{"id":8905,"date":"2013-01-01T14:47:54","date_gmt":"2013-01-01T12:47:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8905"},"modified":"2013-01-01T14:47:54","modified_gmt":"2013-01-01T12:47:54","slug":"martin-luther-vorrede-zum-romerbrief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8905","title":{"rendered":"Martin Luther, Vorrede zum R\u00f6merbrief"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><strong>Vorrede zu der Epistel von St. Paulus an die R\u00f6mer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Epistel ist das eigentliche Hauptst\u00fcck des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium. Sie ist es wohl w\u00fcrdig und wert, da\u00df sie ein Christenmensch nicht nur von Wort zu Wort auswendig wisse, sondern da\u00df er auch t\u00e4glich damit als mit t\u00e4glichem Brot der Seele umgehe. Denn sie kann nimmer zu viel und zu gr\u00fcndlich gelesen oder betrachtet werden. Je mehr sie behandelt wird, um so k\u00f6stlicher wird sie und schmeckt sie. Darum will ich auch meinen Dienst dazu tun und will durch diese Vorrede, so viel mir Gott verliehen hat, eine Einleitung dazu geben, damit sie von jedermann umso besser verstanden werde. Denn sie ist bisher mit Deutungen und mancherlei Geschw\u00e4tz b\u00f6se verfinstert worden, w\u00e4hrend sie doch an sich ein helles Licht ist und vollkommen gen\u00fcgt, um die ganze Schrift zu erleuchten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Zuerst nun m\u00fcssen wir der Sprache kundig werden und wissen, was St. Paulus mit den Worten: Gesetz, S\u00fcnde, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Fleisch u. dergleichen meint. Sonst n\u00fctzt kein Lesen darin. Das W\u00f6rtlein <strong><em>Gesetz<\/em><\/strong> mu\u00dft du hier nicht nach menschlicher Weise verstehen, als ob es eine Lehre dar\u00fcber sei, was f\u00fcr Werke zu tun oder zu lassen sind. Mit Menschengesetzen geht es so, da\u00df man dem Gesetz mit Werken genug tut, wenn auch das Herz nicht dabei ist. Gott dagegen richtet nach des Herzens Grund. Darum fordert auch sein Gesetz des Herzens Grund. Er l\u00e4\u00dft sich an Werken nicht gen\u00fcgen, sondern straft vielmehr die Werke, die ohne des Herzens Grund getan sind, wie Heuchelei und L\u00fcgen. Daher hei\u00dfen alle Menschen L\u00fcgner, Psalm 116, darum, weil keiner aus Herzensgrund Gottes Gesetz h\u00e4lt noch halten kann. Denn jedermann findet bei sich selbst Unlust zum Guten und Lust zum B\u00f6sen. Wo nun nicht freie Lust zum Guten ist, da ist des Herzens Grund nicht am Gesetz Gottes. Da ist denn gewi\u00dflich auch S\u00fcnde und Zorn bei Gott verdient, obgleich auswendig viel guter Werke und ehrbares Leben scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher zieht Paulus im 2. Kapitel den Schlu\u00df, da\u00df die Juden alle S\u00fcnder sind, und sagt, da\u00df nur die T\u00e4ter des Gesetzes bei Gott gerecht sind. Er will damit sagen, da\u00df niemand mit Werken des Gesetzes T\u00e4ter ist, sondern sagt vielmehr zu ihnen folgenderma\u00dfen: Du lehrst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe; ferner: Auf dem Gebiet, wo du einen anderen richtest, verdammst du dich selbst, weil du eben dasselbe tust, was du richtest. Es ist, als wolle er sagen: Du lebst \u00e4u\u00dferlich fein in des Gesetzes Werken und richtest die, die nicht so leben, und wei\u00dft jedermann zu lehren; den Splitter siehst du in der Anderen Auge, aber des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr. Denn obwohl du \u00e4u\u00dferlich das Gesetz mit Werken h\u00e4ltst, aus Furcht vor Strafe oder aus Liebe zum Lohn: so tust du doch das alles ohne freie Lust und Liebe zum Gesetz, vielmehr mit Unlust und Zwang. Du m\u00f6chtest lieber anders handeln, wenn das Gesetz nicht w\u00e4re. Daraus folgt, da\u00df du von Herzensgrund dem Gesetze feind bist. Was ist denn das, da\u00df du andere lehrst, nicht zu stehlen, wenn du im Herzen selbst ein Dieb bist, und es auch \u00e4u\u00dferlich gerne w\u00e4rst, wenn du das wagtest? Indes bleibt auch das \u00e4u\u00dferliche Werk bei solchen Heuchlern auf die L\u00e4nge nicht nach. So lehrst du andere, aber dich selbst nicht; wei\u00dft auch selbst nicht, was du lehrst, hast auch das Gesetz noch nie recht verstanden. Ja, au\u00dferdem mehrt das Gesetz die S\u00fcnde, wie es Kap. 5 hei\u00dft, darum weil ihm der Mensch nur feinder wird, je mehr es fordert, was er alles nicht kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum hei\u00dft es Kap. 7: Das Gesetz ist geistlich. Was hei\u00dft das? Wenn das Gesetz leiblich w\u00e4re, so gesch\u00e4he ihm mit Werken genug. Nun aber, wo es geistlich ist, tut ihm niemand genug, falls nicht alles, was du tust, von Herzensgrund geht. Aber ein solches Herz gibt niemand als Gottes Geist, der macht den Menschen dem Gesetz entsprechend, da\u00df er von Herzen Lust zum Gesetz gewinnt und er hinfort nicht aus Furcht noch Zwang, sondern aus freiem Herzen alles tut. So ist das Gesetz geistlich: es will mit einem geistlichen Herzen geliebt und erf\u00fcllt sein und fordert einen solchen Geist. Wo der nicht im Herzen ist, da bleibt S\u00fcnde, Unlust, Feindschaft wider das Gesetz, das doch gut, gerecht und heilig ist. So gew\u00f6hne dich nun an die Rede, da\u00df es etwas ganz anderes ist, des Gesetzes Werke tun, als: das Gesetz erf\u00fcllen. Des Gesetzes Werk ist alles, was der Mensch aus seinem freien Willen und eigenen Kr\u00e4ften am Gesetz tut oder tun kann. Weil aber unter und neben solchen Werken im Herzen Unlust und Zwang zum Gesetz bleibt, so sind solche Werke alle verloren und nichts n\u00fctze. Das meint St. Paulus Kap. 3, wo er sagt: Durch Gesetzeswerk wird vor Gott kein Mensch gerecht. Daher siehst du nun, da\u00df die Schulz\u00e4nker und Sophisten Verf\u00fchrer sind, wenn sie lehren, sich mit Werken zur Gnade zu bereiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kann sich einer mit Werken zum Guten bereiten, der kein gut Werk ohne Unlust und Unwillen im Herzen tut? Wie wird Gott Lust an einem Werke haben, das aus einem unlustigen und widerwilligen Herzen kommt? Aber das Gesetz erf\u00fcllen, das hei\u00dft: mit Lust und Liebe seine Werke tun und frei, ohne des Gesetzes Zwang, g\u00f6ttlich und fromm leben, als g\u00e4be es kein Gesetz oder Strafe. Diese Lust freier Liebe aber gibt der Heilige Geist ins Herz, wie es hei\u00dft Kap. 5. Der Geist aber wird nur in, mit und durch den Glauben an Jesus Christus gegeben, wie es in der Einleitung hei\u00dft. So kommt der Glaube nur allein durch Gottes Wort oder das Evangelium, das von Christus predigt, wie er ist Gottes Sohn und Mensch, gestorben und auferstanden um unsertwillen. Daher kommt es, da\u00df allein der Glaube gerecht macht und das Gesetz erf\u00fcllt. Denn er bringt aus Christi Verdienst den Geist. Der Geist aber macht ein Herz voller Lust und ein freies Herz, wie das Gesetz es fordert. So gehen denn die guten Werke aus dem Glauben selber hervor. Das ist gemeint Kap. 3, wo des Gesetzes Werke verworfen waren, so da\u00df es lautet, als wolle er das Gesetz durch den Glauben aufheben. Nein, sagt er, wir richten das Gesetz durch den Glauben auf, das hei\u00dft: wir erf\u00fcllen es durch den Glauben. \u2013 S\u00fcnde hei\u00dft in der Schrift nicht nur das \u00e4u\u00dferliche, leibliche Werk, sondern all die T\u00e4tigkeit, die sich mit regt und wegt zu dem \u00e4u\u00dferlichen Werk, n\u00e4mlich des Herzens Grund mit allen Kr\u00e4ften. Das W\u00f6rtlein \u201eS\u00fcnde tun\u201c soll also bedeuten, da\u00df der Mensch ganz in die S\u00fcnde dahinf\u00e4llt und \u2013f\u00e4hrt. Denn es geschieht auch kein \u00e4u\u00dferliches Werk der S\u00fcnde, ohne da\u00df der Mensch ganz mit Leib und Seele hinan f\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und besonders sieht die Schrift ins Herz und auf die Wurzel und Hauptquelle aller S\u00fcnde: dies ist der Unglaube im Grunde des Herzens. Wie also der Glaube allein gerecht macht und den Geist und die Lust zu guten \u00e4u\u00dferlichen Werken bringt, so s\u00fcndigt allein der Unglaube und bringt das Fleisch und Lust zu b\u00f6sen \u00e4u\u00dferlichen Werken auf; wie es Adam und Eva im Paradies geschah, 1. Mose 3. Daher nennt Christus einzig den Unglauben S\u00fcnde, indem er sagt Joh. 16: Der Geist wird die Welt strafen wegen der S\u00fcnde, da\u00df sie nicht an mich glauben. Darum mu\u00df auch, ehe gute oder b\u00f6se Werke, die guten oder b\u00f6sen Fr\u00fcchte, geschehen, vorher im Herzen Glaube da sein; oder Unglaube als Wurzel, Saft und Hauptkraft aller S\u00fcnde. Diese hei\u00dft in der Schrift darum auch der Schlange Kopf und des alten Drachen Haupt, den des Weibes Same, Christus, zertreten mu\u00df, wie Adam verhei\u00dfen ward, 1.Mose 3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen <strong><em>Gnade<\/em><\/strong> und <strong><em>Gabe<\/em><\/strong> ist folgender Unterschied: Gnade hei\u00dft eigentlich Gottes Huld oder Gunst, die er uns gegen\u00fcber in sich tr\u00e4gt, verm\u00f6ge deren er geneigt wird, Christus und den Geist mit seinen Gaben in uns zu gie\u00dfen, wie das aus dem 5. Kapitel klar wird, wo es hei\u00dft: Gnade und Gabe in Christi u.s.w. Obwohl nun die Gaben und der Geist in uns t\u00e4glich zunehmen und doch noch nicht vollkommen sind, so da\u00df also noch in uns \u00fcberbleiben b\u00f6se L\u00fcste und S\u00fcnden, die wider den Geist streiten, wie es hei\u00dft R\u00f6m. 7 und Gal. 5 und wie 1. Mose 3 der Hader zwischen des Weibes Samen und der Schlange Samen verk\u00fcndigt ist: so tut doch die Gnade so viel, da\u00df wir f\u00fcr ganz und voll gerecht vor Gott angesehen werden. Denn seine Gnade teilt und st\u00fcckt sich nicht, wie die Gaben tun, sondern nimmt uns ganz und gar auf in die Huld, um Christi, unseres F\u00fcrsprechers und Mittlers, willen, und darum weil in uns die Austeilung der Gaben angefangen hat. So verstehst du das 7. Kapitel, wo sich St. Paulus noch einen S\u00fcnder schilt, und doch sagt er Kap. 8, es sei nichts Verdammliches an denen, die in Christo sind, trotz der unvollkommenen Geistesgaben. Wegen des unget\u00f6teten Fleisches sind wir noch S\u00fcnder. Weil wir aber an Christus glauben und des Geistes Anfang haben, darum ist uns Gott so g\u00fcnstig und gn\u00e4dig, da\u00df er unsere S\u00fcnden nicht achten noch richten, sondern nach dem Glauben an Christus mit uns verfahren will, bis die S\u00fcnde get\u00f6tet werde. \u2013 <strong><em>Glaube<\/em><\/strong> ist nicht der menschliche Wahn und Traum, den etliche f\u00fcr Glauben halten. Und wenn sie sehen, da\u00df keine Besserung des Lebens noch gute Werke folgen, und doch vom Glauben viel reden h\u00f6ren, so fallen sie in den Irrtum und sagen: der Glaube sei nicht genug, man m\u00fcsse Werke tun, soll man fromm und selig werden. Das macht: wenn sie das Evangelium h\u00f6ren, so fallen sie daher und machen sich aus eigenen Kr\u00e4ften einen Gedanken im Herzen, der spricht: Ich glaube. Das halten sie dann f\u00fcr einen rechten Glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie das eine menschliche Erdichtung und Gedanke ist, den des Herzens Grund nimmer erf\u00e4hrt, so tut er auch nichts, und es folgt keine Besserung darauf. Aber Glaube ist ein g\u00f6ttliches Werk in uns, das uns wandelt und neu gebiert aus Gott und den alten Adam t\u00f6tet, aus uns ganz andere Menschen in Herz, Gem\u00fct, Sinn und allen Kr\u00e4ften macht und den heiligen Geist mit sich bringt. O es ist ein lebendig, gesch\u00e4ftig, t\u00e4tig, m\u00e4chtig Ding um den Glauben, da\u00df es unm\u00f6glich ist, da\u00df er nicht ohn Unterla\u00df Gutes wirken sollte. Er fragt auch nicht, ob gute Werke zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan, und er ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werk tut, der ist ein glaubloser Mensch, tappt und sieht um sich nach dem Glauben und guten Werken und wei\u00df weder was Glaube noch was gute Werke sind, w\u00e4scht und schwatzt doch viel Worte vom Glauben und von guten Werken. Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewi\u00df, da\u00df er tausendmal dr\u00fcber st\u00fcrbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis g\u00f6ttlicher Gnade macht fr\u00f6hlich, trotzig und voller Lust gegen Gott und alle Kreaturen: das macht der Heilige Geist im Glauben. Daher wird der Mensch ohne Zwang willig und voller Lust, jedermann Gutes zu tun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden, Gott zu Liebe und zu Lob, der einem solche Gnade erzeigt hat. Daher ist es unm\u00f6glich, Werk und Glauben zu scheiden, ja so unm\u00f6glich, wie Brennen und Leuchten vom Feuer nicht geschieden werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum sieh dich vor vor deinen eigenen Gedanken und unn\u00fctzen Schw\u00e4tzern, die vom Glauben und guten Werken zu urteilen klug sein wollen und dabei die gr\u00f6\u00dften Narren sind. Bitte Gott, da\u00df er den Glauben in dir wirke: sonst bleibst du wohl ewiglich ohne Glauben, ob du auch schaffst und tust, was du willst oder kannst. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Gerechtigkeit<\/em><\/strong>: das ist nun solcher Glaube. Sie hei\u00dft Gottes Gerechtigkeit, oder Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, darum weil Gott sie gibt und um Christi, unseres Mittlers, willen als Gerechtigkeit rechnet. Sie macht, da\u00df der Mensch jedermann gibt, was er ihm schuldig ist. Denn durch den Glauben wird der Mensch ohne S\u00fcnde und gewinnt Lust zu Gottes Geboten. Mit dem Glauben gibt er Gott seine Ehre und bezahlt ihm, was er ihm schuldig ist. Aber den Menschen dient er williglich, womit er kann, und bezahlt damit auch jedermann. Solche Gerechtigkeit k\u00f6nnen Natur, freier Wille und unsere Kr\u00e4fte nicht zu wege bringen. Denn wie niemand sich selber den Glauben geben kann, so kann auch niemand den Unglauben wegnehmen: wie will denn einer eine einzige noch so kleine S\u00fcnde wegnehmen? Darum ist alles Falschheit, Heuchelei und S\u00fcnde, was au\u00dfer dem Glauben oder im Unglauben geschieht, es glei\u00dfe, so gut es kann. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Fleisch<\/em><\/strong> und <strong><em>Geist<\/em><\/strong> mu\u00dft du hier nicht so verstehen, da\u00df Fleisch nur das sei, was die Unkeuschheit betrifft, und Geist das, was das Innerliche im Herzen betrifft. Sondern Fleisch nennt Paulus, wie Christus Joh. 3, alles, was aus Fleisch geboren ist, den ganzen Menschen, mit Leib und Seele, mit Vernunft und allen Sinnen, darum weil alles an ihm nach dem Fleisch trachtet. Daher wisse, da\u00df du auch den fleischlich zu nennen hast, der ohne Gnade von hohen geistlichen Dingen viel ausdenkt, lehrt und schwatzt, wie du das aus den Werken des Fleisches Gal. 5 wohl lernen kannst, wo er auch Ketzerei und Ha\u00df Fleischeswerk nennt; und R\u00f6m. 8 hei\u00dft es, da\u00df durch das Fleisch das Gesetz geschw\u00e4cht werde. Das ist nicht von Unkeuschheit, sondern von allen S\u00fcnden, allermeist aber von Unglauben, der das allergeistlichste Laster ist, gesagt. Umgekehrt auch sollst du den geistlich nennen, der mit den aller\u00e4u\u00dferlichsten Werken umgeht. So Christus, als er der J\u00fcnger F\u00fc\u00dfe wusch, und Petrus, als er das Schiff f\u00fchrte und fischte. Ebenso sollst du wissen, da\u00df Fleisch ein Mensch ist, der inwendig und auswendig lebt und das tut, was zu des Fleisches Nutzen und zum zeitlichen Leben dient; Geist einer ist, der inwendig und auswendig lebt und das tut, was dem Geist und dem zuk\u00fcnftigen Leben dient. \u2013 Ohne ein solches Verst\u00e4ndnis dieser W\u00f6rter wirst du weder diese Epistel von St. Paulus noch ein Buch der Heiligen Schrift je verstehen. Darum h\u00fcte dich vor allen Lehrern, die diese Worte anders brauchen, sie seien wer sie immer wollen, wenn es auch Hieronymus, Augustinus, Ambrosius, Origenes und ihresgleichen und noch H\u00f6here w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wollen wir zur Epistel greifen &#8230; So finden wir in dieser Epistel aufs allerreichlichste, was ein Christ wissen soll, n\u00e4mlich, was Gesetz, Evangelium, S\u00fcnde, Strafe, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Christus, Gott, gute Werke, Liebe, Hoffnung, Kreuz ist, und wie wir uns gegen jedermann, er sei fromm oder ein S\u00fcnder, stark oder schwach, Freund oder Feind, und gegen uns selber verhalten sollen. Ferner ist das alles durch Schriftstellen trefflich begr\u00fcndet, durch Beispiele aus sich und aus den Propheten bewiesen, so da\u00df hier nichts mehr zu w\u00fcnschen ist. Darum scheint es auch, als habe St. Paulus in dieser Epistel einmal in K\u00fcrze die ganze christliche und evangelische Lehre zusammenfassen und damit eine Einf\u00fchrung in das ganze Alte Testament geben wollen. Denn ohne Zweifel: wer diese Epistel gut im Herzen hat, der hat des Alten Testamentes Licht und Kraft bei sich. Darum lasse sie ein jeglicher Christ bei sich allgemein und stetig in \u00dcbung sein. Dazu gebe Gott seine Gnade! Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorrede zu der Epistel von St. Paulus an die R\u00f6mer Diese Epistel ist das eigentliche Hauptst\u00fcck des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium. Sie ist es wohl w\u00fcrdig und wert, da\u00df sie ein Christenmensch nicht nur von Wort zu Wort auswendig wisse, sondern da\u00df er auch t\u00e4glich damit als mit t\u00e4glichem Brot der Seele umgehe. 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