{"id":7512,"date":"2012-01-18T22:01:42","date_gmt":"2012-01-18T20:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7512"},"modified":"2012-01-18T22:01:42","modified_gmt":"2012-01-18T20:01:42","slug":"nachhaltig-kinderlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7512","title":{"rendered":"Nachhaltig kinderlos"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachhaltig kinderlos<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prozentual zum Anteil der Gesamtbev\u00f6lkerung hat Deutschland die geringste Kinderzahl in Europa. Wir m\u00fcssen rigoros umdenken: Familien brauchen Geld, Kinder brauchen Rechte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachhaltigkeit ist das Schlagwort der Stunde. Was beim \u00f6kologischen Bewusstsein beginnt, macht vor der demografischen Entwicklung nicht halt. Das Problem beginnt jedoch bereits bei der Definition. Denn was ist nachhaltige Familienpolitik? Eine, die m\u00f6glichst viele Familien hervorruft? Dann m\u00fcssten wir definieren, was Familie im Sinne von Art. 6 GG ist \u2013 ganz schwieriges Terrain. Oder etwa eine, die Familien m\u00f6glichst lange zusammenh\u00e4lt? Die Scheidungsraten, Singlehaushalte und Alleinerziehenden sprechen eine andere Sprache. Oder doch eine, die m\u00f6glichst viele Kinder hervorruft? Dann w\u00e4ren wir jedenfalls familienpolitisch komplett gescheitert.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Angst, irgendeine Patchwork-Konstellation auszuschlie\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nirgendwo in Europa leben weniger Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren als bei uns. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes offenbarten im Sommer 2011: Deutschland ist Schlusslicht der Tabelle mit nur 16,5 Prozent. Zum Vergleich: In der T\u00fcrkei betr\u00e4gt der Anteil exorbitante 31,2 Prozent. In Frankreich sind es 22 und auch in Gro\u00dfbritannien, Norwegen oder Schweden sind es \u00fcber 20.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher ist, dass unsere Politik es schon lange aufgegeben hat, zu definieren, was Familie ist. Zu gro\u00df ist die Angst, irgendeine Patchwork-Konstellation aus dem fr\u00f6hlichen Familienhappening auszuschlie\u00dfen, also hat man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt: Es m\u00fcssen mehr Kinder her. Dumm nur, dass der R\u00fcckschluss mehr Kinderbetreuung gleich mehr Kinder bei uns nicht funktioniert. Wir bleiben trotzdem bei statistischen 1,36 Kindern pro Frau, was sich in den n\u00e4chsten Jahrzehnten noch versch\u00e4rfen wird: Denn alle heute nicht geborenen M\u00e4dchen bekommen morgen auch keine Kinder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wir f\u00f6rdern die, die es nicht brauchen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir aber sowieso nicht mehr auf die Form der Familie R\u00fccksicht nehmen, warum unterst\u00fctzen wir dann nicht wenigstens jede Familienkonstellation mit Kindern und schauen, was daraus wird? Zum Beispiel mit einem Familiensplitting, bei dem jede Person im Haushalt gleich viel z\u00e4hlt, die steuerliche Belastung von Haushalten mit Kindern sinkt und vielleicht sind dann auch mehr Kinder drin? In Frankreich funktioniert ein vergleichbares System und die Zahl der Mehrkindfamilien, die bei uns sinkt, steigt dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir sollten aufh\u00f6ren, die Familien zu f\u00f6rdern, die unsere Unterst\u00fctzung am wenigsten brauchen. Genau dies System verfolgen wir leider konsequent: Kinderkriegen lohnt sich finanziell am meisten, wenn man schon viele Jahre in einen guten Job investiert hat. Die jungen Leute in Ausbildung und mit geringem Einkommen profitieren am wenigsten vom Elterngeld, br\u00e4uchten es aber am dringendsten. Man m\u00fcsste es genau umkehren. Denn wer mit 20 anf\u00e4ngt, Kinder zu bekommen, hat Potenzial f\u00fcr mehr Nachwuchs, als das Paar, das ab 35 k\u00fcnstlich befruchtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Machtverteilung im Land w\u00fcrde sich massiv \u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht zuletzt sprechen wir ja gerne \u00fcber Familien, aber nicht mit ihnen. Unser Haushalt hat sechs Personen, aber nur zwei Wahlstimmen, mit denen wir \u00fcber die Zukunft bestimmen k\u00f6nnen, in die wir unsere vier Kinder entlassen. Dabei b\u00fcrden wir ihnen einseitig Lasten auf in einem Generationenvertrag, in dem sie nichts zu melden haben. Obwohl schon mehrfach interfraktionell und mit prominenter Besetzung im Bundestag eingebracht, hat das Wahlrecht ab Geburt, vertreten durch die Eltern, nie eine echte Chance bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Wunder, die Machtverteilung im Land w\u00fcrde sich massiv verschieben \u2013 vergleichbar mit der Einf\u00fchrung des Frauenwahlrechtes. Dabei w\u00e4re es nur fair und kostet kein Geld \u2013 aber eventuell so manchen etablierten und lieb gewonnenen Stuhl im Bundestag. Gebt den Kindern endlich eine Stimme, sie sind unsere Zukunft, oder, um es mit Gr\u00f6nemeyer zu sagen: Kinder an die Macht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Birgit Kelle, 12.01.2012<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.theeuropean.de\/birgit-kelle\/9436-familienpolitik-oder-kinderpolitik\">The European<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachhaltig kinderlos Prozentual zum Anteil der Gesamtbev\u00f6lkerung hat Deutschland die geringste Kinderzahl in Europa. Wir m\u00fcssen rigoros umdenken: Familien brauchen Geld, Kinder brauchen Rechte. Nachhaltigkeit ist das Schlagwort der Stunde. Was beim \u00f6kologischen Bewusstsein beginnt, macht vor der demografischen Entwicklung nicht halt. Das Problem beginnt jedoch bereits bei der Definition. Denn was ist nachhaltige Familienpolitik? 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