{"id":7827,"date":"2012-04-13T16:25:26","date_gmt":"2012-04-13T14:25:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7827"},"modified":"2012-04-13T16:27:24","modified_gmt":"2012-04-13T14:27:24","slug":"furchte-dich-nicht-denn-ich-habe-dich-erlost-predigt-uber-jesaja-431-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7827","title":{"rendered":"&#8222;F\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st.&#8220; (Predigt \u00fcber Jesaja 43,1-5)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;F\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st.&#8220; (Predigt \u00fcber Jesaja 43,1-5)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist sicherlich f\u00fcr uns alle sehr bewegend, da\u00df wir hier an diesem Ort\u00a0(Schweidnitz\/Schlesien) in dieser wundersch\u00f6nen Kirche\u00a0 diesen Gottesdienst feiern d\u00fcrfen. Es ist ein Ort, an dem wir heute mit polnischen Christen und ihrem Pfarrer Waldemar Pytel in der Verbundenheit unseres gemeinsamen Glauben vor Gott stehen. Auch in dieser Kirche steht uns Kreisau vor Augen, der Ort, der schmerzliche Erinnerungen wachruft, an dem aber in einem der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte christliche Wahrheit, Demut und Liebe aufleuchteten. <!--more-->Als Predigttext habe ich einen Abschnitt aus dem Propheten Jesaja ausgew\u00e4hlt:<\/p>\n<p id=\"b1ref23043005\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: F\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Str\u00f6me nicht ers\u00e4ufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Ich habe \u00c4gypten f\u00fcr dich als L\u00f6segeld gegeben, Kusch und Seba an deiner statt,weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe. Ich gebe Menschen an deiner statt und V\u00f6lker f\u00fcr dein Leben. So f\u00fcrchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln&#8230;&#8220; (Jesaja 43,1-5)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum dieser Bibeltext? Er enth\u00e4lt einen Abschnitt, den Helmuth James Graf von Moltke in einem seiner letzten Briefe an seine Frau zitierte.\u00a0 Aber dazu sp\u00e4ter mehr. Der vorliegende Schriftabschnitt entfaltet, was im ersten Vers in Schlichtheit und Klarheit gesagt ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;F\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st;<br \/>\nich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.&#8220; (1)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einigen von Ihnen wird dieser Bibelvers seit der Kindheit vertraut sein. Manche haben ihn auswendig gelernt oder k\u00f6nnen ihn auf dem Schmuckblatt nachlesen, das sie zum Tag der Konfirmation bekommen haben. Unz\u00e4hlige Male sind diese alttestamentlichen Worte bei Taufgottesdiensten und bei Beerdigungen ausgelegt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kam es zu diesem Zuspruch? Hier mu\u00df ich ein bi\u00dfchen weiter ausholen und f\u00fcr einen Augenblick in die Vergangenheit Israels zur\u00fcckblenden. Gut zweieinhalbtausend Jahre ist es her, da wollte der\u00a0 kleine K\u00f6nig in Jerusalem ganz gro\u00dfe Politik machen. Er wollte nicht mehr abh\u00e4ngig sein von der babylonischen Gro\u00dfmacht im Osten und sagte sich von ihr los. Doch dann kamen die Armeen aus dem Osten und Blut flo\u00df in Jerusalem. Die Soldateska raubte und mordete tagelang. Die Bev\u00f6lkerung wurde &#8211; von wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; in die Sklaverei nach Babylon gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">40 Jahre w\u00e4hrte diese Zeit der Dem\u00fctigung. Dann kam die Wende. Im Jahr 539 v. Chr. &#8211; also vor genau 2.550 Jahren &#8211; besiegte Kyrus, der K\u00f6nig der Perser und Meder, die Babylonier und erlaubte ein Jahr sp\u00e4ter den Israeliten die R\u00fcckkehr in ihre Heimat.\u00a0 Jesaja ermutigt nun sein Volk, die M\u00fchen und Strapazen der R\u00fcckkehr auf sich zu nehmen. Er erinnert sein Volk daran, da\u00df Gott doch auch in der Vergangenheit deutlich und m\u00e4chtig zu seinem erw\u00e4hlten Volk stand:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&#8222;Ich habe \u00c4gypten f\u00fcr dich als L\u00f6segeld gegeben, Kusch und Seba an deiner Statt, weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe. Ich gebe Menschen an deiner statt und V\u00f6lker f\u00fcr dein Leben.\u201c (3-4)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Hintergrund mu\u00df man sehen, wenn man diese bekannten Worte h\u00f6rt: &#8222;F\u00fcrchte dich nicht; denn ich habe dich erl\u00f6st; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!&#8220; (1) Dieser Zuspruch sagt in sehr pr\u00e4gnanter Weise, was nicht nur dem Volk Gottes damals, sondern auch dem Volk Gottes heute und jedem Menschen im Glauben gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. F\u00fcrchte dich nicht!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber hundertmal h\u00f6ren wir in der Bibel dieses Mut machende Wort:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcrchte dich nicht!<br \/>\nF\u00fcrchtet euch nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Natur aus haben wir gelegentlich Furcht und Angst. In gewisser Weise m\u00fcssen wir sie sogar haben. Warum? H\u00e4tten wir z.B. keine Furcht vor Schmerzen und Verletzungen, so w\u00fcrden wir viel leichtsinniger leben und unser Leben eben dadurch gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Furcht und Angst sind zu unterscheiden. Furcht bezieht sich immer auf etwas Konkretes, das man eben f\u00fcrchtet, w\u00e4hrend Angst sich auch auf etwas Unbestimmtes beziehen kann. Der schwache Sch\u00fcler f\u00fcrchtet die Mathematikarbeit und hofft, da\u00df sie ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Arbeiter f\u00fcrchtet die Wegrationalisierung seines Arbeitsplatzes und hofft dennoch, ihn zu behalten oder einen anderen gleichwertigen Platz zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele unserer Zeitgenossen f\u00fcrchten den Zusammenbruch unseres Finanzsystems und hoffen doch zugleich, da\u00df es nicht zu dieser Katastrophe kommen m\u00f6ge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gegenstand der Furcht ist also fa\u00dfbar, meist auch \u00fcberschaubar. Wir sind der Furcht nicht wehrlos ausgeliefert, weil wir in vielen F\u00e4llen Gegenma\u00dfnahmen ergreifen k\u00f6nnen, aber auch, weil wir wissen, da\u00df wir in Gott geborgen sind. Darum: F\u00fcrchte dich nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer aber kein Vertrauen hat zu Gegenma\u00dfnahmen und obendrein nicht an Gott glaubt, der ger\u00e4t leichter in den Sog der Angst. Der 1986 verstorbene Hamburger Theologe Helmut Thielicke hat einmal sehr treffend geschrieben:&#8220;Angst ist das Grundgef\u00fchl des Menschen, der sich von Gott gel\u00f6st hat.&#8220; Alle \u00c4ngste sind im Grunde Verlust-\u00e4ngste sind, genauer gesagt: Bef\u00fcrchtungen, da\u00df etwas, was uns wichtig ist, verlorengehen k\u00f6nnte, z.B.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; die Gesundheit,<br \/>\n&#8211; Menschen, an denen man h\u00e4ngt,<br \/>\n&#8211; die Arbeit,<br \/>\n&#8211; der Lebensstandard,<br \/>\n&#8211; der Besitz,<br \/>\n&#8211; der gute Ruf.<\/p>\n<p>Wenn uns die Bibel sagt: \u201eF\u00fcrchte dich nicht!\u201c, dann ist das nicht die billige Vertr\u00f6stung so nach dem Motto:&#8220;Alles ist nur halb so schlimm!&#8220;, sondern es ist die Zusage gerade angesichts des Schlimmen und B\u00f6sen: &#8222;Alle eure Sorge werft auf ihn (auf Gott), denn er sorgt f\u00fcr euch.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie tr\u00f6stlich der biblische Zuspruch wirken kann, daf\u00fcr ein bewegendes Beispiel:\u00a0 Helmuth James Graf von Moltke wurde als Begr\u00fcnder des Kreisauer Kreises verhaftet und vom sog. Volksgerichtshof unter dem Vorsitz des ber\u00fcchtigten Roland Freisler zum Tode verurteilt. Moltke schrieb nach der\u00a0 Gerichtsverhandlung am 10. Januar 1945 an seine Frau Freya:<\/p>\n<p>\u201eWie gn\u00e4dig ist der Herr mit mir gewesen! Selbst auf die Gefahr hin, da\u00df das hysterisch klingt: ich bin so voll Dank, eigentlich ist f\u00fcr nichts anderes Platz. Er hat mich die zwei Tage so fest und klar gef\u00fchrt: der ganze Saal h\u00e4tte br\u00fcllen k\u00f6nnen, wie der Herr Freisler, und s\u00e4mtliche W\u00e4nde h\u00e4tten wackeln k\u00f6nnen, und es h\u00e4tte mir gar nichts gemacht; es war wirklich so, wie es im Jesaja 43,2 hei\u00dft: Denn so du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, da\u00df dich die Str\u00f6me sollen nicht ers\u00e4ufen; und so du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. \u2013 N\u00e4mlich Deine Seele.\u201c (Helmuth James Graf von Moltke: Letzte Briefe aus dem Gef\u00e4ngnis in Tegel. Berlin 1965, S. 43f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es nicht im wahrsten Sinne des Wortes wunderbar, wie der Zuspruch des Wortes Gottes einen Menschen f\u00fchren und st\u00e4rken kann? Darum: F\u00fcrchte dich nicht!<\/p>\n<p><strong>2. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Name, den wir tragen, ist ein Ausdruck daf\u00fcr, da\u00df unser Leben etwas Besonderes, Einmaliges, Unverwechselbares ist. Zwar werden wir in dieser Welt um der Statistik willen manchmal gez\u00e4hlt und bei Beh\u00f6rden unter einer Ziffer registriert. Aber kein Mensch ist eine blo\u00dfe Nummer. Der Name steht stellvertretend f\u00fcr das, was unser Leben ausmacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&#8222;Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Wir wollen nicht verschweigen, da\u00df es auch unangenehm sein kann, von Gott gerufen zu werden. Denken Sie, um nur ein Beispiel zu nennen, an die S\u00fcndenfallgeschichte auf den ersten Seiten der Bibel. Da ruft Gott Adam bei seinem Namen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&#8222;Adam, wo bist du?&#8220; (1. Mose 3,9)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das h\u00f6rt Adam in diesem Augenblick gar nicht gern. Denn er wei\u00df, da\u00df er Gottes Gebot \u00fcbertreten hat. Darum versteckt er sich, als ob man sich vor Gott verstecken k\u00f6nnte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die M\u00e4nner und Frauen, die sich hier in der N\u00e4he, in Kreisau, sammelten, um Widerstand zu leisten gegen ein verbrecherisches Regime und \u00dcberlegungen f\u00fcr eine Neuordnung Deutschlands nach dem zu erwartenden Zusammenbruch des Dritten Reiches zu organisieren, haben sich nicht vor Gott weggeduckt, als sie den Ruf h\u00f6rten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mensch, wo bist du?<br \/>\nMensch, wo bist du in einer so unmenschlich gewordenen Welt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben auf diesen Ruf geantwortet. Sie haben damit &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; Verantwortung \u00fcbernommen. Verantwortung bedeutet n\u00e4mlich Antwort geben. Wem? Doch nicht sich selbst in einem Selbstgespr\u00e4ch, sondern dem, der uns ins Leben gerufen hat, der das Leben bewahren will, aber auch Rechenschaft \u00fcber dieses Lebens von uns fordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn dieser Bezug mi\u00dfachtet wird, wenn Gott nicht mehr die letztg\u00fcltige Autorit\u00e4t und der Herr des Lebens ist, dann bleibt den Menschen nichts anderes \u00fcbrig, als sich selbst zum Ma\u00df aller Dinge zu machen. Sich selbst zum Herrn machen, das bedeutet: selbst-herrlich zu werden. Wohin das f\u00fchrt, das wu\u00dfte man in Kreisau. Davor graute es den M\u00e4nnern und Frauen des Kreisauer Kreises.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht zuletzt unter diesem Eindruck einer verblendeten Selbstherrlichkeit haben nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches die V\u00e4ter unserer deutschen Verfassung, unserem Grundgesetz eine Pr\u00e4ambel vorangestellt, die mit den Worten beginnt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;In der Verantwortung vor Gott und den Menschen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Adam, wo bist du?<br \/>\nMensch, wo bist du?<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie oft haben wir seinem Wort und Willen zuwidergehandelt!? Hier hilft nur ein ehrliches Gest\u00e4ndnis und die aufrichtige Bitte um Vergebung. Wie befreiend wirkt es dann, wenn wir diesen Zuspruch h\u00f6ren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Ich habe dich erl\u00f6st.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Erl\u00f6ser&#8220; ist im Alten Testament kein religi\u00f6ser Begriff, sondern bezeichnet im Familienrecht den n\u00e4chsten haftpflichtigen Blutsverwandten, der mit seiner Person eintreten mu\u00df im Falle einer Verschuldung.\u00a0 Das alles war im alten Israel peinlich genau geregelt. Aber kann so eine Schuld und ihre Folgen wirklich beseitigt werden? Jesus ging darum einen Schritt weiter. Schuld kann nur getilgt werden durch die Vergebung. Jesus ging sogar so\u00a0 weit, da\u00df er in der Bergpredigt sagen konnte: &#8222;Liebt eure Feinde und bittet f\u00fcr die, die euch verfolgen.&#8220; (Matth\u00e4us 5,44)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum wurde Gott Mensch in Jesus Christus, um uns diese schlichte Tatsache un\u00fcberbietbar deutlich ans Herz zu legen, da\u00df Vergebung f\u00fcr uns im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig ist. Es ist doch so, da\u00df wir auch im besten Leben und bei den allerbesten Vors\u00e4tzen aneinander schuldig werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum? Weil wir Menschen &#8211; so wie wir seit Adam und Eva von unserer Natur aus sind -, nicht in jedem Fall dem anderen das geben oder sein k\u00f6nnen, was da von uns erwartet wird. So bleiben wir dem andern etwas schuldig &#8211; und werden dadurch irgendwann auch an ihm schuldig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da gibt es nur einen Ausweg: die von Herzen kommende Bitte um Vergebung, so wie wir es im Vaterunser beten: &#8222;Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die froh machende Gewi\u00dfheit dieser Vergebung aber kommt allein aus dem Vertrauen zu dem, der sich daf\u00fcr in seinem Wort verb\u00fcrgt hat: &#8222;<em>Ich<\/em> habe dich erl\u00f6st.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Tatsache ist die wichtigste Botschaft der Bibel. Aus diesem Grund beginnt der Heidelberger Katechismus von 1563, eine besonders wichtige Bekenntnisschrift der Christen in der Reformierten Kirche, mit der Frage:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Antwort: &#8222;Da\u00df ich mit Leib und Seele, beides, im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin, der mit seinem teuren Blut f\u00fcr alle meine S\u00fcnden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erl\u00f6st hat&#8230;&#8220;\u00a0 Vor diesem Hintergrund gilt die letzte gro\u00dfe Aussage unseres Predigttextes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Du bist mein.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzer, unmittelbarer, einpr\u00e4gsamer kann es gar nicht ausgedr\u00fcckt werden, was das Evangelium f\u00fcr unser Leben bedeutet. Glaube ist nicht eine Theorie, eine Philosophie, ein Gedankengeb\u00e4ude, sondern eine ganz pers\u00f6nliche Beziehung, wie sie sich in diesen drei Worten ausdr\u00fcckt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Du bist mein.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang ist an die Taufe zu erinnern. Ich geh\u00f6re durch die Taufe zu Jesus Christus. Er ist <em>mein<\/em> Herr, er ist <em>mein <\/em>Heiland. Er hat mir sein Wort gegeben, da\u00df mich nichts aus seiner Hand rei\u00dfen wird, wenn ich bei ihm bleiben will. Hier liegt der Schl\u00fcssel zu dem, wonach sich wohl jeder Mensch sehnt.Wonach sehnt sich jeder Mensch? Ich denke: jeder sehnt sich nach Zufriedenheit. Aber wodurch werden wir zufrieden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; Durch Gesundheit?<br \/>\n&#8211; Durch Sicherheit?<br \/>\n&#8211; Durch Gut und Geld?<br \/>\n&#8211; Durch sinnvolle T\u00e4tigkeit?<br \/>\n&#8211; Durch Familie und gute Freunde?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sind alles ganz wichtige Voraussetzungen f\u00fcr ein gl\u00fcckliches, harmonisches Leben. Aber Sie alle kennen doch gen\u00fcgend Menschen, die das alles haben, die aber deshalb nicht automatisch zufrieden sind. Wirklich zufrieden werden wir sein, wenn wir aus der Gemeinschaft mit Jesus den Frieden bekommen, der von ihm ausgeht. Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus: &#8222;Er ist unser Friede.&#8220; (Epheser 2,14)<\/p>\n<p>Wer so im Glauben geborgen ist, ist deshalb nicht blau\u00e4ugig. Er sieht durchaus, was an Problemen da ist. Er sieht die N\u00f6te und Sorgen. Aber sie haben keine Gewalt mehr \u00fcber ihn. Er kann sie hinter sich lassen, wie das Graf Moltke so wunderbar erfahren hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte uns dazu abschlie\u00dfend ein Bild von Albrecht D\u00fcrer vor Augen stellen, das viele von uns kennen: seinen Kupferstich &#8222;Ritter, Tod und Teufel&#8220;. Im Vordergrund sieht man einen Ritter auf seinem Pferd. Am Wegesrand lauern Tod und Teufel. Der Ritter w\u00fcrdigt sie keines Blickes. Er reitet auf seine Burg zu. F\u00fcr uns ist diese feste Burg Gott selbst. Ist unser Blick inmitten aller Anfechtungen und Gefahren und Sorgen auch so fest auf diese feste Burg gerichtet?<\/p>\n<p>Die Zusage &#8222;Du bist mein!&#8220; gibt eine herrliche Gelassenheit, gibt die Zuversicht und die Kraft, die ich uns allen von ganzem Herzen w\u00fcnsche. &#8222;F\u00fcrchte dich nicht; denn ich habe dich erl\u00f6st; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!&#8220; Amen .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle m\u00f6chte ich noch einmal aus dem vorhin in der Predigt zitierten Brief von Helmuth James Graf Moltke an seine Frau Freya einen Abschnitt lesen:<\/p>\n<p>&#8222;Mir war, als ich zum Schlu\u00dfwort aufgerufen wurde, so zumute, da\u00df ich beinahe gesagt h\u00e4tte: Ich habe nur eines zu meiner Verteidigung anzuf\u00fchren; nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, la\u00df fahren dahin, sie haben&#8217;s kein Gewinn, das Reich mu\u00df uns doch bleiben. Aber das h\u00e4tte doch die andern nur belastet; so sagte ich nur: ich habe nicht die Absicht, etwas zu sagen, Herr Pr\u00e4sident.&#8220;<\/p>\n<p><em>Pastor Jens Motschmann, Predigt am 15. Sonntag nach Trinitatis (2. Oktober 2011) in der Friedenskirche zu Schweidnitz\/Schlesien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;F\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st.&#8220; (Predigt \u00fcber Jesaja 43,1-5) Liebe Gemeinde! Es ist sicherlich f\u00fcr uns alle sehr bewegend, da\u00df wir hier an diesem Ort\u00a0(Schweidnitz\/Schlesien) in dieser wundersch\u00f6nen Kirche\u00a0 diesen Gottesdienst feiern d\u00fcrfen. Es ist ein Ort, an dem wir heute mit polnischen Christen und ihrem Pfarrer Waldemar Pytel in der Verbundenheit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":234,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7827"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/234"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7827"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7827\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7837,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7827\/revisions\/7837"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}