{"id":8834,"date":"2012-12-20T15:32:18","date_gmt":"2012-12-20T13:32:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8834"},"modified":"2012-12-20T16:26:19","modified_gmt":"2012-12-20T14:26:19","slug":"zuruck-ins-neandertal-ein-pladoyer-fur-den-schutz-von-ehe-und-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8834","title":{"rendered":"Zur\u00fcck ins Neandertal? Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Schutz von Ehe und Familie"},"content":{"rendered":"<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-8846\" title=\"Norbert_Bluem_CDU_0-201x240\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Norbert_Bluem_CDU_0-201x240.jpg\" alt=\"\" width=\"121\" height=\"144\" \/>von Norbert Bl\u00fcm<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der sch\u00f6nsten Geschichten von der Liebe zwischen Mann und Frau wird in Platons Symposion erz\u00e4hlt. Einst lebten die Menschen als \u201eMannweiber\u201c unentschieden nach Geschlecht. Die \u201eMannweiber\u201c waren m\u00e4chtige Wesen; \u201ean Kraft und St\u00e4rke waren sie gewaltig und hatten auch noch gro\u00dfe Gedanken\u201c. F\u00fcr Zeus und die G\u00f6tter wurden die Menschen zu gef\u00e4hrlichen Konkurrenten. Also schw\u00e4chten die G\u00f6tter die \u201eMannweiber\u201c und Zeus zerteilte sie eigenh\u00e4ndig in zwei H\u00e4lften: \u201ewie wenn man Fr\u00fcchte zerschneidet, um sie einzumachen\u201c. Die G\u00f6tter hatten jedoch ihre Rechnung ohne die Anh\u00e4nglichkeit der getrennten H\u00e4lften gemacht. Fortan suchte die eine H\u00e4lfte die andere und kam erst zur Ruhe, wenn sie die andere gefunden hatte. Conclusio: Liebe ist das Heimweh nach dem verlorenen Gegenteil. Gl\u00fccklich ist, wer sein Gegenst\u00fcck findet und es ein Leben lang festh\u00e4lt. Die Ehe ist das \u201ehappy end\u201c einer mythischen Suchaktion.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die triviale Realgeschichte der Geschlechterbeziehungen verlief allerdings nicht nach platonischem Vorbild. Am Beginn der Evolution stand nicht die Ehe. In den Wildnissen der Vorzeit herrschte die Promiskuit\u00e4t. Man kann auch ohne Ehe Kinder in die Welt setzen. Das klappte damals so wie heute. Damals aber war es allgemeine Sitte. Die Fortpflanzung kommt also ohne Ehe aus. Schon fr\u00fch gab es jedoch kulturelle Anstrengungen, die schweifende menschliche Sexualit\u00e4t, die nicht durch periodische Instinktsteuerung geb\u00e4ndigt wird, durch die Ehe zu formen und durch Liebe zu bes\u00e4nftigen. Die Ehe ist also ein Kulturprodukt. Wie aber auch immer \u2013 ob wild oder gez\u00e4hmt \u2013 die Sexualit\u00e4t war immer im Spiel zwischen Mann und Frau. Die Sexualit\u00e4t ist der Triebstoff, der Mann und Frau zusammenf\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immanuel Kant, unser gro\u00dfer Vernunftphilosoph, gr\u00fcndete die Eheschlie\u00dfung sogar schlicht und ergreifend auf Geschlechtlichkeit: \u201eDie Ehe ist ein Vertrag zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaft.\u201c Kant war ein theoretisches Genie. Er schrieb \u00fcber vieles, z.B. \u00fcber L\u00e4nder, die er nie gesehen, von denen er aber viel gelesen hatte. Seine Junggesellenbetrachtungen \u00fcber die Ehe entnahm der K\u00f6nigsberger Stubengelehrte wahrscheinlich auch dem B\u00fccherschrank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eb\u00fcrgerliche\u201c Ehe ist ein Produkt der Neuzeit und auf Besitz und Bildung gegr\u00fcndet. Nicht mehr Blutsverwandtschaft oder Stand steuerten im b\u00fcrgerlichen Zeitalter die Gattenwahl, sondern vor allem die Eigentumsverh\u00e4ltnisse. Die Erbschaft ist der Kitt des b\u00fcrgerlichen Generationszusammenhangs. Das Erbe ist das Disziplinierungsmittel, das die Sorge der Kinder f\u00fcr die Eltern aufrecht erh\u00e4lt, selbst wenn diese Kinder aus dem Hause sind. Es geh\u00f6rt zu den oft \u00fcbersehenen Tatsachen, da\u00df bis weit in das b\u00fcrgerliche Zeitalter hinein nicht jede Frau und jeder Mann zur Ehe zugelassen worden war. Ohne Nachweis, die Ehefrau unterhalten zu k\u00f6nnen, gab es keinen Trauschein. Das \u00f6ffentliche Aufgebot vor der Eheschlie\u00dfung diente zur allgemeinen Begutachtung dieser Ehevoraussetzung. Diese materiellen Ehehindernisse waren der Grund, weshalb vom Gesinde nur wenige den Weg zum Traualtar fanden und diese auch nur mit g\u00fctiger Erlaubnis der Herrschaft. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts z\u00e4hlte in Preu\u00dfen jeder Siebte zum Gesinde. Z\u00e4hlt man mittellose Handwerksgesellen und Soldaten hinzu, erkennt man, wie schmal der Zugang zur Ehe damals war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die industrielle Revolution l\u00f6ste den b\u00fcrgerlichen Heiratscomment auf. Die aus den Z\u00fcnften entlassenen Handwerksgesellen und die von G\u00fctern und von H\u00f6fen entlaufenen Bauerns\u00f6hne str\u00f6mten als Proletarier, die nichts besa\u00dfen au\u00dfer ihrer Arbeitskraft, in die Fabrikhallen. Auf diese Armee der Industriearbeiterschaft war das Fabriksystem angewiesen. Nachschub war gefragt. Kinder wurden gebraucht \u2013 auch in den Fabrikhallen. So fielen die b\u00fcrgerlichen Ehehindernisse. Es geh\u00f6rt zu den Emanzipationsbestrebungen dieser Zeit, da\u00df sie die Arbeiter zur Ehe befreite.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der alten innerfamili\u00e4ren F\u00fcrsorge des gro\u00dfen Hauses, die lebensumfassend gewesen war, \u2013 Familie und Produktion unter einem Dach versammelte \u2013 blieb nur der Patriarch \u00fcbrig, der die Familie kommandierte und ern\u00e4hrte. Die Hausfrau und treusorgende Mutter war als abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte untergeordnet. Die b\u00fcrgerliche Familie wie ihr Stiefkind, die proletarische, bildeten die autorit\u00e4ren Strukturen der Gesellschaft ab. Der Mann war der Chef, die Frau der Untertan. Basta! Wenn sp\u00e4ter Friedrich Carl von Savigny, Rechtsgelehrter und preu\u00dfischer Staatsminister, die Ehe als \u201eKeimzelle des Staates\u201c definiert, dann hatte er diese autorit\u00e4ren Strukturen von Familie und Staat vor Augen. Das 1900 entstandene B\u00fcrgerliche Gesetzbuch und sein Eherecht atmeten diesen Geist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der doppelte Boden der b\u00fcrgerlichen Emanzipation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die b\u00fcrgerliche Emanzipation selbst untersp\u00fclte fast lautlos die institutionellen st\u00e4ndischen Sicherheiten. Die alte Gesellschaft l\u00f6ste sich auf und mit ihr Bindungen und Beziehungen. \u201eAlles St\u00e4ndige und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit n\u00fcchternen Augen zu sehen.\u201c Schreibt hellsichtig Karl Marx 1848 im Kommunistischen Manifest. Die b\u00fcrgerliche Gesellschaft wurde langsam aber sicher von der Arbeitsgesellschaft verdr\u00e4ngt. Die Erwerbsarbeit sollte das Gesicht des Industriezeitalters pr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Befreiung der Arbeiter hinterlie\u00df jedoch eine hinterlistige Falle f\u00fcr Ehe und Familie. Wenn die Produktivit\u00e4t w\u00e4chst, die L\u00f6hne steigen, die Arbeitszeit sinkt: warum sollte der Ern\u00e4hrer seinen Lohn mit Ehefrau und Kindern teilen? Die Nur-Hausfrau brachte keinen Spareffekt mehr. Der Mann will sein Geld f\u00fcr sich und die Frau ihr eigenes. Sie wird in der Fabrik mehr gebraucht als im Haus. \u201eJeder sorgt f\u00fcr sich\u201c &#8211; dieses liberal-kapitalistische Credo ist das Gesinnungsfundament des modernen Eheverst\u00e4ndnisses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verselbst\u00e4ndigung der Kernfamilie wurde durch die Sozialversicherung der Weg geebnet. Die Sozialversicherung ersetzte die traditionelle F\u00fcrsorgepflicht der Kinder f\u00fcr die Eltern. Hinzu kam, da\u00df die Sozialversicherung die Marktwirtschaft \u00fcberhaupt erst funktionsf\u00e4hig macht. Die Sozialversicherung befreite n\u00e4mlich die Betriebe vom Invalidit\u00e4ts-, Unfall- und Krankheitsrisiko. Erst nachdem diese Risiken aus dem Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Betriebe externalisiert worden waren, konnte sich eine unternehmerische Ratio entfalten, die sich im Wettbewerb behauptete und am Gewinn orientiert. Die Wirtschaft verselbst\u00e4ndigte sich also zu einem eigenen Sektor der Gesellschaft und machte so die Trennung vom Staat m\u00f6glich. Die Ehe geriet in den Sog der Wirtschaftsgesellschaft, deren integrierter Bestandteil sie inzwischen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Ehe ger\u00e4t in die Klemme<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die b\u00fcrgerliche Ehe unterwarf sich der neoliberalen Maxime der Vorteilssuche, deren Leitfigur der homo oeconomicus ist. Herausgekommen ist ein Eheverst\u00e4ndnis, das dem Arbeitsvertrag nachgebildet ist. Beide, Ehe- und Arbeitsverh\u00e4ltnis, werden zusammengehalten durch ein jederzeit k\u00fcndbares B\u00fcndnis. Die Ehe ist ein Austausch-Vertrag zwischen Mann und Frau. Das Eherecht \u00fcbernahm eine Vorreiterrolle im neoliberalen Projekt Deregulierung. Der K\u00fcndigungsschutz im Eherecht ist inzwischen niedriger als im Arbeitsrecht. Es ist leichter, die Ehefrau oder den Ehemann loszuwerden als den Arbeitnehmer. Im Eherecht sind wir inzwischen bei der einfachen Zerr\u00fcttung als Scheidungsgrund angekommen. Soweit sind wir im Arbeitsrecht noch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im neuen Arbeitsvertragsrecht wird allerdings \u00fcber eine Variante der Beendigung des Arbeitsvertrages nachgedacht, der im Eherecht schon allenthalben empfohlen wird: Vor Beginn der Modalit\u00e4ten die Beendigung vertraglich festzulegen. In beiden F\u00e4llen wird das Ende am Anfang antizipiert. Das Eherecht verinnerlicht die Mobilit\u00e4ts- und Flexibilit\u00e4tsgebote der freiz\u00fcgigen Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Mietrecht k\u00f6nnte sich allerdings das Scheidungsrecht noch eine Scheibe abschneiden. Dort gibt es Eigenbedarf als K\u00fcndigungsgrund. Das ist der seltene Fall, wo das Eherecht in Sachen K\u00fcndigungserleichterung nachhinkt. Der Gatte der einen neuen Eigenbedarf nach neuer Liebe sp\u00fcrt, mu\u00df im Eherecht noch den Weg \u00fcber fristgeregelte Zerr\u00fcttung gehen, um zur Trennung zu gelangen. Bedarf reicht noch nicht, um \u201eabhauen\u201c zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt als Kern des neuen Eheverst\u00e4ndnisses? Die Ehe wandelt sich zum B\u00fcndnis zweier Lohnempf\u00e4nger zur wechselseitigen Optimierung ihrer Freizeitgewohnheiten. Zur Fortpflanzung ist Ehe nicht mehr \u201enotwendig\u201c. Sexualit\u00e4t wird mit und ohne Kindersegen inner- und au\u00dferhalb der Ehe \u201enormal\u201c. Wir entwickeln uns also wieder zur\u00fcck ins Neandertal. Elternschaft beginnt unmodern zu werden. Schon sind \u201eAlleinerziehende\u201c von einem gewissen Nimbus der Fortschrittlichkeit umgeben. \u201eUneheliche\u201c V\u00e4ter und M\u00fctter genie\u00dfen im Unterhaltsrecht bereits Vorz\u00fcge gegen\u00fcber ehelichen. Alleinsein und Selbst\u00e4ndigsein werden synonym. Der tiefere Grund der Aufl\u00f6sung von Ehe und Familie ist die Aush\u00f6hlung jedweder sittlichen Bindungskraft. Ethik wird so etwas wie Hobby f\u00fcr den Hausgebrauch &#8211; etwa so wie die Einladung zu einem Loriotschen Jodelkurs oder Teilnahme an einem H\u00e4kelkurs in der Volkshochschule. Das Leben zerbr\u00f6selt in eine Summe von zusammenhanglosen Augenblicken. Wir zappen als Beziehungsvagabunden durchs Leben. Schalten mal hier aus und dort mal wieder ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Maximaler Freiheitsgenu\u00df in der Tauschgesellschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Freiheit lediglich die Optimierung von Wahlchancen ist, wird jede Ehe und jedes Kind zur Freiheitseinschr\u00e4nkung. Denn Kinder wie Ehepartner mindern die Optionen. Schon so einfache Sachen wie z.B. die Urlaubsplanung werden mit Kindern schwieriger als ohne &#8211; und als Single leichter als f\u00fcr Eheleute. Alle Lebensverh\u00e4ltnisse geraten so unter das Diktat der solistischen Selbstbestimmung. Existenz wird permanenter Wahlakt. \u201eDer Mensch, das ist seine Wahl\u201c proklamierte Jean Paul Sartre in hybrider existentialistischer Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ehe und die Familie ist in ihrem Wesen das existentialistische Antiprojekt. In Ehe und Familie schafft sich der Mensch nicht selber, sondern durch und mit anderen. Die Familie ist die \u201ezweite Geburtsst\u00e4tte der Menschen\u201c (Rene K\u00f6nig). Die moderne Ehe ger\u00e4t in Gefahr, so vor\u00fcbergehend zu werden wie eine Fahrt mit der U-Bahn: Einsteigen-Aussteigen-Umsteigen mit kurzen Haltezeiten zwischen zwei Lebensabschnittspartnerschaften. Diese Ehe als Abenteuerurlaub mit Fahrt ins Blaue bietet maximale Abwechslung. Die Endstation bleibt allerdings unbekannt. Auf dem Zielbahnhof stehen relativ viele traurige Singles herum. Daran ist die Ankunft auf der Endstation erkennbar: Nach maximalem Freiheitsgenu\u00df endet das Finale in der Einsamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir kehren zur Polygamie der Vorzeit zur\u00fcck. Unsere unterscheidet sich von den fr\u00fcheren, da\u00df wir Polygamie in den Zeitverlauf eingebaut haben, also nacheinander die Partner aufreihen, w\u00e4hrend fr\u00fcher \u201eVielweiberei\u201c oder \u201eVielm\u00e4nnerei\u201c gleichzeitig genutzt wurden. Beim polygamen Wechselspiel st\u00f6ren vorerst noch die Kinder wie beim Umsteigen die Gep\u00e4ckst\u00fccke. Denn Kinder sind Lasten. Das unterscheidet die neue von der alten Polygamie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im Innenverh\u00e4ltnis der ehelichen Zweisamkeit dr\u00e4ngen sich die wirtschaftlichen Gesichtspunkte vor. Es gelten in dem modernen Familienrecht bevorzugt die Gesetze der \u00c4quivalenz, also Leistung f\u00fcr Gegenleistung, die in der Tauschgesellschaft zu Hause sind. Der Tausch ist allerdings entgegen den Lehrb\u00fcchern der \u00d6konomie nicht die Ursprungskonstellation der menschlichen Gesellung. In der Familie war das Tauschprinzip urspr\u00fcnglich nicht zu Hause. Wie soll sich denn der Tausch in der Urgesellschaft vollzogen haben? Wie soll unter den Nomaden und wie zwischen Nomaden und den ersten Se\u00dfhaften getauscht worden sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn einer des Pfeiles bedurfte und ihn gegen Fleisch eintauschen wollte, mu\u00dfte er jemanden finden, der einen Pfeil zuviel besa\u00df und ihn gegen Fleisch tauschen wollte, obwohl der den Pfeil wollte, nur Felle hergeben konnte. Solch komplizierte Austauschprozesse \u201e\u00fcber vier Ecken\u201c waren erst nach Erfindung des Geldes m\u00f6glich. Tausch ist also nicht die Quelle der urspr\u00fcnglichen menschlichen Sozialit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gabe statt Tausch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sippe wurde eher durch die \u201eSitte der Gabe\u201c zusammengehalten als durch das Gesch\u00e4ft des Tausches. Gabe folgt nicht der Solidarit\u00e4tsform, \u201ewie Du mir, so ich Dir\u201c, welche die \u00c4quivalenz bestimmt, sondern eher der Maxime \u201eEiner f\u00fcr alle \u2013 alle f\u00fcr einen\u201c. Der urspr\u00fcngliche famili\u00e4re Austausch hat mehr mit Geben und Schenken zu tun als mit Tauschen und Vergelten. Die Gabe ist zwar auch auf Gegengabe angelegt. Diese ist aber nicht das Ergebnis des Tausches, sondern eines grundlegenden Anerkennungsverh\u00e4ltnisses, das davon ausgeht, da\u00df das Wohl ein allgemeines Gut ist. Das WIR steht am Anfang. Zum ICH f\u00fchrt der Zugang \u00fcber das DU. Das ist der Gang der Evolution, die auch in ihrer letzten Vollendung ihren Ursprung nie g\u00e4nzlich eliminieren kann. Der Tausch als Gr\u00fcndungsmythos der \u00d6konomie ist, wie neue Forschungen von Maus und anderen nachgewiesen haben, eher das Konstrukt \u00f6konomischer Lehrb\u00fccher im Gefolge von Adam Smith als das Ergebnis anthropologischer Forschung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kultur der Gabe ist mit dem zivilisatorischen Fortschritt keineswegs aus der Welt verschwunden. Jedes Fest ist ein Fest des Schenkens. An Weihnachten beschenken Eltern Kinder. An Allerseelen gedenken Kinder der Eltern. Wahrscheinlich haben die Menschen erst Feste zu feiern verstanden, bevor sie die Kunst der Erwerbst\u00e4tigkeit lernten, und wahrscheinlich haben sie singen k\u00f6nnen, bevor sie mit der Steinaxt die Welt bearbeiteten. Die urspr\u00fcnglichen Feste sind \u201eAuszeiten\u201c an den Knotenpunkten des Lebens, wie beispielsweise Geburt und Tod. Die famili\u00e4re Festlichkeit bewahrt die Erinnerung an diese Urspr\u00fcnge der Kultur auf, in denen auch die Religion entstand. Das Fest und die Familie sind \u00e4lter als \u201edie Wirtschaft\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die letzte Bastion der Gabe ist die Familie. Sie ist der Rest der Kultur des Schenkens, der unter dem versch\u00e4rften Ansturm des homo oeconomicus steht, der seinen Vorteil sucht, sonst nichts! F\u00fcr diese Theorie hat der neoliberale Vordenker Garry S. Becker sogar den Nobelpreis erhalten. Ehe und Familie folgen nicht den Gesetzen der wechselseitigen Vorteilssuche. Die famili\u00e4re F\u00fcrsorge ist nicht das Ergebnis rechnerischer Gegenseitigkeit. Die eheliche Treue entspringt keiner Kosten-Nutzen-Analyse. Die Verl\u00e4\u00dflichkeit ist kein Rechenexempel. Die Beziehungen in den Familien sind asymmetrisch und diskontinuierlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir geben mehr als wir nehmen und wir nehmen mehr als wir geben. Und wir wissen, biblisch gelehrt: Geben ist seliger denn nehmen. Eltern schenken Kindern das Leben. M\u00fctter geb\u00e4ren ihre Kinder unter Schmerzen. F\u00fcr diese Gaben gibt es keine Abrechnung. Und w\u00fcrde ein Mensch am Ende seiner Kindheit eine Abrechnung verlangen, um seinen Eltern auf Euro und Cent die Leistung zu verg\u00fcten, welche diese f\u00fcr ihn aufgebracht haben, so w\u00e4re diese marktwirtschaftliche Reziprozit\u00e4t eine Perversion des famili\u00e4ren Zusammenhaltens und das Ende des Generationenzusammenhangs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter freilich treten die Kinder f\u00fcr die Lebenssicherung der Eltern ein. Das ist freilich kein Tauschgesch\u00e4ft, sondern eine Art von Wiedergutmachung. Deshalb steht das Umlagesystem unserer Rentenversicherung dem famili\u00e4ren Generationenzusammenhalt n\u00e4her, als die private kapitalgedeckte Privatversicherung, in der jeder angeblich f\u00fcr sich selber sorgt. \u201eJede Generation sorgt f\u00fcr sich selber\u201c (Junge Liberale). Auch das vierte Gebot der Ehrung von Vater und Mutter verk\u00fcndet seine Zusage \u201eauf da\u00df es Dir wohl ergehe und Du lange lebst auf Erden\u201c nicht als ein Tauschgesch\u00e4ft sondern als g\u00f6ttliche Verhei\u00dfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vereinbarkeit von Familie und Beruf<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit l\u00e4ngerer Zeit wird die familienpolitische Diskussion durch die Forderung von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dominiert. Die Diskussion ist jedoch gar keine Diskussion, sondern eher eine einstimmige Kundgebung. Ich kenne niemanden, der gegen \u201edie Vereinbarkeit\u201c ist. Die Schuldigen stehen auch fest. Erstens: V\u00e4ter, die keine Familienarbeit leisten. Zweitens: Betriebe, die keine familienfreundliche Arbeitsverh\u00e4ltnisse (Arbeitszeit etc.) anbieten und drittens: der Staat, der nicht Betreuungsangebote fl\u00e4chendeckend bereitstellt. Alles gut und recht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wollen wir \u00fcberhaupt perfekte Vereinbarkeit? Und um welchen Preis? Die moderne Familie war das Ergebnis einer Trennung von privatfamili\u00e4rer und \u00f6konomisch \u00f6ffentlicher Sph\u00e4re. Die moderne Familie ist nicht wie in Agrarzeiten Wohnarbeitsst\u00e4tte. Betrieb und Familie trennten sich. Familienpolitik wurde auf die Pflege und Bewahrung der Intimit\u00e4t der Kernfamilie von Eltern und Kindern konzentriert. Vereinbarkeit stand gar nicht auf dem Programmzettel der Emanzipation der famili\u00e4ren Privatsph\u00e4re. Im Gegenteil. Es ging im Familienlastenausgleich zun\u00e4chst um die Selbst\u00e4ndigkeit der Familie gegen\u00fcber der Wirtschaft. Die auf dem Markt erzielten Einkommensunterschiede zwischen Familie und Kinderlosen sollten kompensiert und die Belastungsdifferenzen ausgeglichen werden. Das Programm Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gar nicht so \u201eeinwandfrei\u201c, wie es dargestellt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Familienarbeit und Erwerbsarbeit folgen unterschiedlichen Lebensmaximen. Wer nicht versteht, da\u00df Arbeit nicht erst Sinn f\u00fcrs Leben macht, wenn sie \u201ef\u00fcr sich\u201c geschieht, sondern da\u00df arbeiten \u201emit und f\u00fcr andere\u201c die urspr\u00fcngliche Konstante unserer Menschwerdung ist, wird f\u00fcr den Eigenwert der Familienarbeit kein Verst\u00e4ndnis aufbringen. Der Eigensinn der Familie ist das \u201eF\u00fcreinander\u201c und deshalb der Antipode des Konkurrenzprinzips \u201eGegeneinander\u201c. Diese Eigenst\u00e4ndigkeit der Familie mu\u00df verteidigt werden, wenn wir der totalen Verwirtschaftung des Lebens entgehen wollen. Selbst der Wirtschaft bek\u00e4me dieser Totalitarismus nicht, weil es der Mensch nicht aush\u00e4lt, nur an sich zu denken. Autismus ist eine Krankheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Programme zur Vereinbarung von Familie und Beruf stehen bei Licht betrachtet unter dem Verdacht, wie ein sanftes Unterwerfungsmittel der Familie unter die Knute der Erwerbsgesellschaft zu wirken. Es handelt sich um ein \u201eUnterst\u00fctzungsprogramm\u201c f\u00fcr die Familie, das die volle Einbeziehung beider Ehepartner in die Lohnarbeit zum Ziel hat. Das vorerst noch st\u00f6rende Element Kind soll durch fr\u00fchestm\u00f6gliche \u00dcberf\u00fchrung in die staatliche Erziehungsarbeit stillgelegt werden. Anstelle der Amateure \u201eMama und Papa\u201c tritt eine professionalisierte Elternschaft namens \u201eSchule\u201c, die f\u00fcr das ganze Kind zust\u00e4ndig ist. Mutterarbeit wird erst anerkannt, wenn sie f\u00fcr die Nachbarkinder eingesetzt wird, wenn die M\u00fctter ihre Kinder austauschen, werden sie bezahlt. Das ist das System \u201eTagesmutter\u201c, in dem Erziehungsarbeit nur als Fremdbetreuung \u201egez\u00e4hlt\u201c wird. Die Anstrengung zur Abschaffung der Elternschaft k\u00f6nnte konsequenterweise bis zum staatlichen Brutkasten vorw\u00e4rts getrieben werden. Dann w\u00fcrden auch Schwangerschaft und Mutterschutz nicht mehr die Vereinbarkeit st\u00f6ren. Die Familie soll sich der Ratio des Erwerbs unterwerfen, weil in ihr nur, wer am Erwerb teilnimmt, anerkannt wird. Der Imperialismus der Erwerbsgesellschaft schickt sich an, die Familie zu erobern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon Emil Durkheim, ein Bahnbrecher der Soziologie, schw\u00e4rmte von dem Ersatz der Familie durch die Schule. \u201eErziehung ist dann selbst Teil der entlohnten Erwerbsarbeit.\u201c Wir haben hier also einen entscheidenden einzigartigen und unersetzlichen Augenblick, wo wir das Kind erfassen k\u00f6nnen, wo die L\u00fccken unserer sozialen Institutionen noch nicht zu tief seine Natur ver\u00e4ndert und seine Gef\u00fchle haben erwecken k\u00f6nnen. Die Enteignung der Kindheit durch Verschulung hat eine doppelte Funktion: Vereinbarkeit von Familie und Beruf hei\u00dft erstens Entlastung der Eltern von der unentgeltlichen Arbeit f\u00fcr Kinder und zweitens Konditionierung der Kinder f\u00fcr den maximalen Berufseinsatz. Mit dem Programm Kinderhort, Kindertagesst\u00e4tte, Kindergarten, Ganztagsschule, schulische Ferienbetreuung sind die L\u00fccken der Verstaatlichung der Kindheit schon fast geschlossen. Die Schlafzeit ist noch in festen H\u00e4nden der Familie. Wahrscheinlich kommt der aufgeregte Eifer der Schulreformen erst dann zur Ruhe, wenn die ganze Kindheit \u2013 von der Wiege bis zur Berufsrente in ein staatliches Rund-Um-Internat gezw\u00e4ngt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Flexibel, mobil, ungewi\u00df<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede 8. Ehe in Deutschland lebt in einer Fernbeziehung. Liebe wird zu Telepathie. Es geht von der Se\u00dfhaftigkeit, die wir uns \u00fcber Jahrtausende m\u00fchsam angew\u00f6hnt hatten, wieder zur\u00fcck zum Nomadentum. Mit Green-Card sogar global. Die Informatiker kommen aus Bangalore und die Krankenschwester aus Mali, allerdings allein, \u201eohne Familienballast\u201c. Die Ehe folgt der Platzanweisung, die durch die imperiale Wirtschaft gesetzt wird. Flexibel und mobil, am besten auf Abruf, befristet, ausgeliehen, arbeitet der moderne Jobhopser. Die beiden Ehepartner sollen dort arbeiten, wo sie Arbeit finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So werden Trennw\u00e4nde zwischen Familie und Erwerbsarbeit geschliffen. Der Unterschied zwischen Privat und \u00d6ffentlich wird niedergewalzt. Die Erwerbsgesinnung nistet sich in jede Nische der Gesellschaft ein. Der moderne Arbeitnehmer ist immer im Dienst, abrufbar: mit Handy am G\u00fcrtel und dem Computer auf dem Nachttisch jederzeit erreichbar. Feierabend und Familie sind Nostalgie. Familien sind in vielen F\u00e4llen l\u00e4ngst zu Filialen der Betriebe mutiert. Die so bewunderte Vereinbarkeit von Familienarbeit und Erwerbsarbeit wird jedoch von einer geheimen Traurigkeit erfa\u00dft, die aus dem Verlust der eigensinnigen Familienwelt besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Paradoxien des \u201eFortschritts\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, da\u00df ausgerechnet die linke Arbeiterbewegung eingeschwenkt ist auf das Programm der r\u00fccksichtslosen Integration auch der letzten Frau in die von ihr als repressiv bek\u00e4mpften Leistungsgesellschaft. Offenbar sollen Frauen zusammen mit den M\u00e4nnern erst unterdr\u00fcckt werden, um sich sodann leichter zusammen mit diesen aus dem Elend zu befreien. Das ist eine Dialektik von der feinsten Art, n\u00e4mlich der spitzfindigsten. Auf der anderen Seite machte die feministische Bewegung von jeher die Hausarbeit als Ursprungsland der Unterdr\u00fcckung aus. Sie erkennt in der Fabrikarbeiterin, die in einer Schicht am Flie\u00dfband 2.000 Schrauben anzieht, immer noch mehr Emanzipation als in der Arbeit der Mutter. Sie \u00fcbersieht allerdings, da\u00df der Anteil der Freiwilligkeit an der Flie\u00dfbandarbeit unvergleichlich geringer ist als bei der Arbeit der Mutter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sp\u00e4tb\u00fcrgerliche Verniedlichung des Spannungsfeldes Wirtschaft-Familie leidet unter einer gewissen Lebensferne. Prototyp der Verehrung ist die Frau, die m\u00fchelos Familie und Beruf vereinen kann. Die gehobene sechsfache Mutter mit Kinderfrau und Reitlehrern eignet sich jedoch nicht zur Ikone, vor welcher die gerade zur Pflegerin umgeschulte ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin mit Ehemann im Niedriglohnsektor drei Kinder knien soll. Es ist eben nicht alles nur eine Organisationsfrage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn im Erwerbssektor ordentlich verdient wird, mu\u00df die Familienzone nicht auf gn\u00e4dige H\u00e4ppchen und organisatorisches Entgegenkommen der Wirtschaft hoffen. Die Synergie, welche aus einer echten Kooperation von Familie und Beruf gesch\u00f6pft werden kann, ist eine von Niedrigl\u00f6hnen und \u201eburn out\u201c befreite Berufswelt. Die optimal \u201eVereinbarten\u201c sind Leiharbeiter, befristet Besch\u00e4ftigte. Auf Abruf T\u00e4tige, die erst gar keine Familie gegr\u00fcndet haben, um sich so unbeschwert der Berufsarbeit zu widmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein geordnetes Nebeneinander von Familie und Beruf, das beiden ihr eigenes Terrain bel\u00e4\u00dft, bedeutet allerdings nicht, da\u00df Familie f\u00fcr den Vater \u201earbeitsfreie\u201c Zone ist. Die Trennung von privater und \u00f6konomischer Sph\u00e4re hat keineswegs zur Voraussetzung, da\u00df die Mutter allein f\u00fcr Familienarbeit zust\u00e4ndig ist. Familienarbeit ist Teil einer partnerschaftlich famili\u00e4ren Arbeitsteilung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vereinbarkeitsrhetorik verdeckt eine Reihe von strukturellen Problemen. Dazu geh\u00f6rt die Frage, ob das Erwerbseinkommen nur dem Ehepartner zugerechnet wird, der es \u201everdient\u201c, oder auch dem, der es mit seiner Familienarbeit erm\u00f6glicht. In die Fragestellung geht auch ein, wie sich Mutter und Vater eine gute Kindheit ihrer Kinder vorstellen. Die Frage ist also nicht nur, wie Frauen ein chancengleicher Zugang zur Erwerbsarbeit er\u00f6ffnet wird, sondern wie unter dem Ansturm des globalen \u00d6konomismus die Familienarbeit der wechselseitigen Sorge (ohne Entgelt) ein Lebensraum erhalten bleiben kann, in der die Aufgaben herrschaftsfrei, n\u00e4mlich partnerschaftlich zwischen Mann und Frau und Kindern geteilt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was auf der gro\u00dfen B\u00fchne des kulturellen Wandels und der gesellschaftlichen Strukturprozesse geschieht, findet sein Echo in den konkreten Ver\u00e4nderungen des Familienrechts. Das Scheidungsrecht antizipiert den Verfall des Familienrechtes. Wie so oft in Umbruchzeiten nimmt die Ausnahme von heute die Normalit\u00e4t von morgen vorweg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Schuld zur Zerr\u00fcttung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis 1977 galt das Schuldprinzip in Sachen Ehescheidung. Es wurde durch das Prinzip Zerr\u00fcttung ersetzt. Damit folgt das Eherecht einem allgemeinen Trend der Rechtsentwicklung. Schuld und S\u00fchne traten zugunsten von Resozialisierung und Rehabilitation zur\u00fcck. Strafe verwandelt sich in Therapie. Sichtbar wird das an der Ver\u00e4nderung der Unterhaltsregelungen im Scheidungsrecht. Es spiegelt ungewollt die famili\u00e4re Kulturrevolution. Der Unterhaltsanspruch hat sich inzwischen zu einer Art Eingliederungshilfe mit begrenzter Dauer entwickelt. Die Leistungen f\u00fcr die geschiedene Mutter, die sich in der Ehe \u201ehauptberuflich\u201c den Kindern und dem Haushalt gewidmet hat, \u00e4hneln immer st\u00e4rker dem Charakter nach den Einarbeitungszusch\u00fcssen f\u00fcr Langzeitarbeitslose. F\u00fcr die feministische Bewegung ist die nicht erwerbst\u00e4tige Mutter sowieso eine Arbeitslose, die sich von den \u00fcbrigen Arbeitslosen nur dadurch unterscheidet, da\u00df sie als Mutterarbeiterin dem Arbeitsmarkt nicht zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Betreuungsunterhalt soll die geschiedene Mutter das Kind ab dem dritten Lebensjahr in die \u201eFremdbetreuung\u201c \u00fcbergeben. So will es neuerdings der Bundesgerichtshof. Die geschiedene Mutter mit Kind soll also im gleichen Umfang erwerbst\u00e4tig sein wie der geschiedene Vater ohne Kind. Erziehungsarbeit ist n\u00e4mlich in diesem h\u00f6chstrichterlichen Verst\u00e4ndnis keine Arbeit. Als Arbeit gilt offenbar nur die Erwerbsarbeit des Vaters. In dem Streit um den Betreuungsunterhalt des Kindes taucht das Wohl des Kindes gar nicht oder nur am Rand auf. Im Zentrum stehen Erwerbszumutungen der einen Seite gegen Unterhaltspflichten der anderen. Es streiten zwei, was f\u00fcr sie gut sei, ohne zu fragen, was f\u00fcr das Kind das Beste ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein mir bekannter Ehemann, der in Saus und Braus im Ausland lebt, verlangt von seiner mit drei Kindern zur\u00fcckgelassenen Ehefrau, da\u00df sie ihre Stundenzahl als Lehrerin erh\u00f6ht, damit er seinen Betreuungsunterhalt senken kann. Wei\u00df der entlaufene Vater, der in Moskau einen Porsche als Zweitwagen f\u00e4hrt, wie der Schulalltag heutzutage organisiert sein mu\u00df, um die Kinder \u201em\u00fctterlich\u201c zu betreuen? Der dazu geh\u00f6rige Rechtsanwalt setzt der Frivolit\u00e4t die Krone auf, indem er gener\u00f6s vorschlug, die Lehrerin solle auf ihre besondere Lehr-Qualifikation verzichten und zum einfachen Unterricht zur\u00fcckkehren, dann k\u00f6nne sie mehr Stunden mit weniger Vorbereitungszeit geben. Das ist ein sonderbares Emanzipationsverst\u00e4ndnis, indem von der Frau verlangt wird, auf selbst erworbene Qualifikation zugunsten der Kasse des Mannes zu verzichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paradigmenwechsel im Eherecht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alte Eherecht hatte den schuldig geschiedenen Vater im Visier. Er zahlte alles und zwar nach den Lebensverh\u00e4ltnissen der Ehegatten. Der Unterhalt war eine Art Schadensersatz. Die schuldig geschiedene Ehefrau zahlte dagegen nur \u201eangemessenen Unterhalt\u201c. Bei beiderseitigem Verschulden z\u00e4hlte die Billigkeit. Zusammengefa\u00dft l\u00e4\u00dft sich behaupten: \u201eDas alte Recht gab der unschuldig geschiedenen Frau fast alles, der schuldig geschiedenen allerdings nichts\u201c (Dieter Schwab). Im Hintergrund dieses Denkschemas steht der schuldige Patriarch, der \u201egestraft\u201c werden soll. An der Korrektur dieser geschlechtsspezifischen Einseitigkeiten setzt die Eherechtsreform 1977 zurecht an, sch\u00fcttete jedoch das Kind mit dem Bade aus. Gewinner der neuen Regel war die Ehefrau, die, ihres Ehemannes \u00fcberdr\u00fcssig, sich einen neuen Liebhaber besorgt und sich vom alten Ehegatten mit Zugewinn, Versorgung und Unterhalt ein Leben lang gut aushalten l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Phantomgestalt erschien zu Abschreckungszwecken die \u201eflotte Chefarztgattin\u201c in der Eherechtsdebatte, die aus Gr\u00fcnden attraktiverer Alternativen ihren zerm\u00fcrbten Ehemann verlassen hat, ihn aber weiterhin finanziell auslaugt. Das maskuline R\u00fcckspiel setzte 1986 ein. Die Unterhaltsanspr\u00fcche wurden zeitlich begrenzt und an die das \u201eEheleben pr\u00e4genden Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c gebunden. Das waren zwei wesentliche Einschr\u00e4nkungen des Unterhaltsrechts. Gewinner waren jetzt die \u201eflotten M\u00e4nner\u201c im zweiten Fr\u00fchling ihres Lebens, die zugunsten ihrer neuen Liebe die alte versto\u00dfen hatten. Jetzt waren die Frauen, die mit der Ehe eine dauerhafte famili\u00e4re Lebensplanung verbunden hatten, die \u201eDummen\u201c des neuen Scheidungsrechts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie n\u00e4mlich hatten ab sofort die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und der Wirt war der allein \u2013 oder h\u00f6her verdienende Ehemann. Ihm und den Kindern zuliebe hatte sich die Mutter auf den zweiten Platz in der famili\u00e4ren Einkommensbeschaffung eingelassen. Das entsprach ihren gemeinsamen Vorhaben. Jetzt nachdem das Projekt gescheitert war, stand die \u201eHausarbeiterin\u201c da, als h\u00e4tte sie in der Ehe nur Ferien gemacht. Nach der Trennung und einer \u00dcbergangszeit beginnt f\u00fcr die \u201eZur\u00fcckgebliebene\u201c die Neuregelung des Lebensstatus bei Null. Die gemeinsam der Ehe pr\u00e4genden Erwartungen landen irgendwann in Nirwana. Jeder sorgt f\u00fcr sich. \u201eDu bekommst nicht mein russisches Geld\u201c stellte einer lapidar fest, der Haus, Hof, Ehefrau und Kinder Hals \u00fcber Kopf verlassen hatte, um im Ausland reich zu werden. Es ist \u201esein Geld\u201c, von dem die ehemalige Ehefrau gn\u00e4dig vor\u00fcbergehend, wenn sie Gl\u00fcck vor Gericht hat, etwas abbekommt. Wie \u201esein Geld\u201c zustande kam und welchen Beitrag die verlassene Ehefrau dazu geleistet hat, geht offensichtlich niemand etwas an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Ehe wie eine Aktiengesellschaft betrachtet wird, in die man Anteile einbringt, abzieht und an neuer Stelle wieder unterbringt, dann ist das neue Eherecht konsequent. Das kann man nicht bestreiten. Nur wollen wir das so? War das beabsichtigt? Was w\u00e4re aber gewesen, wenn seine Ehefrau ihn nicht geheiratet h\u00e4tte, keine Kinder erzogen und nicht seine Karriere gef\u00f6rdert h\u00e4tte? Solche nachtr\u00e4glichen Rechnungen lassen sich gar nicht aufmachen. In unserem Fall hat die berufst\u00e4tige Ehefrau und Mutter sogar die langzeit-dilettierende, m\u00fchsame Promotion ihres Gatten mitfinanziert und sogar sein Baf\u00f6g mit zur\u00fcckgezahlt. Aus dem Ehe- und Familienrecht schwindet offenbar jedweder Gedanke der Kontinuit\u00e4t und nach wirkender gemeinsame Verantwortung f\u00fcreinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gemeinsame Verantwortung aus gemeinsamer Lebenszeit mit dem Partner l\u00e4\u00dft sich nur mit einem gesetzlich erzwungenen Ged\u00e4chtnis-Schwund ausschlie\u00dfen. Dazu mu\u00df man noch Moralit\u00e4t aus allen Bindungen und Beziehungen eliminieren. Denn Moral gilt nicht nur augenblicklich, und Verantwortung ist kein Event. Die Leitfigur des neuen Scheidungsrechts ist ein Kunstmensch ohne Ged\u00e4chtnis und Moral. Er ist vergleichbar der Existenz eines Idioten. Das moderne Scheidungsrecht ist ein idiotisches Eherecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf was lassen sich die Ehepartner bei der Heirat eigentlich ein? Was in der Zeit ihrer Scheidung gilt, war bei der Hochzeit noch gar nicht bekannt. Das moderne Eherecht \u00e4ndert sich mit einer Wechselhaftigkeit, die bei Moden und dem Wechsel zwischen kurzen und langen R\u00f6cken \u00fcblich ist. Vertrauensschutz ist jedoch eine rechtsstaatliche Elementarvoraussetzung. Man mu\u00df wissen, was nicht nur heute gilt. Im Eherecht ist Vertrauensschutz Begleitung von auf Dauer angelegten Eheverh\u00e4ltnissen. Aber wie soll auf Dauer angewiesenes Vertrauen entstehen, wenn alles im Flu\u00df ist? Die \u201esich ver\u00e4ndernden Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c als Ma\u00dfstab des neuen Scheidungsrechtes offenbaren ungewollt die Konfusionen des Familienrechtes. Die Ver\u00e4nderungen werden an den Ver\u00e4nderungen gemessen. Das ist die gro\u00dfe Kehre von Verl\u00e4\u00dflichkeit zur Unberechenbarkeit. Der Orientierungswechsel gleicht dem Versuch des Skifahrers, der sich die Slalomfahnen auf den R\u00fccken gebunden hat, um nicht anzusto\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Familiengerichte ebnen im vorauseilenden Gehorsam die Bahnen, zu denen dem Gesetzgeber noch der Mut fehlt. Der Bundesgerichtshof entwickelt sich zur selbstreferentiellen Beh\u00f6rde eines familienfeindlichen Eherechtes. Er entzieht Ehe und Familie den besonderen Schutz des Grundgesetzes (Art. 6). Das Bundesverfassungsgericht legte zwischenzeitlich dem \u00dcbereifer des Gerichtes bereits Z\u00fcgel an. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, da\u00df eine Gro\u00dfe Koalition des vermeintlichen Fortschritts mit enormem Flei\u00df die Ehe und die Familie zerm\u00fcrben, auf da\u00df die ungebremste neoliberale Verwirtschaftung das ganze Leben in seinen Strudel rei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Woher kommt Rettung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der feministischen Bewegung ist keine Lebenshilfe f\u00fcr Ehe und Familie zu erwarten. Die Hausfrau und Mutter war nie die Klientel der modernen Frauenbewegung. Gewinner der emanzipativen Entkoppelung der Ehepartner sind die \u00e4lteren Herren, die in einem zweiten juvenilen Fr\u00fchling ihre alten Ehefrauen entsorgen und gegen eine junge frische tauschen. Mehr alleinstehende Frauen im Alter sind das traurige Ergebnis dieser Art der Emanzipation. Gibt es nicht doch eine Kraft, welche die Ehe gegen alle wirtschaftlichen Nutzenerw\u00e4gungen und Individualisierungsfixierungen am Leben erh\u00e4lt? Wieso ist die Ehe nicht l\u00e4ngst vor die Phalanx m\u00e4chtiger \u00f6konomisierten Interessen in die Knie gegangen? Ist die Liebe nur eine Sentimentalit\u00e4t und die Ehe nur eine liebliche Nostalgie? Was war der Grund, da\u00df in den Wirren des Krieges und den Turbulenzen der Nachkriegszeit die Frauen ihre vermi\u00dften M\u00e4nner und die M\u00e4nner ihre vertriebenen und gefl\u00fcchteten Frauen in ganz Deutschland suchten und fanden. Ist in der Ehe und Familie doch eine anthropologische Konstante eingebaut, die gegen alle Widerst\u00e4nde auf evolution\u00e4re Entfaltung dr\u00e4ngt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hier taucht unvermutet mein platonisches \u201eM\u00e4rchen\u201c wieder auf. Ist in dem Mythos vom urspr\u00fcnglichen \u201eMannweib\u201c nicht die Erinnerung erhalten, da\u00df sich weder der Mann noch die Frau alleine gen\u00fcgen? Von der Sehnsucht nach dem anderen berichten viele alte Geschichten. \u201eEs ist nicht gut, da\u00df der Mensch allein bleibt\u201c. (Gen. 2,18) Deshalb ersehnt er den \u201eals Mann und Frau\u201c. (Gen 1,27)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist die menschliche Person auf Dualit\u00e4t ausgelegt? Ist das Ich nur \u00fcber das Du erreichbar, wie es die Buber\u2018sche Dialogphilosophie vermutet? Ersch\u00fcttern die gro\u00dfen Lebenstrag\u00f6dien von Anna Karenina, Madame Bovary und Effie Briest nicht gerade deshalb unsere Gem\u00fcter, weil wir uns einf\u00fchlen k\u00f6nnen in die Katastrophen der unerf\u00fcllten oder gar zerst\u00f6renden Liebe. Heloise und Abelard, Tristan und Isolde, Romeo und Julia haben im anderen nicht sich selbst gesucht, sondern die Vollendung des Menschen, der aus Frau und Mann besteht (siehe Platon).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zweisamkeitsidee beunruhigte schon fr\u00fch die gesellschaftliche Entwicklung und untersp\u00fclte bisweilen harte Herr- und Gefolgschaft. Penelope h\u00e4lt dem abwesenden Abenteurer Odysseus zehn Jahre in gro\u00dfer Bedr\u00e4ngnis die Treue. Ilias und Odyssee sind auch Geschichten gro\u00dfer Liebe. Die Idee der ehelichen Treue ist eine starke kulturelle Kraft. Selbst brutale Kollektivierungen haben die Idee der Ehe und Familie als Zufluchtsort des Widerstandes gegen die Vermachtung des Menschen nie g\u00e4nzlich ausl\u00f6schen k\u00f6nnen. Franz\u00f6sische Revolution wie sowjetische versuchten vergebens, Ehe und Familie zu zerst\u00f6ren. Die Maoisten waren die letzten in der Reihe der gro\u00dfen Familienruinierer. Bisher sind diese Modernisierer mit ihren gewaltsamen Versuchen gescheitert. Werden es die neoliberale Softies auf leisen Sohlen schaffen, was den Gewaltsystemen mi\u00dflungen ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnte die Ehe, gereinigt von historischen Verirrungen, sozialen Verengungen und wirtschaftlichen Verk\u00fcmmerungen, befreit von autorit\u00e4ren Strukturen nicht der Nukleus einer herrschaftsfreien partnerschaftlichen Gesellschaft sein? Also einer Gesellschaft, in der nicht nur \u201eOben und Unten\u201c, \u201eLeistung und Gegenleistung\u201c, \u201eGeld und Geltung\u201c gilt, sondern \u2013 man traut es sich kaum zu sagen \u2013 auch Sympathie und Liebe. Vielleicht lassen sich dann die unvermeidlichen Gesetze der Biologie (Alter) und vermeintlichen Zw\u00e4nge der \u00d6konomie (Abh\u00e4ngigkeit) nicht nur leichter ertragen, sondern sogar mildern oder gar zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Ist in der partnerschaftlichen Ehe vielleicht ein utopisches Moment enthalten, auf das wir evolution\u00e4r angelegt sind? Freilich ist dieses Ideal immer vom Scheitern bedroht. Das Scheitern einer Idee ist jedoch noch nicht ihr Dementi. Mu\u00df es f\u00fcr den Fall der Ehescheidung und des Scheiterns nicht doch ein human geregeltes Nachwirken geben, das den Versuch, zusammen zu leben, nicht wie ein Versehen oder gar Versagen bewertet? L\u00e4\u00dft sich der Kairos der Liebe (der im \u201eDie oder Keine\/ Der oder Keiner\u201c gipfelt) einfach annullieren und spurlos beseitigen? Ist die Amnesie amtliche Scheidungsbedingung? Wenn die Ehe die intensivste und intimste Sozialbeziehung ist, dann ist sie auf Dauer angelegt. Die Dauer ist die s\u00e4kulare Variante der Ewigkeit. Das Dauerhafte steht \u00fcber dem Vor\u00fcbergehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die sichtbare Transzendenz der Ehe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dauerhaftigkeit der Ehe wird im Kind anschaulich. Eltern leben in deren Kinder weiter. Kinder sind die Br\u00fccke der Ehe zur Transzendenz, die sich in der Familie in der horizontalen Dimension erstreckt. Horizontale und vertikale Transzendenz kreuzen sich in der Familie. Die Folge einer Horizontverengung des individuellen Lebens ist die kinderlose Gesellschaft. Ihr Preis ist die Zukunftslosigkeit. Die Kinder sind die ersten, welch die Folgen der Kurzweiligkeit der modernen Lebensabschnittpartnerschaft tragen. Demographie ist nicht lediglich Biologie, sondern auch die Futurologie einer kinderlosen Gesellschaft, der die Zukunft ausgegangen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Verteidigung der Familie wird Privatheit verteidigt. Die private Sph\u00e4re ist das Ergebnis eines jahrhundertlangen Zivilisationsprozesses der Emanzipation von der Allzust\u00e4ndigkeit der Macht. \u201ePrivatheit\u201c mu\u00dfte Wirtschaft und Gesellschaft und Staat abgerungen werden. Soll dieser Emanzipationsgewinn jetzt zur\u00fcckgeholt werden? Die Ehe als Dependance der Wirtschaft und die Kindheit als Filiale des Staates? Es k\u00f6nnte sein, da\u00df mit dem Schicksal der Familie auch freiheitliche Traditionen abgebaut werden. Denn die Trennung von Privat und \u00d6ffentlich geh\u00f6rt zu modernen Gewaltenteilen, die uns vor dem Totalitarismus einer allgegenw\u00e4rtigen \u00d6ffentlichkeit sch\u00fctzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die staatliche Familienpolitik hat inzwischen eine Art von Modernit\u00e4t erreicht, in der niemand recht wei\u00df, welche Funktion die Familie im Zusammenleben der Menschen \u201espielen\u201c soll. Die Frage l\u00e4\u00dft sich nur beantworten, wenn man \u201esich Gedanken macht\u201c, wie eine gute Gesellschaft eingerichtet sein soll, in der ein gelungenes Leben m\u00f6glich ist. Wir m\u00fcssen unsere Hoffnung auf Verfassung und Verfassungsgericht setzen, da\u00df sie den grundgesetzlichen besonderen Schutz von Ehe und Familie notfalls auch gegen den Bundesgerichtshof und den Zeitgeist verteidigen wird. Ohne eine Gesinnungsreform jedoch wird es auch keine \u201eZust\u00e4ndereform\u201c geben. Nur wo bleibt meine CDU?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Norbert Bl\u00fcm war von 1982 bis 1998 Bundesminister f\u00fcr Arbeit und Sozialordnung in der Regierung Kohl.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Die Neue Ordnung, Nr. 6\/2012, Jahrgang 66<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.die-neue-ordnung.de\/\">www.die-neue-ordnung.de<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Norbert Bl\u00fcm Eine der sch\u00f6nsten Geschichten von der Liebe zwischen Mann und Frau wird in Platons Symposion erz\u00e4hlt. Einst lebten die Menschen als \u201eMannweiber\u201c unentschieden nach Geschlecht. Die \u201eMannweiber\u201c waren m\u00e4chtige Wesen; \u201ean Kraft und St\u00e4rke waren sie gewaltig und hatten auch noch gro\u00dfe Gedanken\u201c. 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