{"id":7211,"date":"2011-10-21T17:40:51","date_gmt":"2011-10-21T15:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7211"},"modified":"2011-10-21T18:04:53","modified_gmt":"2011-10-21T16:04:53","slug":"gottes-wort-die-grundlage-fur-glauben-und-handeln-der-kirche-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7211","title":{"rendered":"Gottes Wort &#8211; Die Grundlage f\u00fcr Glauben und Handeln der Kirche"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gottes Wort \u2013 Die Grundlage f\u00fcr Glauben und Handeln der Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Wie steht es mit dem \u201esola scriptura \u2013 allein die Schrift\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Blick in die Verfassung der Landeskirche kl\u00e4rt, was zumindest f\u00fcr die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gilt. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens steht als Kirche der Reformation in der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche auf dem Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments gegeben und in den drei altkirchlichen Symbolen, in der unver\u00e4nderten Augsburgischen Konfession von 1530, in der Apologie, in den Schmalkaldischen Artikeln, in den Katechismen Martin Luthers und in der Konkordienformel als den Bekenntnisschriften unser evangelisch-lutherischen Kirche bezeugt ist.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verfassung benennt die Bibel als die Grundlage f\u00fcr Glauben und Handeln der Kirche und die Bekenntnisse als das einm\u00fctige Zeugnis aus dieser Grundlage. Damit findet das reformatorische \u201esola scriptura\u201c \u2013 \u201eallein die Schrift\u201c seinen verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ausdruck. Dies ist Konsens in unserer Landeskirche und wird, soweit ich wei\u00df, von niemandem in Frage gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wird aber in der theologischen Beurteilung von Homosexualit\u00e4t ein tiefgreifender Riss in unserer Kirche deutlich. Er ist nicht durch den, mittlerweile ber\u00fchmt gewordenen, \u00a7 39 erst zu Stande gekommen, sondern er ist damit nur etwas sichtbarer geworden. Im Hinblick auf das Verst\u00e4ndnis der Hl. Schrift ist er schon seit l\u00e4ngeren vorhanden. Dar\u00fcber ist eine offene und grunds\u00e4tzliche Debatte l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. Wir befinden uns seit einigen Jahren in Fragen, die das Verst\u00e4ndnis der Hl. Schrift betreffen in einer Grundlagenkrise. Die Tragik oder auch Ironie ist nun, dass ausgerechnet das Gesetz, das zur Grundlage f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Einheit unter den Evangelischen Kirchen in Deutschland werden soll, nun gerade den rechtlichen und inneren Frieden auch in unserer Landeskirche auf das St\u00e4rkste zu belasten scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht gebraucht GOTT diese Begebenheiten aber auch, um seine Kirche zu erwecken. Die gegenw\u00e4rtigen Fragen k\u00f6nnten im besten Fall einen Hunger nach Vergewisserung und St\u00e4rkung in den Grundlagen des Glaubens hervorrufen und es k\u00f6nnte ein neues kritisches Fragen \u00fcber das Handeln Kirche in der Welt hervorbrechen. Die Kirche hat dies in jeder Generation n\u00f6tig, um ihren biblischen Auftrag erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Dabei brauchen die sich entgegenstehenden Auffassungen in der Kirche die Courage, wirklich miteinander zu reden und sich gegenseitig in Liebe zur Bu\u00dfe zu ermahnen. Vergewisserung im Glauben haben wir nicht selbst in der Hand, sondern sie ist eben selbst schon Gnade, die uns durch das Wort Gottes geschenkt ist. In Psalm 119,130 hei\u00dft es: \u201eWenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Unverst\u00e4ndigen.\u201c Denn das g\u00f6ttliche Wort unterscheidet sich eben von allen menschlichen Worten, weil es allein vom ewigen Leben lehrt (Luther).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. \u201esola scriptura\u201c als die Unterscheidung von Wortes Gottes und Menschenlehre<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Generation von Christen hatte ihre spezielle Herausforderung in der Nachfolge Christi. Und es g\u00e4be weder die Bekenntnisse noch die gro\u00dfen Lehrer der Kirche, wenn es nicht die Versuche der Verdunklung und die inneren und \u00e4u\u00dferen Angriffe auf die apostolische Lehre und das prophetische Wort im Volk Gottes gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Papst Benedikt XVI. schreibt in seinem ersten Band des Jesusbuches \u00fcber solche Angriffe: \u201eHeute wird die Bibel weithin dem Ma\u00dfstab des sogenannten modernen Weltbildes unterworfen, dessen Grunddogma es ist, dass Gott in der Geschichte gar nicht handeln kann \u2013 dass also alles, was Gott betrifft, in den Bereich des Subjektiven zu verlegen sei. Dann spricht die Bibel nicht mehr von Gott, dem lebendigen Gott, sondern dann sprechen nur noch wir selber und bestimmen, was Gott tun kann und was wir tun wollen oder sollen. Und der Antichrist sagt uns dann mit der Geb\u00e4rde hoher Wissenschaftlichkeit, dass eine Exegese, die die Bibel im Glauben an den lebendigen Gott liest und ihm selbst dabei zuh\u00f6rt, Fundamentalismus sei; nur seine Exegese, die angeblich rein wissenschaftliche, in der Gott selbst nichts sagt und nichts zu sagen hat, sei auf der H\u00f6he der Zeit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist ein zentrales Anliegen und das Geschenk der Lutherischen Reformation zum Ausdruck gebracht \u2013 sola scriptura. Es geht ja genau darum \u201eGott selbst aus der Bibel zuzuh\u00f6ren\u201c \u2013 genau das meint jenes \u201esola scriptura\u201c \u2013 \u201eallein die Schrift\u201c. Sie legt sich selbst aus. Sie ist ihr eigener Interpret und bedarf nicht unserer Theologie um verstanden zu werden. Sie bedarf nicht erst unser, sondern wir ihrer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche Diskussionen und Auseinandersetzungen kehren in der Kirche zyklisch wieder und m\u00fcssen, wie es scheint, in jeder Generation neu verhandelt und durchgefochten werden. Dazu geh\u00f6rt die Auseinandersetzung \u00fcber den Grundsatz \u201esola scriptura\u201c. Dabei ist das nicht erst eine Erfindung der lutherischen Reformation, sondern seit Gott ein Schriftsteller geworden ist, so hat der gro\u00dfe Denker Hamann \u00fcber den Urheber der Bibel gesprochen, seit sich der Hl. Geist erniedrigt hat und er ein Geschichtsschreiber der kleinsten, \u2026 der nichts bedeutenden Begebenheiten auf der Erde geworden ist, um den Menschen in seiner eigenen Sprache, in seiner eigenen Geschichte, in seinen eigenen Wegen die Rathschl\u00fcsse und Wege der Gottheit zu offenbaren\u201c, seit es also so etwas wie Heilige Schrift gibt, solange gibt es auch die Auseinandersetzung dar\u00fcber, was g\u00f6ttliche Autorit\u00e4t und Geltung beansprucht und besitzt oder was nur menschliche Lehre und Ansicht ist aber ebenfalls g\u00f6ttlichen Geltung f\u00fcr sich beanspruchen will. An dem Wort der Schrift scheiden sich, wie wir wissen, von Anbeginn die Geister, denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding, wie die Bibel selbst bezeugt (2. Thess. 3,2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Hl. Streit zieht sich durch die Geschichte des Bundes Gottes mit Israel und auch durch die Geschichte der Kirche. Es gibt eben einen Kanon Hl. Schriften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIhr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf das ihr bewahrt die Gebote des Herrn, eures Gottes, die ich euch gebiete!\u201c (Dtn. 4,2 u. a.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schrift begr\u00fcndet die Einheit im Glauben und Handeln der Kirche, weil sie die Geister scheidet und einen Riss in der Welt offenbar macht. Geschieht es nun, dass sich die institutionelle Gestalt der Kirche mehr an der Welt als am Wort orientiert, dann wird diesen Riss auch in ihrer Institution sichtbar. Dies ist auch im Neuen Testament gut bezeugt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem Mund von Jesus Christus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.\u201c (Joh. 17,22.23)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMeint ihr, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.\u201c (Lk 12,5)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem Mund des Hl. Apostel Paulus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSeid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung; EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe; EIN Gott und Vater aller, der da ist \u00fcber allen und durch alle und in allen.\u201c (Eph 4,3-6)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDenn es m\u00fcssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden.\u201c (1.Kor 11,19)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch dem Mund des Hl. Apostel Petrus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEndlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, br\u00fcderlich, barmherzig, dem\u00fctig.\u201c (1.Petr 3,8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die verderbliche Irrlehren einf\u00fchren und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat; die werden \u00fcber sich selbst herbeif\u00fchren ein schnelles Verderben. Und viele werden ihnen folgen in ihren Ausschweifungen; um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit verl\u00e4stert werden.\u201c (2.Petr 2,1)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist au\u00dferordentlich interessant zu betrachten, wie nun Luther zum \u201esola scriptura\u201c findet. Denn vom \u201esola scriptura\u201c her l\u00e4sst sich f\u00fcr die luth. Reformation ihre geistliche Autorit\u00e4t und Vollmacht begr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Exkurs: Luthers Weg zum \u201esola scriptura\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther findet durch die Leipziger Disputation mit Eck vom 27.06.-15.07.1519 zum sola scriptura (vgl. dazu Helmar Junghans \u201eLuthers Weg zum sola scriptura\u201c in Amtsblatt EVLKS 2009 Nr. 10\/B29-32 und Notger Slenczka: Die Schrift als \u201eeinige Norm und Richtschnur\u201c in Die Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift f\u00fcr Lehre und Verk\u00fcndigung der Kirche, Schriftenreihe des Lutherischen Einigungswerkes, Heft 1, S. 53-78).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damals ging es unter anderem um die These von Johannes Eck hinsichtlich der p\u00e4pstlichen Gewalt. Er behauptete unter anderem:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie allein Herrschaft und einzigartige Machtstellung in der Kirche Gottes ist durch das g\u00f6ttliche Recht und durch Christus eingesetzt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er argumentierte vor allem mit den Kirchenv\u00e4tern und deren Auslegung der Bibel in dieser Frage. Luther argumentierte mit Bibelstellen selbst und bekr\u00e4ftigte seine These: Nicht ein Mensch (Papst) sei das Haupt der irdisch sichtbaren Kirche, sondern Christus selbst. Und f\u00fcgte ein Argument aus der \u00d6kumene hinzu, n\u00e4mlich dass die griechische Kirche zu keiner Zeit den Papst als ihr Haupt anerkannt habe. Luther war nicht gegen den Papst aber er wandte sich gegen den Anspruch des Papstes, einen Primat auf Grund g\u00f6ttlichen Gesetzes zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autorit\u00e4t der Hl. Schrift als \u201eeinige Norm und Richtschnur\u201c war f\u00fcr beide kein Streitpunkt. Eklatant wurde es f\u00fcr Eck nur als Luther die Auslegung der betreffenden Bibelstellen durch Hieronymus und Bernhard von Clairvaux bestritt und sagte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs betr\u00fcbt mich, dass Herr Dr. so tief in die Hl. Schrift eindringt, wie ein Wasserl\u00e4ufer ins Wasser, ja er scheint sogar vor ihr zu fliehen, wie der Teufel vorm Kreuz. Daher ziehe ich der gesunden Ehrerbietung der V\u00e4ter die Autorit\u00e4t der Hl. Schrift vor.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther wollte nicht wegen einer geringeren Autorit\u00e4t eine h\u00f6here aufgeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDenn das Wort Gottes steht \u00fcber allen Worten der Menschen.\u201c \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther weiter:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr achte Bernhardt und verachte auch nicht seine Meinung, aber in diesem Streit m\u00fcsse der urspr\u00fcngliche und eigentliche Sinn der Hl. Schrift aufgenommen werden.\u201c \u201eEs kann kein Christgl\u00e4ubiger \u00fcber die Hl. Schrift \u2013 die das eigentliche g\u00f6ttliche Recht ist \u2013 hinaus gezwungen werden, wenn nicht eine neue und bewiesene Offenbarung hinzugekommen ist. Ja wir werden sogar durch das g\u00f6ttliche Recht daran gehindert, etwas zu glauben, was nicht durch die g\u00f6ttliche Schrift oder durch unverkennbare Offenbarung bewiesen ist.\u201c (Luther in Aufnahme eines Zitates von Augustinus)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und schlie\u00dflich erkl\u00e4rt Luther:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201edass ein Konzil gelegentlich geirrt hat und irren kann, zumal in Dingen die nicht den Glauben betreffen, und das ein Konzil keine Erm\u00e4chtigung hat, neue Glaubensartikel einzusetzen, sonst haben wir endlich so viele Artikel wie Meinungen der Menschen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weder Papst noch Konzile (oder Synoden) k\u00f6nnen das Gewissen \u00fcber die Gebote der Hl. Schrift hinaus binden und S\u00fcnden bestimmen. Das geh\u00f6rt fortan zum wieder entdeckten Grundsatz evangelischer Treue zur Hl. Schrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autorit\u00e4t der Hl. Schrift f\u00fcr Glauben und Handeln der Kirche ergibt sich (f\u00fcr Luther) nicht von einer anderen geringeren Autorit\u00e4t her. Nicht der Papst oder ein Konzil haben die Schrift in Geltung gesetzt. Sie sind damit nicht berechtigt durch eigenwillige Auslegung eines Lehramt (p\u00e4pstliches oder akademisches) oder durch Mehrheitsentscheidungen von Synoden \u00fcber Geltung oder Nichtgeltung, \u00fcber G\u00f6ttliches oder Menschliches, \u00fcber Zeitloses oder Ewiges, \u00fcber S\u00fcnde oder Nichts\u00fcnde entscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort der Hl. Schrift bedarf nicht erst unserer Auslegungskunst und Deutung, damit es verst\u00e4ndlich oder annehmbar wird, noch unserer Rechtfertigung, sondern wir bed\u00fcrfen zuerst ihrer Auslegung und Deutung und wir bed\u00fcrfen ihrer Rechtfertigung, damit wir, in Beschlag genommen von Gottes Geist, sie quasi von innen her verstehen und predigen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen der Bibel nicht erst auf die Spr\u00fcnge helfen bei den Menschen mit unseren K\u00fcnsten. Die Kunst der Predigt ist nicht, dass wir die Schrift meistern, sondern, dass sie uns meistert. Rechte Predigt legt das Wort nicht von menschlicher Warte her aus, mit dem Ziel, dass den H\u00f6rer die Ohren danach jucken, sondern sie legt Prediger und H\u00f6rer gleicherma\u00dfen vom Wort her aus und der rechte Prediger und begnadete H\u00f6rer l\u00e4sst sich durch von ihr ansprechen und treffen, auslegen und tr\u00f6sten. Das ist die Gro\u00dfmacht der evangelischen Predigt in ihrer Knechtsgestalt. Zu unserer Verbl\u00fcffung findet sie sich eben auch zu Zeiten im Mund eines Papstes. Wir erleben es Gott lob in unseren Tagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch will nicht nach menschlichen Ma\u00dfstab die Schrift, sondern nach dem Urteil der Schrift aller Menschen Schriften, Worte und Taten verstehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist es, was seinen Kontrahenten Dr. Eck in Leipzig bei der Disputation so aufregt. Er schreibt entsetzt \u00fcber Luther an den Kurf\u00fcrsten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr (Luther) leugnet und bestreitet \u00fcber einen Gegenstand die Meinung und Auslegung der heiligen V\u00e4ter, des Augustin, des Hieronymus, Gregors, Leos, Cyprians, des Chrysostomos und des Bernhard. Das klingt nicht gut unter Christen, dass einer sich anma\u00dft, rein aus eigenem Verstand den Sinn der Heiligen Schrift besser zu kennen als die heiligen V\u00e4ter miteinander.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun Luther legte die Schrift eben gerade nicht nach eigenem Verstand aus \u2013 da hat ihn Eck (absichtlich) missverstanden, sondern er bringt zum Ausdruck, dass die Schrift selbst eine Stimme hat und selbst zu Wort kommen kann sogar gegen ihre Ausleger. Wir erblicken das Licht der Schrift nicht durch das Licht der Ausleger und ihre Kunst oder in dem vermeintlichen Licht unseres Verstandes, sondern wie der Ps. 36,10 formuliert: \u201eIn deinem (Gottes) Licht sehen wir das Licht!\u201c Dieses Licht und Feuer des Hl. Geistes haben die Evangelischen nat\u00fcrlich nicht gepachtet. Christus das Licht hat sich aber der Kirche in ihrer Geschichte immer wieder erschlossen und Irrtum \u00fcberwunden durch die Treue zur Hl. Schrift. Oft mit dem Preis des Leidens bis hin zum Martyrium. Gott ist Licht, Jesus Christus ist das Licht, das Wort Gottes ist das Licht und die Kirche ist das Licht. Unsere Vernunft ist biblisch anders zu beschreiben. Es geht letztlich darum auch um die Geltung des 1. Gebots bei der Auslegung der Hl. Schrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. \u201esola scriptura\u201c \u2013 das Reden der Schrift als Reden Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Text der Bibel enth\u00e4lt eben nicht nur Information \u00fcber Gott und den Menschen, sondern die Bibel ist das Medium (vgl. Slenczka ebd.) durch das Gott spricht und wirkt. Sie erweist sich selbst als solches und legt sich selbst und die Menschen aus. Der Hl. Geist hat eben nicht nur die Apostel, Propheten und deren H\u00f6rer im Blick, sondern er hat auch den jeweiligen Leser und H\u00f6rer in seiner Zeit im Blick behalten. Die Aktualit\u00e4t der Bibel ist eins ihrer gro\u00dfartigen Geheimnisse. Aus ihr empf\u00e4ngt der Mensch den Glauben als eine Gabe Gottes. Dieser versetzt den Menschen in die Lage, die ganze Schrift zu verstehen und das menschliche Trachten und Handeln in der Welt zu beurteilen. Damit kann der Mensch eine Unterscheidung treffen und ist nicht alternativlos festgelegt, dem wechselnden menschlichen Trachten und Handeln zu folgen, sondern Christus hin zum ewigen Leben. Darum kann der \u201egeistliche Mensch alle Dinge beurteilen und wird doch selbst von niemanden beurteilt. \u201c (wie Paulus formuliert in 1. Kor. 2,15) Das aber bringt ihn in permanente Anfechtung und stellt ihn in einen geistlichen Kampf, dem er nicht entgeht und dem er nicht ausweichen kann. Dieser Kampf macht aber auch die weltweite Einheit des Leibes Jesu sichtbar und den Ausleger zur richtigen \u201eTheologen und Doktor der Hl. Schrift\u201c (Luther).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einheit kann nicht juristisch herbeigef\u00fchrt oder gesichert werden. Sie kann auch nicht theologisch herbei diskutiert werden. Sie ist ja in Christus l\u00e4ngst gegeben und kann im Kreuz, dass der Gemeinde Jesu in der Welt auferlegt ist, auch erblickt und letztlich an deren Treue zur Hl. Schrift auch entdeckt und erfahren werden. Wir m\u00fcssen uns \u00fcber die aufziehende Verdunklung im Zeugnis der Christenheit nicht wundern. Sie ist nichts Neues. Es gab immer schon Zeiten, in denen das Wort Gottes schwer zu ertragen gewesen ist und Zeiten in denen es nicht geliebt, ja sogar verkannt oder verf\u00e4lscht wird. Doch der Sieg geh\u00f6rt Gott gegen allen momentanen Augenschein. Und es muss geschehen, damit sich das Wort Gottes erf\u00fcllt. Verbum domini manet in aeternum! Das Wort Gottes bleibt ewiglich! Daraus ergeben sich f\u00fcr das Kirchenrecht und f\u00fcr unser gegenw\u00e4rtiges Handeln wichtige Schlussfolgerungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. \u201esola scriptura\u201c und Kirchenrecht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche bedarf nicht Satzungen und Ordnungen, die der Hl. Schrift widersprechen und damit die Kirche bei der Erf\u00fcllung ihres Auftrags im Weg stehen. Die Einheit der Kirche besteht eben nicht in ihrem Recht, dass sie sich gibt, sondern in Christus, dem sie nachfolgt und dessen Stimme sie aus der Schrift h\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther hat bekanntlich das kanonische Recht in Wittenberg samt Bannandrohungsbulle verbrannt und sp\u00e4ter erneut betont. Er w\u00fcrde es wieder tun. Er lehnte damit aber weder das Kirchenrecht als solches oder eine rechtliche Ordnung der Kirche in der Welt ab, sondern nur den Anspruch und die Anma\u00dfung, dass das kirchliche Recht selbst g\u00f6ttliche Autorit\u00e4t habe und in einem solchem Zusammenhang etwa alles dem Urteil Roms unterworfen sei. Niemals kann sich das Recht der Kirche \u00fcber die Schrift selbst erheben und bestimmen, was zu glauben ist oder was S\u00fcnde ist und was nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil die Kirche in der Welt aber nicht ohne eine institutionelle Gestalt sein kann, bedarf sie der Ordnung und entwickelt ein eigenes kirchliches Recht als strukturellen Rahmen f\u00fcr ihren Auftrag. Sie entfaltet es als ein Recht nach innen (Kirchenrecht im eigentlichen Sinn) und als ein Recht nach au\u00dfen (Staatskirchenrecht). Das kirchliche Recht, auch und besonders in evangelischer Verantwortung, ist aber anders als das weltliche Recht und die weltliche Obrigkeit an die Willensbekundung GOTTES in der Hl. Schrift gebunden und kann selbst keine eigene Rechtsnorm neben der Hl. Schrift entwickeln, um nicht in Widerspruch mit sich selbst zu geraten. Kommt es nach au\u00dfen oder nach innen zum Streit der Normen, dann bleibt der Kirche nur der Weg des leidenden Bezeugens. Denn jedes kirchliche Recht ist auf die Zustimmung und Akzeptanz angewiesen. Es gibt keine kirchliche Polizei, die dessen Umsetzung \u00fcberwacht. Das kirchliche Recht hat Kraft aus der Hl. Schrift oder es ist kraftlos und fruchtlos. Im schlimmsten Fall l\u00e4sst es sich vor den Karren des Antichrists spannen und wird zum Instrument der Spaltung der Kirche (status confessionis), daf\u00fcr sollte sich kein Kirchenjurist benutzen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. \u201esola scriptura\u201c und unsere gegenw\u00e4rtige evangelische Verantwortung als Getaufte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist der Weg f\u00fcr uns heute? Sollten wir r\u00f6misch-katholisch werden? Eine nicht unbeachtliche Zahl von Evangelischen tritt \u00fcber. In England betrifft es ganze Gemeinden. In der Tat sind die klaren bibelorientierten \u00c4u\u00dferungen des Hl. Stuhles zu Fragen der Ethik (zu den Themen Schwangerschaftsabbruch, PID, Homosexualit\u00e4t u. a.) profilierter, darum steht es uns als Evangelischen gut an, sie zu lesen und zu kennen. Viele Enzykliken aus der j\u00fcngsten Vergangenheit, die man zun\u00e4chst \u00e4u\u00dferst ver\u00e4chtlich gemacht und bek\u00e4mpft hat, haben sich im Nachhinein als weitsichtig und richtig erwiesen. Die Treue zum Wort Gottes hat der r\u00f6mischen Kirche bisher jedenfalls weltweit gesehen keinen Schaden gebracht. Wer braucht und wem n\u00fctzt ein liberaler Protestantismus der mit einer windelweichen Trivialmoral den gesellschaftlichen Trends hinterher hinkt? Welche L\u00fccke hinterlie\u00dfe er? Es liegt eine gewisse Versuchung darin, sich dem Bischof von Rom zu unterwerfen und damit dem ethischen und theologischen Kuddelmuddel in der evangelischen (deutschen) Welt zu entfliehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach r\u00f6m.-kath. Verst\u00e4ndnis gilt neben der Bibel als Norm eben noch das Lehramt des Papstes. Wenn der Papst ex cathetra redet, dann redet er so als die unfehlbare Stimme Christi selbst. Die r\u00f6m.-kath. Kirche ist nach ihrem eigenen Selbstverst\u00e4ndnis die einzig richtige Kirche und diese ist (nach 1. Tim. 3,15) eine S\u00e4ule der Wahrheit in der Welt ist und damit kann sie auch in ihrem lehrhaften Sprechen die Wahrheit f\u00fcr sich in Anspruch nehmen. Hinzu kommt noch die Autorit\u00e4t der Tradition der Kirche in der Auslegung der Hl. Schrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie schwach und schwammig wirken angesichts solcher Autorit\u00e4ten die demokratisch-synodal verfassten evangelischen Landeskirchen, deren Struktur die Gleichschaltung der Kirche mit dem System des Nationalsozialismus nicht aufhalten konnte. Den Deutschen Christen gelang es leicht, sich in Kirchenparlamenten Mehrheiten zu verschaffen. Aber es kam auch zur Bildung einer bekennenden Kirche und zur Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist also diese offensichtliche Schw\u00e4che der Evangelischen nicht zugleich auch ihre St\u00e4rke?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben nichts als das Wort der Hl. Schrift in der Hand, um dem B\u00f6sen zu widerstehen. Doch das ist ja eben mehr als ein Lehramt und gesamte Tradition der Kirche, wenn wir dem lebendigen Gott aus der Hl. Schrift zuh\u00f6ren, wie uns der Papst empfiehlt, dann gen\u00fcgt dies um die Kirche zu begr\u00fcnden (CA VII)!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Getaufte zu leben bedeutet, zu jeder Zeit die Vollmacht auszu\u00fcben, die in der Hl. Taufe geschenkt ist. Damit ist die Verantwortung und Berufung verbunden, die zu unserem Leben als Getaufte geh\u00f6rt. Diese Berufung teilen wir jedoch mit allen J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern des Herrn. Dieser Berufung steht oft eine speziell evangelische Versuchung im Weg n\u00e4mlich der, f\u00fcr sich selbst Papst sein zu wollen mit der Auffassung, die Korrektur und Ermahnung der Mitbr\u00fcder nicht n\u00f6tig zu haben. Wir brauchen von Zeit zu Zeit eine Bekehrung hin zur Kirche, als den Leib Christi ebenso wie eine Bekehrung hin zum Wort Gottes. Darin liegt unsere evangelische Berufung und Vollmacht auch in diesen Tagen. Die Gemeinde hat die Vollmacht, Lehre zu beurteilen und die Pfarrer (und Bisch\u00f6fe) zu w\u00e4hlen bzw. auch eben nicht zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirchgemeindeordnung in Sachsen gibt den jeweiligen Kirchenvorst\u00e4nden und Kirchgemeinden dazu \u00fcbrigens eine Menge Entscheidungsgewalt. Wer soll denn einer Kirchgemeinde einen Pfarrer oder eine Pfarrerin aufdr\u00e4ngen k\u00f6nnen? Wer hindert sie daran die Kirchvorsteher oder Synodalen aufzustellen oder abzuw\u00e4hlen, die sie f\u00fcr nicht vertrauensw\u00fcrdig halten? Doch Hand aufs Herz! Scheuen wir uns nicht auch oft vor solcher Verantwortung. Haben sich nicht die Frommen lange Zeit aus der synodalen Arbeit zur\u00fcckgehalten und sich mit nur wenig Begeisterung eingebracht, weil sie dachten es wird schon irgendwie? Oder weil sie meinten, Kirchenpolitik sei ein \u201eweltliches Gesch\u00e4ft\u201c? Wie viele lebendige und aktive Kirchgemeinden bringen Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr auf, dass sie ihre besten Leute freizustellen und freizuspielen, damit sie einen Gro\u00dfteil ihrer Kraft und Zeit einmal eben nicht in der Gemeinde, sondern in der weiten Ebene der Kirchenpolitik einbringen? Wie intensiv wissen wir um die Termine der Synoden und kennen wir die Entscheidungstr\u00e4ger? Welche Gebetskreise wissen um das was ansteht? Wie viele wissen, wie unsere Landeskirche rechtlich geordnet ist? Wir sehen und merken hoffentlich, dass die Irrungen und Wirrungen in unseren Tagen, auch ein Signal f\u00fcr uns zur Umkehr und Neuorientierung am Wort Gottes sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer Falk Klemm, Referat beim\u00a0Glaubens- und Besinnungstag am 24.09.2011 in Frankenberg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottes Wort \u2013 Die Grundlage f\u00fcr Glauben und Handeln der Kirche 1. Wie steht es mit dem \u201esola scriptura \u2013 allein die Schrift\u201c? Ein Blick in die Verfassung der Landeskirche kl\u00e4rt, was zumindest f\u00fcr die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gilt. 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