{"id":7719,"date":"2012-03-12T17:36:43","date_gmt":"2012-03-12T15:36:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7719"},"modified":"2012-03-12T17:36:43","modified_gmt":"2012-03-12T15:36:43","slug":"freiheitsfeindliche-frauenpolitik-wohin-die-gleichschaltung-der-lebensverlaufe-fuhrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7719","title":{"rendered":"Freiheitsfeindliche Frauenpolitik: Wohin die Gleichschaltung der Lebensverl\u00e4ufe f\u00fchrt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Freiheitsfeindliche Frauenpolitik: Wohin die Gleichschaltung der Lebensverl\u00e4ufe f\u00fchrt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vater Staat muss Frau ein klares Leitbild vorgeben. Dies fordert nun der 1. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Eine Politik, die \u201egleichzeitig Anreize f\u00fcr ganz unterschiedliche Leitbilder&#8220; setze, f\u00fchre zu \u201eBr\u00fcchen in den Lebensverl\u00e4ufen von Frauen, die deshalb einer \u201eunvollendeten Baustelle mit vielen Sackgassen&#8220; glichen: Baby-Pausen, Teilzeitphasen, \u201eMini-Jobs&#8220; und Arbeit in Berufen mit begrenzten Aufstiegschancen (1). Dagegen m\u00fcsse die Politik die Frauen auf eine \u201eexistenzsichernde, eigenst\u00e4ndige Erwerbsarbeit \u00fcber den gesamten Erwerbslebensverlauf&#8220; hin steuern (2). Der Wunsch von M\u00fcttern nach Wahlfreiheit zwischen Erwerbs- und Familienarbeit hat in diesem Gesellschaftsbild keinen Platz mehr (3).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Projektionsfl\u00e4che ihres Wunschideals dient der Berichtskommission Skandinavien, wo \u201estaatliche Interventionen&#8220; angeblich Geschlechtergleichheit gew\u00e4hrleisten (4). Bekanntlich ist dort Erwerbst\u00e4tigkeit von M\u00fcttern die Regel und die Geschlechterdifferenzen in den formalen Erwerbsquoten sind gering. Doch auch im Norden folgt die Arbeitswirklichkeit nicht dem Ideal der Geschlechtergleichheit: Nach Eurostat-Zahlen verdienen dort Frauen pro Stunde etwa 16-17% weniger als M\u00e4nner. In Finnland betr\u00e4gt das \u201eGender Pay Gap&#8220; sogar \u00fcber 20% und liegt damit nicht mehr weit vom deutschen Niveau (23%) entfernt (5). Ein Teil dieser Differenzen beruht auf echter Diskriminierung: F\u00fcr dieselbe Arbeit erhalten Frauen weniger Lohn. Noch wichtiger ist aber die Art der T\u00e4tigkeit: \u00dcberall in Europa &#8211; besonders auch in Skandinavien &#8211; arbeiten Frauen h\u00e4ufig in Pflege- und F\u00fcrsorgeberufen, die schlechter bezahlt sind als industriell-technische Jobs (6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen solchen Geschlechterbias in der Berufst\u00e4tigkeit gab es sogar in der DDR, wo \u201edie vollst\u00e4ndige Integration der Frauen in den Produktionsprozess&#8220; Staatsr\u00e4son war: In der Krankenpflege und den Kindertagesst\u00e4tten arbeiteten fast nur Frauen, w\u00e4hrend in Industrie und Technik die M\u00e4nner dominierten. In der Planwirtschaft verdienten aber alle \u00e4hnlich schlecht, so dass die Frauen kaum weniger zum Familieneinkommen beitrugen als die M\u00e4nner (7). Daf\u00fcr waren M\u00fctter fast immer in Vollzeit erwerbst\u00e4tig, was westdeutsche Frauenpolitikerinnen als \u201eFortschritt&#8220; bewunderten. \u201eFortschrittlich&#8220; hei\u00dft f\u00fcr den amtlichen Feminismus mehr weibliche Vollzeiterwerbst\u00e4tigkeit und \u201egleiche Lebensverl\u00e4ufe&#8220; der Geschlechter. Wie wenig die westdeutschen Familienverh\u00e4ltnisse diesem Ideal entsprechen, beklagen die Medien fast t\u00e4glich. Gerne st\u00fctzen sie sich dabei auf die OECD, die daf\u00fcr regelm\u00e4\u00dfig die deutsche Sozialpolitik an den Pranger stellt. Noch skandal\u00f6ser m\u00fcssten nach OECD-Ma\u00dfst\u00e4ben die Lebensverh\u00e4ltnisse in den Niederlanden und der Schweiz sein: Nirgendwo sonst in Europa ist das \u201eGender Gap&#8220; in der Erwerbsbeteiligung gr\u00f6\u00dfer (8). Dabei sind die Erwerbsquoten von Frauen ausgesprochen hoch &#8211; f\u00fcr Arbeitnehmerinnen ist die Teilzeitarbeit dort aber von der Ausnahme schon zur Regel geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Skandinavien hat die Teilzeitarbeit von Frauen stark zugenommen &#8211; in Norwegen ist sie mittlerweile \u00e4hnlich h\u00e4ufig wie in Deutschland oder Gro\u00dfbritannien. Noch immer selten ist sie dagegen in Portugal, Griechenland und vor allem in Osteuropa. Verbunden mit der Dominanz der Vollzeitarbeit sind dort die durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten von Frauen wesentlich l\u00e4nger als in Mittel- und Nordeuropa (9). Mit Emanzipation hat das wenig, mit materiellen Zw\u00e4ngen dagegen umso mehr zu tun. Teilzeitbesch\u00e4ftigung und k\u00fcrzere Wochenarbeitszeiten von Frauen verweisen auf h\u00f6heren Lebensstandard &#8211; im statistischen Vergleich europ\u00e4ischer L\u00e4nder gehen sie bezeichnenderweise mit einer h\u00f6heren Lebenserwartung einher (10). In wohlhabenderen L\u00e4ndern k\u00f6nnen es sich Frauen eher leisten in der Berufswahl ihrer Neigung zu folgen und mehr noch ihre Erwerbsarbeitszeit einzuschr\u00e4nken, um sich um Kindererziehung, Altenpflege, Ehren\u00e4mter oder auch Hobbys zu k\u00fcmmern (11). Wohlstand erm\u00f6glicht Wahlfreiheiten, die eben nicht zu gleichen, sondern zu unterschiedlichen Berufs- und Lebensverl\u00e4ufen von M\u00e4nnern und Frauen f\u00fchren. Gegen diese Freiheit ruft der Gleichstellungsbericht nach dem starken Staat, der &#8211; nicht zuletzt durch h\u00f6here Steuern und Abgaben &#8211; die Lebensverl\u00e4ufe von Frauen auf sein \u201eMainstreaming&#8220;-Ideal hin steuern und gleichschalten soll (12).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>IDAF, Nachrichten der Woche 10-11\/2012 (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0(1) Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Neue Wege &#8211; gleiche Chancen Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern im Lebensverlauf&#8220; (1. Gleichstellungsbericht), Deutscher Bundestag &#8211; 17. Wahlperiode, Drucksache 17\/6240, Berlin 2011, S. 45. Zur Kritik an der unvollst\u00e4ndigen Erwerbsintegration von Frauen vgl. insbesondere S. 109 ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Ebd., S. 110.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Zwar scheut sich die Kommission das Ideal \u201eWahlfreiheit&#8220; direkt zu kritisieren, wie wenig sie mit ihm anfangen kann, zeigt aber ihre scharfe Kritik an der \u201eF\u00f6rderung von Sorgearbeit au\u00dferhalb des Erwerbslebens&#8220; durch Erziehungs- oder Betreuungsgelder. Vgl. ebd., S. 76-77.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Vgl. ebd., S. 45.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Vgl.: \u201eLebenserwartung und Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in Europa&#8220; (Abbildung unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Siehe hierzu: http:\/\/www.i-daf.org\/369-0-Wochen-7-8-2011.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Der Anteil des Nettoeinkommens von Frauen am gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt lag in der DDR Ende der 1980er Jahre bei 41%, w\u00e4hrend er in der Bundesrepublik nur 18% ausmachte. Dabei stellten Frauen in der Industrie etwa 40%, in den Dienstleistungsbereichen dagegen \u00fcber 70% aller Erwerbst\u00e4tigen. Vgl.: Sibylle Meyer\/ Eva Schulze: Familie im Umbruch. Zur Lage der Familien in der ehemaligen DDR, Stuttgart 1992, Studie im Auftrag des Bundesministerium f\u00fcr Familie und Senioren, S. 28.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) Vgl.: \u201eLebenserwartung und Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in Europa&#8220; (Abbildung unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(9) Vgl.: \u201eBesch\u00e4ftigungsquoten in Europa&#8220; (Abbildung) in: http:\/\/www.i-daf.org\/445-0-Wochen-4-5-2012.html; sowie \u201eBesch\u00e4ftigung, Wochenarbeitszeiten und die Dauer des Arbeitslebens in Europa 2010&#8243;, in: http:\/\/www.i-daf.org\/448-0-Wochen-6-7-2012.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(11) Vgl. \u201eFrauen-Arbeitszeiten und Lebenserwartung&#8220; (Abbildung unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(12) Bezeichnenderweise korreliert das Gender Gap in der Erwerbsbeteiligung im statistischen Vergleich europ\u00e4ischer L\u00e4ndern positiv mit der Lebenserwartung. Arbeitsmarktungleichheit zwischen M\u00e4nnern und Frauen kann also wohl kaum als Symptom sozio-\u00f6konomischer R\u00fcckst\u00e4ndigkeit gelten. Siehe hierzu: \u201eGender Gap und Lebenserwartung in Europa&#8220; (Abbildung unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(13) Konkret fordert der Bericht Witwenrenten, die Mitversicherung nichterwerbst\u00e4tiger Ehefrauen in der gesetzlichen Krankenversicherung und sogar geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse abzuschaffen. Vgl. 1. Gleichstellungsbericht, a.a.O., S. 80-81. Praktisch laufen diese Vorschl\u00e4ge auf eine drastisch erh\u00f6he Steuer- und Abgabenlast f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der nicht dem egalit\u00e4ren Ideal entsprechenden Familien hinaus. N\u00e4heres zu den absehbaren Folgen angedachter \u201eReformen&#8220; des Ehegattensplittings f\u00fcr Familien: <a href=\"http:\/\/www.erziehungstrends.de\/node\/545\">http:\/\/www.erziehungstrends.de\/node\/545<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-7723\" title=\"10-11a_frauen-arbeitszeit_und_lebenserwartung\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/10-11a_frauen-arbeitszeit_und_lebenserwartung.jpg\" alt=\"\" width=\"572\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/10-11a_frauen-arbeitszeit_und_lebenserwartung.jpg 636w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/10-11a_frauen-arbeitszeit_und_lebenserwartung-300x226.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 572px) 100vw, 572px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-7724\" title=\"10-11b_gender_gap_und_lebenserwartung_in_eu\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/10-11b_gender_gap_und_lebenserwartung_in_eu.jpg\" alt=\"\" width=\"564\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/10-11b_gender_gap_und_lebenserwartung_in_eu.jpg 627w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/10-11b_gender_gap_und_lebenserwartung_in_eu-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-7722\" title=\"10-11c_lebenserwartung_und_geschlechtergleiheit\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/10-11c_lebenserwartung_und_geschlechtergleiheit.jpg\" alt=\"\" width=\"558\" height=\"444\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiheitsfeindliche Frauenpolitik: Wohin die Gleichschaltung der Lebensverl\u00e4ufe f\u00fchrt Vater Staat muss Frau ein klares Leitbild vorgeben. Dies fordert nun der 1. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Eine Politik, die \u201egleichzeitig Anreize f\u00fcr ganz unterschiedliche Leitbilder&#8220; setze, f\u00fchre zu \u201eBr\u00fcchen in den Lebensverl\u00e4ufen von Frauen, die deshalb einer \u201eunvollendeten Baustelle mit vielen Sackgassen&#8220; glichen: Baby-Pausen, Teilzeitphasen, \u201eMini-Jobs&#8220; und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7719"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7719"}],"version-history":[{"count":30,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7719\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7752,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7719\/revisions\/7752"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7719"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7719"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}