{"id":9237,"date":"2013-03-29T23:54:35","date_gmt":"2013-03-29T21:54:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9237"},"modified":"2013-03-29T23:54:35","modified_gmt":"2013-03-29T21:54:35","slug":"was-kommt-wenn-familie-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9237","title":{"rendered":"Was kommt, wenn Familie geht?"},"content":{"rendered":"<p><b>Fr\u00fcher lernte man es anhand von Geschwistern. Nebenbei. Heute werden Babys in Schulen gebracht, um Kindern Empathie, R\u00fccksichtnahme und emotionale Intelligenz beizubringen. So weit ist es schon gekommen.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einer Bremer Oberschule werden in einem neuen Projekt seit vergangenem November Babys als Empathie-Trainer eingesetzt. Einmal im Monat kommt ein S\u00e4ugling mit seiner Mutter in die Schulklasse auf Besuch. Es sind Schulen in sozialen Brennpunkten. Die Kinder haben es oft nicht einfach. Sie spielen mit dem Baby, beobachten, wie es von Monat zu Monat w\u00e4chst, wie es sich entwickelt, was es Neues dazugelernt hat. Beobachten Stimmungsschwankungen, lernen zu deuten, was das Kind will, Gesichter lesen, was ihm gef\u00e4llt, was es nicht mag. Die Klassen freuen sich auf den Besuch, die Lehrer berichten \u00fcber gro\u00dfe soziale Erfolge. Selbst die gr\u00f6\u00dften Rabauken der Klassen schmelzen demnach wie Butter in der Sonne, sobald ein Baby sie anlacht. <a href=\"http:\/\/www.api-stiftung.de\/de\/die-projekte\/unterstutzung-benachteiligter-ki\/roots-of-empathy.html\" target=\"_blank\">Initiiert hat das Projekt die Organisation \u201eRoots of Empathy\u201c<\/a> aus Kanada, die das Projekt inzwischen in zahlreiche L\u00e4nder weitergetragen hat. Kostenfaktor allein f\u00fcr das Bremer Projekt: 100.000 Euro.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Familienersatzst\u00fccke \u00fcberall<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, ich will das nicht schlechtreden. Wenn es hilft, Kinder verstehen zu lassen, wie ihre Mitmenschen denken, wie sie f\u00fchlen, was sie brauchen, wie man am nettesten miteinander umgeht, dann ist das gut. Es gibt aber zu denken, dass wir so etwas \u00fcberhaupt brauchen an unseren Schulen, in unserer Gesellschaft. Offenbar schreitet die Zerst\u00f6rung der Familie schneller voran, als man glaubt. Nun bringen wir Familienersatzst\u00fccke in die Schule, um den Kindern Erfahrungen zu vermitteln, die sie fr\u00fcher ganz nebenbei in den eigenen Familien gehabt h\u00e4tten. Heute nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und man k\u00f6nnte einwenden, es sei ein bisschen \u00fcbertrieben, sich so viele Gedanken \u00fcber ein paar Babys in ein paar 5. Klassen zu machen. Leider ist es aber nur ein weiteres St\u00fcck in einem gro\u00dfen Puzzle, das sich als Konzept inzwischen durch unsere gesamte Familien- und Gesellschaftspolitik zieht. Dass wir Familie schlechtreden, ihre Mitglieder als austauschbar bezeichnen und dann m\u00fchsam Ersatz schaffen \u2013 mit in der Regel hohem finanziellen Aufwand \u2013 um das Verlorengegangene k\u00fcnstlich wieder aufzubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir arbeiten also nicht daran, das Bew\u00e4hrte zu st\u00e4rken, sondern schaffen lieber Ersatzstrukturen, die aber doch immer nur das sein werden, wie der Name es schon sagt: Ersatz f\u00fcr das fehlende Original. <a href=\"http:\/\/www.familie-ist-zukunft.de\/Tagung2013\/\" target=\"_blank\">Doch was kommt, wenn Familie geht?<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wir lagern Familie aus<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mutter soll heute nicht mehr zu Hause sein, sondern berufst\u00e4tig, daf\u00fcr haben wir jetzt Tagesm\u00fctter, die wir bezahlen. Die V\u00e4ter fehlen zunehmend in den Familien, es gibt immer weniger m\u00e4nnliche Vorbilder, <a href=\"http:\/\/www.koordination-maennerinkitas.de\/\" target=\"_blank\">daf\u00fcr haben wir jetzt das Programm \u201eMehr M\u00e4nner in die Kitas\u201c.<\/a> Die Kinder haben keine Geschwister mehr, daf\u00fcr sollen sie jetzt Sozialkompetenzen in der Krippe und in Spielgruppen aller Art lernen. Familien essen immer weniger gemeinsam an einem Tisch, daf\u00fcr wird das jetzt in kleinen Tischgruppen in der Ganztagsschule vollbracht. Kinder lernen nichts mehr \u00fcber Lebensmittel und ihre Zubereitung, weil zu Hause keiner mehr Zeit zum Kochen hat, daf\u00fcr machen wir jetzt Ern\u00e4hrungs- und Kochkurse in der Schule. Die Kinder kennen immer weniger die Gro\u00dffamilie, daf\u00fcr bauen wir jetzt Mehrgenerationenh\u00e4user. Die Kinder kennen keine Gro\u00dfeltern mehr, daf\u00fcr gibt es jetzt Leihopas und Leihomas, die man engagieren kann. Die Kinder haben zu Hause keine Vorbilder mehr bei berufst\u00e4tigen Eltern, daf\u00fcr gibt es jetzt Benimm-Unterricht in der Schule.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So lagern wir St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck bisherige famili\u00e4re Erziehung und soziales Lernen und damit eine gesellschaftliche Selbstverst\u00e4ndlichkeit in die Kinderg\u00e4rten und Schulen und somit an den Staat aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Schuldzuweisungen ist es dabei wie mit dem Huhn und dem Ei. Sind die Eltern schuld, wie manche meinen und wie man von inzwischen zu Recht \u00fcberforderten Lehrern immer wieder h\u00f6rt? Weil sie weniger erziehen, weniger Kinder bekommen und somit ihren Kindern etwas vorenthalten, was die Schule nun nachholen und nachbessern muss? Oder ist der Staat schuld, der die Eltern immer fr\u00fcher und immer l\u00e4nger in die Berufst\u00e4tigkeit dr\u00e4ngt, sodass die Eltern, selbst wenn sie wollen, gar keine Zeit mehr f\u00fcr die Erziehung haben und es somit oft g\u00e4nzlich unterbleibt? Wir haben ja nicht so sehr das Problem mit schlecht erzogenen Kindern, sondern eher mit nicht erzogenen Kindern. Kann man es den Eltern \u00fcberhaupt \u00fcbel nehmen, wenn man gesellschaftlich st\u00e4ndig erkl\u00e4rt bekommt, man mache alles falsch und Erziehung und Bildung funktioniere am besten in \u201eprofessionellen H\u00e4nden\u201c, dass sie teilweise selbst nicht mehr daran glauben, dass es gut oder gar richtig ist, was sie selbst tun? Ist es nicht irre, dass wir den heimischen Herd verteufeln und schlechtreden, um dann auf allen Sendern in TV-Shows zu kochen und in Schulen Lebensmittel zu verkosten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Autorit\u00e4t als Mutter zu Hause<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade soziale Kompetenzen k\u00f6nnen jedoch nur schwer als Unterricht vermittelt werden. Anst\u00e4ndiges Benehmen bei Kindern, R\u00fccksichtnahme, P\u00fcnktlichkeit, Geduld, Hilfsbereitschaft, Verl\u00e4sslichkeit, Empathie, Toleranz \u2013 so etwas l\u00e4sst sich nicht theoretisch vermitteln, es muss praktisch und in st\u00e4ndiger Wiederholung m\u00fchsam erlernt werden. Das ist anstrengend, zeitaufwendig und nervenaufreibend. F\u00fcr Eltern und Kinder. Denn diese Werte leben vom Vorbild und nicht vom Frontalunterricht. Kinder lernen durch Nachahmung, durch Authentizit\u00e4t. Nichts untergr\u00e4bt meine Autorit\u00e4t als Mutter zu Hause mehr, als dass ich mich selbst nicht an Regeln halte, die ich meinen Kindern aufzwinge. Sie m\u00fcssen es erfahren, dass wir alle freundlich miteinander umgehen. Sie m\u00fcssen das Streiten und wieder Vers\u00f6hnen \u00fcben, ohne dass deswegen gleich ein z\u00e4her Stuhlkreis beim Direktor droht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie m\u00fcssen lernen, Kompromisse zu machen, mit denen alle irgendwie zufrieden sind, auch wenn man nicht alles bekommt, was man wollte. Kernkompetenz jedes politischen Handelns. Sie m\u00fcssen sehen, dass auch Mama und Papa aufr\u00e4umen, um zu verstehen, dass es unh\u00f6flich ist, seine Sachen liegen zu lassen. Man muss auch zu ihnen bitte und danke sagen, damit sie im gleichen Tenor antworten. Sie m\u00fcssen erfahren, dass man auch etwas falsch machen kann und dass einem verziehen werden kann, dann k\u00f6nnen sie auch verzeihen. Sie m\u00fcssen lernen, zu teilen, damit genug f\u00fcr alle da ist und niemand au\u00dfen vor steht. Kernkompetenz Fairness. Sie m\u00fcssen lernen, dass j\u00fcngere Geschwister manchmal l\u00e4nger brauchen und dass man ihnen helfen muss, beim Schuheanziehen, dann k\u00f6nnen alle gemeinsam p\u00fcnktlich los. Sie m\u00fcssen R\u00fccksicht nehmen, Geduld aufbringen, sich zur\u00fccknehmen, wenn es in einer Familie funktionieren soll. Und ganz nebenbei lernen sie, dass jeder Mensch unterschiedlich ist, aber dennoch gleich viel Wert. Kernkompetenz Toleranz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kernkompetenz Mitmenschlichkeit<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erinnere mich noch an das Entsetzen meiner \u00e4ltesten Tochter, als ich ihr auf Nachfrage mit elf Jahren erkl\u00e4rt habe, was Abtreibung bedeutet. Sie hatte zwei ihrer drei Geschwister bewusst bereits in meinem Bauch aufwachsen sehen. Zu Hause, nicht in der Schule. Sie hat sich \u00fcber kleine Finger auf dem Ultraschallbild gefreut. Sie hat es strampeln gef\u00fchlt durch den Bauch. Es hat sie entsetzt, dass wir ihre beiden Br\u00fcder, ihre Schwester und auch sie selbst h\u00e4tten t\u00f6ten d\u00fcrfen, wenn wir sie nicht gewollt h\u00e4tten. Auch das lernt man mit Geschwistern. Dass alle willkommen sind, auch wenn der Platz langsam eng wird. Kernkompetenz Mitmenschlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe, wie die gro\u00dfen Br\u00fcder im Angesicht ihrer kleinen Schwester genauso wie Butter in der Sonne schmelzen, wie es die Rabauken in der Bremer Oberschule tun. Wie sie automatisch langsamer und deutlicher mit ihr sprechen, damit sie es gut versteht. Wie sie sie heimlich gewinnen lassen beim Kartenspielen, weil sie wissen, dass sie sonst traurig ist, aber auch nicht will, dass man sie offensichtlich gewinnen l\u00e4sst. Kernkompetenz Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe, wie sich die Kinder gemeinsam verschw\u00f6ren, wenn sie etwas haben wollen, wovon wir Eltern nicht begeistert sind. Wie jeder mit seinen individuellen Waffen f\u00fcr die Sache k\u00e4mpft und sie am Schluss gemeinsam gewinnen. Kernkompetenz Teamf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Unsere Gesellschaft wird \u00e4rmer werden<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe, wie sie sich manchmal in den Ferien alle in einem Zimmer zum Schlafen auf Matratzen zusammenrotten, obwohl sonst st\u00e4ndig die Diskussion \u00fcber eigene Zimmer im Raum steht. Und dabei schmelze ich dann wie Butter in der Sonne. Kernkompetenz Liebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was kommt, wenn Familie geht? Die Einheits-Erziehung in Kinderg\u00e4rten und Schulen? Und nach welchem Wertekanon wird dort vorgegangen? Unsere Gesellschaft wird \u00e4rmer werden. Und w\u00e4hrend wir doch so unglaublich viel Wert legen auf Toleranz auf Vielfalt, auf Multikulti, fragt man sich, wo denn die Vielfalt noch herkommen soll, wenn alle einheitlich gro\u00df werden. Wie und wo Vielfalt noch gelernt und gelebt werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Familie wird unsere Gesellschaft \u00e4rmer werden. \u00c4rmer an Zuwendung, \u00e4rmer an Mitgef\u00fchl, \u00e4rmer an Toleranz, \u00e4rmer an Liebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">28.03.2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: www.theeuropean.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher lernte man es anhand von Geschwistern. Nebenbei. Heute werden Babys in Schulen gebracht, um Kindern Empathie, R\u00fccksichtnahme und emotionale Intelligenz beizubringen. So weit ist es schon gekommen. An einer Bremer Oberschule werden in einem neuen Projekt seit vergangenem November Babys als Empathie-Trainer eingesetzt. 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