{"id":7816,"date":"2012-04-08T22:50:58","date_gmt":"2012-04-08T20:50:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7816"},"modified":"2012-04-08T22:54:21","modified_gmt":"2012-04-08T20:54:21","slug":"martin-luther-ostermontagspredigt-1534","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7816","title":{"rendered":"Martin Luther, Ostermontagspredigt 1534"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Evangelium Luc. 24, 13-35<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gehalten am Ostermontag, 6. April 1534<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies Evangelium lehrt uns, wie unser lieber Herr Jesus Christus seine Auferstehung von den Toten offenbart hat. Der Evangelist Marcus schreibt, dass der Herr, da er auferstanden ist, fr\u00fche am ersten Tage des Sabbats, das ist gestern, erschienen sei der Maria Magdalena; darnach habe er sich unter einer andern Gestalt diesen zwei J\u00fcngern offenbart, da sie miteinander auf dem Felde wandeln. Solche Geschichten und Offenbarungen sind neben andern geschehen und geschrieben zum wahren Zeugnis und gewisser Beweisung unsers Glaubens von demselben Artikel.<!--more--><br \/>\nInsonderheit aber wird uns in diesem Evangelio vorgebildet die Schwachheit des Glaubens in den J\u00fcngern, und wie sich Christus in seinem Reich erzeigt und h\u00e4lt gegen solche Schwachgl\u00e4ubigen. Denn also sehen wie erstlich die Apostel alle, darnach die andern J\u00fcnger alle zu schwach gewesen sind, diesem Artikel zu glauben, auch bis zu seiner Himmelfahrt, so dass er sie um ihres Herzens H\u00e4rtigkeit und Unverstand strafen muss (Marc. 16, 14), dass sie denen nicht glaubten, die ihn gesehen hatten auferstanden, so er doch solches ihnen oft selbst zuvor verk\u00fcndigt hatte aus der Schrift, dass er musste gekreuzigt werden, und am dritten Tage wieder auferstehen.<br \/>\nDaraus lernen wir erstlich, wie auch in denen, so nun Christen und heilig sind, Schwachheit und Gebrechen bleiben, sonderlich in den hohen St\u00fcckender Lehre und des Glaubens, dass sie solches nicht so bald verstehen, noch so fest und stark fassen k\u00f6nnen, wie sie sollten, und dass es nicht so gering noch leicht Ding ist um den Glauben, wie die unverst\u00e4ndigen und unerfahrenen Geister w\u00e4hnen, und unsere groben Kl\u00f6tze, die R\u00f6mischen, vorgeben, so da meinen, Glaube sei nichts Anders, denn die Historie und Geschichte geh\u00f6rt haben und wissen, und darnach sich d\u00fcnken lassen, sie haben alles, was das Evangelium von Christo sagt, wenn sie es einmal geh\u00f6rt oder gelesen, flugs rein und gar ausverstanden und ausgeglaubt, dass sie nicht mehr bed\u00fcrfen daran zu lernen und zu glauben.<br \/>\nAber dass solches nichts sei, denn ein loser nichtiger Gedanke, beweist, dass sie selbst bekennen m\u00fcssen, dass solche Erkenntnis der Historien im Herzen gar so still, kalt und faul bei ihnen liegen bleibt, als eine blo\u00dfe, ledige H\u00fclse ohne Saft und Kraft, die ihnen weder n\u00fctzet noch hilft, sie auch weder st\u00e4rket noch bessert; so doch dies gro\u00dfe hohe Werk der Auferstehung Christi darum geschehen ist, und dazu soll gepredigt, geh\u00f6ret und erkannt werden, dass es in uns Frucht schaffe, unser Herz erwecke und anz\u00fcnde, neue Gedanken, Verstand und Mut, Leben und Freude, Trost und St\u00e4rke in uns wirke.<br \/>\nWo das nicht geschieht, so ist die Historie vergeblich geh\u00f6ret, und in dir gar tot, und nichts mehr, denn in T\u00fcrken und Heiden, so nie davon etwas gewusst, oder es doch nicht f\u00fcr wahr gehalten. Und darf dich keines Glaubens r\u00fchmen, ob du gleich den Schaum auf der Zunge, oder den Ton in den Ohren, und den Traum im Ged\u00e4chtnis von der Historie behalten hast, davon das Herz nichts erf\u00e4hrt noch schmeckt. Wie denn Papisten solches mit ihrer ganzen Lehre und Leben wohl zeigen, dass sie von diesem Artikel nichts von Herzen glauben noch halten, au\u00dfer Christo, bei sich selbst, und durch ihre Werke und eigen Verdienst suchen und die heilsame Lehre, so uns von solchem L\u00fcgentand auf Christum und die Kraft seiner Auferstehung weist, verdammen, l\u00e4stern und verfolgen. \u00a0Die Christen aber und Gl\u00e4ubigen erfahren beide, bei andern und sich selbst, bekennen und verklagen auch ihre Schwachheit, dass sie diesen Artikel nicht k\u00f6nnen also stark mit Glauben fassen und ins Herz bringen, wie sie sollten, und m\u00fcssen wider solche ihre Schwachheit ihr Leben lang fechten und streiten; wie St. Paulus selbst sagt (Phil. 2, 12), dass er&#8217;s nicht ergriffen habe, sondern immer darnach strebe, und sich strecke, dass er es ergreifen m\u00f6ge, die Kraft der Auferstehung Christi zu erkennen. Denn wie wohl dieser Artikel an sich selbst ganz lieblich und tr\u00f6stlich, und eitel Freude und Seligkeit ist, dass er sanft und leicht sollte ins Herz gehen, so hat er doch zwei starke Hindernisse, die ihn schwer zu glauben machen. Zum ersten, dass dies Werk an sich selbst viel zu hoch und gro\u00df ist, dass es nimmer genug in diesem Leben kann begriffen werden, wenn auch gleich der Glaube ganz stark ohne Schwachheit w\u00e4re. Denn es ist eine solche Kraft und Gewalt, die wir erst in jenem Leben ewiglich recht schauen und erfahren werden. Zum andern, dass unser Fleisch und Blut und aller Menschen Herz ohne dies von Natur viel zu schwach und zu bl\u00f6de ist, Gottes Wort zu glauben, und vor der Gr\u00f6\u00dfe solches Werkes, so es dieselbe bedenket, erschrecken und sich entsetzen muss, wenn es sich selbst und seine Unw\u00fcrdigkeit dagegen ansieht.<br \/>\nMit dem ersten Hindernis kann Gott nichts versehen noch Geduld haben, denn das Werk muss und soll so gro\u00df bleiben, wie es ist, und in nichts verringert werden, ja es soll die Kraft und Macht sein, der alle Kreatur, Mensch, Engel, Teufel und H\u00f6lle m\u00fcssen weichen und erliegen; wie es denn auch um unsres Heils und Seligkeit willen von N\u00f6ten ist. Denn wo das nicht w\u00e4re, so m\u00fcssten wir unter der S\u00fcnde, ewigem Gottes Zorn und Tod bleiben. Aber mit dem andern kann er noch durch die Finger sehen und Geduld haben, dass wir zu schwach sind, solch gro\u00dfes Werk und Kraft mit dem Glauben zu fassen. Wie wir sehen, dass Christus allhier an seinen J\u00fcngern tut, welche wohl geh\u00f6rt hatten, dass er auferstanden war, und doch noch in gro\u00dfem Zweifel stehen, auch so gr\u00f6blich, dass sie schier ganz an Christo verzweifelt hatten, weil sie sagen: Wir hofften, er solle Israel erl\u00f6sen.<br \/>\nUnd siehe, wie mit gro\u00dfem Flei\u00df er sich dieser zwei schwachgl\u00e4ubigen J\u00fcnger annimmt, und f\u00fcr sie sorgt, und alles tut, ihrer Schwachheit aufzuhelfen, und ihren Glauben zu st\u00e4rken. Weil er sieht und wei\u00df, dass sie darum bek\u00fcmmert und traurig von den andern Apostel hinweggegangen sind, und nicht wissen, was sie denken oder hoffen sollen, will er sie nicht in solchem Zweifel und Anfechtung stecken und bleiben lassen, sondern, dass er ihnen heraushelfe, kommt er und gesellt sich zu ihnen auf dem Wege, und l\u00e4sst die andern Apostel alle beieinander sitzen, welche doch auch darob bek\u00fcmmert und schwach genug sind im Glauben.<br \/>\nWeil aber diese in gro\u00dfer Gefahr des Unglaubens sind, findet er sich alsbald bei ihnen ein, als habe er jetzt nach seiner Auferstehung nichts Anderes zu tun; redet und disputiert mit ihnen so freundlich aus der Schrift, gibt ihnen dazu Ursache, dass sie ihn aufhalten und bitten bei ihnen zu bleiben, und mit ihnen zu essen und trinken, bis dass ihr Glaube wieder erweckt, und sie des Zweifels los, und so stark im Glauben werden, dass sie ihn nun erkennen und sehen, dass es eben der Christus ist, den sie zuvor lebendig bei sich gehabt, und vor drei Tagen gekreuzigt gesehen hatten.<br \/>\nAlso hat er hiermit selbst wollen uns zur Lehre und Trost vorbilden und zeigen, wie sein Regiment nach seiner Auferstehung in seiner Christenheit getan sein solle; n\u00e4mlich, dass er die schwachgl\u00e4ubigen, ja auch die irrigen und unverst\u00e4ndigen, oder sonst gebrechlichen, bl\u00f6den und verzagten Herzen und Gewissen nicht will verwerfen, noch von sich sto\u00dfen, sondern eben an denselben die Kraft seiner Auferstehung \u00fcben und beweisen, also, dass er sie freundlich zu sich lockt, ja selbst zu ihnen sich findet, und auf&#8217;s sch\u00f6nste und s\u00e4uberlichste mit ihnen umgeht, mit ihnen redet, sie lehret und unterweiset, ja auch mit ihnen isst, bis sie im Glauben stark und gewiss werden, und ihre Herzen, so zuvor traurig und bek\u00fcmmert, wieder erfreut werden. Auf dass auch wir wissen und tr\u00f6stlich uns zu ihm versehen sollen, dass wir einen solchen Herrn an ihm haben, der auch unsere Schwachheit tragen und zu gut halten kann, und nicht darum von sich zu sto\u00dfen und verdammen will, die sobald nicht k\u00f6nnen also glauben und leben, wie sie sollten; wenn sie nun solche Herzen sind, die Christum und sein Wort nicht verachten noch verleugnen wollen, sondern Lust und Liebe zu ihm haben, und gerne wollten stark und vollkommen sein im Glauben und Leben.<br \/>\nWie man an diesen J\u00fcngern sieht, wie schwach und unverst\u00e4ndig sie auch sind, dass dennoch ihr Herz also steht, dass sie Christo hold sind, gerne und mit Lust von ihm reden und reden h\u00f6ren, und nichts Lieberes w\u00fcnschen wollten, denn dass es wahr w\u00e4re, was sie von seiner Auferstehung geh\u00f6rt haben. Aber es ist ihnen viel zu gro\u00df zu glauben, dass sie es so bald nicht k\u00f6nnen f\u00fcr gewiss und wahr halten; wie es denn uns auch viel zu hoch und zu gro\u00df ist. Das wei\u00df und sieht unser lieber Herr sehr wohl; darum kann er auch desto besser mit uns Geduld haben, und ist zufrieden, und l\u00e4sst es sich gefallen, dass wir nur ihm zuh\u00f6ren als seine Sch\u00fcler, die da gerne sich von ihm lehren und weisen lassen wollen.<br \/>\nWill uns auch hiermit lehren, wie man sich in seinem Reich halten soll, sonderlich gegen die Schwachgl\u00e4ubigen und Gebrechlichen, dass auch wir solche nicht so bald verdammen noch wegwerfen sollen, die wir irren sehen, oder auch straucheln, sondern auch mit ihnen Geduld haben, wie Christus auch mit uns getan, und noch t\u00e4glich tun muss. Denn ob er wohl f\u00fcr seine Person durch seine Auferstehung in g\u00f6ttlicher Gewalt und Macht ist, ein Herr \u00fcber Himmel und Erde, so regiert er doch seine liebe Christenheit also, dass er die Kraft seine Auferstehung \u00fcbt und beweist an seinem armen, schwachen H\u00e4uflein und mit solcher seiner Gewalt und Macht ihnen dient, sie zu tr\u00f6sten und zu st\u00e4rken.<br \/>\nDiesem Exempel nach sollen wir, ob wir schon stark sind, nicht uns selbst gefallen und uns br\u00fcsten, sondern unsere Gabe und St\u00e4rke den Schwachen dienen lassen, und darnach trachten, dass wir sie aufrichten und bessern mit Unterrichten, Tr\u00f6sten, St\u00e4rken, freundlicher Vermahnung und Strafe. Gleichwie man mit schwachen oder gebrechlichen Kindern und Kranken tut, mit denen man s\u00e4uberlich und sch\u00f6n fahren und umgehen, sie pflegen, tragen und heben muss, bis sie erwachsen sind, und selbst auf die F\u00fc\u00dfe treten k\u00f6nnen.<br \/>\nSiehe, das ist der vornehmste St\u00fccke eins im Evangelio, von dem Reich Christi, daraus wir lernen, wie es darin getan sei und zugehe; also, dass es sei ein solch Regiment, darin dennoch bei den Christen, die da angefangen haben zu glauben und heilig sind, noch Schwachheit, Unverstand und andere s\u00fcndliche Gebrechen bleiben, die er doch tr\u00e4gt und zu gut h\u00e4lt; doch also, dass sie sollen gebessert werden; dass man nicht soll eine solche Kirche tr\u00e4umen auf Erden, darin kein Gebrechen oder kein Irrtum im Glauben sei, wie der p\u00e4pstliche Haufen von ihrer Kirche und Konzils r\u00fchmen, dass sie nicht irren k\u00f6nnen.<br \/>\nDenn hier h\u00f6ren wir, dass nicht allein diese zwei J\u00fcnger, sondern auch die andern Apostel allesamt in dem ersten und n\u00f6tigsten Artikel geirrt haben, und so lang im Unglauben stecken, bis sie Christus selbst durch viele und mannigfaltige Predigt und Offenbarung heraus rei\u00dft; und war der Glaube der Auferstehung Christi die drei Tage \u00fcber, nachdem er gekreuzigt, gar aus dem Herzen verloschen, au\u00dfer bei Maria, seiner Mutter, welche die Schrift, so sie von ihm und sonst geh\u00f6rt, in ihrem Herzen behalten, und dadurch in ihrem gro\u00dfen Herzleid \u00fcber ihres Sohnes Leiden und Sterben getr\u00f6stet und erhalten ist. \u00a0Denn es muss dennoch in der Kirche der Glaube Christi allzeit irgendwo bleiben und erhalten werden, und etliche sein, so die Wahrheit haben und bekennen, obgleich derselbigen wenig sind, und der gr\u00f6\u00dfere Haufen irret, wie sie hier geirret haben; sollte er auch nicht mehr, denn durch eine Maria erhalten werden. Darum l\u00e4sst er auch solches geschehen, dass auch wohl viele der rechten Heiligen irren und straucheln, dass wir uns nicht auf Menschen verlassen sollen, wie viel, gro\u00df und heilig dieselben sind, sondern auf das Wort sehen, das da gewiss ist und nicht tr\u00fcgen kann, wie er allhier diese zwei, und hernach die andern alle allzeit in die Schrift weist und f\u00fchrt.<br \/>\nHier neben ist nicht zu vergessen das Exempel des Evangelii, so uns reizt und vermahnt, dass wir gerne von Christo reden und h\u00f6ren, und mit der Schrift und Gottes Wort umgehen sollen, ob es auch nicht allzeit so bald verstanden wird, noch zu Herzen geht, wie es sollte; und zeigt, was es f\u00fcr Kraft, Nutzen und Frucht wirkt, wo es mit einf\u00e4ltigem Herzen gehandelt wird.<br \/>\nDenn zum ersten sehen wir: Obwohl diese zwei J\u00fcnger noch voll Unglaubens stecken, dennoch, weil sie unterwegs mit einander um Christus sich bek\u00fcmmern, ganz einf\u00e4ltiglich und schier vergeblich, so will und kann er nicht von ihnen bleiben, sondern ist alsbald da und gesellet sich aufs freundschaftlichste zu ihnen, und bald trifft er ihr Herz und Gedanken, und f\u00e4ngt an, ihnen eine sch\u00f6ne, herrliche Predigt zu tun eben von dem Artikel, darob sie bek\u00fcmmert sind und zweifeln, dergleichen sie zuvor nicht geh\u00f6rt hatten. Darnach zum andern, empfinden sie alsbald die Kraft desselben, dass ihr Herz nicht mehr so schwer, tr\u00e4g und kalt bleibt zu glauben, wie zuvor, sondern bewegt und entz\u00fcndet wird, dazu auch erleuchtet, und einen neuen Verstand kriegt, dass sie nun die Schrift beginnen recht zu verstehen, und ihnen klar und helle wird, die sie zuvor nicht verstanden hatten.<br \/>\nUnd zum letzten werden die Larven und Deckel von ihren Herzen und Augen genommen, dass sie ihn nicht mehr f\u00fcr einen Gast und Fremdling ansehen, sondern nun recht erkennen und f\u00fchlen, dass er nicht mehr ferne von ihnen, sondern selbst gegenw\u00e4rtig ist, und solches in ihnen wirket, dass sie nun ganz gewiss im Glauben sind, und hinfort der leiblichen, sichtbaren Offenbarung nicht mehr bed\u00fcrfen sondern alsbald hingehen, und andern auch predigen, und ihnen wider den Zweifel und Unglauben helfen k\u00f6nnen.<br \/>\nDarum sollten wir auch, ihrem Exempel nach, Gottes Wort gerne h\u00f6ren, und nicht verdrossen werden; denn es ist nicht allein eine n\u00f6tige \u00dcbung f\u00fcr beide, Schwache und Starke, Unverst\u00e4ndige und Gelehrte, und lehrt allerlei, was zur Seligkeit notwendig, reichlich, und kann nimmer ausgelernt werden; sondern es ist auch das Mittel, dadurch Gott in unserm Herzen wirken und den Glauben und heiligen Geist geben will; wie St. Paulus R\u00f6m. 10, 17 sagt: Der Glaube kommt aus dem H\u00f6ren des Wortes. Und ist gewiss die Frucht dabei, wo es mit Ernst gemeint wird, obgleich das Herz am ersten kalt und faul dazu ist; so man nur fortf\u00e4hrt und dabei bleibt, so bleibt&#8217;s nicht vergeblich, sondern schaffet, dass es die Unverst\u00e4ndigen und Irrenden herzu bringt und bessert, die Schwachen st\u00e4rkt, und endlich das Herz erw\u00e4rmt und erleuchtet, so dass Christus in der Schrift besser verstanden und erkannt wird.<br \/>\nUnd ob kein anderer Nutzen dabei w\u00e4re, sollte uns doch das reizen, gerne damit umzugehen, dass wir Gott und dem Herren Christo daran einen Gefallen und lieben Gottesdienst tun; und wissen, dass er alsdann gewisslich nicht weit von uns ist, wie er selbst verhei\u00dfet und spricht Matth. 18, 20: Wo ihrer drei oder zwei bei einander sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Da sind mit ihm freilich auch die lieben Engel um dich, und haben ihre Lust und Freude daran, und dagegen wird der Teufel hinweg getrieben und muss weichen, wie er von Christo weichen musste, da er ihm mit Gottes Wort widerstand, Matth. 4, 11.<br \/>\nDas sei von den vornehmsten St\u00fccken der Historie dieses Evangeliums gesagt. \u00dcber das ist noch da das Hauptst\u00fcck von der Predigt Christi, die er den J\u00fcngern getan hat aus der Schrift, und in Summa daraus beweist, dass Christus musste leiden, und also in seine Herrlichkeit gehen etc. Von welcher Predigt der Evangelist also spricht:<br \/>\nUnd er fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren.<br \/>\nDas ist eine so herrliche Predigt gewesen, dass die J\u00fcnger darnach selbst bekennen im Flecken, dass ihr Herz gebrannt habe, da er mit ihnen geredet hat auf dem Wege, und ihnen die Schrift ge\u00f6ffnet.<br \/>\nNun wollte ich w\u00fcnschen, dass man wissen m\u00f6chte, was doch der Herr f\u00fcr Schrift \u00fcber Mose und den Propheten gef\u00fchrt habe, dadurch sie entz\u00fcndet, gest\u00e4rkt und \u00fcberzeugt sind in dem Artikel, dass Christus hat m\u00fcssen leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen, weil man doch so gar wenig, ja wie sich&#8217;s ansehen l\u00e4sst, gar nichts \u00fcber Mose findet, das davon gesagt w\u00e4re. Denn die Juden haben auch Mosen, als denen vertrauet ist, was Gott geredet hat; und haben doch solches in Mose nicht finden k\u00f6nnen, ja lesen noch heutigen Tages Mosen, und k\u00f6nnen doch solche Dinge darin nicht ersehen, sondern sehen das Widerspiel.<br \/>\nWie mag das zugehen? Christus beruft sich auf Mosen und alle Propheten, und spricht, dieselben zeugen von ihm; und die Juden haben und lesen Mosen und die Propheten, und k\u00f6nnen dennoch in Mose und in den Propheten nichts von Christo ersehen. Wie reimt sich das? Antwort: Diese zwei J\u00fcnger l\u00f6sen auf, da sie sagen: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift \u00f6ffnete? Gewiss ist&#8217;s, dass Moses von Christo schreibt; aber daran liegt&#8217;s, dass die, so Mosen lesen, auch verstehen, wovon Moses redet. Denn St. Paulus 2. Cor. 3, 14 sagt, dass bis auf den heutigen Tag, wenn die Juden Mosen lesen, Decke oder Tuch vor ihren Augen und Herzen h\u00e4ngen, dass sie es nicht sehen k\u00f6nnen. Und Christus, Luc. 8, 10 spricht zu seinen J\u00fcngern: Euch ist&#8217;s gegeben zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes, den andern aber in Gleichnissen, dass sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon h\u00f6ren. Darum ist die Schrift ein solches Buch, dazu nicht allein das Lesen, sondern auch der rechte Ausleger und Offenbarer, n\u00e4mlich der heilige Geist geh\u00f6rt. Wo der die Schrift nicht \u00f6ffnet, da bleibt sie wohl unverstanden, ob sie schon gelesen wird. Heutigen Tages geht&#8217;s noch also zu in der Welt. Wir haben die Lehre so klar als die Apostel. Wir erweisen die Artikel der reinen Lehre aus der Schrift, also dass es unsere Widersacher nicht widerlegen k\u00f6nnen. Aber was hilft&#8217;s? Ist doch kein Artikel des Glaubens von den Aposteln gepredigt worden, der nicht von den Ketzern angefochten w\u00e4re. Was ist&#8217;s denn Wunder, dass die reine Lehre, so wir predigen, angefochten wird? Darum fehlt&#8217;s nicht an der Schrift, am Lesen oder Predigen, sondern am Ausleger.<br \/>\nDarnach geh\u00f6ren auch zu der Schrift rechte Sch\u00fcler, die sich gern lehren und weisen lassen. Denn Moses und die Propheten sind solche Lehrer, die die Weisen und Klugen zu Narren machen, und der Vernunft die Augen ausstechen, wo sie anders sollen verstanden und geglaubt werden. Wo das nicht geschieht, st\u00f6\u00dft und \u00e4rgert man sich daran oder widerspricht es. Darum will&#8217;s nicht anders sein: wer die Schrift verstehen und fassen soll, der muss ein Narr werden. Wer hier klug sein will und es mit der Vernunft messen, wie sich&#8217;s reime und schicke, mit dem ist&#8217;s verloren, der bleibt wohl ein unt\u00fcchtiger Sch\u00fcler.<br \/>\nDie Bibel und Schrift ist nicht ein solches Buch, so aus der Vernunft oder aus Menschenweisheit her flie\u00dft. Der Juristen und Poeten K\u00fcnste kommen aus der Vernunft, und m\u00f6gen wiederum von der Vernunft verstanden und gefasst werden. Aber Moses und der Propheten Lehre kommt nicht aus der Vernunft und Menschenweisheit. Darum wer sich untersteht, Mosen und die Propheten mit der Vernunft zu begreifen, und die Schrift zu messen und zu rechnen, wie sie sich mit der Vernunft reime, der kommt gar davon.<br \/>\nSt. Paulus 1. Cor. 1, 23 f. spricht: Wir predigen den gekreuzigten Christum, den Juden ein \u00c4rgernis und den Griechen eine Torheit. Denen aber, die berufen sind, beide, Juden und Griechen, predigen wir Christum, g\u00f6ttliche Kraft und g\u00f6ttliche Weisheit. Den Juden, spricht er, predigen wir eitel Anlaufen, daran sie sich sto\u00dfen und dar\u00fcber sie toll und t\u00f6richt werden, sie k\u00f6nnen&#8217;s weder h\u00f6ren noch sehen. Den klugen Heiden predigen wir eitel Torheit, dar\u00fcber sie zu Narren werden, weil es wider ihrer Vernunft geht, die es nicht leiden kann. Welche aber einf\u00e4ltige Schafe sind, unter Juden und Heiden, die sprechen: Gott hat&#8217;s geredet, darum glaube ich&#8217;s; die k\u00f6nnen&#8217;s fassen und verstehen.<br \/>\nUnd Christus selbst, Matth. 11, 25, dankt seinem himmlischen Vater mit fr\u00f6hlichem Herzen, dass er solches den Weisen und Verst\u00e4ndigen verborgen, und den Unm\u00fcndigen, Albernen, Narren und Kindern offenbart hat. Ich lobe unsern Herrn Gott darum, dass er&#8217;s tun darf. Wo er&#8217;s nicht getan h\u00e4tte, so wollte ich ihn bitten, dass er&#8217;s noch tun wolle. Denn man kann die weisen Leute und die hohe Vernunft nicht unterweisen noch bedeuten in g\u00f6ttlichen Sachen, von der Taufe, von Christo, vom Glauben, von Seligkeit und ewigem Leben.<br \/>\nSiehe, was nimmt hier Gott f\u00fcr Leute dazu, denen er die Auferstehung seines Sohnes offenbart? Unverst\u00e4ndige Weiber und arme Fischer nimmt er dazu. Die Weiber sind rechte Toren, machen sich solche Unhaben, kaufen Specerei und teure Salben; und da sie dieselben gekauft haben, gehen sie dahin wie in einem Schlaf und Traum, und bedenken nicht, was sie machen oder vornehmen. Da sie vor das Tor kommen, sprechen sie allererst unter einander: Was tun wir? Wissen wir nicht, dass ein gro\u00dfer, schwerer Stein vor des Grabes T\u00fcr liegt? H\u00e4tten sie zuvor in der Stadt bedacht, dass der Stein auf dem Grabe l\u00e4ge, dazu versiegelt und mit H\u00fctern verwahrt, sie w\u00fcrden nicht hinausgegangen sein. So n\u00e4rrische Toren sind sie, dass sie sich unterstehen, den Herrn zu salben im Grabe, da doch die H\u00fcter davor liegen, und das Grab verschlossen und versiegelt ist. Und doch werden diese N\u00e4rrinnen die ersten, denen Christus seine Auferstehung offenbart, und die er zu Predigern und Zeugen derselben macht. Und die J\u00fcnger sind arme Fischer; und doch gibt ihnen Christus solchen Verstand der Schrift, den alle hochverst\u00e4ndigen und gelehrten Hohenpriester und Schriftgelehrten nicht haben. Eben also tut er hier den einf\u00e4ltigen J\u00fcngern die Augen auf, und \u00f6ffnet ihnen die Schrift, dass sie Mosen und die Propheten mit anderen Augen ansehen, bekennen m\u00fcssen und sagen: siehe, wir haben das so lang zuvor auch gelesen und geh\u00f6ret, und doch nie verstanden. Aber dagegen die hochverst\u00e4ndigen Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten bleiben blind, ob sie schon Mosen und die Propheten auch haben, lesen und h\u00f6ren; dennoch verstehen sie gar nichts davon, laufen \u00fcber die Worte weg, und wissen nicht, was es sei.<br \/>\nMoses ist der erste, von dem der Herr anf\u00e4ngt die Schrift auszulegen, die von ihm gesagt war. Der ist den Propheten sehr wohl bekannt gewesen, denn alle Propheten haben ihre B\u00fccher und Schriften aus Mose gesponnen. Und ich, wenn ich so reich im Geist w\u00e4re, wollte Mosen nehmen, und ein ganz Neues Testament daraus machen, wenn es nicht bereits gemacht w\u00e4re. Petrus und Paulus schreiben wenig von den Geschichten und Werken Christi, aber das Evangelium von Christo f\u00fchren sie gewaltig. Siehe was nur Paulus spinnet aus der Historie von Abrahams S\u00f6hnen, Isaak und Ismael, Galat. 4. Was tut Petrus und Paulus in der Apostelgeschichte? Da nehmen sie geringe Spr\u00fcche (wie sie anzusehen sind) des Alten Testaments vor sich, und machen solche gewaltige Predigt daraus, dass sich einer dar\u00fcber verwundern muss, und sagen: Es ist recht; aber ich h\u00e4tte das in Mose nicht gesehen. Was tut Christus, da er den Sadduc\u00e4ern (welche die Auferstehung von den Toten nicht glaubten, und keine Schrift, denn allein Mosen annahmen) das Maul stopfet, und sie \u00fcberzeugt von der Auferstehung der Toten? Matth. 22. Da nimmt er das allergemeinste Wort, das sie hatten, und allen Juden bekannt und t\u00e4glich im Brauch war, dass Gott sagt: Ich bin der Gott Abrahams, und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Was schlie\u00dft Christus daraus? Die Sadduc\u00e4er glauben nicht, dass ein Geist, Engel, Teufel und ewig Leben sei; aber Christus machet Mosen, der den Sadduc\u00e4ern finster, blind und stumm war, offenbar, sehend und redend, und schlie\u00dft also:<br \/>\nGott ist ein Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, das sagt Moses, und ihr Sadduc\u00e4er k\u00f6nnt&#8217;s nicht leugnen. So ihr nun Gott f\u00fcr einen solchen haltet, der ein Gott ist der Toten, was ist er f\u00fcr ein Gott? Ist aber Gott ein Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, wie Moses sagt, so muss Abraham, Isaak und Jakob leben. Denn Abraham, Isaak und Jakob nicht lebten, wie w\u00e4re dann Gott ihr Gott, sintemal er nicht ein Gott der Toten ist, sondern der Lebendigen. Darum muss Abraham, Isaak und Jakob leben, ob sie gleich gestorben und begraben sind.<br \/>\nDamit erzeugt Christus die Sadduc\u00e4er von der Auferstehung der Toten. Vor unsern Augen sind sie tot, aber vor Gott sind sie lebendig. Denn Gott spricht: Das ist mein Name ewiglich, dabei man mich nennen soll f\u00fcr und f\u00fcr, dass ich bin ein Gott Abrahams, Isaak, Jakobs und aller, die da glauben.<br \/>\nWer h\u00e4tte sich der Auslegung versehen \u00fcber die kurzen, gemeinen Worte, dass Abraham, Isaak, Jakob mussten von den Toten auferstehen, und im Tode nicht bleiben? Und das die Sadduc\u00e4er durch diese gemeinen Worte sollten von der Auferstehung der Toten \u00fcberzeugt werden. Die Worte wussten sie sehr wohl und hielten doch nicht daf\u00fcr, dass ein Wort im ganzen Mose von der Auferstehung der Toten zu finden w\u00e4re, geschweige denn, dass diese gemeinen Worte denselben Artikel so gewaltig geben sollten. Darum liegt alles an dem Offenbaren. Diese zwei J\u00fcnger haben zuvor auch Mosen gelesen, aber nicht verstanden. Nun aber Christus kommt, und ihnen die Schrift \u00f6ffnet, sehen sie mit andern Augen hinein, und verstehen nun, was sie zuvor nicht verstanden haben.<br \/>\nWas wird aber Christus in dieser Predigt zu den J\u00fcngern angef\u00fchrt haben? Ohne Zweifel die erste Verhei\u00dfung der Gnaden, welche Gott Adam und Eva gegeben hat nach dem Fall, da er zu der Schlange spricht: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Diese Worte liest der Jude, T\u00fcrke und Heide, sieht aber und versteht nicht, was drinnen ist. Wenn aber des heiligen Geistes Offenbarung dazu kommt, so versteht man, was damit gesagt ist.<br \/>\nAus diesem Spruch folget das ganze neue Testament von Christo. Denn erstlich ist hierin angezeigt, dass dieser Same sein muss wahrhaftiger nat\u00fcrlicher Mensch. Denn wo er nicht wahrhaftiger, nat\u00fcrlicher Mensch w\u00e4re, so k\u00f6nnte er nicht des Weibes Samen, das ist nat\u00fcrliche Weibesfrucht und Kind sein.<br \/>\nZum andern ist angezeigt, dass dieser Same und Schlangentreter ein heiliger, gerechter Mensch sein muss, ohne alle S\u00fcnde empfangen und geboren. Denn Moses nennet keinen Mann, sondern gibt diesen Samen oder Kind dem Weibe allein.<br \/>\nZum dritten ist hierin angezeigt, dass dieser Same sein muss wahrhaftiger Gott. Denn soll er der Schlange den Kopf zertreten, das ist, ein Herr sein \u00fcber S\u00fcnde und Tod, den Teufel unter sich werfen, uns aus seiner Gewalt rei\u00dfen, Gerechtigkeit und Leben wiederbringen, so geh\u00f6rt eine g\u00f6ttliche, allm\u00e4chtige Kraft dazu. Es muss eine gr\u00f6\u00dfere Gewalt und Kraft denn menschliche, ja gr\u00f6\u00dfere denn englische Kraft da sein. \u00a0Darum folgt, dass dieser Same nicht allein eines Weibes Sohn sein m\u00fcsse, die kein Mann ber\u00fchrt h\u00e4tte, sondern auch ewiger Gottes Sohn. Wer h\u00e4tte das in diesem Spruch finden k\u00f6nnen? Niemand. Weil aber des heiligen Geistes Offenbarung und des Neuen Testaments Licht dazu kommt, so gibt Moses solches fein.<br \/>\nWeiter folget auch hieraus: Weil er den Teufel unter sich treten und \u00fcberwinden sollte, hat er nicht m\u00fcssen im Tode bleiben, sondern vom Tode auferstehen und ewiglich leben, und durch seine Auferstehung und Leben anfangen gewaltig zu herrschen, dass er die Seinen, die an ihn glauben, auch endlich aus und \u00fcber S\u00fcnde, Tod und Teufel zur ewigen Gerechtigkeit und Leben bringe.<br \/>\nSolches alles hat unser Herr Christus ohne Zweifel diesen zwei J\u00fcngern aus diesem Hauptspruch in Mose, als aus der ersten Verhei\u00dfung von ihm, daraus auch die andern hernach geflossen sind, aus reichem Geiste ausgelegt, und sein Leiden und Auferstehung von den Toten daraus kr\u00e4ftiglich bewiesen.<br \/>\nDarum wird dies eine sch\u00f6ne, herrliche Predigt gewesen sein, die unser Herr Christus den J\u00fcngern getan hat, da er angefangen hat von Mose und allen Propheten, und ihnen alle Schrift ausgelegt, die von ihm gesagt war. Dardurch ist ihr Herz billig entz\u00fcndet und entbrannt worden. Denn es wird sehr lustig und lieblich zu h\u00f6ren gewesen sein, dass er die Schrift, welche ihnen zuvor dunkel und verschlossen war, so ge\u00f6ffnet hat.<br \/>\nMoses ist der erste, wie gesagt, an dem der Herr anf\u00e4ngt den J\u00fcngern die Schrift zu \u00f6ffnen. Er hat aber nicht allein die erste Verhei\u00dfung von des Weibes Samen aus Mose genommen und ausgelegt, sondern auch ohne allen Zweifel andere Hauptspr\u00fcche hinzugenommen; z. B. da Gott Abraham mit einem Eide verhei\u00dft und spricht, 1. Mos. 12, 3 und 22, 18: Durch deinen Samen sollen alle V\u00f6lker auf Erden gesegnet werden. Item, den Spruch 1. Mos. 49, 10 ff.: Es wird das Zepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister von seinen F\u00fc\u00dfen, bis der Silo (das ist, Held) komme. Und demselben werden die V\u00f6lker anhangen. Er wird sein F\u00fcllen an den Weinstock binden, und seiner Eselin Sohn an den edlen Reben. Er wird sein Kleid in Wein waschen, und seinen Mantel in Weinbeerblut. Seine Augen sind r\u00f6tlicher denn Wein, und seine Z\u00e4hne wei\u00dfer denn Milch. Die Worte sind finster und verschlossen, sonderlich das da steht vom Mantel waschen, roten Augen und wei\u00dfen Z\u00e4hnen. Aber wenn ein Prediger und Ausleger dar\u00fcber kommt, wie Christus hier, so werden sie licht und offenbar.<br \/>\nAus den Propheten wird er genommen haben den Spruch 2. Sam. 7, 12 ff. da Christus David verhei\u00dfen wird: Wenn nun deine Zeit hin ist, und du mit deinen V\u00e4tern schlafen liegst, will ich deinen Samen nach dir erwecken, der von deinem Leibe kommen soll, dem will ich sein Reich best\u00e4tigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will den Stuhl seines K\u00f6nigreichs best\u00e4tigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Und Pf. 132, 11: Der Herr hat David einen wahren Eid geschworen, davon wird er sich nicht wenden: Ich will dir auf deinen Stuhl setzen die Frucht deines Leibes.<br \/>\nDiese und andere Spr\u00fcche hat unser lieber Herr Christus den zwei J\u00fcngern aus Mose und aus den Propheten ausgelegt, dass ihnen die Schrift, so zuvor ihnen eitel Fels und Finsternis war, eitel Licht und Feuer geworden ist, davon ihr Herz gebrannt hat; womit denn angezeigt ist, dass zum Verstand der heiligen Schrift die Offenbarung geh\u00f6rt, dass der heilige Geist, als der rechte Ausleger, das Wort auswendig durch die m\u00fcndliche Predigt und inwendig durch Erleuchtung im Herzen erkl\u00e4re. Den Juden war das Wort, so von Christo gepredigt ward, eitel Stein; aber den J\u00fcngern und andern, die es mit Ernst und einf\u00e4ltigem Herzen h\u00f6rten und annahmen, war es Licht und Feuer, davon ihr Herz erweckt, entz\u00fcndet, getrost und fr\u00f6hlich ward.<br \/>\nWir sollen die heilige Schrift und Gottes Wort gern lesen, h\u00f6ren und handeln. Denn dazu gibt der heilige Geist, der durchs Wort kr\u00e4ftig ist, Verstand; wie wir hier an diesen J\u00fcngern sehen: die reden auf dem Wege von der Schrift, und wollen gern hinein, k\u00f6nnen aber nicht hinein kommen. Da gesellet sich der Herr zu ihnen, und tut ihnen eine herrliche Predigt, nimmt Spr\u00fcche aus Mose, Propheten und Psalter, und verkl\u00e4rt dieselben, dass sie die Schrift verstehen. Also wird uns auch geschehen: wenn wir die Schrift auch mit Ernst handeln, so werden wir finden unseres Herzens Lust und Freude, und Christum recht erkennen, wie er unsere S\u00fcnde getragen, wie wir mit Abraham, Isaak und Jakob ewiglich leben werden; nur, dass wir auch einf\u00e4ltige Sch\u00fcler und Narren bleiben, wie diese J\u00fcnger und Weiber gewesen sind.<br \/>\nDenn in dies Buch, das da hei\u00dft die heilige Schrift, geh\u00f6rt kein kluger Meister noch Z\u00e4nker. Gott hat andere K\u00fcnste gegeben, Grammaticam, Dialecticam, Rhetoricam, Philosophiam, Juristerei, Medicin; da sei klug, zanke, forsche und frage, was recht und unrecht sei. Aber hier in der heiligen Schrift und Gottes Wort lass das Zanken und Fragen anstehen, und sprich: Das hat Gott geredet, darum glaube ich&#8217;s. Hier gilt es nicht disputieren und fragen, wie oder was? Sondern es hei\u00dft: Lasse dich taufen, und glaube an des Weibes Samen, Jesum Christum, wahrhaftiger Gott und Mensch, dass du durch sein Sterben und Auferstehung Vergebung der S\u00fcnden und das ewige Leben habest. Frage nicht: warum und wie kann das sein? Tust du das, so wird dir dein Herz brennen, und wirst Lust und Freude davon haben. Willst du aber zanken und fragen: wie kann das sein? So bist du schon von der Wahrheit und rechtem Verstand der Schrift. Diese J\u00fcnger zanken und fragen nicht, sondern binden sich an des Herrn Christi Wort, und h\u00f6ren, was er sagt. Da gehet ihnen auch das Wort mit aller Gewalt ein, und wird ihr Herz also erleuchtet, dass sie keinen Zweifel daran haben, sind lustig, hitzig und fr\u00f6hlich, als w\u00e4ren sie durch ein Feuer gegangen.<br \/>\nWas er sagt, das glaube mit einf\u00e4ltigem Herzen. Wenn du das tust, so wird die Schrift hell und klar, die zuvor finster war. Also sagt auch St. Gregorius (dass mich Wunder nimmt, wie der Mann zu dem guten Spruch gekommen ist): Die heilige Schrift ist ein Wasser, darin ein Elefant schwimmt und ers\u00e4uft, aber ein Lamm geht hindurch, wie durch einen leichten Bach. In Summa, es tut&#8217;s nicht, wenn man Christum und die Schrift mit der Vernunft ersieht; wenn Christus selbst kommt, wie hier den J\u00fcngern geschieht, das tut&#8217;s. Amen.<\/p>\n<table width=\"50\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelium Luc. 24, 13-35 Gehalten am Ostermontag, 6. April 1534 Dies Evangelium lehrt uns, wie unser lieber Herr Jesus Christus seine Auferstehung von den Toten offenbart hat. 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