{"id":904,"date":"2009-07-23T12:50:59","date_gmt":"2009-07-23T10:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=904"},"modified":"2009-09-01T14:18:30","modified_gmt":"2009-09-01T12:18:30","slug":"geben-ist-seliger-als-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=904","title":{"rendered":"Geben ist seliger als nehmen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geben ist seliger als nehmen. Eine kurze Besinnung \u00fcber die Freigiebigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Jesuswort \u201eGeben ist seliger als nehmen\u201c kennen wir nicht aus den Evangelien, sondern von Paulus. Er zitiert es bei seinem Abschied von den \u00c4ltesten der Gemeinde in Ephesus zum Abschlu\u00df seiner dritten Missionsreise. Er betont in diesem Zusammenhang, er habe \u201evon niemandem Silber oder Gold oder Kleidung begehrt\u201c, und da\u00df er damit allen gezeigt habe, \u201eda\u00df man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen mu\u00df\u201c (Ag. 20,33-35). Damit dokumentiert der Apostel eindrucksvoll seinen Lebensstil des Gebens. <!--more-->Er stellt den Gemeinden sich und seinen Dienst v\u00f6llig kostenfrei zur Verf\u00fcgung. Wie kommt er zu einer solchen Haltung? Wenn man sein gro\u00dfes pers\u00f6nliches Bekenntnis im 1. Brief an die Korinther liest (besonders 1. Kor. 9,16), st\u00f6\u00dft man auf den Grund. Paulus ist von der Tatsache, da\u00df der auferstandene Christus ausgerechnet ihn, den Christenverfolger, mit der Weltmission beauftragt hat, so tief beeindruckt, da\u00df er gar nicht anders kann als fortan sein ganzes Leben f\u00fcr diesen Herrn einzusetzen. W\u00f6rtlich sagt er: \u201eMir ist eine Notwendigkeit auferlegt\u201c. Wir sind bei diesem Bekenntnis am Kern der christlichen Gebefreudigkeit. Wer Gottes Barmherzigkeit pers\u00f6nlich erlebt hat, wer das Wunder verstanden hat, da\u00df Gott s\u00fcndhafte, egoistische Menschen liebt und ruft, der wird ein dankbarer Mensch, der nun auch f\u00fcr seinen Herrn leben und etwas tun will. Unsere Freigiebigkeit ist immer eine Funktion unserer Dankbarkeit vor Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der gro\u00dfen Gefahren der Gemeinde Jesu heute ist die Weltanpassung. Eines der letzten B\u00fccher des genialen christlichen Kulturphilosophen Francis Schaeffer ist diesem Ph\u00e4nomen gewidmet. Vielen Christen ist gar nicht mehr bewu\u00dft, da\u00df sie gegen\u00fcber der Welt, in der sie leben, zu einem v\u00f6llig alternativen Lebensstil berufen und bevollm\u00e4chtigt sind. Christus hat sie befreit von allem eigens\u00fcchtigen Wesen. Sie haben die wunderbare Freiheit, ihr Leben nun f\u00fcr Gott und f\u00fcr den N\u00e4chsten zu leben. Martin Luther hat diese Freiheit in seiner Reformationsschrift \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c un\u00fcbertroffen ausgedr\u00fcckt: \u201eEin Christ lebt nicht mehr in sich, sondern in Christus und im N\u00e4chsten\u201c. Man k\u00f6nnte es auch so sagen: Wir sind als Christen berufen zu einem Leben im Kreuzeszeichen. Der Glaube zieht uns nach oben, hin zu einem Leben in der Hingabe an Gott. Und die Liebe zieht uns zum N\u00e4chsten. Wir beginnen, uns f\u00fcr ihn zu interessieren und gewinnen Kraft und Phantasie, ihm beizustehen und ihm das Beste zu geben. Nur auf dem Boden dieser doppelten geistlichen Wirklichkeit kann man sinnvoll \u00fcber Freigiebigkeit nachdenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner bekannten ausf\u00fchrlichen Kollektenempfehlung, die er der Gemeinde in Korinth gibt, gibt Paulus eine anschauliche Schilderung der christlichen Freigiebigkeit. Sie ist in der Dankbarkeit motiviert und in ihrer Art fr\u00f6hlich. Sehen wir uns einmal diese beiden Wesensz\u00fcge n\u00e4her an. Der Apostel setzt in seinen Ausf\u00fchrungen nicht bei der Not der Jerusalemer Christen ein, die durch massive Einsch\u00fcchterung und politisch-wirtschaftliche Benachteiligung in finanzielle Schwierigkeiten gekommen waren. Er will kein blo\u00dfes Mitleid erregen. Vielmehr ruft er den Korinthern den geistlichen Reichtum in Erinnerung, den er ihnen im Auftrag Christi gebracht hat. \u201eIhr seid in jeder Hinsicht reich geworden, im Glauben, im Wort, in der Erkenntnis, in allem Eifer und in der Liebe\u201c, und dann f\u00fcgt er hinzu \u201eso gebt nun auch reichlich bei dieser Wohlt\u00e4tigkeitsaktion\u201c (2. Kor. 8,7). Mit dieser Argumentation bleibt er seinem eigenen Grundsatz treu, da\u00df n\u00e4mlich dem ermahnenden Imperativ immer der Indikativ der Barmherzigkeit Gottes zuvorkommen mu\u00df. Seine ganzen Briefe sind nach diesem Doppel-Prinzip aufgebaut. Im ersten Teil schildert er die Heilstatsachen, die Gott geschaffen hat, und im zweiten Teil f\u00fcgt er die Ermahnungen an die Gemeinde an, nun auch aus Dankbarkeit danach zu leben. Typisch ist der Anfang des ermahnenden Teils im R\u00f6merbrief, wo er sich zun\u00e4chst auf die Barmherzigkeitstaten Gottes bezieht und beruft, die er im ersten Teil ausgef\u00fchrt hat, und dann zur Ermahnung \u00fcbergeht (R\u00f6m. 12,1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit bin ich beim zweiten Aspekt der Freigiebigkeit, den wir bei Paulus lernen k\u00f6nnen, der Fr\u00f6hlichkeit. Es f\u00e4llt in seiner Begr\u00fcndung der Kollekte auf, da\u00df er unter allen Umst\u00e4nden Druck und Zwang vermeiden will. \u201eWer k\u00e4rglich s\u00e4t, wird auch k\u00e4rglich ernten; und wer da s\u00e4t im Segen, wird auch ernten im Segen. Ein jeder soll geben, wie er sich\u2019s im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fr\u00f6hlichen Geber hat Gott lieb\u201c (2. Kor. 9,6f.). Auch Nichtchristen k\u00f6nnen geben, sie k\u00f6nnen sogar viel geben. Die Armensteuer im Islam ist ein eindr\u00fcckliches Beispiel. Die Motivationen nichtchristlichen Gebens k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein: Man m\u00f6chte Anerkennung und Ehre gewinnen. Man f\u00fchlt sich f\u00fcr eine empfangene Wohltat eines anderen zum Dank verpflichtet. Man m\u00f6chte aus Mitleid helfen. Oder man wei\u00df sich &#8211; wie im Islam &#8211; einem religi\u00f6sen Gesetz verpflichtet. Es gibt allerdings auch ein pervertiertes christliches Geben: man m\u00f6chte dann in besonderer Weise Gott gefallen und Eindruck auf ihn machen. Die echte christliche Freigiebigkeit ist frei von diesen egoistischen Nebenmotiven. Sie vermag den inneren \u201eUnwillen\u201c zu \u00fcberwinden, und sie braucht auch keinen \u00e4u\u00dferem \u201eDruck\u201c. Sie sch\u00f6pft ihre Motivation allein aus der Dankbarkeit vor Gott und aus der Liebe zum N\u00e4chsten. Deswegen kann ein Christ fr\u00f6hlich geben. Was Gott ihm t\u00e4glich unverdient und reichlich an irdischen und geistlichen G\u00fctern gibt, macht ihn froh. Und die Freude, die er mit seiner Gabe ausl\u00f6st, erf\u00fcllt ihn ebenso mit Freude. Etwas zugespitzt kann man sagen: In der Welt h\u00f6rt beim Geld der Spa\u00df auf. Im Reich Gottes beginnt er dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dankbares und fr\u00f6hliches Geben setzt allerdings eine Grundentscheidung voraus, zu der Paulus im 1. Korintherbrief ermahnt. \u201eFortan sollen die, die verheiratet sind, sein, als w\u00e4ren sie es nicht; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht; und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht\u201c (1. Kor. 7,29-31). Man k\u00f6nnte diese Grundentscheidung die Entscheidung zum heiligen Abstand von der Welt nennen. Christen wissen, da\u00df ihr Leben in dieser Welt nur ein \u00dcbergang ist. Sie sind dankbar f\u00fcr die Gaben dieser Welt, die ihnen die Gestaltung ihres \u00e4u\u00dferen Lebens gew\u00e4hrleisten. Aber sie wissen, da\u00df sie ihnen f\u00fcr das innere Leben nichts nutzen und da\u00df sie daf\u00fcr himmlische Gaben brauchen. Sie sind dankbar f\u00fcr die Heimat, die diese Welt ihnen bietet, aber sie wissen, da\u00df ihre \u201eStaatsb\u00fcrgerschaft\u201c im Himmel ist (Phil. 3,20). Die Grundentscheidung, in der Welt nicht die eigentliche Heimat zu sehen, verschafft Freiheit im Umgang mit den materiellen G\u00fctern. Im Buch der Spr\u00fcche dr\u00fcckt ein Gebet diese Freiheit folgenderma\u00dfen aus: \u201eArmut und Reichtum gib mir nicht, la\u00df mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das du mir beschieden hast\u201c (Spr. 30,8). Paulus dr\u00fcckt es so aus: \u201eMir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, \u00dcberflu\u00df haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mir die Kraft gibt\u201c (Phil. 4,12f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kann man geben lernen? Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, in der Gegend von Neuwied einige neugebaute mennonitische Beth\u00e4user zu besichtigen. Ich staunte \u00fcber die sowohl schlichte als auch feierliche Ausstattung, und besonders bei einem Bethaus \u00fcber die Ausma\u00dfe und die zahlreichen R\u00e4ume f\u00fcr die Kinder- und Jugendarbeit. Ich fragte nach den Finanzen. Einer der Gemeindeleiter gab mir zur Antwort: \u201eDas meiste hat unsere Gemeinde in Eigenleistung aufgebracht. Was wir kaufen und durch Firmen erledigen mu\u00dften, haben wir durch den Zehnten rasch aufgebracht. Au\u00dferdem geben unsere Leute bei solchen Gro\u00dfprojekten zwei Monatsgeh\u00e4lter im Jahr\u201c. Dann lernte ich eine Familie n\u00e4her kennen. Ich wollte heraussp\u00fcren, ob bei diesen Sammelaktionen \u201eUnwillen\u201c oder \u201eZwang\u201c herrschen. Doch ich merkte, da\u00df es die Dankbarkeit vor Gott ist, die ihnen die H\u00e4nde \u00f6ffnete. Und dann machte ich mir Gedanken, wie ich selber zu dieser selbstverst\u00e4ndlichen Freigiebigkeit kommen k\u00f6nnte und wie wir sie auch in unseren volkskirchlichen Gemeinden f\u00f6rdern k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Glaubensentscheidung f\u00fcr Jesus Christus ist die Haltung des dankbaren und fr\u00f6hlichen Gebens offensichtlich noch nicht automatisch vorhanden. Viele knausrige Christen liefern den traurigen Beweis daf\u00fcr. Ein ernstes Beispiel aus der ersten Zeit des Christentums ist der Bericht \u00fcber das Ehepaar Ananias und Saphira (Ag. 5,1-11). Die beiden verkaufen einen Acker, um der Gemeinde Geld zu spenden. Ananias erscheint vor den Aposteln, um ihnen das Geld zu geben. Was er ihnen nicht sagt, ist die Tatsache, da\u00df er sich vorher einen Teilbetrag f\u00fcr private Zwecke abgezweigt hat. Er erweckt den Eindruck eines freigiebigen Christen, ist aber im Herzen knausrig geblieben. Petrus deckt den Schwindel auf und redet ihm ins Gewissen. Unter dem Eindruck der Strafpredigt f\u00e4llt Ananias tot um. Wenig sp\u00e4ter ergeht es seiner Frau genauso. Aus dem Alten Testament gibt es einen \u00e4hnlich ernsten Bericht \u00fcber den unlauteren Umgang mit Opfergaben f\u00fcr Gott. Die beiden S\u00f6hne des Priesters Eli verwenden ihnen nicht zustehende Opferfleischst\u00fccke f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Bedarf und m\u00fcssen deswegen in einer Schlacht gegen die Philister sterben (1. Sam. 2-4). Offensichtlich wollte Gott seinem Volk Israel und der jungen Gemeinde Jesu warnende Beispiele daf\u00fcr geben, wie Gaben f\u00fcr ihn gegeben und eingesetzt werden sollen: mit einem ungeteilten Herzen und ohne Eigennutz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kommen wir zu einer solchen Haltung der Freigiebigkeit ohne Eigennutz? Es gibt nur den einen Weg, den Paulus den Korinthern vorgezeichnet hat. Wir m\u00fcssen uns des geistlichen Reichtums bewu\u00dft werden, den wir in Jesus Christus haben. Uns mu\u00df fest ins Herz geschrieben bleiben, da\u00df wir durch den Glauben an den in jeder Hinsicht unendlich reichen Gottessohn den wahren Reichtum,, den wahren Gewinn und das wahre Lebensgl\u00fcck haben (1. Tim. 6,6). Hermann von Bezzel hat diesen geistlichen Entschlu\u00df in einmaliger Weise beschrieben. \u201eFr\u00f6mmigkeit ist der Entschlu\u00df, die Abh\u00e4ngigkeit von Gott als Gl\u00fcck zu bezeichnen\u201c. Wenn wir in diesem geistlichen Reichtum leben, k\u00f6nnen wir uns auch bewu\u00dft von jeglicher Geldgier trennen, die uns immer wieder zum Eigennutz und zu einem knausrigen Umgang mit Gaben und Spenden verf\u00fchren will. Paulus gibt in dieser Hinsicht seinem Mitarbeiter Timotheus sehr aktuelle Ratschl\u00e4ge: \u201eDie reich werden wollen, fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele t\u00f6richte und sch\u00e4dliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. Denn Geldgier ist eine Wurzel alles \u00dcbels; danach hat einige gel\u00fcstet, und sie sind vom Glauben abgekommen und bereiten sich selbst viele Schmerzen. Aber du, Gottesmensch, fliehe das!\u201c (1. Tim. 6,9-11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie k\u00f6nnen wir die Freigiebigkeit bei anderen f\u00f6rdern? Das ist keine leichte Aufgabe. Nicht jeder ist f\u00fcr Spendenreden so begabt wie Pastor von Bodelschwingh, der immer wieder den Menschen erkl\u00e4rte, da\u00df sie ihm einst noch danken werden, da\u00df er ihnen ihr Geld \u00fcberhaupt abgekn\u00f6pft habe. Vor allem m\u00fcssen wir uns h\u00fcten vor blo\u00dfen Appellen an das Christsein, an das Mitleid oder an die fromme Leistungswilligkeit. Wir erreichen damit nur \u201eUnwillen und Zwang\u201c (2. Kor.9,7). Noch schlimmer: wir f\u00f6rdern eine pervertierte Freigiebigkeit, die das Ego des Spenders, aber nicht Jesus Christus gro\u00df macht. Es mu\u00df uns gelingen, dem anderen den geistlichen Reichtum des Christseins so klar und lebendig vor Augen zu stellen, da\u00df er fr\u00f6hlich und freiwillig aus Dankbarkeit gibt. Je mehr wir uns selbst einge\u00fcbt haben in fr\u00f6hliches und freiwilliges Geben, desto leichter wird uns das fallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum ist geben seliger als nehmen? Weil es uns die Chance schenkt, uns unseres wahren Reichtums in Christus neu bewu\u00dft zu werden, weil es uns damit von uns selbst erl\u00f6st und weil es uns die Freude vermittelt, zur Freude anderer beizutragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geben ist seliger als nehmen. Eine kurze Besinnung \u00fcber die Freigiebigkeit Das Jesuswort \u201eGeben ist seliger als nehmen\u201c kennen wir nicht aus den Evangelien, sondern von Paulus. Er zitiert es bei seinem Abschied von den \u00c4ltesten der Gemeinde in Ephesus zum Abschlu\u00df seiner dritten Missionsreise. 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