{"id":7693,"date":"2012-03-02T14:40:07","date_gmt":"2012-03-02T12:40:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7693"},"modified":"2012-03-07T21:27:18","modified_gmt":"2012-03-07T19:27:18","slug":"salzkraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7693","title":{"rendered":"Salzkraft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Salzkraft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man viele Christen in ihrer oft weichen und femininen und s\u00fc\u00dflichen Art sieht, m\u00f6chte man meinen, da\u00df sie doch den Ehrgeiz h\u00e4tten, der Honigseim der Welt zu sein. Sie vers\u00fc\u00dfen und verzuckern die Bitternis des Schicksals durch eine allzu billige Vorstellung vom lieben Gott. Sie erweichen die H\u00e4rte der Schuld durch eine fast be\u00e4ngstigende Kindschaftsromantik. Sie haben die H\u00f6lle wegretuschiert und sehen nur den Himmel offen. Sie stecken vor Teufel und Anfechtung den Kopf in den Sand und haben das ewige und verkrampfte L\u00e4cheln einer gespielten Welt\u00fcberwindung auf ihren Z\u00fcgen. Das Reich Gottes, das unter den Wehen der Geschichte und unter wilden Schmerzen, das unter den Exzessen des Antichrists und unter dem St\u00f6hnen der M\u00e4rtyrer hereinbrechen soll, ist ihnen zu einem harmlosen Bl\u00fctengarten geworden, und ihr Glaube ein s\u00fc\u00dfer Honig, den sie diesen Bl\u00fcten entnehmen. Daher kommt es denn auch, da\u00df die Welt sich an diesen Christen immer wieder \u00fcberi\u00dft und sich angeekelt abwendet, weil sie sp\u00fcrt, da\u00df das Leben h\u00e4rter ist und da\u00df es deshalb gr\u00f6\u00dferen Anstand verr\u00e4t, wenn man seine Bitternisse unverzuckert ertr\u00e4gt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Jesus sagt ja gar nicht: \u00bbIhr seid der Honig\u00ab, sondern \u00bbIhr seid das Salz\u00ab. Das Salz bei\u00dft; und die unverk\u00fcrzte Botschaft vom Gericht und von der Gnade Gottes hat denn auch noch immer gebissen, so sehr, da\u00df man dagegen aufbegehrte und oft genug wieder gebissen hat. Der Honiggott der nat\u00fcrlichen Weltanschauungen war leichter zu ertragen. Wo Salzkraft in einer Kirche und in einer Predigt ist, da findet man auch immer das saure Reagieren. Denn das Salz bei\u00dft und \u00e4tzt \u00fcberall da, wo wir Menschen wunde Stellen haben. Wir aber wollen eine Heilung ohne Schmerzen &#8211;\u00a0und au\u00dferdem sind wir nicht gern an jene wunden Stellen erinnert. Darum schreit die Welt nicht nur nach dem Goldenen Kalb, sondern nach den Honigg\u00f6ttern, die unsere tiefsten Wunden vergessen machen. Wo das saure Reagieren auf die Botschaft nicht mehr da ist, da fehlt das echte Salz. Es ist ein bedenkliches Zeichen, wenn die Welt in einem allzu ungetr\u00fcbten Frieden mit der Kirche lebt und wenn eine Gemeinde allzu begeistert von ihrem Prediger ist. Dann hat er in der Regel kein Salz von der Kanzel gestreut. Die Menschen unter der Kanzel hat es nicht gebissen, und so sind sie denn nach Hause gegangen und haben gemeint, sie seien gesund, sie tr\u00fcgen keine Wunden, und der liebe Gott h\u00e4tte sie \u00bbmit heiler Haut\u00ab davonkommen lassen. Begeisterung und allzu einm\u00fctige Zustimmung zu einer Predigt pflegen auf bedenkliche Mangelerscheinungen zu deuten. Und weiter: Das Salz hat eine f\u00e4ulnisverhindernde, eine konservierende Kraft. Das Fleisch des Abendlandes ist faulig und stinkend geworden, seitdem das Salz fehlt. Gewi\u00df, man hat Fortschritte gemacht, man ist technisch auf der H\u00f6he, man hat die Freude des Diesseits entdeckt, man liebt das braungebrannte, das lebensfrohe, das junge Fleisch. Aber darin kann der Wurm sitzen, und wohin wir mit der Devise der sonnengebr\u00e4unten Lebensbejahung gekommen sind, in welchen Abgrund die Welt ohne Gott st\u00fcrzt (diese in ihren eigenen Wonnen erschauernde und sich selber verg\u00f6tternde Welt), das haben wir ja wahrhaftig in einer Weise am eigenen Leibe erfahren, da\u00df ich dar\u00fcber kein Wort zu verlieren brauche. Wir, einschlie\u00dflich aller nur denkbaren Freidenker, Atheisten und Antitheisten, leben alle noch vielmehr vom christlichen Erbe, vom \u00bbSalz im Fleisch\u00ab, als wir es selber wissen. Aber der Organismus unseres Vaterlandes, ja unseres ganzen Erdteiles, hat es allm\u00e4hlich aufgesaugt. Darum sind die J\u00fcnger so n\u00f6tig, die neue Salzkraft in die Welt tragen und sie gegen die eingedrungenen Giftstoffe der F\u00e4ulnis und der Verwesung gegen alle jene Prozesse, die man mit einem ahnungsvollen Namen als \u00bbUntergang des Abendlandes\u00ab bezeichnet immunisieren helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Das Helmut Thielicke Lesebuch, Quellverlag Stuttgart 1998, S. 200-201.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salzkraft Wenn man viele Christen in ihrer oft weichen und femininen und s\u00fc\u00dflichen Art sieht, m\u00f6chte man meinen, da\u00df sie doch den Ehrgeiz h\u00e4tten, der Honigseim der Welt zu sein. Sie vers\u00fc\u00dfen und verzuckern die Bitternis des Schicksals durch eine allzu billige Vorstellung vom lieben Gott. 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