{"id":9240,"date":"2013-03-30T14:25:31","date_gmt":"2013-03-30T12:25:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9240"},"modified":"2013-03-30T15:21:51","modified_gmt":"2013-03-30T13:21:51","slug":"zur-gesetzesinitiative-von-mdb-volker-beck-zum-verbot-von-sog-konversionstherapien-fur-minderjahrige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9240","title":{"rendered":"Zur Gesetzesinitiative von MdB Volker Beck zum Verbot von sog. Konversionstherapien f\u00fcr Minderj\u00e4hrige"},"content":{"rendered":"<p><strong>Antworten auf Fragen von idea<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.) Wie beurteilt W\u00fcstenstrom den Vorsto\u00df von Volker Beck?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Volker Beck\u2018s Vorsto\u00df muss sehr ernst genommen werden, da wir heute eine gesellschaftliche Situation haben, in der Menschen ungepr\u00fcft den von Beck dargestellten Annahmen folgen. Dabei werden folgende Punkte leicht \u00fcbersehen: Homosexualit\u00e4t ist nicht angeboren: Volker Beck legt mit seinem Entwurf nahe, dass es Menschen g\u00e4be, bei denen Homosexualit\u00e4t angeboren oder zum Pers\u00f6nlichkeitskern der Person geh\u00f6re. Er unterschl\u00e4gt dabei wissentlich oder unwissentlich Fakten, die in den Sexualwissenschaften gegen diese Annahme ins Feld gef\u00fchrt werden. So wird innerhalb der Sexualwissenschaft die Entwicklung von Sexualit\u00e4t und von sexuellen Pr\u00e4ferenzen in einen komplexen Prozess von Sexualisation, d.h. von psychischer Bedingtheit, von Erziehung, von kulturellen Einfl\u00fcssen, gestellt. Ebenso wird anerkannt, dass Menschen in ihrer sexuellen Orientierung oft weniger fixiert seien, als das allgemein behauptet wird. (Anm. 1)<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.) Homosexualit\u00e4t und Krankheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder stellt Volker Beck fest, dass bestimmte Oganisationen jeden homosexuellen Menschen per se als einen Kranken sehen w\u00fcrden. Dabei geht Volker Beck regelm\u00e4\u00dfig von einem eingeschr\u00e4nkten Krankheitsbegriff aus, den es so vor allem im Bereich von Psychopathologie nicht gibt. Denn als behandlungsbed\u00fcrftig wird gerade im Bereich von Sexualit\u00e4t heute h\u00e4ufig nur noch das definiert, worunter ein Betroffener subjektiv leidet. Solche Formen des Leidens an der Sexualit\u00e4t werden als \u201eich-dyston\u201c bezeichnet. Genau solche Menschen bieten wir unsere Hilfe an. Zwar betont Volker Beck, dass er Therapie gerade f\u00fcr solche Menschen nicht verbieten lassen will, was einen Widerspruch deshalb darstellt, weil er sich explizit auf unsere Organisation oder auf das Deutsche Institut f\u00fcr Jugend und Gesellschaft bezieht. Damit unterstellt er uns nachhaltig, trotz unserer \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rungen in dieser Sache, dass wir uns unseri\u00f6s in das Leben von Menschen einmischen w\u00fcrden, Therapie oder Beratung aufdr\u00e4ngen w\u00fcrden und Menschen manipulieren. Diesen impliziten Vorwurf weisen wir zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.) Sch\u00e4dlichkeit von Therapien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder hat uns Volker Beck in den letzten Jahren unterstellt, wir w\u00fcrden Menschen durch unsere Therapien schaden. Er selbst bezieht sich dabei auf eine Untersuchung, die nach seinen eigenen Angaben in den 70er und 80er Jahren praktiziert wurden. Auf die neueren Entwicklungen, auf denen auch unsere Form der Beratung aufruht, bezieht er sich nicht. D.h. Volker Beck rekurriert auf Behandlungsmethoden wie Elektroschock Behandlung, Lobotomie oder Eisb\u00e4der, die heute jeder einhellig ablehnt. Solche unethischen Behandlungsmethoden gehen davon aus, dass man Sexualit\u00e4t \u201eabtrainieren\u201c oder \u201eumpolen\u201c kann. Wir dagegen sagen seit Jahren, dass eine sexuelle Orientierung selbst nicht direkt therapiert oder behandelt werden kann. Da Menschen \u00fcber die Sexualit\u00e4t immer wieder innerpsychische Konflikte zu bew\u00e4ltigen Versuchen, kann eine sinnvolle Beratung nur dort einsetzen, wo ein Mensch einen solchen Zusammenhang bei sich entdeckt. Allerdings obliegt das der freien Entscheidung eines Menschen und nicht der Entscheidung eines Beraters oder Psychotherapeuten. Letztlich suggeriert Beck aber in der Begr\u00fcndung des Gesetzes und durch die Bezugnahme auf unsere Organisation, wir w\u00fcrden Eisb\u00e4derverabreichen, umpolen und eben keine einsichtsbestimmte Beratung durchf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.) Beck greift in das Recht der freien Entwicklung von Sexualit\u00e4t bei Jugendlichen ein<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade die Sexualwissenschaft, die heute von einer Plastizit\u00e4t der Sexualit\u00e4t spricht, lehnt eine Begrenzung der Sexualit\u00e4t biologische Anlagen ab. Wenn Beck Therapiem\u00f6glichkeiten von Jugendlichen im Bereich der Homosexualit\u00e4t einschr\u00e4nken will, dann greift er in Elternrechte ein und gleichzeitig in die Entscheidungsfreiheit von Jugendlichen. Gleichzeitig wird ein Trend, der heute schon in Schulen Wurzeln geschlagen hat, verst\u00e4rkt: An den Schulen wird nur noch die Sicht von Homosexualit\u00e4t wie sie von der Schwulen- und Lesbenbewegung verstanden werden will, gelehrt. Da sich nach Forschungsstand aber Sexualit\u00e4t immer weiter pluralisiert, geh\u00f6rt es zur Erziehung, Kindern und Jugendlichen nicht Informationen vorzuenthalten, sondern Kinder und Jugendliche zuzutrauen, sich mit unterschiedlichen Informationen zum Thema Homosexualit\u00e4t auseinanderzusetzen, damit sie bef\u00e4higt werden eine eigene, begr\u00fcndete Meinung zu entwickeln und eine eigene Einsicht in das aufzubauen, was ihre Sexualit\u00e4t ist. Unter dem Deckmantel des Jugendschutzes gef\u00e4hrdet ein solcher Gesetzentwurf Jugendliche und beraubt sie der Entwicklung sexueller M\u00fcndigkeit und greift damit zugleich die freie Meinungsbildung an, die Grundlage des Funktionierens einer pluralen Gesellschaft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.) Alle Menschen haben das Recht zur eigenen Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fordern Volker Beck auf, Menschen heute das Recht einzur\u00e4umen, \u00fcber ihre Sexualit\u00e4t selbst zu entscheiden. Immer wieder finden sich in unserer Beratung Jugendliche ein, die nicht vom Elternhaus geschickt wurden, sondern die heimlich zu uns kommen, weil sie mit Fragen ihrer Homosexualit\u00e4t deshalb mit ihren Eltern nicht sprechen k\u00f6nnen, weil diese sich schon dem Mainstream angepasst haben. Oft erleben wir gerade bei jungen Menschen, dass sie aus der eigenen Selbstbeobachtung erkennen, dass sie Menschen des gleichen Geschlechts nicht deshalb begehren, weil sie homosexuell geboren sind. Vielmehr f\u00fchrt oft das Leiden an der eigenen, unvollkommenen K\u00f6rperlichkeit dazu, dass sie sich \u00fcber die Vorstellung von einem idealen Menschen des gleichen Geschlechts angenommen zu werden, stabilisieren. Oder oft stellen sie fest, dass sie Angst haben, nicht von der Gruppe des eigenen Geschlechts sozial angenommen zu sein. Wenn sie sich dann vorstellen, dass sie von einem sozial integrierten Jungen begehrt w\u00fcrden oder mit ihm Sexualit\u00e4t haben k\u00f6nnten, dann l\u00f6st sich diese Angst f\u00fcr einen Moment auf. D.h. junge Menschen entdecken im Verlauf einer Beratung, dass sie Sexualit\u00e4t einsetzen, auch Homosexualit\u00e4t, um einen Mangel in ihrer Person zu reparieren. Gerade jungen Menschen, die den Wunsch haben, heterosexuell zu empfinden, kann durch Beratung geholfen werden sich mit ihrer K\u00f6rperlichkeit zu vers\u00f6hnen oder soziale \u00c4ngste zu \u00fcberwinden. Gelingt dies, dann erleben wir bei ca. 80% solcher Jugendlicher eine Ver\u00e4nderung der sexuellen Orientierung! W\u00fcrde man diesen Jugendlichen eine Beratung oder Therapie verbieten, dann w\u00fcrde man ihnen das Recht auf ihre freie Entwicklung streitig machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6.) W\u00e4re die Arbeit Ihrer Einrichtung davon auch betroffen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Einrichtung wird von dieser Entwicklung betroffen sein. Zwar bieten wir psychologische Beratung und Seelsorge und keine Heilbehandlung an, aber Volker Beck impliziert mit diesem Gesetz ja mehr, als was das Gesetz beinhaltet. So soll jede Form von Beratung und Therapie in Sachen Homosexualit\u00e4t, die nicht der affirmativen Therapie entspricht, diskreditiert werden. In der \u00d6ffentlichkeit soll die Meinung, dass solche Therapien sch\u00e4dlich sind, weiter vorangetrieben werden, was zu weiteren Ausschl\u00fcssen unserer Arbeit aus dem \u00f6ffentlichen Diskurs f\u00fchren soll. So werden wir heute schon von Diskussionsprozessen ausgeschlossen, wir werden von Fortbildungen der Jugendhilfe ausgeschlossen, Mitarbeiter erhalten keine Wohnung, weil sie bei W\u00fcstenstrom arbeiten, an Universit\u00e4ten und Hochschulen m\u00fcssen Mitarbeiter vor einen Genderausschuss, wenn sie einen Studiengang belegen wollen und wir wurden aufgrund falscher Verleumdungen erst gar nicht ins Diakonische Werk aufgenommen und verschiedene, auch christliche evangelikale Gruppen, distanzieren sich von uns, weil sie vermutlich Angst vor Diskreditierung haben. D.h. bislang war das Bestreben von Volker Beck bereits zielf\u00fchrend, weil er eine gesellschaftliche Legitimation f\u00fcr die Werte und Theorien der Schwulen und Lesbenbewegung anstrebt. Wer diesen Theorien widerspricht, der wird gesellschaftlich ge\u00e4chtet. Daher wird das Vorhaben so oder so Auswirkungen haben und zu weiteren Einschr\u00e4nkungen auf unsere Arbeit f\u00fchren. So wird mit diesem Gesetz vermutlich auch der Weg zur Aberkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit f\u00fcr solche Vereine und Organisationen angestrebt, die eine solche Form der Hilfe f\u00fcr Betroffene anbieten. Denn, es kann ja nicht gemeinn\u00fctzig sein, was per Gesetz unter Strafe gestellt ist! Vor allem aber wird das Gesetz Einfluss auf Rat Suchende haben, die aufgrund dieser \u00f6ffentlichen Kampagnen sich erst gar nicht aufmachen, ihre sexuelle Orientierung zu hinterfragen oder Zweifeln, die sie in sich hinsichtlich einer solchen Orientierung empfinden, nachzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anm. 1 vgl. Gindorf Rolf; Homosexualit\u00e4ten in der Geschichte der Sexualforschung; erschienen in Gindorf Rolf, Haeberle Erwin D. (Hrsg.); Sexualit\u00e4ten in unserer Gesellschaft; Berlin, New York 1989; Schetsche, Michael\/Schmidt, Renate-Berenike (Hrsg.): Sexuelle Verwahrlosung &#8211; Empirische Befunde &#8211; Gesellschaftliche Diskurse &#8211; Sozialethische Reflexionen: Wiesbaden 2010.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.wuestenstrom.de\/\">www.wuestenstrom.de<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antworten auf Fragen von idea 1.) Wie beurteilt W\u00fcstenstrom den Vorsto\u00df von Volker Beck? Volker Beck\u2018s Vorsto\u00df muss sehr ernst genommen werden, da wir heute eine gesellschaftliche Situation haben, in der Menschen ungepr\u00fcft den von Beck dargestellten Annahmen folgen. 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