{"id":9160,"date":"2013-03-11T13:35:31","date_gmt":"2013-03-11T11:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9160"},"modified":"2013-03-20T17:31:32","modified_gmt":"2013-03-20T15:31:32","slug":"eine-islamische-analyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9160","title":{"rendered":"Eine islamische Analyse"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der t\u00fcrkische Gelehrte Prof. Dr. Ahmet Davutoglu ist einer der einflussreichsten muslimischen Intellektuellen. In mehreren B\u00fcchern hat er den Traum von einem Gro\u00dfreich entwickelt, das Nationalstaaten \u00fcberwindet, eine neoosmanische Vision. Sein Buch \u00abStrategische Tiefe\u00bb ist ein Standardwerk \u2013 und ein Bestseller. Das politische Ziel ist ehrgeizig. Ihm schwebt keine Regionalmacht vor, sondern eine Gro\u00dfmacht: \u00abUnser Spielfeld ist die Welt\u00bb. Der Professor lebt nicht im akademischen Elfenbeinturm. Er ist Au\u00dfenminister der T\u00fcrkei. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ahmet Davutoglu ist der Vordenker der islamischen Renaissance in der T\u00fcrkei. Das Land am Bosporus soll sich auf seine alte Gr\u00f6\u00dfe als islamisches Weltreich besinnen und daran ankn\u00fcpfen. Seiner Analyse zufolge steht die westliche Zivilisation vor ihrem Niedergang. Der T\u00fcrkeikorrespondent Boris Kalnoky zitiert aus Davutoglus Buch \u00abZivilisatorische Transformation\u00bb. Der \u00abmuslimische Mensch\u00bb sei dem westlichen \u00abpotentiell \u00fcberlegen\u00bb. Der \u00abHomo islamicus\u00bb sei \u00abstrebsam, dynamisch, moralisch und muslimisch\u00bb, so der t\u00fcrkische Spitzenpolitiker. Dem verfallenden Westen k\u00f6nne nur noch die Transformation vom Falschen ins Richtige helfen. Das Richtige ist aus seiner Sicht ein islamisches Gro\u00dfreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der in Afghanistan geborene und seit vielen Jahren in Deutschland lebende Neurologe und Psychoanalytiker Josef Ludin sieht diesen Machtanspruch mit Sorge. Die Vorstellung einer islamischen Transformation bedrohe \u00abdie s\u00e4kulare europ\u00e4ische Zivilisation mit einem imagin\u00e4ren Gegenentwurf\u00bb. Diese Idee einer islamischen Zivilisation \u00abmuss Europa zur\u00fcckweisen\u00bb, fordert der Arzt und Autor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er konstatiert, dass viele Europ\u00e4er sich in Illusionen wiegen, wenn sie diesen Herrschaftsanspruch nicht ernstnehmen. Der Blick in die Geschichte zeige, so Josef Ludin, wie die Vision einer islamischen Zivilisation in der Praxis aussehe \u2013 was der Islam \u00absonst noch\u00bb zu bieten habe, au\u00dfer den eigentlichen Glaubensinhalten: \u00abWelche Zivilisation hat er uns vorzuschlagen, welches Rechtssystem, welche \u00f6ffentliche Ordnung, welches Bildungssystem, welche Infrastruktur, welche Opernh\u00e4user, welche Bibliotheken und Krankenh\u00e4user\u2026?\u00bb \u00dcberall, wo der Islam in den letzten 600 Jahren zivilisatorisch gewirkt habe, habe er \u00abArmut, Analphabetismus und R\u00fcckst\u00e4ndigkeit hinterlassen\u00bb. Er stelle das Kollektiv \u00fcber das Individuum. Seine Ablehnung von Wissenschaft, Kunst und Aufkl\u00e4rung bedinge sein Verharren in Archaismen. Ludin bilanziert: Der Islam hat \u00abzivilisatorisch vollkommen versagt\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant ist der Zusammenhang, den Josef Ludin zwischen den Anf\u00e4ngen der biblischen Religionen einerseits, des Islam andererseits und der jeweiligen heutigen Verfasstheit sieht. Der Islam sei von Anfang an \u00abals der Herr der Welt\u00bb aufgetreten, als eine \u00abIdeologie der Macht\u00bb. Darin unterscheide er sich grundlegend vom Judentum und Christentum. Das Judentum sei von einer \u00abTradition der Ohnmacht\u00bb getragen gewesen (\u00abWir waren Sklaven in \u00c4gypten\u00bb). Christentum und Judentum mussten sich von Anbeginn der Verfolgung und Unterdr\u00fcckung erwehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gesellschaften, die sich im Einflussbereich der biblischen Tradition entwickelten, messen der Freiheit des Individuums gro\u00dfen Wert bei. B\u00fcrgerrechte, unabh\u00e4ngige Justiz, freie Presse bildeten sich hier heraus. Heute sind wir Zeuge davon, wie die europ\u00e4ischen Gesellschaften das Fundament dieser Werte aufgeben. Damit sind auch dessen Fr\u00fcchte gef\u00e4hrdet. Die Folgen dieses Verfalls sind dem islamischen IntellektuellenAhmet Davutoglu nicht entgangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Islamist in Nadelstreifen und mit Nickelbrille nutzt die zunehmende Schw\u00e4che Europas. Mit k\u00fchner Entschlossenheit verfolgt er das Ziel, die T\u00fcrkei als f\u00fchrende muslimische Macht zu etablieren. Davutoglu und sein Mann f\u00fcr die Massen, Ministerpr\u00e4sident Erdogan, verfolgen dieses Ziel brachial und zielstrebig. Auf ihrem Weg zu einem osmanischen Gro\u00dfreich sehen sie sich bereits auf der Zielgeraden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am gef\u00e4hrlichsten ist dieser islamische Imperialismus f\u00fcr Israel. Antij\u00fcdische und antiisraelische Hetze sind f\u00fcr Davutoglu und Erdogan der Treibsatz, der sie zu den Herren der islamischen Welt machen soll. Mit seiner Prognose \u00fcber die Zukunftsf\u00e4higkeit der westlichen Zivilisation hat der neo-osmanische Denker Davutoglu m\u00f6glicherweise Recht. Seine strategischen \u00dcberlegungen zeigen, dass die westliche Werteimplosion zur Gefahr f\u00fcr die Freiheit in Europa werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Thomas Lachenmaier<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: factum, 07-2011 (<a href=\"http:\/\/www.factum-magazin.ch\">www.factum-magazin.ch<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der t\u00fcrkische Gelehrte Prof. Dr. Ahmet Davutoglu ist einer der einflussreichsten muslimischen Intellektuellen. In mehreren B\u00fcchern hat er den Traum von einem Gro\u00dfreich entwickelt, das Nationalstaaten \u00fcberwindet, eine neoosmanische Vision. Sein Buch \u00abStrategische Tiefe\u00bb ist ein Standardwerk \u2013 und ein Bestseller. Das politische Ziel ist ehrgeizig. 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