{"id":9253,"date":"2013-04-02T16:10:30","date_gmt":"2013-04-02T14:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9253"},"modified":"2013-04-02T16:18:05","modified_gmt":"2013-04-02T14:18:05","slug":"eine-existentielle-auseinandersetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9253","title":{"rendered":"&#8222;Eine existentielle Auseinandersetzung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Interview mit Robert P. George<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die New York Times nannte ihn den konservativ-christlichen \u201eBig Thinker\u201c. Im Interview mit FreieWelt.net erl\u00e4utert Robert P. George, warum er das traditionelle Verst\u00e4ndnis der Ehe und des Lebens heute keinesfalls f\u00fcr obsolet h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">FreieWelt.net: <b>Sie k\u00e4mpfen seit vielen Jahren f\u00fcr die traditionelle Ehe zwischen einem Mann und einer Frau und lehnen die sog. Homo-Ehe ab. Sie haben die Pro-Argumente f\u00fcr Ihre Haltung in zahlreichen B\u00fcchern dargelegt. Einmal umgekehrt gefragt: Welche drei Argumente der Gegenseite halten Sie f\u00fcr die besten und gef\u00e4hrlichsten Argumente?<!--more--><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Robert-P.-George.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-9257\" alt=\"Robert P. George\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Robert-P.-George.jpg\" width=\"150\" height=\"104\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Robert-P.-George.jpg 360w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Robert-P.-George-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Robert P. George: \u00a0<\/b>1) Die Gleichberechtigung verlange eine Neudefinition der Ehe, um auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften darunter fassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) Widerstand gegen diese Neudefinition der Ehe sei eine Form von \u201eBigotterie\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) Die Ehe sei eine rein private oder religi\u00f6se Angelegenheit. Es sei nicht die Sache des Staates, die Ehe gesetzlich zu regeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">FreieWelt.net: <b>Und wie antworten Sie auf diese Argumente?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Robert P. George: <\/b>1) Das Argument setzt etwas Falsches voraus, n\u00e4mlich dass die Ehe einfach eine Form sexualromantischer oder h\u00e4uslicher Partnerschaft sei. Wenn das wahr w\u00e4re, k\u00f6nnten zwei gleichgeschlechtliche Personen nat\u00fcrlich genauso wie ein Mann und eine Frau eine Ehe eingehen. Aber unter der gleichen Voraussetzung k\u00f6nnten auch drei oder noch mehr Personen in polyamoren sexuellen Ensembles zusammen eine Ehe eingehen.\u00a0Wir h\u00e4tten au\u00dferdem keinen prinzipiellen Grund, die Ehe zu verstehen und zu behandeln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1) als eine sexuelle Partnerschaft \u2013 verstanden als Gegensatz zu einer Gemeinschaft die sich grunds\u00e4tzlich um andere gemeinsame Interessen oder Aktivit\u00e4ten (wie z.B. das Lesen und Diskutieren von Science Fiction B\u00fcchern oder Tennis-Spielen) herum gebildet hat;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) als eine sexuell \u201egeschlossene\u201c Beziehung, die Exklusivit\u00e4t und Treue verlangt, anstatt einer sexuell \u201eoffenen\u201c Partnerschaft, wenn die Partner das gerade zuf\u00e4llig miteinander bevorzugen; und<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) als eine Beziehung, die ein Versprechen der Dauer und Stabilit\u00e4t beinhaltet, anstatt einer Partnerschaft, die genausogut nur f\u00fcr eine bestimmte Frist begr\u00fcndet werden k\u00f6nnte \u2013 oder \u201eso lange wie die Liebe dauert\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu so etwas stehen die historische Definition und Verst\u00e4ndnis der Ehe als ein ehelicher Bund, d.h. eine umfassende (k\u00f6rperliche wie seelische) Verbindung \u2013 ein Beziehungstyp, der nat\u00fcrlich auf das gemeinsame Zeugen und Aufziehen von Kindern bezogen und \u2013 wenn alles gut geht \u2013 mit dem Geschenk von Kindern erf\u00fcllt ist (welche dadurch auch in den Genuss des Segens kommen, in der ehelichen Verbindung von Mutter und Vater als Ehemann und Ehefrau aufgezogen zu werden).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Verst\u00e4ndnis kann den Sinn der Ehe ergeben als eine von Natur aus sexuelle Beziehung, die ganz grunds\u00e4tzlich (und nicht aufgrund blo\u00dfer Stimmungen oder subjektiver Pr\u00e4ferenzen) die Vereinigung von zwei (nicht drei oder mehr) Personen in einer treuen, exklusiven und auf Dauer angelegten Verbindung ist. Die Redeweise von der \u201eGleichberechtigung der Ehe\u201c transportiert eine implizite Annahme dar\u00fcber, was Ehe ist. Sie kann die Ehe nicht von anderen Formen der Freundschaft oder Gemeinschaft abgrenzen oder einen grunds\u00e4tzlichen Ma\u00dfstab f\u00fcr die Normen liefern, auf der ihre charakteristische Struktur beruht. So anziehend diese Rhetorik auch sein mag, sie ist baut auf einem Irrtum auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) Dieses Argument beruht auf der verleumderischen Unterstellung, dass Leute, die das historische Verst\u00e4ndnis der Ehe als einen ehelichen Bund bekr\u00e4ftigen, dies ohne jegliche rationale Grundlage t\u00e4ten und angetrieben seien von Hass und Feindseligkeit. In Wahrheit ist die Argumentation f\u00fcr die Ehe als ein ehelicher Bund in jeder Hinsicht der Behauptung \u00fcberlegen, welche die Ehe blo\u00df als sexualromantische Partnerschaft begreift, die sich von anderen emotionalen Bindungen (wie einfacher Freundschaft) nur durch die Intensit\u00e4t oder die subjektiv zugewiesene Priorit\u00e4t abhebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer rein rationalen Analyse erweist sich, dass die Sichtweise gegen die traditionelle Ehe der Pro-Haltung nicht gewachsen ist. Das erkl\u00e4rt, warum das Ehebund-Verst\u00e4ndnis nicht nur vom Judentum und vom Christentum best\u00e4rkt wurde, sondern auch durch andere Traditionen und gro\u00dfe Denker au\u00dferhalb der j\u00fcdischen und christlichen Welt, angefangen bei Socrates (wie er von Plato vorgestellt wurde), Plato, Aristoteles, Musonius Rufus, Xenophanes und Plutarch bis hin zu Gandhi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) Dieses Argument spiegelt eine Art libert\u00e4ren Utopismus wider. Der Staat hat ein profundes Interesse an der Ehe und an einer bl\u00fchenden Kultur der Ehe, weil die auf der Ehe basierende Familie das urspr\u00fcngliche und beste Ministerium f\u00fcr Gesundheit, Erziehung und Wohlfahrt darstellt.\u00a0Sie stellt das bereit, was jede- juristische, politische, \u00f6konomische, etc. &#8211; Institution in der Gesellschaft ben\u00f6tigt, aber keine tats\u00e4chlich herstellen kann, n\u00e4mlich gut entwickelte, annehmbare, grunds\u00e4tzlich anst\u00e4ndige, einigerma\u00dfen tugendhafte Menschen. Kinder fahren am besten mit dem Geschenk, sowohl eine Mutter als auch einen Vater zu haben \u2013 idealerweise die Mutter und den Vater, welche ihnen das Leben geschenkt haben und deren ehelicher Einsatz das bestm\u00f6gliche Umfeld f\u00fcr ihr gutes Gedeihen herstellt. Die gesetzliche Anerkennung der Ehe und Gesetze, die die vielf\u00e4ltigen Aspekte ehelicher Beziehungen regeln, leisten (wenn sie gut fundiert sind) einen gro\u00dfen Beitrag dazu, den Menschen beizubringen, was die Ehe tats\u00e4chlich ist und die stabilisierenden Regeln aufrechtzuerhalten, die der Ehe ihre Bedeutung und ihre Struktur verleihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">FreieWelt.net: <b>Neben dem Schutz der Ehe setzen Sie sich auch besonders f\u00fcr den Lebensschutz ein. Wie stehen diese beiden Anliegen miteinander in Verbindung?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Robert P. George:<\/b> Die Unverletzlichkeit menschlichen Lebens unter allen Umst\u00e4nden und in allen Entwicklungsstufen und die W\u00fcrde der Ehe als ein Ehebund zwischen einem Ehemann und einer Ehefrau werde heute beide angegriffen, weil sie die Empfindlichkeiten von Menschen verletzen, die von einer Philosophie des expressiven Individualismus gepr\u00e4gt sind. Wir beobachten heute die kulturellen Konsequenzen des Liberalismus der \u201eMe-Generation\u201c (Baby-Boomers) Wenn man nach dem Slogan lebt \u201eTu es, wenn du dich dabei wohl f\u00fchlst\u201c, dann sucht man auch die \u201eBefreiung\u201c von Regeln, die R\u00fccksicht verlangen auf das Leben des Kindes im Mutterleib und die sexuellen Begierden b\u00e4ndigen. Diese Regeln stehen dem Impuls, alles zu bekommen was man will und das Leben zu leben das man w\u00fcnscht, im Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehen Sie, unser kultureller Kampf ist ein Konflikt von Weltanschauungen, eine existentielle Auseinandersetzung. Hier treten diejenigen, die glauben, da\u00df der Respekt f\u00fcr essentielle menschliche Werte (wie die Unverletzlichkeit des Lebens und das Verst\u00e4ndnis der Ehe als ein Ehebund als Basis der Familie) Selbstbeschr\u00e4nkung und die Beherrschung der eigenen Leidenschaften verlangt (wie es die Lehrer der Menschheit von Sokrates und Buddha bis zu Jesus und Gandhi verk\u00fcndet haben), gegen diejenigen an, die disziplinierte Anstrengungen zur Selbstbeherrschung, besonders auf dem Gebiet der Sexualit\u00e4t und der menschlichen Beziehungen, f\u00fcr eine Behinderung der freien und vollen Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und einen Verlust an Gen\u00fcssen und L\u00fcsten halten, welche das Beste seien, auf das Menschen hoffen k\u00f6nnen. Wir finden Sokrates, Buddha, Jesus und Gandhi auf der einen Seite dieses Kampfes der Weltanschauungen \u2013 und auf der anderen Seite sehen wir solche Figuren wie Sanger, Reich, Kinsey and Hefner. Das sind die Propheten der \u201eNeuen Moral\u201c der pers\u00f6nlichen Befreiung von traditionellen moralischen Regeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">FreieWelt.net:<b> Sie waren lange Zeit Vorsitzender der National Organization for Marriage (NOM) in den USA, die sich u.a. gegen die gleichgeschlechtliche Ehe einsetzt. Welche Mittel setzt die Organisation ein, um ihre Ziele zu erreichen? Und mit welchem Erfolg?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Robert P. George:<\/b> In den Vereinigten Staaten gibt es einen hochgeschraubten Kulturkampf \u00fcber die Definition, den Sinn und die Zukunft der Ehe. In unserem f\u00f6deralen System haben einige Staaten die Ehe neu definiert \u2013 als im wesentlichen eine Form sexualromantischer h\u00e4uslicher Partnerschaft (so da\u00df gleichgeschlechtliche Partner dort als legal \u201everheiratet\u201c anerkannt werden k\u00f6nnen), w\u00e4hrend eine weit gr\u00f6\u00dfere Zahl von Bundesstaaten die Idee der Ehe als eine Ehebund von Ehemann und Ehefrau best\u00e4rkt haben. Der Kampf wurde gef\u00fchrt in den Foren demokratischer Beratung und auch in den Gerichtsh\u00f6fen, wo Anspr\u00fcche auf der Basis bundestaatlicher und nationaler Verfassungsprinzipien angemeldet wurden. Die National Organization for Marriage (NOM) hat in den meisten dieser Streitigkeiten als f\u00fchrende Kraft das Ehebund-Verst\u00e4ndnis der Ehe verfochten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">FreieWelt.net: <b>In vielen L\u00e4ndern der EU sind derzeit Gesetzesinitiativen zur Homo-Ehe auf dem Vormarsch, etwa in Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Was k\u00f6nnen europ\u00e4ische Initiativen, die dagegen Widerstand leisten, von NOM lernen?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Robert P. George:<\/b> Die Verteidiger der Ehe in Europa k\u00f6nnen aus unseren Erfahrungen hier in den Vereinigten Staaten lernen, dass wir \u00fcber die historischen Frontlinien theologischer Spaltungen hinweg Koalitionen formen m\u00fcssen, um essentielle Werte aufrechtzuerhalten. NOM hat Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Juden, Mormonen und Muslime als gleichberechtigte Partner zusammengebracht \u2013 kurz, Menschen jedweden Glaubens und sogar solche, die \u00fcberhaupt nicht religi\u00f6s oder gl\u00e4ubig sind. Ich bin froh zu sehen, dass dies in Europa jetzt auch passiert. In Frankreich hat beispielsweise Rabbi Gilles Bernheim eine machtvolle Stellungnahme zur Verteidigung der Ehe als Verbindung von Ehemann und Ehefrau ausfertigen lassen \u2013 welche vom Papst gelobt und zitiert wurde. Gleicherma\u00dfen sind muslimische F\u00fchrer der Koalition zur Verteidigung der Ehe in Frankreich beigetreten. In der Tat gibt es sogar homosexuelle Aktivisten, die sich der Koalition angeschlossen haben, weil sie ebenfalls die Bedeutung des Ideals einer zweipolig m\u00e4nnlich-weiblichen Kindererziehung anerkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine andere Sache ist die Bedeutung m\u00e4chtiger philosophischer und soziologischer Argumente.<br \/>\nUm die Ehe effektiv zu verteidigen, braucht es ein angemessenes Verst\u00e4ndnis davon. Darum habe ich zusammen mit Sherif Girgis und Ryan T. Anderson das Buch <a href=\"http:\/\/whatismarriagebook.com\/\">What is Marriage? Man and Woman: A Defense<\/a> verfasst, das derzeit in verschiedene Sprachen \u00fcbersetzt wird. Meine Mit-Autoren und ich bem\u00fchen uns darum, den Menschen ein Verst\u00e4ndnis der Ehe als Ehebund sowie die Bedeutung der Aufrechterhaltung der Ehe als ideale Institution zur Verbidnung von M\u00e4nnern und Frauen als Ehem\u00e4nner und Ehefrauen nahe zu bringen, um die bestm\u00f6glichen M\u00fctter und V\u00e4ter f\u00fcr ihre Kinder zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Fragen stellte Christoph Kramer.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die \u00dcbersetzung aus dem Englischen besorgte Christoph Kramer.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von www.freiewelt.net.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hier finden Sie die<a href=\"http:\/\/www.freiewelt.net\/nachricht-12171\/%22a-conflict-of-worldviews%2C-an-existential-contest%22.html\"> englische Originalversion des Interviews<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Robert P. 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