{"id":9166,"date":"2013-03-12T12:37:16","date_gmt":"2013-03-12T10:37:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9166"},"modified":"2013-05-31T10:58:23","modified_gmt":"2013-05-31T08:58:23","slug":"weltevangelisierung-oder-weltveranderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9166","title":{"rendered":"Weltevangelisierung oder Weltver\u00e4nderung?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>T\u00fcbinger Pfingstaufruf zur Erneuerung des biblisch-heilsgeschichtlichen Missionsverst\u00e4ndnisses<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b><i>\u201eIhr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Jud\u00e4a und Samarien und bis an das Ende der Erde.\u201c<\/i><\/b> (Apostelgeschichte 1, 8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 1. und 2. M\u00e4rz 2013 fand in Gomaringen bei T\u00fcbingen ein Symposion statt, das dem Ged\u00e4chtnis des am 10. November 2012 heimgerufenen Pr\u00e4laten und F\u00f6rderers der Missionsbewegung <b><i>Rolf Scheffbuch<\/i><\/b> gewidmet war. Auf ihm wurde die folgende missionstheologische Erkl\u00e4rung beschlossen, in der wir uns nun zum Pfingstfest an alle Christen wenden, die das Werk der Mission und Evangelisation auf ihren Herzen tragen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfingsten steht seit Beginn der Kirchengeschichte im Zeichen der Weltevangelisierung. Der erh\u00f6hte Herr hat den Heiligen Geistes nach seiner Verhei\u00dfung seinen J\u00fcngern gesandt (Lukas 24, 47-48; Apg 1, 8), um sie auszur\u00fcsten f\u00fcr die Erf\u00fcllung seines gro\u00dfen Auftrags, das Evangelium zu allen V\u00f6lkern der Erde hinauszutragen (Mt 28, 18-20). Denn auch die Heiden sollten durch dessen Annahme Anteil gewinnen an der Erl\u00f6sung der Menschen von S\u00fcnde, Tod und der Macht des Teufels, die Christus am Kreuz und in seiner Auferstehung ein f\u00fcr alle Male vollbracht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begr\u00fc\u00dfen das verst\u00e4rkte weltweite Suchen nach missionarischen Wegen f\u00fcr unsere Zeit. Wir freuen uns \u00fcber die Berichte aus allen Erdteilen, die Zeugnis ablegen vom Erwachen der evangelistischen Verantwortung und vom Gewinnen vieler bisher noch Unerreichter f\u00fcr den Glauben an Jesus Christus als ihren Herrn und Erl\u00f6ser. Besonders gedenken wir der M\u00e4rtyrer, die f\u00fcr ihr tapferes Zeugnis f\u00fcr die Heilsbotschaft von Jesus Christus als Herrn und Erl\u00f6ser ihr Leben gelassen haben oder die dies auch heute noch tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig allerdings bereitet es uns Sorge, dass nunmehr auch die evangelikale Missionstheologie beginnt, ihre traditionelle <i>biblisch-heilsgeschichtliche <\/i>Begr\u00fcndung zu vernachl\u00e4ssigen. Schritt f\u00fcr Schritt<i> <\/i>n\u00e4hert sie sich n\u00e4mlich dem <i>geschichtstheologischen<\/i> Missionsverst\u00e4ndnis des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen (\u00d6RK) an, wie dieser es unter dem Einfluss s\u00e4kular-\u00f6kumenischer und politischer Theologien entwickelt hat. Das geschieht wesentlich durch die Vermittlung der urspr\u00fcnglich in Lateinamerika beheimateten \u201eRadikalen Evangelikalen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unstatthaft werden hier Heilsgeschichte und Weltgeschichte auf dem Weg zur gewollten Aufrichtung des Reiches Gottes schon auf dieser Erde in eins gesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hiergegen erheben wir in dieser \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung mahnend unsere Stimme, wie wir das auch in fr\u00fcheren Krisenzeiten der Mission durch W\u00e4chterrufe wie die <i>Frankfurter Erkl\u00e4rung zur Grundlagenkrise der Mission <\/i>\u00a0(1970) getan haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>1. \u201eTransformation\u201c als neue Thematik evangelikaler Missionstheologie<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zeitgen\u00f6ssische theologische Denken der Evangelikalen bewegt sich\u00a0 zunehmend im Spannungsfeld zwischen <i>Verk\u00fcndigung<\/i> der durch Christi S\u00fchnetod gewirkten Vers\u00f6hnung mit Gott einerseits und<i> Gesellschaftsver\u00e4nderung<\/i> als angeblichem Ziel der Mission andererseits.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Missionsverst\u00e4ndnis wird gekennzeichnet mit Begriffen wie \u201e<i>ganzheitlich<\/i>\u201c, <i>\u201eholistisch<\/i>\u201c, \u201e<i>inkarnatorisch<\/i>\u201c. Viele Missionstheologen betreiben ihr Fach jetzt unter der Bezeichnung \u201e<i>Missionale Theologie<\/i>\u201c. Damit ist eine Schau verbunden, in der alle Wirkungsbereiche der Kirche \u2013 einschlie\u00dflich ihrer sozialen und politischen Mitverantwortung und des Dialogs mit den anderen Religionen \u2013 bestimmt sind von ihrer umfassenden Sendung in die Welt, unter dem Verhei\u00dfungsziel \u201eReich Gottes\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang bildet das Wort <b><i>\u201eTransformation\u201c <\/i><\/b>einen Schl\u00fcsselbegriff, der vielen Christen bisher unbekannt war. Angesichts seiner raschen Verbreitung und wachsenden Dominanz bedarf er dringend einer Kl\u00e4rung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort \u201eTransformation\u201c als solches kommt vom lateinischen <i>transformare = <\/i>\u00a0umformen. \u201eTransformation\u201c im Sinne einer Ver\u00e4nderung von sozialen und politischen Strukturen ist so kein biblischer Begriff. Am ehesten entspricht ihm das griechische <i>metamorph\u00f3o = <\/i>umgestalten,<i> <\/i>verwandeln<i> <\/i>(Mt 17, 2; R\u00f6m 12, 2; 2 Kor 3, 18). Im Neuen Testament ist damit die vom Heiligen Geist bewirkte Umwandlung der Wiedergeborenen, ihre Heiligung und \u201eVerkl\u00e4rung\u201c, nicht aber eine Umgestaltung irdischer sozialer Zust\u00e4nde gemeint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die Neo-Evangelikalen das Konzept einer Gesellschafts-Transformation n\u00fctzlich fanden, h\u00e4ngt damit zusammen, dass sich in weiten Teilen der\u00a0 amerikanischen Missionsbewegung seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts die \u201e<i>Kingdom-Theology<\/i>\u201c durchgesetzt hat. Dies geschah in Verdr\u00e4ngung der bisherigen, auf pers\u00f6nliche Bekehrung und Gemeindebau ausgerichteten Missionstheologie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Facette dieser \u201eReich-Gottes-Theologie\u201c bildet die <i>Dominion<\/i>&#8211; bzw. Herrschaftstheologie. Sie entsprang aus der \u00e4lteren amerikanischen Tradition des \u201ePostmillennialismus\u201c, d.h. der \u00dcberzeugung,\u00a0 dass die Wiederkunft Jesu Christi auf dieser Erde <i>nach <\/i>der Errichtung des von Jesus verk\u00fcndeten und auf dieser Erde anbruchsweise aufgebauten messianischen Friedensreiches, des Tausendj\u00e4hrigen Reiches <i>(Millennium)<\/i> von Offenbarung 20, 1-6, stattfinden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Vorstellungen von einer schrittweisen Aufrichtung des Friedensreiches durch den Einsatz von Christen sind nun von den deutschsprachigen Autoren der Transformations-Theologie \u00fcbernommen worden, und durch ihre Ver\u00f6ffentlichungen und Lehrt\u00e4tigkeit werden sie an evangelikalen Seminaren und Hochschulen verbreitet. Aktionen wie die <i>\u201eMicha-Initiative\u201c<\/i> setzen sie in die Tat um und erheben sie zum neuen Missionsprogramm. Dagegen protestierte <i>Rolf Scheffbuch<\/i>, unterst\u00fctzt von einigen anderen pietistischen Theologen, u. a. Helmuth Egelkraut. Denn hier werde<b> <\/b>die Mission mit politischen Zielen verkn\u00fcpft, die utopischen Charakter tragen (z. B. Halbierung der Weltarmut bis zum Jahre 2015!) und welche die Arbeitskraft und finanziellen Mittel der Missionare auf Kosten der vorrangigen Evangelisierung \u00fcberlaste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vertreter der \u201etransformatorischen Bewegung\u201c haben durch beeindruckende Buchserien auf sich aufmerksam gemacht. Sie erzielen durch ihre Ver\u00f6ffentlichungen und Kongresse eine betr\u00e4chtliche Breitenwirkung. Das macht eine theologische Auseinandersetzung mit der Transformations-Theologie erforderlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hat n\u00e4mlich konkrete Auswirkungen in der missionarischen Praxis. Wirtschaftlich-soziale Projekte verdr\u00e4ngen die evangelistische Verk\u00fcndigung. Zu deren Notwendigkeit bekennen sich zwar grunds\u00e4tzlich auch die meisten Transformations-Theologen. Trotzdem beobachten wir mit Besorgnis, dass in ihren programmatischen Ver\u00f6ffentlichungen neben die Verk\u00fcndigung des Evangeliums soziale und, wo m\u00f6glich, politische Aktionen als gleichwertige, ja sogar bevorzugte Ausdrucksform des Evangeliums und der K\u00f6nigsherrschaft Gottes treten. Durch diese Erweiterung bleibt die <i>soteriologische<\/i>, d.h. die auf das ewige Heil gerichtete Dimension des Evangeliums, die von Jesus durch seinen S\u00fchnetod gebrachte Erl\u00f6sung, nicht unber\u00fchrt. Im Gegenteil tritt sowohl in der Theorie als auch der missionarischen Praxis das Heil der Seele erkl\u00e4rterma\u00dfen hinter der Schaffung besserer sozialer und \u00f6konomischer Lebensbedingungen zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>2. Das Schriftverst\u00e4ndnis der Transformations-Theologie<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Transformations-Theologen bekennen sich zwar grunds\u00e4tzlich zur Vertrauensw\u00fcrdigkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit der Heiligen Schrift. Allerdings sind in ihrer Schriftauslegung gef\u00e4hrliche Weichenstellungen zu beobachten, die ein unvoreingenommenes H\u00f6ren des Wortes Gottes beeintr\u00e4chtigen oder verhindern. Sie stehen im Zusammenhang mit der \u201e<i>kontextuellen Hermeneutik<\/i>\u201c, welche einen Text von seinem <i>Kontext<\/i>, in diesem Falle der sozial-politischen Situation, her verstehen will. Die Problematik liegt darin, dass man hier die biblischen Texte nach den kontextuellen Auslegungsmethoden liest, wie sie aus befreiungs-theologischen und feministischen Theologien bekannt sind. Die sozial-politische Situation, in der die biblischen Texte gelesen werden, bietet dabei den Deutungsschl\u00fcssel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit verbindet sich eine bestimmte Zuordnung von Altem und Neuem Testament. Willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlte geschichtliche Ereignisse des Alten Testaments, wie besonders die Befreiung Israels aus \u00c4gypten sowie die prophetische Predigt gegen Machtmissbrauch und Ungerechtigkeit, betrachtet man als \u201eparadigmatische\u201c [vorbildhafte] Modelle, auf die man auch die heutige Mission der Kirche verpflichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit wird der Boden der klassischen evangelischen Schriftauslegung verlassen. F\u00fcr diese bildet bekanntlich Jesus Christus die inhaltliche heilsgeschichtliche Mitte der Heiligen Schrift, der uns selber den verbindlichen Aufschluss dar\u00fcber gibt, wie das Alte Testament als auf ihn bezogen zu verstehen ist (Lk 24, 27.45; vgl. Apg 13, 47; 2 Kor 1, 20).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Eine Folge des kontextuellen Verst\u00e4ndnisses der Heiligen Schrift bei den Transformations-Theologen ist, dass der <b><i>Mensch<\/i><\/b> mit seinen Problemen und W\u00fcnschen zum <b><i>Mittelpunkt<\/i> <\/b>wird, nicht aber Gott, der sein Handeln in Gericht und Gnade in der Heiligen Schrift offenbart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn nun der biblische Text nur auf die Fragen des heutigen Kontextes hin gelesen wird, kann er das nicht mehr aufzeigen, was er selbst sagen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>3. Das Jesusbild der Transformations-Theologie<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tiefgreifende Konsequenzen hat die kontextuelle Bibelauslegung f\u00fcr die <b><i>Christologie<\/i><\/b>, d. h. ihre Sicht von Person und Werk von\u00a0 Jesus, dem Christus. Von ihrer Darstellung des zentralen Inhalts des christlichen Glaubens her fallen zugleich die Entscheidungen f\u00fcr das Gesamtverst\u00e4ndnis der Kirche und ihrer \u201emissionalen\u201c Existenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christologische Gesichtspunkte kommen bei allen Autoren der Transformations-Theologie gelegentlich zu Worte. Was sie aber haupts\u00e4chlich interessiert, ist das Menschsein Jesu und sein hingebender Dienst in den sozialen N\u00f6ten dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das geschieht unter weitgehender Ausblendung seines Gottseins, wie dieses besonders im Johannesevangelium (Joh 1, 1-14; 20, 28) betont herausgestellt wird und von der Alten Kirche in ihren grundlegenden Dogmen von Niz\u00e4a 325 und Chalcedon 451 formuliert worden ist: Ist doch nach diesen der Sohn Gottes wesensgleich mit Gott dem Vater, und in seiner Person sind beide Naturen, die g\u00f6ttliche und die menschliche, untrennbar miteinander vereint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wird zwar das Wunder der Menschwerdung Gottes angesprochen in dem Begriff\u00a0\u00a0\u00a0 <b><i>\u201einkarnatorisch\u201c,<\/i><\/b> der im zeitgen\u00f6ssischen Missionsverst\u00e4ndnis der neo-evangelikalen Bewegung eine wichtige Rolle spielt. Doch geht es dabei gerade nicht so sehr um das einmalige Wunder der Fleischwerdung des ewigen Logos in der Person des Christus. Vielmehr wird in dem, was wir eine <b>\u201e<\/b>Vorbild-Christologie<b>\u201c<\/b> nennen k\u00f6nnen, hervorgehoben: Der menschgewordene Jesus Christus habe sich zum Diener gemacht und eine Existenz des Dienstes in den N\u00f6ten der Menschheit gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewiss rief Jesus von Nazareth Menschen auf, in seine Nachfolge einzutreten, und er legte in seinen Predigten und Lehren die Grundlagen einer christlichen Ethik. Doch ist zu bedenken, dass die heilsgeschichtliche Einmaligkeit der Menschwerdung des ewigen Wortes Gottes (Joh 1, 14), sein einmaliger Opfertod sowie seine Erh\u00f6hung auf den Thron Gottes jeder <i>\u201eImitatio <\/i>[w\u00f6rtlich<i> <\/i><i>\u201a<\/i>Nachahmung\u2018]<i> <\/i><i>Christi\u201c<\/i> eine Schranke setzt. Sein S\u00fchneopfer am Kreuz zur Tilgung unserer Schuld kann nicht nachgeahmt werden. Es ist im Sinne des biblisch-reformatorischen Heilsverst\u00e4ndnisses unstatthaft, aus dem <i>\u201eChristus f\u00fcr uns\u201c<\/i> ein einseitiges <i>\u201eWir wie Christus\u201c<\/i> zu machen; denn damit w\u00fcrde das Evangelium zu einem neuen Gesetz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute steht die christliche Missionsbewegung in Gefahr, durch solche Kontextualisations-Bem\u00fchungen auf die F\u00e4hrte eines unechten Jesus gef\u00fchrt zu werden. Deswegen erinnern wir an die warnenden Worte des Apostel Paulus an die Korinther (2 Kor 11, 3-4 E\u00dc):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eIch f\u00fcrchte aber,\u2026, auch ihr k\u00f6nntet in euren Gedanken von der aufrichtigen und reinen Hingabe an Christus abkommen. Ihr nehmt es ja offenbar hin, wenn irgendeiner daherkommt und einen anderen Jesus verk\u00fcndigt, als wir verk\u00fcndigt haben, wenn ihr einen anderen Geist empfangt, als ihr empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, als ihr angenommen habt.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>4. Kirche f\u00fcr die Welt<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das, was in der Transformations-Theologie der <i>Christologie<\/i>, der Lehre vom Wesen und Werk des Gottessohnes Jesus Christus, widerf\u00e4hrt, hat direkte Folgen auch f\u00fcr die <i>Ekklesiologie<\/i>, das Verst\u00e4ndnis der Kirche<b>. <\/b>So wie dort bei Jesus Christus der wichtigste Aspekt der ist, dass er sich zum Diener der Welt in ihren N\u00f6ten machte, wird hier auch die Kirche einseitig unter dem Aspekt ihres Dienstes bei der Welttransformation betrachtet. Das bedeutet, dass die <i>Funktion<\/i> der Kirche wichtiger wird als ihr <i>Wesen<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Neuen Testament besteht dieses bekanntlich darin, dass sie in inniger Verbindung mit dem erh\u00f6hten Christus steht, so, wie die Glieder des Leibes zu ihrem Haupt (1 Kor 12, 12; Eph 1, 22; 4, 15; 5, 23; Kol 1, 18). In ihrer Neugeburt haben die Gl\u00e4ubigen <i>Anteil an der g\u00f6ttlichen Natur<\/i> gewonnen (2 Petr 1, 4), <i>entronnen der verderblichen Lust der Welt<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch Gott den Sohn steht die Gemeinde auch mit den beiden anderen Personen Gottes in enger Verbindung. Sie ist das <i>Volk Gottes<\/i> und der <i>Tempel des Heiligen Geistes<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Transformations-Theologie hingegen wird die Kirche in einer anderen Perspektive betrachtet und gewertet. Hier steht sie unter der Berufung, sich in ihrer ganzen Existenz dem Dienst in der Welt zu widmen und sich um die Verwandlung der wirtschaftlich-sozialen und politischen Strukturen der Gesellschaft zu bem\u00fchen, sodass dadurch Schritt f\u00fcr Schritt das Reich Gottes in Erscheinung trete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den Neo-Evangelikalen in den USA gab es schon zuvor eine \u00e4hnliche Entwicklung. So vertritt die <i>Dominion Theologie<\/i> die Auffassung, es sei Aufgabe der Kirchen und Christen, das Reich Gottes schon in der diesseitigen Geschichte aufzubauen. Programmatisch wird das in der Bewegung der \u201e<i>Emergent Church<\/i>\u201c vertreten. Diese versteht sich als das neue \u201eParadigma\u201c [Leitbild] einer \u201emissionalen Kirche\u201c f\u00fcr das 21. postmoderne Jahrhundert. Die Kirche ist in dieser Sicht Instrument Gottes zur Ausf\u00fchrung seines Reichsplanes. Doch k\u00f6nne er sich auch anderer Instrumente dabei bedienen, z. B. der nichtchristlichen Religionen wie auch politisch-sozialer Bewegungen, selbst wenn deren Mitglieder Atheisten sein m\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Transformations-Theologen halten<i> <\/i>formal an der dreifachen Grundaufgabe der Kirche: <i>Leiturgia, Diakonia<\/i> und <i>Martyria<\/i> [Anbetung, Diakonie und Zeugnis] fest. Aber es f\u00e4llt auf, dass dabei auch der Gottesdienst der\u00a0 Gemeinde zu einem Aufruf umgepolt wird, sich bei der Ver\u00e4nderung der Welt hin zum Reich Gottes einzusetzen. Ebenso ist die Mission weniger das Angebot an die gottentfernten Menschen, durch Bekehrung und Glauben an die S\u00fchnetat Christi am Kreuz Vergebung der S\u00fcnden und ewiges Leben zu empfangen. Stattdessen wird sie zur Aufforderung, mitzuwirken beim Bau des Reiches Gottes im Hier und Jetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie anders beschreiben dagegen die neutestamentlichen Schriften das Wesen und den Auftrag der Gemeinde:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<i>Ihr aber seid<\/i> <i>ein auserw\u00e4hltes Geschlecht, eine k\u00f6nigliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die gro\u00dfen Taten dessen verk\u00fcndet,<\/i> <i>der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.\u201c\u00a0\u00a0<\/i><i><\/i>(1 Petr 2, 9 E\u00dc)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>5. Gottes sich gegenw\u00e4rtig sichtbar ausbreitende K\u00f6nigsherrschaft<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen der Transformations-Theologie spielt der Begriff des Reiches Gottes eine zentrale Rolle, allerdings fast ausschliesslich in dessen gegenw\u00e4rtiger Dimension. Gottes K\u00f6nigsherrschaft werde <i>hier und jetzt<\/i>, in dieser Welt, durch die Mission mit deren \u201esozial-transformativem\u201c Auftrag dargestellt und ausgebreitet. Das Reich Gottes k\u00f6nne \u00fcberall da wahrgenommen werden, wo sich die \u201eWerte des Reiches\u201c durchsetzten und Ungerechtigkeit, Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und lebensfeindliche Strukturen \u00fcberwunden w\u00fcrden. Das gelte sogar f\u00fcr nicht- oder au\u00dferchristliche Vorg\u00e4nge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit solchen Behauptungen wird der \u201eeschatologische Realismus\u201c der Bibel \u00fcbersehen, d. h.\u00a0 das, was sie \u00fcber tats\u00e4chlich zu erwartende endzeitliche Ereignisse vorhersagt: das Ausreifen des B\u00f6sen, das Weltreich des Antichristen, der Weltuntergang und das J\u00fcngste Gericht. Wird all das in innerweltliche utopische Programme umgewandelt, so wird damit die Kirche von ihrer vorrangigen Missionsaufgabe abgehalten, den christusfernen Menschen das Evangelium zu verk\u00fcndigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>6. Evangelistische Verk\u00fcndigung und soziale Verantwortung in Geschichte und Gegenwart der Mission<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Einw\u00e4nde gegen die Transformations-Theologie sind nicht gegen deren Hinweis auf die soziale Mitverantwortung der Mission gerichtet. Wir sind keineswegs gegen die Taten der Liebe, wohl aber gegen die massive Schwerpunktverlagerung im Beziehungsverh\u00e4ltnis zwischen Verk\u00fcndigung und sozialer Verantwortung; denn dadurch droht das Evangelium zu einem ideologischen Programm zu werden. Wir gestehen den Transformations-Theologen ihr berechtigtes Anliegen zu, dass Bekehrung und Gesinnungswandel sowie die Jesusnachfolge auch sozialethische und strukturver\u00e4ndernde Konsequenzen haben. Aber wir widersprechen dem von ihnen erweckten Eindruck, dass der Mensch der \u201eMacher\u201c des Reiches Gottes w\u00e4re und das empfangene Heil sich gleichsam erst durch die Tat erweisen w\u00fcrde. Denn dies kommt einer neuen\u00a0 \u201eWerkgerechtigkeit\u201c nahe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewiss soll und kann christliche Mission solche Menschen, die Armut und sonstige Not erleiden, durch diakonische Taten der Liebe auch leiblich sp\u00fcren lassen, dass ihnen besonders Gottes Barmherzigkeit und F\u00fcrsorge zugewandt ist. Und gewiss kann das Reich Gottes durch die Ergebnisse christlichen sozialen und diakonischen Handelns zeichenhaft sichtbar erscheinen. Doch k\u00f6nnen solche positiven Ver\u00e4nderungen im\u00a0 wechselhaften Lauf der Weltgeschichte auch wieder entschwinden. Erschreckend zeigt sich das heute in dem rapiden Werteverfall im einst christlichen Abendland.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <b>\u00a0\u00a0<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon zu Beginn der neuzeitlichen Missionsbewegung\u00a0 wussten die lutherischen, pietistischen und evangelikalen Missionen in ihrer Theologie und ihrem praktischen Einsatz um die Bedeutung sozialethischen Handelns. Dabei beachteten sie jedoch <i>Luther<\/i>s Lehre von den Zwei Regierungsweisen Gottes zur Rechten und zur Linken, d. h. Kirche und Staat, bzw. die reformierte Unterscheidung zwischen den zwei Mandaten, dem kulturellen und dem missionarischen. Das hielt sie heilsam von der Verirrung ab, sie miteinander zu vermischen und soziales Wohl als geistliches Heil auszugeben, wie das die Schw\u00e4rmer zur Reformationszeit taten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter diesen Voraussetzungen haben christliche Missionare aller Konfessionen in Lateinamerika, Afrika und Asien auf den Gebieten der Erziehung, \u00e4rztlicher Hilfe und wirtschaftlicher Entwicklung beachtliche Leistungen vollbracht. Sie zeigten ihre Fr\u00fcchte auch in bemerkenswerten gesellschaftlichen Verbesserungen bis in staatliche Ordnungen hinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und doch stand f\u00fcr sie alle das Anliegen, verlorenen Menschen durch den Ruf zur Bekehrung und zum Glauben an das Evangelium den Weg zum ewigen Heil zu er\u00f6ffnen, an erster Stelle. Deshalb d\u00fcrfen auch wir im missionarischen Einsatz nie das Wichtigste vernachl\u00e4ssigen, was wir als Beauftragte von Jesus allen Menschen bringen sollen: das Angebot der Vers\u00f6hnung mit Gott aufgrund des S\u00fchnetodes von Jesus am Kreuz und die Gewissheit des ewigen Lebens durch seine Auferstehung von den Toten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist und bleibt die Verk\u00fcndigung des Evangeliums vom Heil in Christus die prim\u00e4re Aufgabe der Mission und Evangelisation. Treffend antwortete <i>Rolf Scheffbuch<\/i> auf die Frage: <i>Ist die Tat so wichtig wie das Wort?<\/i>:<i> <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Tun des Guten darf nicht zu einem Aush\u00e4ngeschild der Christen werden, mit dem sie die Hoffnung verbinden, besser angesehen zu werden. Vielmehr soll der Hinweis auf das \u201aWerk des Christus\u2018 das Entscheidende am Christentum bleiben. Das \u201aWort\u2018 der Jesus-Botschaft kann durch nichts ersetzt werden \u2013 noch nicht einmal durch die liebevollste Tat der Barmherzigkeit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>7. Das Kommen des Reiches Gottes in biblischer Perspektive<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00a0\u201eDas Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.\u201c <\/i>(R\u00f6m 14, 17<i>)<\/i><i> <\/i><i>\u2013 \u201eWir wissen, dass die gesamte Sch\u00f6pfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erl\u00f6sung unseres Leibes als S\u00f6hne offenbar werden. Denn wir sind gerettet, doch in Hoffnung.\u201c<\/i><i> <\/i>(R\u00f6m 8, 22-24a)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das verhei\u00dfene Reich Gottes kann unter den Bedingungen der gefallenen Sch\u00f6pfung noch nicht verwirklicht werden. Das zu \u00fcbersehen war der Irrtum der <i>Social-Gospel-<\/i>Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Genauso betraten sp\u00e4ter die \u00f6kumenischen Humanisierungs-Programme einen Irrweg. Denn in ihrer Verbindung mit der liberalen Theologie und dem Entmythologisierungs-Programm nahmen sie die Grundaussagen der biblischen Heilsgeschichte nicht ernst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das musste zur Abk\u00fchlung des evangelistischen Eifers f\u00fchren. Heute nun droht die gleiche Gefahr auch den evangelikalen Missionen. Sie tut es, soweit diese sich auf die Projekte sogenannter <i>\u201eganzheitlicher, holistischer, inkarnatorischer\u201c<\/i> oder eben auch <i>transformativer<\/i> Mission einlassen. Denn hier geraten angesichts der Bem\u00fchungen um das leibliche und soziale Wohl die um das Heil der Menschen leicht in den Schatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist kein Urteil \u00fcber die guten Absichten ihrer Anw\u00e4lte.\u00a0 Jedoch m\u00fcssen wir das sehr ernst nehmen, was die Heilige Schrift <i>negativ<\/i> \u00fcber die S\u00fcndhaftigkeit des menschlichen Herzens und die Zerst\u00f6rungsmacht sagt, die dem Teufel, dem <i>\u201eF\u00fcrsten dieser Welt\u201c<\/i> (Joh 12, 31; 14, 30; 16, 11), vorl\u00e4ufig, d.h. bis zum Ende dieser Weltzeit, noch verblieben ist.<b> <\/b>Darum muss eine heilsgeschichtlich ausgerichtete Mission gegen\u00fcber den ideologischen und theologischen\u00a0 Fortschrittsutopien den Wirklichkeitscharakter der\u00a0 biblischen Prophetie zur Geltung bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach ihr wird der gegenw\u00e4rtig noch wirksame Einfluss der d\u00e4monischen \u201eM\u00e4chte und Gewalten\u201c erst der wiederkommenden Christus v\u00f6llig beseitigen (2 Thess 2, 8; Off 19, 20).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus beschreibt in Epheser 6, 10-17 und 1Thess 2,2 und Kol. 1, 28<b> <\/b>seine Mission als einen Kampf, an dem auch die Gemeinde teilnehmen soll. Darum hat unsere Teilnahme an Gottes trinitarischer Mission neben der <i>soteriologischen<\/i>, dem Heil dienenden Aufgabe auch eine k\u00e4mpferische Seite: Sie ruft den Sieg des Christus \u00fcber alle Verderbensm\u00e4chte aus (Mt 10, 1; Mk 16, 17; 2 Kor 10, 4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Positiv<\/i> hingegen d\u00fcrfen wir uns auf die leuchtenden Verhei\u00dfungen der biblischen Endzeit-Prophetie verlassen. Der Wiederkommende wird nach der Vernichtung der Weltherrschaft des Antichristen auf dieser Erde sein Reich aufrichten, und der Vater wird den neuen Himmel und die neue Erde schaffen, wo alles Leiden verschwunden sein und Gerechtigkeit wohnen wird (Off 21, 1-8; 22, 1-5) Im 2. Petrusbrief (Kap. 3, 11-13 E\u00dc) lesen wir:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u201eWenn sich das alles in dieser Weise aufl\u00f6st: wie heilig und fromm m\u00fcsst ihr dann leben, den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen! An jenem Tag wird sich der Himmel im Feuer aufl\u00f6sen und die Elemente werden im Brand zerschmelzen. Dann erwarten wir, seiner Verhei\u00dfung gem\u00e4\u00df, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt<b>.<\/b>\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>Aufruf<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir ermutigen und rufen dazu auf, die klassische biblisch-heilsgeschichtliche Schau der Mission zu erneuern. Die deutsche evangelische Missionstheologie hat schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder ihre besondere Berufung dadurch wahrzunehmen gesucht, dass sie das in ihr gepflegte heilsgeschichtliche Verst\u00e4ndnis der Mission in die internationale Missionsbewegung kritisch konstruktiv einbrachte, und zwar sowohl in deren \u00f6kumenischer wie \u2013 heute zunehmend \u2013 auch evangelikaler Gestalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Uppsala 1968 bis in die Gegenwart wurde diese Tradition weitergef\u00fchrt\u00a0 im Blick auf die\u00a0 Vollversammlungen und Missionskonferenzen des \u00d6RK wie auch auf die drei Kongresse der Lausanner Bewegung in Lausanne (1974), Manila (1989) und Kapstadt (2010). Dies geschah u. a. durch die Eingaben des T\u00fcbinger Instituts f\u00fcr Missionswissenschaft und \u00d6kumenische Theologie sowie durch die Verlautbarungen des Theologischen Konvents Bekennender Gemeinschaften. Sie alle waren von diesem heilsgeschichtlichen Missionsverst\u00e4ndnis geleitet. Immer ging es darum, gegen\u00fcber schw\u00e4rmerischen Tendenzen zur Vorwegnahme des\u00a0 kommenden Reiches Gottes an die grundlegende heilsgeschichtliche Unterscheidung zwischen dem \u201eSchon jetzt\u201c und dem \u201eErst dann\u201c durch das dreifache Kommen des Christus: einst im Fleisch, heute im Geist und schlie\u00dflich in Macht und Herrlichkeit zu erinnern. \u2013 Auch heute haben viele gegenw\u00e4rtige Unklarheiten \u00fcber Grund, Ziel und die rechte Gestaltung der Mission eine gemeinsame theologische Ursache: Sie lassen die heilsgeschichtliche Schau, den \u201eBlick auf das Ende\u201c, wie das in der Vergangenheit den Weg der evangelischen Missionsbewegung bestimmt hat, in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein schwerer Verlust. Die St\u00e4rke der biblisch-heilsgeschichtlichen Schau erweist sich doch gerade darin, dass sie das Gottes-, Welt- und Zeitverst\u00e4ndnis der Bibel selbst aufnimmt. Sie geht von der zeitlichen und inhaltlichen Mitte des Heilshandelns Gottes in Jesus Christus aus, setzt ihre beiden Hauptteile Altes und Neues Testament in das entsprechende Verh\u00e4ltnis zueinander und beachtet die dazugeh\u00f6rigen Unterscheidungen. Daraus ergibt sich auch das erw\u00e4hnte Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen dem <i>\u201eSchon jetzt\u201c<\/i> und dem <i>\u201eErst dann\u201c.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele umstrittene Themen finden von ihr her eine \u00fcberzeugende Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6rt <i>erstens<\/i> und insbesondere die Stellung des <i>Volkes Israel<\/i> unter den V\u00f6lkern. Nach dem Zeugnis von Paulus in R\u00f6mer 11, 25-36 wird die schlie\u00dfliche Bekehrung und Wieder-Annahme Israels dann stattfinden, wenn die V\u00f6lkermission zur Vollendung gekommen ist, die \u201eF\u00fclle der Heiden\u201c eingegangen ist und Christus wiederkommen wird. Ihm m\u00f6chte die Mission an Israel die Herzen der Juden \u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Zweitens <\/i>findet die religionstheologische Frage nach dem Wesen der <i>nichtchristlichen Religionen <\/i>in ihrem Verh\u00e4ltnis zum christlichen Glauben ihre Antwort in deren dreipoliger Bestimmtheit durch Gottes Uroffenbarung (Apg 14, 17; Joh 1, 9; R\u00f6m 1, 19-20), die Antwort des Menschen in Gehorsam und Widerstand (Apg 17, 27f.; Jes 53, 6a) sowie die Wirksamkeit der D\u00e4monen (2 Kor 4, 4; Eph 2, 2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Drittens<\/i> bew\u00e4hrt sich die heilsgeschichtliche Schau auch im gegenw\u00e4rtigen Ringen um eine <i>Zukunftsgestaltung<\/i>, die dem Evangelium gem\u00e4\u00df ist. Die Kirche Jesu Christi darf in ihrer sozial-politischen Mitverantwortung Zeichen des schon angebrochenen Reiches setzen, diesen jedoch weder eine zu gro\u00dfe noch umgekehrt eine zu geringe Bedeutung beimessen. Vielmehr\u00a0 vertraut sie fest auf die gewisse Erf\u00fcllung der biblischen Verhei\u00dfung des Reiches Gottes bei der Wiederkunft Jesu Christi in Macht und Herrlichkeit. In seinem Reich werden Friede und Gerechtigkeit miteinander endg\u00fcltig verwirklicht sein (Off 21, 1.24).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend m\u00f6chten wir betonen, dass unsere Kritik an der Transformations-Theologie nicht nur einer irrigen Einzellehre und auch nicht den sie vertretenden einzelnen Theologen gilt. Vielmehr sprechen wir ihnen trotz der genannten Irrt\u00fcmer keineswegs die Bruderschaft in Christus ab. Darum m\u00f6chten wir mit ihnen um das Bleiben in der biblischen Wahrheit ringen. Dabei sind wir uns bewusst, dass auch wir der st\u00e4ndigen Korrektur und Vertiefung durch das Wort Gottes bed\u00fcrfen, und wollen deshalb auch unsererseits f\u00fcr biblische Korrektur offen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugleich richten wir unsere dringende Mahnung an die gesamte christliche Missionsbewegung. M\u00f6ge sie sich davor h\u00fcten, durch eine zur Ideologie werdende Geschichtstheologie auf einen Irrweg zu geraten. Setzt diese doch, wie wir erkennen, an die Stelle des ewigen Heils das zeitliche soziale Wohl und vergisst, dass die K\u00f6nigsherrschaft Christi nicht von dieser Welt ist (Joh 18, 36). Jesus hat in seiner Endzeitrede auf dem \u00d6lberg seine J\u00fcnger vor falschen Propheten und Christusgestalten gewarnt, die in der Endzeit auftreten und viele verf\u00fchren werden (Mt. 24, 11). Als Erh\u00f6hter warnt er vor der endzeitlichen \u201eStunde der Versuchung\u201c, die \u00fcber den ganzen Erdkreis [griechisch: <i>oikoum\u00e9ne<\/i>!] kommen werde (Off 3, 10b). Doch der erh\u00f6hte Christus hat der Gemeinde in Philadelphia verhei\u00dfen, sie um ihrer Glaubenstreue zu dem <i>Wort vom standhaften Warten auf ihn<\/i> (Menge-\u00dc.) willen in dieser Stunde zu bewahren (Off 3, 10a). Ebenso, so d\u00fcrfen auch wir fest vertrauen, wird Er, der Gute Hirte, auch heute seine ihm getreue Gemeinde durch alle \u00e4u\u00dferen und inneren Anfechtungen hindurchbringen. Er wird es tun durch die Kraft und die Leitung des Heiligen Geistes, den er den Seinen als Unterpfand der vollendeten Erl\u00f6sung in seinem Reich gegeben hat<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2 Kor 1, 22; 5, 5; Eph 1, 14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b><i>O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,<br \/>\nverbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.<br \/>\nGie\u00df aus dein heilig Feuer, r\u00fchr Herz und Lippen an,<br \/>\ndass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Hamburg und T\u00fcbingen, Pfingsten 2013<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften:<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pastor<i> Ulrich R\u00fc\u00df (Pr\u00e4sident)<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Andreas.Sp\u00e4th<\/i> (Vizepr\u00e4sident)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfarrer Dr.<i> Werner Neuer (<\/i>Vorsitzender der Theologischen Kommission)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Prof. Dr.<i> Peter Beyerhaus<\/i> D.D. (Ehrenpr\u00e4sident)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><b>Mitarbeiter am Rolf Scheffbuch-Symposion und weitere Unterzeichner des T\u00fcbinger Pfingstaufrufs (TPA, Kurzfassung):<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pastor Burghard <i>Affeld<\/i>; Missionsleiter a.D. Friedhelm <i>Appel<\/i>; Pfr. Karl <i>Baral<\/i>; Pfr. Dr. Martin <i>Baier<\/i>; Prof. Dr. Dr. Horst W. <i>Beck <\/i>und Frau Christa<i> Beck-Rudert<\/i>; Frau Ingeg\u00e4rd <i>Beyerhaus; <\/i>Frau Kerstin <i>Brosei; <\/i>Pfr. Johannes\u00a0 <i>Beyerhaus<\/i>; Pfr. Dr. Helmut <i>Burkhardt<\/i>; Dr. Martin <i>Erdmann<\/i>; Dozent<b> <\/b>Pfr. Dr. Stefan <i>Felber<\/i>; Prof. Dr. Edith <i>D\u00fcsing<\/i>; Prof.<b> <\/b>Dr. Helmuth <i>Egelkraut<\/i>; Pfr. Hans-Otto <i>Graser<\/i>; Frau Beate <i>Gsell<\/i>; Dr. Peter <i>Hammond<\/i>, Kapstadt; Dekan Martin und Frau Rosmarie <i>Holland<\/i>; Sr. Friederike <i>Kehnel<\/i>; Drs. [B] Dorothea <i>Killus <\/i>(Schriftf\u00fchrerin); Prof. Dr. Jung-Joo <i>Kim, Seoul, Korea; <\/i>Dr. Ingmar <i>Kurg, <\/i>Tallinn, Estland; Weihbischof Prof. Dr. Andreas <i>Laun<\/i>, Salzburg; Prof. Dr. <i>Dong-Joo<\/i> Lee, Seoul, Korea; Prof. Dr. Klaus <i>Motschmann<\/i>; P. Dr. Dieter <i>M\u00fcller<\/i>; Missionsleiter Manfred <i>M\u00fcller<\/i>; Pfr. Ernst und Frau Mag. Maria <i>Nestele<\/i>; Pfr. Gaston <i>Nogrady<\/i>; Dir. i.R. Pfr. Dr. Horst <i>Neumann<\/i>;\u00a0 Rev. Dr. Thorsten <i>Prill<\/i>, Windhoek, Namibia;<i> <\/i>Dozent Mag. theol. Dr. Hans\u00a0 Ulrich <i>Reifler<\/i>, Basel; Pfr. Martin <i>R\u00f6sch<\/i>; KR Dr. Rolf <i>Sauerzapf<\/i>; Mrs. Dorothea <i>Scarborough<\/i>, Kapstadt; Pfr. Winrich <i>Scheffbuch<\/i>; J\u00fcrgen <i>Schlicksupp<\/i>; Prof. Dr. G\u00fcnter R. <i>Schmidt<\/i>; Prof. Dr. Harald <i>Seubert<\/i>;\u00a0 Prof. Dr. Alma <i>von Stockhausen<\/i>; Frau Elfriede <i>Tlach<\/i>; Missionsdirektor em. Pfr. Dr. Eberhard <i>Troeger<\/i>; Prof. Dr. Bodo <i>Volkmann<\/i>; OStR Erik <i>Wiberg<\/i>, V\u00e4rnamo, Schweden\u00a0 u. v. a.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser <b><i>Aufruf<\/i><\/b> ist auf Spendenbasis (KSK T\u00fcbingen Nr. 288 396\u00a0 \u00a0BLZ 641 500 20) in beliebiger Menge beziehbar \u00a0im<b> Sekretariat der IKBG: <\/b>E-Mail: &gt;Sekretariat@ikbg.net&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.ikbg.net\/Tuebinger-Pfingstaufruf-2013-Langfassung.pdf\">Zur Langfassung des T\u00fcbinger Pfingstaufrufes.<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ikbg.net\/\">www.ikbg.net<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcbinger Pfingstaufruf zur Erneuerung des biblisch-heilsgeschichtlichen Missionsverst\u00e4ndnisses \u201eIhr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Jud\u00e4a und Samarien und bis an das Ende der Erde.\u201c (Apostelgeschichte 1, 8) Am 1. und 2. 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