{"id":8917,"date":"2013-01-08T18:06:18","date_gmt":"2013-01-08T16:06:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8917"},"modified":"2013-01-08T18:07:17","modified_gmt":"2013-01-08T16:07:17","slug":"macht-und-gegenmacht-des-christentums-epochenkampf-gegen-das-trinitarische-gottesbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8917","title":{"rendered":"Macht und Gegenmacht des Christentums &#8211; Epochenkampf gegen das trinitarische Gottesbild"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. \u00a0 Einstieg in die Langzeitperspektive<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des politkulturellen Diskurses im Westen, speziell in Europa, gibt es keine Religion, keine Ideologie, kein Weltbild, das sich einer so massiven Kritik gegen\u00fcbersieht wie das Christentum. Im Gegenteil: Obwohl sich der \u201einterreligi\u00f6se Dialog\u201c seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil als Einrichtung etablierte, die das Gemeinsame zwischen den Christen und den nichtchristlichen Religionen suchen und m\u00f6glichst auch finden sollte, entpuppte er sich in den nachfolgenden Jahrzehnten als eine \u00fcberinstitutionelle, interkulturelle Organisation, die es sich zur Pflichtaufgabe machte, die offen zutage liegende Masse der trennenden Faktoren unter hohem Aufwand an Kapital, Personal und Rabulistik in Aspekte der Gemeinsamkeit und Harmonie umzum\u00fcnzen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter der Leitkultur des Islam hat dieser Proze\u00df inzwischen alle Institutionen der EU-Staaten und der EU selbst erfa\u00dft und dabei auch Methoden entwickelt, die sich zunehmend aggressiv gegen die Kirche, deren Vertreter und die christlich Glaubenden wenden. Dieser Vorgang macht eine Renaissance des modernen Gewaltpotentials deutlich, die das Erbe der links-rechten, antichristlichen Extreme aktiviert und sich \u00fcber den \u201eDialog\u201c mit der Gewalttradition der nichtchristlichen Religionen legitimiert, weil sie durch die Religionsfreiheit gesch\u00fctzt ist. Besonders profitiert davon der Islam, der sich schon im Koran gegen die Juden und Christen definiert (9\/29). Seine Praxis der Eroberung und Kolonisierung nichtislamischer Gebiete dauert bis heute an und verfolgt unter EU-\u00c4gide eine umfassende Strategie der Zuwanderung und Propaganda, die weite Teile Europas islamisiert (NO 5\/12).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da der islamische Anspruch auf Unterwerfung des Nichtislam, speziell der Juden und Christen, in der Glaubensbasis wurzelt und die EU-Staaten scheindemokratische Kollaborationsformen mit den islamischen Dachorganisationen entwickeln, gibt es offenbar keine Veranlassung, die Expansion in Europa zu beschr\u00e4nken. Dabei bleibt es indes nicht, weil sich zugleich die politische Feindseligkeit gegen die j\u00fcdisch-christlich grundierte Altkultur verst\u00e4rkt, und ein Schweigegebot \u00fcber die weiter laufende Tradition des Schleichgenozids im Islamraum verh\u00e4ngt, \u00fcber den Organisationen wie \u201eKirche in Not\u201c, \u201eOpen Doors\u201c und andere zwar regelm\u00e4\u00dfig berichten, ohne allerdings besondere Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit zu bewirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn die durchaus verf\u00fcgbare, historisch korrekte Information wird in einer konzertierten Medienstrategie des \u201eDialogs\u201c unterdr\u00fcckt und in eine islamische Toleranz gewandelt, an die nicht zu glauben den Tatbestand der Islamphobie begr\u00fcndet. Dazu wird ein Christentum in Kontrast gesetzt, dem die Dialogisten eine fortdauernde Mentalit\u00e4t der Kreuzz\u00fcge und Inquisition sowie eine mittelalterliche Moral vorwerfen und der \u00d6ffentlichkeit als m\u00f6glichst konsequent zu bek\u00e4mpfendes Gegenprogramm pr\u00e4sentieren. Dieses Verfahren ist neu, nicht wegen seiner Geschichtsf\u00e4lschung, die zum Standardrepertoire jeder Machtform geh\u00f6rt, sondern wegen des tiefgreifenden Angriffs auf die historisch gewachsene Kulturbasis und deren Menschen, die mit wachsender Radikalit\u00e4t diskriminiert und verdr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei bleibt die \u00fcbergeordnete Dimension des Moderneprozesses unbeachtet, nicht nur weil sie den Intellekt der meisten Akteure \u00fcbersteigt, sondern weil sie aus machttechnischen Gr\u00fcnden verschwiegen werden mu\u00df. Hier kann ein Blick in die Geschichte helfen, denn der Vorgang reicht in die europ\u00e4ische Geistesentwicklung zur\u00fcck, die seit der Aufkl\u00e4rung das Christentum, speziell dessen klerikalistische Version, verwirft und die anderen Religionen, allen voran Islam und Buddhismus, verkl\u00e4rt. Mit der Verdr\u00e4ngung alles Christlichen geht nun ein fundamentaler Abbau der Kultur einher, der sich geistig in der Abwehr von Bildung und biologisch in der Abwehr von Reproduktion, prim\u00e4r in der Abtreibung und Erosion der Familie ausdr\u00fcckt. Hinzu kommt der Abbau der Sozialethik, der einen Raubkapitalismus mit betr\u00fcgerischen Finanzinstrumenten und steuertreibende \u201eRettungsschirme\u201c in Billionenformat hervorbrachte, welche die Banken sanieren und damit auch Teile der B\u00f6rsenverluste anderskultureller Investoren wiederbeschaffen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Aufkl\u00e4rer und schon die Renaissance-Denker die christliche Besonderheit des trinitarischen Gottesbegriffes und speziell dessen offizielle Vertreter angriffen, aber in ihrer Abfolge eine weltumspannende Kultur hervorbrachten, ist es die These dieses Beitrags, da\u00df letztlich auch die Moderne wie ihre Vorg\u00e4nger ein Produkt der christlichen Kultur ist. Es vollzieht sich ein epochaler Emanzipationsproze\u00df, der parasit\u00e4re Z\u00fcge annimmt, weil er ohne die Aufgabe des christlichen, seiner selbst bewu\u00dften Menschenbildes, d.h. ohne die Entfesselung der Macht nicht lebensf\u00e4hig ist. Dem Christlichen und seinen j\u00fcdischen Wurzeln wohnt mit der Aufwertung des denkenden Menschen eine singul\u00e4re Kraft inne, ohne die es weder den ebenso einmaligen Aufschwung der europ\u00e4ischen Kultur und Wissenschaft, noch deren dunkle Seiten g\u00e4be, die nun mit dem Christlichen das Menschliche abbauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer wissen will, wie solches zustande kommt, mu\u00df logischerweise auch an die Wurzeln des Christentums und seine geistige Entwicklung gehen, weil sonst nicht verst\u00e4ndlich wird, wieso eine Kultur, die mit dem Juden Jesus die Freiheit des individuellen Bewu\u00dftseins begr\u00fcndet, in einem historischen Proze\u00df der christlichen Orden ein einzigartiges Wirtschafts-, Sozial- und Bildungssystem entwickelt und der Wissenschaft wichtigste Impulse gegeben hat, nicht f\u00e4hig ist, sich unberechtigter Kritik zu stellen und Alternativen zu menschenfeindlichen Ideologien wie der globalen Arbeitsoptimierung und Religionen wie den Islam abzuwehren, die ihr gemeinsames eschatologisches Ziel im Verschwinden eben dieser Kultur erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der notwendigen Beschr\u00e4nkung dieser Thematik kommt das Faktum entgegen, da\u00df die christen- bzw. kirchenkritische Seite des laufenden Meinungsdrucks nicht eigens bearbeitet zu werden braucht, weil sie im herrschenden <em>Mainstream <\/em>tagt\u00e4glich mit diffamierenden und drohenden Untert\u00f6nen zu Wort kommt und auch in dieser Zeitschrift eingehend diskutiert wurde. In der folgenden Betrachtung soll es daher um den christlich bedingten Makrotrend gehen, also um die Faktoren christlicher Herkunft, ohne die es weder die Kultur Europas, noch deren Freiheit geben k\u00f6nnte. Mit der modernen, anti-j\u00fcdisch-christlichen Front pervertiert sie nun zum Angriff auf sich selbst, wobei es nach dieser Ideologik immer \u00f6fter hei\u00dft, da\u00df sich die Kultur Europas exklusiv dem tausendj\u00e4hrigen Einflu\u00df des Islam verdanke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im ersten Teil der Untersuchung werden geistesgeschichtliche Phasen und Einfl\u00fcsse im Christentum vorgestellt, um einen differenzierteren Blick auf das Entstehen der vielschichtigen Kr\u00e4fte zu \u00f6ffnen, die eine unvergleichliche Dynamik in den Wissenschaften und bildenden K\u00fcnsten erm\u00f6glicht, aber auch die Perspektive auf die vernachl\u00e4ssigte, politische Bedeutung Jesu verstellt haben. Sie ist entscheidend, weil sie den Gedanken der Machtbeschr\u00e4nkung und Selbstpr\u00fcfung enth\u00e4lt, der dem Machtimpuls zu Ausuferung und Totalitarismus, sei er religi\u00f6s oder s\u00e4kular bedingt, systematisch entgegensteht. Der zweite Teil befa\u00dft sich mit wesentlichen Aspekten des Kulturprozesses, dessen Ergebnisse im Recht, in der Bildung, Wissenschaft und Sozialmoral auch heute noch die christliche Handschrift erkennen lassen. Umso offener kommt der Zwang der Moderne zum Vorschein, sich immer aggressiver gegen die Altkultur abgrenzen zu m\u00fcssen. F\u00fcr die Christen ist es daher an der Zeit, dieser Gewalttendenz mit klaren Worten zu begegnen, mit h\u00f6rbaren Signalen, die den modern codierten, geistig desensibilisierten Menschen erreichen. Dies bedingt, da\u00df man die Lebensl\u00fcge diktierter Dialog-Kompromisse und Scheinharmonie aufgibt und dar\u00fcber alternativ informiert, da\u00df der \u201eDialog\u201c eine Mi\u00dfbrauchsform der europ\u00e4ischen Freiheitstradition ist, die sich seinem christlichen Feindbild verdankt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.\u00a0\u00a0 Fr\u00fches Christentum und Gnosis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um der kulturbildenden Komplexit\u00e4t und Dynamik des Christentums auf begrenztem Raum und dennoch plausibel n\u00e4her zu kommen, mu\u00df sich auf einige wenige, umso pr\u00e4gnantere Aspekte und Phasen der Entwicklung beschr\u00e4nkt werden. Dabei k\u00f6nnen wir uns nicht auf theologische Dispute einlassen, sondern sollten \u201enur\u201c deren Resultate und Auswirkungen auf den Kulturtrend als akzeptierte und empirisch erkennbare Tatsachen in Betracht ziehen. So wird die Diskussion sowohl aus Sicht der Offenbarung als auch der riesigen theologischen Literatur vermieden, denn wie der halbjahrhundertj\u00e4hrige \u201eDialog\u201c mit stereotyp christophoben Ergebnisse beweist, sind beide Bereiche offenbar f\u00fcr eine objektive Untersuchung unbrauchbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein kurzer \u00dcberblick \u00fcber die Faktoren, die religionsgeschichtlich als f\u00fcr das Entstehen des Christentums wesentlich gelten, kann diese keineswegs polemische Aussage verdeutlichen. Das Neue Testament als die prim\u00e4re Heilige Schrift des Christentums erscheint als eine komplexe Mischung aus ihrerseits schwierigen Str\u00f6mungen, \u00fcber die indessen weitgehende \u00dcbereinstimmung besteht. Danach sind hier Einfl\u00fcsse des hellenisierten Judentums, des iranischen Lichtglaubens und der griechischen Philosophie eingegangen, die mit anderen Schwerpunkten auch in der gleichzeitig entstehenden Gnosis wirken. Diese Variante eines kosmisch entr\u00fcckten Gottes hat sich mit dem Erl\u00f6sungsglauben des fr\u00fchen Christentums ver\u00e4hnlicht und einige Kirchenv\u00e4ter, vor allem <em>Iren\u00e4us<\/em>, <em>Tertullian<\/em>, <em>Clemens <\/em>und <em>Origines<\/em>, dazu gebracht, von der \u201egnostischen H\u00e4resie\u201c zu sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die entscheidenden Unterschiede zum Christentum, das sich nat\u00fcrlich auf Jesus Christus als Mensch gewordene Offenbarung Gottes und dessen liebende, also akosmische Zuwendung zu jedem seiner Gesch\u00f6pfe beruft, bestehen in der materiellen Welt als mi\u00dflungener Sch\u00f6pfung und Manifestation des B\u00f6sen sowie im \u201eg\u00f6ttlichen Funken\u201c, den besonders Erleuchtete durch ihnen gew\u00e4hrte Gnosis (Erkenntnis) zur Ver\u00e4nderung des \u2013 mi\u00dflungenen \u2013 Diesseits aktivieren k\u00f6nnen. Daraus ergibt sich ein Dualismus zwischen Gut und B\u00f6se, der sich in der anthropologischen Machtschere zwischen Herrschern und Knechten scharf auspr\u00e4gt. Er verlangt nach Kontrolle der Menschen, aber auch nach Gerechtigkeit, eine quasig\u00f6ttliche, aber mi\u00dfbrauchsgef\u00e4hrdete Mittlerfunktion. Sie taucht gleicherma\u00dfen in den Magiern Irans, in den Philosophen Griechenlands und in den Pharis\u00e4ern Israels auf, wobei stellvertretend letztere von Jesus die \u201eLeviten\u201c gelesen bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterschiedlich intensiv wirken sich die hellenischen Mysterien aus, deren Mythen vom auferstehenden Gottessohn die platonische Philosophie, die iranischen Vorstellungen vom g\u00f6ttlichen Heiland und den j\u00fcdischen Messianismus befl\u00fcgeln. W\u00e4hrend sie in der hermetischen Gnosis auch den \u00e4gyptischen Sonnenkult integrieren, halten sie an der gnostischen Weltver\u00e4nderung fest, die als alchemistische Arkandisziplin in den elit\u00e4ren Machtorden der Renaissance und Aufkl\u00e4rung bis heute fortwirkt, und finden auf andere Weise auch Eingang in das Christentum. Dort konzentrieren sie sich in der Gestalt des Jesus Christus, der nun allerdings die Menschen auf eine im Guten gestaltbare Welt vorbereitet. Denn er wirkt Wunder, treibt D\u00e4monen aus, heilt Kranke und empfiehlt den Herrschern, den \u201eersten Stein\u201c nur dann zu werfen, vor allem auf Frauen, wenn sie glauben, selbst ohne Schuld zu sein. Indem er mit dem Kreuzestod die Schuld der Welt tilgt, schafft er einen neuen Bund mit Gott, bricht den Unschuldsanspruch der Macht und \u00f6ffnet die Zeit von der unbewu\u00dften Zyklik in den bewu\u00dften Geschichtsproze\u00df, der umso offener wird, je weiter die Erwartung seiner Wiederkunft in den Hintergrund tritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Vordergrund r\u00fcckt zugleich der Glaube des Menschen, der mit dem Wunderglauben auch der an sich selbst sein kann, weil mit der Abwehr des \u201eersten Steins\u201c auch die F\u00e4higkeit zur Einordnung in und Kritik an der Welt aktiviert wird. Immer deutlicher wendet sich die Zeit, weil Jesus das individuelle Bewu\u00dftsein weckt, durch das \u00fcberhaupt erst subjektive Zeit entsteht, die als Paradox den autonomen Menschen schaffen und zugleich die Macht beschr\u00e4nken kann. Damit lockert sich auch das orientalische Prinzip der Versklavung und Vermassung, an dem schon die Perser gearbeitet hatten, als sie die Juden aus dem Exil entlie\u00dfen. Im weiteren Verlauf entspannten sich ihre Magier zu Priestern, die mit Taufe, Weihe und heiligem Mahl das persische \u201eGeheimnis\u201c (<em>raz<\/em>) zwischen Gott, Mensch und Kult l\u00fcfteten und somit eine Vorstufe zur christlichen Trinit\u00e4t bildeten (vgl. Alexander B\u00f6hlig, Mysterion und Wahrheit, 16 \u2013 Leiden 1968). Insofern ist es kein Zufall, da\u00df deren Rituale um den Glaubensvermittler <em>Mithras <\/em>in der r\u00f6mischen Diaspora mit Jesus als Vermittler des christlichen Heils konkurrierten, das Kaiser <em>Konstantin <\/em>zur Staatreligion als historische Ausgangsbasis der R\u00f6mischen Kirche erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebensowenig zuf\u00e4llig etablierte sich im Iran die islamische Abspaltung der Schia mit der Vorstellung vom \u201eVerborgenen Imam\u201c, der als letzter in einer Kette messianischer Imame \u2013 ausgehend vom ersten M\u00e4rtyrer <em>Ali <\/em>(Schwiegersohn Muhammads) \u2013 \u00fcber den Schutz der Gerechten vor den M\u00e4chtigen wacht (vgl. Raddatz, Iran, 54 \u2013 M\u00fcnchen 2006). Hinzu kommt das Prinzip des <em>idjtihad<\/em>, das eigene, individuelle Urteil \u00fcber die F\u00fchrung der Menschen, das an die jesuanische Machtkritik erinnert und in der arabischen Orthodoxie (<em>sunna<\/em>) verboten ist. Hier wuchs den Schiiten eine geistige Flexibilit\u00e4t zu, die in Philosophie, Mystik, Esoterik, Literatur, Dichtung, Malerei gegen\u00fcber dem arabischen Islam eine reichere Denkwelt, nicht zuletzt auch die Revolution erm\u00f6glicht hat, die somit weniger eine islamische, sondern eher eine iranisch-schiitische ist. F\u00fcr beide Bereiche ist Allah der scheinbar gleiche Gott, der die iranischen Gerechten indes eher erl\u00f6st als die arabischen. Hier werden Reste der Rechtstradition erkennbar, die im alten Iran die L\u00fcge verbot, w\u00e4hrend sie der orthodoxe Islam (<em>sunna<\/em>) gebietet. Dabei praktiziert sie Allah sogar selbst, wenn sie dem \u201eGlauben\u201c dient. Im islamischen Iran lebte die L\u00fcge zun\u00e4chst nur fort (<em>taqiyya<\/em>), um sich gegen die sunnitische Verfolgung zu sch\u00fctzen, die dann das Prinzip ihrerseits \u00fcbernahm, um die westlichen Kolonisatoren zu t\u00e4uschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es l\u00e4\u00dft sich festhalten, da\u00df sich fr\u00fches Christentum und Gnosis auf der Basis gemeinsamer, j\u00fcdisch-persisch-griechischer Wurzeln etwa vom 2. bis 4. Jahrhundert parallel entwickelten und miteinander interagierten, bis sich Jesus mit der Abwertung elit\u00e4rer Macht und der Aufwertung des einzelnen Menschen als der diametrale Unterschied begr\u00fcndet und die Alleinstellung des Christentums gegen\u00fcber den anderen Religionen best\u00e4tigt hatte. Obwohl einzelne Kirchenlehrer weiterhin gnostische Aspekte einflie\u00dfen lassen, so bildet sich die Gnosis in der Geschichte der Religion, Philosophie und Politik gleichwohl zur antichristlichen Kraft heraus, die sich, wie noch zu zeigen ist, bis in die Moderne fortsetzt. In diesem Kontext ist der Manich\u00e4ismus wichtig, der unter Versch\u00e4rfung der Gegens\u00e4tze christliche Inhalte \u00fcbernimmt und Jesus zweiteilt, in einen kosmischen Statthalter und einen \u201eZweiten Menschen\u201c, welcher der Gemeinde erscheint. Eine Sonderrolle spielt der Gnosisprophet <em>Marcion<\/em>, der auch Gott verdoppelt und in ein sch\u00f6pferisches Prinzip des Guten und ein erl\u00f6sendes der Gerechtigkeit auftrennt. Er bek\u00e4mpft das Alte Testament und die Juden und ist f\u00fcr den religi\u00f6sen Antijudaismus, die euro-islamische Strategie gegen die j\u00fcdischchristliche Kultur sowie die gegen Israel gerichtete Ideologie vom pal\u00e4stinensischen Opfervolk von gro\u00dfer Bedeutung. Alle antichristlichen Str\u00f6mungen tragen gnostische Z\u00fcge und konvergieren in einem zentralen Punkt: Das trinitarische Gottesprinzip mu\u00df beseitigt werden, weil es die Herrschaft des Menschen \u00fcber den Menschen unter Berufung auf Gott behindert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.\u00a0\u00a0 Christliche und ketzerische Vordenker<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das von Jesus gestiftete Prinzip der grunds\u00e4tzlichen Machtbegrenzung wurde zwar von der klerikalen Herrschaft, der zufolge der \u201eHeilige Geist weht, wo er will\u201c, oft mi\u00dfbraucht, hat aber seine epochale Wirkung auf das Bewu\u00dftsein der Menschen, die Autonomisierung des Denkens und die Kulturkraft der Kirche nicht verfehlt. Als wichtigste Phase des Prozesses gilt der \u00dcbergang vom Mittelalter zur Neuzeit, der mit Renaissance, Reformation und Aufkl\u00e4rung in die Moderne f\u00fchrt. Damit geht eine Anti-Erl\u00f6sung einher, die sich nach elit\u00e4rgnostischem Muster nicht auf das Jenseits vertr\u00f6sten, sondern mit der Ver\u00e4nderung bzw. Neugestaltung der Welt schon im Diesseits realisieren l\u00e4\u00dft. Je deutlicher die Regelhaftigkeit der Natur und die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit des Kosmos erkannt wurden, desto mehr mu\u00dften sich die Vertreter des christlichen Gottes befragen lassen, warum sie sich auf die Sch\u00f6pfung als Offenbarung zur\u00fcckzogen und der Erforschung der Naturgesetze verweigerten. Denn Jesu Regel, sich die Welt \u201euntertan zu machen\u201c, bezog sich gerade nicht auf platte Machtaus\u00fcbung, sondern konnte sich durch deren Beschr\u00e4nkung \u00fcber den Glauben hinaus auch auf die Erkenntnis der Welt als Dienst am Sch\u00f6pfer ausdehnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit trat das Vexierproblem zutage, das Gott und Mensch als wechselseitige Sch\u00f6pfer und Produkte ineinander spiegelt und den Menschen umso gr\u00f6\u00dfer erscheinen l\u00e4\u00dft, je gr\u00f6\u00dfer sein Gott ist. Indem der Gottmensch dies bewu\u00dftmachte und der Macht systemgerechte, d.h. menschenvertr\u00e4gliche Grenzen zog, setzte er den Ausgangspunkt der Zeitenwende und den zeitlosen Pr\u00fcfstein f\u00fcr alle Herrschaftsformen. Es dauerte \u00fcber ein Jahrtausend nach dem Wandel zur r\u00f6mischen Staatsreligion, bis die christliche Theologie ihre philosophischen Mittel zur aristotelisch gepr\u00e4gten Scholastik entwickelt und mit dieser Erkenntnismethode zu einer ma\u00dfst\u00e4blichen Relation zwischen dem Geist des Menschen und der Sch\u00f6pfung Gottes kam. Damit war ein wichtiger Schritt getan, denn da die M\u00f6glichkeiten der Sch\u00f6pfung unendlich und die Grenzen des Menschengeistes als deren Teil nicht definierbar sind, war auch die Erkenntnis als nicht grenzenloses, aber aktives Verm\u00f6gen zu spekulativem Denken anzunehmen, das auch dem Glauben entsprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eindeutig aus der christlichen Religionsphilosophie wuchs der Mensch nun zum Selbstgestalter, der sich von der passiven Weltbetrachtung l\u00f6ste und zum Weltbem\u00e4chtiger aufschwang. Wichtige Vorbereiter dieses Strukturwandels sind Kirchenleute wie <em>Nikolaus Oresmius <\/em>(gest. 1382) und <em>Nikolaus Cusanus <\/em>(gest. 1464), die \u00fcber mathematische und geometrische \u00dcberlegungen dem naturgesetzlichen Denken starke Impulse gaben. Dabei griffen beide weit \u00fcber ihre Zeit mit Relevanz auch f\u00fcr die Gegenwart hinaus. <em>Cusanus<\/em>, der alle Gegens\u00e4tze in Gott vereinigt sah, schwebte eine Weltreligion um einen gemeinsamen Kern vor, der sich in der Moderne in der Tat verwirklichen k\u00f6nnte, allerdings anders, als er sie sich vorstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr ihn war alles Sein in der <em>complicatio <\/em>Gottes eingefaltet, das sich in der <em>explicatio <\/em>der Welt unter Mitwirkung des sch\u00f6pferischen Menschen entfaltete. Im Rahmen der sich selbst steuernden Handlungssysteme der modernen Arbeits-, Konsum- und Kulturdynamik ist oft von einer mysteri\u00f6sen \u201eKomplexit\u00e4t\u201c des Weltprozesses die Rede, die durchaus Eigenschaften eines gnostischen Kosmo- Gottes aufweist, weil sie in unerreichbare Sph\u00e4ren entr\u00fcckt ist, die nicht nach ihrem Sinn befragt werden d\u00fcrfen (<em>Norbert Bolz<\/em>). Die ungeheure Vielfalt der Rollen und Labels t\u00e4uscht dem modernen Menschen eine Wahlfreiheit vor, die indes zum K\u00e4fig ger\u00e4t, weil alle auf dieselben \u201eOptionen\u201c verwiesen sind. Auch dies ist bereits bei <em>Cusanus <\/em>angelegt, indem er erkannte, da\u00df die Individualit\u00e4t des Menschen ein illusion\u00e4res Ideal ist, weil sie in der Unendlichkeit der Weltvorg\u00e4nge nur eine Winzigkeit darstellt, w\u00e4hrend sich die erdr\u00fcckende Menge des M\u00f6glichen verwirklicht und dabei die Individuen verarbeitet \u2013 nichts anderes als die Omnipotenz der Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gegenwart liefert die Best\u00e4tigung, denn was die \u201eGemeinschaft\u201c hier gemeinsam hat, sind ihre systemgerechten Funktionalit\u00e4ten, die sich aus der Vielfalt der individuellen Talente und dem geldnormierten Verzicht auf eigenes Denken ergibt, der die Abh\u00e4ngigkeit der Menschen vom System verst\u00e4rkt und der Moderne einen totalit\u00e4ren Anstrich gibt. Da\u00df das Geld eine aufl\u00f6sende Wirkung auf die Gesellschaft allgemein und die Sozialmoral speziell haben kann, wu\u00dfte schon <em>Oresmius<\/em>, der vor \u00fcber 600 Jahren die erste Geldtheorie verfa\u00dfte. Mit dem \u00dcbergang in die Neuzeit geht ein weiterer Wandel von immenser Bedeutung einher, n\u00e4mlich derjenige vom Leitmedium Eucharistie zum Leitmedium Geld (<em>Jochen H\u00f6risch<\/em>), der die Spaltung des Strukturwandels weiter vertiefte, \u201ein die radikale Selbstentm\u00e4chtigung einerseits, in die ebenso entschlossene Selbsterm\u00e4chtigung andererseits\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztere Aussage stammt von <em>Hans Blumenberg <\/em>(gest. 2002), der sich wie kaum ein anderer zeitgen\u00f6ssischer Schriftsteller um die \u201eLegitimit\u00e4t der Neuzeit\u201c auf Kosten des Christentums bem\u00fcht hat. Als logischer Gew\u00e4hrsmann dient ihm <em>Giordano Bruno von Nola<\/em>, der im Jahre 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, weil er den trinitarischen Gott und seine Inkarnation in Jesus Christus geleugnet und damit das Zentrum des Christentums und die Machtbasis der Kirche angegriffen hatte. Er starb nicht, wie oft kolportiert und von den Inquisitionsakten widerlegt, wegen seines Eintretens f\u00fcr die kopernikanische Wende, die ihm gleichwohl den Impuls zu seiner umst\u00fcrzenden Kosmologie gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach <em>Kopernikus <\/em>gibt es keinen bevorzugten Punkt in Raum und Zeit, der sich irgendwie als Basis f\u00fcr ein besonderes Ereignis, geschweige denn eine besondere Welt definieren lie\u00dfe. Da Gott allm\u00e4chtig ist, hat er <em>Bruno <\/em>zufolge auch eine ubiquit\u00e4re Sch\u00f6pfung mit unendlichen Welten realisiert, denen nichts mehr, somit auch keine Inkarnation, hinzugef\u00fcgt werden kann. Das Universum des Nolaners wird vom gnostischen Prinzip der Weltseele erf\u00fcllt, die einem kosmisch entr\u00fcckten Vernunftgott folgt und von keiner Philosophie oder Theologie erreichbar ist. Mit einem undurchsichtigen Pantheismus aus Lichtmetaphern und esoterischer Mystik trat er in Gegensatz nicht nur zur Kirche, sondern auch zu <em>Galileis <\/em>Empirismus, der sich 1591 gegen ihn im Wettbewerb um den Lehrstuhl f\u00fcr Mathematik in Padua durchsetzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz einiger Logikschw\u00e4chen \u00fcbt dessen Kosmologie eine nachhaltige Wirkung auf Aufkl\u00e4rung und Moderne aus. F\u00fcr das Licht der Vernunft und den Gegensatz von Wahrheit und Irrtum benutzt <em>Bruno <\/em>\u2013 sozusagen als Meta-Irrtum \u2013 die Metapher vom Tag-Nacht-Wechsel, dessen Regelm\u00e4\u00dfigkeit mit Wahrheit und Irrtum nat\u00fcrlich nichts zu tun hat. Die Wiederkehr des Gleichen entspricht zwar der Ablehnung prominenter Raum-Zeit-Punkte, nicht aber der zukunftsgerichteten Grenzenlosigkeit, deren Impetus nicht nur das Christentum, sondern im Grunde jede Religion, die sich auf ein Gr\u00fcndungsereignis beruft, erledigen soll. Insofern liefert der Brunismus die Basis f\u00fcr einen esoterischen Atheismus, den die Aufkl\u00e4rung in der Tat aufgriff. Auch hier spielt das Licht der Vernunft die zentrale Rolle, doch lehnt sie kosmische Hilfe ab, weil sie sich selbst zum Leuchten bringen und die Finsternis auf Abstand halten will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies bedingt, da\u00df die neue Epoche nicht nur ein Glied in der Kette der Kulturevolution ist und ihrerseits ins Vergessen zur\u00fccksinkt, sondern st\u00e4ndig neu bleibt. Eben dies ist das Prinzip der Moderne, die sich ohne Anfang und Ende aus sich selbst heraus entwickelt, solange sie die \u201eFakten\u201c, also die Unendlichkeit der Dingwelt, hinreichend gestalten kann. Dabei hilft <em>Brunos <\/em>Gott, der sich in der Sch\u00f6pfung total verausgabt hat, auf zweierlei Weise: Er macht nicht nur dem sch\u00f6pferisch erleuchteten Menschen Platz, sondern wandelt sich auch zum Naturprinzip, das wissenschaftlich erforschbar und berechenbar wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die systemische Auswirkung auf die Anthropologie k\u00f6nnte moderner nicht sein. In einer Welt ohne Zentrum und Ereignis gibt es auch kein Individuum in der Masse. \u201eDen Menschen\u201c gibt es nur als Gattung, die mit allen anderen Gattungen Teil einer kosmo-darwinistischen Evolution ist und sich in der Arbeit erl\u00f6sen soll. Mit der aktuellen Sozialkybernetik (<em>Luhmann<\/em>), die mit strikten Arbeits-, Konsum- und Kontrollcodierungen in die transhumane Phase des Globalismus eingetreten ist, hat sich <em>Brunos <\/em>Vision frappierend best\u00e4tigt, was auch seinen Erfolg erkl\u00e4rt. Und nicht nur das: Die Ereignislosigkeit des gnostischen Konformismus provoziert einen suchtartigen Massendrang nach Abwechslung, die st\u00e4ndig neue <em>events <\/em>mit sich bringen soll und den Euphemismus von der <em>Ereignisgesellschaft <\/em>erzeugt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die christliche Theologie mu\u00df hier nicht unbedingt an Grenzen sto\u00dfen, denn <em>Brunos <\/em>System steht und f\u00e4llt mit der Totalsch\u00f6pfung, die er zur Bedingung der Allmacht Gottes macht. Eine Sch\u00f6pfung mit Inkarnation scheint demnach eines Gottes zu bed\u00fcrfen, der seine Allmacht nicht aussch\u00f6pft, was sich in Jesus ausdr\u00fcckt. Mit seinen Warnungen an die M\u00e4chtigen und die Geldwechsler im Tempel macht der Gottmensch deutlich, da\u00df die Allmacht Gottes nicht ohne Mitwirkung der (elit\u00e4ren) Menschen gedacht wird. Der g\u00e4ngige Einwand geht dahin, da\u00df ein Gott, der sich zur Aus\u00fcbung der Allmacht zwingen l\u00e4\u00dft, nicht allm\u00e4chtig ist. Wie <em>Blumenberg <\/em>anmerkt, m\u00fc\u00dfte er sich immer wieder neu in G\u00e4nze reproduzieren, sobald der Durchlauf einmal begonnen hat. Dieser Vorgang \u00e4hnelt nicht nur dem aktuellen Weltproze\u00df der globalen \u201eKomplexit\u00e4t\u201c, sondern auch der Praxis Allahs, der sich zugunsten seiner Gl\u00e4ubigen in permanenter Weltsch\u00f6pfung auch selbst reproduziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Proze\u00dfformen sind von technischer Art, w\u00e4hrend der christliche Gott mit einem zeitenwendenden Sch\u00f6pfungsakt in Gestalt Jesu auf jeden Menschen zugeht. Indem <em>Blumenberg <\/em>dies als \u201emenschliches Ma\u00df der Sukzessivit\u00e4t\u201c ablehnt, verf\u00e4ngt er sich in der Aporie desjenigen, der die Macht interessengeleitet verschweigt. Er und viele seiner Kollegen reden unentwegt \u00fcber die Genese von Gottesbildern, ohne auf das Spiegelspiel zwischen Gott und Mensch einzugehen, der zwangsl\u00e4ufig der Elitenmensch ist. Der zeitlose Imperativ der Diskurspraxis verlangt, \u00fcber Aspekte der Macht zu schweigen, um die Gunst der Herrschenden zu sichern. Nichts anderes als eine \u00fcbergeschichtliche Selbstanzeige mi\u00dfbrauchter Macht Gottes kommt daher in der Inkarnation des Gottmenschen zum Vorschein, der eben nicht den Eliten dient, sondern sich als \u201eD\u00e9cadent\u201c (<em>Nietzsche<\/em>) an die Beladenen der Welt wendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles, was <em>Blumenberg <\/em>\u00fcber die Wandlung des G\u00f6ttlichen berichtet \u2013 Bewu\u00dftwerden, Gegenst\u00e4ndlichwerden, Sich-selbst-aufdringlich-Werden etc. (vgl. Aspekte der Epochenschwelle: Cusaner und Nolaner, Frankfurt 1976) \u2013 sind Spiegelungen des menschlichen Ringens um die Rettung der Seelen, deren machttechnischer Aspekt erst durch Jesus und den \u201eersten Stein\u201c auf die Agenda der Geschichte gesetzt wird. In deren Verlauf formiert sich der so politische wie eschatologische Gegensatz zwischen gnostischer Technizit\u00e4t und christlicher Humanit\u00e4t, der in der Moderne eine totalit\u00e4re Dimension erreicht hat. Dieser Proze\u00df schreitet solange weiter fort, wie es gelingt, die g\u00f6ttliche Personalit\u00e4t in der trinitarischen Reflexion zu destruieren, die bewu\u00dfte Existenz des denkenden Menschen aufzul\u00f6sen, als Funktionsmodule und n\u00fctzliche K\u00f6rper in den Proze\u00df der globalen Vernetzung einzuspeisen und die Zerfallsprodukte der Armut, Krankheit und Entw\u00fcrdigung problemfrei zu entsorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist die janusk\u00f6pfige Konstellation christlicher Macht und ihrer Gegenmacht umrissen, die nach zweitausendj\u00e4hriger Praxis auf einen gewachsenen Bestand der kulturbildenden Kraft und machtdienlichen Gegenkraft zugreifen kann. Das erstere Potential, das im zweiten Teil des Beitrags vorgestellt wird, setzt sich aus den Faktoren der Politik, Wissenschaft, Bildung, Ethik etc. zusammen, deren christliche Herkunft unumstritten ist, die Gegenkraft betreibt den empirisch nachvollziehbaren, anti-j\u00fcdisch-christlichen Trend, der auch die innerkirchlichen, gegen den Stifterwillen gerichteten Machtanspr\u00fcche umfa\u00dft. Wie aus dem bisher Gesagten hervorgeht, bedeutet Christentum \u201enichts anderes\u201c als einen Ma\u00dfstab der Macht, der sowohl transzendent als auch polithistorisch anwendbar ist. Indem die Gegenkraft alle Gewalt auf das Christentum projiziert, zielt sie zun\u00e4chst nicht auf die Masse, sondern auf den Klerus, der sich \u00fcber die Dogmen indirekt wieder in jene Macht einsetzte, die Jesus verwarf und zum \u00fcbergeschichtlichen Machthindernis werden lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus ergibt sich die systemische Konsequenz, da\u00df eine christliche Elite, welche die politische, historisch best\u00e4tigte Ethik Jesu hervorhebt und zugleich die empirisch erfahrbare Gewaltpathologie und Amoralit\u00e4t der gnostischen Gegenkraft thematisiert, die sich aus der Triade des rechtslinken Extremismus, des Islam und der radikalen Kapitallogik bildet, ein Doppelinstrument von kaum \u00fcbersch\u00e4tzbarer Wirkung aktiviert. Solange dies nicht geschieht und unter \u201eDialog\u201c eine einseitige Aufgabe der rechtlichen, finanziellen und spirituellen Besitzst\u00e4nde verstanden wird, setzt sich die laufende Spirale aus Demutsforderungen an die eigene Klientel und steigenden Machtanspr\u00fcchen der Gegenkraft fort, die den islamischen Schleichgenozid sowie den Antichristismus und Antisemitismus im Westen weiter antreibt (vgl. NO 6\/11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.\u00a0\u00a0\u00a0 Angriff auf das trinitarische Prinzip<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte des Antichristismus l\u00e4\u00dft sich in drei Stufen einteilen, auf denen sich die zunehmend aggressive Emanzipation von Gott und Kirche vollzog. Die Renaissance markierte den Aufschwung des Menschen zum genialen Weltsch\u00f6pfer, der sich noch mit der Kirche arrangierte, aber in der bald folgenden Reformation klare Front gegen den Machtklerus bezog. Die bekanntesten Exponenten sind <em>Martin Luther <\/em>(gest. 1546) und <em>Johannes Calvin <\/em>(gest. 1564), deren Gemeinsamkeit darin besteht, der Kirche durch Kontakte zu antikatholischen F\u00fcrsten beizukommen und dabei Affinit\u00e4ten zur Gewalt zu entwickeln. <em>Calvin<\/em>, dessen Rechtfertigungslehre auf der Basis von Eigentum \u2013 vor allem in Amerika \u2013 gro\u00dfe Bedeutung erlangte, f\u00e4llte 50 Todesurteile in Genf gegen Geistliche und Gl\u00e4ubige, die sich angeblich \u201enicht jesusgerecht\u201c verhalten hatten. <em>Luther <\/em>wurde nicht nur durch seine Rechtfertigung allein durch den Glauben und die Schrift bekannt (<em>sola fide \u2013 sola scriptura<\/em>), sondern auch durch seine Ausf\u00e4lle gegen die Bauern und Juden, die aus seiner Sicht kein vollwertiges Leben darstellten und daher einfach totzuschlagen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht zuletzt zeigt sich <em>Luthers <\/em>Denken von gnostischen Aspekten beeinflu\u00dft, indem er Jesus aus der Trinit\u00e4t herausnimmt und ihr von au\u00dfen anf\u00fcgt (<em>additus ad eam<\/em>) sowie einen \u201eVerdienstschatz\u201c Jesu kreiert, dessen von jedem aktivierbare \u201eGnade\u201c den Gl\u00e4ubigen nun zu einem Gerechten macht, der zugleich auch S\u00fcnder sein kann (<em>simul iustus et peccator<\/em>). Damit war der individuelle Bedeutungsgehalt der Offenbarung aufgehoben und die durch Werke erreichbare Erl\u00f6sung auf eine kollektive Erwartungsebene herabgestuft, die in eine radikale Pr\u00e4destination und den Lutherismus in die N\u00e4he des Islam f\u00fchrte. Dekalog und Christi Gebote begannen, ihren ethischen Charakter zu verlieren, die <em>Freiheit des Christenmenschen <\/em>hatte sich im Vertrauen auf das hoch belastbare S\u00fcndenkonto der Zumutungen des Gewissens entledigt. Wie der Gnostiker durch den Vorsto\u00df zum H\u00f6chsten geadelt wird, so steht der lutherisch reformierte Christ auf einer verantwortungsfreien Glaubensstufe, die keine S\u00fcnde beflecken kann, weil sie in der Rechtfertigung durch Gott steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die ersten Breschen in das trinitarische Prinzip geschlagen waren, setzte sich ein konsequenter Abbau der kirchlichen Deutungsmacht in Gang, der vom herk\u00f6mmlichen Gottesbild \u00fcber den Theismus der neuzeitlichen Wissenschaft und den Deismus der gelehrten Aufkl\u00e4rung mit ansteigend antichristlicher Note in die agnostische bzw. atheistische Christenfeindschaft der Moderne f\u00fchrte. Allerdings lie\u00df ein \u201em\u00fcndiger Atheismus\u201c (<em>Winfried Schr\u00f6der<\/em>), der den Antiklerikalismus \u00fcberstieg, bis in die Neuzeit auf sich warten. Ein Bewu\u00dftsein f\u00fcr die Nichtexistenz Gottes kam nur langsam auf, weil dies dem sozialen Konsens schlicht abwegig erschien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst mit der zweiten Stufe der s\u00e4kularen Emanzipation weitete sich das Denken in Dimensionen, die eine solche M\u00f6glichkeit in Betracht ziehen lie\u00dfen. Dies wird wesentlich markiert von <em>Descartes <\/em>und <em>Leibniz<\/em>, die die philosophischmathematische Moderne anschoben sowie <em>Hobbes <\/em>und <em>Spinoza<\/em>, die deren philosophisch- politischen Merkmale entwickelten. Zwar halten sie alle noch an einem Gottesbegriff fest, der bei den ersten drei mehr oder weniger christlich und bei letzterem j\u00fcdisch konnotiert ist, doch spielt die trinitarische Besonderheit keine wesentliche Rolle mehr. Eher kommt die Frage nach Gut und B\u00f6se hoch, die <em>Leibniz <\/em>die <em>Theodizee <\/em>schreiben lie\u00df und <em>Hobbes\u2019 <\/em>Staatsmodell des <em>Leviathan <\/em>zur Kampfarena der Machtinteressen machte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Descartes <\/em>nimmt eine Sonderstellung ein, weil er mit dem <em>Cogito <\/em>das Denken mit dem Sein verkn\u00fcpfte sowie Zweifel und Pr\u00fcfung als Wissenschaftskriterien einf\u00fchrte, um die Erkenntnis vor den m\u00f6glichen T\u00e4uschungen durch einen <em>genius malignus <\/em>zu sch\u00fctzen. Damit schuf er einen Typus des denkenden Menschen, der politische Willk\u00fcr zwar s\u00e4kular, aber \u00e4hnlich behindert wie die jesuanische Machtblockade. Der aktuelle Diskurs macht ohnehin keinen Unterschied mehr zwischen Politik und Religion, indem hier eine neognostische Gottesversion des \u201eganz Anderen\u201c kultiviert wird und die Protagonisten des politkulturellen <em>Mainstream <\/em>das cartesische und trinitarische Prinzip in ein vergleichbar aggressives Fadenkreuz nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So verschieden die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Neuzeit sind, so gemeinsam f\u00fchrten ihre Denksysteme in die Gew\u00f6hnung an den Atheismus als eine gesellschaftliche Kraft, die mit dem Aufkommen antikirchlicher Geheimb\u00fcnde auch politische Bedeutung gewann. Die Entwicklung beunruhigte die Zeitgenossen umso mehr, als sich ihre Vernunft, die auf Gottes Existenz beruhte, nun mit einer <em>nat\u00fcrlichen Vernunft <\/em>konfrontiert sah, die sich aus Mathematik und Naturwissenschaft herleitete und dennoch nicht unbedingt atheistisch sein mu\u00dfte. Aus dieser Dialektik folgte der Deismus als die offenbarungsfreie Naturreligion der Aufkl\u00e4rer. Sie wollten fest an das glauben, \u201ewas allen Menschen guten Willens gemeinsam ist\u201c, konnten dies nicht n\u00e4her bezeichnen, scheuten aber den ultimativen Absprung ins Nichts, in die von Gott zu r\u00e4umende Leere. Zum Ausgleich dieses Dilemmas hielten sie an einer anonymen Kraft fest, die Kosmos und Natur steuern und den Menschen einsetzen sollte, deren Potentiale zu nutzen \u2013 die moderne Fassung der Gnosis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Tandem aus Gnosis und Atheismus entpuppte sich als intrinsisches Merkmal der antikirchlichen S\u00e4kularisierung, die nicht nur von der Bibelkritik weiter vorangetrieben wurde. Von ganz besonderer Wirkung erwiesen sich allerdings die Schriften von <em>Kant, Fichte <\/em>und <em>Hegel<\/em>, die der Moderne einen enormen Impetus verliehen. Der Zwiespalt zwischen wissenschaftlicher Ratio und dem Gottesbegriff als Basis der nat\u00fcrlichen Vernunft, wie er in <em>Nietzsches <\/em>\u201eGottesmord\u201c durchbricht, sch\u00fcrte existentielle \u00c4ngste. Daran ist bemerkenswert, da\u00df die neuen Ketzer dennoch nicht umgebracht, sondern diskutiert wurden, w\u00e4hrend man zugleich den Islam als Kulturspitze verkl\u00e4rte, der seine Ketzer und Christen bis heute umbringt. Hier kam eine neue Qualit\u00e4t moderner Gewaltneigung zum Vorschein, die Schuldzuweisungen mit Freiheit verwechselt. Seither ist es der \u201eBlick auf Kreuzz\u00fcge und Inquisition\u201c, flankiert durch den aktuellen \u201eBlick nach Rechts\u201c, der die Lizenz zu schuldfreier Diffamierung und Gewalt gegen Christen erteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich darf bei diesem Thema der Kirchenfeind <em>Voltaire <\/em>nicht fehlen, dessen Anfrage jeden Glaubensfanatiker und ideologischen Atheisten, mithin auch die radikale Avantgarde des Kulturdialogs betrifft: \u201eWas soll man einem Menschen entgegenhalten, der sagt, er wolle lieber Gott als den Menschen gehorchen, und daher \u00fcberzeugt ist, in den Himmel zu kommen, wenn er einem den Hals abschneidet?\u201c Der gro\u00dfe Praxisphilosoph war nicht der erste, der die Austauschbarkeit jeglicher \u201eVernunft\u201c erkannte, welche die Vernichtung des Mitmenschen mit der gleichen Begr\u00fcndung fordern kann wie der religi\u00f6se Fanatiker. Der Unterschied war und ist rein machttechnischer Art und besteht darin, die Erf\u00fcllung strikter Gottesregeln durch die Befolgung eines S\u00e4kularprinzips zu ersetzen, das wie die Jakobiner und westlichen Extreme der Klasse und Rasse bewiesen, oft selbst gott\u00e4hnliche Formen annimmt. Da dies wiederum von der politischen Relevanz des \u201eersten Steins\u201c in Frage gestellt wird, ist der trinitarische Gott das Feindbild einer jeden gewaltorientierten Ideologie, die sich nun in Gestalt der euro-islamischen Allianz im Orient und in Europa gegen die Christenheit richtet. Dabei spielt der Begriff der <em>Islamophobie <\/em>eine Schl\u00fcsselrolle, weil er sich perfekt eignet, als verbaler gelber Stern die Fanatiker des herrschenden Trends in die Doppelfunktion des Ankl\u00e4gers und Richters \u00fcber j\u00fcdisch-christliche Lebensformen einzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hermann Reimarus <\/em>(gest. 1768), Kritiker des klerikalen Christentums und des Materialismus zugleich, beharrte gleichwohl auf Kernpunkten der Religion wie Gott und Auferstehung, weil ihm die willk\u00fcrlichen \u201eErdichtungen\u201c der Atheisten suspekt waren. In der Tat liegt hier eine der Gnosis verwandte Schw\u00e4che, die den dualistischen Abgleich zwischen Natur und Abstraktion meidet und auf dem einbahnigen \u201eWeg als Ziel\u201c zu utopischem Denken zwingt. Darin entstehen Vorstellungen, die sich je nach Machtlage auch zu \u201eFakten\u201c verdichten, so da\u00df Wunschwelten neue Wirklichkeiten erzwingen und reflexhafte Gedanken zu blindem Handeln f\u00fchren k\u00f6nnen. Hier vollzieht sich gnostisches Denken, das machtbedingte Erfolge zeitigt, aber da es ablehnt, sich \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen, oft genug in Ideologie und Gewalt umschl\u00e4gt. \u201eDurch unleugbare Beobachtungen in die Enge getrieben\u2018 &#8230; geben sie ihren Standpunkt nicht auf, sondern verlegen sich auf wissenschaftlich unseri\u00f6se Ausweichman\u00f6ver\u201c (Schr\u00f6der, a.a.O., 84), ein Verfahren, das auf alle Ideologen, damit auch auf die Neognostiker des 21. Jahrhunderts zutrifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.\u00a0\u00a0 Die strategische Alternative<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zahl der kirchenfeindlichen Mainstream-Profiteure ist inzwischen Legion, wobei sie ihre Deutungshoheit \u00fcber den modernen Gesellschaftsproze\u00df st\u00e4ndig weiter ausbauen. Wie die hier vorgelegten Betrachtungen belegen und die kirchlichen Kulturimpulse und ihre Gegner im zweiten Teil erhellen werden, gibt es keine Beweisnot daf\u00fcr, da\u00df sie alle \u2013 intellektuelle Gnostiker, klassische Atheisten oder einfache Kirchenkritiker \u2013 auf unterschiedlichem Niveau und mit vergleichbar wachsender Radikalit\u00e4t einen gemeinsamen Kampf gegen die Kirche f\u00fchren. Dieser unter Schwankungen ablaufende, ungebrochene Trend ist wesentlicher Tr\u00e4ger des herrschenden Meinungsprozesses und l\u00e4\u00dft zwei Abteilungen erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste konzentriert sich auf die Destruktion des trinitarischen Prinzips als Feindbild der von der links-rechten Nachfolge gepr\u00e4gten, zunehmend undemokratischen EU-Staaten und ihrem islamischen Partner, die zweite arbeitet an der Diffamierung und Destabilisierung des Klerus, die umso rascher voranschreiten, je eilfertiger die Forderungen der Gegenseite erf\u00fcllt werden. Nach dem Steigerungsprinzip der Moderne ist der \u201eDialog\u201c als Teil der kybernetischen Sozialtechnik nicht abschlie\u00dfbar, sondern erzeugt mit jeder Erf\u00fcllung weitere Forderungen und Drohungen, die ihrerseits weitere Gehorsamshorizonte \u00f6ffnen und so fort. Dieser sich selbst verst\u00e4rkenden Spirale, die vom konformen, oft vorauseilenden Unterwerfungsdrang aller Institutionen gest\u00fctzt wird und sich mit den Expansionsinteressen der islamischen Organisationen vernetzt (s.o.), kann nur mit dem dargelegten Verfahren begegnet werden. Nur wer sich au\u00dferhalb des Systems stellt, von Reaktion zu Aktion \u00fcbergeht, eigene Kommunikationswege schafft und eine offensive, nachhaltige Informationsstrategie entwickelt, wird rasch auf Aufmerksamkeit sto\u00dfen, nicht nur weil das christliche Konzept zeitlos konstruktiv und gemeinwohlf\u00f6rdernd wirkt, sondern weil sich die Fehlentwicklungen des antichristlichen Systems in Wirtschaft, Arbeit, Politik, Bildung, Finanzen und Kultur exponentiell aufstauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zentrum einer solchen Strategie steht das Alleinstellungsmerkmal des Christentums, das als einzige Religion auf das Gr\u00fcnderprinzip der Machtbegrenzung verweisen kann und daher auf dem trinitarischen Gottesbegriff als deren logischer Struktur beruht. Kaum zuf\u00e4llig bildet dieses Prinzip das wichtigste Angriffsziel der antichristlichen Aggression, die ihrerseits auf eine lange Tradition esoterischer Machtorden zur\u00fcckgreifen kann. Hier l\u00e4\u00dft sich wieder an <em>Bacon <\/em>anschlie\u00dfen, dem mit dem \u201eHaus Salomon\u201c eine elit\u00e4re, staatsfinanzierte Organisation vorschwebte, \u201eum die Ursachen, Bewegungen und verborgenen Kr\u00e4fte der Natur zu erkennen, die menschliche Herrschaft bis an die Grenzen des \u00fcberhaupt M\u00f6glichen zu erweitern\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit war bereits der Funktionszweck der modernen Machtmaschine umrissen, die heute in der Tat die Belastungsgrenzen der Masse austestet. Auch an die notwendige T\u00e4uschungsroutine hatte <em>Bacon <\/em>gedacht, die jede Herrschaftsform beachten mu\u00df, um die Masse unter Kontrolle und sich selbst an der Macht zu halten.. \u201eWir haben \u2026 ein Haus der Blendwerke, wo wir alle m\u00f6glichen Gaukeleien, Trugbilder, Vorspiegelungen und Sinnest\u00e4uschungen hervorrufen\u201c (zitiert im Metzler Philosophen-Lexikon, 78). Der Vertrauensbonus der Beherrschten bzw. das L\u00fcgenprivileg der Eliten bildet einen integralen Bestandteil des anthropologischen Gef\u00e4lles zwischen den Wenigen und den Vielen. Dazu geh\u00f6ren nicht zuletzt auch die Hofschreiber aller Zeiten, die Intellektuellen, Professoren, Experten sowie sonstigen Profiteure und Trittbrettfahrer, die heute den riesigen Tro\u00df des \u201einterkulturellen Dialogs\u201c bilden und dessen T\u00e4uschungstaktik mit gleichgerichteten Medien und Zitierkartellen st\u00e4ndig weiter ausbauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer aus der gehobenen Sparte ist <em>Rainer Marten<\/em>, ein <em>Heidegger<\/em>-Sch\u00fcler, der versucht, vom philosophischen Welterfolg des Meisters zu profitieren, aber nicht ganz an dessen so schwer verst\u00e4ndliche wie t\u00e4uschende Sprache heranreicht. W\u00e4hrend zu letzterem noch einiges im zweiten Teil zu sagen ist, bietet <em>Martens <\/em>Sujet den Vorteil, den neueren Stand der Praxisphilosophie und deren Christenfeindschaft zu studieren. Dieser Autor erweist sich als talentierter Destrukteur, der nicht nur bei <em>Heidegger<\/em>, sondern offenbar auch bei <em>Derrida <\/em>gelernt hat. Der stellt selektiv negative Aspekte eines Sachverhalts konzentriert dar, um den Gesamtkomplex zu verwerfen und den Diskurs in die Gegenposition zu lenken. <em>Martens <\/em>B\u00fccher drehen sich um die N\u00e4he von Philosophie und Religion, deren Gemeinsamkeit darin bestehe, Unm\u00f6gliches zu behaupten, was der radikalen Aufkl\u00e4rung neue Impulse geben k\u00f6nne, weil die Festlegung auf das M\u00f6gliche als das Wirkliche den Menschen allzusehr einenge. (Die M\u00f6glichkeit des Unm\u00f6glichen, Freiburg 2006).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist das Programm des autonomen Menschen beschrieben, wozu <em>Martens Heidegger<\/em>-Zitat pa\u00dft, da\u00df eine Rechtfertigung des Menschen weder n\u00f6tig noch m\u00f6glich sei. Warum das so ist, sucht er an einer derridaesken Verzeichnung des jesuanischen Ereignisses festzumachen, wobei angejahrte Stereotypen der Bibelkritik Verwendung finden. Jesus wird als l\u00e4\u00dflicher Scharlatan beschrieben, der Scheinwunder vollbringt sowie Scheinlohn und Scheinstrafe im Jenseits f\u00fcr das Verhalten im Diesseits in Aussicht stellt. Ma\u00dfstab daf\u00fcr ist der Glaube, dessen Mangel auch schon die diesseitige Existenz ins Defizit\u00e4re verschiebt. Das habe nun zur Folge, so <em>Marten<\/em>, da\u00df sich der Christ spalte zwischen den Extremen der Jenseitssucht und der Omnipotenz, weil die Wunder immer Glauben, der Glaube immer Lohn und der Unglaube immer Strafe erzeuge (Radikalit\u00e4t des Geistes, 99ff. \u2013 Freiburg 2012). Indem er nun eine Wunschstruktur vor sich hat, zieht <em>Marten <\/em>als geschulter Philosoph daraus die richtige Konsequenz: \u201eWas schlechthin unglaublich ist, das l\u00e4\u00dft sich, um ein fruchtbares Paradox zu formulieren, nunmehr glauben. Damit der Glaube das aush\u00e4lt, bleibt er seinen eigensten M\u00f6glichkeiten entr\u00fcckt. Wenn es n\u00e4mlich gel\u00e4nge, ohne jede Kleingl\u00e4ubigkeit zu glauben, <em>w\u00fcrde Jesus an Macht gleich<\/em>\u201c (Hervorh. v. Verf.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Quintessenz entspricht auffallend genau der politischen Logik des Jesusereignisses, nach welcher der Gottmensch nicht nur die Macht seiner Zeit in die Schranken weist, sondern auch die Inhumanit\u00e4t \u00fcbergeschichtlicher Macht sichtbar macht, indem er sie mit der Kreuzigung des Machtlosen zur Selbstoffenbarung zwingt. Diese Spiegelseite der Offenbarung kommt nicht zum Austrag, weil der Autor auf den zentralen Aspekt des \u201eersten Steins\u201c verzichtet. Das hat zur ebenso logischen Folge, da\u00df ihm die Hinwendung Jesu an die Schwachen und die S\u00fcnder wie Z\u00f6llner und Huren fremd bleibt, gerade weil der \u201eerste Stein\u201c sich auf letztere bezieht. Gleichwohl leistet er keinen kleinen Beitrag zu unserer Untersuchung, weil die stimmige Destruktion die konstruktive, trinitarisch abgesicherte Gegenkraft des christlichen Glaubens zum Vorschein bringt. Insofern kann auch keinerlei Rede von irgendeiner \u201eSelbstentr\u00fcckung\u201c des Glaubens sein, weil die politische Relevanz Jesu ein empirisch nachpr\u00fcfbares Faktum ist, das wie hier vorgestellt, durch mehrere Epochen antichristlicher Str\u00f6mungen mit bedrohlich ansteigender Tendenz best\u00e4tigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Hans-Peter Raddatz, Orientalist und Finanzanalytiker, ist Autor zahlreicher B\u00fccher \u00fcber die moderne Gesellschaft, die Funktionen der Globalisierung und den Dialog mit dem Islam.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Die Neue Ordnung, Nr. 6\/2012, Jahrgang 66 (<a href=\"http:\/\/www.die-neue-ordnung.de\/\">www.die-neue-ordnung.de<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. \u00a0 Einstieg in die Langzeitperspektive Im Rahmen des politkulturellen Diskurses im Westen, speziell in Europa, gibt es keine Religion, keine Ideologie, kein Weltbild, das sich einer so massiven Kritik gegen\u00fcbersieht wie das Christentum. Im Gegenteil: Obwohl sich der \u201einterreligi\u00f6se Dialog\u201c seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil als Einrichtung etablierte, die das Gemeinsame zwischen den Christen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[21,10,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8917"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8917"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8917\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8923,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8917\/revisions\/8923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8917"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}