{"id":9196,"date":"2013-03-20T09:01:41","date_gmt":"2013-03-20T07:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9196"},"modified":"2013-03-20T09:01:41","modified_gmt":"2013-03-20T07:01:41","slug":"nubien-unter-dem-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9196","title":{"rendered":"Nubien unter dem Kreuz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im Sudan war das Christentum lange zu Hause<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Der Sudan gilt als islamisch-fundamentalistisch regiertes Land. Dass dort bis ins 15. Jahrhundert das Christentum zu Hause war, hat ein Marburger Wissenschaftler erforscht. \u00dcberreste des vergangenen Brauchtums haben \u00fcberlebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Nordsudan heimisch sind heute fast nur Muslime. Das war nicht immer so. Ein Marburger Wissenschaftler hat nun langj\u00e4hrige Forschungen \u00fcber die orientalische Kirche in Nubien abgeschlossen, die rund 1.000 Jahre lang w\u00e4hrend des Mittelalters vom Nordsudan bis zum \u00e4gyptischen Assuan entlang des Nils existierte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nubische Kirche, eine dritte altorientalische neben den heute noch existierenden orthodoxen Kirchen in \u00c4gypten und in \u00c4thiopien, sei selbst in Fachkreisen wenig bekannt, sagt der Kirchenhistoriker Roland Werner. &#8222;Dabei hat das nubische Christentum auch heute noch eine bleibende Bedeutung, gerade angesichts der Suche afrikanischer Kirchen nach ihren geschichtlichen Wurzeln und ihrer Identit\u00e4t.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werner hat f\u00fcr seine Doktorarbeit in Theologie \u00fcber das Christentum in Nubien eine Vielzahl arch\u00e4ologischer Berichte, etwa \u00fcber die \u00dcberreste von Kirchen- und Klosteranlagen entlang des Nils, gesichtet und seit 1979 fast j\u00e4hrlich Studienaufenthalte im Sudan absolviert. Vom 6. Jahrhundert nach Christus bis zum Ende des 15. Jahrhunderts existierte nach seiner Forschung die nubische Kirche, aufgeteilt in drei nubische K\u00f6nigreiche &#8211; Nobatia, Makuria und Alodia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Untergang der nubischen Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als eines der wenigen V\u00f6lker in Afrika hatten die Nubier eine eigene Schriftsprache, indem sie das Altgriechische um einige Sonderzeichen f\u00fcr nubische Laute erweiterten. Darin fertigten sie eine altafrikanische Bibel\u00fcbersetzung an. &#8222;Das ist f\u00fcr Afrika einzigartig&#8220;, sagt Werner, der neben evangelischer Theologie Arabistik, Afrikanistik und Religionswissenschaften studierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits 641 nach Christus, etwa zehn Jahre nach dem Tod Mohammeds, kamen Muslime nach \u00c4gypten und \u00fcbernahmen dort die Herrschaft. Um 652 konnten sich die Nubier aber offenbar dem Ausdehnungs- und Herrschaftsdrang des Islam widersetzen, indem sie mit den Arabern mit Hilfe eines Handelsabkommens (&#8222;Baqt&#8220;) einen Waffenstillstand vereinbarten, der \u00fcber sechs Jahrhunderte Bestand hatte. In dieser Zeit kam es zu einer Bl\u00fcte christlicher Kunst, Schrift und Architektur, von der arch\u00e4ologische Funde zeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gespeist wurde der kulturell-religi\u00f6se Fortschritt durch einen st\u00e4ndigen Kontakt mit der byzantinischen Kultur des ostr\u00f6mischen Reiches, vermutet Werner. &#8222;Wahrscheinlich war Jerusalem ein zentraler Umschlagplatz, von dem aus nubische M\u00f6nche auf ihren Pilgerfahrten regelm\u00e4\u00dfig neue Impulse f\u00fcr die christliche Kirche Nubiens mitbrachten.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Reihe politischer wie gesellschaftlicher Umst\u00e4nde beg\u00fcnstigten den Untergang der nubischen Kirche. Dazu z\u00e4hlt etwa die im 13. Jahrhundert in \u00c4gypten errichtete Dynastie der Mameluken, eine fanatisch-muslimische Gruppierung, mit denen nubische Umst\u00fcrzler kollaborierten und damit ihrem eigenen Volk schadeten. In der Folge bekam die nubische Kirche, die keine eigene theologische Ausbildungsst\u00e4tte hatte, keinen Priester- und Bisch\u00f6fenachwuchs mehr von der koptischen Kirche aus \u00c4gypten. Zudem wurden Familien durch die Einwanderung und Einheiratung von Arabern muslimisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00dcberreste des Brauchtums<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den &#8222;Todessto\u00df&#8220; aber erhielt das christliche Nubien durch die Pest, die um 1350 auf einem Schiff von Alexandria \u00fcber den Nil nach Nubien kam. Der letzte christlich-nubische K\u00f6nig Joel ist f\u00fcr das Jahr 1484 bezeugt. Dass sich die Christen danach noch gut 150 Jahre in einem sp\u00e4tnubischen Restk\u00f6nigtum halten konnten, zeuge von der Kraft dieser orientalisch-afrikanischen Kirche, sagt Werner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die Bev\u00f6lkerung im heutigen Nordsudan fast vollst\u00e4ndig islamisch ist, haben sich nach Werners Erkenntnis in einer Reihe von Volkstraditionen \u00dcberreste nubisch-christlichen Brauchtums bis in die heutige Zeit erhalten. Bei Gefahr sei es eine Gewohnheit der Menschen, sich zu bekreuzigen. M\u00fctter zeichneten ihren Kindern ein Kreuz auf den Bauch, damit sie wieder gesund werden. Bei Neugeborenen gebe es die Tradition, ihnen dreimal Nil-Wasser \u00fcber den Kopf zu sch\u00fctten. &#8222;Eine Ritual, welches an die Taufe erinnert, dessen Bedeutung den Menschen aber nicht mehr pr\u00e4sent ist&#8220;, erl\u00e4utert Werner, der seit 2011 Generalsekret\u00e4r des Generalsekret\u00e4rs des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Deutschland ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Insgesamt ist deutlich, dass die nubische Kirche trotz aller Verbindungen mit und trotz der Abh\u00e4ngigkeit von der byzantinischen Kultur und der koptischen Kirche als eine fr\u00fch eingewurzelte einheimische Kirche auf afrikanischem Boden mit eigener Kunst, Schrift, Literatur und eigenen theologischen Schwerpunkten wertzusch\u00e4tzen ist&#8220;, res\u00fcmiert Werner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Christoph Kirchhoff<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(<a href=\"http:\/\/www.epd.de\">epd<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sudan war das Christentum lange zu Hause \u00a0Der Sudan gilt als islamisch-fundamentalistisch regiertes Land. 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