{"id":8016,"date":"2012-05-31T10:44:36","date_gmt":"2012-05-31T08:44:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8016"},"modified":"2012-05-31T10:52:19","modified_gmt":"2012-05-31T08:52:19","slug":"vergesellschaftung-der-organe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=8016","title":{"rendered":"Vergesellschaftung der Organe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vergesellschaftung der Organe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mit breiter Mehrheit hat der Bundestag am 25.5.2012 die Gesetze zur Neuregelung der Organspende beschlossen, wobei vor allem wichtige Weichenstellungen die postmortale Organspende f\u00f6rdern sollen. Die Christdemokraten f\u00fcr das Leben (CDL) kritisieren durch die Bundesvorsitzende, Mechthild L\u00f6hr, in ihrer Stellungnahme vehement Art und Umfang der so genannten neuen \u201eEntscheidungsl\u00f6sung\u201c:<!--more--><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon l\u00e4nger hat die Gesundheitspolitik es zu ihrem Ziel erkl\u00e4rt, die Zahl der Organspender in Deutschland deutlich zu erh\u00f6hen. Nicht einmal die zahlreichen aktuellen Ungereimtheiten und Skandale um die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die hierzulande das Monopol f\u00fcr Organverteilung und Entnahme aus\u00fcbt, haben den Bundestag davon abgehalten, am 25. Mai ohne Anh\u00f6rung kritischer Positionen in zweiter und dritter Lesung Gesetze zur Neuregelung der Organspende durchzudr\u00fccken. Die zu beobachtende Skepsis der B\u00fcrger gegen\u00fcber postmortalen Organentnahmen ist aber nicht grundlos und sogar noch gestiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb soll jetzt auf die B\u00fcrger staatlicherseits wachsender moralischer Druck ausge\u00fcbt werden, ohne sie \u00fcber den international umstrittenen Hirntod als definitorischer Voraussetzung f\u00fcr eine Organentnahme aufzukl\u00e4ren. Im Gesetz ist denn auch stets von Organentnahme n a c h dem Tod die Rede, die Definition des Todes \u00fcberl\u00e4\u00dft der Gesetzgeber den \u00c4rzten. Diese ist und bleibt somit in den verschieden EU-L\u00e4ndern unterschiedlich. Hirntote sind zu diesem Zeitpunkt allerdings eindeutig noch Lebende im Sterbeproze\u00df, die k\u00fcnstlich beatmet werden. Deshalb wird zu Unrecht der Eindruck erweckt, dass man bei der Entnahme von Organen bereits tot sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bundestag hat durch die nunmehr beschlossene generelle und regelm\u00e4\u00dfige bundesweite Erfassung der Organspendebereitschaft jedes einzelnen B\u00fcrger eine neue Grenze zur Vergesellschaftung \u00fcberschritten. Er fordert jetzt die Krankenkassen auf, auf den elektronischen Gesundheitskarte die Organspenderfunktion festzuhalten. Auch das regelm\u00e4\u00dfige Anschreiben aller B\u00fcrger, um ihre Organspendebereitschaft zu erfassen und damit Auskunft \u00fcber eine pers\u00f6nliche Frage auf Leben und Tod zu erhalten, offenbart eine unglaubliche Hybris des Staates. Zwar wird bei der vorgeschlagenen L\u00f6sung noch formal das Prinzip der Freiwilligkeit gewahrt, doch \u00fcbt der Staat mittelbaren moralischen Zwang auf die B\u00fcrger aus. Das hat durchaus den Charakter einer ethischen N\u00f6tigung und mi\u00dfachtet das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Besonders bei k\u00f6rperlich oder psychisch schwer erkrankten Menschen k\u00f6nnte diese Dauerbefragung zus\u00e4tzlich \u00e4u\u00dfert negative Konsequenzen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wirklich sachgerechte und angemessene Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Hirntod-Diagnose w\u00fcrde sicher weiterhin viele Menschen davon abhalten, sich als Organspender zur Verf\u00fcgung zu stellen. Verst\u00e4rkend kommen die j\u00fcngste Reihe der Skandale bei der Stiftung Organtransplantation(DSO) und die erheblichen wirtschaftlichen Interessen hinzu, die sich rund um den Organhandel national wie international drehen. Bei vielen B\u00fcrgern gibt es zu Recht ein tiefes Misstrauen, wenn der Staat h\u00f6chstpers\u00f6nliche Daten abfragt und speichert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird sich jetzt wohl nur noch durch das Bundesverfassungsgericht kl\u00e4ren lassen, ob der Staat \u00fcberhaupt befugt ist, Daten dieser Art \u00fcber jeden B\u00fcrger permanent zu erheben und durch Dritte verwalten zu lassen. Dass auch dieses wichtige Gesetz nun in 2.und 3. Lesung im Eiltempo und ohne vorherige Anh\u00f6rung durch eine breite Allparteienkoalition verabschiedet worden ist, wirft zus\u00e4tzlich ein bedenkliches Licht auf die aktuelle parlamentarische Diskussionskultur unseres Landes.<\/p>\n<p><em>CDL, Pressemeldung vom 25. Mai 2012<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.cdl-online.de\">www.cdl-online.de<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergesellschaftung der Organe Mit breiter Mehrheit hat der Bundestag am 25.5.2012 die Gesetze zur Neuregelung der Organspende beschlossen, wobei vor allem wichtige Weichenstellungen die postmortale Organspende f\u00f6rdern sollen. 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