{"id":6923,"date":"2011-08-26T09:08:32","date_gmt":"2011-08-26T07:08:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6923"},"modified":"2011-08-26T10:49:15","modified_gmt":"2011-08-26T08:49:15","slug":"dokumentation-zu-einem-presbyteriumsbeschluss-uber-die-kirchliche-segnung-gleichgeschlechtlicher-paare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6923","title":{"rendered":"Dokumentation zu einem Presbyteriumsbeschluss \u00fcber die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dokumentation zu einem Presbyteriumsbeschluss \u00fcber die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden Dokumente, die hier anonymisiert wiedergegeben werden, sind ein typischer Beleg f\u00fcr den tiefgehenden Riss, der heute an der Frage der Bewertung praktizierter Homosexualit\u00e4t durch viele evangelische Kirchengemeinden geht. Sie wurden uns von einem Gemeindeglied aus einer gro\u00dfen westdeutschen evangelischen Landeskirche zur Verf\u00fcgung gestellt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.) Gemeindeversammlung anl\u00e4sslich der Frage, ob das Presbyterium Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare zulassen solle<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anl\u00e4sslich der Frage, ob die Ev. Kirchengemeinde Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare zulassen solle, berief das Presbyterium Anfang 2011 eine Gemeindeversammlung ein. Diese hatte zwar keine Entscheidungsbefugnis, sollte aber ein Meinungsbild vermitteln, das in die Entscheidung des Presbyteriums einflie\u00dfen sollte. In der Gemeindeversammlung wurde deutlich, dass ein Riss durch die Gemeinde geht. W\u00e4hrend die \u00e4ltere Generation mehrheitlich gegen eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eintrat, sprach sich die j\u00fcngere Generation mehrheitlich zu Gunsten der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare aus. Der Pfarrer der Kirchengemeinde machte deutlich, dass die Segnung homosexueller Paare f\u00fcr ihn ein seelsorgerliches Problem sei. Da er niemanden zur\u00fcckweisen k\u00f6nne, setze er sich auch f\u00fcr die Segnung homosexueller Paare ein. Die zust\u00e4ndige Landessynode hatte die Kirchenleitung beauftragt zu pr\u00fcfen, ob eine gottesdienstliche Begleitung homosexueller Paare theologisch zu verantworten und liturgisch umsetzbar sei. Es sollte weiterhin gepr\u00fcft werden, ob es einer gesamtkirchlichen Regelung durch die Landessynode bedarf oder die einzelnen Presbyterien individuell entscheiden sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.) Stellungnahme eines Gemeindegliedes im Anschluss an die Gemeindeversammlung zur Situation der Gemeinde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrter Herr Pfarrer,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die Entt\u00e4uschung nach unserem Telefongespr\u00e4ch vorigen Samstag war auch bei mir riesengro\u00df. Aber was hei\u00dft Ent-T\u00e4uschung? Da ist eine T\u00e4uschung &#8211; eine falsche Sicht &#8211; weggenommen. Darin kann etwas Positives liegen. Ich denke, da\u00df auch unserer beider Erfahrungs- und Informationshintergrund ein sehr verschiedener ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Zitat von Sebastian Haffner* hatte ich versucht, darauf hinzuweisen, wie sehr sich unsere Gesellschaft in den letzten ca.100 Jahren ver\u00e4ndert hat. Das gravierendste Moment ist sicher die Entchristlichung. Wenn der Mensch Gott vergi\u00dft oder ihn verdr\u00e4ngt und sich selbst zum Ma\u00df aller Dinge macht, dann geht alles daneben, was wir ja im Augenblick wieder vor Augen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gottvergessenheit bringt auf der anderen Seite Unsicherheit, Angst und Orientierungslosigkeit bei den Menschen mit sich. Dahin pa\u00dft dann auch die enorme Zunahme der Homosexualit\u00e4t in den letzten Jahren und die Gender-Mainstreaming-Geschichte. Hier wird die gute Sch\u00f6pfungsordnung Gottes auf den Kopf gestellt. Wer wei\u00df, viel1eicht gibt es demn\u00e4chst auch Versuche, da\u00df M\u00e4nner Kinder zur Welt bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diese Welt ist die Gemeinde Jesu hineingestellt. Sie soll Licht und Salz sein. Die Gemeinde Jesu ist in dieser We1t, aber nicht von dieser Welt, weil sie den Bezug zu Gott hat. Ihr ist auch die F\u00e4higkeit verhei\u00dfen, die Geister zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wenn ich entscheiden will, mu\u00df ich vorher unterscheiden. In diesem Sinne hatte ich den Vorschlag mit der Vortragsveranstaltung von Frau Dr. Vonho1dt** gemacht. Sie als \u00c4rztin arbeitet seit Jahren mit Homosexuellen, die sich ver\u00e4ndern m\u00f6chten. Sie ist eine feine Frau und Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich ist es die Frage, wie begegne ich Homosexuellen mit Liebe? Ist es der kirchliche Segen &#8211; oder doch vielmehr die Hilfe zur Ver\u00e4nderung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe, da\u00df die Entt\u00e4uschung auf beiden Seiten abnimmt. In diesem Sinne gr\u00fc\u00dfe ich Sie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre N. N.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">*\u201eEs gibt drei gro\u00dfe gesellschaftliche Ver\u00e4nderungsprozesse, die schon im sp\u00e4ten Kaiserreich begannen, sich unter Weimar wie auch unter Hitler fortsetzten und in der Bundesrepublik und DDR immer noch rei\u00dfend weitergehen. Das sind erstens die Demokratisierung und Egalisierung der Gesellschaft, also die Aufl\u00f6sung der St\u00e4nde und Auflockerung der Klassen; zweitens die Umw\u00e4lzung der Sexualmoral, also die zunehmende Abwertung und Ablehnung christlicher Askese und b\u00fcrgerlicher Dezenz (Anstand, Zur\u00fcckhaltung) und drittens die Frauenemanzipation, also die fortschreitende Einebnung des Geschlechtsunterschiedes in Rechtsordnung und Arbeitswelt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler, 22. Auflage, 1978, bei Kindler, S. 48.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">** Der Vorschlag, Frau Dr. Vonholdt einzuladen, wurde mit der Begr\u00fcndung abgelehnt, dies sei \u201enicht zielorientierend\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.) Einspruch des Gemeindegliedes gegen den Presbyteriumsbeschluss, Segnungen homosexueller Partnerschaften zuzulassen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An das Presbyterium<br \/>\nder Evangelischen Kirchengemeinde<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrte Damen und Herren Presbyter, sehr geehrter Herr Pfarrer,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">in einer Zeit der Umwertung vieler Werte durch den Nationalsozialismus in Politik, Gesellschaft und Kirche, hatte das Presbyterium unserer Gemeinde damals den Mut und die Weisheit, sich hinter die klaren Aussagen der Bekennenden Kirche zu stellen. Wir wissen heute, wie richtig diese Entscheidung war. Daf\u00fcr k\u00f6nnen wir heute unseren V\u00e4tern und M\u00fcttern im Glauben nur danken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun haben Sie in einer Ihrer letzten Sitzungen durch einen Beschlu\u00df den Weg freigegeben zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Sind Sie sich der Tragweite dieses Beschlusses bewu\u00dft?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Sie mi\u00dfachten damit die G\u00fcltigkeit des Wortes Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Artikel 1 ihrer Verfassung vom 11.Juli 1933 steht zu lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie unantastbare Grundlage der Deutschen Evangelischen Kirche ist das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt und in den Bekenntnissen der Reformation neu ans Licht gebracht ist (sola scriptura). Hierdurch werden Vollmachten, deren die Kirche f\u00fcr ihre Sendung bedarf, bestimmt und begrenzt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Artikel 1 der Theologischen Erkl\u00e4rung von Barmen 1934 lesen wir:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir verwerfen die falsche Lehre, als k\u00f6nne und m\u00fcsse die Kirche als Quelle ihrer Verk\u00fcndigung au\u00dfer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und M\u00e4chte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hat die Menschen als Mann und Frau geschaffen. Praktizierte Homosexualit\u00e4t ist ihm ein Greuel(3. Mose 18,22 u.a.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. In seiner \u201ePredigt\u201c in der Berliner Marienkirche anl\u00e4\u00dflich des diesj\u00e4hrigen Christopher-Street-Days hat Klaus Wowereit, Regierender B\u00fcrgermeister, zur Rechtfertigung des homosexuellen Lebens wieder das Doppelgebot der Liebe beschworen mit dem Hinweis auf Joh.15,12: \u201eDas ist mein Gebot, da\u00df ihr euch untereinander liebt, gleichwie ich euch liebe\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Liebesgebot Christi wird hier &#8211; und das gilt auch f\u00fcr Ihre Entscheidung &#8211; in gravierender Weise verletzt! Jesus Christus hat die Menschen niemals ihrer S\u00fcnde \u00fcberlassen und sie darin best\u00e4tigt (gesegnet), sondern er hat die S\u00fcnde vergeben und zur Umkehr gerufen: \u201eGehe hin, und s\u00fcndige hinfort nicht mehr\u201c (Joh.8,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus Christus hat die Liebe Gottes nie vom Gehorsam gegen\u00fcber dem Gebot Gottes getrennt: \u201eLiebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten\u201c(Joh.14,15).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Ihrer Entscheidung rechtfertigen Sie die S\u00fcnde und versagen dem S\u00fcnder den Ruf zur Umkehr und die rechtfertigende Gnade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Ihr Beschlu\u00df hilft mit, die so dringend ben\u00f6tigte Einheit der christlichen Konfessionen unm\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als langj\u00e4hriges Mitglied der Kirchengemeinde ist es mir aus den drei oben genannten Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich, Ihren Beschlu\u00df zur Segnung homosexueller Paare mitzutragen. Das wird Konsequenzen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maranatha! Komme bald, Herr Jesus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre N. N.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.) Antwort des Vorsitzenden des Presbyteriums der Ev. Kirchengemeinde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Frau N. N.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">vielen Dank f\u00fcr Ihren Brief an das Presbyterium!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Sitzung am \u2026 habe ich Ihr Schreiben vollst\u00e4ndig verlesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der folgenden Aussprache wurde noch einmal bewusst, dass der Presbyteriumsbeschluss vom \u2026 nicht alle Gemeindemitglieder zufrieden stellen konnte. Dies wurde ja damals auch ausdr\u00fccklich formuliert, und die Meinung derer, die dem Presbyterium nicht zustimmen konnten, wurde mit allem Respekt gew\u00fcrdigt. So war es nun auch mit dem Anliegen Ihres Briefes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichtsdestotrotz sah sich das Presbyterium in seiner geistlichen Verantwortung am \u2026 dazu berufen, den bekannten Beschluss zu fassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bitte ergeht weiterhin und erneut an alle, die dies nicht mittragen k\u00f6nnen, die gleichwohl von Seiten des Presbyteriums sehr ernst genommen werden, dem Presbyterium die geistliche Seriosit\u00e4t nicht abzusprechen. Meinem Eindruck nach geschieht dies auch weithin in unserer Gemeinde: man will beisammen bleiben trotz unterschiedlicher Auffassungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kann ich Sie nur herzlich bitten, dies nach M\u00f6glichkeit auch zu tun &#8211; trotz schwer wiegender Differenzen das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit freundlichem Gru\u00df<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.) Kurze abschlie\u00dfende Bewertung des Vorgangs durch das Gemeindeglied<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Presbyterium der Kirchengemeinde beruft sich zur Rechtfertigung seines Beschlusses, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, auf seine geistliche Verantwortung und verlangt, dass man ihm die geistliche Seriosit\u00e4t nicht absprechen m\u00f6ge. Doch gerade diese muss angesichts des gefassten Beschlusses tats\u00e4chlich bezweifelt werden. Das Presbyterium muss an die eigene Kirchenverfassung erinnert werden. Diese bindet es an das \u201eEvangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt und in den Bekenntnissen der Reformation neu ans Licht gebracht ist\u201c. Durch die Heilige Schrift werden \u201eVollmachten, deren die Kirche f\u00fcr ihre Sendung bedarf, bestimmt und begrenzt\u201c. Mit seiner Entscheidung, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, verst\u00f6\u00dft das Presbyterium gegen Gottes Wort und die eigene Verfassung. Pfarrer und Presbyterium unternehmen in ihren Briefen nicht einmal den Versuch, ihre Entscheidung biblisch fundiert zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Presbyteriumsbeschluss verletzt in grober Weise das Liebesgebot Christi. Es ist eben gerade kein Zeichen der Liebe, praktizierenden homosexuellen Menschen den Segen Gottes zu spenden, sie damit in ihrem s\u00fcndhaften Verhalten zu belassen und ihnen damit Wege in die Vergebung und Ver\u00e4nderung und in letzter Konsequenz sogar den Weg in das Himmelreich zu verschlie\u00dfen. Hier muss in der Tat gefragt werden, ob das Presbyterium sich der Tragweite seiner angeblich \u201egeistlich verantworteten\u201c Entscheidungen bewusst ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dokumentation zu einem Presbyteriumsbeschluss \u00fcber die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare Die folgenden Dokumente, die hier anonymisiert wiedergegeben werden, sind ein typischer Beleg f\u00fcr den tiefgehenden Riss, der heute an der Frage der Bewertung praktizierter Homosexualit\u00e4t durch viele evangelische Kirchengemeinden geht. 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