tun, dass fast alle ehemals \u201echristlichen\u201c Staaten, also Staaten mit einer christlichen Bev\u00f6lkerungsmehrheit, heute Religionsfreiheit gew\u00e4hren und \u00fcberwiegend funktionierende Demokratien sind. Eine gewisse Ausnahme von der Regel bieten einige orthodoxe L\u00e4nder, die sich noch im Zwischenfeld zwischen Demokratie und autokratischen Staaten befinden und deswegen Religionsfreiheit teilweise beschr\u00e4nken, wenn dort auch niemand f\u00fcr seinen Glauben stirbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits hat keine andere gro\u00dfe Religionsgemeinschaft einen so hohen Prozentsatz an Angeh\u00f6rigen aufzuweisen, die von st\u00e4ndigen Schikanen bis hin zur Bedrohung an Leib und Leben betroffen sind. Und auch unter den kleineren Religionen gibt es nur wenige mit vergleichbaren Prozents\u00e4tzen, wie etwa die Bahai, die dies wesentlich ihrer Gr\u00fcndung im Iran und ihrer starken Verbreitung in der islamischen Welt zu verdanken haben, oder den Zeugen Jehovas, deren Kriegsdienstverweigerung sie vielerorts ins Gef\u00e4ngnis f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in Washington angesiedelte PEW-Foundation hat in bisher drei Studien 2009, 2011 und 2012 alle vorhandenen internationalen Erhebungen zur Religionsfreiheit zusammengef\u00fchrt und ist dabei zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis gekommen, wie 2008 das ebenfalls in Washington ans\u00e4ssige \u201aCenter for Religious Freedom\u2018 des Hudson Instituts oder unser Internationales Institut f\u00fcr Religionsfreiheit: In 64 L\u00e4ndern der Erde, also einem Drittel, gibt es keine oder nur eine sehr eingeschr\u00e4nkte Religionsfreiheit. Leider machen diese 64 L\u00e4nder aber zwei Drittel, genauer 70 % der Weltbev\u00f6lkerung aus. An bewaffneten Konflikten mit mehr als 1.000 Toten, in denen die Religionszugeh\u00f6rigkeit eine zentrale Rolle spielt, waren 24 L\u00e4nder beteiligt, aus denen 18 Mio. der Fl\u00fcchtlinge weltweit hervorgingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schauen wir uns die 64 L\u00e4nder einmal n\u00e4her an in Bezug auf die beiden gr\u00f6\u00dften Weltreligionen: Eine gr\u00f6\u00dfere Zahl an Muslimen, die in einem nichtmuslimischen Land mit eingeschr\u00e4nkter Religionsfreiheit leben, gibt es nur in Indien. Umgekehrt: Eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Christen, die in einem Land mit einer eingeschr\u00e4nkten Religionsfreiheit leben, dass eine christliche Bev\u00f6lkerungsmehrheit hat, gibt es nur in Russland. Wenn wir einmal im Moment Indien und Russland au\u00dfen vor lassen, wird der Unterschied zwischen der Lage der Christen und der Muslime schnell deutlich: Die \u00fcbrigen 700 Mio. Muslime, die in L\u00e4ndern mit eingeschr\u00e4nkter oder ohne Religionsfreiheit leben, leben in islamischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen leben die \u00fcbrigen 200 Mio. Christen, die in L\u00e4ndern mit eingeschr\u00e4nkter oder ohne Religionsfreiheit leben, als Minderheiten in nichtchristlichen L\u00e4ndern, verteilt \u00fcberwiegend auf kommunistische L\u00e4nder und auf islamische L\u00e4nder (und eben auch auf Indien). Das hei\u00dft, dass eigentlich Muslime viel weniger Religionsfreiheit genie\u00dfen als Christen, da sie aber in muslimischen L\u00e4ndern leben, merken sie dies nur in den seltenen F\u00e4llen, wenn sie aus ihrer Religion ausbrechen wollen, etwa wenn sie Atheisten oder Christen werden wollen, oder wenn sie staatlicherseits nicht geduldeten Richtungen oder Abspaltungen zugeh\u00f6ren, so wie j\u00fcngst Schiiten in Pakistan ermordet wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Christenverfolgung ohne Parallele<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inwiefern berechtigt uns nun aber die H\u00e4ufigkeit und Massivit\u00e4t der Christenverfolgung weltweit, sie speziell in den Blick zu nehmen? Stimmt es, dass die Verfolgung von christlichen Minderheiten weltweit solche Ausma\u00dfe angenommen hat, dass sie sich rein zahlenm\u00e4\u00dfig aufdr\u00e4ngt, wenn es um Religionsfreiheit geht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher ist es dabei schwer, die ganze Welt \u00fcber einen Kamm zu scheren oder zu definieren, ab wann man eigentlich verfolgt oder diskriminiert ist. Schon, wenn man nur die berechtigte Sorge hat, die eigene Kirche k\u00f6nnte w\u00e4hrend eines Gottesdienstes angesteckt werden, oder nur, wenn sie wirklich angesteckt wird? Ist man nur verfolgt, wenn die Religion der einzige Grund f\u00fcr Schikanen ist, oder auch, wenn sie nur ein Element unter vielen darstellt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gewalt gegen Christen reicht vom Mord an Nonnen in Indien \u00fcber das Abfackeln von Kirchen in Indonesien und dem Verpr\u00fcgeln von Priestern in \u00c4gypten \u00fcber die Folter eines widerspenstigen Pfarrers in Vietnam bis hin zur Versto\u00dfung von Kindern aus ihrer Familie in der T\u00fcrkei oder Sri Lanka, wenn sie christliche Gottesdienste besuchen. Der hinduistische Fundamentalismus richtet sich auch gegen Muslime. Aber zu den 50.000 betroffenen Christen aus dem indischen Bundesstaat Orissa (die in den Jahren 2008\/2009 aus ihren H\u00e4usern vertrieben wurden, wobei etwa 500 Menschen starben, und die immer noch in Zelten leben), gibt es weltweit kaum eine Parallele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den 100.000 mit Waffengewalt auf den indonesischen Molluken-Inseln vertriebenen Christen in den Jahren 2000\/2001, bei denen es mehrere tausend Tote gab, gibt es derzeit ebenfalls keine Parallele. Im Sudan und Nigeria starben ebenfalls sehr viele Christen \u2013 so kompliziert im Einzelnen auch die Lage in diesen L\u00e4ndern an der Scheidegrenze zwischen Islam und Christentum in Afrika sein mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vertreibung von Hunderttausenden Christen aus dem Irak in den Jahren 2007 bis 2009 ist derzeit ohne Parallele in der Religionswelt. Dies findet nun leider aktuell vor allem in Syrien eine Fortsetzung. Denn diese Vertreibung ist nur ein Baustein einer gr\u00f6\u00dferen Entwicklung: Vor unseren Augen nimmt der Anteil der alteingesessenen orientalischen und katholischen Kirchen in den islamischen Kernl\u00e4ndern dramatisch ab. Jedes Mal, wenn ich den \u00d6kumenischen Patriarchen der Orthodoxen Kirche in Istanbul treffe, nennt er mir eine kleinere Zahl der Angeh\u00f6rigen seiner Kirche in der T\u00fcrkei, wo einst Millionen von Christen lebten. Der syrisch-orthodoxe Patriarch berichtete mir k\u00fcrzlich Erschreckendes \u00fcber Syrien, ja sogar \u00fcber den Libanon. Selbst in \u00c4gypten, dem einzigen islamischen Kernland, in dem sich eine orientalische Kirche in Millionenst\u00e4rke gehalten hat, l\u00e4sst die j\u00fcngste Entwicklung bef\u00fcrchten, dass die Zeit des jahrhundertelangen Burgfriedens vorbei ist. In Syrien leiden Christen ungeheuer und ihre Zukunft sieht d\u00fcster aus, egal welche Partei gewinnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des Weiteren bekommen wir praktisch t\u00e4glich Meldungen von Kirchen, die angesteckt oder zerbombt werden, wobei Christen sterben, selten aus L\u00e4ndern wie Nepal, Sri Lanka oder Indien, schon h\u00e4ufiger aus Pakistan und Indonesien, st\u00e4ndig aber aus \u00c4gypten, Irak, Syrien oder Nigeria. Und ganz h\u00e4ufig liegt die Zahl der Todesopfer \u00fcber 20, bisweilen \u00fcber 50. Immer h\u00e4ufiger schaffen es solche Meldungen auch in die deutschen Medien. Etwas Vergleichbares ist mir f\u00fcr andere Religionen nicht bekannt. Bestenfalls k\u00f6nnen hier die Todesopfer innerislamischer Konflikte genannt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer diese dramatischen Ereignisse im 21. Jahrhundert durch geschichtliche Ereignisse \u00fcberbieten will, muss schon auf die Verfolgung der Juden im Dritten Reich oder die blutigen Unruhen zwischen Hindus und Muslimen w\u00e4hrend der Gr\u00fcndung Indiens und Pakistans zur\u00fcckgehen oder \u2013 wieder im Rahmen der Christenverfolgung \u2013 auf die Massenmorde durch Stalin oder Mao.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen Sie mich ein weiteres Beispiel w\u00e4hlen. In vielen L\u00e4ndern ist es gef\u00e4hrlich, den Islam zu verlassen, gleich ob in Richtung Atheismus, Bahai oder als Sekten angesehene islamische Richtungen. Nur geschieht eine solche Absetzung mit Abstand am h\u00e4ufigsten in Richtung der anderen gro\u00dfen Weltreligion, dem Christentum. Der Spiegel schreibt: \u201eSeit der Einfluss von Fundamentalisten in der islamischen Welt zunimmt, versch\u00e4rft sich der Druck auf die christlichen Minderheiten. Die EKD h\u00e4lt Christen f\u00fcr die weltweit am h\u00e4ufigsten verfolgte Glaubensgemeinschaft. (&#8230;) \u201eNoch mehr bedroht als traditionelle Christen sind jedoch Muslime, die zum Christentum konvertieren. Apostasie, der Abfall vom Islam, kann nach islamischem Recht mit dem Tod bestraft werden \u2013 und in Iran und im Jemen, in Afghanistan, in Somalia, Mauretanien, Pakistan, Katar und Saudi-Arabien gilt daf\u00fcr noch immer die Todesstrafe. (&#8230;) So verteidigte der Religionsminister die in \u00c4gypten nicht existierende Todesstrafe f\u00fcr Konvertiten \u2013 weil der Abfall vom Islam einem Hochverrat gleichkomme.\u201c2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Vier negative Entwicklungen <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Folgenden seien vier negative Entwicklungen genannt, die die Religionsfreiheit und insbesondere auch die Freiheit der Christen derzeit zunehmend beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>1. Fundamentalismus <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Platz Nummer 1 findet sich unbestritten der Fundamentalismus, insbesondere gewaltt\u00e4tige fundamentalistische Bewegungen im Islam, im Hinduismus (vor allem in Indien) und im Buddhismus (vor allem in Sri Lanka). Der Fundamentalismusbegriff meint heute nicht l\u00e4nger eine bestimmte \u201ekonservative\u201c Sicht der Heiligen Schrift und auch nicht das, was in manchen Medien verbreitet wird. Der heute g\u00e4ngige religionssoziologische \u201eFundamentalismus\u201c-Begriff meint nicht, einen Wahrheitsanspruch zu haben. Dann g\u00e4be es auf dieser Welt fast nur Fundamentalisten und die tolerantesten Menschen w\u00e4ren diejenigen ohne Religion und Wahrheitsanspruch (die Realit\u00e4t entkr\u00e4ftet dieses Argument). Fundamentalismus meint heute vielmehr, einen \u201eWahrheitsanspruch mit Gewalt durchsetzen\u201c zu wollen und ist besonders ab 1979 gepr\u00e4gt worden, als Ayatollah Chomeini im Iran seinen Wahrheitsanspruch allen Menschen aufzwang und bis heute aufzwingen m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Mensch, der etwas f\u00fcr absolut richtig oder falsch h\u00e4lt, wird dadurch nicht gef\u00e4hrlich. Ein Problem wird er f\u00fcr die Gesellschaft erst, wenn er daraus ableitet, dass er andere zwingen darf, dasselbe zu glauben, dasselbe zu tun, und dass die ganze Gesellschaft so zu funktionieren hat, wie er es f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Und es ist diese Art des Fundamentalismus, die in verschiedenen Weltreligionen aufgetreten ist, die f\u00fcr die ganz gro\u00dfe Zahl der christlichen M\u00e4rtyrer und f\u00fcr die Opfer anderer Religionen verantwortlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hauptt\u00e4ter sind vorwiegend nicht Regierungen oder Bev\u00f6lkerungen, sondern vor allem gewaltt\u00e4tige, fundamentalistische Bewegungen, die in den meisten F\u00e4llen die Regierungen ihrer Herkunftsl\u00e4nder bekriegen \u2013 der Iran und Sri Lanka sind hier ebenso eine Ausnahme wie von Saudi Arabien oder Pakistan geduldete oder gar unterst\u00fctzte islamistische Bewegungen in anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fundamentalismus hat neben seinem unmittelbaren Einfluss eine weitere verheerende Entwicklung in Gang gesetzt, weil er gerade in bev\u00f6lkerungsreichen L\u00e4ndern wie Indien, Indonesien oder Nigeria, in denen die gro\u00dfen Weltreligionen fr\u00fcher halbwegs friedlich zusammengelebt haben, Unruhe stiftet und Gewalt anheizt. Wenn dann staatliche Akteure nicht kompromisslos dagegen vorgehen, wie es im Falle des Hinduismus in Indien oder im Fall des Islam in Indonesien oft der Fall war, kann eine Minderheit einer Religion \u2013 meist bewegt sich die Anh\u00e4ngerschaft zwischen 1 und 5 % \u2013 ganze L\u00e4nder destabilisieren und das friedliche Verh\u00e4ltnis von vielen Millionen Menschen mit Spannung aufladen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>2. Nationalismus <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Globalisierung und die Verschiebung von Menschenmassen weltweit gibt es immer mehr L\u00e4nder, bei denen es ganz schwierig wird, einen Nationalismus an einer gemeinsamen Abstammung, an einer gemeinsamen Geschichte, an einer gemeinsamen Sprache oder \u00c4hnlichem festzumachen. Es gibt immer mehr L\u00e4nder oder Parteien, die, um den Nationalismus zu retten oder die Bev\u00f6lkerung hinter sich zu scharen, zur Karte \u201eReligion\u201c greifen. Ein T\u00fcrke ist Muslim, ein Einwohner Sri Lankas ist Buddhist, ein Inder ist Hindu und neuerdings ist ein Ungar am besten Christ.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nationalismus ist nicht die fundamentalistische Variante, die direkt Gewalt bef\u00fcrwortet. Aber der Nationalismus nimmt dennoch weltweit zu und die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Land wird heute wieder st\u00e4rker nach der Mehrheitsreligion bestimmt. Der religi\u00f6se Nationalismus ist auch in der \u201eArabellion\u201c in den arabischen L\u00e4ndern die ganz gro\u00dfe Gefahr. Die diversen arabischen Gesellschaften eint eigentlich nichts mehr, sie sind v\u00f6llig zerrissen. Da bleibt der Ruf nicht ungeh\u00f6rt: \u201eNur unter der religi\u00f6sen Flagge ist eine Zukunft des Landes m\u00f6glich.\u201c Damit werden aber alle religi\u00f6sen Minderheiten und Nichtmuslime ausgegrenzt oder zu B\u00fcrgern zweiter Klasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>3. Die Vertreibung der alteingesessenen Christen aus den islamischen Kernl\u00e4ndern <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die dritte gro\u00dfe Entwicklung ist die Vertreibung der alteingesessenen Christen und christlichen Kirchen aus den Kernl\u00e4ndern der islamischen Welt. Die islamische Welt ist \u2013 von S\u00fcdostasien abgesehen \u2013 inzwischen fast v\u00f6llig ohne Judentum; wenn die Entwicklung der letzten Jahre so weiter geht, ist sie vielleicht bald \u2013 bis auf S\u00fcdostasien \u2013 christenfrei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel T\u00fcrkei: In den letzten Jahren sind insgesamt nur wenige Christen wegen ihres Christseins umgebracht worden. Die angestammten christlichen Kirchen \u2013 beispielsweise griechisch-orthodoxe Gemeinden \u2013 sterben durch den Wegzug der J\u00fcngeren und Gebildeten langsam aus. Junge Familien haben sich aufgrund der allt\u00e4glichen Diskriminierung l\u00e4ngst in den Westen aufgemacht. Das ist auf die islamischen Kernl\u00e4nder hochgerechnet eine ganz dramatische Entwicklung: Mit dieser Art der Christenheit, die oft verbunden ist mit einer uralten Sprache (darunter auch die Sprache Jesu) und uraltes Kulturgut bewahrt, gehen nicht nur Kirchen, sondern alte Kulturen unter. Was die Kopten weiter vererben, ist \u00fcberwiegend \u00e4gyptische Kultur aus der Zeit, bevor der Islam \u00c4gypten eroberte. Die Kopten vererben die christliche Kultur vor der Zeit des Islam und der Arabisierung und darin eingeschlossen Elemente der vorchristlichen \u00e4gyptischen Kultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gilt ganz \u00e4hnlich auch f\u00fcr andere religi\u00f6se Minderheiten in der islamischen Welt, einschlie\u00dflich islamischer Minderheiten, z. B. die \u00fcberwiegend t\u00fcrkischen Aleviten. Sie machen sch\u00e4tzungsweise 13 % der Bev\u00f6lkerung aus, sind aber in der T\u00fcrkei nicht geduldet, wurden fr\u00fcher schwer verfolgt und werden heute stark diskriminiert. Deutschland ist ihr Flucht- und Ankunftsland Nummer 1. Hier integrieren sie sich \u00fcberwiegend gut, da sie die Scharia nicht einhalten und immer schon Frauen mehr Rechte zubilligten. Auch die Bahai aus dem Iran haben in allen Kernl\u00e4ndern des Islam noch mehr Probleme als Christen durch Diskriminierung, Benachteiligung und Verfolgung. Viele von ihnen haben daher ihre Heimatl\u00e4nder in Richtung Westen verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>4. Beschr\u00e4nkung der Religionsfreiheit durch Registrierungspflicht <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vierte zu nennende weltweite Entwicklung ist die Beschr\u00e4nkung der Religionsfreiheit durch Registrierungspflichten. Wir haben ein zunehmendes Problem in vielen L\u00e4ndern der Erde, dass es immer kompliziertere Registrierungsprozesse gibt. Vor allen Dingen die kleinen Religionsgemeinschaften sind dem Dauerverdacht ausgesetzt, aus dem Ausland ferngesteuert zu sein, Geldw\u00e4sche zu betreiben oder f\u00fcr den inneren Frieden des Landes gef\u00e4hrlich zu sein. Zum Teil werden dann Gesetze erlassen, die alle treffen, und das f\u00fchrt dazu, dass weltweit eine wachsende Zahl von Christen pl\u00f6tzlich in der Illegalit\u00e4t landet. Die Konsequenzen sind dann h\u00e4ufig, dass sie keine Geb\u00e4ude besitzen d\u00fcrfen, dass sie keine theologische Ausbildung anbieten k\u00f6nnen, dass sie Schwierigkeiten haben, in bestimmte Berufe zu gelangen, nicht f\u00fcr den Staat arbeiten oder studieren k\u00f6nnen und \u00c4hnliches mehr. Der Sonderberichterstatter der UN f\u00fcr Religionsfreiheit, Prof. Heiner Bielefeldt, hat erfreulicherweise die Registrierungsthematik zum Schwerpunktthema seines letzten T\u00e4tigkeitsberichtes gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus all dem wird deutlich: Die fehlende Religionsfreiheit anderer L\u00e4nder wirkt sich in einer globalisierten Welt automatisch auch auf uns aus: Zu den koptischen Festen im Dezember 2010 und Januar 2011 gab es beispielsweise Anschl\u00e4ge auf koptische Kirchen in \u00c4gypten mit zahlreichen Todesopfern. Danach gab es zum Neujahrsgottesdienst ernstzunehmende Drohungen gegen koptische Kirchen in Europa. Was vielen dabei entgangen ist: Kurze Zeit sp\u00e4ter fanden erstmals seit vielen Jahrzehnten in Deutschland Gottesdienste einer ganzen Konfession unter Polizeischutz statt! Wir leben in einer globalisierten Welt: Die Probleme kommen zu uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Vier positive Entwicklungen <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zeitgleich aber mit den bereits beschriebenen negativen Entwicklungen sind nun auch positive Trends erkennbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>1. \u00d6kumenische Anstrengungen gegen Christenverfolgung <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel weltweit: Die R\u00f6misch-Katholische Kirche, der \u00d6kumenische Rat der Kirchen und die Weltweite Evangelische Allianz haben 2011 gemeinsam einen Ethikkodex f\u00fcr Mission erarbeitet: \u201eDas christliche Zeugnis einer multireligi\u00f6sen Welt\u201c. Dort wird festgelegt, dass Mission immer die W\u00fcrde der Menschen und ihre Menschenrechte zu achten hat und nie Gewalt, staatliche Unterst\u00fctzung, Bestechung oder psychologische Manipulation einsetzen darf. Das erste gemeinsame Dokument der drei gr\u00f6\u00dften christlichen Dachverb\u00e4nde, die zusammen etwa 95 % der Weltchristenheit repr\u00e4sentieren, ist nicht zuf\u00e4llig aus der Not der Christenverfolgung heraus geboren worden und reagiert auf Antibekehrungsgesetze weltweit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel Indien: In Indien haben sich die Katholische Kirche, der nationale \u00d6kumenische Rat der Kirchen und die Nationale Evangelische Allianz zu einem Dachverband \u201aNational United Christian Forum\u2018 in India, in Bangladesh zum \u201aThe United Forum of Churches Bangladesh\u2018 zusammengeschlossen, die jeweils gegen\u00fcber der Regierung mit einer Stimme auftreten und Diskriminierung und Verfolgung von der Christen gemeinsam erfassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel Deutschland: J\u00fcngst hat die Synode der EKD einen Gedenksonntag f\u00fcr bedr\u00e4ngte und verfolgte Christen eingerichtet. Die Deutsche Bischofskonferenz hat den M\u00e4rtyrergedenktag am zweiten Weihnachtsfeiertag reaktiviert, der bis zum Fall der Mauer eine wichtige Rolle spielte. Die Evangelische Landeskirche in W\u00fcrttemberg, traditionell immer schon am Leid verfolgter Christen interessiert, nutzt denselben Termin, empfiehlt aber auch den Termin der EKD. Die Deutsche Evangelische Allianz folgt seit 1996 mit dem Weltweiten Gebetstag f\u00fcr verfolgte Christen einem internationalen Termin Anfang November. Trotz der unterschiedlichen Termine haben sich erfreulicherweise alle Akteure schon mehrfach an einen Tisch gesetzt, festgestellt, dass sie alle das gleiche Anliegen verfolgen und als symbolischen Ausdruck der Gemeinsamkeiten entschieden, f\u00fcr jedes liturgische Jahr ein gemeinsames Schwerpunktland zu suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>2. Politische Anstrengungen gegen Christenverfolgung <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt im politischen Bereich gro\u00dfe Fortschritte im Einsatz f\u00fcr Religionsfreiheit in unfreien L\u00e4ndern. Eine absolut ungew\u00f6hnliche Geschichte stammt von Sinyo Harry Sarundajang, die leider fast nur in Indonesien bekannt ist: Sarundajang wurde 2002 auf internationalen Druck hin vom indonesischen Pr\u00e4sidenten nach Nordsulawesi gesandt, wo auf der Insel Ambon beziehungsweise den sog. Molukken Tausende von Christen von einer schwerbewaffneten, 300 Mann starken Djihad-Armee namens \u201eLaskar Jihad\u201c umgebracht wurden. Die Provinz war unregierbar geworden, die Christen waren aber auch in die Problematik mit verstrickt, weil viele von ihnen die Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen der Inseln unterst\u00fctzten. Nun wurde Sarundajang als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gouverneur dorthin geschickt \u2013 zusammen mit einem Marinekontingent von Tausenden von Soldaten, um Frieden zu stiften und eine regul\u00e4re Gouverneurswahl vorzubereiten. Als \u00fcberzeugter Christ, dem der Ruf vorauseilte, gegen Korruption immun zu sein, besuchte er ohne Polizeischutz (die Armee blieb auf seinen Befehl hin in den Kasernen und auf den Schiffen) alle muslimischen F\u00fchrer privat zu Hause und suchte das Gespr\u00e4ch mit ihnen. Au\u00dferdem besuchte er die christlichen F\u00fchrer und sagte: \u201eF\u00fcr den Frieden erwarte ich aber, dass ihr die Unterst\u00fctzung der Unabh\u00e4ngigkeitspl\u00e4ne aufgebt.\u201c Ein entsprechendes Buch mit dieser Geschichte wurde von dem geistigen Vater von \u201eLaskar Jihad\u201c Attamimy zum Lob Sarundajangs geschrieben und enth\u00e4lt ein unglaubliches Vorwort des Gr\u00fcnders und Oberbefehlshabers der Djihad-Armee Ka&#8217;far Umar Thalib, der schreibt: \u201eWenn ich einen solchen Christen fr\u00fcher kennengelernt h\u00e4tte, h\u00e4tten wir unsere Armee nie gegr\u00fcndet.\u201c Er hat nach dem Treffen seine Armee schlicht und einfach aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel T\u00fcrkei: Im Jahre 2007 wurden zwei t\u00fcrkische Christen und ein deutscher Christ in der t\u00fcrkischen Stadt Malatya brutal ermordet. Ein wesentlicher Grund daf\u00fcr, dass der Prozess nicht im Sande verlaufen ist und man begann, nach den Hinterm\u00e4nnern zu suchen, liegt an der Prozessbeobachtung durch die Deutsche Botschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel S\u00fcdafrika: Der afrikanische Zweig des Internationalen Instituts f\u00fcr Religionsfreiheit (IIRF) hat in Zusammenarbeit mit politischen Institutionen ein neues Religionsfreiheitsgesetz f\u00fcr S\u00fcdafrika formuliert, das inzwischen dem Pr\u00e4sidenten zur Begutachtung vorliegt. In der Verfassung von S\u00fcdafrika wird zwar die Religionsfreiheit erw\u00e4hnt, aber auch gesagt, dass N\u00e4heres ein sp\u00e4teres Gesetz mit Verfassungsrang regeln soll. Sollte dies politische Vorhaben gelingen, d\u00fcrfte es Vorbildfunktion f\u00fcr ganz Afrika s\u00fcdlich der Sahara haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel Pakistan: Ein Mann in Pakistan, dem die Todesstrafe wegen \u00dcbertritt zum Christentum droht, wurde aufgrund der zunehmenden Besch\u00e4ftigung mit der Thematik vor Ort \u2013 u. a. durch westliche Botschaften \u2013 aus dem Land gebracht und erh\u00e4lt Asyl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>3. Wissenschaft im Einsatz f\u00fcr Religionsfreiheit <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christenverfolger haben dank der vermehrten Information und Dokumentation von Wissenschaftlern immer weniger Ausreden, zu behaupten, dass die Verfolgung erfunden oder \u00fcbertrieben sei. Wichtig ist auch: Neben den staatlichen Institutionen, die Daten sammeln, wie etwa das US-amerikanische Au\u00dfenministerium, gibt es Institutionen, die ihre akademische Unabh\u00e4ngigkeit bewahren, so dass ihre Ergebnisse \u00fcber jeden Zweifel der Parteilichkeit erhaben sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Beispiel: Die in S\u00fcdafrika vom Wissenschaftsrat akkreditierte junge internationale Fachzeitschrift \u201eInternational Journal for Religious Freedom\u201c (IJRF) hatte anf\u00e4nglich M\u00fche, Autoren zu finden, die sich der Begutachtung ihrer Artikel durch Kollegen (dem \u201epeer review\u201c) unterziehen wollten oder konnten. Doch die Zahl von Forschern aller Fachrichtungen, die sich mit dem Entzug von Religionsfreiheit in unterschiedlichen Kontexten besch\u00e4ftigen, nimmt weltweit stark zu. Daher wird es immer leichter, Fachbeitr\u00e4ge zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ein Beispiel: Zwei Religionsstatistiker, Brian J. Grim, bekannt als leitender Forscher der Studie \u201eGlobal Restrictions on Religion\u201c des PEW-Forums, und Roger Finke, Soziologieprofessor und Direktor der \u201eAssociation of Religion Data Archives\u201c, zeigen in ihrem Buch \u201eDer Nutzen der Freiheit wird verneint\u201c1, wie sehr Religionsfreiheit zum Frieden und Bestand einer Gesellschaft beitragen. Ihre Grundthese ist einfach: In L\u00e4ndern mit Religionsfreiheit gibt es viel mehr sozialen Frieden als in L\u00e4ndern ohne Religionsfreiheit. Die Beschr\u00e4nkung von Religionsfreiheit ist oft erst der Grund f\u00fcr gewaltt\u00e4tige Konflikte. Religi\u00f6se Homogenit\u00e4t garantiert keine Konfliktfreiheit, sondern beg\u00fcnstigt offensichtlich Spannungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel Oslo Erkl\u00e4rung: Die an der Universit\u00e4t Oslo angesiedelte \u201eOslo Koalition f\u00fcr Religions- und Weltanschauungsfreiheit\u201c hat die \u201eOslo Erkl\u00e4rung, missionarische Aktivit\u00e4ten und Menschenrechte: Empfohlene Grundregeln f\u00fcr missionarische Aktivit\u00e4ten\u201c erarbeitet, um eine globale Diskussion zu stimulieren. Mit finanzieller Unterst\u00fctzung des norwegischen Au\u00dfenministeriums haben Gelehrte zahlreicher Fachgebiete zusammen mit Experten des In- und Auslandes in Kooperation mit Repr\u00e4sentanten von Kirchen und praktisch allen nichtchristlichen Religionen in Norwegen den Text entwickelt. Die auch von muslimischen Verb\u00e4nden unterzeichnete Erkl\u00e4rung definiert friedliche Missionsanstrengungen als einen essentiellen Teil der Religionsfreiheit und somit als ein elementares Menschenrecht. Gleichzeitig unterstreicht das Dokument die Rechte derjenigen, die \u201emissioniert\u201c werden, ausdr\u00fccklich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>4. Menschenrechtsorganisationen pro Religionsfreiheit <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Traditionelle Menschenrechtsorganisationen setzen sich verst\u00e4rkt gegen Christenverfolgung und Verfolgung anderer religi\u00f6ser Minderheiten ein und sehen das Recht auf Religionsfreiheit als ein gleichwertiges Menschenrecht etwa neben Pressefreiheit oder Folterverbot an. Die \u201aGesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker\u2018 etwa macht religi\u00f6s bestimmte ethnische Minderheiten zum Thema, die \u201aInternationale Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte\u2018 eher Einzelschicksale. Selbst die gr\u00f6\u00dfte Menschenrechtsorganisation \u201aAmnesty International\u2018, die lange ungern konkrete Religionen thematisierte oder das Thema Religionsfreiheit oft stiefm\u00fctterlich behandelte, \u00e4ndert immer h\u00e4ufiger ihren Kurs, wie der Jahresbericht 2012 zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>1 Brian J. Grim, Roger Finke. <\/i><i>The Price of Freedom Denied: Religious Persecution and Conflict in the Twenty-First Century. Cambridge: Cambridge University <\/i><i>Press, 2010. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>2 Der Spiegel 8\/2010, S. 96-99<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher ist Direktor des Internationalen Instituts f\u00fcr Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Evangelische Verantwortung, Heft 3 + 4\/2013 (<a href=\"http:\/\/www.eak-cducsu.de\/web\/verantwortung.php\">www.eak-cducsu.de<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich titelte der Spiegel anl\u00e4sslich des Gru\u00dfwortes der Bundeskanzlerin auf der Herbst-Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Timmendorfer Strand: \u201eMerkel beim Kirchenparlament: \u201aDas Christentum ist die am meisten verfolgte Religion\u2018\u201c. Viele Zeitungen und Kommentare waren emp\u00f6rt. 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