{"id":8647,"date":"2012-11-13T09:32:23","date_gmt":"2012-11-13T07:32:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8647"},"modified":"2012-11-13T10:28:47","modified_gmt":"2012-11-13T08:28:47","slug":"petrus-der-felsenmann-matthaus-1618-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8647","title":{"rendered":"Petrus, der Felsenmann (Matth\u00e4us 16,18-19)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Welches ist wohl das meistgelesene Bibelwort? Schwer zu sagen, aber ich habe eine Vermutung. Es gibt einen hei\u00dfen Anw\u00e4rter auf Platz Nr. 1. Mein Kandidat ist die ber\u00fchmte Ank\u00fcndigung, die Jesus einem seiner J\u00fcnger gemacht hat: \u201eDu bist Petrus (Petrus hei\u00dft Fels), und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen.\u201c (Matth\u00e4us 16,18) Wie komme ich gerade auf diesen Vers? Sie kennen wahrscheinlich die Kuppel vom Petersdom, der gr\u00f6\u00dften Kirche der Christenheit, erbaut u. a. von dem gro\u00dfen Renaissance-Bildhauer Michelangelo. Millionen Besucher sind schon unter dieser Kuppel hergegangen und haben die Worte gelesen, die im Innenumgang der Kuppel in riesigen Goldlettern gl\u00e4nzen: Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam &#8230; Et tibi dabo claves regni caelorum (nach der Vulgata, der \u00dcbersetzung des gro\u00dfen Bibelgelehrten Hieronymus, die dieser Ende 4. \/ Anfang 5. Jahrhundert in einem Kloster in Bethlehem anfertigte und die \u00fcber tausend Jahre sp\u00e4ter, auf dem Konzil von Trient, 1546, zur allein ma\u00dfgeblichen Bibel der Katholischen Kirche erkl\u00e4rt wurde).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An sich ist es ja begr\u00fc\u00dfenswert, wenn in einer Kirche \u2013 ein Bibelvers steht. Aber ein bi\u00dfchen befremdet es schon, da\u00df hier ausgerechnet eine Aussage gew\u00e4hlt ist, die von einem Menschen spricht. H\u00e4tten die Erbauer nicht besser ein Wort ausgesucht, das Jesus Christus in den Mittelpunkt stellt? Zum Beispiel das Petrusbekenntnis aus Matth\u00e4us 16,16: \u201eDu bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!\u201c Was die Aussage \u00fcber Petrus so brisant macht, ist nat\u00fcrlich der Anspruch, der sich dahinter verbirgt: Die Katholische Kirche setzt Petrus mit dem Papst gleich und die Gemeinde mit ihrer eigenen Organisation. Der Vers ist also sehr bewu\u00dft ausgew\u00e4hlt: Er soll den Machtanspruch der Katholischen Kirche begr\u00fcnden. Aber begr\u00fcndet er ihn wirklich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch immer: Wir haben es hier vielleicht mit der bekanntesten Aussage der ganzen Bibel zu tun, auf jeden Fall mit einer Aussage, die so weitreichende Konsequenzen hatte wie kaum eine andere. Deswegen gibt es auch so viele \u201ePetrusse\u201c im ehemals christlichen Abendland! Seit jenem ersten Petrus war \u201ePetrus\u201c einer der beliebtesten Namen, den christliche Eltern f\u00fcr ihre Spr\u00f6sslinge w\u00e4hlten: Peter (deutsch), Peter (englisch), Pierre (franz\u00f6sisch), Pietro\/Piero (italienisch), Pedro\/Perez (spanisch), Piet\/Peet (niederl\u00e4ndisch), P\u00e4r (schwedisch), Per\/Peer (norwegisch\/d\u00e4nisch), Pjotr (russisch), Boutros (arabisch). Einige solche Petrusse haben wir ja auch hier unter uns sitzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ber\u00fchmte Wort steht in einem ber\u00fchmten Zusammenhang. Es ist sicher gut, einmal den ganzen Abschnitt zu lesen: Matth\u00e4us 16,13-20 (nach der Neuen Genfer \u00dcbersetzung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><sup>13<\/sup>Als Jesus in das Gebiet von C\u00e4sarea Philippi kam, fragte er seine J\u00fcnger: \u201eF\u00fcr wen halten die Leute den Menschensohn?<\/em>\u201c<em> \u2013 <sup>14<\/sup>\u201eManche halten dich f\u00fcr Johannes den T\u00e4ufer<\/em>\u201c<em>, antworteten sie, \u201emanche f\u00fcr Elia und manche f\u00fcr Jeremia oder einen der anderen Propheten.<\/em>\u201c<em> \u2013 <sup>15<\/sup>\u201eUnd ihr<\/em>\u201c<em>, fragte er, \u201ef\u00fcr wen haltet ihr mich?<\/em>\u201c<em> <sup>16<\/sup>Simon Petrus antwortete: \u201eDu bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><sup>17<\/sup>Darauf sagte Jesus zu ihm: \u201eGl\u00fccklich bist du zu preisen, Simon, Sohn des Jona; denn nicht menschliche Klugheit hat dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. <sup>18<\/sup>Deshalb sagte ich dir jetzt: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und das Totenreich mit seiner ganzen Macht wird nicht st\u00e4rker sein als sie. <sup>19<\/sup>Ich werde dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben; was du auf der Erde bindest, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde l\u00f6st, das wird im Himmel gel\u00f6st sein.<\/em>\u201c<em> <sup>20<\/sup>Dann sch\u00e4rfte Jesus den J\u00fcngern ein, niemand zu sagen, da\u00df er der Messias sei.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sache mit dem Felsenmann Petrus ist nicht das Einzige, was an diesem Text auff\u00e4llt. Eigentlich finden wir hier gleich drei Besonderheiten, drei einzigartige Dinge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(a) Zum ersten Mal spricht ein Mensch aus, wer Jesus ist: \u201eDu bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(b) Zum ersten Mal spricht Jesus von der Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(c) Und eben: Petrus bekommt eine einzigartige Aufgabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist kein Zufall, da\u00df diese drei Besonderheiten hier alle auf einmal auftauchen. Die drei Dinge haben unmittelbar miteinander zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum ersten Mal spricht ein Mensch es aus: Jesus ist der Sohn Gottes! \u201eF\u00fcr wen halten mich die Leute?\u201c fragt Jesus. \u2013 \u201eF\u00fcr Johannes den T\u00e4ufer, f\u00fcr Elia, f\u00fcr Jeremia.\u201c \u2013\u00a0 \u201eUnd ihr \u2013 f\u00fcr wen haltet ihr mich?\u201c Man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich, wie Jesus den Atem anh\u00e4lt. Was werden seine J\u00fcnger antworten? Sehen sie in ihm auch nur einen Propheten, einen Wundert\u00e4ter, einen Vorboten von noch gr\u00f6\u00dferen Ereignissen? Da ergreift Petrus das Wort: \u201eDu bist der Messias; du bist der Sohn des lebendigen Gottes!\u201c \u2013 Was mu\u00df Jesus sich da gefreut haben! Sie haben es erkannt! Einer wagt es offen auszusprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Jesus die zw\u00f6lf J\u00fcnger zu seinen Begleitern machte, hat er ihnen ja nicht einfach gesagt, wer er ist. \u201eDarf ich vorstellen \u2013 ich bin der Sohn Gottes, der Messias!\u201c Er befahl den Zw\u00f6lf lediglich, sich ihm anzuschlie\u00dfen: \u201eFolgt mir nach!\u201c Und in den 3 Jahren, die sie dann mit ihm unterwegs waren, hatten sie Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Sie sahen seine Wundertaten, sie h\u00f6rten seine Worte, sie beobachteten seinen Umgang mit anderen Menschen, sie erlebten, wie er mit Gott sprach. Und jetzt wagt es Jesus, einen Rechenschaftsbericht zu fordern, sozusagen einen Rechenschaftsbericht von sich selbst: Hat mein Dienst an den Zw\u00f6lf und am israelitischen Volk zu etwas gef\u00fchrt? Haben sie erkannt, wer ich wirklich bin? Oder waren die Jahre des unerm\u00fcdlichen Einsatzes umsonst? \u201eDu bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!\u201c Wie gl\u00fccklich mu\u00df Jesus \u00fcber dieses Bekenntnis von Petrus gewesen sein! Der Anfang ist gemacht. Jetzt sind die Weichen gestellt f\u00fcr den Beginn der neutestamentlichen Gemeinde. \u201eIch werde meine Gemeinde bauen.\u201c Und weil Petrus der erste war, der sich so klar und so direkt zu ihm bekannte, macht er ihm eine besondere Zusage: \u201eAuf dich, Petrus, werde ich meine Gemeinde bauen.\u201c So h\u00e4ngen also diese drei einzigartigen Dinge in unserem Text zusammen. So kam es, da\u00df Petrus zum Felsenmann wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u03a0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 und \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 im griechischen Text<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Petrus, der Felsenmann. Halt, Stopp! ruft jetzt vielleicht jemand. Petrus ist ja gar nicht der Fels! Im griechischen Text steht f\u00fcr \u201eFels\u201c nicht \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 (petros), sondern \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 (petra). \u201eDu bist \u03a0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2, und auf diese \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 werde ich meine Gemeinde bauen.\u201c \u03a0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 bedeutet \u201egro\u00dfer Fels, Felsmasse\u201c, aber \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 bedeutet nur \u201eStein\u201c oder \u201eFelsbrocken\u201c. Auf ein kleines St\u00fcck Fels kann man keine Gemeinde bauen. Jesus mu\u00df etwas anderes gemeint haben. Sonst h\u00e4tte er sagen m\u00fcssen: \u201eDu bist \u03a0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2, und auf diesen \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 werde ich meine Gemeinde bauen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist von diesem Einwand zu halten? Ich f\u00fcrchte, hier macht man aus einer Maus einen Elefanten. Wenn man in einem griechischen Lexikon nachschl\u00e4gt und sich dann auch noch die Belegstellen ansieht, stellt man rasch fest: Die Bedeutungen von \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 und \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 sind in der griechischen Literatur keineswegs so klar gegeneinander abgegrenzt, wie man das vielleicht gern m\u00f6chte. Die Hauptbedeutung von \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 ist Fels\/Felsmasse; an nicht wenigen Stellen bedeutet es jedoch dasselbe wie \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2, n\u00e4mlich Felsst\u00fcck \/ gr\u00f6\u00dferer Stein. Umgekehrt bedeutet \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 zun\u00e4chst Felsst\u00fcck\/Stein, an manchen Stellen ist es aber auch synonym mit \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 = Fels (\u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 ist \u00fcbrigens das weitaus h\u00e4ufigere Wort). Der bedeutungsm\u00e4\u00dfig unterschiedliche Gebrauch der beiden Ausdr\u00fccke beschr\u00e4nkt sich sowieso fast ganz auf poetische Texte. Schon dieser flie\u00dfende \u00dcbergang zwischen den beiden Bedeutungen sollte also vorsichtig machen, die ganze Auslegung von Matth\u00e4us 16,18 auf den Wechsel von \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 zu \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 zu st\u00fctzen. Haben die Zuh\u00f6rer den Unterschied \u00fcberhaupt als solchen empfunden? Ich vermute, sie haben ihn nicht einmal bemerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte Jesus unmi\u00dfverst\u00e4ndlich klarmachen wollen, da\u00df Petrus nur ein \u201cStein\u201c ist und kein Fels, dann h\u00e4tte ihm ein sehr gel\u00e4ufiges griechisches Wort zur Verf\u00fcgung gestanden, das genau diese Bedeutung hat: \u03bb\u03b9\u03b8\u03bf\u03c2 (lithos).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommt noch etwas: Wahrscheinlich sprach Jesus mit seinen J\u00fcngern gar nicht griechisch, sondern aram\u00e4isch. Seinen neuen Namen Petrus hat Petrus nicht erst hier in Matth\u00e4us 16 bekommen, sondern bereits bei seiner ersten Begegnung mit Jesus. In Johannes 1,42 wird uns das berichtet. \u201eJesus blickte ihn an und sagte: \u201aDu bist Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Kephas hei\u00dfen.&#8216; \u201c Und dann f\u00fcgt der Schreiber des Evangeliums hinzu: \u201eKephas ist das aram\u00e4ische Wort f\u00fcr Petrus.\u201c Warum f\u00fcgt er das hinzu? Weil seine nichtj\u00fcdischen Leser den Apostel Petrus nur unter seinem griechischen Namen kennen. Wir sehen: Jesus gab Simon einen aram\u00e4ischen Namen. Und das Interessante daran ist: \u201cKephas\u201c bedeutet sowohl \u201cStein\u201c als auch \u201eFels\u201c! Der Begriff deckt beides ab, eine Variante wie \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2\/\u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 gibt es im Aram\u00e4ischen gar nicht! Schon deshalb f\u00e4llt eigentlich der ganze Einwand in sich zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberhaupt konzentriert man sich viel zu sehr auf den Endungswechsel. Etwas anderes springt doch weit mehr ins Auge: Jesus verwendet bewu\u00dft zweimal denselben Wortstamm (\u03c0\u03b5\u03c4\u03c1-)! Au\u00dferdem verkn\u00fcpft er den Namen (Petrus) und das Bild (Fels) durch das zur\u00fcckweisende \u201cdiesen\u201c (das keinen anderen Bezug haben kann; \u201ediesen\u201c bezieht sich zwingend auf \u201ePetrus\u201c). Starke sprachliche Signale weisen also darauf hin, da\u00df Name und Bild dieselbe au\u00dfersprachliche Bezugsgr\u00f6\u00dfe haben, n\u00e4mlich die Person des Apostels Petrus, und da\u00df das Bild den Namen erkl\u00e4rt. \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 bildet nicht einen Gegensatz zu \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2, sondern eine Erl\u00e4uterung. Jesus nennt Simon \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 und greift den neuen Namen direkt mit \u201ediese \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1\u201c auf. Nach allen syntaktischen und sprachlogischen Regeln kann daraus nur eines folgen: da\u00df \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 und \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 hier dasselben bedeuten: Der \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2, von dem Jesus spricht, ist eine \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denken wir nochmals an den Zusammenhang, in dem Vers 18 steht. Was geht voraus? Vers 16: \u201eDu bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!\u201c Zum ersten Mal spricht ein Mensch aus, da\u00df Jesus der Sohn Gottes ist. Daf\u00fcr preist Jesus in gl\u00fccklich (Vers 17) und nennt ihn bei seinem neuen Namen: Petrus. Jeder wartet jetzt nat\u00fcrlich darauf, da\u00df Jesus eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Namenswechsel liefert. Und genau das tut er: Er f\u00fcgt ein Wortspiel mit diesem Namen an und erf\u00fcllt damit unsere Erwartung: Simon hei\u00dft jetzt Petrus, weil Jesus ihn zu einer \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1, einem Felsen, macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie w\u00e4re es denn bei der anderen Auslegung? Da w\u00fcrde Jesus den begonnenen Gedankengang abrupt abbrechen und die geweckte Erwartungshaltung entt\u00e4uschen: \u201cDu bist zwar Petrus, aber du bist, wohlgemerkt, nur ein Stein; der Fels, auf den ich meine Gemeinde baue, ist etwas ganz anderes.\u201c Und f\u00fcr Petrus w\u00e4re das wie eine kalte Dusche: Statt des erwarteten Lobes und Lohnes f\u00fcr sein Bekenntnis (eingeleitet mit \u201eGl\u00fccklich bist du zu preisen\u201c) w\u00fcrde Jesus ihm geradezu eine Abfuhr erteilen; er w\u00fcrde ihn \u00f6ffentlich abkanzeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir hat mal ein Bef\u00fcrworter dieser Auslegung plastisch vorgef\u00fchrt, wie er sich das Gespr\u00e4ch zwischen Jesus und Petrus vorstellte. Jesus zeigt mit dem Finger auf Petrus und sagt: \u201eDu bist Petrus\u201c, und dann zeigt er mit dem Finger auf sich selbst und f\u00e4hrt fort: \u201e&#8230; und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen.\u201c Nat\u00fcrlich w\u00e4re so was denkbar. Aber f\u00fcr die Leser, die den umgebogenen Zeigefinger nicht sehen k\u00f6nnen, m\u00fc\u00dfte Matth\u00e4us das dann irgendwie deutlich machen, sehr deutlich sogar: \u201eDu bist zwar Petrus, aber nicht du, sondern ich bin der Fels, auf den ich meine Gemeinde baue.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts im Text (sieht man einmal von dem Endungswechsel ab) weist auf\u00a0eine solche unvermittelte Verschiebung der Aussage hin, auf diese Kehrtwende um 180 Grad. Vers 16 stellt eine Erkl\u00e4rung von Petrus \u00fcber Jesus dar, und genauso stellen nun die Verse 17-19 eine Erkl\u00e4rung von Jesus \u00fcber Petrus dar \u2013 und nicht etwa eine weitere Erkl\u00e4rung \u00fcber Jesus. Bei der genannten Auffassung w\u00e4re in 17 und 18a von Petrus die Rede, in 18b von etwas anderem (wobei das zur\u00fcckweisende \u201ediese\u201c v\u00f6llig in der Luft h\u00e4ngen w\u00fcrde) und in 19 wieder von Petrus. Ich meine, ein Hin- und Herspringen dieser Art l\u00e4sst der Text nicht zu. Das Wortspiel kn\u00fcpft positiv an dem neuen Namen an, nicht kontrastiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann sich nat\u00fcrlich fragen, wieso Jesus (bzw. Matth\u00e4us) nicht zweimal genau dasselbe griechische Wort verwendet, zweimal \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2. Nun, beim Namen kommt nur die m\u00e4nnliche Form in Frage, \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2. Es handelt sich nun einmal um einen Mann! Simon ist ein Petrus, keine Petra! Petra war damals \u00fcbrigens ein relativ h\u00e4ufiger Ortsname, nicht ein M\u00e4dchenname. Wenn Jesus dann bei der Erkl\u00e4rung zur weiblichen Form \u00fcbergeht, tut er das entweder sozusagen automatisch, weil es sich hierbei um das gebr\u00e4uchlichere Wort handelt, oder ganz bewu\u00dft, um deutlich zu machen, da\u00df er an einen gro\u00dfen Stein denkt, einen wirklichen Felsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ist es, wenn man von \u201cKephas\u201c ausgeht, also von einer aram\u00e4ischen Aussage? Hat dann Matth\u00e4us, der das Gespr\u00e4ch zwischen Jesus und Petrus berichtet, den Wechsel von \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 zu petra einfach erfunden? Das mu\u00df nicht sein. Eine Sprache hat ja verschiedene Ausdrucksmittel. In diesem Fall k\u00f6nnte man sich vorstellen, da\u00df Jesus den gew\u00fcnschten Effekt mit Hilfe eines verst\u00e4rkenden Adjektivs erzielt hat: \u201eDu bist Kephas, und auf diesen <span style=\"text-decoration: underline;\">gro\u00dfen\/starken<\/span> \u201akephas&#8216; werde ich meine Gemeinde bauen.\u201c Und Matth\u00e4us h\u00e4tte das bei seiner Wiedergabe im Griechischen durch den \u00dcbergang von \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2 zu \u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1 ausgedr\u00fcckt. Aber das ist, wie gesagt, reine Vermutung. \u00dcberliefert ist uns der griechische Text, nicht irgendeine aram\u00e4ische Vorform \u2013 wenn es sie \u00fcberhaupt gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Beispiel aus der deutschen Sprache<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df, das war jetzt alles ein bisschen kompliziert, ein bisschen viel Griechisch, ein bisschen viel Grammatik. Bevor wir von den sprachlichen \u00dcberlegungen zu den inhaltlichen und praktischen \u00fcbergehen, hier noch ein Beispiel aus dem Deutschen, das nochmals verdeutlicht, was wir bis jetzt herausgefunden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehmen wir an, ein gewisser Ernst Hauser,\u00a0langj\u00e4hriger Mitarbeiter in der Forschungsabteilung einer Firma, feiert ein Dienstjubil\u00e4um. Da k\u00f6nnte sein Chef z. B. folgenden Toast auf ihn ausbringen: \u201cMein lieber Ernst! Diese Ernsthaftigkeit, die schon in Deinem Namen zum Ausdruck kommt, hat Deiner gesamten T\u00e4tigkeit bei uns ihren Stempel aufgedr\u00fcckt. Immer konnte man sich auf Dich verlassen, mit gr\u00f6\u00dfter Gewissenhaftigkeit hast du alle Deine Auftr\u00e4ge ausgef\u00fchrt, Nachl\u00e4ssigkeit und Versp\u00e4tung waren Fremdw\u00f6rter f\u00fcr Dich &#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier haben wir, genau wie in Matthaus 16,18, den \u00dcbergang von einem M\u00e4nnernamen zu einer daran ankn\u00fcpfenden Charakterisierung durch ein feminines Substantiv (Ernst \u2013 Ernsthaftigkeit). Der formale Unterschied ist sogar wesentlich gr\u00f6\u00dfer als bei \u03a0\u03b5\u03c4\u03c1\u03bf\u03c2\/\u03c0\u03b5\u03c4\u03c1\u03b1. Und doch ist v\u00f6llig klar, da\u00df zwischen \u201cErnst\u201c und \u201cErnsthaftigkeit\u201c nicht der geringste Kontrast beabsichtigt ist. Im Gegenteil, das zur\u00fcckweisende \u201cdiese\u201c greift ausdr\u00fccklich die im Namen enthaltene Bedeutung auf und f\u00fchrt sie weiter aus. W\u00e4re ein inhaltlicher Gegensatz intendiert, m\u00fc\u00dfte das mit sprachlichen Mitteln sehr klar formuliert werden, etwa so: \u201cDu hei\u00dft zwar Ernst; aber Deine Arbeit bei uns hast Du nicht mit Ernst durchgef\u00fchrt, sondern mit Ernsthaftigkeit.\u201c Und nat\u00fcrlich k\u00e4me dann bei den H\u00f6rern sofort die Frage auf: Was ist denn der Unterschied zwischen \u201cErnst\u201c und \u201cErnsthaftigkeit\u201c? Denn die beiden Bedeutungsfelder \u00fcberschneiden sich so weitgehend, da\u00df man nicht an m\u00f6glicherweise vorhandene Unterschiede denkt, sondern die beiden Begriffe als deckungsgleich empfindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte der \u201cChef\u201c es sich und uns nicht leichter machen k\u00f6nnen, indem er zweimal \u201cErnst\u201c verwendete? \u201cMein lieber Ernst! Dieser Ernst, der schon in Deinem Namen zum Ausdruck kommt &#8230;\u201c Sicher ginge das. Aber der Chef nimmt (vielleicht ohne sich die Gr\u00fcnde daf\u00fcr bewu\u00dft \u00fcberlegt zu haben) den Wechsel zu Recht vor. \u201cErnst\u201c tendiert leicht zu einer eher negativen F\u00e4rbung (\u201cstreng\u201c, \u201chumorlos\u201c); \u201cErnsthaftigkeit\u201c dagegen wird ausschlie\u00dflich positiv empfunden (\u201czuverl\u00e4ssig\u201c, \u201caufrichtig\u201c) und pa\u00dft daher noch besser, um den Jubilar und seine Arbeit zu charakterisieren. Aber damit ist auch klar: Der Redner m\u00f6chte mit dem Wechsel keinesfalls auf ein vermeintliches Defizit bei \u201cErnst\u201c hinweisen, sondern im Gegenteil allen negativen Nebent\u00f6nen oder Hintergedanken einen Riegel vorschieben und ausschlie\u00dflich das Positive hervorheben. \u201cErnst\u201c soll bei dem Toast als gleichbedeutend mit \u201cErnsthaftigkeit\u201c verstanden werden (und selbstverst\u00e4ndlich verstehen es die Zuh\u00f6rer auch so).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens wird daran auch eine sprachliche Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit deutlich, die sogenannte Neutralisierung. Es gibt viele W\u00f6rter, deren Bedeutungen zwar nicht v\u00f6llig identisch sind, die sich aber doch teilweise \u00fcberschneiden. Isoliert betrachtet, haben z. B. \u201cBauer\u201c und \u201cFarmer\u201c durchaus unterschiedliche Bedeutungsaspekte, und es lassen sich Kontexte denken, wo alles auf diese Unterschiede ankommt (\u201cWohlgemerkt, ich spreche von einem Farmer, nicht von einem Bauer; was ich berichten werde, ereignete sich also in Amerika\u201c). Viel h\u00e4ufiger ist jedoch das andere der Fall: da\u00df es keine Rolle spielt, ob ich von Bauer spreche oder von Farmer, Landwirt oder Agronom. Gemeint ist dann jedesmal dasselbe; die verschiedenen Begriffe bringen lediglich unterschiedliche stilistische Register ins Spiel. In der Regel trifft das genau dann zu, wenn jemand solche teilweise kongruenten Begriffe im selben Sachzusammenhang verwendet. Ein ge\u00fcbter Redner\/Schreiber wechselt dann aus stilistischen Gr\u00fcnden von einem Begriff zum anderen, will damit aber gerade nicht Unterschiede hervorheben, sondern im Gegenteil immer dasselbe ausdr\u00fccken (und so verstehen ihn seine H\u00f6rer\/Leser auch!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Beispiel kann ein Journalist die Rede eines Politikers folgenderma\u00dfen zusammenfassen: \u201cHerr A. <span style=\"text-decoration: underline;\">wies<\/span> auf die Bedeutung von &#8230; <span style=\"text-decoration: underline;\">hin<\/span>. Es sei unerl\u00e4\u00dflich, da\u00df &#8230;, <span style=\"text-decoration: underline;\">erkl\u00e4rte<\/span> er. Er <span style=\"text-decoration: underline;\">sagte<\/span>, man m\u00fcsse &#8230; In solchen F\u00e4llen, so <span style=\"text-decoration: underline;\">meinte<\/span> er, g\u00e4be es nur eine L\u00f6sung &#8230; Deshalb freue er sich \u00fcber &#8230;, <span style=\"text-decoration: underline;\">hob<\/span> er <span style=\"text-decoration: underline;\">hervor<\/span>. Er <span style=\"text-decoration: underline;\">sei \u00fcberzeugt<\/span>, da\u00df es nichts Besseres gebe als &#8230;\u201c usw. Betrachtet man die vom Berichterstatter gebrauchten Verben einzeln, dann stellt man rasch fest, da\u00df weite Teile ihres jeweiligen Bedeutungsfeldes sich stark voneinander unterscheiden. \u201csagen\u201c ist (je nach Zusammenhang!) etwas v\u00f6llig anderes als \u201chervorheben\u201c, \u201chinweisen\u201c etwas anderes als \u201cerkl\u00e4ren\u201c, \u201cmeinen\u201c etwas anderes als \u201c\u00fcberzeugt sein\u201c. Aber im angef\u00fchrten Beispiel, wo alle diese Begriffe nebeneinandergestellt sind, z\u00e4hlt nur noch der Teil ihres Bedeutungsspektrums, den sie gemeinsam haben. Die Unterschiede heben sich gegenseitig auf; die Begriffe \u201cneutralisieren sich\u201c. Man k\u00f6nnte jeden durch jeden ersetzen, ohne da\u00df sich an der Gesamtaussage das Geringste \u00e4ndern w\u00fcrde. Probieren Sie es einmal aus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Gesetz der Neutralisierung ist beim Sprechen (und Zuh\u00f6ren) gewisserma\u00dfen allgegenw\u00e4rtig. Wir ber\u00fccksichtigen es ganz automatisch, wenn wir s\u00e4kulare Texte interpretieren. Aber sobald es an biblische Texte geht, \u201cvergessen\u201c viele Christen ihr nat\u00fcrliches Sprachempfinden und interpretieren Dinge hinein bzw. lesen Dinge heraus, die sie, wenn sie den Text \u201cnormal\u201c angehen w\u00fcrde, niemals darin finden w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich handelt es sich bei der Bibel um Offenbarung: Gott teilt uns Dinge mit, die wir von uns aus nicht wissen. Insofern erwarten wir in der Bibel zu Recht neue, unserem Denken fremde Inhalte. Aber damit wir diese Inhalte verstehen, hat Gott sie uns in einer uns vertrauten Sprache mitgeteilt. Die Bibel ist in nat\u00fcrlichen, irdischen Sprachen verfa\u00dft; sie respektiert die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Sprache. Und gerade damit baut sie uns Menschen eine Br\u00fccke zu den Gedanken Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was bedeutet denn nun diese Aussage?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So, jetzt lassen wir die sprachlichen \u00dcberlegungen hinter uns und gehen \u00fcber zu praktischen Gesichtspunkten. Wie hat man sich das denn vorzustellen: \u201cPetrus, der Felsenmann, auf den Jesus seine Gemeinde baut\u201c? Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich nochmals auf die Schl\u00fcssigkeit dieser Aussage hinweisen. Zum ersten Mal stellt sich ein J\u00fcnger so offen auf Jesu Seite und bekennt sich zu ihm als dem Messias und dem Sohn Gottes. In gewissem Sinn ist Petrus damit der erste Christ. (Ich wei\u00df, zum Christsein geh\u00f6rt der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn und der Empfang des Heiligen Geistes. Aber zum damaligen Zeitpunkt, vor Pfingsten und vor Kreuz und Auferstehung, war dieses Bekenntnis der gr\u00f6\u00dfte Schritt, den jemand tun konnte, um seine Zugeh\u00f6rigkeit zu Jesus zu demonstrieren, und Petrus war der erste, der diesen Schritt machte. Hierin liegt \u2013 wie ich schon sagte \u2013 sicher auch der Grund, wieso Jesus pl\u00f6tzlich und zum allerersten Mal \u00fcberhaupt auf die Gemeinde zu sprechen kommt (die es ja bis dahin noch gar nicht gab). Er sieht in Petrus gewisserma\u00dfen das erste Gemeindeglied; jetzt kann er offen vom k\u00fcnftigen Gemeindebau reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und weil Petrus sich vor allen zur Einzigartigkeit von Jesus bekennt, setzt Jesus ihn in eine einzigartige Stellung ein. Weil Petrus der erste ist, der sich so klar auf seine Seite stellt, macht Jesus ihn zum ersten Stein, zu einem tragenden St\u00fcck Fels, auf dem er die Gemeinde dann weiterbaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wohlgemerkt: Nicht Simon bekommt das \u201cFelsenamt\u201c, sondern Petrus. Nicht auf dem alten Menschen kann Jesus aufbauen, sondern auf dem erneuerten, auf dem, der sich zu Christus bekennt und sich an Christus h\u00e4lt. Petrus wird nur in dem Ma\u00df \u201cFelsenmann\u201c sein, wie er sein eigenes Leben auf den wahren Fels, Christus, gr\u00fcndet. Nicht eigene Verdienste haben Petrus dieses besondere Amt eingebracht, sondern Gottes Gnade, die ihm den Sohn Gottes offenbart hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Stelle haken wieder manche ein. Petrus als Fels, auf den die Gemeinde aufgebaut wird? Da stimmt doch etwas nicht, das widerspricht doch klaren biblischen Aussagen. In 1. Korinther 3,11 hei\u00dft es: \u201eDas Fundament ist bereits gelegt, und niemand kann je ein anderes legen. Dieses Fundament ist Jesus Christus.\u201c Wer ist denn nun das Fundament der Gemeinde \u2013 Jesus oder Petrus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich meine, wir m\u00fcssen acht geben, da\u00df wir biblische Aussagen nicht gegeneinander ausspielen. Nat\u00fcrlich ist Christus das Fundament, das durch kein anderes ersetzt werden kann. Diese Aussage stammt von Paulus; sie steht im 1. Korintherbrief. Aber derselbe Paulus schreibt in einem anderen Brief folgendes: \u201eIhr seid in den Bau eingef\u00fcgt, dessen Fundament die Apostel und Propheten bilden, und der Eckstein in diesem Fundament ist Christus.\u201c (Epheser 2,20; vergleiche Offenbarung 21,14: \u201eDas Fundament der Stadtmauer bestand aus zw\u00f6lf Grundsteinen, auf denen zw\u00f6lf Namen standen \u2013 die Namen der zw\u00f6lf Apostel des Lammes\u201c). Im Griechischen steht f\u00fcr \u201cFundament\u201c an beiden Stellen dasselbe Wort (themelios). Was stimmt denn nun? Ist Christus das Fundament, oder sind es die Apostel und Propheten? Beides stimmt. Schaut man auf die \u00fcbernat\u00fcrliche Seite, dann ist Christus das Fundament. Einen grundlegenderen Grund gibt es nicht. Schaut man aber auf die menschliche Seite (und das Haus der Gemeinde Jesu baut sich nun mal aus Menschen auf, aus \u201clebendigen Steinen\u201c \u2013 1. Petrus 2,5), dann waren die J\u00fcnger Jesu die ersten Gemeindeglieder, eben das \u201cFundament der Apostel\u201c, und innerhalb dieses menschlichen Fundaments war Petrus der allererste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also: Das Fundament ist einmal Christus, und einmal sind es die Apostel und Propheten. Man kann es auch noch aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Christus ist einmal das Fundament, und einmal ist er der Eckstein, der wichtigste Stein innerhalb des Fundaments.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das f\u00fchrt zu einer weiteren Beobachtung. Wir haben es bei all diesen Ausdr\u00fccken mit Bildern zu tun. \u201cEckstein\u201c, \u201cFels\u201c und \u201cFundament\u201c sind Vergleiche. Vergleiche betonen einen Aspekt, den sie\u00a0mit der bezeichneten Wirklichkeit gemeinsam haben, aber sie sind nicht die\u00a0Wirklichkeit selbst,\u00a0auf die sie hinweisen. Jesus ist nicht buchst\u00e4blich ein Felsblock; Petrus ist nicht wortw\u00f6rtlich ein gro\u00dfer Stein. Das bedeutet aber auch, da\u00df\u00a0dieselben Metaphern f\u00fcr verschiedene Dinge verwendet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Gott\/Jesus wird im Alten und Neuen Testament verschiedentlich als \u201cL\u00f6we\u201c bezeichnet. \u201eEiner hat den Sieg errungen \u2013 der L\u00f6we aus dem Stamm Juda, der Spro\u00df, der aus dem Wurzelstock Davids hervorwuchs. Er ist w\u00fcrdig, das Buch mit den sieben Siegeln zu \u00f6ffnen.\u201c (Offenbarung 5,5). Der L\u00f6we aus Juda \u2013 das ist Jesus. Damit ist dieses Bild aber nicht zwingend f\u00fcr Gott reserviert. Auch Gottes Gegenspieler, der Satan, wird ein \u201cL\u00f6we\u201c genannt! \u201eSeid besonnen, seid wachsam! Euer Feind, der Teufel, streift umher wie ein br\u00fcllender L\u00f6we, immer auf der Suche nach einem Opfer, das er verschlingen kann.\u201c (1. Petrus 5,8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Oder: \u201eSauerteig\u201c ist h\u00e4ufig ein Bild f\u00fcr etwas Schlechtes. Paulus redet in 1. Korinther 5,8 von dem \u201eSauerteig der Bosheit und der Schlechtigkeit\u201c, den wir aus unserem Leben entfernen sollen. Aber der Sauerteig kann auch ein Bild f\u00fcr die alles durchdringende Kraft von Gottes Reich sein: \u201eMit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig &#8230;\u201c (Matth\u00e4us 13,33).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Oder: Einmal nennt Jesus sich selbst \u201cdas Licht der Welt\u201c (Johannes 8,12), ein anderes Mal erkl\u00e4rt er seine J\u00fcnger zum \u201cLicht der Welt\u201c (Matth\u00e4us 5,14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von daher \u00fcberrascht es nun auch keineswegs, wenn einmal Jesus und ein anderes Mal die Apostel als Fundament der Gemeinde bezeichnet werden oder wenn einmal Petrus \u201cFels\u201c genannt wird und ein andermal Jesus. Um beide Aussagen miteinander in Einklang zu bringen, denke ich gern an 1. Korinther 11,1, wo Paulus die Korinther auffordert, seinem Beispiel zu folgen. Darf denn ein Mensch andere Menschen zu so etwas aufrufen? M\u00fc\u00dfte er sie nicht bitten, dem Beispiel von <span style=\"text-decoration: underline;\">Jesus<\/span> zu folgen? Doch, und das tut Paulus auch, denn er f\u00e4hrt fort: \u201c&#8230; so wie ich dem Beispiel folge, das Christus uns gegeben hat.\u201c Nur in dem Ma\u00df, in dem Paulus dem Beispiel Jesu folgt, sollen die Korinther dem Beispiel des Apostels folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant, nicht? Da m\u00f6chte jemand, da\u00df die Menschen in ihm ein Vorbild sehen, ihn nachahmen. Was tut er? Ganz klar: Er stellt sich vor die anderen hin: Alle mal hersehen, alle mal herh\u00f6ren. Ich zeig euch, wie&#8217;s gemacht wird. Und nat\u00fcrlich steht dieser eine jetzt im Mittelpunkt; alles dreht sich um ihn. Und wenn er nicht ganz doll aufpasst, f\u00e4ngt er an, sich etwas auf sein vorbildliches Leben einzubilden. \u2013 Paulus geht anders vor. Er wendet sich nicht zu denen um, die ihn nachahmen sollen; er kehrt ihnen den R\u00fccken zu! Er konzentriert sich ganz darauf, Jesus nachzuahmen. Und w\u00e4hrend er das tut, kommen hinter seinem R\u00fccken immer mehr Menschen zusammen, schlie\u00dfen sich ihm an und ahmen ihn nach \u2013 oder vielmehr: ahmen zusammen mit ihm Jesus nach. Ein wunderbares Rezept gegen Selbstherrlichkeit und Gr\u00f6\u00dfenwahn von Leuten, die im Rampenlicht stehen und andere f\u00fchren sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eFolgt meinem Beispiel, so wie ich dem Beispiel folge, das Christus uns gegeben hat.\u201c Der wahre Zielpunkt f\u00fcr unsere Orientierung ist Jesus. Aber auf dieser Erde wird Jesus repr\u00e4sentiert durch seine Boten. Es w\u00e4re fatal f\u00fcr die Gemeinde, wenn ihre Verk\u00fcndiger sagen m\u00fc\u00dften: Seht nicht auf uns, wir sind leider L\u00fcgner und Diebe und Ehebrecher; seht von uns weg auf Jesus! Paulus jedenfalls ist ganz anders vorgegangen. Seht auf mich, sagt er, so wie ich auf Jesus sehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 1. Timotheus 3,15 steht etwas, was mich immer wieder erstaunt: \u201eIch schreibe dir diesen Brief, damit du wei\u00dft, wie diejenigen sich verhalten sollen, die zum Haus Gottes geh\u00f6ren, zur Gemeinde des lebendigen Gottes, die der St\u00fctzpfeiler und das Bollwerk der Wahrheit ist.\u201c Wer ist das Bollwerk der Wahrheit? Das Evangelium? Die apostolische Lehre? So w\u00fcrden wir es erwarten. Aber Paulus sagt etwas anderes; er erkl\u00e4rt die <span style=\"text-decoration: underline;\">Gemeinde<\/span> zum Bollwerk der Wahrheit! Solange nicht konkrete Menschen die biblische Wahrheit konkret verwirklichen, bleibt alles Theorie. Was n\u00fctzt das Reden von Wiedergeburt, wenn es keine Wiedergeborenen gibt? Was n\u00fctzt das Reden von Glaubensvorbildern, wenn alle es ablehnen, Glaubensvorbilder zu sein? Was n\u00fctzt das Reden von geistlicher Leiterschaft, wenn keiner bereit ist, ein Fels f\u00fcr andere zu werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ganz kurz zu den praktischen Auswirkungen dieses einzigartigen Auftrags an Petrus. Was bedeutete es konkret, Felsenmann zu sein? War Petrus den anderen Aposteln charakterlich \u00fcberlegen? Wohl kaum. Wie hat sich diese Ank\u00fcndigung erf\u00fcllt? Ich denke, die Vorrangstellung von Petrus ist vor allem geschichtlich zu verstehen. Petrus war, historisch gesehen, der erste Stein im Bauwerk der Gemeinde, und darum \u00fcbertrug Jesus ihm als erstem die Leitung der Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Das \u00e4u\u00dferte sich konkret z. B. so, da\u00df Jesus ihn f\u00fcr die anderen J\u00fcnger verantwortlich machte: \u201cSt\u00e4rke den Glauben deiner Br\u00fcder!\u201c (Lukas 22,32) \u201cSorge f\u00fcr meine Schafe!\u201c (Johannes 21,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Das \u00e4u\u00dferte sich darin, da\u00df Petrus der erste J\u00fcnger war, dem Jesus nach seiner Auferstehung erschien (1. Korinther 15,5: \u201eAls der Auferstandene hat sich Jesus zun\u00e4chst Petrus gezeigt und dann dem ganzen Kreis der Zw\u00f6lf.\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Das \u00e4u\u00dferte sich darin, da\u00df Petrus der erste war, der sowohl den Juden als auch den Nichtjuden das Evangelium verk\u00fcndete \u2013 den Juden am Pfingstfest in Jerusalem (Apostelgeschichte 2) und den Nichtjuden in C\u00e4sarea im Haus des r\u00f6mischen Offiziers Kornelius (Apostelgeschichte 10). In unserer Ausgangsstelle sagt Jesus zu Petrus: \u201eIch werde dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben.\u201c (Matth\u00e4us 16,19a) Wahrscheinlich ist genau das gemeint: Petrus war der erste, der Juden und Nichtjuden das Evangelium verk\u00fcndet und ihnen damit gewisserma\u00dfen den Himmel aufgeschlossen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie kennen bestimmt das ber\u00fchmte Gem\u00e4lde \u201eVier Apostel\u201c von Albrecht D\u00fcrer, einem Zeitgenossen und Anh\u00e4nger Martin Luthers. Erraten Sie, welcher von den vieren Petrus ist? D\u00fcrer hat den Aposteln keine Namensschildchen verpa\u00dft, und trotzdem wei\u00df man genau, wer wer ist. Petrus ist auf dem linken Bildteil der rechte, der mit dem Schl\u00fcssel! Er hat das \u201cSchl\u00fcsselamt\u201c. Er verwaltete die Schl\u00fcssel zum Himmelreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Matth\u00e4us 16,19b sagt Jesus noch etwas zu Petrus: \u201eWas du auf der Erde bindest, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde l\u00f6st, das wird im Himmel gel\u00f6st sein.\u201c Es ist umstritten, was mit den beiden Ausdr\u00fccken \u201ebinden\u201c und \u201el\u00f6sen\u201c gemeint ist. Wahrscheinlich hat es mit S\u00fcnde und Vergebung zu tun. Die Apostel verk\u00fcndeten das Evangelium. Wenn jemand diese Botschaft im Glauben annahm, wurde er gewisserma\u00dfen von seiner S\u00fcnde gel\u00f6st, befreit. Die Apostel konnten ihm die Vergebung zusprechen. Zum allerersten Mal geschah das an Pfingsten. Wer hielt die Pfingstpredigt? Petrus. Und was sagt er am Ende seiner Predigt? \u201eKehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen von Christus taufen! Dann wird Gott euch eure S\u00fcnden vergeben, und ihr werdet seine Gabe, den Heiligen Geist, bekommen.\u201c (Apostelgeschichte 2,38). Petrus war der erste, der \u201el\u00f6ste\u201c, und damit auch der erste, der \u201eband\u201c \u2013 n\u00e4mlich alle diejenigen, die nicht bereit waren, ihr Leben Jesus anzuvertrauen. (Vergleiche Johannes 20,23: \u201eWem ihr die S\u00fcnden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht vergeben.\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Petrus war der erste Leiter der ersten \u00f6rtlichen Gemeinde. Von Jerusalem als Muttergemeinde gingen die ersten Missionare aus; alle j\u00fcdischen und nichtj\u00fcdischen Gemeinden hatten hier ihre Wurzeln. Historisch l\u00e4\u00dft sich in einem gewissen Sinn alles auf Petrus zur\u00fcckf\u00fchren: \u201cAuf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8230; und was bedeutet sie nicht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daneben mu\u00df allerdings auch betont werden, was das Felsenamt des Petrus <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span> bedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Petrus, der Fels, tritt nicht an die Stelle von Christus, dem Felsen. Christus bleibt ihm \u00fcbergeordnet (man k\u00f6nnte auch sagen: untergeordnet, unterstellt \u2013 n\u00e4mlich als das tiefere, das eigentliche Fundament; Christus tr\u00e4gt auch Petrus).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Menschen, die Petrus zum Glauben f\u00fchrt, glauben nicht an ihn, sondern an Christus. Die Gemeinde, die Christus auf den Felsen Petrus bauen will, ist nicht die Gemeinde von Petrus, sondern die Gemeinde von Christus: \u201cAuf diesen Felsen werde <span style=\"text-decoration: underline;\">ich<\/span> <span style=\"text-decoration: underline;\">meine<\/span> Gemeinde bauen.\u201c Christus gibt das Heft nicht aus der Hand. Er ist der eigentliche Baumeister, auch wenn er Apostel als Baumeister einsetzt (siehe 1. Korinther 3,10, wo Paulus im Hinblick auf die Gr\u00fcndung der Gemeinde von Korinth sagt: \u201eWeil Gott mich in seiner Gnade dazu bef\u00e4higt hat, habe ich als ein kluger und umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt; andere bauen jetzt darauf weiter.\u201c Jesus bleibt der oberste Hirte seiner Schafe (Hebr\u00e4er 13,20: \u201eJesus, unser Herr \u2013 der gro\u00dfe Hirte seiner Schafe\u201c; 1.Petrus 5,4: \u201eder oberste Hirte\u201c), auch wenn er Menschen als Hirten f\u00fcr seine Herde einsetzt (Johannes 21,15-17 \u2013 Jesus zu Petrus: \u201eH\u00fcte meine Schafe!\u201c; 1. Petrus 5,2 \u2013 Petrus an die Gemeinde\u00e4ltesten: \u201eSorgt f\u00fcr die Gemeinde Gottes, die euch anvertraut ist, wie ein Hirte f\u00fcr seine Herde.\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Geschichtlichkeit des Felsenamtes schlie\u00dft auch ein, da\u00df es sich nicht auf seine Nachfolger \u00fcbertragen l\u00e4\u00dft, auf diejenigen, die Petrus in der Leitung der Gemeinde abl\u00f6sten. Abgesehen davon, da\u00df sich das Amt des Papstes keineswegs l\u00fcckenlos auf Petrus als angeblichen ersten Bischof von Rom zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4\u00dft \u2013 der Auftrag von Petrus war historisch und damit vor\u00fcbergehend. Petrus war der erste Fels, und man kann diesen ersten Felsen, auf dem das Weitere aufbaut, nicht ausbrechen und woanders neu einsetzen. Das Petrusamt war einmalig \u2013 im doppelten Sinn des Wortes. Es l\u00e4sst sich nicht wiederholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind von dem Einwand ausgegangen, da\u00df mit dem Felsen, petra, gar nicht Petrus gemeint sei, sondern das Glaubensbekenntnis oder sogar Jesus selbst. Es ist klar, wieso manche Christen diese Auslegung attraktiv finden: Sie hoffen, auf diese Weise dem Papst definitiv das Wasser abgraben zu k\u00f6nnen. Nun, der Versuch ist gut gemeint, aber das apologetische Bem\u00fchen ist allzu durchsichtig und vor allem in keiner Weise \u00fcberzeugend. Die Intention des Textes spricht in jeder Hinsicht dagegen. Diese Art von Argumentation wird den denkenden Katholiken umso mehr auf seinem Standpunkt beharren lassen, und f\u00fcr den Evangelikalen wird sie zum Bumerang, der auf ihn selbst zur\u00fcckf\u00e4llt und ihm selbst schadet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde nimmt diese Auslegung den r\u00f6misch-katholischen Anspruch viel zu ernst und gibt ihm (ohne es zu wollen) recht: als leite sich das Papsttum tats\u00e4chlich von Petrus ab. Und dann mu\u00df man, um den p\u00e4pstlichen Anspruch zu schm\u00e4lern, das Petrusamt schm\u00e4lern. Und (wieder ohne es zu wollen) schm\u00e4lert man damit auch das Petrusbekenntnis. Denn das Petrusamt ist ja der Lohn f\u00fcr das Petrusbekenntnis. Die Gr\u00f6\u00dfe des Petrusamtes entspricht der Gr\u00f6\u00dfe seines Bekenntnisses zu Jesus als dem Sohn Gottes. Wir d\u00fcrfen also die Zusage vom Fels nicht auf etwas anderes als auf Petrus beziehen. Wir d\u00fcrfen keine Z\u00e4sur zwischen Matth\u00e4us 16,18a und 18b setzen. Der richtige Weg ist der, zwischen Petrusamt und Papstanspruch zu trennen; dort ist die Z\u00e4sur zu setzen, nicht im Bibeltext.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend noch zwei klitzekleine Gedanken. Irgendwie finde ich es beinahe so etwas wie eine Ironie, da\u00df dieser Vers in der Kuppel der Peterskirche steht. Er wurde dort hingeschrieben, damit jeder lesen kann, worauf sich der Machtanspruch des Papstes gr\u00fcndet. Aber jeder, der der Vers wirklich liest und dar\u00fcber nachdenkt, mu\u00df merken, da\u00df damit etwas ganz anderes gemeint ist. Was als Beweis gedacht war, entpuppt sich als Widerlegung. Die Erbauer der Peterskirche wollten ihr ein unzerst\u00f6rbares Fundament geben und haben ihr in Wirklichkeit das Fundament entzogen. Sie steht auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ein letzter Gedanke: Eigentlich <span style=\"text-decoration: underline;\">ist<\/span> das Petrusamt gar nicht so einzigartig. Nat\u00fcrlich, Petrus war der erste Stein im Geb\u00e4ude der Gemeinde von Jesus, der erste Stein in diesem neuen Tempel Gottes. Im Neuen Testament hei\u00dft es einmal: \u201eLa\u00dft euch als lebendige Steine in das Haus einf\u00fcgen, das von Gott erbaut wird und von seinem Geist erf\u00fcllt ist.\u201c Wissen Sie, wer das geschrieben hat? Petrus! (1. Petrus 2,5) Dahinter steckt, finde ich, beinahe auch wieder so etwas wie ein g\u00f6ttlicher Humor, ein L\u00e4cheln Gottes \u00fcber alle, die das Petrusamt so \u00fcber alle Ma\u00dfen wichtig nehmen. Petrus, dieser erste Stein im Haus von Jesus, fordert seine Mitmenschen auf, ebenfalls Steine in diesem Haus zu werden. Und das hei\u00dft konkret: Jeder von uns soll an seinem Platz ein Petrus sein, ein Fels, ein Stein, auf dem weitere Steine aufgebaut werden k\u00f6nnen. Es ist wie bei einer Mauer, wo ein Stein auf den anderen gef\u00fcgt wird: Jeder Christ wird von anderen Christen getragen und ist seinerseits f\u00fcr andere verantwortlich, die sich auf ihn st\u00fctzen. Wer immer sich zu Jesus als dem Messias und dem Sohn Gottes bekennt, bekommt Anteil an dem Auftrag des Petrus, ein Fels f\u00fcr andere zu sein und mitzuhelfen beim Bau der Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beachte im Zusammenhang mit dem Amt des Bindens und L\u00f6sens den Wechsel vom Singular zum Plural, von Petrus zu allen Aposteln bzw. allen Christen \u2013 ein Hinweis darauf, da\u00df dieses Amt keineswegs f\u00fcr alle Zeiten das exklusive Vorrecht des Petrus war:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Matth\u00e4us 16,19: \u201eWas <span style=\"text-decoration: underline;\">du<\/span> auf der Erde bindest, das wird im Himmel gebunden sein, und was <span style=\"text-decoration: underline;\">du<\/span> auf der Erde l\u00f6st, das wird im Himmel gel\u00f6st sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Matth\u00e4us 18,19: \u201eAlles, was <span style=\"text-decoration: underline;\">ihr<\/span> auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und alles, was <span style=\"text-decoration: underline;\">ihr<\/span> auf der Erde l\u00f6sen werdet, wird im Himmel gel\u00f6st sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der entscheidende, der neue Punkt im Petrusbekenntnis ist wohl die Einsicht, da\u00df Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist. Einen Messias haben ihn schon andere vorher genannt, z. B. Andreas (Johannes 1,41); vergleiche die Aussagen der Samaritaner in Johannes 4,29.42. So gut wie alle Juden erwarteten eine messianische Gestalt, eine Retterfigur, ohne aber klare Vorstellungen \u00fcber deren Unsterblichkeit und G\u00f6ttlichkeit zu haben. \u2013 Einige nannten Christus allerdings auch schon vor Petrus \u201eSohn Gottes\u201c (Johannes der T\u00e4ufer in Johannes 1,34; Natanael in Johannes 1,49; die Zw\u00f6lf in Matth\u00e4us 14,33 angesichts des Wunders, da\u00df Jesus auf dem Wasser geht und den Sturm stillt; hingegen f\u00e4llt das Bekenntnis von Martha, Johannes 11,27, in die Zeit nach Matth\u00e4us 16). Ich vermute, da\u00df die Anh\u00e4nger Jesu zun\u00e4chst einfach merkten, da\u00df Jesus in einer besonders engen Beziehung zu Gott stand, und ihn deshalb als \u201eSohn Gottes\u201c bezeichneten, quasi als Ehrentitel (vergleiche \u201eSohn Gottes\u201c im Mund des Hauptmanns beim Kreuz, Matth\u00e4us 27,54 und Markus 15,39, was Lukas 23,47 mit \u201eein Gerechter\u201c wiedergibt). Da\u00df Jesus Gottes eigener und einziger Sohn war, Gott in Person \u2013 das begriffen sie wohl erst nach und nach. F\u00fcr die monotheistisch denkenden Juden war der Gedanke an eine wirkliche \u201eleibliche\u201c Gottessohnschaft fremd und gottesl\u00e4sterlich (vergleiche Johannes 10,36; Matth\u00e4us 26,63-65). Wie dem auch sei: Jesus macht in Matth\u00e4us 16,17 deutlich, da\u00df Petrus hier nicht etwas bereits Bekanntes sagt, nicht etwas, was ihm andere mitgeteilt haben, sondern etwas, was Gott h\u00f6chstpers\u00f6nlich ihn hat erkennen lassen. Innerhalb des Zw\u00f6lferkreises war Petrus auf jeden Fall der erste, der die Gottessohnschaft Jesu aussprach. Und ich denke, da\u00df er den Begriff und die Zusammenh\u00e4nge zu diesem Zeitpunkt tiefer erfa\u00dft hat, als es bis dahin bei ihm und anderen der Fall gewesen war. H\u00e4tte Petrus etwas ausgesprochen, was im Kreis der Anh\u00e4nger Jesu bereits bekannt war, w\u00e4re die geradezu \u00fcberschwengliche Reaktion von Jesus schwer zu begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welches ist wohl das meistgelesene Bibelwort? Schwer zu sagen, aber ich habe eine Vermutung. Es gibt einen hei\u00dfen Anw\u00e4rter auf Platz Nr. 1. 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