{"id":7954,"date":"2012-05-19T22:00:23","date_gmt":"2012-05-19T20:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7954"},"modified":"2012-05-19T22:02:40","modified_gmt":"2012-05-19T20:02:40","slug":"predigt-vom-bibelfrust-zur-bibellust-2-tim-314-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7954","title":{"rendered":"Predigt: Vom Bibelfrust zur Bibellust (2 Tim 3,14-17)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt: Vom Bibelfrust zur Bibellust (2 Tim 3,14-17)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu aber bleibe in dem, was du gelernt hast und worin du gewiss geworden bist, da du wei\u00dft, von wem du gelernt hast und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, die dich weise machen k\u00f6nnen zum Heil in Christus Jesus. Sie alle sind gottgehaucht und voll n\u00fctzlicher Lehre. Sie \u00fcberf\u00fchren von der S\u00fcnde, sie f\u00fchren auf den richtigen Weg und sie erziehen zu einem Leben nach Gottes Willen. So wird der Mensch Gottes f\u00fcr jedes gute Werk zuger\u00fcstet\u201c (2 Tim 3,14-17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Brief des Apostels Paulus an Timotheus ist ein testamentarisches Verm\u00e4chtnis. Wenn man weiterliest in Kap. 4, kommen sehr ernste T\u00f6ne. Hier spricht Paulus davon: \u201eIch werde schon geopfert. Die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen\u201c (4,6). Und dann kann man sich gut denken, dass das, was er jetzt sagt, testamentarischen Charakter tr\u00e4gt. <!--more-->Wer etwa das Weihegebet vor Augen und in den Ohren hat, das Pastor Heinrich Kemner bei der Gr\u00fcndung des Gemeindehilfsbundes im Oktober 1992 gesprochen hat, der hat einen kleinen Eindruck von einer testamentarischen Rede bekommen. Da sagt man nichts Beil\u00e4ufiges. Da sagt man nur noch das Allern\u00f6tigste, das, was \u00fcber den Tag hinaus in Geltung stehen und bleiben soll. Das hat dann alles ein besonderes Gewicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Abschnitt heute ist die letzte Ermahnung dieses Testaments. Eine weitere Steigerung in Dringlichkeit und Wichtigkeit gibt es nicht. Das ist das letzte \u00f6ffentliche Wort, das Paulus uns hinterlassen hat: \u201eBleib dem Wort Gottes treu und richte das Amt des Predigers redlich und treu aus.\u201c Das geh\u00f6rt zusammen: Kap. 3 am Ende und Kap. 4 am Anfang steht diese Ermahnung. Das war keine ruhige und beschauliche Weitergabe des Stafettenstabes. In den ersten Versen des 3. Kapitels sagt der Apostel: Es kommen jetzt schlimme Zeiten. Und die werden sehr drastisch geschildert: Die Menschen werden hochm\u00fctig sein, geldgierig, in denen sie alles Heilige verl\u00e4stern werden, den Eltern ungehorsam, gottlos und lieblos, nur noch ihre eigene Lust suchen \u2013 hier ist ausdr\u00fccklich von Wollust die Rede &#8211; , und sich dabei noch einen frommen Anstrich geben. Aber von der ver\u00e4ndernden Kraft des Glaubens haben sie keine Ahnung mehr. Davon ist in ihrem Leben nichts zu sehen. Dann gibt es die Aussage in 3,13: Mit solchen Leuten wird es immer schlimmer. Sie sind verf\u00fchrt, und sie verf\u00fchren andere. In Kap. 4,3 geht die Schilderung dieser Situation weiter: \u201eSie werden das heilsame Wort Gottes nicht mehr ertragen. Sie werden sich Lehrer nach ihrem Gutd\u00fcnken suchen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und sie werden sich von der Wahrheit abwenden.\u201c Ist das im Jahre 2012 geschrieben? Das legt sich einem so direkt auf die Seele, dass man die 2000 Jahre pl\u00f6tzlich nicht mehr sieht, die dazwischen stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die Situation, in die Paulus hineinspricht und die wir nun auch in unserer Zeit vorfinden. \u201eLetzte Zeit\u201c, \u201eletzte Tage\u201c \u2013 das meint im N. T. die Zeit zwischen Jesu ersten und seinem zweiten Kommen. Aber sie hat einen Beschleunigungseffekt. Und wir erleben heute diesen Effekt hautnah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann folgt die letzte Ermahnung: \u201eBleibe in dem, was du gelernt hast.\u201c Damit wollen wir beginnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.) \u201eBleibe in dem, was du gelernt hast und in dem, worin du gewiss geworden bist\u201c.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther hat \u00fcbersetzt: \u201e\u2026was dir anvertraut ist\u201c. Man sollte hier noch etwas konkreter und direkter \u00fcbersetzen. Denn diese Botschaft ist dem Timotheus nicht nur anvertraut im Sinne von \u201e\u00fcbergeben worden\u201c, sondern darin ist er auch gefestigt worden und gewiss gewesen. Deswegen soll er darin bleiben, damit es \u201edir nicht genau so geht wie denen, von denen ich gerade gesprochen habe\u201c, so k\u00f6nnte man hinzuf\u00fcgen. Die schlimmen Zeiten, lieber Timotheus, gehen auch an dir nicht spurlos vor\u00fcber. Die schlimmen Zeiten haben leider eine Sogwirkung. Die falschen Lehrer treten ja nicht als falsche Lehrer auf: \u201eHallo, seht mich mal an. Was ich euch jetzt sage, das widerspricht der Bibel.\u201c Sie treten mit verf\u00fchrerischen Gedanken auf, \u00fcberzeugend und rhetorisch gut und in wissenschaftlichem Gewand. Ich zitiere aus einem Interview, was ein kirchenleitender Mann im letzten Jahr gegeben hat: \u201eBibelzitate aneinanderzureihen hilft nicht, wenn es um Sachverhalte geht, die zu biblischer Zeit ganz anders gesehen wurden als heute.\u201c Was hei\u00dft das anderes als: \u201eWir sehen die Dinge heute anders. Die Menschen fr\u00fcher mussten es anders sehen, weil die Erkenntnisse einfach noch nicht so weit fortgeschritten waren. Wir blicken doch heute viel mehr durch. Wir haben ein wissenschaftliches Arsenal. Wir haben eine 2000-j\u00e4hrige akademische Geschichte hinter uns. Dieses Wissen stand den Menschen damals noch nicht zur Verf\u00fcgung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worin Timotheus bleiben soll, das ist hier dem Wortlaut zufolge zun\u00e4chst einmal die Lehre des Apostels Paulus. Der Apostel freut sich sogar dar\u00fcber. Kap. 3,10 sagt er: Ich freue mich, dass du in der Lehre, die du von mir geh\u00f6rt hast, bisher geblieben bist: \u201eDu aber bist mir gefolgt in der Lehre.\u201c Das ist also zun\u00e4chst einmal die Lehre des Apostels. Es ist gut, wenn man Glaubensv\u00e4ter und \u2013m\u00fctter hat. In Hebr. 13 hei\u00dft es: Sieh dir diese Leute genau an, von denen du das Wort geh\u00f6rt hast. Interessiere dich f\u00fcr ihr Leben, ihren Tod. Denn das Leben ist ja eine Predigt. In allen Schw\u00e4chen und Gebrechen sind sie dem Herrn und dem Wort treu geblieben, und der Herr hat sie durchgetragen. Dann kommt an dieser Stelle im Hebr\u00e4erbrief der Satz, der so oft isoliert herausgehoben wird, der aber unmittelbar dazu geh\u00f6rt: \u201eJesus Christus ist derselbe &#8211; gestern, heute und in alle Ewigkeit.\u201c Warum steht der Satz gerade hier? Wenn wir n\u00e4mlich die Glaubensv\u00e4ter und \u2013m\u00fctter betrachten, ihr Leben verfolgen und sehen, was Gott aus ihrem Leben gemacht hat, k\u00f6nnte man denken: Das sind besondere Leute, die eine besondere Gnade hatten. Und genau darum geht es nicht. Denn Christus, der ihnen durch das Leben durchgeholfen hat, ist heute derselbe bis in alle Ewigkeit. Er hilft auch mir und dir. Das wollen wir zusammensehen und zusammenhalten. \u201eGedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle gebe ich eine Nebenbemerkung weiter. Es ist von <em>Lehrern<\/em> die Rede, nicht von <em>Lehrerinnen.<\/em> Viele lesen leider \u00fcber vieles hinweg. Hier ist die m\u00e4nnliche Form gebraucht, weil dem Mann die Verantwortung vor Gott f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gemeindelehre anvertraut ist und nicht der Frau. Man muss einmal mit Christen reden, die in der Verfolgung lebten, was da die Gemeindelehrer und Gemeindehirten zu ertragen hatten, bis hin zur Folter. Da wird es einem vollends klar, warum die Apostel den Mann in die Verantwortung f\u00fcr die Gemeindelehre stellen und nicht die Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus bringt auch uns zum Ziel. \u201eDu wei\u00dft doch, von wem du das geh\u00f6rt und gelernt hast. Du kennst mich doch, hast mich in meinen ganzen Eigenarten kennengelernt, aber du hast eben auch die Gnade erlebt, die in meinem Leben wirksam geworden ist. Du kennst die Schw\u00e4chen, auch meine Krankheiten. Was hat nicht der Herr investiert! Und jetzt liege ich im Gef\u00e4ngnis und habe den Glauben immer noch und habe noch nicht resigniert, obwohl ich doch solch einen gewaltigen Auftrag bekommen habe, der mir jetzt unter den Fingern zerflie\u00dft. Denn ich wei\u00df: Der Herr kommt zum Ziel. Wenn ich hier im Gef\u00e4ngnis sitze und in meiner Wirksamkeit so eingeschr\u00e4nkt bin, dass ich nur noch 20 qm\u00b2 habe \u2013 wenn es \u00fcberhaupt so viel waren &#8211; , dann hat der Herr dennoch seine Wege und seine M\u00f6glichkeiten\u201c. Das etwa steht im Hintergrund dieser S\u00e4tze. Und vergessen wir nicht: Manche der Gefangenschaftsbriefe h\u00e4tten wir gar nicht erhalten, wenn der Herr seinen Apostel nicht gerade solche Wege gef\u00fchrt h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die erste Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Aufforderung: \u201eBleibe im Wort Gottes. Bleibe in dem, was du von mir gelernt hast, denn du hast die Wirksamkeit der Gnade an mir gesehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt die zweite Begr\u00fcndung: Du bist doch von Kindheit an unterwiesen worden in den Heiligen Schriften. Mutter und Gro\u00dfmutter haben sich um dich gek\u00fcmmert. Timotheus hatte eine fromme Gro\u00dfmutter und Mutter. Sie waren zun\u00e4chst J\u00fcdinnen, die dann gl\u00e4ubige Christen geworden. Sie haben Timotheus die Heiligen Schriften nahegebracht. Was ist das f\u00fcr ein Geschenk, wenn ein Kind unterwiesen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich selber bin in diesem Sinne nicht unterwiesen worden, aber irgend jemand hat mir, als ich Kind war, ein Gebet mit auf den Weg gegeben. Ich kann es nicht mehr sagen, wer mir das als zehn- oder elfj\u00e4hrigem Jungen mitgegeben hat: \u201eLass mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr. Von dir lass mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr\u2019. Herr, lass mich nur nicht wanken, gib mir Best\u00e4ndigkeit. Daf\u00fcr will ich dir danken in alle Ewigkeit.\u201c Das habe ich einige Jahre jeden Abend gebetet. Dann, mit etwa 14 Jahren, bekam ich einmal gro\u00dfe Zahnschmerzen. Der Zahn musste entfernt werden. Da habe ich noch einmal gebetet, dass Gott das verhindern m\u00f6ge. Aber es kam anders: ich musste zum Zahnarzt. Es war ziemlich dramatisch. Ich bin umgekippt, als ich vom Zahnarzt wieder auf der Stra\u00dfe war, und Leute haben mich zur\u00fcckgeschleppt. Danach habe ich mit dem Beten aufgeh\u00f6rt \u2013 \u00fcber zehn Jahre! Der Herr hat mich dann wieder, als ich 26 Jahre alt war, gerufen. Aber dieses Kindergebet hat er erh\u00f6rt: \u201eHerr, lass mich nur nicht wanken, gib mir Best\u00e4ndigkeit!\u201c Seit er mich 1970 dann doch gerufen, gesucht und gefunden hat, hat er mir dieses Nicht-Wanken geschenkt. Daf\u00fcr bin ich sehr dankbar. Das, was wir in der Kindheit vom Wort Gottes zugesprochen bekommen, durch wen auch immer und wie auch immer, das bleibt uns durch das ganze Leben hindurch erhalten, auch wenn es durch die Lebensumst\u00e4nde verdunkelt wird, so wie bei mir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu kennst doch die heilige Schrift, denn du bist in ihr unterwiesen worden. Du wei\u00dft doch: Sie kann dich weise machen zum Heil in Christus Jesus\u201c. Luther hat etwas anders \u00fcbersetzt: \u201eSie kann dich unterweisen.\u201c Das stimmt nat\u00fcrlich genau so. Aber im Urtext hei\u00dft es w\u00f6rtlich: \u201eSie kann dich weise machen.\u201c Diese Unterweisung macht weise. Das kann man sich sch\u00f6n merken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interessante, an dem man auch schnell vorbei lesen kann, ist dies: Hier handelt es sich um <em>alttestamentliche<\/em> Schriften. Wenn Paulus sagt: \u201eDu kennst doch die heiligen Schriften\u201c, dann denkt er nicht an die Schriften des Neuen Testaments, die es ja damals als Kanon noch gar nicht gab. Die ersten Gemeinden hatten nur das Alte Testament. Das Interessante nun ist: Diese Schriften, also die alttestamentlichen Schriften, machen weise zum Heil in Christus Jesus. Haben wir eigentlich diese Sicht, dass das ganze Bibelbuch Alten und Neuen Testamentes ein Christus-Buch ist? Wenn nicht, m\u00fcssen wir umschalten. Denn das ist ganz wichtig, dass wir den Heil stiftenden Gott von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel suchen und finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine der testamentarischen Hinterlassenschaften der Reformation, dass sie uns das klar gemacht hat: Die ganze Bibel ist ein Christus-Buch. Denn Gott schenkt mir durch das ganze biblische Wort sein Heil, indem er zu mir durch die ganze heilige Schrift in Gesetz und Evangelium spricht. Es ist ein gro\u00dfartiges Abenteuer, die Bibel neu zu studieren und Gottes Reden im Gesetz und Evangelium zu h\u00f6ren, herauszuh\u00f6ren, herauszusp\u00fcren. Dann bleibt nat\u00fcrlich der geschichtliche Rahmen bestehen, aber ich h\u00f6re tiefer. Ich h\u00f6re Gottes Anspruch und Gottes Zuspruch heraus. Pl\u00f6tzlich f\u00e4llt der alte Bibelfrust von mir ab, und alles wird ganz pers\u00f6nlich und hoch aktuell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viele sind frustriert bei der Lekt\u00fcre gerade auch alttestamentlicher Schriften. Nehmen wir zum Beispiel die langen Reden der Freunde des Hiob. Denen f\u00e4llt ja immer wieder etwas Neues ein. Man m\u00f6chte das schon gar nicht mehr h\u00f6ren. Da haben schon manche verzweifelt oder frustriert die Bibel wieder zugeklappt. Oder die langen Opfergesetze und die Listen in den Chronikb\u00fcchern. Das alles kann irritieren oder langweilen, wenn man nicht den richtigen Schl\u00fcssel hat, wenn wir uns nicht eintrainieren in diese Auffassung der Heiligen Schrift, dass Gott durch Gesetz und Evangelium zu mir spricht \u2013 durch alles!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke, ich sollte hier ein paar Beispiele bringen, damit das deutlicher wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Hiob-Buch habe ich gerade zitiert, und so bleiben wir gleich dabei. In Hiob 1,1 wird uns der Mann Hiob vorgestellt mit ganz knappen Worten: Fromm und rechtschaffen, gottesf\u00fcrchtig und das B\u00f6se meidend. In Klammern gesagt: Das sind die zwei Gesetzestafeln. Fromm und gottesf\u00fcrchtig war er, weil er sich zum rechten Gottesdienst hat f\u00fchren und ziehen lassen. Die ersten f\u00fcnf Gebote f\u00fchren ja zum rechten Gottesdienst. Da geht es um mein Verh\u00e4ltnis zu Gott. Und: rechtschaffen war er und mied das B\u00f6se. Damit wird ausgedr\u00fcckt, dass er auch in der zweiten Tafel der Gebote Gottes, die uns zur N\u00e4chstenliebe anleiten, wirklich ein Mann Gottes war. Aber: Wie spricht denn Gott hier durch das Gesetz und durch das Evangelium durch Hiob zu mir? Ganz einfach: Das Gesetz sagt mir: Du musst auch so fromm werden und fromm sein. Bist du es? Meidest du das B\u00f6se in jeglicher Gestalt? Das sagt das Gesetz; und das mu\u00df ich einfach aushalten. Und dann sehe und merke ich: Nein, so wie Hiob bin ich nicht. Dann kommt sofort aus demselben Satz das Evangelium und sagt: \u201eMein Freund. Es ist zwar noch nicht so mit dir, wie es sein soll. Aber du hast Christus. Vertraue ihm, der macht aus dir noch einen frommen Mann.\u201c Da sage ich: \u201eWas? Wirklich? Das ist ja kaum zu glauben!\u201c Dann kommt das Evangelium noch einmal und sagt: \u201eChristus kriegt das hin. Das kriegt dein Herr hin! Du wirst noch ein frommer Mensch! Glaub mir das!\u201c Das ist Gesetz und Evangelium. Und so muss ich doch die Bibel lesen; und dann ist sie mein Lebens- und mein Heilsbuch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ein anderes Beispiel. Spr\u00fcche 6,6: \u201eGeh hin zur Ameise, du Fauler, und lerne von ihr.\u201c Ist da ein Evangelium drin? Wenn ja, wo denn? Nat\u00fcrlich ist auch hier Evangelium drin. Und da ist auch Gesetz drin, weil ich pl\u00f6tzlich merke: \u201eDu bist ja wieder ganz sch\u00f6n faul geworden. Was hast du gestern mit deiner ganzen Zeit gemacht \u2013 mit diesem kostbaren Gut!? Wo hast du sie verplempert? Wo hast du nur irgendwelche Ablenkungen gesucht? Wo bist du an entscheidenden Aufgaben vorbeigegangen, aus Lieblosigkeit und Herzensh\u00e4rte und Selbstverliebtheit?\u201c Pl\u00f6tzlich bin ich mitten im Gesetz, im Anspruch des heiligen Gottes, durch diese Ameise! Aber sofort kommt das Evangelium wieder, wenn ich es richtig h\u00f6re: \u201eChristus wird auch mit deiner Faulheit noch fertig. Er will dich erneuern. Vertraue ihm. Er sucht Gestalt in dir durch den Heiligen Geist. Er wird dir zu einer Zeiteinteilung verhelfen, dass du dich am Abend beruhigt und mit gutem Gewissen ins Bett legen kannst und Gott preisen kannst f\u00fcr diesen gesegneten Tag. Das ist das Sch\u00f6nste, was es gibt: Sich am Abend mit einem guten Gewissen hinzulegen und zu sagen: \u201eHerr, du hast den Tag wieder ganz wunderbar gestaltet f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So k\u00f6nnten wir jetzt jede einzelne Bibelstelle durchgehen. Wir merken: Die Heiligen Schriften sind uns gegeben zu g\u00f6ttlicher Unterweisung, oder anders gesagt: zum Weisewerden im Heil Gottes in Christus Jesus. So kommt man sehr schnell vom Bibelfrust zur Bibellust, wenn ich das immer wieder erfahre. Diese Sicht der Dinge k\u00f6nnen wir uns antrainieren. Dann kommen wir wirklich in der Bibellust an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. \u00dcber das Wesen der Heiligen Schriften<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt m\u00f6chte ich gerne noch Vers 16 und 17 betrachten. Wir bekommen hier eine ganz kostbare geistliche Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Bibel, vielleicht die kostbarste, zumindest die kompakteste. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir auch Psalm 119 meditieren. Aber hier erhalten wir in zwei Versen eine wunderbare Aufkl\u00e4rung dar\u00fcber, was die Bibel will, woher sie kommt, welche Zielsetzung sie hat. Ich greife vier Aspekte heraus, die einem f\u00f6rmlich ins Gesicht springen, wenn man diese zwei Verse liest. Ich lese sie noch einmal nach einer w\u00f6rtlichen \u00dcbersetzung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDiese Schriften sind alle gottgehaucht, voll n\u00fctzlicher Lehre, sie \u00fcberf\u00fchren von der S\u00fcnde, sie f\u00fchren auf den richtigen Weg, sie erziehen zu einem Leben nach Gottes Willen. So wird der Mensch Gottes f\u00fcr jedes gute Werk zuger\u00fcstet.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><\/em>In diesen wenigen Worten steckt unerh\u00f6rt viel drin. Wir lesen etwas <em>vom gro\u00dfen Geheimnis<\/em> <em>der Heiligen Schrift<\/em>, vom <em>gro\u00dfen Nutzen<\/em>, von der <em>gro\u00dfen Kraft<\/em> und vom <em>gro\u00dfen Ziel<\/em>. Und das soll uns jetzt besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1\u00a0 <\/strong><strong>Das gro\u00dfe Geheimnis der Heiligen Schrift <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gro\u00dfe Geheimnis der Heiligen Schrift wird mit einem einzigen Wort ausgedr\u00fcckt, das wir verstehen m\u00fcssen. Sie ist <em>gottgehaucht<\/em> \u2013 so die w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung. Hauch, Atem, Geist \u2013 das k\u00f6nnen wir hier in eins setzen. Gott selber ist durch den Heiligen Geist der Urheber der Heiligen Schriften. Wir k\u00f6nnen an dieser Stelle die Schriften des Neuen Testamentes mit eingliedern, denn die Verfasser der Schriften des Neuen Testamentes wussten sich als von Christus berufene und inspirierte Apostel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ist das zu verstehen, dass die Heiligen Schriften gottgehaucht sind? Es gibt hier ungen\u00fcgende Vorstellungen dar\u00fcber, so als ob die Verfasser willenlos gemacht wurden. Es gibt eine Inspirationslehre, nach der die Verfasser \u201eGriffel\u201c waren, ohne eigene Aktivit\u00e4t, ohne eigenes Denken, ohne Individualit\u00e4t. Sie haben nur das ausgef\u00fchrt, was der Geist ihnen diktierte. Das ist eine sehr verengte Vorstellung. So arbeitet der Heilige Geist nicht, dass er einen Menschen willenlos macht und ihn seiner Individualit\u00e4t entkleidet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Geist arbeitet in Wirklichkeit gerade umgekehrt. Er motiviert unseren Geist. Er erweitert ihn. Er weckt die Kr\u00e4fte, die in uns angelegt sind. Er richtet unser Denken, unser Wollen, unser F\u00fchlen aus auf das Eine, was nottut: auf Christus. Er <em>zerst\u00f6rt<\/em> nicht unsere Individualit\u00e4t, sondern er <em>bevollm\u00e4chtigt<\/em> sie. Der Heilige Geist tritt in eine Korrespondenz mit unserem Geist ein (R\u00f6m 8,16). Das finde ich fantastisch. Deswegen gibt es auch so sch\u00f6ne Originale im Reich Gottes. Wenn der Heilige Geist n\u00e4mlich die Individualit\u00e4t zerst\u00f6rte, w\u00e4ren wir alle geklonte Leute. Das w\u00e4re hoch langweilig. Nein: Wir werden in unserer Originalit\u00e4t und Individualit\u00e4t vom Heiligen Geist geachtet. Er arbeitet sich gleichsam durch unsere Ecken und Kanten, durch unsere Schw\u00e4chen und Begrenztheiten hindurch. Das ist f\u00fcr den Heiligen Geist \u00fcberhaupt kein Problem. Er spricht durch fehlsame Menschen unfehlbar hindurch. Vollm\u00e4chtige Leute \u2013 ich habe einen viele Jahre kennengelernt: Heinrich Kemner \u2013 hatten alle ihre Ecken und Kanten. Das interessiert den Heiligen Geist aber nicht. Er arbeitet sich hindurch und macht aus einem fehlsamen Menschen pl\u00f6tzlich jemanden, der ein unfehlsames Wort sagen kann, das Zeit und Ewigkeit \u00fcberdauert. Das finde ich grandios. Und so sollten wir uns die Inspiration der Heiligen Schriften vorstellen. Hier bekommt ein Mensch <em>Vollmacht<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vollmacht ist nun aber nichts so Au\u00dfergew\u00f6hnliches, das nur einige besonders begnadete Br\u00fcder und Schwestern da und dort einmal bekommen. Nein, sie ist f\u00fcr uns alle da; und jeder Christ braucht sie, damit er nicht festsitzt im alten Denken, F\u00fchlen und Wollen. Es ist also ein gro\u00dfes Geheimnis der Heiligen Schrift. Und wer dieses Geheimnis einmal ein wenig erfasst, der wird sehr dem\u00fctig vor dieser Heiligen Schrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wie Luther, als er noch einmal sein ganzes Leben rekapitulierte. Als er merkte, dass ihn der Herr holen w\u00fcrde, hat er etwas niedergeschrieben. Ich will seine letzte Aufzeichnung einmal im Zusammenhang zitieren: \u201eDen Vergil in seinen \u2019bucolicis\u2019 (Hirtenliedern) kann niemand verstehen, er sei denn f\u00fcnf Jahre Hirte gewesen. Den Vergil in seinen \u2019georgicis\u2019 (Bauernliedern) kann niemand verstehen, er sei denn f\u00fcnf Jahre Ackermann gewesen. Den Cicero in seinen Episteln kann niemand ganz verstehen, er habe denn 25 Jahre sich in einem gro\u00dfen Gemeinwesen bewegt.\u201c Und jetzt kommt die entscheidende Aussage: \u201eDie Heilige Schrift meine niemand genug geschmeckt zu haben, er habe denn hundert Jahre lang mit Propheten wie Elia und Elisa, Johannes dem T\u00e4ufer, Christus und den Aposteln die Gemeinden regiert. Lege nicht Hand an diese g\u00f6ttliche Aenaeis, sondern gehe anbetend ihren Fu\u00dfstapfen nach. Wir sind Bettler, das ist wahr. 16. Februar anno 1546.\u201c Das ist das letzte Wort von dem Reformator. Der hat das Geheimnis der Heiligen Schrift erfasst. Und das hat ihn dem\u00fctig gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2\u00a0 <\/strong><strong>Der gro\u00dfe Nutzen der Heiligen Schrift<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ist uns von Gott geschenkt zur Lehre, so hei\u00dft es hier. \u201eN\u00fctzlich\u201c ist schon fast ein wenig schmalspurig \u00fcbersetzt. Es ist ja ein unendlicher Nutzen, den die Heilige Schrift uns schenkt. Aber wir m\u00fcssen das Wort \u201eLehre\u201c richtig verstehen. Wenn wir das Wort Lehre h\u00f6ren, dann meinen wir, zum einen Ohr geht\u2019s rein und zum andern raus. Wir erinnern uns an Schulzeiten und vielleicht an Universit\u00e4tszeiten. Wir haben einen sehr akademischen, letztlich antik griechischen Begriff von Lehre: Wissensvermittlung. Meine Schw\u00e4gerin ist \u00c4rztin. Als sie ihre Pr\u00fcfung gemacht hat, musste sie jede Menge auswendig pauken. Es war f\u00fcr sie furchtbar. Jede Muskelfaser hat ihren eigenen lateinischen Begriff. Das war sehr abschreckend f\u00fcr mich, was da alles an Wissen von den \u00c4rzten verlangt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das ist nicht die \u201eLehre\u201c, welche die Bibel meint. Biblische Lehre ist vom hebr\u00e4ischen Wortsinn her etwas ganz anderes als Wissensvermittlung. Gemeint ist ein <em>Ein\u00fcben in ein neues Verhalten<\/em>. Jesus war Lehrer, aber er hat sich nicht ans Katheder gestellt und die J\u00fcnger um sich herum platziert. Nein: Er hat mit ihnen gelebt und gelitten. Sie haben an ihm und an seinem Leben abgelesen, dass er \u00fcber das blo\u00dfe Menschsein hinaus f\u00fcr sie und f\u00fcr die Menschen von Bedeutung war. Dass er der Sohn Gottes war, haben sie noch nicht erkannt. F\u00fcr Petrus leuchtete diese Erkenntnis wohl einmal kurz auf, aber sie brauchten Pfingsten, dass sie das wirklich erfassten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus hat sie trainiert in der Lebensbew\u00e4ltigung und in der Todesbew\u00e4ltigung. Das ist Lehre im biblischen Sinn. Im Mittelalter boten die M\u00f6nche Sterbeseminare an. Sie haben die Menschen geschult, wie man stirbt. Das m\u00fcsste man heute in unseren Volkshochschulen eigentlich auch wieder einf\u00fchren. Aber die w\u00fcrden einen nur gro\u00df ansehen. Ich habe unserer Volkshochschule in Walsrode einmal geschrieben, dass ich gern eine Einf\u00fchrung in den christlichen Glauben geben w\u00fcrde und ob daf\u00fcr Platz w\u00e4re im Unterrichtsangebot? Nein, wurde geantwortet, das sei Sache der Kirche. 1348 bis 1351 ging eine Pestwelle \u00fcber Europa und die halbe Bev\u00f6lkerung \u2013 Millionen! \u2013 war in drei Jahren weg. Das muss man sich einmal f\u00fcr heute vorstellen: Weit \u00fcber 200 Millionen Menschen in drei Jahren weg in Europa \u2013 das w\u00e4re das absolute Chaos! Krankenh\u00e4user, Rettungsdienste, \u00c4rzte, Politiker \u2013 mit dieser Katastrophe k\u00e4me keiner zurecht. Die Menschen damals konnten sterben. Sie waren trainiert. Es ist f\u00fcr einen Pfarrer immer eine gute Sache, wenn er an ein Sterbebett kommt und der Mensch sagen kann: \u201eIch kann sterben.\u201c So war mein erstes pr\u00e4gendes Erlebnis als junger Vikar in Erlangen-B\u00fcchenbach. Ich wurde zu einem sterbenden Mann gerufen, der das Abendmahl empfangen wollte. Ich ging mit schlotternden Knien dorthin; denn an der Uni hatte uns niemand erz\u00e4hlt, was man mit einem Sterbenden macht. Als ich dorthin kam \u2013 ich sehe ihn noch vor mir! \u2013 lag er im Schlafzimmer in seinem Bett. Er richtete sich noch einmal auf mit letzter Kraft und sagte: \u201eAch, sch\u00f6n, der junge Vikar besucht mich. Wissen Sie, ich kann mir ja vorstellen, wie es jetzt Ihnen geht. Das haben Sie bestimmt auch noch nicht so oft gemacht. Aber wissen Sie: Hier liegt das Starksche Gebetsbuch mit meinem Lieblingsgebet. Das habe ich Ihnen schon aufgeschlagen. Und hier liegt ein Gesangbuch. Ich bitte Sie, dass Sie mit mir, soweit ich es schaffe, noch einen Vers singen. Und hier liegt die Bibel. Und ich m\u00f6chte, dass Sie mir diese Seite vorlesen, die ich aufgeschlagen habe. Wissen Sie, ich kann sterben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist Lehre, wenn ein Mensch geschult wird im Leben und zum Sterben. So hat Jesus die J\u00fcnger geschult, und so schult die Heilige Schrift uns. Das ist der gro\u00dfe Nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3\u00a0 <\/strong><strong>Die gro\u00dfe Kraft der Heiligen Schrift<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wirksamkeit der Heiligen Schrift wird hier in drei bestimmten Richtungen beschrieben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1)\u00a0\u00a0 <em>Sie deckt uns unsere Schuld auf<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das schafft sonst keine andere Kraft. Das schafft nicht einmal meine Frau mit mir, dass sie mir Schuld so aufdeckt, ohne dass ich rebelliere. Sie kann zwar Schuld benennen. Aber das ist mir immer unangenehm. Man kommt dann schnell in Ausfl\u00fcchte, in Entschuldigungen. Wir haben dann pl\u00f6tzlich ein gro\u00dfes Repertoire zur Verf\u00fcgung, um unsere Schuld zu bagatellisieren \u2013 furchtbar! Aber wenn die Heilige Schrift durch den Heiligen Geist uns unsere wunden Punkte zeigt, dann bekommt sie das hin, dass wir sagen: Ja. Denn die Schrift hat die Eigenart, dass sie Wunden nicht nur <em>aufdeckt<\/em>, sondern sie <em>deckt sie auch wieder zu mit dem Blut Christi<\/em>. Das kann kein Mensch. Das ist die gro\u00dfe Kraft, die hier gleich an erster Stelle genannt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2)\u00a0\u00a0 <em>Sie f\u00fchrt uns auf den richtigen Weg.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie zeigt, was wir loslassen m\u00fcssen, damit wir vorw\u00e4rts kommen auf dem Weg in die Ewigkeit. Dazu braucht es auch eine g\u00f6ttliche Genialit\u00e4t. Denn woran halten wir immer wieder so sehr fest, von dem wir meinen, dass wir es unbedingt zum Leben brauchen! Das wollen wir uns auf gar keinen Fall nehmen lassen! Aber die Heilige Schrift sagt: \u201eLass das liegen. Ich habe etwas Besseres f\u00fcr dich.\u201c Pastor Kemner erz\u00e4hlte \u00f6fters das nette Beispiel vom bissigen Hund, der an seinem Knochen herumnagt. Und dann sagte er: \u201eDu hast schlechte Karten, wenn du diesem Hund den Knochen wegnehmen willst. Aber ich gebe dir einen Tip: Lege ihm ein Schnitzel daneben. Dann l\u00e4sst er den Knochen ganz von allein los.\u201c So ist das: Die Heilige Schrift legt uns geistliche \u201eSchnitzel\u201c hin. Dann k\u00f6nnen wir alte Schw\u00e4chen und Gebrechen und Lieblingss\u00fcnden endlich beseitigen und ihnen einen Fu\u00dftritt hinterher geben. Sie sind dann zwar am n\u00e4chsten Tag wieder da, das wei\u00df ich; aber dann kriegen sie eben einen Fu\u00dftritt. Wir kennen doch etwas H\u00f6heres und Besseres: Den Weg wissen wir, und der hat einen Namen: Der hei\u00dft Christus. Das zeigt uns die Heilige Schrift. Meine Frau und ich haben in drei\u00dfig Jahren Eheseelsorge noch nicht einer einzigen Ehe zur Scheidung geraten, und das werden wir auch niemals tun. Wenn Christus der Weg ist, dann gibt es einen Weg in jeder Krise. Nat\u00fcrlich ist er oft verborgen \u2013 das ist klar. Da liegen Ger\u00f6llmassen dr\u00fcber, eigene Erfahrungen, Frustrationen, Entt\u00e4uschungen, oft riesige Berge voller Schutt. Aber gibt es denn deswegen den Weg nicht? Ich muss den Schutt wegr\u00e4umen, und dann ist der Weg wieder da, und dann ich kann ihn begehen. Es gibt keine Lebenskrise, die nicht mit diesem Christus bew\u00e4ltigt werden kann. Das gilt es zu glauben, und das gilt es zu bezeugen. Das macht die Schrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3)\u00a0\u00a0 <em>Sie erzieht zu einem Leben nach dem Willen Gottes.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist der Wille Gottes? Das wissen wir: Gott zu lieben mit ganzer Kraft, und den N\u00e4chsten so wie uns selber. Das ist der Wille Gottes. Das hat Christus oft genug gesagt. Das ist eine ganz wunderbare Botschaft. Warum? Weil gerade diese neue Doppelausrichtung unseres Lebens uns von uns selber befreit. Wenn wir uns n\u00e4mlich damit befassen, Gott die Ehre zu geben und wenn wir Phantasie entwickeln, unseren N\u00e4chsten zu helfen und ihm beizustehen und ihm nicht immer das zu geben, was er will, sondern das, was er braucht, dann haben wir gar keine Zeit und keine Lust mehr, um uns herumzukreisen, unsere Wehwehchen zu betrachten, uns zu bemitleiden und uns zu beweihr\u00e4uchern. Ich rede jetzt von mir selber! Das ist die gro\u00dfe Befreiung, die die Heilige Schrift schenkt, indem sie uns motiviert zur Liebe Gottes und zur Liebe unseres N\u00e4chsten. Die Bibel ist ein wunderbares Befreiungsbuch. Es gibt kein sch\u00f6neres Buch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.4.\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Das gro\u00dfe Ziel der Heiligen Schrift<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lese noch einmal: \u201eSo wird der Mensch Gottes f\u00fcr jedes gute Werk zuger\u00fcstet\u201c. Das ist das gro\u00dfe Ziel der Heiligen Schrift. Menschen Gottes werden zuger\u00fcstet f\u00fcr jedes gute Werk, und zwar aus der Heiligen Schrift. Der Heilige Geist gibt uns unmittelbar aus der Schrift Wegweisung zum guten Werk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte einmal ein pr\u00e4gendes Erlebnis, das mein Verh\u00e4ltnis zu unserem \u00c4ltesten auf eine neue Grundlage stellte. Er hat Elektrotechnik und Informatik studiert. Er war also in diesen Dingen firm. 1990 haben wir ein Haus gebaut. Als dann eines Tages das Garagentor eingeh\u00e4ngt werden sollte, sagte er zu mir: \u201eLass den Handwerker das Einh\u00e4ngen erledigen. Die Anschl\u00fcsse und die Steuerung vom Haus aus, das \u00fcbernehme ich alles.\u201c Ich fragte zur\u00fcck: \u201eKannst du das wirklich?\u201c Er sieht mich gro\u00df an: \u201eIch bitte dich! Ich habe acht Semester Elektrotechnik studiert. F\u00fcr wen h\u00e4ltst du mich eigentlich?!\u201c Ich gab mein Einverst\u00e4ndnis. Als der Handwerker dann erkl\u00e4rte \u201eIch mache alles fix und fertig!\u201c gab ich ihm zur Antwort: \u201eNein. Unser Sohn ist gerade da. Der macht die ganzen Anschl\u00fcsse.\u201c Doch da wandte der Handwerker ein: \u201eIch f\u00fchre den Auftrag genau so aus wie Sie ihn mir erteilt haben.\u201c Ich wollte ihn bremsen: \u201eAber unser Sohn kann das.\u201c Mittlerweile war unser Gro\u00dfer herausgekommen, wir waren also zu Dritt. Jetzt war ich in einer Zwickm\u00fchle. Da fing der Handwerker an heftig zu werden mit dem Hinweis auf die Garantie, so dass ich immer bed\u00e4chtiger wurde. Schlie\u00dflich hatte er mich kleingeredet. Ich stimmte zu: \u201eAlso bitte, dann machen Sie\u2019s halt ganz.\u201c Darauf hin sah mich unser Sohn kurz ziemlich entt\u00e4uscht an und ging ins Haus, ohne ein Wort zu sagen. Genau in dem Moment fiel mir der Anfang des Hebr\u00e4erbriefs ein: Dass der himmlische Vater die ganze Welt durch die Hand seines Sohnes erschafft. Pl\u00f6tzlich kam ich mir so sch\u00e4big vor, dass ich unserem \u00c4ltesten nicht mal ein paar Strippen habe ziehen lassen wollen. Das war die Heilige Schrift, das war der Heilige Geist! Ich gab mir einen Ruck, ging zu unserem Sohn und sagte zu ihm: \u201eDu machst das!\u201c Er sah mich erstaunt an: \u201eWas ist denn jetzt in dich gefahren!?\u201c Meine Antwort: \u201eWenn du es genau wissen willst: Hebr\u00e4er 1!\u201c Darauf er: \u201eDas musst du jetzt aber schnell dem Handwerker sagen.\u201c Ich ging also zu ihm \u2013 unser Sohn hinter mir her \u2013 und sagte zu ihm: \u201eWissen Sie, ich habe es mir noch einmal \u00fcberlegt. Unser Sohn wird diese Arbeit ausf\u00fchren! Punkt!\u201c Seit diesem Tag war das Verh\u00e4ltnis Vater-Sohn gut, besser, am besten. Es hat seitdem auch keine gr\u00f6\u00dferen Tr\u00fcbungen mehr erfahren, und die Garagent\u00fcr funktioniert immer noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wunderbar, wie die Heilige Schrift uns zu einem Leben nach dem Willen Gottes erzieht, in jeglicher Hinsicht. Das wei\u00df der Heilige Geist am besten, wie er uns heute zu erziehen hat, so dass wir zu jedem guten Werk geschickt werden. Und da geht er manchmal unkonventionelle Wege. Ein Prediger, der zusammen mit dem Gemeindevorstand ein Gemeindehaus bauen wollte und daf\u00fcr Spenden aus der Gemeinde brauchte, sagte in einem Gottesdienst folgendes: \u201eLeute, liebe Br\u00fcder und Schwestern, das Geld f\u00fcr unser neues Gemeindehaus ist da!\u201c Alle waren ganz erstaunt. \u201eJa\u201c, sagte der Prediger, \u201ees liegt in euren Taschen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Diese Predigt wurde von\u00a0 Pastor Dr. Joachim Cochlovius auf dem Kongre\u00df des Gemeindehilfsbundes \u201cGottes Wort \u2013 zeitbedingte Vorstellung oder bleibende Wahrheit?\u201d am 1.4.2012 in Bad Teinach &#8211; Zavelstein gehalten. Eine Idea-Dokumentation mit den Referaten und den meisten Seminarbeitr\u00e4gen ist in Vorbereitung und kann bei der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes bestellt werden (M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode, info@gemeindehilfsbund.de).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt: Vom Bibelfrust zur Bibellust (2 Tim 3,14-17) \u201eDu aber bleibe in dem, was du gelernt hast und worin du gewiss geworden bist, da du wei\u00dft, von wem du gelernt hast und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, die dich weise machen k\u00f6nnen zum Heil in Christus Jesus. 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