{"id":8545,"date":"2012-10-22T12:03:04","date_gmt":"2012-10-22T10:03:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8545"},"modified":"2012-10-29T23:35:04","modified_gmt":"2012-10-29T21:35:04","slug":"ghb-grundungsaufruf-durch-pastor-heinrich-kemner-17-5-1992","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8545","title":{"rendered":"GHB-Gr\u00fcndungsaufruf durch Pastor Heinrich Kemner 17.5.1992"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gr\u00fcndungsaufruf zum Gemeindenotbund am <\/strong><strong>17.5.1992<\/strong><strong> in der Glaubenshalle des Geistlichen R\u00fcstzentrums Krelingen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wir alle empfinden diesen Tag wohl als einen bewegenden Tag. Wir haben ihn nicht gesucht, er kam auf uns zu. Und wir haben viel gebetet. [&#8230;] Gott sitzt im Regiment. Krelingen habe ich nicht gewollt, sondern Krelingen ist geworden, weil es sein mu\u00dfte. Vierzehn Tage vor dem Krebstod meiner Mutter, den der Arzt vorausgesagt hatte, weil sie voller Metastasen war, habe ich im dunklen Keller gelobt: &#8222;Herr, wenn Du mir die Mutter l\u00e4\u00dft, die ich \u00fcber alles liebte, dann will ich Pastor werden!&#8220; &#8211; Sie wurde in einer Woche gesund. Dr. Wolters aus Herford nahm sie zum R\u00f6ntgen mit und kam leichenbla\u00df mit meiner Mutter zur\u00fcck &#8211; das hatte er noch nie erlebt: Alle Metastasen waren weg. Auf dem R\u00f6ntgenbild war nichts mehr zu sehen, und ich war ein gepr\u00fcgelter Hund. K\u00f6nnt Ihr das verstehen? Erst dachte ich, meine G\u00fcte, was habe ich nur gelobt! Da bin ich zu unserem Pastor gegangen, der war gl\u00e4ubig, und mit ihm habe ich dann gebetet. Er sagte: &#8222;Ja, wenn Gott Dich haben will, dann kann das so gehen wie bei Jeremia, dann wirst Du hingepaukt, dann kommt die Unruhe, dann mu\u00dft Du!&#8220; Dies war im letzten der Ansto\u00df von Krelingen. [&#8230;]<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und liebe Br\u00fcder und Schwestern, diese Stunde ist doch etwas mehr. Ich habe eben betend an den Augenblick gedacht, den ich mit meiner Frau erlebte beim vorletzten Mal, als wir von Afrika kamen: Ich hatte in Sambia, Rhodesien und Malawi gepredigt und viel Erweckung gesehen, und wir waren nun auf dem R\u00fcckflug, als wir \u00fcber Luanda in10.000 min ein furchtbares Unwetter gerieten. Der Pilot sagte, so etwas h\u00e4tte er in zehn Jahren Flug noch nicht erlebt. Diese Gewitter bewirkten durch das furchtbare Blitzen luftleere R\u00e4ume, und die Boeing sackte dann immer ab. [&#8230;] Zur Ablenkung wurde die Musik auf die gr\u00f6\u00dfte Lautst\u00e4rke gestellt. Es wurde noch schlimmer. Siebenmal versuchte der Pilot vergeblich, die Maschine zu landen. Dann kam durch die Lautsprecher die Aufforderung, jeder k\u00f6nne trinken, was er wolle: Whisky, Schnaps &#8211; und zwar umsonst. &#8211; Mensch, wenn die Welt morgen untergeht, kriegst Du alles umsonst! &#8211; Und als wir dann \u00fcber dem Meer waren, kam der Befehl: Schwimmg\u00fcrtel umschnallen! Da ging das Geschrei los. Da habe ich den Augenblick gesehen, den Johannes meint, wenn Jesus wiederkommt: &#8222;Es werden br\u00fcllen alle Geschlechter auf Erden.&#8220; Und als das begann, da sagte meine Frau zu mir: &#8222;Du, jetzt haben die anderen nichts mehr zu sagen. Jetzt bist Du dran!&#8220; Ich bin aufgestanden, zur Kanzel, Englisch kann ich nicht viel &#8211; God bless you -, nur so ein paar Brocken, und ich habe gefragt, ob ich beten d\u00fcrfte. Dann habe ich gesagt: &#8222;Wir sind in Todesnot, wahrscheinlich m\u00fcssen wir gleich alle sterben. Faltet die H\u00e4nde zum Gebet!&#8220; Es wurde in der Sekunde m\u00e4rchenhaft still. Ich dachte an Bergengr\u00fcn: &#8222;Erst mu\u00df die Nacht ganz finster sein, eh&#8216; wir nach Deinem Tage schreien. Erst in der allergr\u00f6\u00dften Not, da schreien wir, Herr, nach Deinem Brot.&#8220; Ich habe gebetet, und als wir in Las Palmas landeten, kam der Flugzeugf\u00fchrer und nahm mich in den Arm. Auch die anderen bedankten sich alle f\u00fcr das Gebet. Sie wurden ruhig, und dann sagte mir der Flugzeugf\u00fchrer: &#8222;Welch ein Gl\u00fcck, da\u00df wir einen Pastor dabei hatten.&#8220; Da habe ich gesagt: &#8222;Quatsch! Sondern, da\u00df ein Christ da war, der glaubte &#8218;Mir ist gegeben alle Gewalt&#8216;.&#8220; Einer, der diese Einfalt noch hatte. Luther w\u00fcrde sagen, &#8222;der Gott Gott sein lie\u00df&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das tut man heute nicht mehr in der Theologie. Nicht die Wunder tun es. Jesus hat nie eine Show gemacht mit den Wundern. Nicht durch Wunder kommt man zum Glauben. Der Glaube ist selbst ein Wunder. F\u00fcr mich ist die Jungfrauengeburt, die jener Superintendent in L\u00fcneburg leugnet, eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, weil ich an meinem eigenen Herzen das Wunder erlebt habe. Aber das kann man nicht psychologisch begr\u00fcnden. Ich habe vor drei Jahren schon gesagt, in der Schweiz bei einem Haufen katholischer Pfarrer: &#8222;Der Drewermann wird Euch noch viel Not machen, denn der l\u00f6st alles auf\u00a0 mit seiner psychologischen Methode!&#8220; Das ist die Versuchung, in der wir stehen. Und das ist meine Sorge. Und das habe ich den Bisch\u00f6fen, soweit ich sie kenne, gesagt, wenn die Anfechtung Versuchung wird, etwa durch die Homosexualit\u00e4t, da\u00df wir selber versucht werden, da\u00df aus der Kirche vielleicht ein Puff wird, wenn das soweit kommt, dann mu\u00df eine Stelle da sein, die entscheidend sagt, bis hierher und nicht weiter. Da mu\u00df es ja wohl noch M\u00e4nner geben, die mehr sind als Hampelm\u00e4nner oder mit dicken Kreuzen rumlaufen, die nichts besagen! Das macht heute keinen Eindruck mehr! Talare und Kreuze machen heute keinen Eindruck mehr, das ist vorbei, liebe Br\u00fcder und Schwestern. Wir kommen in die Versuchung. Da mu\u00df man wissen, wie man dran ist mit dem anderen, ob man gemeinsam ist mit dem Herrn. Deitenbeck sagt, ob wir in derselben Blutgruppe sind, oder man kann auch sagen denselben Stallgeruch haben. Ob wir das Geheimnis haben mit Christus, mit dem Evangelium, und daraus leben und darauf sterben. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun sitzen wir hier. Wollen wir wieder redend weggehen, was haben wir alles geh\u00f6rt, wollen wir schimpfen? Nein! Wir wollen die Kirche erleiden. Wir erleiden sie ja, schrecklich erleiden wir sie. Schlaflose N\u00e4chte! Es sind ja geschenkte Tage, das wei\u00df jeder. Und seht, Br\u00fcder und Schwestern, in diesem Augenblick, da bin ich ja schlie\u00dflich noch der derzeitige Leiter im Staffettenlauf. Was Gott hier angefangen hat &#8211; das kann ich euch versichern! -, das hat er getan, nicht weil Kemner so ein dicker Mann ist, der da noch etwas Not hat, das w\u00e4re das Schrecklichste, wenn aus diesem Werk ein Kemner-Werk w\u00fcrde, dann h\u00e4tte es gar keinen Sinn gehabt! Aber die Ehre nehme ich mir, da\u00df ich gehorsam gewesen bin in der Unruhe und das Risiko eingegangen bin. Und Gott hat es gef\u00fchrt, wir sitzen hier. Und deshalb wird der Herr weitersorgen, deshalb hat Krelingen einen Auftrag, denn Gott sieht voraus. Gott wei\u00df weiter, Gott f\u00fchrt zum Ziel. Und nun? Ja, dies ist der richtige Augenblick! Sollen wir wieder so weggehen mit Halleluja, und dann stehend singen, und alles bleibt beim Alten? Nein, so nicht, Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So, und ich m\u00f6chte jetzt eine Frage stellen, die geht jeden hier an, und die stelle ich Euch jetzt in diesem Augenblick in Vollmacht vor dem Herrn und im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wollen wir ein Wagnis eingehen, das jeder selbst in seinem Gewissen vor dem lebendigen Herrn entscheiden mu\u00df? Ich bitte aber, da\u00df drei Br\u00fcder vorher kurz beten. Bitte, wer hat die Freudigkeit? Meine lieben Br\u00fcder und Schwestern, vor dem lebendigen Gott, vor seinem Urteil, in diesem Augenblick, wo wir hier sitzen, nehme ich mir die Vollmacht, euch zu fragen, ob ihr damit einverstanden seid, in diesem Notstand der Kirche nicht aus der Kirche auszutreten, sondern in die Kirche einzutreten. Wir sind die Kirche, nicht die anderen. Und ich frage Euch, ob ihr mir das Vertrauen schenken k\u00f6nnt, wenn die Abstimmung, die Ihr vor Gott vollziehen m\u00fc\u00dft, so ausf\u00e4llt, wie ich es vor Gott erwarte, da\u00df dann drei oder vier Br\u00fcder berufen werden, die den Gemeindenotbund, der mit dem heutigen Tage beginnt, vor Gott in letzter Verantwortung zun\u00e4chst f\u00fchren, zusammen mit Euch in einem biblisch-demokratischen Gemeindesinn, in Familienstruktur, und nicht von oben herab. Und ob ihr damit einverstanden seid, da\u00df wir in absehbarer Zeit, in dieser Unruhe, die man nicht zeitm\u00e4\u00dfig bestimmen kann, ob wir im Kairos, den wir erhorchen und betend erglauben m\u00fcssen, ob ihr einverstanden seid, wiederzukommen, um hier betend, glaubend und mit Opfer mitzuhelfen. [&#8230;] Das ist mehr wert als zehn Kirchen und zwanzig P\u00e4pste. [&#8230;] Ich jaule wie ein Hund hinter dem Herrn her. Und da steht Jesus still und sagt: Kemner, du kannst \u00fcberhaupt nichts, nur jaulen. Aber du kriegst einen Brocken. Und dann sage ich Dankesch\u00f6n, Herr Jesus, wenn ich wieder am Ende bin, dann komme ich wieder. Was soll ich denn mehr machen? Ich kann nur jaulen. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun frage ich jetzt: Sollen wir den Gemeindenotbund von heute ab datieren, von diesem Augenblick an; durch die Erweckliche Stimme euch bekannt machen; seid ihr auch bereit, daf\u00fcr etwas zu opfern, als seine Kinder, die im Notstand zusammenhalten und sich gemeinsam ausrichten? Vertraut ihr dem Herrn? Sollen wir das tun, sollen wir den Augenblick jetzt nehmen im Herrn und von diesem Augenblick an den Notbund, wie damals Martin Niem\u00f6ller den Pfarrernotbund gr\u00fcndete in einer politisch schlimmen Situation, sollen wir so auch jetzt kirchlich in dieser schweren, viel schlimmeren Situation der Kirche, den Schritt tun nach vorne im Wagnis auf den Herrn? Seid ihr damit einverstanden? Und da m\u00f6chte ich mir den Freimut nehmen zu bitten, wer dazu Ja sagt, der stehe auf, und wer nicht Ja sagt, der bleibe ruhig sitzen. Also bitte, ich will abstimmen lassen, wer steht auf?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich danke euch, es sind ja wohl, wenn ich so sch\u00e4tze, 90 Prozent oder fast alle. Ich bin euch von Herzen dankbar, da\u00df ich diesen Augenblick noch erleben darf, da\u00df endlich eine Herde und ein Hirte kommt. Ein f\u00fchrender Kirchenmann, der zu uns steht, sagte mir: Das Schlimmste ist gar nicht die Kirche mit ihrem Abfall, Bruder Kemner, das Schlimmste ist, da\u00df die gl\u00e4ubigen Kreise unter sich nicht einig sind und nicht von der Mitte her leben, sich gegenseitig noch torpedieren, wo das Schiff Windst\u00e4rke 11 hat. Herr, schenke uns diese Einm\u00fctigkeit. Ich danke euch. Damit ist von diesem Augenblick des kirchlichen Notstandes verbindlich ein Gemeindenotbund, so wollen wir ihn doch nennen, ins Leben gerufen. Das Kind lebt, und die dem Kindlein nach dem Leben trachten, die werden sterben, und wir werden leben. Der Herr will es. Er will es. Er hat es getan. Ich danke euch. [&#8230;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt: Wir gehen durch Lust und Leid. Wir gehen durch Last und Freud, das Herz zur Ewigkeit gewandt. Wir gehen heim zum Vaterland, zur ewigen Freud. Ich danke Euch f\u00fcr die Kollekte. Die Beh\u00f6rde hat jetzt Baf\u00f6g f\u00fcr das zweite Studienjahr genehmigt. Auch werden wir morgen vielleicht aus Laienkreisen Br\u00fcder ausbilden. Wir wissen nicht, wo es hingeht. Jetzt geht es ins Risiko. Jetzt wird nicht mehr geredet, sondern gehandelt. Ich danke euch f\u00fcr das Vertrauen, und vor Gott verspreche ich euch, ich werde dessen w\u00fcrdig sein und betend das tun, was zu tun ist, auch mit der Kirchenbeh\u00f6rde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(leicht gek\u00fcrzte und f\u00fcr die Schriftform gegl\u00e4ttete Fassung)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Ver\u00f6ffentlichung erfolgt aus Anla\u00df des 20-j\u00e4hrigen Gr\u00fcndungsjubil\u00e4ums. Die Gr\u00fcndung des Gemeindehilfsbundes (bis November 1992 &#8218;Gemeindenotbund&#8216;) erfolgte am 31.10.1992 in der Glaubenshalle des Geistlichen R\u00fcstzentrums Krelingen. Die Jubil\u00e4umsfeier findet am 3.11.2012 am Gr\u00fcndungsort statt (N\u00e4heres und Anmeldung siehe rechtes Feld &#8218;Einladung&#8216;).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndungsaufruf zum Gemeindenotbund am 17.5.1992 in der Glaubenshalle des Geistlichen R\u00fcstzentrums Krelingen Liebe Br\u00fcder und Schwestern, wir alle empfinden diesen Tag wohl als einen bewegenden Tag. Wir haben ihn nicht gesucht, er kam auf uns zu. Und wir haben viel gebetet. [&#8230;] Gott sitzt im Regiment. 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