{"id":8265,"date":"2012-08-15T17:30:50","date_gmt":"2012-08-15T15:30:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8265"},"modified":"2012-08-15T17:30:50","modified_gmt":"2012-08-15T15:30:50","slug":"der-23-psalm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8265","title":{"rendered":"Der 23. Psalm"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Psalm hat, abgesehen von der kurzen Angabe des Verfassers, keine \u00dcberschrift, und er hat keine n\u00f6tig; denn er berichtet kein besonderes Ereignis und bedarf zu seinem Verst\u00e4ndnis keinen andern Schl\u00fcssel als den, welchen jeder Christ in seinem eigenen Herzen findet. Der Psalm ist Davids Himmlisches Pastorale oder Hirtengedicht, ein unvergleichliches St\u00fcck wahrer Poesie, das von keinem Erzeugnis der Dichtkunst je \u00fcbertroffen werden kann. Die Kriegstrompete weicht hier der Friedensschalmei und der S\u00e4nger, der soeben ein Klaglied \u00fcber die Leiden des Hirten angestimmt hat, f\u00fchrt uns hier in melodischen T\u00f6nen die Freude der Herde vor. Wir stellen uns bei diesem Psalm David vor, wie er, Bunyans Hirtenknaben im Demutstal gleich, von seiner Herde umgeben unter einem schattigen Baume sitzt und da dies unvergleichliche Hirtenlied anstimmt, das Herz zum Springen voll von heiliger Freude. Oder wenn dieser Psalm, und das hat ja mehr Wahrscheinlichkeit f\u00fcr sich, eine Frucht des sp\u00e4teren Lebens Davids ist, so sind wir gewiss, dass seine Seele sich sinnend an die einsamen Wasserb\u00e4che zur\u00fcckversetzte, die auf den Auen der W\u00fcste rieselten, wo er in seinen jungen Tagen zu weilen gepflegt hatte. Dieser Psalm ist die Perle der Psalmen, die mit ihrem milden, reinen Glanze jedes Auge erfreut; eine Perle, deren der Helikon1 sich nicht zu sch\u00e4men brauchte, obwohl der Jordan sie f\u00fcr sich beansprucht. Von diesem k\u00f6stlichen Gesang darf man behaupten, dass sein Inhalt eben so reich an tief innerlicher Fr\u00f6mmigkeit ist, wie seine Form von vollendeter dichterischer Sch\u00f6nheit ist. An Lieblichkeit der T\u00f6ne und an geistlicher Tiefe steht er unerreicht da.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stelle, die dem Psalm angewiesen ist, ist der Beachtung wert. \u00bbDie Anordnung,\u00ab sagt Delitzsch, \u00bbk\u00f6nnte nicht sinniger sein, als dass nun auf den Psalm, der von einem gro\u00dfen der Menschheit zugerichteten Gnadenmahle redet, ein Psalm folgt, der Jahwe preist als Hirt und Wirt der Seinen.\u00ab F\u00fcr uns als Christen bietet sich noch eine andere Betrachtung dar. Erst nachdem wir uns in das \u00bbMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen\u00ab vertieft haben, kommen wir zu dem \u00bbDer Herr ist mein Hirte\u00ab. Wir m\u00fcssen die Leiden des Erl\u00f6sers in ihrer Bedeutung f\u00fcr uns w\u00fcrdigen gelernt haben, ehe wir f\u00e4hig sind, die S\u00fc\u00dfigkeit der F\u00fcrsorge des guten Hirten ganz zu schmecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man hat gesagt, was die Nachtigall unter den V\u00f6geln, das sei dieses Lied unter den Psalmen. In der Tat haben seine T\u00f6ne schon, ach, wie manchem Betr\u00fcbten in tr\u00e4nenvollen N\u00e4chten wunderlieblich ins Ohr geklungen und ihm Hoffnung auf einen freudevollen Morgen ins Gram beschwerte Herz hineingesungen. Und ich m\u00f6chte es wagen, den Psalm der Lerche zu vergleichen, die singend sich gen Himmel schwingt und immer h\u00f6her steigt und singt und singt, und selbst dann noch ihr fr\u00f6hliches Schmettern h\u00f6ren l\u00e4sst, wenn sie im Azurblau des Himmels den menschlichen Blicken entschwunden ist. Man beachte die Schlussworte des Psalms: \u00bbIch werde bleiben im Hause des Herrn immerdar\u00ab. Das sind himmlische T\u00f6ne, mehr geeignet f\u00fcr die ewigen Wohnungen droben als f\u00fcr unsere \u00e4rmlichen H\u00fctten hienieden. O dass wir so recht in den Geist des Psalms eindringen m\u00f6chten, w\u00e4hrend wir ihn betrach\u00adten! Dann werden wir Himmelswonne auf Erden schmecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auslegung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Der Herr ist mein Hirte;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mir wird nichts mangeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Er weidet mich auf einer gr\u00fcnen Aue,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und f\u00fchrt mich zum frischen Wasser;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. er erquickt meine Seele;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">er f\u00fchrt mich auf rechter Stra\u00dfe<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">um seines Namens willen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">f\u00fcrchte ich kein Ungl\u00fcck, denn Du bist bei mir;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">dein Stecken und Stab tr\u00f6sten mich.316<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du salbst mein Haupt mit \u00d6l,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und schenkst mir voll ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mein Leben lang,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und werde bleiben im Hause des Herrn<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">immerdar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Der Herr ist mein Hirte.<\/strong> Welche Herablassung ist es, dass Jahwe, der Allerhabene, seinem Volk gegen\u00fcber den Namen und das Amt des Hirten annimmt! Es sollte uns mit dankbarer Verwunderung erf\u00fcllen, dass der gro\u00dfe Gott sich jede Vergleichung gefallen l\u00e4sst, die geeignet ist, seine gro\u00dfe Liebe und z\u00e4rtliche Sorgfalt f\u00fcr die Seinen ins Licht zu stellen. David hatte in seiner Jugend selbst die Schafe seines Vaters geh\u00fctet und hatte daher volles Verst\u00e4ndnis sowohl f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Schafe als auch f\u00fcr die vielen Sorgen und M\u00fchen eines Hirten. Er vergleicht sich selber mit einem so schwachen, wehrlosen und t\u00f6richten Gesch\u00f6pf, wie es das Schaf ist, und blickt zu Gott auf als seinem Versorger, Erhalter, F\u00fchrer, kurz, seinem Alles. Niemand hat aber das Recht, sich als des Herrn Sch\u00e4flein zu betrachten, es sei denn, dass seine Natur durch die Gnade umgewandelt worden ist; denn die unbekehrten Menschen schildert die Schrift nicht als Schafe, sondern als W\u00f6lfe oder als B\u00f6cke. Das Schaf geh\u00f6rt zu den Haustieren; es ist Eigentum eines Herrn, nicht ein wildes Tier. Sein Eigent\u00fcmer h\u00e4lt es wert und manchmal ist es um teuren Preis erkauft. Es ist ein k\u00f6stliches Ding, so gewiss wie David zu wissen, dass wir dem Herrn angeh\u00f6ren. Ein edler Ton der Zuversicht klingt uns in diesen Worten entgegen. Da gibt es kein Wenn und kein Aber, nicht einmal ein \u00bbIch hoffe\u00ab, sondern kurz und klar bekennt er: Der Herr ist mein Hirte. Diese Gesinnung vertrauensvoller Abh\u00e4ngigkeit von unserem himmlischen Vater sollen wir pflegen. Am lieblichsten klingt in dem ganzen Satz das kleine W\u00f6rtlein \u00bbmein\u00ab. David sagt nicht: Der Herr ist der Hirt der ganzen Welt und leitet die unz\u00e4hlbaren Scharen als seine Herde, sondern: Der Herr ist mein Hirte; wenn er auch keines andern Hirte w\u00e4re, ist er doch mein Hirte. Er sorgt f\u00fcr mich, er hat auf meine Schritte Acht und erh\u00e4lt mich. Ferner: Er ist mein Hirte \u2013 jetzt, in der Gegenwart. In welcher Lage immer der Gl\u00e4ubige sein mag, er steht dennoch gerade jetzt unter der Hirtenf\u00fcrsorge Jahwes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chsten Worte sind eine Schlussfolgerung aus dem ersten Satz. Klar und b\u00fcndig spricht Davids Glaube \u2013 es sind im Hebr\u00e4ischen nur zwei Worte \u2013: <strong>Mir wird nichts mangeln.<\/strong> Sonst w\u00fcrde ich wohl Mangel leiden; aber ist der Herr mein Hirte, dann wohl mir! Er ist im Stande, f\u00fcr alle meine Bed\u00fcrfnisse zu sorgen, und am Willen fehlt es ihm sicher nicht, denn sein Herz ist voller Liebe; darum wird mir nichts mangeln. Es wird mir an zeitlichen G\u00fctern nicht fehlen. N\u00e4hrt er nicht die Raben und l\u00e4sst er nicht die Lilien auf dem Felde wachsen? (Luk. 12,24. 27.) Wie k\u00f6nnte er denn sein Kind umkommen lassen? Aber auch im Geistlichen wird mir nichts mangeln. Ich wei\u00df, dass seine Gnade f\u00fcr mich gen\u00fcgt. (2.Kor. 12,9 Grundtext) Traue ich auf ihn, so wird er mir zusprechen: Wie dein Tag, so soll auch deine Kraft sein.2 Mag sein, dass ich nicht alles habe, was ich w\u00fcnsche; aber mangeln wird mir nichts, was mir wirklich notwendig und heilsam ist. Andere, die viel reicher und weiser sind als ich, m\u00f6gen Mangel leiden; aber ich nicht. Reiche m\u00fcssen darben und hungern; aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut (Ps.34,11). David sagt nicht nur: Mir mangelt nichts, sondern: Mir wird nichts mangeln. Mag kommen, was da will; mag eine Hungersnot das Land verw\u00fcs\u00adten oder ein Ungl\u00fcck die St\u00e4dte zerst\u00f6ren, mir wird nichts mangeln. Das Alter mit seinen Gebrechen wird daran nichts \u00e4ndern, ja selbst der Tod mit seiner D\u00fcsternis wird mich nicht verlassen finden. Ich habe alles und habe \u00fcberfl\u00fcssig (Phil. 4,1, vergl. V. 10-20); nicht darum, weil ich etwa einen reichen Geldvorrat auf der Bank habe, nicht weil ich gescheit und gewandt genug bin, mir mein Brot zu erwer\u00adben, sondern weil der Herr mein Hirte ist. Die Gottlosen haben immer Mangel, die Gerechten nie. Das Herz des S\u00fcnders ist nie befriedigt, aber die begnadigte Seele wohnt in dem Palast der g\u00f6ttlichen Zufriedenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Er weidet mich auf einer gr\u00fcnen Aue, und f\u00fchrt mich zum frischen Wasser<\/strong>. Das christliche Leben hat zwei Elemente in sich, das beschauliche und das t\u00e4tige, und f\u00fcr beide ist reichlich gesorgt. Zuerst das beschauliche: Auf Auen frischen Gr\u00fcns l\u00e4sst er mich lagern (w\u00f6rtlicher). Was anders haben wir unter diesen saftig gr\u00fcnen Auen zu verstehen als das Wort der Wahrheit? Das ist allezeit frisch, bietet allezeit kr\u00e4ftige Kost und ist nie zu ersch\u00f6pfen. Da ist wahrlich kein Mangel zu bef\u00fcrchten, wo das Gras so hoch steht, dass die Schafe sich gem\u00e4chlich darin lagern k\u00f6nnen. Die evangelische Wahrheit ist eine s\u00fc\u00dfe, fette Weide, so gute Nahrung f\u00fcr die Seelen, wie das zarte, weiche Gras f\u00fcr die Schafe. Wenn wir durch den Glauben auf den Verhei\u00dfungen ruhen, gleichen nur den Schafen, die sich auf der Weide lagern; wir finden da beides, Ruhe und Genuss, Nahrung und Erquickung, s\u00fc\u00dfen Frieden und Stillung unserer Bed\u00fcrfnisse. Man beachte aber: Er lagert mich auf gr\u00fcnen Auen. Es ist der Herr, der uns in seiner Gnade in Stand setzt, die K\u00f6stlichkeit seiner Wahrheit zu erkennen und uns daran zu n\u00e4hren. Wie dankbar sollten wir sein, wenn es uns geschenkt wird, die Verhei\u00dfungen uns anzueignen! Gibt es doch so manche verwirrte Seelen, die Welten daf\u00fcr geben w\u00fcrden! Sie wissen, wie k\u00f6stlich es ist, aber sie k\u00f6nnen dies Gl\u00fcck nicht ihr eigen nennen. Sie kennen die gr\u00fcnen Auen, aber es ist ihnen unm\u00f6glich, sich auf ihnen zu lagern. Gl\u00e4ubige, die sich lange Jahre einer vollen Zuversicht des Glaubens erfreut haben, sollten Gott f\u00fcr die ihnen widerfahrene Gnade hoch preisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zweite St\u00fcck gesunden christlichen Lebens ist T\u00e4tigkeit. Wir denken nicht nur, wir handeln auch. Nicht immer ruhen wir in behaglichem Genuss auf den fetten Weiden, sondern wir wandern auch dem Ziele der Vollkommenheit zu. Darum lesen wir weiter: Er leitet mich an den stillen Wassern. Was sind diese stillen Wasser anders als die sanften Einfl\u00fcsse und Gnadenwirkungen des heiligen Geistes, der darin dem Wasser vergleichbar ist, dass auch er reinigt, erfrischt, fruchtbar macht und am Leben erh\u00e4lt. Stille Wasser sind es, denn der heilige Geist ist ein Geist des Friedens und der Stille: Er st\u00f6\u00dft nicht prahlerisch ins Horn, wo er wirkt. Er mag sich in unsere Seele ergie\u00dfen, ohne dass unser Nachbar etwas davon mitbekommt; darum mag es sein, dass unser Nachbar nichts von Gottes N\u00e4he sp\u00fcrt, ja, der Geist des Herrn mag ein Herz in Str\u00f6men \u00fcberfluten und doch mag der, der unmittelbar neben dem so reich Begnadeten sitzt, nichts davon merken. Stille Wasser sind tief. Nichts macht mehr L\u00e4rm als eine hohle Trommel. Wie k\u00f6stlich ist die feierliche Stille, in der sich der heilige Geist den Seelen offenbart! Nicht zu den ungest\u00fcmen Wogen des Streits und Haders, sondern zu den friedlichen Wassern der heiligen Liebe f\u00fchrt der Geist des Herrn die Schafe. Die Taube, nicht der Adler, ist sein Sinnbild; der Tau, und nicht der Wolkenbruch. Unser Hirt f\u00fchrt uns zu diesen stillen Wassern: wir k\u00f6nnten den Weg zu ihnen nicht finden. Er leitet uns sanft und sorgsam wie der Hirt die Herde (vergl. 1. Mose 33,14; Jes. 40,11), nicht hetzt und jagt er uns. Mose treibt uns durchs Gesetz, Jesus leitet uns freundlich durch sein Vorbild und die sanfte Zugkraft seiner Liebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Er erquickt meine Seele.<\/strong> Wenn unsere Seele von Kummer und Sorgen matt wird, belebt er sie; wenn S\u00fcnden sie dr\u00fccken, heiligt er sie; wenn Schw\u00e4che sie beugt, kr\u00e4ftigt er sie. Er tut\u2018s. Seine Diener verm\u00f6gen es nicht, wenn er es nicht selber t\u00e4te. Sein Wort als Buchstabe, ohne die lebendig machende Wirksamkeit seines Geistes, k\u00f6nnte solches auch nicht ausrichten. Er erquickt meine Seele, d. h. w\u00f6rtlich: er f\u00fchrt sie zur\u00fcck, n\u00e4mlich zu neuer Lebenskraft. (vergl. zu Ps. 19,8) F\u00fchlst du, dass der Puls deines geistlichen Lebens nur schwach geht? Er kann ihn wieder beleben. Flehe denn zu ihm um neue Lebenskraft!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Er leitet mich in den Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen<\/strong>. Dem Christen ist es eine Freude, dem Herrn zu gehorchen; es ist aber eben der Gehorsam aus dankbarer Liebe, wozu er sich durch das Beispiel seines Meisters verbunden f\u00fchlt: Er leitet mich. Der Christ gehorcht nicht einigen Geboten und vernachl\u00e4ssigt andere; er w\u00e4hlt nicht einige heraus, sondern leistet allen Verordnungen seines Herrn willig Folge. Man beachte, dass die Mehrzahl gebraucht ist: die Pfade oder Spuren der Gerechtigkeit. Was immer Gott uns tun hei\u00dft, das tun wir gerne; leitet uns doch seine Liebe. Manche Christen \u00fcbersehen es, welches Gl\u00fcck in der Heiligung liegt, und doch ist einem von Grund aus erneuerten Herzen gerade die Heiligung eine der k\u00f6stlichsten Bundesgnaden. Wenn es uns auch m\u00f6glich w\u00e4re, von dem zuk\u00fcnftigen Zorn erl\u00f6st zu werden und dabei unwiedergeborene, unbu\u00dffertige S\u00fcnder zu bleiben, so w\u00e4re eine solche Erl\u00f6sung nicht nach unserem Wunsch; denn wir sehnen uns vor allem danach, von der S\u00fcnde erl\u00f6st (Matth. 1,21) und auf den Weg der Heiligkeit gebracht zu werden. Alles dies geschieht rein aus freier Gnade: um seines Namens willen. Die Ehre unseres gro\u00dfen Hirten ist das Ziel, um dessentwillen wir ein heiliges Volk sein und auf dem schmalen Pfade der Gerechtigkeit wandeln sollen. Lasst uns nicht vers\u00e4umen, die F\u00fcrsorge unseres himmlischen Hirten anzubeten, die uns dazu f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, f\u00fcrchte ich kein Ungl\u00fcck: denn Du bist bei mir, dein Stecken und Stab tr\u00f6sten mich.<\/strong> Dieser unvergleichlich k\u00f6stliche Vers ist an unz\u00e4hligen Sterbebetten schon gesungen worden und hat dazu beigetragen, das \u00bbfinstere Tal\u00ab licht zu machen. Jedes Wort birgt einen Reichtum tiefer Bedeutung in sich. Ob ich schon wanderte \u2013 es ist, als beschleunigte der Gl\u00e4ubige seinen Schritt nicht im mindesten in Hast und Unruhe, wenn es zum Sterben geht, sondern als setzte er ganz ruhig seine Wanderschaft an Gottes Hand fort. Wandern bezeichnet den gemessenen Schritt einer Seele, die ihren Weg kennt, wei\u00df, wohin er f\u00fchrt, und darum entschlossen ist, den Pfad bis an sein Ziel zu verfolgen; die sich ganz sicher f\u00fchlt und daher vollkommen ruhig und gesammelt ist. Das sterbende Gotteskind ist nicht in Aufregung; es rennt nicht, als w\u00e4re es in Schrecken, noch steht es still, als wollte es nicht weiter; es ist weder best\u00fcrzt, noch besch\u00e4mt; darum h\u00e4lt es den gewohnten Schritt ein. Es geht ja nur durchs finstere Tal, wir bleiben nicht darin. Wir wandern durch die dunkle Schlucht des Todes und treten pl\u00f6tzlich in das helle Licht der Unsterblichkeit. Wir sterben nicht, sondern legen uns nur schlafen, um in der Herrlichkeit zu erwachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tod ist nicht das Haus, sondern die Vorhalle; nicht das Ziel, sondern der Durchgang, der dazu f\u00fchrt. Das Sterben wird hier ein Wandern durch ein Tal genannt. Auf den Bergen bricht der Sturm los, aber das Tal ist der Ort der Stille: So sind oft die letzten Tage und Stunden des Christen die friedevollsten seines ganzen Lebens. Die Bergesh\u00f6hen sind rauh und kahl; aber das Tal ist voller goldner Garben: So hat auch mancher J\u00fcnger des Herrn mehr Freude und Erkenntnis eingeheimst, als es zum Sterben ging, als je in seinem Leben. Sodann hei\u00dft es nicht: das Tal des Todes, sondern: das Tal des Todesschattens \u2013 das ist uns k\u00f6stlich, die wir wissen, dass der Tod in der Tat seinem Wesen nach abgetan und nur sein Schatten \u00fcbrig geblieben ist. Einer hat gesagt, wo Schatten sei, da m\u00fcsse auch Licht sein; und so ist es hier. Der Tod steht an der Seite der Stra\u00dfe, die wir zu wandeln haben, und das himmlische Licht, das auf den Tod strahlt, wirft dessen Schatten auf unsern Pfad; lasst uns also fr\u00f6hlich sein, dass jenseits des Todes das Licht scheint. Kein Mensch f\u00fcrchtet sich vor einem Schatten; denn ein Schatten kann niemand auch nur f\u00fcr einen Augenblick den Weg versperren. Der Schatten eines Hundes kann nicht bei\u00dfen, der Schatten eines Schwertes kann nicht t\u00f6ten, der Schatten des Todes kann uns nicht verderben; darum lasst uns vor ihm keine Furcht hegen. F\u00fcrchte ich kein Ungl\u00fcck. (Buchst\u00e4blich: f\u00fcrchte ich nichts B\u00f6ses.) David sagt nicht, es werde in jenem dunkeln Tal nichts B\u00f6ses sein; aber er f\u00fcrchtet es nicht. Der Christ wei\u00df, dass Jesus allen Gefahren die Spitze abgebrochen hat; ja, selbst die Furcht, jener Schatten des Unheils, mag v\u00f6llig verschwinden. Die schlimmsten \u00dcbel sind diejenigen, die gar nicht vorhanden sind, au\u00dfer in unserer Einbildung. Wenn wir uns an den wirklichen \u00dcbeln genug sein lie\u00dfen, w\u00fcrden wir nicht den zehnten Teil der Sorgen haben, die uns jetzt bedr\u00fccken. Wir erleiden tausend Tode, indem wir den einen f\u00fcrchten; David aber war von dem \u00dcbel der Furcht geheilt. Der Glaube spricht: Nicht f\u00fcrcht\u2018 ich B\u00f6ses \u2013 auch nicht den B\u00f6sen selber; ich will mir vor dem letzten Feind nicht grauen lassen, sondern auf ihn als einen \u00fcberwundenen, der Vernichtung anheim gegebenen Widersacher herabsehen, denn Du bist bei mir. Das ist\u2018s, was den Christen so fr\u00f6hlich macht: Du bist bei mir. Das Kindlein dort drau\u00dfen auf sturmbewegter See wird nicht von Angst gepeinigt wie all die andern Reisenden an Bord. Es schlummert s\u00fc\u00df in seiner Mutter Scho\u00df, es ist ihm genug, dass seine Mutter bei ihm ist; und es sollte dem Gl\u00e4ubigen genug sein zu wissen, dass Christus bei ihm ist. Du bist bei mir und weil ich Dich habe, habe ich alles, was ich nur w\u00fcnschen kann; ich habe \u00fcberreichen Trost und bin unbedingt sicher, weil Du bei mir bist. Dein Stecken und Stab, womit du deine Herde leitest und besch\u00fctzest, sie, die Sinnbilder deiner Oberhoheit und deiner liebreichen F\u00fcrsorge, tr\u00f6sten mich. Ich will\u2018s glauben, dass du mich auch jetzt, im dunkeln Tal, leitest. Dein sanfter Hirtenstab waltet \u00fcber mir; kein Feind wird mich \u00fcberw\u00e4ltigen, kein Ungl\u00fcck mich befallen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche Leute sagen, dass ihnen die Hoffnung, nicht sterben zu m\u00fcssen, viel Trost gew\u00e4hre. Sicherlich wird es etliche geben, die da \u00bbleben und \u00fcberbleiben auf die Zukunft des Herrn (1.Thess. 4,15); aber bietet es wirklich so viele Vorz\u00fcge, vom Tode verschont zu werden, dass der Christ das zum Gegenstand seines sehnlichen Verlangens machen soll? Ein weiser Mann k\u00f6nnte von den beiden wohl das Sterben w\u00e4hlen; denn diejenigen, die nicht entschlafen, sondern bei dem Ton der letzten Posaune verwandelt werden, werden in gewisser Hinsicht eher etwas verlieren als gewinnen: Sie gehen der \u00c4hnlichkeit mit Christus im Grabe verlustig, die die sterbenden Gl\u00e4ubigen genie\u00dfen, und Paulus bezeugt an jener Stelle ausdr\u00fccklich, dass sie denen, die schlafen, nicht zuvorkommen, also vor ihnen keinen Vorzug haben werden. Lasst uns die Gesinnung eben jenes Knechtes Christi teilen, der gesagt hat: Sterben ist mir Gewinn (Phil. 1,21), und lasst uns mit ihm Lust haben abzuscheiden und bei Christus zu sein, was viel besser ist (V. 23). Unser Psalmvers ist nicht alt und abgenutzt; er klingt dem Gl\u00e4ubigen noch heute so lieblich ins Ohr, wie zu Davids Zeiten, m\u00f6gen Leute, die nach Neuem haschen, sagen, was sie wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde<\/strong>. Der gute Mensch hat Feinde. Er w\u00e4re seinem Herrn nicht \u00e4hnlich, wenn er keine h\u00e4tte. W\u00e4re jedermann mit uns gut Freund, so h\u00e4tten wir wohl Ursache, zu f\u00fcrchten, dass wir zu Gottes Freunden nicht geh\u00f6ren; denn der Welt Freundschaft ist Gottes Feindschaft (Jak. 4,4). Sieh aber, wie ruhig der Gottesf\u00fcrchtige trotz seiner Feinden, ja angesichts derselben ist. Wie erquickend ist es, diese ruhige Tapferkeit wahrzunehmen! Du bereitest vor mir einen Tisch. Wenn der Krieger die Feinde vor Augen hat, l\u00e4sst er die Speise unber\u00fchrt oder wenn er isst, verschlingt er doch nur hastig einige Bissen und eilt in den Kampf. David aber sagt: Du bereitest vor mir einen Tisch \u2013 gerade wie in stiller Friedenszeit die Magd zu einem h\u00e4uslichen Fest das Damasttuch auf dem Tisch ausbreitet und die Tafel zurichtet. Da ist keine Eile, keine Verwirrung, keine St\u00f6rung. Der Feind ist vor der T\u00fcr; dennoch bereitet Gott den Tisch und der Christ setzt sich an Gottes Tafel und genie\u00dft der Speise, als ob alles lauter Friede w\u00e4re. Wie k\u00f6stlich ist die Seelenruhe, die der treue Bundesgott den Seinen auch inmitten der tr\u00fcbsten Umst\u00e4nde verleiht! Mag die ganze feindliche Welt in Waffen starren, in den H\u00fctten der Gerechten ist der Friede Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Du salbest<\/strong> <strong>mein Haupt mit \u00d6l.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6gen wir t\u00e4glich im Genuss dieses Segens leben, eine frische Salbung f\u00fcr die Pflichten jedes Tages zu empfangen. Jeder Christ ist ein Priester; aber ohne Salbung kann er seines Priesteramts nicht walten. Darum m\u00fcssen wir Tag f\u00fcr Tag zu Gott dem heiligen Geiste nahen, dass unser Haupt mit heiligem \u00d6l gesalbt werde. Ein Priester ohne Salb\u00f6l entbehrt des allerersten Erfordernisses f\u00fcr sein Amt; und der Priester des neuen Bundes ermangelt der Hauptbedingung zur Tauglichkeit f\u00fcr den Dienst Gottes, wenn er nicht stets mit neuer Gnade von oben gesalbt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Und schenkst mir voll ein<\/strong> \u2013 und mehr als das; denn der Grundtext lautet w\u00f6rtlich: Mein Becher ist \u00dcberfluss. David hatte nicht nur genug, sondern mehr als genug; sein Becher war nicht nur voll, er floss \u00fcber. Das kann der Arme, der an Gottes Tisch sitzt, ebenso sagen wie der Reiche. \u00bbWie, all dies und Jesus Christus dazu?\u00ab, sagte die Bewohnerin einer armseligen H\u00fctte, w\u00e4hrend sie ein St\u00fcck trockenen Brots zu einem Becher kalten Wassers genoss. Ein anderer mag noch so reich sein, \u2013 ist er unzufrieden, so kann sein Becher doch nicht \u00fcberlaufen, denn er hat einen Sprung und leckt. Zufriedenheit ist der Stein der Weisen, der durch seine Ber\u00fchrung alles in Gold verwandelt; gl\u00fccklich, wer ihn gefunden hat. Zufriedenheit ist mehr als ein K\u00f6nigreich; es ist ein anderes Wort f\u00fcr Gl\u00fcckseligkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang<\/strong>. Dies ist eine Tatsache, die eben so unbestreitbar als ermutigend ist; darum ist ein F\u00fcrwahr oder Wahrlich als himmlisches Siegel darauf gedr\u00fcckt. Wir m\u00f6gen den Satz aber auch lesen: Nur Gutes und Barmherzigkeit usw.; denn Gnade und nichts als Gnade wird der Inhalt der ganzen Geschichte unseres Lebens sein. Gl\u00fcck und Gnade, diese beiden Zwillingsengel, werden mich allezeit geleiten und mir auf Schritt und Tritt folgen. Wenn F\u00fcrsten sich irgendwohin begeben, gehen sie nie ohne Gefolge; so ist es mit dem Gl\u00e4ubigen. Gutes und Barmherzigkeit folgen ihm allezeit \u2013 alle Tage seines Lebens (w\u00f6rtl.), sie geleiten ihn sch\u00fctzend und segnend sowohl an dunkeln als auch an heiteren Tagen, an Fasttagen wie an Festtagen, sowohl in der tr\u00fcben Winterzeit als auch im lichten Sommer. Das Gl\u00fcck folgt uns, so dass alles Gute uns in den Scho\u00df f\u00e4llt, und die Barmherzigkeit tilgt unsre S\u00fcnden. Und werde bleiben8 im Hause des Herrn immerdar. Der Knecht bleibt nicht ewig im Hause; der Sohn bleibt ewig. (Joh. 8,35.) Solange ich auf dieser Erde bin, will ich als Kind im Hause meines Vaters daheim sein: die ganze Welt ist f\u00fcr mich sein Haus. Und wenn ich einst in das himmlische Gemach da droben einziehe, werde ich meine Gesellschaft nicht \u00e4ndern, ja nicht einmal das Haus wechseln: Ich werde nur ins h\u00f6here Stockwerk des Hauses Gottes ziehen, um da zu bleiben immerdar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6ge Gott uns Gnade schenken, allezeit in der heitern Himmelsluft dieses Psalms zu bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Charles H. Spurgeon, Die Schatzkammer Davids<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Psalm hat, abgesehen von der kurzen Angabe des Verfassers, keine \u00dcberschrift, und er hat keine n\u00f6tig; denn er berichtet kein besonderes Ereignis und bedarf zu seinem Verst\u00e4ndnis keinen andern Schl\u00fcssel als den, welchen jeder Christ in seinem eigenen Herzen findet. Der Psalm ist Davids Himmlisches Pastorale oder Hirtengedicht, ein unvergleichliches St\u00fcck wahrer Poesie, das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":300,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8265"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/300"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8265"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8266,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8265\/revisions\/8266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}