{"id":9040,"date":"2013-02-07T18:03:38","date_gmt":"2013-02-07T16:03:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9040"},"modified":"2013-02-07T18:13:33","modified_gmt":"2013-02-07T16:13:33","slug":"transferunion-hat-mit-solidaritat-nichts-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=9040","title":{"rendered":"Transferunion hat mit Solidarit\u00e4t nichts zu tun"},"content":{"rendered":"<p><strong>Euro und Rente: Transferunion hat mit Solidarit\u00e4t nichts zu tun<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verwirrung in der Rentendebatte: H\u00f6ren \u201eimmer mehr Deutsche fr\u00fcher auf zu arbeiten&#8220;, obwohl sie mit \u201eweniger Geld auskommen m\u00fcssen&#8220;? Dies melden Medien unter Berufung auf die Rentenversicherungsstatistik (1). Nach deren neuesten Zahlen mussten noch nie so viele Rentner wie heute Abschl\u00e4ge auf ihre \u201eRegelrente&#8220; hinnehmen. Das bedeutet aber nicht, dass \u201eimmer mehr Deutsche&#8220; fr\u00fcher aufh\u00f6ren zu arbeiten &#8211; das Gegenteil ist der Fall: Das durchschnittliche Renteneintrittsalter ist in der letzten Dekade von ca. 60 Jahren auf 63 Jahre gestiegen (2). Gesunken ist dagegen die Zahl derjenigen, die ihren Vorruhestand ohne Abschl\u00e4ge am Rentenniveau genie\u00dfen k\u00f6nnen. Beide Entwicklungen geh\u00f6ren zusammen &#8211; sie sind die Folge der Rentenreformen in Deutschland, die den Vorruhestand einschr\u00e4nken und das regul\u00e4re Renteneintrittsalter sukzessive bis auf 67 Jahre erh\u00f6hen. Diese Reformen entlasten die Beitragszahler, die in unserem umlagefinanzierten Sozialsystem f\u00fcr die Rentner aufkommen m\u00fcssen. Diese Entlastung dient der Generationengerechtigkeit, denn zuk\u00fcnftig m\u00fcssen &#8211; demografisch bedingt &#8211; immer weniger J\u00fcngere immer mehr \u00c4ltere versorgen. Damit drohen aber auch steigende Rentenbeitragslasten f\u00fcr Arbeitnehmer, die nicht nur den Wohlstand der j\u00fcngeren Erwerbst\u00e4tigen mindern, sondern auch Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Besch\u00e4ftigung gef\u00e4hrden. Um dies zu verhindern, waren Einschnitte im Rentensystem unumg\u00e4nglich.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schmerzhaft waren und sind diese Reformen besonders f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitnehmer, die vorzeitig in den Ruhestand gehen m\u00fcssen, weil sie keine Arbeit mehr finden (3). Entscheidend ist deshalb, dass sich die Besch\u00e4ftigungslage der \u00e4lteren Erwerbst\u00e4tigen verbessert. Hier bleibt &#8211; vor allem bei den \u00fcber 60-J\u00e4hrigen &#8211; noch viel zu tun. Gleichzeitig sind die Fortschritte unverkennbar: Zwischen 2000 und 2011 ist die Besch\u00e4ftigungsquote 55-64-J\u00e4hriger Arbeitnehmer in Deutschland von 38% auf 60% gestiegen. Damit liegt Deutschland in der Eurozone an der Spitze; ein \u00e4hnliches Niveau erreichen nur noch Finnland (57%) und Estland (57%) sowie die Niederlande (56%). \u00dcberall sonst lag &#8211; nach den Daten der EU-Statistik &#8211; die Besch\u00e4ftigungsquote der 55-64 J\u00e4hrigen 2011 weit niedriger: In Spanien bei knapp 45%, in Frankreich bei ca. 42%, in Griechenland unter 40% und in Italien sogar nur bei 38%. Das offizielle Ziel der EU, die Erwerbsquote der 55-64-J\u00e4hrigen bis 2010 auf mindestens 50% zu steigern, haben diese L\u00e4nder klar verfehlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das liegt nicht nur an den Frauen, deren Erwerbsbeteiligung die EU-Kommission st\u00e4ndig als zu niedrig kritisiert. Zu gering sind vor allem die Erwerbsquoten der M\u00e4nner, die in den meisten Haushalten noch immer die Hauptverdiener sind. Besonders d\u00fcster sieht es bei dem Nachbarn auf der anderen Seite des Rheins aus: Nirgendwo sonst in der Eurozone &#8211; au\u00dfer in Slowenien &#8211; sind \u00e4ltere M\u00e4nner so selten erwerbst\u00e4tig wie in Frankreich (4). Daf\u00fcr verantwortlich ist zum einen der schwache Arbeitsmarkt, vor allem aber das Rentensystem: Regul\u00e4r gehen franz\u00f6sische Arbeitnehmer mit 62,\u00a0 manche Gruppen sogar schon mit 55 Jahren in Rente. Gleichzeitig sind &#8211; gem\u00e4\u00df der EU-Statistik &#8211; auch die Renten &#8211; im Vergleich zu den Arbeitnehmereinkommen &#8211; in Frankreich gro\u00dfz\u00fcgig bemessen (5). Kann Frankreich sich das leisten, weil es mehr Kinder hat? Das ist fraglich, denn trotz der j\u00fcngeren Bev\u00f6lkerung liegen die Rentenausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt in Frankreich h\u00f6her als in Deutschland. Noch h\u00f6her sind die Rentenaufwendungen in der Eurozone nur in \u00d6sterreich und Italien (6). Es kann nicht verwundern, wenn auch die Regierungen dieser eigentlich wohlhabenden L\u00e4nder in eine \u201eTransferunion&#8220; dr\u00e4ngen: Sie wollen schmerzhafte Reformen &#8211; insbesondere des Rentensystems &#8211; vermeiden und die Kosten daf\u00fcr auf andere abw\u00e4lzen. Darin sind sie sich mit den Rettungsschirml\u00e4ndern einig, die \u00fcber ihre Verh\u00e4ltnisse gelebt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zeigt sich besonders an den Rentenaufwendungen, die dort 2000-2010 sprunghaft anstiegen (7). Daf\u00fcr zahlen sollen deutsche Arbeitnehmer und Rentner, die schon im ersten Eurojahrzehnt verzichten mussten.\u00a0 Ihren Lebensstandard im Alter &#8211; so hat die Regierung gepredigt und verf\u00fcgt &#8211; sollten sie \u201eeigenverantwortlich&#8220; durch zus\u00e4tzliche Privatvorsorge (\u201eRiester-Rente&#8220;) sichern. Zinsen f\u00fcr ihre Ersparnisse bekommen sie aber nicht mehr; stattdessen entwertet die Eurorettungspolitik sukzessive ihre Verm\u00f6gen (8).\u00a0 Das ist ungerecht und leistungsfeindlich\u00a0 &#8211; diese Politik d\u00fcrfte\u00a0 nicht nur f\u00fcr die Deutschen, sondern f\u00fcr alle Europ\u00e4er verheerend teuer werden. Mit Solidarit\u00e4t und Subsidiarit\u00e4t innerhalb der Europ\u00e4ischen Union hat das nichts mehr zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1)\u00a0\u00a0 Exemplarisch daf\u00fcr: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2013-01\/fruehrente-trend-studie\">http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2013-01\/fruehrente-trend-studie<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2)\u00a0\u00a0 Vgl. hierzu die Eurostat-Daten zum \u201eErwerbsaustrittsalter&#8220; (abrufbar unter <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/portal\/page\/portal\/eurostat\/home\">http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/portal\/page\/portal\/eurostat\/home<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3)\u00a0\u00a0 Entgegen der in aktuellen Nachrichten verbreiteten Panikszenarien \u00fcber Altersarmut durch vorzeitigen Ruhestand mit Rentenk\u00fcrzungen gibt es f\u00fcr die hohe Zahl der Fr\u00fchverrentungen\u00a0 auch eine andere Erkl\u00e4rung: Viele Arbeitnehmer wollen sich vor Eintritt in den Regel-Ruhestand den wachsenden Stress des Arbeitslebens nicht mehr antun &#8211; und k\u00f6nnen es sich leisten, Abschl\u00e4ge f\u00fcr ein fr\u00fcheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben in Kauf zu nehmen. Der Fr\u00fchruhestand ist in diesen F\u00e4llen kein Armuts-, sondern ein Wohlstandsph\u00e4nomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4)\u00a0\u00a0 Siehe hierzu: <a href=\"http:\/\/altewebsite.i-daf.org\/474-0-Wochen-24-25-2012.html\">http:\/\/altewebsite.i-daf.org\/474-0-Wochen-24-25-2012.html<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5)\u00a0\u00a0 Nur so l\u00e4sst es sich erkl\u00e4ren, dass die Einkommen der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen in Frankreich 100%, in Deutschland dagegen nur 91% des mittleren Einkommens der Gesamtbev\u00f6lkerung erreichen. Vgl.: Statistisches Bundesamt: Senioren in Deutschland: \u00dcberwiegend vital und finanziell abgesichert, STATmagazin vom 21. Dezember 2012 (abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/\">www.destatis.de<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6)\u00a0\u00a0 Siehe hierzu: \u201eWachsende Rentenaufwendungen in der Eurozone &#8211; Konsolidierung nur in Deutschland&#8220; (Abbildung unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7)\u00a0\u00a0 Siehe hierzu: \u201eWachsende Rentenaufwendungen in der Eurozone &#8211; Konsolidierung nur in Deutschland&#8220;; \u201eKostend\u00e4mpfung durch Erwerbst\u00e4tigkeit \u00c4lterer&#8220; (Abbildungen unten). Anmerkung: Besonders Portugal leistet sich Rentenaufwendungen, die seine Leistungskraft massiv \u00fcberfordern. Sie \u00fcbersteigen den jeweiligen Anteil am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und erreichen fast die Werte Frankreichs &#8211; und das bei einer unvergleichlich niedrigeren Wirtschaftskraft. Nirgendwo sonst sind die Rentenausgaben im ersten Eurojahrzehnt so stark gestiegen. Beunruhigend ist dies vor allem im Blick auf die besonders ung\u00fcnstige demographische Lage in Portugal: Die Alterung setzt hier im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern sp\u00e4ter, daf\u00fcr aber umso heftiger ein, so dass bei unver\u00e4ndertem Rentensystem die Belastungen in Zukunft noch erheblich steigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) Siehe hierzu: <a href=\"http:\/\/altewebsite.i-daf.org\/467-0-Wochen-18-19-2012.html\">http:\/\/altewebsite.i-daf.org\/467-0-Wochen-18-19-2012.html<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?attachment_id=9042\" rel=\"attachment wp-att-9042\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-9042\" title=\"Rentenaufwendungen\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Rentenaufwendungen-300x227.jpg\" alt=\"\" width=\"492\" height=\"310\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><br \/>\n<\/em><em>Quelle: IDAF-newsletter Wochen 5 und 6\/2013<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Euro und Rente: Transferunion hat mit Solidarit\u00e4t nichts zu tun Verwirrung in der Rentendebatte: H\u00f6ren \u201eimmer mehr Deutsche fr\u00fcher auf zu arbeiten&#8220;, obwohl sie mit \u201eweniger Geld auskommen m\u00fcssen&#8220;? 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