{"id":796,"date":"2009-07-19T19:49:01","date_gmt":"2009-07-19T17:49:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=796"},"modified":"2009-09-01T14:32:06","modified_gmt":"2009-09-01T12:32:06","slug":"die-ekd-und-die-abschaffung-der-schopfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=796","title":{"rendered":"Die EKD und die Abschaffung der Sch\u00f6pfung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die EKD und die Abschaffung der Sch\u00f6pfung<br \/>\n<\/strong><strong>Eine Stellungnahme zur aktuellen Kreationismusdebatte aus theologischer Sicht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich in zwei Publikationen zum Thema Kreationismus ge\u00e4u\u00dfert. In 2007 ver\u00f6ffentlichte der Beauftragte f\u00fcr Weltanschauungsfragen der Ev. Landeskirche in W\u00fcrttemberg, Hansj\u00f6rg Hemminger, die von der Ev. Zentralstelle f\u00fcr Weltanschauungsfragen herausgegebene Schrift &#8222;Mit der Bibel gegen die Evolution. Kreationismus und \u201aintelligentes Design\u2019 \u2013 kritisch betrachtet&#8220; (EZW-Text 195). Vor kurzem erschien mit einem Geleitwort von Bischof Huber die von den Theologen Michael Beintker und Friedrich Schweitzer erarbeitete 24-seitige Schrift &#8222;Weltentstehung, Evolutionstheorie und Sch\u00f6pfungsglaube in der Schule&#8220; (EKD-Texte 94). Beide Schriften machen eine Stellungnahme aus der Sicht konservativ-protestantischer Theologie notwendig. Um die Position der EKD in der Diskussion um Kreationismus\/Intelligent Design zu verstehen, er\u00f6rtere ich zun\u00e4chst ihr Verst\u00e4ndnis des biblischen Sch\u00f6pfungsberichtes. Danach gehe ich auf einzelne Sachfragen ein. Ich klammere dabei die Auseinandersetzung mit den naturwissenschaftlichen Aspekten weitestgehend aus, da diese an anderer Stelle stattfindet.<!--more--><\/p>\n<p><strong>1. Das den \u00c4u\u00dferungen der EKD unterliegende Verst\u00e4ndnis\u00a0<\/strong><strong>von\u00a01. Mose 1-3<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Charakteristisch f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von 1Mose 1-3 in der modernen Theologie ist die Ansicht, da\u00df wir es in der Bibel mit Glaubenszeugnissen zu tun haben, in denen kollektive religi\u00f6se Erfahrungen in Worte gefa\u00dft werden. Die Bibel sei Menschenwort und als solches Niederschlag lebendiger menschlicher Religiosit\u00e4t. Die Bibel sei nicht von Gott und nicht von Gottes Geist eingegeben, es sei denn, man identifiziere den Geist Gottes mit der menschlichen Religiosit\u00e4t. Menschen h\u00e4tten in der Bibel ihre Erfahrungen in Form von Mythen weitergegeben und so seien auch die Berichte von Sch\u00f6pfung und S\u00fcndenfall Mythen, also Geschichten, die nicht den Anspruch erh\u00f6ben, ein wirkliches Geschehen wiederzugeben. Damit ist dem Sch\u00f6pfungsbericht die faktische Autorit\u00e4t genommen und es liegt auf der Hand, da\u00df er als zeitloser Mythos viel leichter mit der modernen naturwissenschaftlichen Weltsicht zu harmonisieren ist. Das gilt offenbar auch f\u00fcr die oben genannten Autoren, auch wenn diese die hier gemachten Bemerkungen nicht ausdr\u00fccklich vorausschicken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus diesem Ansatz ergibt sich, da\u00df der biblische Sch\u00f6pfungsbericht eine religi\u00f6se Wirklichkeitsdeutung liefert im Unterschied zu einem naturwissenschaftlichen Zugang zur Welt. Religi\u00f6se Wirklichkeitsdeutung habe es mit einer Dimension tun, die nicht durch Z\u00e4hlen, Messen und Wiegen erfa\u00dft werden k\u00f6nne, sondern die intuitiv erfa\u00dft werde. Wenn behauptet wird, die Bibel wolle kein naturwissenschaftliches Lehrbuch sein, dann mag das f\u00fcr sich genommen stimmen, aber hinter der Behauptung steht die Ansicht, die religi\u00f6se Wahrnehmung der Sch\u00f6pfung sei eine ganz andere Kategorie der Wahrnehmung als die naturwissenschaftliche. W\u00e4hrend letztere sich an objektiven Daten festmache, die man mit den entsprechenden Methoden erheben k\u00f6nne, bedeute die erste, da\u00df der Mensch ohne einen objektiven, \u00e4u\u00dferen Anla\u00df der Wirklichkeit eine Art Etikett aufklebt mit der Aufschrift \u201eSch\u00f6pfung\u201c. Der biblische Sch\u00f6pfungsglaube wird damit als Produkt religi\u00f6ser Weltbetrachtung angesehen, als Resultat des Nachsinnens \u00fcber die Welt. Er sei motiviert durch den Lobpreis Gottes im Gottesdienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist eine f\u00fcr die moderne Theologie typische Vorstellung. Religi\u00f6ses Bewu\u00dftsein fasse seine Einsichten in eine Geschichte, die sich so nicht zugetragen habe und nicht sagen wolle, was etwa geschehen w\u00e4re, sondern die einen \u201eGlauben\u201c, eine bestimmte religi\u00f6se Sichtweise, zum Ausdruck bringen wolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man wird dann zwangsl\u00e4ufig zu der Frage gef\u00fchrt, was f\u00fcr ein Gott das ist, der in den so verstandenen biblischen Texten gelobt wird. Was tut er denn? Was hat er getan? Hat er wirklich die Welt erschaffen? Das Lob Gottes als Sch\u00f6pfer ist dann, wenn er die Welt nicht wirklich erschaffen hat, ein hohles Lob, ein Lob f\u00fcr etwas, das man nicht aussagen kann. Die religi\u00f6se Redeweise verdeckt die Unwirklichkeit des tats\u00e4chlich handelnden Gottes. Sie wirkt vordergr\u00fcndig fromm und will der Autarkie des Menschen widersprechen, aber leistet mit der Verneinung der Sch\u00f6pfung als Tatsache der Emanzipation vom Sch\u00f6pfer Vorschub.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Behauptung, da\u00df das Bekenntnis zu Gott, dem Sch\u00f6pfer nicht zum \u00e4ltesten Traditionsbestand des AT geh\u00f6re, wird die Bedeutung der biblischen Sch\u00f6pfungsaussage weiter verringert. Hier zeigt die Aufnahme der Quellenscheidungstheorien Wirkung, mit denen die Bibelkritik seit etwa 150 Jahren die Autorit\u00e4t der Moseb\u00fccher untergr\u00e4bt, obwohl es kein einziges Dokument gibt, das diese These best\u00e4tigt. Man hat vielmehr gemeint, man k\u00f6nne die vorliegenden Textdokumente k\u00fcnstlich in postulierte und keineswegs evidente Quellen (Jahwist, Elohist, Priesterschrift, Deuteronomium) aufspalten. Mit der Quellenscheidung versinkt die in den Moseb\u00fcchern berichtete Geschichte im Dunkel. 1Mose 1 wird \u2013 gegen die von der Bibel bezeugte mosaische Autorschaft \u2013 von der historisch-kritischen Schriftauslegung jener omin\u00f6sen Priesterschrift aus der Zeit des babylonischen Exils zugeschrieben und als r\u00fcckw\u00e4rtige Projektion der Weltentstehung im Kontext sp\u00e4tj\u00fcdischer Religiosit\u00e4t verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reduktion der biblischen Botschaft auf geistig-religi\u00f6se Einsichten und Erlebnisse ist Ausdruck dessen, da\u00df die Kirche und ihre Theologie generell den Bezug zur Sch\u00f6pfung verloren haben. Es ist das zweifelhafte Verdienst des Berliner Theologen D.F.E. Schleiermacher (1768-1834), die \u201eReligion\u201c vollst\u00e4ndig von dem von der Reformation betonten Bezug zum \u00e4u\u00dferen Wort der heiligen Schrift abgekoppelt und auf selbst\u00e4ndige innerpsychische Vorg\u00e4nge beschr\u00e4nkt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Naturwissenschaft und Bibel \u2013 zwei Ebenen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eingangs genannten Schriften sind \u2013 neben zahllosen anderen \u00c4u\u00dferungen zeitgen\u00f6ssischer Theologen zum Thema \u2013 getragen von dem Ansatz, da\u00df der christliche Sch\u00f6pfungsglaube und die Evolutionstheorie die Welt von zwei ganz unterschiedlichen Ebenen aus sehen und daher einander nicht wirklich widersprechen k\u00f6nnen. Diese Behauptung mu\u00df n\u00e4her beleuchtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Zweifel mu\u00df man zugestehen, da\u00df die Bibel kein naturwissenschaftliches Lehrbuch sein will und sein kann. Sie redet nicht in wissenschaftlicher Exaktheit und beansprucht eine solche auch nicht. Sie verneint aber den Atheismus, der f\u00fcr die naturwissenschaftlichen Methoden gefordert und zum Aush\u00e4ngeschild der Wissenschaftlichkeit gemacht wird. Wenn die Bibel sagt, da\u00df Gott am Anfang die Welt erschaffen habe, dann widerspricht sie einer atheistischen Welterkl\u00e4rung unabh\u00e4ngig davon, ob diese im Gewand der modernen Naturwissenschaft oder im Gewand spekulativer Philosophie daherkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner sagt die Schrift, da\u00df Gott die Welt wirklich gemacht hat. Dies ist vom Standpunkt der Bibel aus keine religi\u00f6se Wirklichkeitsdeutung, sondern Tatsache. Auch andere Autoren der Bibel einschlie\u00dflich Jesus Christus teilen diese Sicht (vgl. z.B. Ps 102,26; Spr 3,19; Jes 48,13; Hebr 1,10; Mt 19,4-5). Die Bibel spricht gleich am Anfang und sachlich am richtigen Ort von der Erschaffung der Welt. Sie macht eine kosmologische Aussage und tritt damit in Konkurrenz zu anderslautenden kosmologischen Vorstellungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist daher ein Ausweichman\u00f6ver, wenn Beintker\/Friedrich die Betonung so sehr auf das aktuelle sch\u00f6pferische Handeln Gottes, die creatio continua, legen. Da\u00df auch dieses stattfindet, wird gewi\u00df auch aus der Schrift deutlich (vgl. Ps 104). Doch ist es die durchg\u00e4ngige Aussage der Bibel, da\u00df Gott \u201eam Anfang\u201c Himmel und Erde geschaffen hat. Diese Aussage l\u00e4\u00dft sich nicht mit einer dunklen, jahrmilliardenlangen Selbstorganisation des Kosmos in Einklang bringen, ganz abgesehen davon, da\u00df die biblische Chronologie in gr\u00f6\u00dftem Kontrast zu den von der Evolutionstheorie postulierten Zeitr\u00e4umen steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es steht nicht in der Kompetenz des Menschen, zu entscheiden, welche Kosmologie die richtige ist. Kein Mensch hat Gott bei der Sch\u00f6pfung zugeschaut und niemand hat einen Urknall beobachtet. In der Diskussion geht es vielmehr um die viel grunds\u00e4tzlichere Frage, wem die Kirche in der Sache mehr glaubt: dem Wort Gottes oder einer vom Atheismus dominierten Naturwissenschaft. Zieht man in Betracht, da\u00df menschliche Wissenschaften schon oft geirrt haben und ihre Irrt\u00fcmer mit und ohne kirchlichen Segen vertreten haben, so ist es allemal berechtigt, wissenschaftliche Ergebnisse, die der Bibel widersprechen, als solche zur Kenntnis zu nehmen, sie jedoch als vorl\u00e4ufig zu betrachten und sie zum gegebenen Zeitpunkt zu \u00fcberpr\u00fcfen. Auch sei daran erinnert, da\u00df menschliche Erkenntnis niemals als Ma\u00dfgabe f\u00fcr das Ganze genommen werden darf. Menschliche Erkenntnis nimmt immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit empirisch wahr. Wenn eine unmittelbare empirische Wahrnehmung nicht m\u00f6glich ist, wie das bez\u00fcglich des \u201eUrknalls\u201c und der postulierten Jahrmilliarden der Fall ist, dann mu\u00df generell davor gewarnt werden, da\u00df die \u201eErkenntnisse\u201c genannten geistigen Konstrukte des Menschen als Tatsachen kolportiert werden. Damit m\u00f6chte ich sagen, da\u00df zum Beispiel die auf radiometrischem Wege abgeleiteten hohen Altersdaten fossiler Organismen, die bekannterma\u00dfen der biblischen (Kurzzeit-) Chronologie drastisch entgegenstehen, noch nicht als Beweis f\u00fcr einen Irrtum der biblischen Autoren angesehen werden k\u00f6nnen. Diese Rekonstruktionen enthalten nicht \u00fcberpr\u00fcfbare Denkvoraussetzungen, die eine \u00fcber jeden Zweifel erhabene Absolutsetzung verbieten. Um es \u00fcberspitzt zu sagen: Die Naturwissenschaften k\u00f6nnen und sollen uns erkl\u00e4ren, wie die Welt funktioniert, aber bei der Erkl\u00e4rung, wie die Welt geworden ist, werden sie mit ihren methodischen und inhaltlichen Grenzen konfrontiert. \u00dcberschreiten sie diese unreflektiert, geraten sie in das Schlepptau von Spekulationen und Ideologien. Die Kirche t\u00e4te indes der Wissenschaft einen besseren Dienst, wenn sie deren Ergebnisse anhand der Bibel ideologiekritisch bewerten und sich nicht mit der Rede von verschiedenen Ebenen aus ihrer Verantwortung stehlen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Die Bedeutung des ersten Glaubensartikels<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem die EKD-Autoren den Kreationismus ablehnen, wenden sie sich offen gegen das, was die Bibel sagt und was die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch geglaubt hat, n\u00e4mlich da\u00df Gott am Anfang die Welt wirklich geschaffen hat. Indem sie die Bibel auf die geschilderte Weise umdeuten, annullieren sie die Aussagen des ersten Glaubensartikels. Damit werden zwei wesentliche Grundlagen der Kirche gleichzeitig preisgegeben: die heilige Schrift als autoritative Grundlage der Kirche und die Erkenntnis Gottes als Sch\u00f6pfer, Offenbarer und Vollender. Sie werden diesen Vorwurf vehement zur\u00fcckweisen, indem sie darauf verweisen, da\u00df sie gerade f\u00fcr diesen Glauben werben und eine atheistische Weltdeutung verneinen. Aber was ist das f\u00fcr ein \u201eGlaube\u201c, wenn er nur subjektiv-religi\u00f6se Weltdeutung oder ein inneres religi\u00f6ses Erlebnis ist? Christlicher Glaube ist getragen von den objektiven, im biblischen Wort gegebenen Zusagen des in der Welt- und Menschheitsgeschichte handelnden Gottes. Er erfa\u00dft eine Wirklichkeit, die wohl dem Auge verborgen ist, aber nichtsdestoweniger so ist, wie es Gottes Wort sagt. Er vertraut auf die Wahrheit dieser Aussagen, obwohl man sie nicht mit den Mitteln der empirischen Wissenschaften beweisen kann, sondern gibt ihnen um der Treue des wirklich da seienden Gottes willen Kredit, wie aus R\u00f6mer 4,18-21 hervorgeht. Das jedenfalls haben die Reformatoren im Einklang mit der Schrift unter Glauben verstanden und gerade das ist am Glaubensbegriff der modernen Theologie nicht mehr erkennbar. Mit anderen Worten, die EKD redet vom Glauben, aber meint nicht das, was die Bibel darunter versteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit wird deutlich: Schon der Glaubensbegriff dieser Theologie entbehrt dessen, was Luther das \u201e\u00e4u\u00dferlich Ding\u201c nannte: des \u00e4u\u00dferen, objektiven Wortes Gottes und damit einer Gr\u00f6\u00dfe, die nicht im menschlichen Bewu\u00dftsein, sondern in der Sch\u00f6pfung steht: als menschliches, diesseitiges, geschriebenes oder gepredigtes Wort. So zeigt schon das Verst\u00e4ndnis von Glauben und Christsein das Ausfallen der gesch\u00f6pflichen Dimension. Mit dem Ausfallen der gesch\u00f6pflichen Dimension verkommt der Glaube zu einer gnostischen und unwirklichen Gr\u00f6\u00dfe. Er wird zu einer hohlen Gl\u00e4ubigkeit, die mit den unterschiedlichsten religi\u00f6sen Anschauungen gef\u00fcllt werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit h\u00e4ngt zusammen, da\u00df die neuere Theologie auch die Bez\u00fcge der Offenbarung Gottes zur gesch\u00f6pflichen Dimension problematisiert, sei dies die Fleischwerdung des Sohnes Gottes oder das Eingehen des Heiligen Geistes ins biblische Wort. F\u00fcr die neuere Theologie ist Jesus in der Regel nur ein Mensch und das G\u00f6ttliche an ihm ist sein religi\u00f6ses Bewu\u00dftsein. Aber wesenhaft Gott ist er f\u00fcr sie nicht. Auf der anderen Seite stehen Christologien \u201evon oben\u201c, in denen Christus etwa der \u201eeschatologische Himmelsmensch\u201c (K\u00e4semann) ist, dessen Beziehung zum irdischen Jesus im Sinne der neueren Theologie nur \u201egeglaubt\u201c werden kann. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Gottes Wort: Die neuere Theologie lehnt es ab, es mit der Bibel zu identifizieren, mithin also im Sinne der Lehre von der Theopneustie (Inspiration) der heiligen Schrift das \u00e4u\u00dfere, menschliche Wort als Gotteswort anzusehen. Gottes Wort ist f\u00fcr sie ein Ereignis im Horizont der menschlichen Existenz, was aber nichts anderes hei\u00dft, als da\u00df es in einer inneren religi\u00f6sen Erfahrung oder in einem Bewu\u00dftseinsakt besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ausfallen der Sch\u00f6pfung wird besonders in der Leugnung der leibhaftigen Auferstehung erkennbar. Wenn die biblischen Auferstehungsberichte als Zeugnisse religi\u00f6ser Erfahrungen gedeutet oder als Chiffren f\u00fcr die \u00dcberwindung lebensfeindlicher M\u00e4chte und nicht als Berichte von Begegnungen mit dem leibhaftig Auferstandenen verstanden werden, und wenn Christen heute unabh\u00e4ngig davon, ob das Grab leer war oder nicht, \u00e4hnliche Erfahrungen des Aufatmens und der Hoffnung f\u00fcr die Zukunft machen sollen, dann bedeutet dieser Ausfall der gesch\u00f6pflichen Dimension der Auferstehung, da\u00df es im Grunde keine wirkliche Auferstehungshoffnung gibt und da\u00df damit auch die neue Sch\u00f6pfung ausf\u00e4llt. Wenn die Kirche nicht mehr an die anf\u00e4ngliche Sch\u00f6pfung glaubt, dann hat sie auch keinen Anla\u00df, an die endliche Neusch\u00f6pfung zu glauben. Indem sie die leibhaftige Auferstehung der Toten nicht bekennt, verliert sie ein zentrales Element der christlichen Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df auch die Reformatoren als angebliche Kronzeugen dieses neuerlichen \u201eSch\u00f6pfungsglaubens\u201c angef\u00fchrt werden (Beintker\/Friedrich 10-11), entspricht nicht deren Ansichten. Es stand f\u00fcr Luther wie f\u00fcr Calvin au\u00dfer Frage, da\u00df Gott am Anfang die Welt geschaffen hat, wie man unschwer aus Luthers Genesisvorlesung und aus Calvins Kommentar zur Genesis entnehmen kann. Ganz ohne Frage haben sie betont, da\u00df der Sch\u00f6pfungsglaube auch auf das Leben und die Lebensumst\u00e4nde des einzelnen Menschen zu beziehen ist. Doch damit haben sie mit keiner Silbe den biblischen Sch\u00f6pfungsbericht und das darin beschriebene Handeln Gottes als Tatsache geleugnet, sondern ihn gegen anderslautende Ansichten verteidigt. Den Sch\u00f6pfungsglauben auf das aktuelle Handeln Gottes, sprich: auf die religi\u00f6se Wahrnehmung der Welt und der christlichen Existenz zu beschr\u00e4nken, ist wohl das besondere Interesse der modernen Theologie, dem die Reformatoren energisch das Recht der Bibel entgegenstellen w\u00fcrden: von Dingen zu reden, die gesch\u00f6pfliches Format haben. Wenn es dar\u00fcber hinaus als Kennzeichen evangelischen Glaubens angesehen wird, bestimmten Auslegungsformen des christlichen Sch\u00f6pfungsglaubens wie auch der Evolutionstheorie \u201ekritisch\u201c zu betrachten und zu \u00fcberwinden, dann mu\u00df man wohl parierend sagen: Die EKD sollte bei dieser Kritik die Schrift zum Ma\u00dfstab machen und nicht ihre schriftwidrige Auslegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Die Herausforderung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Sicht der Rechts- und Gesellschaftswissenschaften geht es bei der Kreationismusdebatte um die Frage, welche Rolle christliche Positionen in der \u00d6ffentlichkeit und insbesondere in staatlichen Schulen spielen d\u00fcrfen. Hemminger schreibt: \u201eDer Umgang mit dem Kurzzeit-Kreationismus ist ein Problem der P\u00e4dagogik und Politik, auch der Gemeindearbeit und der Kirchenpolitik.\u201c Er macht damit den Kampf gegen eine Weltanschauung zum Politikum. Das steht der vom Grundgesetz vorgesehenen weltanschaulichen Neutralit\u00e4t des Staates entgegen und zeigt das Interesse der Kirchenm\u00e4nner, einer naturalistischen Welterkl\u00e4rung zur Geltung zu verhelfen. Da\u00df ausgerechnet die Kirche sich in diesem Sinne \u00e4u\u00dfert, ist kein Ausdruck politisch-weltanschaulicher Freiheit, sondern der Intoleranz, und ist im Ansatz demokratiefeindlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist dar\u00fcber hinaus ein Skandal, da\u00df die neuerlichen kirchlichen Publikationen die jahrzehntelange Tradition fortsetzen, anstelle der biblischen Botschaft widerbiblische und dem jeweiligen Zeitgeist angepa\u00dfte Positionen vorzutragen. Die Kirche sollte doch, um in rechter Weise Kirche zu sein, dem Wort Gottes mehr glauben als einer mit dem Schein der gesicherten Erkenntnis sich schm\u00fcckenden naturalistisch \u00fcberh\u00f6hten Wissenschaft. Wenn sie dar\u00fcber hinaus die recht verstandene biblische Sch\u00f6pfungsaussage diffamiert als \u201eVerkehrung des Glaubens an den Sch\u00f6pfer in eine Form einer Welterkl\u00e4rung, die letztlich dazu f\u00fchrt, da\u00df das B\u00fcndnis von Glaube und Vernunft aufgek\u00fcndigt wird\u201c (Beintker\/Friedrich 7), dann tut sie genau das, was sie kritisiert: sie hat mit der Rede von den verschiedenen Ebenen die biblische Sch\u00f6pfungsaussage als eine vern\u00fcnftige und sachlich richtige Auskunft \u00fcber die Herkunft der Welt aus der Hand eines weisen Sch\u00f6pfers von der Wissenschaft abgekoppelt. Sie hat ohne zwingenden Grund das Wort, das die Kirche tr\u00e4gt, seines Sachgehalts entleert und den Glauben dem Diktat einer mit atheistischen Methoden arbeitenden Vernunft unterworfen. \u2013 Um der Selbstzerst\u00f6rung der Kirche zu widerstehen tun wir, was die Kirche tun sollte: wir protestieren f\u00fcr den Sachgehalt des ersten Glaubensartikels und f\u00fcr das Recht Gottes, uns sagen zu k\u00f6nnen, wie er die Welt geschaffen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EKD und die Abschaffung der Sch\u00f6pfung Eine Stellungnahme zur aktuellen Kreationismusdebatte aus theologischer Sicht Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich in zwei Publikationen zum Thema Kreationismus ge\u00e4u\u00dfert. In 2007 ver\u00f6ffentlichte der Beauftragte f\u00fcr Weltanschauungsfragen der Ev. Landeskirche in W\u00fcrttemberg, Hansj\u00f6rg Hemminger, die von der Ev. 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