{"id":7039,"date":"2011-09-16T14:53:19","date_gmt":"2011-09-16T12:53:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7039"},"modified":"2011-09-18T21:59:20","modified_gmt":"2011-09-18T19:59:20","slug":"ehe-die-ikone-gottes-in-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=7039","title":{"rendered":"Ehe &#8211; Die Ikone Gottes in der Welt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ehe &#8211; Die Ikone Gottes in der Welt<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Erst im Angesicht des anderen erkennen wir uns. &#8211; \u00dcber Mann und Frau, Menschsein und die Friedenschance der Ehe. Ein biblisch-anthropologischer Versuch.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen nicht mehr, wer oder was der Mensch ist. Menschenbilder gibt es heute viele. Die Wissenschaft kann uns keine Orientierung geben, sie setzt Orientierung voraus. Doch wo k\u00f6nnen wir noch Orientierung finden? Vielleicht kann es helfen, entlang der biblischen Sch\u00f6pfungsgeschichten vom Menschen (Genesis 1 und 2) auf Spurensuche zu gehen mit der Frage, was die Bibel \u00fcber den Menschen sagt, insbesondere \u00fcber den Menschen in seiner Geschlechtlichkeit, also \u00fcber den Menschen, so wie er konkret vorkommt: als Mann und als Frau.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Psalm 8 hei\u00dft es: \u201eWas ist der Mensch, da\u00df du seiner gedenkst und des Menschen Kind, da\u00df du dich seiner annimmst?\u201c In der Bibel ist der Mensch kein Individuum, autonom oder in sich selbst ruhend. Der Mensch ist vielmehr ein Bed\u00fcrftiger, ein Beziehungs-Bed\u00fcrftiger. Er und sie bed\u00fcrfen &#8211; zeitlebens -, da\u00df man ihrer gedenkt und sich ihrer liebend annimmt. Es gibt kein Menschsein ohne Gemeinschaft. In der Bibel meint das immer auch die Gemeinschaft der Generationen und die Gemeinschaft der Geschlechter, die Gemeinschaft von Mann und Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Sch\u00f6pfungsgeschichte des Menschen in Genesis 1,1-2,4<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Kapitel der Bibel ist sprachlich in gro\u00dfer Klarheit strukturiert und geordnet, vergleichbar mit einem Lied, dessen Strophen aufeinander aufbauen &#8211; und weist schon rein sprachlich auf eine kosmische Ordnung hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 6. Tage erschafft Gott die gro\u00dfen Tiere und den Menschen. Obwohl Gott an diesem Tage beide erschafft, weist die Sch\u00f6pfungsgeschichte des Menschen Besonderheiten gegen\u00fcber der Erschaffung der Tiere auf, die auf eine einmalige Stellung des Menschen in der Welt hinweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Genesis 1 wird allein der Mensch geschaffen ohne irgendeinen Hinweis auf einen nat\u00fcrlichen Kontext oder Materie. Bei den Tieren sind es die Wasser, die von Fischen wimmeln, die Tiere des Feldes kommen vor, die Erde, die Feste des Himmels, das Meer &#8211; lauter Hinweise auf einen nat\u00fcrlichen Kontext. Beim Menschen fehlt das v\u00f6llig. Er besitzt eine einzigartige Entbundenheit vom Biotop, von seinem Lebensraum, die die sogenannten freien und wilden Tiere so nicht haben. Nur der Mensch kann sowohl am \u00c4quator wie in Alaska leben.<sup>1<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die h\u00e4ufig wiederholte Einteilung bei den Tieren, \u201ejedes nach seiner Art\u201c (sowohl in Genesis 1 wie auch in 2), kommt beim Bericht von der Erschaffung des Menschen nicht vor. Es gibt nur den einen Menschen. Das ist eine Absage an jegliche Form des Rassismus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nur f\u00fcr den Menschen, nicht f\u00fcr irgendeines der Tiere, wird ausdr\u00fccklich die Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit angegeben als \u201em\u00e4nnlich und weiblich\u201c. Dieser besondere Hinweis auf die Geschlechtlichkeit des Menschen als Mann und Frau (V 27), hat vom Textzusammenhang her nichts zu tun mit der Fortpflanzung (auch die Tiere pflanzen sich fort), sondern mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Die Fortpflanzung kommt erst sp\u00e4ter, in Vers 28, durch einen besonderen Segen Gottes hinzu. Unsere Geschlechtlichkeit ist selbstwerthaft und hat zu tun mit dem Bild Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sprache schafft Beziehung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eigentliche Sch\u00f6pfungsgeschichte des Menschen<sup>2<\/sup> k\u00f6nnen wir in drei Abschnitte gliedern: direkte Rede (1, 26); Bericht (1, 27); direkte Rede (1, 28-30).<sup>3<\/sup> Man k\u00f6nnte von einem Rahmen sprechen und vom Bericht als dem Herzst\u00fcck, f\u00fcr das der Rahmen aber wichtig ist. Zun\u00e4chst schl\u00e4gt Gott die Erschaffung des Menschen vor; dann erschafft er sie, m\u00e4nnlich und weiblich; und dann segnet Gott sie, spricht sie an und gibt ihnen ihren Auftrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders als bei der Erschaffung der Tierwelt beginnt die Sch\u00f6pfung des Menschen mit einem Selbstgespr\u00e4ch Gottes: \u201eLasset uns (den) Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei\u201c (V 26). Sie beginnt mit Sprache, Kommunikation, mit Beziehung innerhalb Gottes. Gott redet von sich in der Mehrzahl und spricht mit sich selbst. Die Sprachf\u00e4higkeit ist neben der Geschichtsf\u00e4higkeit ein herausragendes Merkmal, das den Menschen vom Tier unterscheidet. \u201eDer Mensch ist nur Mensch durch die Sprache\u201c hat Wilhelm von Humboldt, Zeitgenosse Goethes, einmal gesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Legende berichtet, der Stauferkaiser Friedrich II. (1215-1250) habe zw\u00f6lf Edelkinder ihren Eltern entrissen und versucht, sie in einem Waisenheim aufzuziehen.<sup>4<\/sup> Sie h\u00e4tten alle erdenkbare Pflege erhalten, aber niemand durfte zu ihnen sprechen. Auf diese Weise habe der Staufer die Ursprache des Menschengeschlechts herausfinden wollen. Doch alle Kinder starben. Die Ursprache des Menschengeschlechts ist, so sagt der j\u00fcdische Philosoph Martin Buber, das Grundwort \u201eIch und Du\u201c, oder genauer, \u201eDu und Ich\u201c, denn wir m\u00fcssen zuerst angesprochen werden, bevor wir lernen k\u00f6nnen, \u201eich\u201c zu sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie nichts anderes vermittelt Sprache Beziehung, ja schafft Beziehung. Am Ende der Sch\u00f6pfungsgeschichte des Menschen &#8211; auf der anderen Seite des Rahmens sozusagen &#8211; spricht Gott von sich in der Einzahl. Er redet den Menschen direkt an: \u201eSehet da, ich habe euch gegeben&#8230;\u201c (V 29). Nur bei der Erschaffung des Menschen, nicht bei der Erschaffung der Tiere, redet Gott von sich in der ersten Person. Gott schafft Beziehung zum Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hier wird kein androgyner Ur-Mensch beschrieben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Achten wir noch genauer auf den mittleren Teil des Textes (V 27):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild,<br \/>\nnach dem Bild Gottes schuf er ihn;<br \/>\nals Mann und Frau schuf er sie.<sup>5<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dreizeiler ist wie ein Gedicht aufgebaut. Gedicht bedeutet nicht, da\u00df man sich etwas zurechtdichtet, sondern da\u00df in verdichteter Form etwas gesagt wird, was in anderer Form gar nicht so vollendet auszudr\u00fccken w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sprachstruktur des Dreizeilers folgt dem sogenannten \u201eParallelismus\u201c, den wir auch aus den Psalmen kennen. Er bedeutet, da\u00df bestimmte Satzglieder, die parallel zueinander stehen &#8211; entweder direkt oder gespiegelt &#8211; dieselbe Bedeutung haben, dasselbe aussagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Und Gott schuf den Menschen) (A)<br \/>\n(nach seinem Bild) (B)<br \/>\n(nach dem Bild Gottes) (B)<br \/>\n(schuf er ihn) (A)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier besteht ein gespiegelter Parallelismus, eine kreuzartige Stellung der Satzglieder: A B \/ B A. Diese Sprachform ist nicht zuf\u00e4llig, sie bewirkt eine besondere Betonung dessen, was im Zentrum steht: nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes. Umschlossen und eingerahmt ist das Zentrum vom sch\u00f6pferischen Handeln Gottes: \u201eUnd Gott schuf den Menschen\u201c, steht am Anfang; \u201eschuf er ihn\u201c, steht am Ende. Das bedeutet: Der Mensch ist nicht aus sich selbst heraus zu verstehen, sondern von dem her, der nicht Mensch ist, von Gott her. Und: der Mensch ist geschaffen zum Bild Gottes und soll in der sichtbaren Wirklichkeit etwas widerspiegeln von diesem Bild. Doch wer ist nun \u201eder Mensch\u201c?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(nach dem Bild Gottes)(schuf er ihn) (A)(B)<br \/>\n(als Mann und Frau)(schuf er sie)\u00a0(A)(B)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier besteht kein kreuzartiger, sondern ein direkter Parallelismus: Das, was untereinander steht, entspricht inhaltlich einander: A B \/ A B. Erst jetzt wird klar, wer \u201eder Mensch\u201c ist. Erst in der letzten Zeile erfahren wir seine Konkretion, seine Veranschaulichung: \u201eals Mann und Frau\u201c. Dabei werden hier nicht die sonst \u00fcblichen hebr\u00e4ischen W\u00f6rter f\u00fcr Mann und Frau gebraucht (ish und isha), sondern w\u00f6rtlich hei\u00dft es: \u201em\u00e4nnlich und weiblich\u201c bzw. \u201eein m\u00e4nnliches und ein weibliches Gesch\u00f6pf\u201c (hebr\u00e4isch: sachar und kebah).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(nach dem Bilde Gottes) (schuf er ihn)<br \/>\n(als Mann und Frau) (schuf er sie)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Parallelismus und die Wiederholung werden kleine Ver\u00e4nderungen besonders betont. Hier ist es der Wechsel von Einzahl zu Mehrzahl bei sonst unver\u00e4ndertem Wortlaut. Gerade dieser Wechsel von Einzahl und Mehrzahl l\u00e4\u00dft eine Vorstellung von einem urspr\u00fcnglich zwittrigen Urmenschen nicht zu. Der Wechsel innerhalb der Gleichheit zeigt, da\u00df \u201eder Mensch\u201c (ha-adam) von Anfang an zwei Gesch\u00f6pfe sind. \u201eHa-adam\u201c ist keine m\u00e4nnlich-weibliche Einheit, die sp\u00e4ter getrennt worden w\u00e4re. Von Anfang an ist das Wort \u201eder Mensch\u201c synonym mit \u201eein m\u00e4nnliches und ein weibliches Gesch\u00f6pf\u201c. Auf diese wechselvolle Spannung, die gleichzeitig einmalige Einheit ist, wird der Leser schon durch den vorausgehenden Vers 26 vorbereitet. Da hei\u00dft es: \u201eLasset uns (den) Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei. Sie sollen herrschen&#8230;\u201c. Die Verbform \u201eSie sollen herrschen\u201c ist Mehrzahl, bezieht sich aber auf \u201eden Menschen\u201c, der im Hebr\u00e4ischen eindeutig in der Einzahl steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In au\u00dferbiblischen Mythen ist in vielen F\u00e4llen nur der Mann nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, die Frau z. B. als Ebenbild der Erde geschaffen. Die Bibel l\u00e4\u00dft aber keinen Zweifel: Jeder Einzelne, Frau oder Mann, ist nach Gottes Ebenbild geschaffen. Und gleichzeitig gilt: Nur m\u00e4nnlich und weiblich gemeinsam ist der ganze Mensch nach Gottes Ebenbild. Logisch l\u00e4\u00dft sich das nicht aufl\u00f6sen. Es ist wie bei den zwei Seiten einer M\u00fcnze. Auf der einen Seite ist jeder Einzelne Tr\u00e4ger des Ebenbildes. Auf der anderen Seite sind nur Mann und Frau gemeinsam der ganze Mensch nach Gottes Ebenbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00dcbergang in Genesis 1,27 von der Einzahl zur Mehrzahl betont und verst\u00e4rkt einerseits die Unterscheidung der Geschlechter innerhalb der Einheit und andererseits die Einheit bei aller Unterscheidung. Mann und Frau sind dabei einander weder entgegengesetzt noch gleich, sondern aufeinander abgestimmt. Der Parallelismus zwischen \u201eder Mensch\u201c und \u201em\u00e4nnlich und weiblich\u201c weist darauf hin, da\u00df die geschlechtliche Unterscheidung nicht Hierarchie, sondern Gleichwertigkeit beinhaltet. Keiner von beiden ist der bessere Mensch. Aber auch: Keiner allein ist schon das Ganze. Keiner hat Macht \u00fcber den anderen. An beide &#8211; ohne Unterscheidung &#8211; richtet Gott den Auftrag, zu herrschen \u00fcber die Erde (V 28). Da\u00df damit keine Gewaltherrschaft gemeint ist, sondern das H\u00fcten und Hegen des Gartens, zeigt Genesis 2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur in Genesis 1, 26 und 1, 27 finden wir diesen spannungsvollen Wechsel von Einzahl und Mehrzahl. Auch in Genesis 2, 24-25<sup>6<\/sup> und in Genesis 5, 1b-2<sup>7<\/sup> kommt das vor. Genesis 2, 24 z. B. endet mit \u201eund sie werden sein ein Fleisch\u201c &#8211; und Vers 25 beginnt mit: \u201eUnd sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib\u201c.<sup>8<\/sup> Zwar sind sie \u201eein Fleisch\u201c, doch gleich danach kommt nicht nur das Wort \u201ebeide\u201c, sondern das wird noch verst\u00e4rkt durch die Wiederholung: \u201eder Mensch und sein Weib\u201c &#8211; so als w\u00fc\u00dfte man noch nicht, wer gemeint ist, als wolle der Autor der biblischen Geschichte noch einmal betonen: Die urspr\u00fcngliche Einheit ist die urspr\u00fcngliche Unterscheidung. Weder l\u00f6st die Einheit die Vielfalt auf, noch zerst\u00f6rt die Vielfalt die Einheit. Der katholische Theologe und Denker Hans Urs von Balthasar hat das einmal so ausgedr\u00fcckt: \u201eDer Mensch ist, in der vollendeten Sch\u00f6pfung duale Einheit, zwei verschiedene, aber voneinander untrennbare Realit\u00e4ten, deren eine die F\u00fclle der anderen ist, beide auf eine unabsehbare endg\u00fcltige Einheit hingeordnet; doppelt, ohne die Einheit durch zwei zu multiplizieren, einfach zwei Pole einer einzigen Wirklichkeit, zwei unterschiedliche Vergegenw\u00e4rtigungen eines einzigen Seins, zwei entia in einem einzigen esse, eine Existenz in zwei Leben, keineswegs aber zwei Bruchst\u00fccke einer Ganzheit, die man nachtr\u00e4glich (&#8230;) wieder zusammensetzen m\u00fc\u00dfte.\u201c<sup>9<\/sup> Der Mensch, geschaffen nach dem Bild Gottes, spiegelt die Einheit und Vielfalt wider, die auch in Gott gilt, angedeutet durch das Reden Gottes von sich einmal in der Mehrzahl (V 26) und einmal in der Einzahl (V 29).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Griechische Mythologie und biblischer Glaube<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorstellung von einem urspr\u00fcnglich zwittrigen, androgynen<sup>10<\/sup> Menschen ist heute sehr modern. Daraus leitet sich auch die Fehldeutung ab, jeder Mensch sei bisexuell. Beides hat seinen Ursprung in der griechischen Mythologie, nicht im biblischen Menschenbild. Von dem Philosophen Platon (geb. 427 v. Chr.) ist uns \u00fcberliefert: Am Anfang gab es Urmenschen, die Mann-Frau-Gestalten waren. In ihnen war das m\u00e4nnliche und das weibliche Geschlecht zugleich enthalten. Sie waren m\u00e4chtige Kugelgestalten und wurden zu Konkurrenten ihrer G\u00f6tter, ja k\u00e4mpften mit den G\u00f6ttern. F\u00fcr diese \u00dcberheblichkeit wurden sie bestraft, indem sie in zwei Teile geteilt und damit geschw\u00e4cht wurden. Seit dieser Zeit suchen die auseinandergeschnittenen H\u00e4lften einander wieder. Danach w\u00e4re unsere Geschlechtlichkeit die Folge einer g\u00f6ttlichen Strafe. Und die Vorstellung von \u201eGanzheit\u201c, die dahinter steht, w\u00e4re eine symbiotische, spannungslose Ganzheit: jede Spannung ist aufgehoben, wenn die beiden \u201eH\u00e4lften\u201c einander endlich wieder gefunden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel sieht das anders. In wunderbarer Klarheit sagt sie, da\u00df der Mensch als Frau und Mann geschaffen wurde und da\u00df unsere Geschlechtlichkeit zur G\u00fcte der Sch\u00f6pfung z\u00e4hlt. Ja, unsere geschlechtliche Verschiedenheit steht in Beziehung zum Bilde Gottes. Von Anfang an ist \u201eder Mensch\u201c synonym mit \u201em\u00e4nnliches und weibliches Gesch\u00f6pf\u201c. Die daraus sich ergebende einmalige Verwiesenheit des M\u00e4nnlichen auf das Weibliche und des Weiblichen auf das M\u00e4nnliche hat Konsequenzen f\u00fcr die menschliche Gestaltung der Welt, f\u00fcr die Beziehungen der Geschlechter und f\u00fcr unsere Sozialethik &#8211; nicht zuletzt im Blick auf sogenannte alternative Lebensformen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Gottebenbildlichkeit des Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAls grundlegendste Art und Weise zu verstehen, was der Mensch in seiner ganzen F\u00fclle ist, wird der Ausdruck \u201am\u00e4nnlich und weiblich\u2019 zu einer Metapher, deren Inhalt das Bild Gottes ist.\u201c<sup>11 <\/sup>Um zu verstehen, was der ganze Mensch nach Gottes Ebenbild ist, wird uns kein anderes \u201eAnschauungsmaterial\u201c gegeben als eben dieses: m\u00e4nnlich und weiblich. Die geschlechtliche Unterscheidung ist zwar keine Beschreibung Gottes, die bildhafte Sprache der Sch\u00f6pfungsgeschichte bewahrt gerade mit \u00e4u\u00dferster Sorgfalt das g\u00e4nzliche Anderssein Gottes. Und doch besteht eine Beziehung zwischen \u201eGott\u201c, \u201enach dem Bild Gottes\u201c und \u201em\u00e4nnlich und weiblich\u201c. Gott gibt uns in der menschlichen Wirklichkeit \u201eAnschauungsmaterial\u201c, das in einmaliger Weise auf ihn hinweist. Dieses \u201eAnschauungsmaterial\u201c hat mit unserer Geschlechtlichkeit zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die amerikanische Theologin Phyllis Trible vergleicht den Ausdruck \u201enach dem Bild Gottes\u201c mit einem Bildsender und den Ausdruck \u201em\u00e4nnliches und weibliches Gesch\u00f6pf\u201c mit einem Bildempf\u00e4nger.<sup>12<\/sup> Der Bildempf\u00e4nger ist dabei das sichtbare, anschauliche, bekannte Element, der Bildsender das unanschauliche Element. Wir brauchen oft das Anschauliche, um einen Zugang zum Unanschaulichen zu finden. Geht es uns nicht oft so: wenn wir von einem sichtbaren Menschen geliebt werden, f\u00e4llt es uns leichter zu glauben, da\u00df auch der unsichtbare Gott uns liebt. Wir brauchen das Sichtbare, um dem Unsichtbaren leichter vertrauen zu k\u00f6nnen. In Tanja Jeschkes Kinderbuch &#8222;Mario fragt nach Gott&#8220; hei\u00dft es: \u201eGott ist die Liebe im Ku\u00df unserer Mutter und in der warmherzigen, festen Umarmung unseres Vaters\u201c. Wie viele von uns haben ihr negatives Vaterbild auf Gott \u00fcbertragen! Beim Propheten Hosea wird die eheliche Liebe zwischen Mann und Frau zu einem sichtbaren Bild f\u00fcr die (unsichtbare) unersch\u00fctterliche Treue Gottes zum Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn in unserer Welt nicht mehr sichtbar wird, da\u00df nur Mann und Frau gemeinsam den ganzen Menschen nach dem Bild Gottes darstellen, wenn uns das anschauliche Element verlorengeht, weil wir die Einzigartigkeit der Zugeh\u00f6rigkeit von m\u00e4nnlich und weiblich leugnen, zum Beispiel indem wir andere sexuelle Lebensformen der <a title=\"Ehe und Familie\" href=\"http:\/\/www.dijg.de\/ehe-familie\/\">Ehe<\/a> \u00e4hnlichstellen, &#8211; wie soll da die n\u00e4chste Generation noch das Urbild des Ebenbildes &#8211; Gott &#8211; finden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier liegt der tiefste Grund, warum im Alten Testament und dann auch im Neuen Testament <a title=\"Homosexualit\u00e4t\" href=\"http:\/\/www.dijg.de\/homosexualitaet\/\">homosexuelles Verhalten<\/a> so eindeutig abgelehnt wird: Homosexuelle Verhaltensweisen lassen das \u201eAbbild vom Urbild\u201c so unscharf werden, da\u00df man es nicht mehr erkennen kann. Nun mag jemand einwenden, die Ehe ginge doch nicht verloren, wenn ein Teil der Menschheit in anderen sexuellen Lebensformen lebt. Aber die Eindeutigkeit der Ehe geht verloren! Wenn wir die Ehe beliebig werden lassen, indem wir ihr andere sexuelle Lebensformen \u00e4hnlichstellen, verdunkeln wir das Bild Gottes auf Erden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Menschsein hei\u00dft, auf einen anderen hingeordnet sein<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur der Mensch besitzt die eigent\u00fcmliche F\u00e4higkeit, st\u00e4ndig \u00fcber sich selbst hinauswachsen zu wollen, hin\u00fcberzureichen zu dem, was er nicht ist, sich zu transzendieren. Nach der Bibel sind Sich-transzendieren-m\u00fcssen, Hingeordnetsein auf einen anderen, auf das, was man nicht ist, und Menschsein eines.<sup>13 <\/sup>Geschaffen \u201enach dem Bild Gottes\u201c weist der Mensch \u00fcber sich selbst hinaus. Dasselbe Wort, das in Vers 27 f\u00fcr Bild, Ebenbild gebraucht wird, findet sich in au\u00dferbiblischen Texten als Wort f\u00fcr G\u00f6tterstatue, G\u00f6tzenbild. In sumerischen und babylonischen Texten finden wir es als Bezeichnung f\u00fcr die kultischen Abbilder der heidnischen G\u00f6tter. Eine solche Kultstatue fand sich z. B. im sumerischen Tempel und die Vorstellung war, da\u00df der heidnische Gott in dieser Statue \u201ewohne\u201c, die Statue mit seiner Gegenwart aufgeladen sei.<sup>14<\/sup> Im gesamten mesopotamischen Raum war der Begriff \u201esalmu\u201c f\u00fcr Bild, G\u00f6tterbild, Ebenbild gebr\u00e4uchlich und bezeichnete eben die G\u00f6tterstatue, die man sich als mit der Kraft und dem Wesen der Gottheit aufgeladen vorstellte. Normalerweise stand diese Statue in den heidnischen Tempeln in einem unzug\u00e4ngliche Innenraum und war nur aus der Ferne als etwas Schimmerndes wahrzunehmen. Dieses Wort \u201esalmu\u201c (in einer hebraisierten Form) wird in Genesis 1, 27 auf den Menschen angewandt. Israel brauchte deshalb eigentlich keinen Tempel. Die Sch\u00f6pfungsgeschichte will sagen: Gott schimmert nicht von ferne in Tempeln, sondern der Mensch neben dir, insbesondere der ganze Mensch als weibliches und m\u00e4nnliches Gesch\u00f6pf gemeinsam, ist geschaffen als Gottes \u201esalmu\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die babylonischen K\u00f6nige als besondere Gott-K\u00f6nige nahmen f\u00fcr sich in Anspruch, das Ebenbild ihres Gottes, meist des Gottes Marduk, zu sein. Als Zeichen ihres besonderen Hingeordnetseins auf den G\u00f6tzen Marduk nannten sie sich \u201eEbenbild des Marduk\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Alten Testament wird immer wieder in einem Atemzug mit dem Befehl zur Vernichtung der G\u00f6tzenbilder auch die Mischehe mit fremden Frauen verboten. Genauso wie das G\u00f6tzenstandbild Abbild des fremden Gottes war oder die babylonischen K\u00f6nige sich Ebenbilder ihrer G\u00f6tter nannten, so wurde auch die fremdgl\u00e4ubige Frau als hingeordnet auf ihren G\u00f6tzen gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Umgang mit einer fremdgl\u00e4ubigen Frau im alten Israel nahm deshalb &#8211; genauso wie der Umgang mit fremden G\u00f6tzenbildern &#8211; hinein in eine \u00fcber sich selbst hinausweisende Bewegung auf einen fremden Gott, einen G\u00f6tzen hin. Auf einen anderen hingeordnet sein, mu\u00df der Mensch. Aber ob er auf den Gott der Bibel hinweist oder auf einen G\u00f6tzen, h\u00e4ngt eben auch davon ab, ob es das richtige oder das falsche Abbild ist. Nach Genesis 1 ist das irdische Abbild \u201eder Mensch\u201c, das hinweist auf das g\u00f6ttliche Urbild, m\u00e4nnlich und weiblich gemeinsam. Jean Vanier, der Begr\u00fcnder der internationalen \u201eArche\u201c-Bewegung, nennt die Ehe deshalb die \u201eIkone Gottes\u201c auf Erden, also das richtige Abbild vom Urbild. Alle falschen Bilder nennt das Alte Testament G\u00f6tzenbilder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn heute Theologen das biblische Verbot homosexueller Lebensweisen mit dem Hinweis abtun wollen, damals sei nur das Verbot von G\u00f6tzendienst gemeint gewesen, dann ist dem durchaus entgegenzuhalten: Homosexuelles Verhalten ist und bleibt eine Art \u201eG\u00f6tzendienst\u201c in dem umfassenden, anthropologischen Sinn, da\u00df es das falsche \u201eAbbild vom Urbild\u201c ist. Homosexuelles Verhalten nimmt in eine Bewegung mit hinein, die nicht auf die gegenseitige Verwiesenheit von m\u00e4nnlich und weiblich hinzeigt, sondern die die Geschlechter in entgegengesetzte Richtungen treibt. Homosexuelle Partnerschaften (nicht der einzelne homosexuell Empfindende!), in denen entweder das m\u00e4nnliche oder das weibliche Element fehlen, sind nicht das \u201eAbbild vom Urbild\u201c. Nur in der sexuellen Ehe-Gemeinschaft von Mann und Frau, nicht in anderen sexuellen Beziehungen, kommt die Verm\u00e4hlung von m\u00e4nnlich und weiblich zustande, die auf das Urbild des Gottes der Bibel weist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sexualit\u00e4t als sch\u00f6pferische Beziehungsenergie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Sch\u00f6pfungsgeschichte wird die Geschlechtlichkeit nur bei der Erschaffung des Menschen erw\u00e4hnt, nicht bei der Erschaffung der Tiere. Vom Textzusammenhang her steht sie zun\u00e4chst in Beziehung zum Bild Gottes, nicht zur Fortpflanzung. \u201eDie Vermehrung teilt der Mensch mit dem Tier, die <a title=\"Sexualit\u00e4t\" href=\"http:\/\/www.dijg.de\/sexualitaet\/\">Sexualit\u00e4t <\/a>nicht\u201c<sup>15<\/sup>, k\u00f6nnte man sagen. Unsere Sexualit\u00e4t als sch\u00f6pferische Lebens- und Beziehungsenergie kommt aus unserer Geschlechtlichkeit als Frau und Mann. Unsere Geschlechtlichkeit soll uns sagen: Du bist nicht das Ganze. Es gibt noch etwas au\u00dferhalb von dir, wonach du dich sehnst. Ebenbild wird der Mensch dadurch, da\u00df er kraft seiner Geschlechtlichkeit in fruchtbarer Spannung \u00fcber sich selbst hinausweist auf das hin, was er nicht ist: der Mann auf die Frau, die Frau auf den Mann und beide gemeinsam auf Gott. Auf einen Anderen hingeordnet zu sein, nicht auf uns selbst &#8211; zutiefst ist dieser Sinn des Menschseins in unserer Geschlechtlichkeit ausgedr\u00fcckt. Deshalb kommt auch die Kraft zum anderen, zur anderen hin\u00fcberzureichen, also unsere Sexualit\u00e4t, aus unserer Geschlechtlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst das postmoderne Menschenbild hat versucht, Sexualit\u00e4t theoretisch abzukoppeln vom Mannsein oder Frausein. So als ob unsere Sexualit\u00e4t frei im Raum herumschwebe und wir mit ihr machen k\u00f6nnten, was wir wollten &#8211; und dann erfinden wir neue Geschlechter: <a title=\"Homosexualit\u00e4t\" href=\"http:\/\/www.dijg.de\/homosexualitaet\/\">Homosexuelle, Bisexuelle<\/a>, <a title=\"Transsexualit\u00e4t\" href=\"http:\/\/www.dijg.de\/transsexualitaet-geschlechtsumwandlung\/\">Transsexuelle<\/a>. Wenn heute jemand sagt, es sei doch eigentlich gleich, ob ein Mann mit einer Frau oder mit einem Mann schlafe &#8211; dann erkl\u00e4rt er damit den Unterschied von Mann und Frau f\u00fcr v\u00f6llig unwichtig &#8211; und damit unsere Geschlechtlichkeit f\u00fcr nebens\u00e4chlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt aber kein Menschsein ohne Geschlechtlichkeit. Es gibt kein Menschsein oberhalb, unterhalb oder neben dem \u201eFrausein\u201c oder \u201eMannsein\u201c. Wer das behauptet, z.B. indem er den sogenannten androgynen Menschen propagiert &#8211; der will dem Menschen sein tiefstes Menschsein nehmen. Indem er ihm die Bedeutung seiner Geschlechtlichkeit nehmen will &#8211; die F\u00e4higkeit, \u00fcber sich selbst hinauszuweisen auf das hin, was er oder sie nicht ist, nimmt er ihm nicht nur seine Geschlechtlichkeit, sondern seine und ihre tiefste Menschlichkeit. Allerdings: Unsere durch den Sch\u00f6pferwillen Gottes gegebene Geschlechtlichkeit kann nicht ausgel\u00f6scht werden, sie kann nur verdorben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Sch\u00f6pfungsgeschichte von Mann und Frau in Genesis 2, 4b &#8211; 25<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Genesis 2 lesen wir zum ersten Mal die \u00fcblichen hebr\u00e4ischen W\u00f6rter f\u00fcr Mann und Frau: ish und isha. Dieselben Worte werden auch in Genesis 2, 24 gebraucht, wo es um die Ehe geht. Die Sch\u00f6pfungsgeschichte in Genesis 1 beginnt (1, 1) und endet (2, 4a) mit dem Himmel. Die Sch\u00f6pfungsgeschichte in Genesis 2 beginnt\u00a0 mit der Erde (2, 4b)! Um die Erde geht es, um den Auftrag des Menschen, die Erde zu bebauen, den Garten zu h\u00fcten, damit die Liebe darin bleibt. Es geht um den Menschen als den Kultivator der Natur und als den Kultivator von Beziehungen. Es geht um das Verh\u00e4ltnis des Menschen zur Welt, zu Gott und um das Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau. Genesis 2 endet in Vers 24 mit der Grundaussage der Bibel \u00fcber die Ehe: \u201eDarum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.\u201c Ausdr\u00fccklich wird das von Jesus in Matth\u00e4us 19 wiederholt und best\u00e4tigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Merk-W\u00fcrdige in diesem Vers 24 ist: Es hei\u00dft dort nicht, da\u00df der Mann Vater und Mutter verl\u00e4\u00dft, um eine eigene Familie zu gr\u00fcnden. Nein, er verl\u00e4\u00dft Vater und Mutter nur um der Frau willen, nur um dieser einmaligen, einzigartigen Beziehung willen, um dieses \u201eein Fleisch werden\u201c willen! Im Neuen Testament greift der Epheser-Brief (5, 31-32) das auf und redet davon als von dem gro\u00dfen \u201eGeheimnis\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ehe zwischen Mann und Frau wird also ein Vorrang vor allen anderen famili\u00e4ren Bindungen, Beziehungen und Vereinnahmungen einger\u00e4umt. Diese Vorrangstellung der Einehe wird im Neuen Testament best\u00e4tigt, wenn die Einehe mit der einmaligen Br\u00e4utigam-Braut-Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde verglichen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Genesis 2 geht es um Beziehungen und um das, was wesentlich zu Beziehungen dazugeh\u00f6rt. Vom sprachlichen Aufbau hat er viel mehr Bewegung in sich, Spannung, und weist auf m\u00f6gliche Spannungen hin. In Genesis 1 ist allein Gott der Handelnde, in allen S\u00e4tzen ist er das Subjekt. In Genesis 2 kommt auch der Mensch als Handelnder, als Subjekt vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder spielt die Sprache eine herausragende Rolle. Begeisterung wird ausgedr\u00fcckt, als der Mann zum erstenmal der Frau gegen\u00fcbertritt. Da sprudelt er ein ganzes Gedicht hervor. Und von noch etwas ist die Rede, was wesentlich zu Beziehungen und zum Menschsein dazu geh\u00f6rt: von Grenzen. Wieder redet Gott direkt zum Menschen, aber sein erstes Reden ist verbunden mit einer Grenzziehung, mit einem \u201edu sollst nicht\u201c (V 17). Noch bevor der Mensch die Tiere benennt und dadurch Erkenntnis gewinnt und Herrschaft \u00fcber die Welt aus\u00fcben kann, soll er lernen, auf Gott acht zu haben. Gott aber zieht ihm eine Grenze. Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich Weinreb schreibt dazu: \u201eAlles geh\u00f6rt euch, alles k\u00f6nnt ihr nehmen, nur das eine nehmt bitte nicht. Gleich erhebt sich die Frage: Warum wird da etwas ausgespart, warum das Eine nicht? In den Geschichten des alten Wissens hei\u00dft es dazu: Wenn alles klar w\u00e4re, k\u00f6nnte es keine Beziehung geben. Dann w\u00e4re alles nur ein mechanischer Ablauf. Wozu br\u00e4uchte es dann den Menschen?\u201c<sup>16<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grenzen setzen, Spannungen aushalten geh\u00f6rt zu Beziehungen dazu, nicht nur zu Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, sondern zu allen Beziehungen. Eine Grenze wird auch gezogen in Vers 24, wo es hei\u00dft \u201eund wird Vater und Mutter verlassen\u201c. Wie viele Ehen sind schon daran zerbrochen, weil einer der Ehepartner seinen oder ihren Eltern keine Grenzen gesetzt hat und sie immer in der Ehe mitgemischt haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es ist nicht gut, da\u00df der Mensch allein sei<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem es in Genesis 1 sechsmal hie\u00df: \u201eUnd Gott sah, da\u00df es gut war\u201c, hei\u00dft es bei der siebten Aufz\u00e4hlung nach der Erschaffung des Menschen (sieben ist die Zahl der Vollkommenheit): \u201eUnd siehe es war sehr gut.\u201c (Vers 31) Da\u00df Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hatte, war \u201esehr gut\u201c. Demgegen\u00fcber ert\u00f6nt das \u201enicht gut\u201c von Genesis 2, 18: \u201eEs ist nicht gut, da\u00df der Mensch allein sei.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGott h\u00e4tte, um das Problem des Alleinseins des Mann-Menschen zu l\u00f6sen, einen anderen Mann erschaffen k\u00f6nnen, vielleicht sogar eine Gemeinschaft von M\u00e4nnern. Stattdessen l\u00f6ste Gott das Alleinsein des Mann-Menschen durch die Erschaffung einer anderen Person, einer Frau, nicht eines Mannes, nicht einiger Frauen, nicht einer Gemeinschaft von M\u00e4nnern und Frauen. Die Einsamkeit des Mannes war nicht Ausdruck dessen, da\u00df ihm andere Menschen fehlten; es war Ausdruck daf\u00fcr, da\u00df ihm eine Frau fehlte.\u201c<sup>17<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genesis 2, 18 schlie\u00dft darum mit der Erkl\u00e4rung Gottes: \u201eIch will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht\u201c<sup>18<\/sup> (hebr\u00e4isch: \u201eken\u00e4gedo\u201c, englisch: \u201ecorresponding to it\u201c). Das Wort \u201eezer\u201c, das hier f\u00fcr \u201eHilfe\u201c steht, ist nicht das gew\u00f6hnliche Wort, das meist f\u00fcr Hilfe in der Bibel gebraucht wird. Das Wort \u201eezer\u201c kommt im Alten Testament fast nur im Zusammenhang mit Gott vor, z. B. wenn es in den Psalmen hei\u00dft: \u201eGott ist meine Hilfe\u201c, \u201eGott kommt mir zu Hilfe\u201c. Einige Male wird es auch f\u00fcr lebensnotwendige, menschliche Hilfe gebraucht. Gerade weil es dieses au\u00dfergew\u00f6hnliche Wort f\u00fcr Hilfe ist, ist der einschr\u00e4nkende Zusatz bedeutsam \u201eHilfe, die ihm entspricht\u201c. Durch den Zusatz wird wieder die Ebenb\u00fcrtigkeit beider betont: Keiner ist der bessere Mensch. Vielleicht kann man die g\u00f6ttliche Hilfe auch so verstehen, da\u00df sie Hilfe zur Ebenbildlichkeit ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun w\u00fcrde man vielleicht erwarten, da\u00df diese \u201eHilfe\u201c im n\u00e4chsten Satz vorgestellt wird. Stattdessen kommt scheinbar etwas ganz anderes. Es kommt ein Bericht \u00fcber das verantwortliche, selbst\u00e4ndige Handeln des Menschen, der die Tiere mit Namen nennt und so Macht \u00fcber sie aus\u00fcbt. Im Leser wird dadurch eine erwartungsvolle Spannung erzeugt, die sich zuspitzt und unmittelbar vor der \u201eL\u00f6sung\u201c ihren H\u00f6hepunkt findet in der Aussage: \u201eaber f\u00fcr den Menschen ward keine Hilfe gefunden.\u201c<sup>19<\/sup> Obwohl der Mensch sch\u00f6pferisch aktiv ist, Macht und Verantwortung hat \u2013 so wichtig das alles ist &#8211; seine Einsamkeit wird dadurch nicht gelindert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dem, was dann geschieht, ist der Mensch ganz unbeteiligt. Gott alleine handelt. Gott l\u00e4\u00dft den Menschen in einen tiefen Schlaf fallen, sozusagen in eine g\u00f6ttliche Narkose. Er f\u00fcgt dem Menschen eine Wunde zu (V 2, 21b). Vielleicht k\u00f6nnen wir das deuten als eine Sehnsucht, die er nach dem anderen, nach der anderen in uns hineinlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott baut die Frau nicht aus Erde wie den Menschen, die Tiere und die Pflanzen zuvor, sondern aus der Rippe des Menschen. Damit wird noch einmal betont: Beide sind aus dem gleichen \u201eStoff\u201c. Nicht die Frau selbst wird aus dem Menschen genommen, sondern nur das \u201eRohmaterial\u201c, aus dem Gott die Frau baut. Wie ein Brautvater seinem Sohn f\u00fchrt Gott dann die Frau dem Menschen zu. Und er? Er jubiliert und dichtet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eDas ist doch Bein von meinem Bein<br \/>\nund Fleisch von meinem Fleisch;<br \/>\nman wird sie M\u00e4nnin nennen,<br \/>\nweil sie vom Mann genommen ist.\u201c\u00a0(V 23)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hebr\u00e4ischen Worte ish (Mann) und isha (Frau), die Luther mit Mann und M\u00e4nnin wiedergegeben hat, sind noch einmal wie ein Wortspiel, das auf einmalige Zugeh\u00f6rigkeit und Harmonie bei aller Unterschiedlichkeit hinweist. In dem Moment, wo Mann und Frau einander gegen\u00fcberstehen, betont das Gedicht die \u00c4hnlichkeit, ja Gleichheit, nicht die anatomischen oder sonstigen Unterschiede. Es geht darum: Wir beide geh\u00f6ren in einmaliger Weise zusammen. Ein j\u00fcdischer Kommentar sagt dazu: \u201eAus dem Sch\u00f6pfungsbericht schlie\u00dfen die Gelehrten des Talmud, da\u00df der Mensch erst in der Zusammenf\u00fchrung von m\u00e4nnlich und weiblich diesen Namen verdient: Mann (i[j]sh) und Frau (isha[h]) haben Gemeinsames und Unterscheidendes in ihren Bezeichnungen. In beiden ist jeweils das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Feuer (esch) enthalten, n\u00e4mlich die Buchstaben Alef (hier i, dort e gesprochen) und Schin. Neben esch bleibt jeder Bezeichnung noch ein Buchstabe vom Gottesnamen (unvokalisiert: jh) innewohnend, der erst durch ihre Vereinigung aktiviert wird. Arbeiten Mann und Frau zusammen und sind sich einander Gegenpart und Hilfe, ist der Name Gottes (jah) mit ihnen, gehen sie getrennte Wege und wirken nicht zusammen, werden sie gleichsam vom Feuer verzehrt.\u201c<sup>20 <\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M\u00e4nnlich und weiblich<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat die Frau aus einem Bauteil des Menschen, aus der Rippe, gebaut. Heinrich Spaemann schreibt dazu: \u201eDas will f\u00fcr uns besagen: In jedem Menschen sind sie beide. In jedem Menschen gibt es den Empfangenden, den Wartenden, den Lauschenden, den Zusammenh\u00e4nge Erkennenden, und es gibt den T\u00e4tigen, der aus Zusammenh\u00e4ngen Konsequenzen zieht, der W\u00e4lder rodet, der W\u00fcsten zu Wasserquellen macht, wie es in der Bibel steht. Diese beiden Seiten im Menschen m\u00fcssen sein, und jeder Mensch, Mann oder Frau, hat auch beide Seiten. Nur da\u00df eben diese beiden Seiten ihre je eigenen Auspr\u00e4gungen in Mann und Frau erfahren.\u201c<sup>21<br \/>\n<\/sup><br \/>\nAus Biologie und Medizin wissen wir, da\u00df m\u00e4nnliche und weibliche Hormone &#8211; wenn auch in ganz unterschiedlichem Mengenverh\u00e4ltnis \u2013 im Organismus beider Geschlechter vorkommen. M\u00e4nnliches und Weibliches gibt es in jedem Menschen. Nur da\u00df dies beim Mann eine ganz andere Auspr\u00e4gung erf\u00e4hrt als bei der Frau. Wenn wir nichts vom Gegengeschlechtlichen in uns h\u00e4tten, st\u00e4nden wir doch nur wie Fremde voreinander. Der \u201eMensch\u201c ist eben nicht etwas Gemeinsames \u201eoberhalb\u201c des Weiblichen und M\u00e4nnlichen, \u201eder Mensch\u201c ist synonym mit \u201em\u00e4nnliches und weibliches Gesch\u00f6pf\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201eTanz\u201c zwischen M\u00e4nnlichem und Weiblichem, sagt der Therapeut und Autor Jeffrey Satinover, mu\u00df zweifach getanzt werden, in uns und miteinander: \u201eGottes liebender Wille f\u00fcr unser Leben ist, da\u00df der Tanz zweifach getanzt wird: in uns und zwischen uns. Wenn wir ihn in unserer Zerbrochenheit zum Stillstand in uns bringen&#8230;, kommt er auch zum Stillstand zwischen uns. Um in Wahrheit Mann zu sein und in Wahrheit Frau zu sein, m\u00e4nnlicher Mann und weibliche Frau, mu\u00df der g\u00f6ttlich angeordnete Tanz wieder beginnen \u2013 um den Preis des Feuers. &#8230; Einer der wichtigsten Merkmale psychologischer und geistlicher Krankheit ist genau dieses Auseinanderfallen \u2013 in uns und zwischen uns \u2013 von Mann und Frau. M\u00e4nnlichkeit bleibt unter sich \u2013 in der Seele und in der Gesellschaft &#8211; wie die eingeschlechtlichen Anti-Sex-B\u00fcndnisse in Orwells grauenhafter Vision \u20191984\u2018. Das Ergebnis sind unwahre m\u00e4nnliche (oder weibliche) M\u00e4nner, ebenso wie unwahre weibliche (oder m\u00e4nnliche) Frauen.\u201c<sup>22<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mann und Frau <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst in Vers 23 von Genesis 2 kommt das \u00fcbliche hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Mann (ish) vor. Erst indem der Mann die Frau erkennt, erkennt er sich selbst. Indem ihm die Frau gegen\u00fcbertritt, wird er selbst zum Mann. Im Angesicht der anderen erkennt er, wer er selbst in Wahrheit ist. Ja, er wird erst in der Begegnung mit der Frau zum Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem es den Mann gibt, gibt es die Frau; indem es die Frau gibt, gibt es sie beide. Vorher ist nur vom Menschen (ha-adam) die Rede. Beide sind auf einmal da: Mann und Frau. Und gleichzeitig ist noch etwas drittes da: die Liebe, n\u00e4mlich die Liebe zwischen beiden. Wie k\u00f6nnte sonst das Gedicht (Vers 23) entstehen? Indem Gott Mann und Frau schafft, schafft er gleichzeitig etwas Drittes: die Beziehung zwischen beiden, die Liebe zwischen beiden. Wie k\u00f6nnte sonst der Mann so von sich absehen und die andere, die Frau, preisen, wenn nicht die Liebe da w\u00e4re? Wie k\u00f6nnte er erkennen, da\u00df sie Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem Fleisch ist, wenn nicht die Liebe da w\u00e4re? Sonst w\u00fcrde er sich nur abgrenzen. Im Gedicht des Mannes steht das Du im Vordergrund, die Bewunderung der Anderen. Es geht um das Du, um das Hin\u00fcberreichen zum Anderen, zur Anderen, das Bewundern des Anderen und um das Absehen vom Eigenen, ohne das Lieben und Gemeinschaft nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gegenseitige ist die Br\u00fccke zum Ganzen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser biblische Horizont im Sch\u00f6pfungskontext ist im Zeitalter des Individualismus deutlich umkomponiert worden: \u201eDie Ursehnsucht allen Liebens ist wohl die Sehnsucht nach dem eigenen Selbst\u201c<sup>23<\/sup>, verlautbaren die Selbstsucher. Die Voraussetzung, um zu lieben, ist nicht die Suche nach uns selbst, sondern das Begeistertsein vom Du. Die grundlegende biblische Aussage zur Ehe (Genesis 2, 24) steht direkt im Anschlu\u00df an den Freudenruf des Mannes \u00fcber das andere Geschlecht (Genesis 2, 23).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nicht die Suche nach uns selbst ist das Ziel menschlicher Beziehungen, sondern das Hin\u00fcberreichen zum Du. Eugen Rosenstock-Huessy schreibt: \u201eEhe ist nur dadurch vollziehbar, da\u00df sich Mann und Weib nicht auf den eigenen Standpunkt stellen. Bleibt jeder auf seinem Standpunkt, so folgt Scheidung oder Ehe ist nie zustande gekommen. Ehe besteht darin, da\u00df mein Wohl dein, dein Wohl mein Anliegen wird. Die Erg\u00e4nzung tritt nicht ein, solange nicht in die Beteiligten ein Bewu\u00dftsein ihres Entgegengesetzten in sie einzieht. Ich mu\u00df auf deine Leistung blicken und du auf meine. &#8230; Jedes Ganze verlangt von seinen Gliedern ein Absehen von der eigenen Art und eine Bewunderung der entgegengesetzten. In meinem auf den Gegenpart gerichteten Blick und in dem aus der Bewunderung des Gegenparts quellenden Sehnen, ihm gleich zu bleiben oder zu werden, erkenne ich erst ein Ganzes wirksam an&#8230; Niemand heiratet dadurch, da\u00df er an das Ganze der Ehe denkt&#8230;. Nein, wir m\u00fcssen uns gegenseitig m\u00f6gen und billigen, lieben und bewundern. Das Gegenseitige ist die Br\u00fccke zum Ganzen. Wer das Ganze direkt anstarrt, erreicht gar nichts. Durch Absehen von uns selber schaffen wir die Gemeinschaften.\u201c<sup>24<br \/>\n<\/sup><br \/>\n\u201eAbsehen von uns selber\u201c &#8211; in geschlechtlicher Hinsicht gilt dies f\u00fcr das Absehen vom eigenen Geschlecht. Aber in allgemeinerer Weise gilt das nat\u00fcrlich f\u00fcr alle Gemeinschaften. Auch ein neuer Geschlechtervertrag und Generationenvertrag in unserer Gesellschaft wird nur durch die Bereitschaft aller Beteiligten zustande kommen k\u00f6nnen, von sich und dem eigenen Vorteil abzusehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Ehe ist ein Friedensschlu\u00df<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage ist heute, was Ehe eigentlich sei. Ganz verschiedene Modelle werden da vorgestellt. Die Antwort der Bibel ist aber eindeutig: Ehe ist eine \u00f6ffentlich erkl\u00e4rte, einzigartige sexuelle Gemeinschaft zwischen Mann und Frau, die auf der Unterschiedlichkeit, Erg\u00e4nzungsm\u00f6glichkeit und Erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftigkeit der beiden Geschlechter beruht. Von der Wortbedeutung her geht \u201eEhe\u201c mit dem mittelhochdeutschen \u201eeija\u201c zusammen, was den befriedeten Raum in einer Gemeinschaft bezeichnete. Grundlage der Eheschlie\u00dfung war immer \u00f6ffentliches Recht, Gesetz, nie einfach Privatvertrag. Ehe, Gesetz, echt und Ewigkeit geh\u00f6ren zur selben Sprachwurzel. Die Ehegel\u00fcbde sind uns heute fast unverst\u00e4ndlich geworden, weil wir sie nur noch privat sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben weitgehend vergessen, da\u00df die Ehe das Hauptbindeglied zwischen den Geschlechtern, Mann und Frau, und dadurch zugleich zwischen den Generationen ist. Erst durch Eheschlie\u00dfungen wird das Leben in Generationen gegliedert, sonst gibt es nur j\u00fcngere und \u00e4ltere Einzelmenschen. Und erst durch diese Gegliedertheit in Generationen entstehen Gro\u00dfeltern und Enkel, Vergangenheit und Zukunft, hat der Mensch Geschichte und wird in den Geschichtsstrom hineingerissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Ehen scheitern. V\u00f6lligen Frieden kann der Mensch nicht schaffen. Und doch: Von allem, was m\u00f6glich ist, bringt die Ehe das M\u00f6glichste an Frieden zwischen Mann und Frau und zwischen den Generationen. Im gelungenen Eheleben werden tats\u00e4chlich nicht nur leibliche Kinder gezeugt, es wird auch eine Leistung vererbt: Der Friedensschlu\u00df der Geschlechter. Dieser Friedensschlu\u00df zwischen Mann und Frau \u2013 wenn er gelingt &#8211; wird ganz wesentlich die Weltanschauung unserer Kinder und der n\u00e4chsten Generation bestimmen.<sup>25<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. med. Christl Ruth Vonholdt (<a href=\"http:\/\/www.dijg.de\/ehe-familie\/mannsein-frausein-biblisches-menschenbild\/?sword_list%5b0%5d=ikone\">www.dijg.de<\/a>)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fach\u00e4rztin f\u00fcr Kinder- und Jugendmedizin, <a title=\"DIJG Leiterin\" href=\"http:\/\/www.dijg.de\/mitarbeiter\/\">Leiterin des Deutschen Instituts f\u00fcr Jugend und Gesellschaft<\/a>. Arbeitsschwerpunkte: Identit\u00e4t, Identit\u00e4tsentwicklung, Bindungstheorien, Sexualit\u00e4t, Auseinandersetzung mit den Gender-Theorien, christliche Anthropologie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><sup>1<\/sup> Siehe Philipp, Wolfgang: \u201eDie Absolutheit des Christentums und die Summe der Anthropologie\u201c, Quelle &amp; Meyer, Heidelberg 1959, S. 122.<br \/>\n<sup>2<\/sup> Genesis 1, 26-30.<br \/>\n<sup>3<\/sup> Wichtige Einsichten f\u00fcr die folgende Ausf\u00fchrung verdanke ich dem Buch von Trible, Phyllis: Gott und Sexualit\u00e4t im Alten Testament, G\u00fctersloher Verlagshaus, G\u00fctersloh 1993.<br \/>\n<sup>4<\/sup> Siehe Melzer, Friso: \u201eUnsere Sprache im Lichte der Christusoffenbarung\u201c. Mohr, T\u00fcbingen 1995, S. 9.<br \/>\n<sup>5<\/sup> Hier wurde die Elberfelder \u00dcbersetzung (Wuppertal 1987) gew\u00e4hlt, da sie von der Satzstellung her dem hebr\u00e4ischen Urtext entspricht, wie \u00fcbrigens auch die Menge-\u00dcbersetzung.<br \/>\n<sup>6<\/sup> Luther-\u00dcbersetzung, rev. 1984: \u201eDarum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch. Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und sch\u00e4mten sich nicht.\u201c<br \/>\n<sup>7<\/sup> Luther-\u00dcbersetzung, rev. 1984: \u201e&#8230; machte er ihn nach dem Bilde Gottes und schuf sie als Mann und Weib und segnete sie und gab ihnen den Namen \u201aMensch\u2018 zur Zeit, da sie geschaffen wurden.\u201c<br \/>\n<sup>8<\/sup> Im Hebr\u00e4ischen ist das noch st\u00e4rker ausgedr\u00fcckt. Das letzte Wort von Vers 24 hei\u00dft \u201eein\u201c und das erste Wort von Vers 25 hei\u00dft \u201ebeide\u201c.<br \/>\n<sup>9<\/sup> Balthasar, Hans Urs von: Kehl, M. und W. L\u00f6ser (Hrsg.), In der F\u00fclle des Glaubens &#8211; Hans Urs von Balthasar Lesebuch, Herder Verlag, Freiburg 1980, S. 78.<br \/>\n<sup>10<\/sup> androgyn = m\u00e4nnlich und weiblich zugleich; halb m\u00e4nnlich, halb weiblich.<br \/>\n<sup>11<\/sup> Trible, Ph., a.a.O., S. 41.<br \/>\n<sup>12<\/sup> Trible, Ph., a.a.O., S. 38.<br \/>\n<sup>13<\/sup> Siehe dazu auch Philipp, W., a a.O., S. 140 f.<br \/>\n<sup>14<\/sup> Siehe Gerl-Falkovitz, Hanna-Barbara: Fragen an die feministische G\u00f6ttin; in: Theologische Beitr\u00e4ge, Brockhaus, 28 (1997) 5, S. 264.<br \/>\n<sup>15<\/sup> Trible, Ph,. a.a.O., S. 36.<br \/>\n<sup>16<\/sup> Weinreb, Friedrich: Die Wurzeln der Aggression, Thauros Verlag, Weiler 1980, S. 7.<br \/>\n<sup>17<\/sup> Prager, Dennis: Die Ablehnung der Homosexualit\u00e4t im Judentum, Brennpunkt Seelsorge 1997\/4, Reichelsheim.<br \/>\n<sup>18<\/sup> Revidierte Elberfelder Bibel, Wuppertal 1987.<br \/>\n<sup>19<\/sup> Siehe auch Alter, Robert: The Art of Biblical Narrative, Basic Books 1983.<br \/>\n<sup>20<\/sup> Herweg, Rachel Monika: Die j\u00fcdische Mutter, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, S. 9.<br \/>\n<sup>21<\/sup> Spaemann, Heinrich: \u201eVom wiedergefundenen Vater\u201c; in: \u201eOJC-Freundesbrief\u201c, Reichelsheim, 1993\/4, S. 133.<br \/>\n<sup>22<\/sup> Satinover, Jeffrey Burke: \u201eThe True Masculine and the True Feminine: Are These the Same as Jung\u00b4s Anima and Animus?\u201c Erh\u00e4ltlich durch Author\u00b4s Book Service, Boone 1994.<br \/>\n<sup>23<\/sup> Gissrau, Barbara: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau, Kreuz Verlag, Stuttgart 1993, S. 172.<br \/>\n<sup>24<\/sup> Rosenstock-Huessy, Eugen: Soziologie I, Kohlhammer, Stuttgart 1956, S. 117.<br \/>\n<sup>25<\/sup> Rosenstock-Huessy, Eugen: Soziologie I, Kohlhammer, Stuttgart 1956, S. 257.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ehe &#8211; Die Ikone Gottes in der Welt Erst im Angesicht des anderen erkennen wir uns. &#8211; \u00dcber Mann und Frau, Menschsein und die Friedenschance der Ehe. Ein biblisch-anthropologischer Versuch. Wir wissen nicht mehr, wer oder was der Mensch ist. Menschenbilder gibt es heute viele. Die Wissenschaft kann uns keine Orientierung geben, sie setzt Orientierung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":241,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7039"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7039"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7039\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7050,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7039\/revisions\/7050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}