{"id":8932,"date":"2013-01-11T09:30:32","date_gmt":"2013-01-11T07:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8932"},"modified":"2013-01-11T12:35:28","modified_gmt":"2013-01-11T10:35:28","slug":"wiedergeburt-gefallig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8932","title":{"rendered":"Wiedergeburt gef\u00e4llig?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als ich vor einigen Monaten einen Krankenbesuch machte, fiel mein Blick zuf\u00e4llig auf die R\u00fcckseite eines Buches, das im Nachbarbett gelesen wurde. Dort stand in gro\u00dfen Buchstaben: \u201eWiedergeburt gef\u00e4llig?\u201c Diese Frage machte mich neugierig und so lieh ich mir das Buch mit dem Titel \u201eMieses Karma\u201c in der \u00f6rtlichen Stadtbibliothek aus. Der Autor David Safier beschreibt darin eine erfolgreiche TV-Moderatorin, die von den Tr\u00fcmmern einer russischen Weltraumstation erschlagen wird. Nach diesem unerwarteten Ende wird sie als Ameise wiedergeboren. Schuld daran ist das miese Karma, das sie im Laufe ihres Lebens angesammelt hatte. Nun muss gutes Karma her, um aus dieser Misere wieder herauszukommen\u2026<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Schriftsteller Hermann Hesse hat sich in seinem Werk mit dem Gedanken der Wiedergeburt im Sinne der hinduistischen und buddhistischen Lehre der Reinkarnation auseinandergesetzt. So z. B. in seinem Gedicht \u201eStufen\u201c. In den letzten Strophen hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs wird vielleicht auch noch die Todesstunde<br \/>\nuns neuen R\u00e4umen jung entgegen senden,<br \/>\ndes Lebens Ruf an uns wird niemals enden &#8230;<br \/>\nWohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hermann Hesse hat dieses Gedicht im Sinne einer m\u00f6glichen Reinkarnation verstanden, die dem Menschen auch nach seinem Lebensende neue Lebensstufen und Lebensr\u00e4ume er\u00f6ffnet. Unbewusst verbinden viele Menschen den Begriff \u201eWiedergeburt\u201c mit der Lehre von der Reinkarnation, wie sie in den fern\u00f6stlichen Religionen gelehrt wird. Vergessen wird dabei, dass die Wiedergeburt \u2013 jedoch unter anderen Vorzeichen und mit anderer F\u00fcllung \u2013 von Jesus und den Aposteln gelehrt wurde. Mit der christlichen Lehre von der Wiedergeburt wird von dem Punkt im Leben eines Menschen gesprochen, an dem er durch den Glauben an Jesus Christus ein Kind Gottes geworden ist (vgl. Joh 1,12).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Warum eine Wiedergeburt n\u00f6tig ist<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der heilige Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst ist zu kl\u00e4ren, warum eine Wiedergeburt \u00fcberhaupt n\u00f6tig ist. Dabei m\u00fcssen wir bei Gottes Wesen beginnen. Gott ist ein heiliger Gott. So wird er von den Serafim tagt\u00e4glich und in Ewigkeit angebetet: \u201eHeilig, Heilig, Heilig, ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll\u201c (Jes 6,3). In seiner Heiligkeit ist Gott ganz und gar anders als der Mensch. Gott ist heilig und damit vollkommen, gut, gerecht und rein. Heilig bedeutet, dass Gott von jeglicher Falschheit, Bosheit und Schlechtigkeit geschieden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der s\u00fcndige Mensch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Gott heilig ist, ist der Mensch ein S\u00fcnder und damit dem Wesen nach das Gegenteil von Gott. Seit dem S\u00fcndenfall ist die Existenz des Menschen gekennzeichnet von Eigenschaften, die der Heiligkeit Gottes diametral entgegenstehen: Der Mensch ist falsch, b\u00f6se und schlecht, selbst wenn er gelernt hat, diesen unangenehmen Umstand hinter einer glatten Fassade zu verbergen. Paulus schreibt an die R\u00f6mer: \u201eDenn ich wei\u00df, dass in mir, das hei\u00dft, dass in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt\u201c (R\u00f6m 7,18). Der Mensch ist in seiner gefallenen Existenz von Gott getrennt und lebt bewusst oder unbewusst in einem Zustand der Feindschaft gegen Gott (R\u00f6m 8,7). Als Folge der S\u00fcnde steht der Mensch unter dem Todesurteil Gottes (R\u00f6m 6,23). Als Todgeweihter kann der Mensch das Reich Gottes nicht erlangen: \u201eDas sage ich aber, liebe Br\u00fcder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben k\u00f6nnen: auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit\u201c (1 Kor 15,50).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Notwendigkeit der Wiedergeburt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott und Mensch haben ein Kompatibilit\u00e4tsproblem. So wie eine veraltete Software auf einem neuen Rechner nicht l\u00e4uft, so sind wir nicht kompatibel mit Gott und seinem Reich. Dieser Zustand ist irreparabel. Der S\u00fcnder kann nicht verbessert werden, wie es die Aufkl\u00e4rung und der Humanismus dachten. Der Mensch ist so verdorben, dass er eine zweite Geburt braucht. Der PC-Nutzer wei\u00df, dass er nicht l\u00e4nger zu versuchen braucht, die alte Software zum Laufen zu bringen. Er braucht eine neue Software, die mit dem neuen Rechner kompatibel ist. Der alte Mensch kann nicht repariert werden. Er muss geistlich sterben, damit ein neuer Mensch geistlich geboren werden kann. Erst dieser wiedergeborene Mensch ist kompatibel mit der Heiligkeit Gottes und mit der kommenden Welt Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Johannesevangelium werden wir Zeugen eines abendlichen Lehrgespr\u00e4ches zwischen Jesus und dem Jerusalemer Ratsherren Nikodemus. In diesem Gespr\u00e4ch lehrte Jesus die Notwendigkeit der Wiedergeburt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) \u201eWahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen\u201c (Joh 3,3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) \u201eEs sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen\u201c (Joh 3,5).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3.) \u201eWundere dich nicht, dass ich die gesagt habe: Ihr m\u00fcsst von neuem geboren werden\u201c (Joh 3,7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus gebraucht hier den griechischen Ausdruck \u201egennao anothen\u201c, \u201evon neuem geboren werden\u201c oder auch \u201evon oben her geboren werden.\u201c Jesus sagt also, dass eine Wiedergeburt, eine Neugeburt oder eine Geburt von oben her, notwendig ist, um das Reich Gottes \u00fcberhaupt erkennen und daran teilhaben zu k\u00f6nnen. Die Wiedergeburt ist keine geistliche Option, sondern sie steht unter dem g\u00f6ttlichen \u201emuss\u201c (griechisch: dei), das Jesus in Vers 7 verwendet (Joh 3,7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie eine Wiedergeburt geschehen kann<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Bad der Wiedergeburt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Gem\u00e4ldegalerie in Berlin h\u00e4ngt ein Bild von Lucas Cranach dem \u00c4lteren. Das Bild tr\u00e4gt den Titel \u201eDer Jungbrunnen\u201c. In der Mitte des Bildes ist ein begehbares Wasserbecken abgebildet. Auf der linken Seite steigen alte, gebrechliche Frauen \u00fcber Treppenstufen in das Becken hinein und waten durch den Brunnen hindurch. W\u00e4hrend sie durch das Becken waten, verwandeln sie sich. In jugendlicher Sch\u00f6nheit entsteigen sie den Stufen auf gegen\u00fcberliegenden Seite. Lucas Cranach bringt mit diesem Bild eine Sehnsucht zum Ausdruck, die tief im Menschen verwurzelt ist und die ganze Menschheitsgeschichte durchzieht. In der Tiefe seines Wesens str\u00e4ubt sich der Mensch gegen das Altern und den Tod. Er will das Todesproblem \u00fcberwinden. Der Regisseur und Schauspieler Woody Allen meinte einmal: \u201eMeine Einstellung zum Tod hat sich nie ge\u00e4ndert: Ich bin vehement dagegen.\u201c Der Mensch sucht nach einer Quelle ewiger Jugend und ewigen Lebens. Wir sind nicht auf Sterben, sondern auf Leben programmiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel sagt uns, dass der Tod eine Folge der S\u00fcnde ist. Doch sie zeigt uns auch, dass die Sehnsucht nach ewigem Leben eine Antwort hat. Wer ewig leben will, muss von neuem geboren werden. Suchen wir diesen Jungbrunnen, brauchen wir das Bad der Wiedergeburt. Im Titusbrief verwendet Paulus das griechische Hauptwort &#8222;paliggenesia&#8220; (palin: wieder, genesis: Entstehung, Geburt):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDenn auch wir waren fr\u00fcher unverst\u00e4ndig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gel\u00fcsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verha\u00dft und ha\u00dften uns untereinander. Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig &#8211; nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit &#8211; durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist, den er \u00fcber uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens w\u00fcrden nach unsrer Hoffnung\u201c (Titus 3,3-7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bad der Wiedergeburt ist der Jungbrunnen, den die Menschheit immer gesucht hat. Wir steigen auf der einen Seite des Beckens als dem Tod verfallene S\u00fcnder hinein (Vers 3), empfangen in der Wiedergeburt den Glauben an Jesus Christus und die Gabe des Heiligen Geistes (Verse 5-6) und erhalten Anteil am ewigen Leben (Vers 7). Wir wollen nun genauer untersuchen, wie eine Wiedergeburt geschehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wiedergeburt geschieht durch Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wiedergeburt steht nicht in der Verf\u00fcgung des Menschen, sondern sie ist von Gott gewollt und gewirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir Erstlinge seiner Gesch\u00f6pfe seien\u201c (Jak 1,18; vgl. Joh 1,12).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es liegt im Wesen jeder Geburt, dass der Geborene die Geburt passiv erlebt und sich nicht f\u00fcr oder gegen seine Geburt entscheiden kann. In der Wiedergeburt handelt der souver\u00e4ne Gott, der aus Barmherzigkeit \u2013 wie es wiederholt betont wird (z. B. 1 Petr 1,3) \u2013 aus geistlich toten S\u00fcndern seine Kinder gebiert. Mit dem Begriff der geistlichen Geburt betont die Heilige Schrift, dass die Gotteskindschaft ein Gnadengeschenk Gottes ist. Es kann nicht verdient oder gemacht werden. W\u00e4hrend der Begriff Bekehrung das menschliche Moment betont, wird mit dem Begriff der Wiedergeburt das g\u00f6ttliche Moment betont. Beide sind zwei Seiten der einen Medaille.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wiedergeburt geschieht durch das Kreuz <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Nikodemus Jesus fragt: \u201eWie kann das geschehen?\u201c antwortet Jesus mit einer Geschichte aus dem Alten Testament (4 Mose 21,8-9). Die Israeliten hatten rebelliert gegen Gott. Als Strafe schickte Gott giftige Schlangen. Viele Israeliten starben durch t\u00f6dliche Bisse. Als das Volk um Gnade bat, musste Mose eine kupferne Schlange an einem Pfahl im Lager aufrichten. Wer die Schlange ansah, wurde geheilt. Wer glaubte und aufblickte, wurde gerettet. Die Geheilten waren wie neugeboren, sie hatten ihr Leben ein zweites Mal erhalten. Jesus sagt nun: \u201eWie Mose in der W\u00fcste die Schlange erh\u00f6ht hat, so muss der Menschensohn erh\u00f6ht werden, damit alle, die an ihn glauben das ewige Leben haben\u201c (Joh 3,14). Jesus wurde f\u00fcr unsere S\u00fcnde gekreuzigt. Der t\u00f6dliche Biss der Schlange im Paradies konnte nur durch seinen Tod geheilt werden. Wer heute auf das Kreuz blickt und Jesus im Glauben ansieht als den Retter einer verlorenen Welt, der erh\u00e4lt ein neues Leben. Er wird von S\u00fcnde und Tod befreit und darf ewig Leben. Wer den Gekreuzigten im Glauben ansieht, wird von neuem geboren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wiedergeburt geschieht durch die Auferstehung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Wiedergeburt ist erst dadurch m\u00f6glich geworden, dass Jesus nicht im Grab blieb, sondern von den Toten auferstanden ist. So schreibt Petrus, der ja einer der ersten am leeren Grab war: \u201eGelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner gro\u00dfen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung von den Toten zu seinem unverg\u00e4nglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe\u2026\u201c (1 Petr 1,3.4). Erst die Auferstehung Christi bringt das neue und unverg\u00e4ngliche Leben zum Vorschein und macht sie hier zug\u00e4nglich. Jesus ist mitten in dieser alten und verg\u00e4nglichen Sch\u00f6pfung der Kristallisationspunkt der neuen Sch\u00f6pfung. Durch den Glauben werden wir mit seiner Auferstehung verbunden und damit zu Kindern und Erben einer neuen und ewigen Gesch\u00f6pflichkeit, die uns am Tag der Wiederkunft Christi angeeignet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wiedergeburt geschieht durch das Wort<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kreuz und Auferstehung Christi kommen zum Menschen durch die Verk\u00fcndigung des Evangeliums. Aus diesem Grunde geschieht die Wiedergeburt durch das Wort. So haben wir es bereits aus dem Jakobusbrief 1,18 geh\u00f6rt und so schreibt es auch Petrus: \u201eHabt ihr eure Seelen gereinigt im Gehorsam der Wahrheit zu ungef\u00e4rbter Bruderliebe, so habt euch untereinander best\u00e4ndig lieb aus reinem Herzen. Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus verg\u00e4nglichem, sondern aus unverg\u00e4nglichem Samen, n\u00e4mlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt\u201c (1 Petr 1,23). Wer das Wort Gottes liest oder h\u00f6rt und es auch im Glauben aufnimmt, der wird durch dieses Wort mit dem Tod und der Auferstehung verbunden und so von neuem geboren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wiedergeburt geschieht durch Wasser und Geist<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Frage des Nikodemus, wie eine Wiedergeburt geschehen kann, gibt Jesus die Antwort: \u201eEs sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch und was vom Geist geboren ist, das ist Geist\u201c (Joh 3,5).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wiedergeburt ist kein physisches Geschehen wie die Geburt eines Kindes, sondern ein geistlicher Geburtsvorgang. In diesem Sinne ist die Geburt auch eine Geburt von oben her, weil sie von Gott gewirkt ist, der seinen Geist aus der H\u00f6he gibt. Es wird hier auch deutlich, dass der dreieinige Gott die geistliche Neugeburt wirkt. Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, sind am Werk der Wiedergeburt beteiligt. Der Vater sendet den Sohn, der Sohn stirbt und steht auf von den Toten und der Heilige Geist tr\u00e4gt das Heilswerk des Sohnes in die Herzen der Gl\u00e4ubigen. Im \u00dcbrigen ist dabei der Heilige Geist unl\u00f6sbar mit dem Wort Gottes verbunden (2.5.), was Martin Luther zum Ausdruck brachte, als er schrieb: \u201eDer Geist f\u00e4hrt einher auf dem Wagen des Wortes\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ausdruck \u201edurch das Wasser geboren werden\u201c bezieht sich auf die Taufe. In der Taufe, so schreibt Petrus \u201ebitten wir Gott um ein gutes Gewissen durch die Auferstehung Jesu Christi\u201c (1 Petr 3,21). Mit \u201eWasser und Geist\u201c bedeutet also, dass Gottes Geist uns unsere S\u00fcnde offenbart und der Schmutz der S\u00fcnde durch den Glauben an Jesus Christus abgewaschen wird. Die geistliche Neugeburt wird in der Wassertaufe mit einem g\u00f6ttlichen Siegel versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings ist hier Vorsicht geboten. Die Taufe wirkt nicht zugleich \u2013 quasi automatisch (ex opere operato) &#8211; die Wiedergeburt. Taufe und Wiedergeburt geh\u00f6ren zusammen, fallen in der Praxis zeitlich jedoch oft auseinander. Viele getaufte Menschen wissen gar nicht, dass sie die Wiedergeburt noch gar nicht erlebt haben. Ein h\u00f6chst gef\u00e4hrlicher Umstand, da erst die geistliche Neugeburt Zugang zum Reich Gottes gew\u00e4hrt. Es ist Aufgabe der Verk\u00fcndigung, die Menschen dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.7\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wiedergeburt geschieht durch den Glauben an Jesus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammengefasst kann gesagt werden, dass eine Wiedergeburt geschieht, indem ein Mensch Jesus Christus im Glauben aufnimmt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd wieviele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind\u201c (Joh 1,12).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Was sind die Kennzeichen einer Wiedergeburt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bin ich eigentlich wiedergeboren? Weil die Wiedergeburt eine geistliche Notwendigkeit ist, sollten wir uns dieser Frage stellen. Dabei kommt es nicht darauf an, einen ganz bestimmten Tag nennen zu k\u00f6nnen, an dem ein Mensch wiedergeboren wurde. Die einen erleben ihre Wiedergeburt tats\u00e4chlich an einem ganz bestimmten Tag, andere k\u00f6nnen erst r\u00fcckblickend sagen, dass sie eine Wiedergeburt erlebt haben. Ein mir bekannter Kurde kennt sein Geburtsdatum nicht. Das ist aber auch nicht unbedingt wichtig, denn wichtig ist nur, dass er tats\u00e4chlich lebt und daf\u00fcr gibt es einige untr\u00fcgliche Kennzeichen. So ist es mit der geistlichen Geburt auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Wiedergeburt wird hier erlebt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst wollen wir noch einmal festhalten, dass das Spezifikum der christlichen Wiedergeburt ist, dass sie in dieses Leben f\u00e4llt. Hinduismus und Buddhismus gehen von einer Wiedergeburt aus, die nach dem Tod im Sinne einer Reinkarnation wieder und wieder stattfindet. Die Seele hat das Ziel diesem \u201eRad der Wiedergeburt\u201c zu entfliehen, um im Nirwana aufzugehen. Die Bibel zeigt uns, dass es dieses \u201eRad der Wiedergeburt\u201c nicht gibt: \u201eUnd wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht\u201c (Hebr 9,25). Wir haben ein Leben und einen Tod. Im Anschluss daran stehen wir vor dem Richterstuhl Gottes. Um dort bestehen zu k\u00f6nnen, muss ich hier wiedergeboren werden. Das erste zentrale Kennzeichen der Wiedergeburt: Sie findet hier und in diesem Leben statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Wiedergeborene glaubt an Jesus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zweite und wesentliche Kennzeichen der Wiedergeburt ist der Glaube an Jesus Christus: \u201e Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren\u201c (1 Joh 5,1). Wer also glaubt, dass Jesus der von Gott im Alten Testament verhei\u00dfene Retter ist, der f\u00fcr unsere S\u00fcnde am Kreuz starb und der von den Toten auferstanden ist und wiederkommen wird mit Macht und Herrlichkeit, der ist von Gott geboren. Doch Vorsicht! Es reicht nicht, an irgendeinen selbstgemachten oder selbsterdachten Jesus zu glauben. Der Wiedergeborene glaubt an den Jesus, wie ihn die Bibel bezeugt:\u00a0 \u201eWer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Str\u00f6me lebendigen Wasser flie\u00dfen\u201c (Joh 7,38). Aus diesem Grunde haben die Reformatoren betont, dass das sola fide, das solus christus und das sola scriptura nicht voneinander getrennt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Wiedergeborene lebt in der Liebe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johannes pr\u00e4gt uns ein weiteres wichtiges Kennzeichen ein: \u201e\u201eIhr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott.\u201c (1 Joh 4,7; vgl. 1 Joh 5,1). Der Hamburger Johann Hinrich Wichern beschrieb 1824, wie er zum Glauben kam: \u201eDer Durchbruch geschah abends, als Gottes Geist mich anfing von neuem zu geb\u00e4ren. Das Licht des Evangeliums erleuchtete auch f\u00fcr mich die Wissenschaften.\u201c Dieser Durchbruch zum Glauben sollte Folgen haben. Im Stadtteil St. Georg traf Wichern auf Kinderarmut, Wohnungsnot, Elend und Verwahrlosung. Wichern gr\u00fcndete im sogenannten \u201eRauhen Haus\u201c eine Anstalt \u201ezur Rettung verwahrloster und schwer erziehbarer Kinder.\u201c Ohne Wiedergeburt bleiben wir in Selbstliebe gefangen. Erst die Wiedergeburt schenkt uns die opferbereite Liebe f\u00fcr unseren N\u00e4chsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Wiedergeborene lebt in der Heiligung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Kennzeichen der Wiedergeburt ist die \u201eHeiligung\u201c (1 Joh 3,9). Der Reformator Johannes Calvin sah in der Wiedergeburt einen Anfangspunkt, von dem aus ein Ziel angestrebt wird: \u201eUnd der Zielpunkt dieser Wiedergeburt ist allein darin zu suchen, dass das Ebenbild Gottes in uns wiederhergestellt wird\u201c (Calvin, Institutio, III, 3,9, S. 325). Tats\u00e4chlich beschreibt die Wiedergeburt ja nur ein Anfangsgeschehen, ein Eingangsgeschehen in das geistliche Leben. Dieses geistliche Leben wird dann in der sogenannten \u201eHeiligung\u201c weitergef\u00fchrt. Das Leben des Wiedergeborenen ver\u00e4ndert sich. Er wird umgestaltet in die Wesensart Jesu. Dieser Umgestaltungsprozess ist jedoch ein geistlicher Kampf, den Paulus als Kampf zwischen \u201eFleisch und Geist\u201c (Gal 5,16) bezeichnet. Der Satan und die S\u00fcnde versuchen uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Anekdote erz\u00e4hlt von Martin Luther, dass er in Wittenberg sp\u00e4t abends in seinem Arbeitszimmer studierte. Der Teufel schlich durch die Stadt und wollte den Reformator bei seiner Arbeit st\u00f6ren und versuchen. Unter dem Fenster des Arbeitszimmers rief der Teufel nach oben: \u201eWohnt hier Doktor Martin Luther?\u201d Luther h\u00f6rte die Stimme des Teufels, sprang zum Fenster, riss die L\u00e4den auf und rief hinunter: \u201eNein, der Martin Luther, der ist l\u00e4ngst gestorben. Hier wohnt Jesus Christus!\u201d Da zog der Teufel den Schwanz ein und fl\u00fcchtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die Antwort des Wiedergeborenen. Er hat in Christus eine neue Identit\u00e4t. Der alte Mensch ist geistlich gesehen tot, weil er mit Christus gekreuzigt ist. Insofern ist er auch tot f\u00fcr die Versuchungen des Teufels. Der neue Mensch, weil er mit Christus auferstanden ist, hat geistliches Leben in sich und insofern die Kraft, der Versuchung zur S\u00fcnde zu widerstehen und das Gute zu tun, das Gott von ihm fordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Wiedergeborene hat Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Merkmal ist die Hoffnung. Ich erinnere mich an ein Gespr\u00e4ch mit einem Bestattungsunternehmer nach einer Beerdigung. Wir standen auf dem Friedhof und ich fragte ihn nach seiner Sicht zu Tod und Auferstehung. Er meinte, dass er soviele Menschen beerdigt habe und keiner von ihnen sei auferstanden. Er glaube nicht daran. Der Tod und die scheinbare Unbesiegbarkeit des Todes rauben uns die Hoffnung auf eine Auferstehung von den Toten. Dabei braucht es unter Milliarden von Toten nur einen, der von den Toten auferstanden ist, um die M\u00e4r von der Unbesiegbarkeit und Unentrinnbarkeit des Todes zu widerlegen. Diesen einen gibt es. Der Apostel Petrus kannte ihn vor und nach seinem Tod: \u201eGelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner gro\u00dfen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung von den Toten zu seinem unverg\u00e4nglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel f\u00fcr euch\u2026\u201c (1 Petr 1,3.4). Der Wiedergeborene ist dem Einen begegnet, der nicht im Grab geblieben ist. Und weil er ihn kennt und an ihn glaubt tr\u00e4gt er in sich eine feste und gewisse Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>\u201eWiedergeburt gef\u00e4llig?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss m\u00f6chte ich noch einmal an die Frage aus dem Roman von David Safier erinnern. \u201eWiedergeburt gef\u00e4llig?\u201c Wir sind S\u00fcnder und deshalb hat der Tod uns fest im Griff. Wir m\u00fcssen altern und sterben und gehen dann in Ewigkeit verloren. Doch es gibt einen Jungbrunnen, der uns ein neues Leben schenkt. Wer bei Jesus Christus einsteigt, der steigt ein in die Quelle des Lebens. Wer durch das Bad der Wiedergeburt hindurchgeht, wird seine S\u00fcnde los, \u00fcberwindet im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus den Tod und erbt das ewige Leben. Steigen wir ein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse, Walsrode, den 11.1.2013<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor einigen Monaten einen Krankenbesuch machte, fiel mein Blick zuf\u00e4llig auf die R\u00fcckseite eines Buches, das im Nachbarbett gelesen wurde. Dort stand in gro\u00dfen Buchstaben: \u201eWiedergeburt gef\u00e4llig?\u201c Diese Frage machte mich neugierig und so lieh ich mir das Buch mit dem Titel \u201eMieses Karma\u201c in der \u00f6rtlichen Stadtbibliothek aus. Der Autor David Safier [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8932"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8932"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8932\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8934,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8932\/revisions\/8934"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}