{"id":8810,"date":"2012-12-07T15:27:08","date_gmt":"2012-12-07T13:27:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8810"},"modified":"2012-12-07T15:27:08","modified_gmt":"2012-12-07T13:27:08","slug":"junge-christinnen-verschwinden-oft-fur-immer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8810","title":{"rendered":"Junge Christinnen verschwinden \u2013 oft f\u00fcr immer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ein Tabuthema. In \u00c4gypten verschwinden unz\u00e4hlige junge Christinnen und werden zu Heirat und Konversion gezwungen. Zweifellos sind es Hunderte. Sind es Tausende? Zehntausende? Wir wissen es nicht. Aber jedes einzelne Opfer ist eines zu viel! \u00abVerletze dich mit einem Messer, damit du in ein Krankenhaus kommst\u00bb, r\u00e4t der verzweifelte Vater seiner Tochter Mariam (Name ge\u00e4ndert).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00abBei Allah: Ich werde euch t\u00f6ten!\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mariam war 19-j\u00e4hrig, als sie verschwand. Sie hatte ihre Ausbildung zur Computertechnikerin abgeschlossen. Am 20.\u2009Mai 2011 ging sie wie gewohnt zur Arbeit. Sie kehrte nicht mehr zur\u00fcck. Um 18 Uhr meldete Mariams Mutter ihre Tochter bei der Polizei als vermisst. Um 23 Uhr kam die Polizei zum Haus von Mariams Eltern und informierte sie, dass ihre Tochter einen Muslim geheiratet habe. Die Mutter erlitt einen Schlaganfall. Die Familie akzeptierte die Heirat schlie\u00dflich widerwillig.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Monat nach ihrem Verschwinden rief Mariam ihren Vater an. Schluchzend entschuldigte sie sich f\u00fcr das Vorgefallene. \u00abSag meiner Mutter, dass ich sie vermisse\u00bb, bat sie ihn. Durch das Telefon h\u00f6rte der Vater, wie jemand den Raum betrat, dann wurde die Verbindung unterbrochen. Als er zur\u00fcckrief, meldete sich der Ehemann. Er schwor bei Allah, dass er den Vater und seine Familie umbringen und ihre Kirche anz\u00fcnden werde, wenn sie Mariam nicht in Ruhe lassen w\u00fcrden. \u00abDu weisst, dass ich das tun kann\u00bb, drohte er. Nat\u00fcrlich, der Vater wusste es. Dass Christen get\u00f6tet und Kirchen zerst\u00f6rt werden, kommt in \u00c4gypten erschreckend oft vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vom Staat im Stich gelassen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mariam hat ihren Vater bereits achtmal angerufen und um Hilfe gebeten. Sie werde gefangen gehalten und geschlagen. Der Vater weiss sogar, wo sich Mariam befindet, er f\u00fcrchtet jedoch die Folgen, wenn er dorthin gehen w\u00fcrde. Er wagte es, einen Anwalt einzuschalten. Dieser richtete drei Forderungen an den Generalstaatsanwalt: Er solle sich erstens mit den Drohungen gegen den Vater und die Kirche befassen -der Vater hat das Telefongespr\u00e4ch n\u00e4mlich aufgezeichnet. Zweitens m\u00fcsse dem Vater erlaubt werden, seine Tochter zu besuchen. Drittens m\u00fcsse die Tochter erz\u00e4hlen d\u00fcrfen, was passiert sei. Wenn sie ihren muslimischen Ehemann wirklich freiwillig geheiratet habe, werde man das akzeptieren. Sechs Monate sp\u00e4ter hat der Generalstaatsanwalt immer noch nicht reagiert. In dieser hoffnungslosen Lage f\u00fcgte sich Mariam tats\u00e4chlich selber Verletzungen zu. Sie wurde aber nicht ins Krankenhaus gebracht. Ein Arzt besuchte sie \u00abzu Hause\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unz\u00e4hlige betroffen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mariam ist nur eine von vielen. Wie viele Koptinnen betroffen sind, ist unbekannt. CSI nennt keine bestimmte Zahl. Klar ist aber, dass es sich nicht um Einzelf\u00e4lle handelt. Viele junge Christinnen werden entf\u00fchrt. Manche werden unterwegs \u00fcberfallen und in ein Auto gezerrt. Andere werden von (vermeintlichen) Freunden in eine Falle gelockt. Es gibt aber auch Koptinnen, die freiwillig zu muslimischen M\u00e4nnern gehen. Die Gr\u00fcnde sind verschieden: Es gibt junge Koptinnen, die sehr streng erzogen wurden und aus ihrem Elternhaus ausbrechen wollen. Andere sind ungl\u00fccklich verheiratet, werden zum Beispiel geschlagen, und fl\u00fcchten so in eine Beziehung mit einem Muslim. Bei allen d\u00fcrfte der Wunsch nach Freiheit, nach Gleichberechtigung eine gro\u00dfe Rolle spielen: Sie k\u00f6nnen die allt\u00e4gliche Diskriminierung und Beschimpfung als Angeh\u00f6rige einer religi\u00f6sen Minderheit nicht mehr aushalten und versuchen, \u00abwie die andern\u00bb zu werden. Dass sie dann vom Ehemann und dessen Familie eingesperrt werden und jeden Kontakt zu ihrer eigenen Familie abbrechen m\u00fcssen, damit rechnen sie nicht. Deshalb m\u00fcssen diese Vorf\u00e4lle unbedingt bekannter werden. Gerade die koptische Kirche kann da einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die jungen Frauen dar\u00fcber aufkl\u00e4rt, was aus einer \u00abromantischen Liebesaff\u00e4re\u00bb werden kann. Klare Dokumentation n\u00f6tig<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Thema unsres Berichts ist heikel. Nur wenige sind bereit, diese Missst\u00e4nde \u00f6ffentlich zu benennen. Unser Bericht schafft die Basis daf\u00fcr, dass weitere Organisationen und Regierungsstellen das Thema aufnehmen und sich f\u00fcr eine Verbesserung der Lage einsetzen. CSI empfiehlt sowohl der \u00e4gyptischen Regierung als auch der koptischen Kirche, Zwangsheiraten und Zwangsbekehrungen gezielt zu dokumentieren und zu registrieren. Religi\u00f6se Diskriminierung im Bildungssektor, am Arbeitsplatz und in den Medien muss strafrechtlich geahndet werden. Zudem soll der \u00dcbertritt zu einem anderen Glauben erst ab 18 Jahren erlaubt sein. H\u00e4ufig sind n\u00e4mlich Minderj\u00e4hrige betroffen. Die Polizei wird dazu angehalten, F\u00e4llen nachzugehen, in denen das Verschwinden von jungen Koptinnen gemeldet wird \u2013 viel zu oft steckt sie mit den T\u00e4tern unter einer Decke.<\/p>\n<p><em>Adrian Hartmann<\/em><\/p>\n<p><em>CSI-newsletter 4.12.12<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Tabuthema. In \u00c4gypten verschwinden unz\u00e4hlige junge Christinnen und werden zu Heirat und Konversion gezwungen. Zweifellos sind es Hunderte. Sind es Tausende? Zehntausende? Wir wissen es nicht. Aber jedes einzelne Opfer ist eines zu viel! \u00abVerletze dich mit einem Messer, damit du in ein Krankenhaus kommst\u00bb, r\u00e4t der verzweifelte Vater seiner Tochter Mariam (Name ge\u00e4ndert). 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