{"id":880,"date":"2005-03-05T16:30:49","date_gmt":"2005-03-05T14:30:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=880"},"modified":"2009-09-07T17:05:59","modified_gmt":"2009-09-07T15:05:59","slug":"festpredigt-anlasslich-der-bischofsweihe-und-ordination","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=880","title":{"rendered":"Festpredigt anl\u00e4sslich der Bischofsweihe und Ordination"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Evangelisch-Lutherische Kirche in Kenia (ELCK)<br \/>\nFestpredigt anl\u00e4sslich der Bischofsweihe und Ordination<br \/>\nam 5. Februar 2005 in G\u00f6teborg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eWarum sind wir heute hier?\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Datum \u201e5. Februar 2005\u201c wird in Zukunft einen dauerhaften Platz in der lutherischen Geschichte haben. An diesem besonderen Tag bekommt die Missionsprovinz innerhalb der lutherischen Kirche in Schweden mit Arne Olsson ihren ersten Bischof. Am gleichen Tag bekommen die lutherischen Christen in den lutherischen Kirchen Schwedens und Finnlands neu ordinierte Pastoren, die ihnen mit Gottes Wort und den heiligen Sakramenten dienen sollen. In all diesem, was wir hier in G\u00f6teborg ausgerichtet haben, wird aufs Neue der Satz verwirklichte, den der Apostel Paulus bei den Ephesern verwirklichte: \u201eEr [der Herr] ist aufgefahren zur H\u00f6he und hat Gefangene mit sich gef\u00fchrt und hat den Menschen Gaben gegeben\u201c (Eph. 4,8).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Datum, der 5. Februar 2005, stellt nat\u00fcrlich die Frage: Warum sind wir hier, wir, die aus verschiedenen Teilen der ganzen Welt hierher gekommen sind? Warum wir aus Afrika, aus Osteuropa, Deutschland, Skandinavien und Nordamerika? Diese Frage kann uns auch bis zu einem gewissen Grad aus Entr\u00fcstung gestellt werden, aber auch aus Verwirrung oder, weil man peinlich ber\u00fchrt ist. Aber wir d\u00fcrfen aber auch nicht vergessen, dass es lutherische Christen in Schweden und Finnland gibt, die auf diese Frage mit tiefster Dankbarkeit antworten. Deren Gebete wurden auf die gleiche Weise erh\u00f6rt wie damals, als der Apostel Paulus den Bitten aus Mazedonien dem Ruf Folge leistete \u201eKomm her\u00fcber nach Mazedonien und hilf uns!\u201c (Apg. 16,9) Wir sind nicht nach G\u00f6teborg aus leichtsinniger Vorliebe zu Abenteuern gekommen. Die Ursache, warum wir hierher gekommen sind, will ich allen, die aus dem einen oder andern Grunde diese Frage stellen, unzweideutig erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>1. Wir sind hier, weil die christliche Liebe und Solidarit\u00e4t dies erfordert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder wurde die Motivation f\u00fcr meinen Entschlu\u00df, hierher zu kommen, um lutherischen Christen aus Schweden und Finnland zu helfen, mit den Worten des Apostels in seinem ersten Brief an die Korinther im Hinblick auf das Befinden des mystischen Leibes Christi, der Kirche, zum Ausdruck gebracht: \u201eWenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit\u201c. (1.Kor 12,26) Diese war auch meine biblische Antwort an den Erzbischof der lutherischen Kirche in Schweden vor einem Jahr: \u201eWenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Entschluss, diesen Schritt zu tun, war nicht leicht. Ich habe mit diesem Ruf gek\u00e4mpft, aber es ist eine Berufung, eine Berufung von Gott. Ich habe diesen Entschluss nicht leichtfertig gefasst. So manches Mal hat mich das Gef\u00fchl gelockt, dem wohlgemeinten Rat derer zu folgen, die mir rieten: Komme nicht hierher! Ich habe zahlreiche Ratschl\u00e4ge dieser Art bekommen. Gleichwohl: Mein Gewissen ist an die Wahrheit gebunden. Ich habe mein bisch\u00f6fliches Amt in einer lutherischen Kirche empfangen, um der g\u00f6ttlichen Wahrheit und der christlichen Liebe zu dienen. Die christliche biblische Wahrheit und Liebe kann in der Begegnung mit dem Leiden nicht gef\u00fchllos sein. Dieses Leiden hat man zugleich auch auf anderen Kontinenten empfunden und dies ist die Ursache, weshalb wir hier sind. Ich will es offen aussprechen: In Afrika und in anderen Teilen der Welt verstehen wir in einer Zeit, da die globalen Menschenrechte Geltung erlangt haben, die auch die Freiheit der Religion und des Gottesdienstes umfassen, diese Art rigider kirchlicher Tyrannei absolut nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Notlage, in der sich unsere Br\u00fcder und Schwestern in Europa, insbesondere in Skandinavien, befinden, hat man geh\u00f6rt und erkannt. Diese Notlage ist nicht ein Resultat von gestern. Sie ist in den letzten Jahrzehnten wirklich zu einer offenen Wunde am lutherischen K\u00f6rper geworden, zumindest seit 1983, als man in Schweden nach den heftigen, politisch organisierten Medienkampagnen die Gewissensklausel von 1958 abschaffte. Umso schlimmer f\u00fcr Finnland, wo es eine solche Klausel niemals gab. Was dies praktisch bedeutete, war, dass lutherische Christen ihrer grunds\u00e4tzlichen Freiheit, apostolische Gottesdienste in ihren Kirchen zu besuchen, beraubt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen wurden verschiedentlich Versuche unternommen, sie zu Gottesdiensten zu zwingen, die nicht in \u00dcbereinstimmung stehen mit der Bibel und mit den Ordnungen, die uns von den Aposteln unseres Herrn Jesu Christi \u00fcberliefert sind. Zivile und kirchliche Regime, die auf Zwang und sogar Tyrannei zur\u00fcckgreifen, bef\u00f6rdern niemals eine gute Sache, sondern das Gegenteil. Schon im 18. Jahrhundert gab man in England die tyrannische Gewalt auf, die Erzbischof William Laud anwandte, der eine wasserdichte kirchliche Einheitlichkeit mit Hilfe gewissenloser, unbarmherziger und weltlicher Mittel anstrebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland hat die preu\u00dfischen K\u00f6nige hinter sich gelassen, die sogar Milit\u00e4r einsetzten, um den friedlichen Widerstand seiner lutherischen Untertanen zu unterdr\u00fccken, die eine Kirchenunion mit den Reformierten, die die lutherische Lehre untergruben, nicht akzeptieren konnten. Skandinavien sollte die Art von Zwangsgewalt gegen christliche Gewissen des 19. Jahrhunderts hinter sich gelassen haben, in dem durch Regierungen, Gesetze, Staatskirchenbisch\u00f6fe und Domkapitel vielfach lutherische Volkserweckungen verfolgt wurden. Lutherischer Gottesdienst und das Amt geh\u00f6ren zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist merkw\u00fcrdig, dass die lutherischen Kirchen in Skandinavien, die fr\u00fcher in mancher Hinsicht f\u00fcr die allgemeine Wohlfahrt in der ganzen Welt ein Vorbild waren, die Liebe aufgegeben haben, um stattdessen Gewissen zu unterdr\u00fccken. Wieweit es das langsam absterbende Erbe, eine Staatskirche zu sein, ist, dass man weiterhin Jagd auf lutherische Christen macht, wei\u00df ich nicht. Aber wenn die Kirchen auf diese Weise handeln, werden sie zu einem Spiegelbild der Gesellschaft, die sie umgibt, und werden immer intoleranter gegen\u00fcber dem christlichen Glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer von uns, Bischof B\u00f6rre Knudsen, hat in Norwegen im Gef\u00e4ngnis gesessen, weil er bei seinem Protest gegen die Abtreibung un\u00fcberh\u00f6rbar f\u00fcr die ungeborenen Kinder eintrat. Neulich wurde ein Pfingstkirchenpastor zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt, weil er seine Gemeinde \u00fcber die Wahrheit unterwies, die wir alle im ersten Kapitel des Paulusbriefes an die R\u00f6mer lesen k\u00f6nnen. Wir d\u00fcrfen keine Versuche zulassen, die biblischen Stimmen des wahren Glaubens zum Verstummen gebracht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wahrheit ist es falsch, den Menschen die Ordination zu verweigern, die von Gott und von christlichen Gemeinden eine Berufung empfingen und deren einziger Fehler ihre wahre St\u00e4rke und die wahre St\u00e4rke der Kirche ist, n\u00e4mlich die Treue zu Gottes Wort und den lutherischen Bekenntnissen. Diejenigen, die aufrichtig zum pastoralen Amt berufen sind und die die wirklichen Erfordernisse dieses Amtes erf\u00fcllen, m\u00fcssen zu diesem Amt ordiniert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist nicht das erste Mal, dass Lutheraner einem Dilemma dieser Art begegnen. Wir brauchen nur an Dietrich Bonhoeffers Leben und Beispiel zu denken, der einer Kirchenleitung nicht dienen konnte, die sich selbst kompromittierte. Als er als Lehrer in Zingst und Finkenwalde arbeitete, vertrat er eine \u00e4hnliche Richtung wie wir heute. Wo Gottes K\u00f6nigsweg durch politische und kulturelle Vorurteile blockiert wird, von menschlichen Autorit\u00e4ten und Traditionen, gegen Gottes Wort und das lutherische Bekenntnis, m\u00fcssen wir, die wir frei sind, kommen und unseren unterdr\u00fcckten Mitchristen helfen. Christliche Liebe erfordert das. Darum sind wir hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Wir sind hier wegen des Wortes Gottes.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe kurz \u00fcber die christliche Liebe geredet. Weil wir uns alle an den rechten Weg halten m\u00fcssen, wenn wir das Wort \u201eLiebe\u201c in den Mund nehmen, zitiere ich, was unser Herr und Heiland Jesus Christus selbst im Johannesevangelium gesagt hat: \u201eLiebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tr\u00f6ster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit &#8230; Wer meine Gebote hat und h\u00e4lt sie, der ist&#8217;s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.\u201c (Joh. 14,15-16+ 21).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keine christliche Liebe, die von der Wahrheit Gottes geschieden ist. Was erhebt in dieser Welt nicht alles Anspruch auf den edlen Namen \u201eLiebe\u201c und nimmt doch zugleich Abstand von Gottes wahrem Wort, erhebt nur einen menschlichen Anspruch oder kleidet sich in Wolfskleidern. Es ist kein Zufall, dass kirchlicher Druck auf christliche Gewissen mit verschiedenen Arten der Leugnung der Wahrheit des Wortes Gottes Hand in Hand geht. Was als eine Verw\u00e4sserung der Bibel im Namen des Liberalismus beginnt, wird bald zu einer unersch\u00fctterlichen Intoleranz gegen\u00fcber dem christlichen Glauben. Dies ist die Entwicklung, die wir in der westlichen Welt erkannt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr\u00fcher kamen aus den nordischen L\u00e4ndern viele gute Theologen in die ganze Welt. Heute stehen wir vor der traurigen Tatsache, dass der gr\u00f6\u00dfere Teil der Kirchen in der westlichen Welt das Licht des Wortes Gottes total verloren hat. Das K\u00f6nigszepter Christi, das nach seiner ausdr\u00fccklichen Verhei\u00dfung (Matth. 28,20) gegenw\u00e4rtig ist in seiner Kirche, ist durch menschlichen, intellektuellen Hochmut fortgesto\u00dfen worden. Diese Krise im Hinblick auf das Wort Gottes ist in der Kirche weiterhin aktuell. Die Krise dauert in einigen traditionellen Kirchen seit Jahrzehnten an. In der anglikanischen Kirchengemeinschaft haben die Fragen, die die biblischen Wahrheiten und die christliche Moral betreffen, besonders die Frage der Homosexualit\u00e4t in der Kirche, dazu gef\u00fchrt, dass deren Kirchen in Amerika und Asien die Geduld verlieren. Ihre starken Proteste gegen deren verheerenden Abfall von Gottes Wort hat die Kirchenf\u00fchrer in der westlichen Welt gezwungen, ihre Standpunkte ernsthaft zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dieselbe Frage spaltete fast die Generalversammlung des Lutherischen Weltbundes. Der gr\u00f6\u00dfere Teil des Christentums lebt au\u00dferhalb des Westens. Die Zeit ist schon gekommen, in der Afrika und Asien gelernt haben, deutlich \u201aJa\u2018 und \u201aNein\u2018 zu sagen, wenn Gottes Wort dies fordert. Die ber\u00fchmten Worte des englischen Premierministers Harold Macmillan lauten: \u201eDer Wind der Ver\u00e4nderung bl\u00e4st \u00fcber den Kontinent (Afrika.). Ob wir das m\u00f6gen oder nicht, diese Entwicklung nationalen Bewusstseins ist ein politisches Faktum.\u201c Wir sind nicht mehr die kindlichen Gesch\u00f6pfe eines exotischen Missionsfeldes. Wir sind vielmehr Christen, die erwachsen geworden sind. Wenn ich diese kritischen Worte sage, vergesse ich nicht all das geistliche und materielle Gute, das wir von der westlichen Welt empfangen haben. Der Apostel sagt: \u201eDenn Gott ist nicht ungerecht, dass er verg\u00e4\u00dfe euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient.\u201c (Hebr. 6,10)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere lutherische Kirche in Kenia steht in gro\u00dfer Dankesschuld bei den schwedischen lutherischen Missionaren, die in der Vergangenheit zu uns kamen und uns halfen. Wir m\u00f6chten ihre biblische lutherische Lehre, unseren Glauben nicht auf dem Markt der Eitelkeiten verkaufen. Die Unterweisung, die wir vor langer Zeit von Schweden empfangen haben, kommt nun zur\u00fcck aus Afrika. Wir empfingen sie von euch, und wir geben sie euch zur\u00fcck mit dankbarem und festem Herzen. Wenn wir daran denken, was jene Menschen lehren, die versuchen, den apostolischen Gottesdienst und die Ordination zu behindern, und was diejenigen lehren, die deren Druck ausgesetzt sind, ist die Entscheidung selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eine wahre Kirche ist die Kirche, in der Gottes Wort die unbestrittene und souver\u00e4ne Autorit\u00e4t ist, genau so, wie Dr. Martin Luther in den Schmalkaldischen Artikeln schrieb: \u201eWir wollen&#8217;s auch nicht h\u00f6ren, was sie unter dem Namen der Kirche gebieten oder verbieten. Denn es wei\u00df, Gott Lob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche ist: n\u00e4mlich die heiligen Gl\u00e4ubigen und die Sch\u00e4flein, die ihres Hirten Stimme h\u00f6ren. &#8230; Denn die Heiligkeit besteht &#8230; im Wort Gottes und rechtem Glauben\u201c (Schmalkaldische Artikel, 12). Wo auch immer Gottes Wort bei Christen, die an seinem Wort festhalten, unterdr\u00fcckt wird, ist es Christenpflicht, ihnen so gut man kann zu helfen. Wir sind wirklich wegen des Wortes Gottes hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Wir sind wegen des lutherischen Bekenntnisses hier.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir glauben, lehren und bekennen, dass Gottes Wort eindeutig und klar ist, weil unser Herr und Heiland Jesus Christus selbst dieses Wort ist, wie der Apostel Johannes uns am Anfang seines Evangeliums (Joh. 1, 1) wunderbar unterweist. Weiter: Es gibt keine Ver\u00e4nderung, keine Verminderung des Wortes Gottes, da ja \u201eJesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit\u201c ist. (Hebr. 13,8) Das lutherische Bekenntnis ist eine richtige Zusammenfassung dieser Lehre, dieses Wortes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war das Werk Dr. Martin Luthers als Reformator, die einzige, legitime Autorit\u00e4t der Kirche wieder aufzurichten, n\u00e4mlich die Autorit\u00e4t des Wortes Gottes. Alle Konflikte in der Kirche m\u00fcssen mit Gottes Wort und in \u00dcbereinstimmung mit Gottes Wort gel\u00f6st werden. Das lutherische Bekenntnis ist im Hinblick auf alle Fragen der Autorit\u00e4t in der Kirche, des Gottesdienstes, des Amtes und der Ordination kristallklar. Als ich den Notruf erhielt, zu kommen und zu helfen, war meine Frage, ob man diesen Konflikt in diesen nordischen Kirchen mit Hilfe der legitimen Autorit\u00e4t l\u00f6sen w\u00fcrde, n\u00e4mlich mit Gottes Wort und dem lutherischen Bekenntnis oder ob man anderen Autorit\u00e4ten folge und gehorche. Wir kennen alle die Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen, die in der Kirche unterdr\u00fcckt werden, leiden wegen der Bibel und des Bekenntnisses. Diejenigen, die unterdr\u00fccken, folgen anderen Autorit\u00e4ten. Also war die Wahl v\u00f6llig eindeutig. Ich m\u00f6chte uns nur an die prophetischen Worte erinnern, die der ber\u00fchmte Theologe, Bischof Anders Nygren, 1958 sprach: \u201eDurch die Ver\u00e4nderung der Amtsordnung, die schon seit Beginn der christlichen Kirche galt, indem man sich gegen das Gebot des Herrn (1. Kor. 14,37) erhebt, hat die Kirche nichts anderes vor sich als gnostische Irrlehren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute m\u00fcssen alle geistlich Einsichtigen zugeben, dass der heimgegangene Anders Nygren ein wahrer Prophet war. Aber \u2013 Gott sei Dank! \u2013 gibt es gl\u00e4ubige bibelfeste Lutheraner, die alles, was in ihrer Macht liegt, tun, dass Gottes Lampe in seinem Haus nicht verl\u00f6scht. (1. Sam. 3,3). Das sind die wahren Erben des lutherischen Bekenntnisses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Wir sind hier wegen des Kirchenrechts und der Rechtspraxis.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man wird es glauben, dass dies der empfindlichste Punkt ist: Die rechtliche Grundlage daf\u00fcr, dass wir heute hier sind. Christliche Liebe, die Bibel und das lutherische Bekenntnis \u2013 die sind vielleicht auf unserer Seite, aber das Kirchenrecht? Parlament und Kirchensynoden bestimmen in den nordischen L\u00e4ndern die Mehrheitsentscheidungen und die verabschiedeten Gesetze. Legale kirchliche Organe bringen diese Gesetze im Alltagsleben der Kirche zur Anwendung. In dieser Hinsicht kann unsere Angelegenheit schwach aussehen und k\u00f6nnen unsere Aussichten schwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch immer, diese Art zu denken, dass man das Kirchenrecht vom Wort Gottes und dem lutherischen Bekenntnis trennt, ist \u00fcberhaupt nicht lutherisch, erst recht nicht biblisch. Diese Trennung, bei der die Bibel und das lutherische Bekenntnis auf der einen Seite stehen und das Kirchenrecht auf der anderen, ist ein unrechtm\u00e4\u00dfiges, betr\u00fcgerisches Luthertum. Sie ist ein Kind des deutschen philosophischen Idealismus des 18. und 19. Jahrhunderts verbunden mit dem alten Staatskirchendenken. Sie kommt eher von Friedrich Schleiermacher als von dem Reformator der Kirche, Dr. Martin Luther.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das idealistische Erbe in der Form, wie es Schleiermacher und seine Nachfolger verstanden, schuf eine scharfe Unterscheidung zwischen Religion und Recht. Dieser Vorstellung nach ist das Recht nur als ein weltliches Thema verstanden, abseits der Religion. Neue weltliche Ideen haben diesen juristischen Wirrwarr noch mehr durcheinander gebracht. Die Idee, dass der selbstherrliche Volkswille die oberste Autorit\u00e4t auch in der Kirche ist, stammt von den Schriften des Schweizer Philosophen J. J. Rousseau, nicht von der Bibel und dem lutherischen Bekenntnis. Gegen was sonst als gegen die \u201eallgemeine Meinung\u201c sollen wir denn beten: \u201eVater unser im Himmel &#8230; Dein Wille geschehe!\u201c Der g\u00f6ttliche, v\u00e4terliche Wille ist nicht eine Art Entwicklung, ein positivistisches Bewusstsein oder ein sich selbst entwickelnder Zeitgeist, sondern ist niedergelegt in Gottes Wort. Die einzige und h\u00f6chste Autorit\u00e4t ist Gottes Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses ewige Wort ist nicht eine Sache innerhalb der Religion. Es ist ebenso Kirchenrecht, weil es nichts rechtlich Bindendes in der Kirche geben kann, was dem Worte Gottes widerspricht. Alles in der Kirche muss in \u00dcbereinstimmung mit Gottes Wort ausge\u00fcbt werden. Das ist es, was das lutherische Bekenntnis lehrt. Dieses juristische Prinzip steht auch klar in den lutherischen Kirchenordnungen, sowohl in Schweden wie auch in Finnland. Es ist ein Ungl\u00fcck, dass diese Jurisdiktion in der Kirchenverwaltung nicht praktiziert wird. Wir haben bezeugt, wie die nichtlutherische Trennung zwischen Glaube und Recht sich fortsetzt unter denen, die zwischen der christlichen Liebe, der Bibel und dem lutherischen Bekenntnis unterscheiden. Darum m\u00fcssen wir uns erneut an Dietrich Bonhoeffer erinnern, dass er und sein Wirken es war, das am 2. Dezember 1935 offiziell von seinen Kirchenf\u00fchrern f\u00fcr \u201eillegal\u201c erkl\u00e4rt wurde. Nur drei Monate sp\u00e4ter wurde der zweite \u201eillegale\u201c Kurs des \u201eillegalen\u201c Seminars in Finkenwalde in Schweden herzlich willkommen gehei\u00dfen. Auch empfing der ber\u00fchmte Erzbischof von Uppsala, Dr. Erling Eidem am 4. M\u00e4rz 1936 offiziell Bonhoeffer mit seinen Studenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch dass er dies tat, erkannte Erzbischof Eidem die Wahrheit an, an die wir uns erinnern und sie in unserer Zeit respektieren m\u00fcssen, n\u00e4mlich dass Notrecht auch Recht ist. Zuhause in Deutschland erkl\u00e4rte man Bonhoeffer zum Staatsfeind, und lauthals verlangte man, es d\u00fcrfe nicht mehr zugelassen werden, dass er deutsche Theologen unterrichte. So gesehen war unser Handeln in G\u00f6teborg nach den Begriffen des Kirchenrechts legitim, da es vom Worte Gottes her autorisiert ist. Darum ziehe ich die Konsequenz dadurch, dass ich im Hinblick auf Ordination und Berufung das lutherische Bekenntnis zitiere, wie dies in den Schmalkaldischen Artikeln zusammengefasst ist. Dieses Zitat ist nicht nur eine theologische Meinung, sondern es ist Kirchenrecht in \u00dcbereinstimmung mit dem g\u00f6ttlichen Recht, da es biblisch ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn die Bisch\u00f6fe rechte Bisch\u00f6fe sein und sich der Kirche und des Evangeliums annehmen w\u00fcrden, so k\u00f6nnte man um der Liebe und Einigkeit willen, jedoch nicht aus einer Notwendigkeit heraus, das zugegeben sein lassen, dass sie uns und unsere Prediger ordinierten und best\u00e4tigten, jedoch unter Beseitigung alles Schein- und Blendwerks unchristlichen Wesens und Gepr\u00e4nges. Nun aber sind sie keine rechten Bisch\u00f6fe &#8230; sondern verfolgen und verdammen diejenigen, die ein solches Amt als dazu Berufene treiben. Trotzdem darf um ihretwillen die Kirche nicht ohne Diener am Wort bleiben. Darum wollen und sollen wir, wie die alten Vorbilder der Kirche und der V\u00e4ter es uns lehren, selber t\u00fcchtige Personen zu diesem Amt ordinieren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schlie\u00dflich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir danken Gott f\u00fcr seine Treue. Er hat uns, seine Diener, in dem jetzigen Zustand der Hilfsbed\u00fcrftigkeit kompetent gemacht, seine g\u00f6ttliche Berufung zu erkennen und den Auftrag, den er uns gab, zu erf\u00fcllen. \u201eEr ist aufgefahren zur H\u00f6he und hat Gefangene mit sich gef\u00fchrt und hat den Menschen Gaben gegeben.\u201c (Eph. 4,8) Wir danken ihm dem\u00fctig daf\u00fcr. Es ist unser innerster Wunsch, dass durch das, was wir heute in G\u00f6teborg getan haben, den nordischen lutherischen Kirchen geholfen wird. Da der K\u00f6nigsweg des Gottesdienstes und der Ordination aus menschlicher Gewinnsucht und politischem Kalk\u00fcl nicht f\u00fcr ewig blockiert werden darf, ist dies nicht die Stunde, da wir uns beiseite setzen d\u00fcrfen, sondern legen alle Arroganz und alle Bitterkeit beiseite und sprechen miteinander als christliche Br\u00fcder und Schwestern, in dem einen Glauben, in dem einen Herrn, an der einen Taufe teilhaftig und gehorchen der einen Autorit\u00e4t, n\u00e4mlich dem Wort Gottes, das eins ist, \u201eEIN Gott und Vater aller, der da ist \u00fcber allen und durch alle und in allen.\u201c (Eph. 4,6)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisch-Lutherische Kirche in Kenia (ELCK) Festpredigt anl\u00e4sslich der Bischofsweihe und Ordination am 5. Februar 2005 in G\u00f6teborg \u201eWarum sind wir heute hier?\u201c Das Datum \u201e5. Februar 2005\u201c wird in Zukunft einen dauerhaften Platz in der lutherischen Geschichte haben. 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