{"id":8200,"date":"2012-07-22T13:56:25","date_gmt":"2012-07-22T11:56:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8200"},"modified":"2012-07-22T13:56:25","modified_gmt":"2012-07-22T11:56:25","slug":"was-predigen-die-pfarrer-am-29-juli-2012-uber-1-kor-69f-%e2%80%9ehomosexuelle-werden-das-reich-gottes-nicht-ererben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8200","title":{"rendered":"Was predigen die Pfarrer am 29. Juli 2012 \u00fcber 1.Kor 6,9f: \u201eHomosexuelle werden das Reich Gottes nicht ererben\u201c?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was predigen die Pfarrer am 29. Juli 2012 \u00fcber 1.Kor 6,9f: \u201eHomosexuelle werden das Reich Gottes nicht ererben\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Regul\u00e4rer Predigttext am 29. Juli 2012, dem achten Sonntag nach Trinitatis, ist 1.Kor 6,9-14.18-20. Vers 9f lautet in der Lutherbibel: \u201eWeder Unz\u00fcchtige noch G\u00f6tzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabensch\u00e4nder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, L\u00e4sterer oder R\u00e4uber werden das Reich Gottes ererben.\u201c Die \u00dcbersetzung Luthers ist insofern ungenau, als es statt \u201eLustknaben\u201c \u201eWeichlinge\u201c (malakoi) hei\u00dfen muss, statt \u201eKnabensch\u00e4nder\u201c \u201ehomosexuelle M\u00e4nner\u201c (arsenokoitai; M\u00e4nner, die mit M\u00e4nnern den Koitus vollziehen).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Neutestamentler Eckhard J. Schnabel schreibt in seinem Korinther-Kommentar dazu (Brockhaus Wuppertal 2006, 319f):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Wort \u201aHomosexuelle\u2018 bezeichnet M\u00e4nner, die mit M\u00e4nnern sexuell verkehren. Der sexuelle Verkehr mit Kindern oder Jugendlichen (P\u00e4derastie) war die am weitesten verbreitete Form homosexuellen Verhaltens; deshalb \u00fcbersetzen viele mit \u201aKnabensch\u00e4nder\u2018 (wof\u00fcr es im Griech. das Wort paidophtoros gibt; vgl. Lev 17,11 LXX). Der Ausdruck bezeichnet allgemein den Homosexuellen (vgl. R\u00f6m 1,27; Lev 18,22 LXX). Im Anschluss an das AT galt Homosexualit\u00e4t im Judentum als charakteristische S\u00fcnde der Heiden, die die Todesstrafe verdient\u2026 Die Aufz\u00e4hlung der Laster in V. 9 und der Hinweis auf die Konsequenz, die sich aus der Praxis dieser Laster ergibt (V.10) macht deutlich, dass Paulus die Homosexualit\u00e4t nicht nur aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft negativ beurteilt\u2026 F\u00fcr Paulus ist das Gericht Gottes eine in der Zukunft eintreffende Realit\u00e4t, an der sich die moralischen Vorstellungen und Verhaltensweisen der Gesellschaft, in der die Christen Korinths leben, massiv sto\u00dfen. Aber er kontextualisiert die S\u00fcnden der heidnischen Umwelt \u2013 und der eigenen Glaubensgemeinschaft \u2013 genau so wenig wie Philo in Alexandrien, weil er \u00fcberzeugt ist, dass sich die Ma\u00dfst\u00e4be Gottes f\u00fcr die Beurteilung des menschlichen Verhaltens nicht \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein klarer Text: Einige Korinther Christen waren vor ihrer Umkehr zu Christus Homosexuelle. Durch ihre Hinwendung zu Christus wurden sie \u201ereingewaschen\u201c, \u201egeheiligt\u201c, \u201egerecht\u201c (11). Das bedeutete: Abwendung von der Praktizierung der Homosexualit\u00e4t. Wenn nun Christen in Korinth in die alte Praxis zur\u00fcckfallen und dabei bleiben, schlie\u00dfen sie sich selbst aus dem Reich Gottes aus. Das Urteil Gottes im J\u00fcngsten Gericht wird ihnen den Himmel verwehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sagen aktuelle Predigthilfen zu dieser Belehrung des Apostels, die von der Gemeinde des Herrn Jesus als Gottes Wort geh\u00f6rt wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfarrer Christian Lehmann (Zuversicht und St\u00e4rke 4, Christusbewegung Lebendige Gemeinde, H\u00e4nssler-Verlag, 80) meint: \u201eWenn wir\u2026 die aggressive Bef\u00fcrwortung praktizierter Homosexualit\u00e4t in den Blick nehmen, dann sind Paulus\u2018 Ausf\u00fchrungen nicht nur h\u00f6chst aktuell, sondern geradezu explosiv.\u201c In seiner Predigtskizze kommt das Thema nicht explizit vor. Sollte es behandelt werden, r\u00e4t er zu seelsorgerlicher \u201eFeinf\u00fchligkeit\u201c \u201eanstelle von ethischem Dogmatismus\u201c. Soll das hei\u00dfen, dass die Paulus-S\u00e4tze zu \u201eethischem Dogmatismus\u201c tendieren? Was meint dieser abwehrende Begriff?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfarrer Harry Wa\u00dfmann (F\u00fcr Arbeit und Besinnung 13, Zeitschrift f\u00fcr die Ev. Landeskirche in W\u00fcrtt., 5) stellt fest: \u201ePaulus kritisiert Sexualpraktiken theologisch. &#8230; Da Paulus sowohl hetero- als auch homosexuelle Praktiken kritisch in den Blick nimmt, m\u00f6chte ich hier nicht differenzieren und auch nicht der Frage nach der Liebe gleichgeschlechtlicher PartnerInnen eigens nachgehen. Mir scheint, Paulus\u2018 Worte k\u00f6nnen jedwede sexuelle Praxis oder Nichtpraxis sensibilisieren helfen.\u201c Dementsprechend wird das Thema in seinen Gedanken zur Predigt ausgespart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pfarrer Dr. Peter Haigis (Dt. Pfarrerblatt 6\/2012) kommentiert: \u201eIn einem hoch \u201asexualisierten\u2018 Klima, wie wir es in unserer Gesellschaft erleben (\u201aGeneration Porno\u2018), ist es leicht, einer rigoristischen (Sexual-)Ethik das Wort zu reden; um so schwerer f\u00e4llt es, zu einem differenzierten Urteil zu kommen. M.E. fordert der Abschnitt aus 1.Kor 6 genau dazu heraus\u2026 Es geht darum, problematische, n\u00e4mlich pervertierte und deformierte K\u00f6rperverh\u00e4ltnisse zu reflektieren und Perspektiven f\u00fcr eine Leiblichkeit (und Leibfreundlichkeit) zu er\u00f6ffnen, die dem biblischen Sch\u00f6pfungszeugnis wie dem Evangelium gerecht werden.\u201c Was bedeutet diese Leitlinie konkret f\u00fcr die Predigt \u00fcber 1.Kor 6,9f? Auch diese Predigthilfe l\u00e4sst das \u201ehei\u00dfe Eisen\u201c am Anfang des Predigttextes unkommentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woher kommt dieses Schweigen der Predigthilfen zu der eindringlichen Warnung des Paulus: \u201eHomosexuelle werden das Reich Gottes nicht ererben\u201c? Ob sich das fortsetzt in einem Schweigen der Prediger am 29. Juli 2012 \u00fcber jenes Thema, das die EKD mit ihrem neuen Pfarrerdienstgesetz auf die Tagesordnung gesetzt und damit reihenweise Entschl\u00fcsse von Landeskirchen zur offiziellen Zulassung von homosexuellen Pfarrern ausgel\u00f6st hat? Also zur Zulassung von Pfarrern, die das Reich Gottes nicht ererben werden? Dieses Schweigen w\u00e4re nicht nur eine Verdr\u00e4ngung des Gesetzes, das vor S\u00fcnde warnt und zur Umkehr ruft, sondern auch eine Verdr\u00e4ngung des Evangeliums, das jedem Homosexuellen die Liebe Gottes zuspricht, die als befreiende Rechtfertigung und Heiligung sein Leben rettet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Prophet Hesekiel wird von Gott in die Pflicht genommen (Hes 3,18): \u201eWenn ich (Gott!) dem Gottlosen sage: Du musst des Todes sterben! und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Wege zu warnen, damit er am Leben bleibe, &#8211; so wird der Gottlose um seiner S\u00fcnde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.\u201c Paulus kommt der Verpflichtung nach, durch deine deutliche Warnung vor dem Todesgericht zum Lebensweg mit Christus hinzuf\u00fchren. Prediger in seiner Spur werden am 29. Juli 2012 ebenso handeln, d.h.: die Gesellschaft, die Kirche und die Kollegenschaft warnen und ihr die \u00fcberaus freundliche Einladung Gottes zum Leben aufleuchten lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">______________________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Dr. Tobias Ei\u00dfler, Gunzenhausen \u2013 21. Juli 2012<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was predigen die Pfarrer am 29. Juli 2012 \u00fcber 1.Kor 6,9f: \u201eHomosexuelle werden das Reich Gottes nicht ererben\u201c? Regul\u00e4rer Predigttext am 29. Juli 2012, dem achten Sonntag nach Trinitatis, ist 1.Kor 6,9-14.18-20. 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