{"id":847,"date":"2009-02-28T19:36:51","date_gmt":"2009-02-28T17:36:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=847"},"modified":"2009-09-02T09:49:56","modified_gmt":"2009-09-02T07:49:56","slug":"gott-erkennen-in-der-natur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=847","title":{"rendered":"Gott erkennen in der Natur?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gott erkennen in der Natur?<br \/>\n<\/strong><strong>Chancen und Grenzen der nat\u00fcrlichen Gotteserkenntnis<br \/>\n<\/strong><strong>Kongre\u00dfvortrag \u00a0Bad Gandersheim 28. 2. 2009<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Was macht die Gotteserkenntnis anhand der Sch\u00f6pfung so problematisch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt mehrere Gr\u00fcnde, die eine Gotteserkenntnis anhand der Sch\u00f6pfung problematisch machen. Der erste ist die Tatsache, dass Gott unsichtbar ist. Dazu geh\u00f6rt, dass er sich jeder direkten, empirischen Wahrnehmung entzieht; man kann ihn auch nicht h\u00f6ren, schmecken, riechen oder betasten. Infolgedessen hat der Mensch \u00fcberhaupt keine Anschauung von Gott. Er kann sich anhand der Sch\u00f6pfung nur einen sehr unklaren Gottesbegriff bilden. <!--more-->Hinzu kommt, dass ein Mensch auch keine Vorstellung haben kann vom Vorgang der Sch\u00f6pfung, denn kein Mensch hat je beobachten k\u00f6nnen, wie Gott geschaffen hat. Insofern ist auch die Rede von der Sch\u00f6pfung aufgrund der beobachtbaren Naturdaten in h\u00f6chstem Ma\u00dfe unklar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des Weiteren ist der Mensch in seinem Erkennen begrenzt. Er kann nicht alles wissen, er hat keine umfassende Schau von der Sch\u00f6pfung, geschweige denn vom Sch\u00f6pfer. Schlie\u00dflich muss im Licht der biblischen Aussagen festgestellt werden, dass der Mensch ein S\u00fcnder ist. Er kann irren und falsche Anschauungen bilden, ohne dass er es merkt. Die S\u00fcnde hat gerade auch sein Erkenntnisverm\u00f6gen durchsetzt, so dass er bei der Interpretation dessen, was er in der Sch\u00f6pfung wahrnimmt, auch Fehler machen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem Vortrag spreche ich zun\u00e4chst \u00fcber das, was die heilige Schrift zur Gotteserkenntnis aus der Sch\u00f6pfung sagt. In einem weiteren Schritt stelle ich kurz die Sicht der r\u00f6mischen Kirche und die der Reformatoren zum Thema dar. Anschlie\u00dfend betrachte ich die Thematik anhand der \u00c4u\u00dferungen der Aufkl\u00e4rung und besonders Kants sowie gegenw\u00e4rtiger Positionen. Im Schlussteil stelle ich dar, welche Konsequenzen sich aus allem f\u00fcr die Kirche der Gegenwart ergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Was sagt die Bibel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wesentliche Schriftaussage zur Gotteserkenntnis in der Sch\u00f6pfung lautet: \u201eDie Himmel erz\u00e4hlen die Ehre Gottes, und die Feste verk\u00fcndigt seiner H\u00e4nde Werk. Ein Tag sagt\u2019s dem andern, und eine Nacht tut\u2019s kund der andern, ohne Sprache und ohne Worte; unh\u00f6rbar ist ihre Stimme. Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt\u201c (Psalm 19,2-5). Als Subjekte der Verk\u00fcndigung werden hier genannt: die Himmel, die Feste, Tag und Nacht. Damit sind der Sternenhimmel gemeint, der in einem Parallelismus (Himmel und Feste) genannt wird, und die Ordnung von Tag und Nacht. Dass beide aufeinander bezogen sind, sei nur am Rande bemerkt. In beiden F\u00e4llen hat der Psalmist die gesch\u00f6pfliche Ordnung vor Augen, die ohne den sie erhaltenden Sch\u00f6pfer im Chaos zusammenbrechen w\u00fcrde. Als Pr\u00e4dikate gebraucht der Psalmist Verben, die Kommunikation bezeichnen: \u201eerz\u00e4hlen\u201c, \u201everk\u00fcndigen\u201c, \u201esagen\u201c und \u201ekundtun\u201c. Infolgedessen haben wir es mit einer Information zu tun, die anhand der gesch\u00f6pflichen Ordnung dem sie beobachtenden Menschen gegen\u00fcbertritt. Als Modus wird vorgetragen, dass diese Kommunikation \u201eohne Sprache und Rede\u201c, also nonverbal ist. Sie geschieht einfach durch das Dasein der Subjekte und ist weltweit wahrnehmbar. Inhalt der Verk\u00fcndigung ist die Ehre Gottes; mit diesem Begriff ist wahrscheinlich gemeint, dass Gott als der Sch\u00f6pfer auch der Besitzer der Erde ist. Er hat sie gemacht und sie geh\u00f6rt ihm, und seine Ehre steht darin, dass er es vermag, sie zu erschaffen und zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Sache das Gleiche sagt auch Paulus in R\u00f6mer 1,19-21: \u201eDenn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Sch\u00f6pfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, sodass sie keine Entschuldigung haben.\u201c Hier ist ausdr\u00fccklich vom Offenbarsein Gottes die Rede, und deswegen ist es berechtigt, in diesem Zusammenhang von einer allgemeinen Offenbarung Gottes zu sprechen: \u201eGott hat es ihnen offenbart.\u201c Auch hier sind die Gegenst\u00e4nde der Offenbarung \u201eGottes ewige Kraft und G\u00f6ttlichkeit\u201c. Damit sind sowohl die Sch\u00f6pfermacht Gottes als auch seine \u00dcberlegenheit bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus \u00e4u\u00dfert sich hier auch \u00fcber die Weise der Erkenntnis. Sie beginnt mit der empirischen Wahrnehmung der Sch\u00f6pfung. Der Mensch schlie\u00dft daraus, dass sie von einem ihm weit \u00fcberlegenen Wesen gemacht sein muss. Daraus ergibt sich, dass der Mensch das Wissen hat, dass es ein ihm \u00fcberlegenes Wesen geben muss. Der Schluss von der Sch\u00f6pfung auf einen Sch\u00f6pfer entspricht formal einen philosophischen Denkgesetz: dem Satz vom zureichenden Grund. Obwohl dieser Satz hinsichtlich seiner G\u00fcltigkeit bestritten wird, steht doch au\u00dfer Zweifel, dass er der allt\u00e4glichen Denk- und Erfahrungsweise des Menschen entspricht. Er besagt, dass es keine Wirkung gibt ohne eine zureichende Ursache. Demzufolge erfordert das Dasein der Welt einen Urheber, der wirklich da ist und dem die Welt ihr Dasein verdankt. Der Naturalist behauptet, es sei normal und selbstverst\u00e4ndlich, dass etwas da sei. Wir sollten uns vielmehr wundern, wenn nichts da w\u00e4re. Weil er an die Unendlichkeit der Materie glaubt, fragt er nicht nach deren Ursachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch bei aller Evidenz, die die Sch\u00f6pfung hinsichtlich der Existenz eines Sch\u00f6pfers bietet, bleibt eine gro\u00dfe Ungewissheit hinsichtlich der positiven Bestimmung des Sch\u00f6pfers. Der Mensch hat, wie Kant richtig hervorgehoben hat, keinerlei positive Anschauung von Gott. Die Sch\u00f6pfung offenbart nicht mit Sicherheit, dass Gott eine Person ist; sie macht es allenfalls wahrscheinlich. Doch auch unter einem pers\u00f6nlichen Gott kann sich der Mensch noch nichts vorstellen. Er kann, wie in der Welt der Religionen \u00fcblich, versuchen, im Gebet mit Gott zu kommunizieren, doch eine Gewissheit, dass der gedachte Gott auch h\u00f6rt, gibt es nicht. Die Sch\u00f6pfung offenbart erst recht nicht das, was wir aus der Heilsoffenbarung Gottes wissen: dass Gott dreieinig ist, die Welt liebt, seinen Sohn Mensch werden l\u00e4sst zur S\u00fchne f\u00fcr ihre S\u00fcnden, in dessen Heilswerk den Tod \u00fcberwindet und eine neue Sch\u00f6pfung verhei\u00dft. Mit anderen Worten: Trotz des allgemeinen Offenbarseins Gottes in der Sch\u00f6pfung bleibt im Blick auf Gott vieles unbestimmt. Will der Mensch anhand der geschaffenen Dinge mehr \u00fcber Gott wissen, verirrt er sich in seinen Spekulationen und Mutma\u00dfungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt. Ich betrachte ihn unter der Frage: \u201eWas macht der Mensch aus der nat\u00fcrlichen Offenbarung?\u201c Paulus sagt dazu: \u201eDenn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverst\u00e4ndiges Herz ist verfinstert.\u201c (R\u00f6m 1,21). Aus der Sicht der Bibel begegnet der Mensch der allgemeinen Offenbarung immer schon als S\u00fcnder. Das hat zur Folge, dass er dem Sch\u00f6pfer, dem wahrhaftigen Gott, die Anbetung verweigert und sich G\u00f6tzen macht und sie verehrt oder anbetet. Es ist dabei unerheblich, ob der sich einen Totempfahl hinter sein Haus stellt, wie man es bei manchen Indios in Lateinamerika sehen kann, oder ob er einen Menschen verehrt, wie die zur immerw\u00e4hrenden Jungfrau hochstilisierte und in den Himmel gehobene Maria im Katholizismus, oder ob er als Naturalist an die sch\u00f6pferische Kraft der Materie glaubt. In allen F\u00e4llen wird nicht der Sch\u00f6pfer, sondern das Gesch\u00f6pf verehrt oder angebetet. Es steht nicht zur Debatte, ob der Mensch anhand der Sch\u00f6pfung Gott recht erkennen kann oder nicht, sondern die Tatsache steht im Raum, dass er die Erkenntnis des Sch\u00f6pfers geringachtet und ihm die Anbetung verweigert. Die allgemeine Offenbarung dient ihm gegen\u00fcber dazu, dass er im endlichen Gericht Gottes \u00fcberf\u00fchrt werden kann, gewusst zu haben, dass ein Gott ist, ihn aber nicht angerufen zu haben, sondern sich dem G\u00f6tzendienst zugewandt zu haben. So weit allerdings reicht die Evidenz anhand der Sch\u00f6pfung, dass sie als Grundlage dienen kann f\u00fcr den Aufweis der menschlichen Schuld, \u201esodass sie keine Entschuldigung haben\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Die theologische Diskussion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Iren\u00e4us von Lyon (\u2020 ca. 202), einer der fr\u00fchkatholischen V\u00e4ter, gibt wieder, was von Anfang an und \u00fcber die Jahrhunderte der Kirchengeschichte hinweg Konsens war: \u201eDie Sch\u00f6pfung selbst verweist ja auf ihren Sch\u00f6pfer, das Werk l\u00e4sst erkennen, wer es gemacht hat, und die Welt tut kund, wer sie geordnet hat. Diese Tradition hat die ganze Kirche auf dem gesamten Erdkreis von den Aposteln empfangen.\u201c (Iren\u00e4us, Adversus haereses II, 9.1). Sch\u00e4rfer formuliert die r\u00f6mische Kirche auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870): \u201eDie heilige Mutter Kirche h\u00e4lt fest und lehrt: Gott, aller Dinge Grund und Ziel, kann mit dem nat\u00fcrlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Sicherheit erkannt werden.\u201c (Cap. De revelatione Neuner\/Roos 27). Das ist eine sehr optimistische Sicht von der Leistungsf\u00e4higkeit der allgemeinen Offenbarung. Ein Problem bei dieser Sicht ist, dass die r\u00f6mische Theologie das B\u00f6se, das ja in der Sch\u00f6pfung auch zu erkennen ist, praktisch ausblendet. Man hat oft den Eindruck, als w\u00fcrde es als blo\u00dfer Defekt an der an sich guten Sch\u00f6pfung angesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Protestanten, die am biblischen Sch\u00f6pfungsglauben festhalten, neigen wir der r\u00f6mischen Position zu, weil sie so schl\u00fcssig zu sein scheint: Der Gott, den wir anhand seiner Sch\u00f6pfungswerke zu erkennen meinen, passt nahtlos zu dem, was wir aus der Bibel von Gott wissen. Doch wir sollten uns dar\u00fcber Rechenschaft ablegen, dass wir schon von der Heilsoffenbarung Gottes herkommen. Ist eine nat\u00fcrliche Gotteserkenntnis wirklich so unzweideutig m\u00f6glich, wie es die r\u00f6mische Kirchenlehre behauptet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformation hat keine nat\u00fcrliche Theologie entwickelt, weil sie angesichts der Offenbarung Gottes keinen Anlass dazu sah. F\u00fcr die Gotteserkenntnis war die Offenbarung zust\u00e4ndig. Luther und Calvin waren beide der Meinung, dass alle Menschen einen Begriff von Gott haben (Allmacht, Geber aller Gaben). Doch Luther polemisiert gegen die Vernunft: \u201eDie Vernunft spielt Blindekuh mit Gott\u201c. Sie stochert im Dunkeln und kann von Gott nichts Rechtes erkennen. Sie hat sich der Schrift unterzuordnen, wenn sie Gott recht erkennen will. Calvin w\u00fcrdigt die nat\u00fcrliche Offenbarung, doch sie ist ohne die Heilsoffenbarung nur dazu da, uns unserer S\u00fcnde zu \u00fcberf\u00fchren. Er sagt: \u201e\u2026 die unsichtbare Gottheit wird zwar durch solche sichtbaren Dinge zur Schau gestellt, aber uns fehlen die Augen, sie zu sehen, wenn wir nicht durch Gottes innere Offenbarung erleuchtet werden.\u201c (Inst. I,5.14) und: \u201eWir haben wirklich nicht das mindeste Recht zur Entschuldigung, wenn wir irrend und schweifend das Ziel verfehlen \u2013 wo doch alles den rechten Weg zeigt!\u201c (Inst. I,5.15). Die Grundlinien der reformatorischen Sicht sind also, dass sie die Tatsache der allgemeinen Offenbarung anerkennt, aber im Blick auf die menschliche S\u00fcndhaftigkeit feststellt, dass auch die Vernunft unter der S\u00fcnde steht und den Gottesdienst zum G\u00f6tzendienst und Aberglauben verkehrt. Der Mensch hat ohne die Heilsoffenbarung keine M\u00f6glichkeit Gott anhand der Sch\u00f6pfung recht zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Philosophie und Wissenschaft seit der Aufkl\u00e4rung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wollte die Aufkl\u00e4rung? Sie orientierte sich bewusst an den nat\u00fcrlichen F\u00e4higkeiten des Menschen. Das entsprach ihrer generellen Hinwendung zur Natur, mit der sie die Ordnung des menschlichen Lebens begr\u00fcnden wollte. Das bedeutete unter anderem, dass sie meinte, ohne Gottes Offenbarung und ohne Gottes Gebote auskommen zu k\u00f6nnen. Das Naturrecht sollte das Zusammenleben garantieren und die naturgegebenen M\u00f6glichkeiten der Erkenntnis sollten ausreichen, um sicheres Wissen zu gewinnen. Wir k\u00f6nnen hier von einem methodischen Atheismus sprechen. Dabei war sie der Ansicht, die menschliche Vernunft sei das vom Sch\u00f6pfer gegebene Licht, die Welt zu erkennen. Diese Ansicht beruht auf dem antiken griechischen Denken, das schon in fr\u00fcher Zeit von der Kirche aufgenommen wurde und dem zufolge die Gottesbildlichkeit des Menschen in der menschlichen Geistigkeit gesehen wurde. Doch mit der Hochsch\u00e4tzung der Vernunft fand sich die Aufkl\u00e4rung bald im Widerspruch zur biblischen Offenbarung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die fr\u00fche Aufkl\u00e4rung kann freilich nicht als eine gottlose oder unfromme Bewegung angesehen werden. Sie meinte, aus der Natur Gott erkennen zu k\u00f6nnen und f\u00fchrte mit Vorliebe den sogenannten physikotheologischen Gottesbeweis: Sie beobachtete in der Natur Zweckm\u00e4\u00dfigkeit und Ordnung und schloss daraus auf einen machtvollen und wohlwollenden Sch\u00f6pfer. Sie erachtete aber die Gotteserkenntnis aus der Heilsoffenbarung f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig. Ein Vertreter dieses Denkens ist Christian F. Gellert (1715-69), der in seinem bekannten Gesangbuchlied \u201eWenn ich, o Sch\u00f6pfer, deine Macht\u201c die Herrlichkeit Gottes in der Natur preist. In diesem Lied kommt Christus nicht vor. Vers\u00f6hnung, Rechtfertigung und Heiligung spielen keine Rolle. Die Gefahr, dass der mit Gott unvers\u00f6hnte Mensch meint, sich an der Sch\u00f6pfung zu Gott hoch hangeln zu k\u00f6nnen, ist sehr konkret.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Problematisch ist der physikotheologische Gottesbeweis auch deswegen, weil er die Gebrochenheit der Sch\u00f6pfung nicht angemessen w\u00fcrdigt. Das Virus, das in eine Wirtszelle eindringt, seine DNS in deren Zellkern einschleust und sich vermehrt und den Wirtorganismus dadurch sogar t\u00f6ten kann, birgt in sich wohl Zweckm\u00e4\u00dfigkeit, doch leider nicht zum Guten. Soll auch eine Maus Gott loben f\u00fcr die zum Mausen ausgesprochen zweckm\u00e4\u00dfigen Krallen der Katze? Angesichts solcher Ph\u00e4nomene erscheint ein Sch\u00f6pfer in hohem Ma\u00dfe zwiesp\u00e4ltig; jedenfalls ist ein eindeutig g\u00fctiger Sch\u00f6pfer darin nicht zu erkennen. Es ist zur L\u00f6sung dieses Problems wenig hilfreich, das B\u00f6se in der Welt als blo\u00dfen Mangel aufzufassen. In Wirklichkeit ist das B\u00f6se t\u00f6dlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kant verwies bei der Bewertung der Gottesbeweise darauf, dass die menschliche Vernunft nur \u00fcber das sinnvoll reden k\u00f6nne, was auch empirisch zug\u00e4nglich sei und wovon der Mensch eine Anschauung haben k\u00f6nne. Von Gott aber k\u00f6nne er sich kein Bild machen. Die Vernunft k\u00f6nne keine Br\u00fccke schlagen zur Ideenwelt (Gott), weil sie keine Anschauung von dieser habe. Auch der Begriff \u201eGott\u201c sei unklar und daher auch die Begriffe, mit denen die Philosophie Gott bezeichne (\u201eunbewegter Beweger\u201c, \u201eh\u00f6chstes Sein\u201c usw.); der Mensch habe keine Vorstellung von dem, was er beweisen solle. Daher sei es auch unm\u00f6glich, \u201eGott\u201c im Sinne einer positiven, beschreibbaren Gr\u00f6\u00dfe zu beweisen. Man k\u00f6nne von Gott allenfalls in menschlicher Analogie reden, ohne zu wissen, ob er wirklich so sei: \u201eWenn ich sage, wir sind gen\u00f6tigt, die Welt so anzusehen, als ob sie das Werk eines h\u00f6chsten Verstandes und Willens sei, so sage ich wirklich nichts mehr, als: wie sich verh\u00e4lt eine Uhr, ein Schiff, ein Regiment, zum K\u00fcnstler, Baumeister, Befehlshaber, so die Sinnenwelt (\u2026) zu dem Unbekannten, das ich also hiedurch zwar nicht nach dem, was es an sich selbst ist, aber doch nach dem, was es vor mich ist, n\u00e4mlich in Ansehung der Welt, davon ich ein Teil bin, erkenne.\u201c (Kant, Prolegomena \u00a7 57; A 175). Das bedeutet: F\u00fcr Kant ist Gott ein \u201eNoumenon\u201c, ein Gedankending, ohne Anschauung; eine Idee, die sich aus der \u00dcberlegung ergibt, dass es eine Gr\u00f6\u00dfe gibt, die alles umfasst. Die Die Gottesidee entspricht einer Naturanlage des Menschen. Diese Sicht erlaubt aber keine positiv-bestimmende Aussage \u00fcber Gott<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weitere Entwicklung der Wissenschaft verlief getrennt vom christlichen Denken oder im Gegensatz zu diesem. Der methodische Atheismus, der beim Forschen ohne die Annahme auskam, dass ein Gott sei, wurde zum im 19. Jahrhundert zum ontologischen Atheismus, der behauptete, dass es Gott \u00fcberhaupt nicht gebe. Die Erfolge der Wissenschaften schienen ihm Recht zu geben. Auf jeden Fall blieb dann nur noch der Naturalismus \u00fcbrig, der jeglichen Verweis auf eine empirisch nicht fassbare Dimension (\u201eGeist\u201c, \u201eGott\u201c, \u201eDesigner\u201c) f\u00fcr \u201eunwissenschaftlich\u201c oder f\u00fcr einen \u201eGotteswahn\u201c (Dawkins) h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die moderne Theologie passte sich diesem Denken an. Sie versteht Gott abstrahierend als \u201edie alles bestimmende Wirklichkeit\u201c (Bultmann u.a.). Das ist ein im Grunde philosophischer Gottesbegriff, der an der Begegnung mit der Natur gebildet wird, aber nicht zum Glauben an einen pers\u00f6nlich handelnden Sch\u00f6pfer f\u00fchrt. Die gegenw\u00e4rtige Theologie versteht den ersten Glaubensartikel einschlie\u00dflich des biblischen Sch\u00f6pfungsberichts als religi\u00f6se Projektion ohne Wirklichkeitsgehalt, als religi\u00f6se Interpretation der Welt. Dieser Interpretation zufolge kann man Gott wohl f\u00fcr den Sch\u00f6pfer der Welt halten, aber wie die Welt wirklich entstanden ist, l\u00e4sst sich die Theologie von den Naturwissenschaften sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Welche Folgerungen ziehen wir?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kant hat in gro\u00dfer Deutlichkeit gezeigt, dass ein Gottesbeweis nicht m\u00f6glich ist. Man kann Gott als Sch\u00f6pfer ist nicht vorf\u00fchren. Kant hat damit dem spekulativen Denken des Abendlandes im Namen des Denkens einen Riegel vorgeschoben. Wir haben keine positive Vorstellung von einem \u201eSch\u00f6pfer\u201c, \u201eDesigner\u201c oder \u201eSeinsgrund\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir meinen wohl, Gott bewiesen zu haben, wenn wir Design-Signale sehen. Doch die Tatsache, dass wir allenfalls auf einen Designer schlie\u00dfen, zeigt uns, dass wir \u00fcber die Grenzen der allgemeinen Offenbarung nicht hinauskommen. Wenn wir nur die Sch\u00f6pfung vor Augen haben und dort Design-Signale entdecken, dann weist uns das ID-Argument auf eine L\u00fccke, in der wir zwar mit Recht einen Designer vermuten, aber den wir nicht \u00fcber seine Kraft und G\u00f6ttlichkeit hinaus als eine positiv beschriebene Gr\u00f6\u00dfe beweisen k\u00f6nnen. Wir d\u00fcrfen nicht \u00fcbersehen, dass wir, wenn wir Christen sind, in der Regel schon von der biblischen Offenbarung herkommen und mehr wissen als ein Mensch, der ohne diese die Sch\u00f6pfung ansieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind im Blick auf die Erkenntnis Gottes auf die Selbstoffenbarung Gottes angewiesen. Gott hat sich in der empirischen Dimension offenbart: in der von der Bibel berichteten Geschichte, im fleischgewordenen Christus und in der vom Heiligen Geist geredeten heiligen Schrift. Obwohl Gott in die empirische Welt eingetreten ist, ist seine Offenbarung als solche auch nicht \u201ebeweisbar\u201c. Aber die heilige Schrift gibt uns Anlass genug, sie als Offenbarung Gottes zu erkennen und Jesus Christus als den Sohn Gottes, der zur Rettung der Welt Fleisch wurde. Gott ruft uns auf, sein Wort zu h\u00f6ren und ihm zu glauben und schafft den Glauben durch sein Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erkenntnis Gottes anhand der Sch\u00f6pfung findet erst dann eine positive Verwendung, wenn wir durch den Glauben (an Christus) erkennen, dass Gott, der Dreieinige, die Welt erschaffen hat, wie Hebr 11,3 sagt: \u201eDurch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist.\u201c Dass Gott dies durch Christus getan hat, zeigt, dass die Erkenntnis Christi und der Glaube an ihn f\u00fcr das rechte Verstehen der Sch\u00f6pfung notwendig sind. Dann aber gilt: In Christus \u201eliegen alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis\u201c (Kol 2,3) und wir erkennen einen sinnvollen Zusammenhang zwischen der Heilsoffenbarung Gottes und der allgemeinen Offenbarung. Dann ist das, was wir an der Sch\u00f6pfung sehen, ein Anlass, Gottes Macht zu r\u00fchmen und ihm umso mehr zu vertrauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott erkennen in der Natur? Chancen und Grenzen der nat\u00fcrlichen Gotteserkenntnis Kongre\u00dfvortrag \u00a0Bad Gandersheim 28. 2. 2009 1. Was macht die Gotteserkenntnis anhand der Sch\u00f6pfung so problematisch? Es gibt mehrere Gr\u00fcnde, die eine Gotteserkenntnis anhand der Sch\u00f6pfung problematisch machen. Der erste ist die Tatsache, dass Gott unsichtbar ist. 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