{"id":8555,"date":"2012-10-25T16:39:20","date_gmt":"2012-10-25T14:39:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8555"},"modified":"2012-10-25T16:47:28","modified_gmt":"2012-10-25T14:47:28","slug":"gebet-eine-kleine-einfuhrung-in-das-gesprach-mit-gott-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8555","title":{"rendered":"Gebet &#8211; eine kleine Einf\u00fchrung in das Gespr\u00e4ch mit Gott"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gebet &#8211; eine kleine Einf\u00fchrung in das Gespr\u00e4ch mit Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott kennen lehrt beten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott ist die Liebe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGott ist die Liebe\u201c. Dieses zentrale Wesensmerkmal Gottes, das uns im 1. Johannesbrief 4,16 bezeugt wird, liegt dem Gebet zu Grunde. Die Liebe sieht immer von sich selbst ab und sucht das Wohl des geliebten Gegen\u00fcbers. So denkt und handelt Gott nie selbstbezogen, sondern immer in Bezug auf die, die er liebt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist der eine Gott in den drei Personen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Diese drei sind in ihrer Liebe aufeinander bezogen, suchen in ihrer Liebe jeweils das Wohl des g\u00f6ttlichen Gegen\u00fcbers und bringen diese Liebe auch im Wort zum Ausdruck: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe\u201c (Mt 3,17) sagt die himmlische Stimme \u00fcber den Sohn und zum Sohn bei seiner Taufe. Der Sohn wiederum betet im hohepriesterlichen Gebet zum Vater: \u201eUnd ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen\u201c (Joh 17,26). Jesus ist das Wort Gottes, das im Anfang bei Gott war und Gott ist (Joh 1,1). Als der menschgewordene \u201eLogos\u201c (Joh 1,14) war er auch w\u00e4hrend seiner irdischen Lebenszeit in Liebe mit dem Vater verbunden und suchte deshalb das Gespr\u00e4ch mit ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Vater, Sohn und Heiliger Geist suchen in ihrer Liebe nun auch uns und m\u00f6chten uns in ihre Gemeinschaft hineinziehen. Wir sollen teilhaben an ihrer ewigen Liebe. Liebe ist der Grund daf\u00fcr, dass Jesus Christus die himmlische Herrlichkeit verlie\u00df, Mensch wurde und sich erniedrigte bis hin zum Tod am Kreuz. Jesus kam zu uns, um uns die Liebe des Vaters zu bringen und uns mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist auf ewig zu verbinden: \u201eWer mich liebt, der wird mein Wort halten: und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen\u201c (Joh 14,23). Vater und Sohn kommen zu uns durch den Heiligen Geist, den der Vater denen sendet, die den Sohn lieben (Joh 14,16). Der Geist wiederum zieht uns in das Gespr\u00e4ch mit dem Vater und dem Sohn (Joh 15,7; R\u00f6m 8,15). Die Liebe Gottes sucht uns und l\u00e4dt uns ein zum Gespr\u00e4ch mit Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott ist der Sch\u00f6pfer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist der Sch\u00f6pfer. Dabei f\u00e4llt auf, dass Gott die gesamte sichtbare und unsichtbare Welt durch das gesprochene Allmachtswort aus dem Nichts erschuf: \u201eUnd Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht!\u201c (1 Mose 1,3). Der Psalmist bekennt: \u201eWenn er spricht, so geschieht\u2019s und wenn er gebietet, so steht\u2019s da\u201c (Psalm 33,9). Der Brief an die Hebr\u00e4er best\u00e4tigt den Zusammenhang von Gottes sch\u00f6pferischer Rede und vorhandener Materie: \u201eDurch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, so dass alles, was man sieht, aus Nichts geworden ist\u201c (Hebr 11,3). Die Sch\u00f6pfung, in der wir leben, verdankt sich dem \u201elogos\u201c (Christus) (Joh 1,1.2) und der sch\u00f6pferischen Rede Gottes durch ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil Gott die Sch\u00f6pfung durch das Wort erschuf, verwundert es nicht, dass die gesamte Sch\u00f6pfung kommunikative Strukturen aufweist. Ein bekanntes Beispiel sind die Ges\u00e4nge der Bartenwale, die mit ihren Ges\u00e4ngen das Weibchen herbeilocken oder ihr Jagdrevier markieren. Der komplizierte Schw\u00e4nzeltanz der weiblichen Arbeiterbienen zeigt den anderen Bienen des Volkes an, wo im Verh\u00e4ltnis zum Sonnenstand sich gute Nektarquellen befinden. Auch die F\u00e4higkeit des Menschen zur Kommunikation durch Sprache ist nicht etwa Ergebnis eines zuf\u00e4lligen Evolutionsprozesses, sondern vom Sch\u00f6pfer verliehene Gabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gesch\u00f6pfe kommunizieren untereinander aber sie tragen auch \u2013 hineingewoben in die eigene Existenz \u2013 die Botschaft in sich, dass sie ihr Sein dem Sch\u00f6pfer zu verdanken haben: \u201eDie Himmel erz\u00e4hlen die Ehre Gottes, und die Feste verk\u00fcndigt seiner H\u00e4nde Werk. Ein Tag sagt`s dem andern und eine Nacht tut`s kund der andern, ihre Sprache und ohne Worte: unh\u00f6rbar ist ihre Stimme. Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt\u201c (Ps 19,1-5; vgl. R\u00f6m 1,20). Die Sch\u00f6pfung spricht lautlos und doch \u00fcberdeutlich von Gottes Ehre und seiner ewigen Majest\u00e4t und Gottheit. Wohl dem, der diese Stimme h\u00f6rt und Antwort gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gottes Wort an Adam<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00f6pfung des Universums fand ihren H\u00f6hepunkt in der Erschaffung Adams und Evas als Ebenbild Gottes: \u201eUnd Gott sprach: \u201eLasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen \u00fcber die Fische im Meer und \u00fcber die V\u00f6gel\u2026\u201c (1 Mose 1,26). Gott, der hier mit Christus kommuniziert und durch Christus sch\u00f6pferisch handelt, spricht Adam und Eva als sein Ebenbild direkt an und segnet sie mit seinem segensspendenden Wort: \u201eSeid fruchtbar und mehret euch und f\u00fcllet die Erde und macht sie euch untertan\u2026\u201c ( 1 Mose 1,28). Sp\u00e4ter teilt Gott Adam auch das einzige Verbot mit, das vom Menschen im Paradies beachtet werden sollte: \u201eDu darfst essen von allen B\u00e4umen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des B\u00f6sen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben\u201c (1 Mose 2,16.17). Und selbst nach dem S\u00fcndenfall ruft Gott seinen Adam: \u201eWo bist du?\u201c (1 Mose 3,9). In der ersten Anrede Gottes des in S\u00fcnde gefallenen Menschen zeigt Gott, dass er den Menschen auch in seinem Ungehorsam und im Stand der Verlorenheit weiterhin sucht, anspricht und in die Gemeinschaft mit ihm zur\u00fcckruft. Gott er\u00f6ffnet dem S\u00fcnder die M\u00f6glichkeit der R\u00fcckkehr und der Wiederaufnahme des Gespr\u00e4chs (vgl. Lk 15,11ff).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gottes Wort an uns in Christus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u201eWo bist du?\u201c fand seine Fortsetzung im immer wieder neuen Reden Gottes zu den Erzv\u00e4tern und dem auserw\u00e4hlten Volk. Gott lie\u00df \u00fcber Jahrtausende das Gespr\u00e4ch nie abbrechen, sondern nahm den Gespr\u00e4chsfaden immer wieder auf, um die Menschen zu sich zu rufen. Dieses liebevolle Werben Gottes gipfelte in der Sendung seines Sohnes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben \u00fcber alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. \u00a0Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und tr\u00e4gt alle Dinge mit seinem kr\u00e4ftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den S\u00fcnden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majest\u00e4t in der H\u00f6he 4 und ist so viel h\u00f6her geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, h\u00f6her ist als ihr Name.\u201c (Hebr 1,1-4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus vollbrachte die Reinigung von den S\u00fcnden. Sein Opfertod s\u00fchnt f\u00fcr die S\u00fcnde, die sich zwischen Gott und den Menschen geschoben hatte. Durch Christus werden wir gereinigt und damit wieder in den Stand versetzt, in die Liebesgemeinschaft des Heiligen Gottes aufgenommen zu werden. Gott hat in Christus das Gespr\u00e4ch mit dem Menschen neu er\u00f6ffnet. Wir d\u00fcrfen beten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gebetshindernisse \u00fcberwinden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Schuld muss weg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott l\u00e4dt ein zum Gebet. Doch es gibt einige Schwierigkeiten, die es zu \u00fcberwinden gilt. Was die Kommunikation mit Gott am meisten st\u00f6rt ist die Schuld. Was in jeder zwischenmenschlichen Beziehung erlebt wird, wirkt sich auch in der Beziehung zu Gott zerst\u00f6rerisch aus. Ein Streit zwischen meiner Frau und mir legt die Kommunikation erst einmal auf Eis. Ein liebevolles und freundschaftliches Gespr\u00e4ch wird erst wieder m\u00f6glich, wenn wir uns wieder vers\u00f6hnt haben. Dieses Grundgesetz gelingender Kommunikation lernt man in der Schule Gottes. Gott h\u00f6rt schlecht, wenn wir unsere S\u00fcnde lieben und im Streit mit ihm, seinem Wort und Willen leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd wenn ihr auch eure H\u00e4nde ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, h\u00f6re ich euch doch nicht; denn eure H\u00e4nde sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure b\u00f6sen Taten aus meinen Augen, la\u00dft ab vom B\u00f6sen!\u201c (Jes 1,15.16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gr\u00f6\u00dfte Hindernis im Gebet ist die Schuld, die uns von Gott trennt. Wenn wir nicht beten k\u00f6nnen, dann sollten wir uns zuallererst der Schuldfrage zuwenden. Gibt es noch Dinge, zwischen mir und Gott, die nicht bereinigt worden sind. Lebe ich noch in unerkannter S\u00fcnde oder gibt es S\u00fcnden, von denen ich nicht lassen kann? Wo bin ich noch gebunden an Neid, Geiz, Geld, Ehrsucht, Egoismus, Hass, Ehebruch, pornographisch gebundene Phantasien, okkulte Praktiken, etc. Wir sollten uns hier sehr ehrlich im Spiegel der Gebote Gottes betrachten und erkannte Schuld betend zu Christus bringen und bekennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn wir aber unsere S\u00fcnden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die S\u00fcnden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit\u201c (1 Joh 1,9;vgl. Jes 1,18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir nicht beten k\u00f6nnen, dann sollten wir zuerst die Schuldfrage kl\u00e4ren. Mit dem Bekennen von Schuld sind wir bereits mitten drin im Gespr\u00e4ch mit Gott, denn er liebt es, wenn wir seine Gabe der S\u00fcndenvergebung annehmen und ihm betend bekennen, dass wir ohne diese Gabe nicht mehr leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vom Zweifeln zum Glauben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Hobbes hatte einmal gesagt: \u201eIch glaube nur, was ich sehe.\u201c So meinen auch viele Menschen heute,\u00a0 nur das glauben zu k\u00f6nnen, was empirisch nachweisbar ist. Seit dem S\u00fcndenfall ist der Sch\u00f6pfer mit unseren Sinnen nicht fassbar und mit unseren Instrumenten nicht nachweisbar. So lebt der von Gott getrennte Mensch zwar in einer diffusen Ahnung, dass es Gott geben m\u00fcsse, wird aber immer wieder von tiefen Zweifeln ersch\u00fcttert, ja f\u00fcr viele Menschen unserer Zeit ist das Bezweifeln der Existenz Gottes zu einer Grundhaltung geworden, die das Leben durchzieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erinnere ich mich noch gut an meine ersten Gehversuche im Beten vor 16 Jahren in England w\u00e4hrend meines Zweitstudiums. Gab es \u00fcberhaupt einen Gott? Gab es jemanden au\u00dferhalb meiner selbst, der mein Flehen h\u00f6rte? Ging mein Gebet \u00fcber die Zimmerdecke hinaus? War ich allein oder war da noch jemand? Das Zweifeln an der Existenz Gottes oder auch dass Bezweifeln seiner G\u00fcte oder seiner Macht, kann das Gebet l\u00e4hmen und verhindern. Ja, Jakobus wird noch deutlicher, wenn er den Beter ermahnt: \u201eEr bitte aber im Glauben und zweifle nicht, denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde.\u201c (Jak 1,6)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Positiv gewendet lehrt uns der Herr, dass wir Glauben brauchen, wenn wir beten: \u201eAlles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr\u2019s empfangt, so wird`s euch zuteil werden\u201c (Mk 11,24). Glaube ist da, wo ein Mensch sich vertrauensvoll an den dreieinigen Gott und sein Wort gebunden hat. Wer glaubt, der wei\u00df: \u201eWas Gott verhei\u00dft, das kann er auch tun\u201c (R\u00f6m 4,21).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wie werden Zweifel und Unglauben \u00fcberwunden werden? Der Zweifler ist hier auf Gottes G\u00fcte und Gnade angewiesen. Da der Glaube immer Gabe ist, kann die \u00dcberwindung des Zweifels nur g\u00fctige Zuwendung Gottes sein. Der Zweifler bete, wie der Vater, der sich flehend an Jesus wandte, als er die Heilung seines Sohnes erbat: \u201eIch glaube; hilf meinem Unglauben!\u201c (Mk 9,24).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wunderbar zum Ausdruck gebracht ist dieses Gebet in der gleichnamigen Kantate von Johann Sebastian Bach (BWV 109). Der Zweifel wird im Rezitativ besungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des Herrn Hand ist ja noch nicht verk\u00fcrzt,<br \/>\nmir kann geholfen werden.<br \/>\nAch nein, ich sinke schon zu Erden<br \/>\nVor Sorge, dass sie ich zu Boden st\u00fcrzt.<br \/>\nDer H\u00f6chste will, sein Vaterherze bricht.<br \/>\nAch nein! Er h\u00f6rt die S\u00fcnder nicht.<br \/>\nEr wird, er muss dir bald zu helfen eilen,<br \/>\num deine Not zu heilen.<br \/>\nAch nein, es bleibet mir um Trost sehr bange:<br \/>\nAch Herr, wie lange?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch im Verlauf der Kantate dringt der Zweifler durch zum Glauben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heiland kennet ja die Seinen,<br \/>\nwenn ihre Hoffnung hilflos liegt.<br \/>\nWenn Fleisch und Geist in ihnen streiten,<br \/>\nso steht er ihnen selbst zur Seiten,<br \/>\ndamit zuletzt der Glaube siegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer hofft in Gott und dem vertraut,<br \/>\nder wird nimmer zuschanden;<br \/>\nDenn wer auf diesen Felsen baut,<br \/>\nOb ihm gleich geht zuhanden<br \/>\nviel Unfalls hie, hab ich doch nie<br \/>\nden Menschen sehen fallen,<br \/>\nder sich verl\u00e4sst auf Gottes Trost;<br \/>\ner hilft sein\u00b4 Gl\u00e4ubgen allen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Bachs Kantate wird besungen, was auch die Beter der Psalmen immer wieder erlebt haben: Es gibt einen Durchbruch von der Klage zum Lob und aus dem Zweifel zum Glauben. Der Herr selbst steht dem ringenden Beter zur Seiten, \u201edamit zuletzt der Glaube siegt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So durfte auch ich es in England erleben, dass der Herr selbst sich so klar und deutlich durch sein Wort bezeugte, dass aller Zweifel vom Glauben regelrecht \u00fcberwunden und verschlungen wurde. Aus dem zweifelnden Gebetsversuchen wurde ein Gebet des Glaubens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Priorit\u00e4ten richtig setzen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Hindernis ist, dass wir dem Gebet nicht die Bedeutung beimessen, die es eigentlich haben sollte. Paulus schreibt: \u201eSo ermahne ich nun, da\u00df man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, F\u00fcrbitte und Danksagung f\u00fcr alle Menschen\u201c (1Tim 2,1). Hier stellt er das Gebet an die erste Stelle: \u201evor allen Dingen.\u201c Mit Gebet sollte alles beginnen, was wir t\u00e4glich tun und lassen. Wenn das Gebet eine niedrige Priorit\u00e4t in unserem Leben hat, dann halten wir noch zu viel von uns selbst und unserer Kraft. Wenn wir stattdessen um unsere Schwachheit, die Allmacht Gottes wissen und die Kraft seiner Verhei\u00dfungen wissen, dann wird das Gebet wieder zur obersten Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Darum ist&#8217;s gut, dass man am fr\u00fchen Morgen das Gebet das erste und am Abend das letzte Werk sein l\u00e4sst. (Martin Luther)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Stille suchen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Gebetshindernis ist ganz praktischer Natur. Der Tag beginnt mit so vielen T\u00e4tigkeiten und Verrichtungen, dass ich gar nicht dazu komme, \u00fcberhaupt zu beten. Und so folgt eine Verpflichtung der anderen und am Ende des Tages f\u00e4llt man erschlagen ins Bett. Hier gilt es, sich bewusst Zeiten und Orte der Stille zu suchen und diese auch diszipliniert f\u00fcr das Gebet zu reservieren. Das obige Zitat von Martin Luther und auch die eigene Erfahrung legen es nahe, den Morgen oder den Abend und am besten beide Zeiten f\u00fcr das Gebet zu reservieren. Jesus selbst besuchte Orte um zu bestimmten Zeiten fern ab der Menschenmassen im Gespr\u00e4ch mit dem himmlischen Vater zu sein: \u201eUnd als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein\u201c (Mt 14,23).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie wir beten sollen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mit den Zusagen Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Beten geschieht auf der Grundlage der Zusagen, die Gott in seinem Wort macht. Die Heilige Schrift ist durchzogen von Einladungen und Aufforderungen zum Gebet. Immer wieder sind sie verbunden mit verhei\u00dfungsvollen Zusagen. Gott l\u00e4dt uns ein zu beten und er verspricht uns, dass er unser Gebet h\u00f6ren und auch beantworten will. Exemplarisch seinen deshalb einige dieser Gebetseinladungen mit ihren Verhei\u00dfungen genannt. Sie sollen uns Ansporn sein, das Gespr\u00e4ch mit Gott zu suchen. Wie beten wir? Wir beten so, dass wir uns auf diese Zusagen in und unter Berufung auf diese Zusagen an Gott wenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eRufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du wirst mich preisen.\u201c (Ps 50,15)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.\u201c (Jer 29,13)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan.\u201c (Mt 7,7)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWahrlich, ich sage euch auch: wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren, von meinem Vater im Himmel.\u201c (Mt 18,19)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAlles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr\u2019s empfangt, so wird`s euch zuteil werden.\u201c (Mk 11,24)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.\u201c (Joh 15,7.16)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt, so wird sie ihm gegeben werden.\u201c (Jak 1,5)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir beten auf der Grundlage dieser Verhei\u00dfungen und in dem Bewusstsein: \u201eWas Gott verhei\u00dft, das kann er auch tun!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im Namen Jesu <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin lehrt uns der Herr, dass unser Gebet im Namen Jesu geschehen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAn dem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er&#8217;s euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen.\u201c (Joh 16,23.24; vgl. Joh 14,13.14; Joh 15,16<strong>)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bisher kannten die J\u00fcnger nur das direkte Gebet zu Gott dem Vater. Es war f\u00fcr sie nun etwas ganz Neues, dass sie durch den Namen Jesu und in seinem Namen zum Vater kommen sollten. Der Vater hat dem Sohn alle Macht im Himmel und auf Erden \u00fcbertragen (Mt 28,18). Damit hat er auch das Recht und die Vollmacht erhalten, dass Menschen sich in seinem Namen und durch ihn an den Vater wenden. Der Name Jesus Christus steht f\u00fcr seine Person, sein ganzes g\u00f6ttliches Wesen, seine Sohnschaft, sein Erl\u00f6sungswerk in Kreuz und Auferstehung und seine Stellung als K\u00f6nig, Priester und Prophet. Indem wir in seinem Namen beten, bekennen wir vor Gott und Menschen, dass wir allein in Jesus Christus Zugang zum himmlischen Vater (Joh 14,6; Apg 4,12) haben und allein durch seinen hohepriesterlichen Dienst mit Zuversicht zum Thron der Gnade Gottes kommen und Hilfe erwarten k\u00f6nnen (Hebr 4,15.16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In der Kraft des Heiligen Geistes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir bereits gesehen haben liegt es im Wesen und in der Dreieinigkeit Gottes begr\u00fcndet, dass wir \u00fcberhaupt beten k\u00f6nnen. Dem Heiligen Geist kommt dabei eine zentrale Aufgabe zu, denn Gott sucht Anbeter, die ihn \u201eim Geist und in der Wahrheit anbeten\u201c (Joh 4,24). Ohne den Geist Gottes k\u00f6nnen wir Gott nicht gefallen (R\u00f6m 8,8.9) und so ist es unbedingt n\u00f6tig, dass wir den Heiligen Geist empfangen, der durch uns zum Vater betet (R\u00f6m 8,15). Hier wird auch deutlich, dass wir naturgem\u00e4\u00df gar nicht in der Lage sind, zu Gott zu beten. Doch Gott wirkt in seiner Gnade das Unm\u00f6gliche, in dem er seinen Geist in uns das tun l\u00e4sst, was wir nicht tun k\u00f6nnen (R\u00f6m 8,26). Der Geist in uns, verherrlicht den Sohn und betet durch uns und im Namen des Sohnes zum Vater (Joh 1413.14; 16,14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im Glauben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir bereits unter 2.2 gesehen haben, beten wir im Glauben. So lehrt der Herr selbst einen Glauben, der Berge versetzt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHabt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spr\u00e4che: Heb dich und wirf dich ins Meer! und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, da\u00df geschehen werde, was er sagt, so wird&#8217;s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, da\u00df ihr&#8217;s empfangt, so wird&#8217;s euch zuteilwerden.\u201c (Mk 11,22-24)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Aussage wird deutlich, dass hier ein Glaube gefragt ist, der den menschlichen Verstand und alle menschlichen M\u00f6glichkeiten ausschlie\u00dft. Weil Gott \u201ekein Ding unm\u00f6glich ist\u201c und er allm\u00e4chtig ist, deshalb kann er auch Berge versetzen und darum kann er mir auch in meiner v\u00f6lligen Aussichtslosigkeit, meiner Verzweiflung, meiner Ratlosigkeit und in den schier aussichtslosesten und unm\u00f6glichsten Situationen ein Retter und Helfer sein. Diesen Glauben m\u00f6ge Gott uns schenken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eOhne Glauben kann ein Gebet kein Gebet sein. Denn wie will der beten, der nicht glaubt, dass bei Gott soviel G\u00fcte sei, dass er die Betenden erh\u00f6ren wolle?\u201c (Martin Luther)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im Willen Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt eine Form des Glaubens, die meint, sich das Gew\u00fcnschte \u201eherbeiglauben\u201c und \u201eherbeieibeten\u201c zu k\u00f6nnen. Es komme nur auf den rechten Glauben an, um erfolgreich zu sein und Wohlstand zu erlangen. In diesem Sinne kommt es auch immer wieder zu Heilungsversprechen. Gott w\u00fcrde die Behinderung heilen, wenn nur recht geglaubt und gebetet w\u00fcrde. Tritt dann die Heilung oder der erbetene Wohlstand nicht ein, wird der Beter mangelnden Glaubens bezichtigt. Der Beter ist zur\u00fcckgeworfen auf einen selbstgemachten Glauben und die Erfolglosigkeit ist der Beleg daf\u00fcr, dass dieser Glaube nichts taugt. Hier werden Menschen in die Irre gef\u00fchrt, denn das Gebet des Glaubens unterliegt immer dem Korrektiv des Willens Gottes. Jakobus hat sehr deutlich davor gewarnt aus selbsts\u00fcchtigen Motiven heraus zu beten (Jak 4,3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Beter soll nicht f\u00fcr irgendetwas und nach seinen W\u00fcnschen und Vorstellungen beten, sondern nach dem Willen des Vaters. So schreibt Johannes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so h\u00f6rt er uns. Und wenn wir wissen, da\u00df er uns h\u00f6rt, worum wir auch bitten, so wissen wir, da\u00df wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben. (1Joh 5,14.15)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was der Wille Gottes ist, das verr\u00e4t uns die Heilige Schrift. Wir sollen also anhand der Schrift pr\u00fcfen, was Gottes Wille ist, n\u00e4mlich das Gute und Wohlgef\u00e4llige und Vollkommene (R\u00f6m 12,2; vgl. 1 Thess 4,3; 5,18). Der Beter lernt den Willen Gottes in der Heiligen Schrift kennen und seine Gebete werden sich mehr und mehr an Gottes Willen orientieren. Das Gebet wird durch das Wort geformt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt auf viele Lebensfragen keine offenbarte Antwort, die uns verriete, wie Gott in einer Sache denkt. Ja, Gott kann Heilung von einer schweren Krebserkrankung schenken. So darf der Beter auch glaubensvoll beten, dass Gott Heilung schenkt (Jak 5,13ff). Doch er bittet mit dem Bewusstsein: \u201eDoch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.\u201c (Lk 22,42; vgl. 2 Kor 12,7-9). Oft wird der Beter sich in den nicht geoffenbarten Willen Gottes hineinbeten m\u00fcssen, um zu erkennen, was Gottes Wille in einer ganz bestimmten Lebensfrage ist. Das ist ein Weg, der von schweren Anfechtungen begleitet sein kann. Dann ist es ratsam, andere Christen zu bitten, den Beter in seinem betenden Ringen zu begleiten und zu unterst\u00fctzen (s. u.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Intensiv und ausdauernd<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gleichnis vom bittenden Freund lehrt Jesus uns das dr\u00e4ngende und intensive Beten, denn der Freund erh\u00e4lt das Brot aufgrund seines \u201eunversch\u00e4mten Dr\u00e4ngens\u201c (Lk 11,1-10). Wir d\u00fcrfen Gott im Gebet best\u00fcrmen, ihn flehentlich bitten, ihn anrufen und unser Anliegen intensiv und mit Verweis auf seine gemachten Zusagen vortragen, ja so mit ihm ringen, wie Jakob rang, um den Segen Gottes zu erlangen (1 Mose 32,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem sollten wir ausdauernd beten und immer wieder und unaufh\u00f6rlich das Gespr\u00e4ch mit Gott suchen: \u201eBetet ohne Unterla\u00df, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.\u201c (1Thess 5,17.18; vgl. Eph 6,18; Lk 18,1-5)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.7\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Gebet in Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Bergpredigt warnt Jesus uns vor einer Gefahr, die langj\u00e4hrige Beter kennen werden. Es ist die Gefahr, beim Beten in eine fromme Selbstdarstellung zu verfallen (Mt 6,5ff). Als Gegenmittel schickt der Herr uns in das stille K\u00e4mmerlein, wo wir allein mit unserem Vaters sind. Wenn man um diese Gefahr wei\u00df, sollte man dennoch auf das Gebet in Gemeinschaft anderer Christen nicht verzichten. Nicht ohne Grund hat Gott auf das gemeinsame Gebet eine besondere Verhei\u00dfung gelegt, denn da m\u00f6chte der Herr in besonderer Weise h\u00f6ren und antworten, wo seine Kinder eins werden und beten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.\u201c (Mt 18,19.20)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das mag uns zuerst fremd vorkommen, doch gerade mit Blick auf die besondere Kraft, die in dieser Zusage steckt, lohnt es sich, hier die alten Vorbehalte zu \u00fcberwinden und das Gebet in der Gemeinschaft mit ein, zwei oder mehr Personen zu suchen (vgl. das Gemeindegebet in Apg 4,23ff).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Was wir beten sollen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anbetung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben gesehen, dass wir beten k\u00f6nnen, d\u00fcrfen und sollen, wir haben gesehen, wie wir beten sollen und so wenden wir uns nun der Frage zu, was wir beten sollen. Im Vater Unser hat uns der Herr die Grundlagen des Gebetes gelehrt. Dieses Gebet sollten wir in eben diesen Worten beten, aber auch das frei formulierte Gebet im Geiste dieser kompakten Gebetslehre sprechen. Es beginnt mit den Worten: \u201eVater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe\u201c (Mt 6,9). Die Heiligung des Namens Gottes steht ganz oben an und damit die Anbetung und der Lobpreis Gottes. Wir beten Gott an f\u00fcr sein Werk in Sch\u00f6pfung und Erl\u00f6sung. Es ist die h\u00f6chste Bestimmung aller Gesch\u00f6pfe Gottes, dass sie Gott in Ewigkeit anbeten und ehren. Das sollte in unseren Gebeten an vorderster Stelle stehen (vgl. Offb 5,11ff).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dank<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eng verbunden mit der Anbetung ist die Danksagung, die uns von den Aposteln immer wieder ans Herz gelegt wird (Phil 4,6; 1 Tim 2,1; 1 Thess 5,18). Der Glaube sagt Danke. Denn der Glaubende wei\u00df, dass er das Gute vom Geber aller guten Gaben empfangen hat (Jak 1,17). Die \u00fcberall grassierende Undankbarkeit ist Ausdruck des Unglaubens und so tut auch der Beter gut daran, f\u00fcr das zu danken, was er von Gott an geistlichen und materiellen Gaben erhalten hat. Unser Gebet und unser Glauben geraten in Schieflage, wenn wir das Danken vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDanken sch\u00fctzt vor Wanken und loben zieht nach oben\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bekenntnis der Schuld<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDarum bekannte ich dir meine S\u00fcnde und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine \u00dcbertretungen bekennen (Ps 32,5). Wir haben die Schuldproblematik bereits angesprochen (vgl. 2.1). Im Vater Unser lehrt der Herr, dass das Bekenntnis der Schuld vor Gott und die Bitte um Vergebung sowie der zwischenmenschliche Zuspruch der Vergebung ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Gebetslebens sein sollte. In diesem Sinne kann\u00a0 man auch die erste der 95 Thesen Martin Luthers verstehen: \u201eDa unser Herr und Meister Jesus Christus spricht &#8222;Tut Bu\u00dfe&#8220; usw. (Mt. 4,17), hat er gewollt, da\u00df das ganze Leben der Gl\u00e4ubigen Bu\u00dfe sein soll.\u201c Das Eingest\u00e4ndnis von Schuld und die Bitte um Vergebung sollten darum einen festen Platz in unserem Gebet erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das missionarische Gebet<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das vordringliche Projekt Gottes bis zur Wiederkunft Jesu Christi ist die Verk\u00fcndigung des Evangeliums unter allen V\u00f6lkern der Erde. Wer nicht selbst dem Ruf in die Mission folgt, sollte vor der eigenen Haust\u00fcr die frohe Botschaft verk\u00fcndigen und in jedem Fall sich durch das Gebet an der Verbreitung des Evangeliums beteiligen. Zum Einen geschieht das, indem wir nach der Aufforderung Jesu daf\u00fcr beten, dass Missionare entsandt werden (Mt 9,38). Zum Anderen geschieht dies, indem wir Missionare und Evangelisten in ihrem Dienst unterst\u00fctzen. So betete die Urgemeinde: \u201eUnd gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort\u201c (Apg 4,29) und Paulus forderte die Epheser auf, ihn im Gebet zu unterst\u00fctzen, damit er \u201efreim\u00fctig das Geheimnis des Evangeliums\u201c verk\u00fcndigen k\u00f6nne (Eph 6,19). Gott m\u00f6chte uns als Beter in die Weltmission und die Rettung von Seelen einbinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Gebet f\u00fcr die Geschwister<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBetet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet f\u00fcr alle Heiligen.\u201c (Eph 6,18).<em> <\/em>Ein besonderer Schwerpunkt des Gebets sollte auf den Glaubensgeschwistern liegen. Jesus hat f\u00fcr seine J\u00fcnger gebetet und so wie er sollen auch wir einander im Gebet st\u00fctzen und tragen. Paulus ist hier mit guten Vorbild vorangegangen, denn aus seinen Briefen kann ersehen werden, dass er immer wieder f\u00fcr die Christen in den verschiedenen Gemeinden dankte und F\u00fcrbitte leistete (Phil 1,3.4; Kol 1,3ff).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDenke daran, dass du nicht allein kniest und da stehst, sondern die ganze Christenheit gemeinsam mit dir und du unter ihnen in einm\u00fctigem, eintr\u00e4chtigem Gebet.\u201c (Martin Luther)<\/em><em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Gebet f\u00fcr alle Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die F\u00fcrbitte gilt nicht nur den Glaubensgeschwistern, sondern allen Menschen, wie Paulus in 1 Tim 2,1 schreibt. Wir haben einen priesterlichen Dienstauftrag an allen Menschen, die uns umgeben und die Gesellschaft, in der wir leben. Weil Gott die Welt geliebt hat (Joh 3,16), gilt ihr die Sendung seines Sohnes und das Gebet seiner Kinder. Speziell sollen wir in unsere Gebete auch die Obrigkeit einschlie\u00dfen (vgl. 1 Tim 2,2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegf\u00fchren lassen, und betet f\u00fcr sie zum HERRN; denn wenn&#8217;s ihr wohlgeht, so geht&#8217;s auch euch wohl. (Jer 29,7)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.7\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die pers\u00f6nlichen Anliegen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuletzt d\u00fcrfen wir auch alle unsere pers\u00f6nlichen Anliegen, Gott im Gebet sagen. Wir sollen uns nicht sorgen, sondern alle Dinge vor Gott bringen: \u201eSorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen la\u00dft eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!\u201c (Phil 4,6; 1 Petr 5,7). Nur beispielhaft seien hier erw\u00e4hnt, das Gebet um Weisheit (Jak 1,5), das Gebet um Gesundheit (Jak 5,14.15) und mit dem Vater Unser das Gebet um das t\u00e4gliche Brot (Mt 6,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>\u201eWenn eine Sorge zu gering ist, sie in ein Gebet zu verwandeln, dann ist sie auch zu gering, sie zu einer Last zu machen.\u201c (Corrie ten Boom)<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welch ein gro\u00dfes Vorrecht ist uns mit dem Gebet gegeben. Durch das Gebet haben wir Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wir d\u00fcrfen zu jeder Zeit mit allen Anliegen vor Gott treten. Wir d\u00fcrfen durch das Gebet teilhaben und mitwirken an Gottes Plan f\u00fcr diese Welt, unser Leben, unsere Zeit und unsere Mitmenschen. Durch das Gebet sind wir daran beteiligt, dass Not gelindert wird, Menschen f\u00fcr Zeit und Ewigkeit gerettet werden, Gemeinden wachsen und auf dem Weg bleiben, Politiker weise Entscheidungen treffen und unsere pers\u00f6nlichen Sorgen kleiner und das Vertrauen in Gott gr\u00f6\u00dfer werden. Gewaltige Zusagen hat Gott an das Beten gekn\u00fcpft. Lassen Sie uns Gott beim Wort nehmen und das Gespr\u00e4ch mit ihm suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<em>Prediger Johann Hesse, Walsrode im Oktober 2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebet &#8211; eine kleine Einf\u00fchrung in das Gespr\u00e4ch mit Gott 1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott kennen lehrt beten 1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gott ist die Liebe \u201eGott ist die Liebe\u201c. Dieses zentrale Wesensmerkmal Gottes, das uns im 1. Johannesbrief 4,16 bezeugt wird, liegt dem Gebet zu Grunde. 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