{"id":6917,"date":"2011-08-25T09:13:06","date_gmt":"2011-08-25T07:13:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6917"},"modified":"2011-08-25T09:28:49","modified_gmt":"2011-08-25T07:28:49","slug":"kapitalismus-und-christentum-mit-jesus-durch-die-globalisierung-und-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6917","title":{"rendered":"Kapitalismus und Christentum. Mit Jesus durch die Globalisierung und weiter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kapitalismus und Christentum. Mit Jesus durch die Globalisierung und weiter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der FAZ vom 20. August 2011 ist unter dem Titel &#8222;Mission erf\u00fcllt&#8220; ein lesenswerter Artikel abgedruckt \u00fcber die Heiligen der letzten Tage, also \u00fcber die Mormonen. Man liest dort von zielorientierter und strenger Erziehung, bei der Kirche und Familie im Mittelpunkt stehen. So lernen junge Mormonen ab dem dritten Lebensjahr, in Gruppen \u00fcber ihren Glauben zu sprechen. Vor ihrem Berufseintritt gehen sie ins Ausland, manche f\u00fcr mehrere Jahre, um anderen Menschen f\u00fcr die Lehren des Joseph Smith zu begeistern. Die Mormonen werden als disziplinierte, arbeitsame und fromme Menschen beschrieben, als &#8222;Maschinen&#8220;, die perfekt auf die Anforderungen des globalen Kapitalismus zugeschnitten sind.<!--more--> &#8222;Sie haben das Profil des Angestellten, von dem jedes Unternehmen tr\u00e4umt. Dar\u00fcber hinaus neigen sie weniger dazu, Hierarchien und Autorit\u00e4t anzufechten, da sie dazu erzogen wurden sich anzupassen.&#8220; Auch in politischer Hinsicht sind Mormonen \u00e4u\u00dferst kompatibel zur Marktwirtschaft. Sie sind pro-kapitalistisch und patriotisch, im Kommunismus sieht ihre Kirche ein Werk Satans. Sie sind hartn\u00e4ckig, ausdauernd, entschlossen, organisiert, diszipliniert, gem\u00e4\u00dfigt und ernsthaft. Eigenschaften, die bei der Bew\u00e4ltigung der Zukunftsaufgaben der westlichen L\u00e4nder notwendig sein werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe Mormonen kennen gelernt und mich auch etwas mit ihren Grunds\u00e4tzen und Strukturen besch\u00e4ftigt. Ich hatte die Gelegenheit, in Salt Lake City einige ihrer Einrichtungen zu besuchen. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass die oben genannten Eigenschaften zumindest auf viele Mormonen zutreffen. Allerdings glaube ich nicht, dass die beschriebene Lebenst\u00fcchtigkeit, die Angepa\u00dftheit an die Lebensbedingungen der modernen, globalisierten Welt, ein Alleinstellungsmerkmal der Mormonen ist. Denn auch Christen, die Jesus und die Bibel in das Zentrum ihres Glaubens stellen, sind in besonderer Weise dazu bef\u00e4higt, gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen zu bew\u00e4ltigen. Das gilt auch f\u00fcr wirtschaftliche Herausforderungen. Den Zusammenhang zwischen christlichem Glauben und wirtschaftlichem Erfolg hat bereits Max Weber skizziert. Der Ordnungs\u00f6konom der Freiburger Schule der Wirtschaftspolitik Walter Eucken skizzierte unter dem Stichwort der Interdependenz der Ordnungen auch den engen Zusammenhang zwischen Religion und Wirtschaftsordnung. Der Ordoliberale Wilhelm R\u00f6pke war geradezu ein Apologet der christlichen Ethik. Der grunds\u00e4tzliche Zusammenhang zwischen Religion und wirtschaftlicher Leistungsf\u00e4higkeit wurde sp\u00e4ter theoretisch ausgearbeitet durch den Nobelpreistr\u00e4ger Douglass North. Und der Religionssoziologe Michael Blume hat au\u00dferdem den Zusammenhang zwischen Glauben und famili\u00e4rem bzw. reproduktivem Erfolg beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch was genau sind die &#8222;wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren&#8220; des Christentums? Max Weber bezog sich auf die Calvinisten und sieht als wichtigen Grund, dass Christen sich nicht sicher sein k\u00f6nnen, in den Himmel zu kommen. Also w\u00fcrden sie versuchen, so Weber, sich durch Flei\u00df, Anstand und Disziplin ihren Platz in der Ewigkeit abzusichern. In der so entstehenden &#8222;Protestantischen Ethik&#8220; sieht er den &#8222;Geist des Kapitalismus&#8220;. Im Gegensatz zu Weber meine ich, dass der Calvinismus kein guter Ma\u00dfstab ist. Die Bibel zeigt den Weg in den Himmel unmi\u00dfverst\u00e4ndlich auf, und er kann nicht erarbeitet werden, schon gar nicht durch wirtschaftlichen Erfolg. Dennoch hat Weber recht, es ist etwas vom Geist des Kapitalismus im christlichen Glauben zu finden. Aber es geht dabei nicht um eine spezifisch protestantische Ethik. Sondern um Aspekte des christlichen Glaubens, die allen Christen gemeinsam sind. Einige m\u00f6chte ich hier andeuten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einerseits f\u00f6rdert der christliche Glaube pers\u00f6nliche Charaktereigenschaften, die wirtschaftlich bedeutsam sein k\u00f6nnen. Diese Eigenschaften k\u00f6nnen Menschen aller Glaubensrichtungen haben, aber ich denke, das Christentum beg\u00fcnstigt sie in besonderer Weise. Erstens spendet die Gewi\u00dfheit, von einem liebenden Gott, der alle Geschehnisse in der Hand hat, dem Gl\u00e4ubigen Zuversicht und Optimismus. Daraus erw\u00e4chst ein Vertrauen in die Zukunft und die Bereitschaft zur \u00dcbernahme von unternehmerischem Risiko. Zweitens ergibt sich aus der Sch\u00f6pfungsoffenbarung der Bibel ein positives Verh\u00e4ltnis zu Arbeit und Gestaltungswillen. Der Mensch erh\u00e4lt als Ebenbild Gottes den Auftrag, Gottes Sch\u00f6pfung zu bearbeiten und auch zu bewahren. Drittens schenkt der Glaube die Bereitschaft zu einem materiell sparsamen Leben. Denn im Verh\u00e4ltnis zu dem Geschenk des ewigen Gl\u00fccks im Himmel erscheinen allen denkbaren weltlichen Vergn\u00fcgungen ohnehin als fl\u00fcchtige Torheiten. Viertens gibt Bibel wertvolle Hinweise f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Familienleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl das Evangelium ausdr\u00fccklich kein politisches Programm ist, hat der christliche Glauben doch positive Auswirkungen auf die Funktionsf\u00e4higkeit der Marktwirtschaft im Ganzen, also \u00fcber die F\u00f6rderung von Charaktereigenschaften hinaus. So manifestieren erstens schon die zehn Gebote die Idee des Privateigentums. Zweitens mahnt die Bibel zur Anerkennung der staatlichen Autorit\u00e4t und der Gesetze, also der rule of law. Das beg\u00fcnstigt zwar patriotisches Verhalten, aber keinesfalls im Sinne einer Abh\u00e4ngigkeit vom Staat oder anderen Organisationen. Vielmehr beg\u00fcnstigt das Christentum drittens die individuelle Freiheit. Diese Freiheit auf geistlicher Ebene ist es auch, die Christen helfen kann, den Strom der Zeit und auch die Ver\u00e4nderungen durch die Globalisierung besser bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Der Gl\u00e4ubige ist letztlich nicht so sehr von den \u00c4nderungen auf dieser Welt, nicht von den Zust\u00e4nden auf Erden, nicht von ihrer Position innerhalb der Gesellschaft abh\u00e4ngig und auch nicht von einem spezifischen Heimatland abh\u00e4ngig. Er hat einen Lebensmittelpunkt jenseits dieses Zeitlaufs. Aus dieser geistlichen Freiheit kann eine weltliche Flexibilit\u00e4t wachsen, die Christen in allen Zeiten dabei geholfen hat, Ver\u00e4nderungen zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch warum lesen wir von globalisierungstrainierten Mormonen, w\u00e4hrend viele Menschen im alten Europa vor den Herausforderungen der Globalisierung verzagen? Die Kraft des Glaubens kann nat\u00fcrlich auch in wirtschaftlichen Fragen nur dann zur Geltung kommen, wenn die Botschaft Christi verstanden und auch geglaubt wird. Die Mormonen scheinen Verst\u00e4ndnis und Glauben gegen\u00fcber ihrer eigenen Lehre zu haben. Doch es scheint mir, als h\u00e4tten die Christen in Europa Schwierigkeiten, das Evangelium Jesu Christi zu verwirklichen. Vielleicht durch ein verflachtes Kirchentagschristentum, das sich nicht mehr auf Christus und die Bibel bezieht. Wohlf\u00fchlrhetorik und Verweltlichung bzw. Politisierung stehen vielfach im Vordergrund. Allvers\u00f6hnungslehre und die historisch kritische Theologie sind Teil des Hintergrunds. Sowohl Verst\u00e4ndnis als auch Glauben werden dadurch besch\u00e4digt. Sch\u00e4dlich scheint mir auch das Aufkommen eines Wohlstandsevangeliums zu sein, dem es zwar nicht an Glauben, aber bisweilen an biblischem Verst\u00e4ndnis fehlt. Christus verspricht schlie\u00dflich seinen Anh\u00e4ngern nicht ein Leben in Lust, sondern er macht Lust auf die Ewigkeit. Zerst\u00f6rerisch ist meiner Meinung nach auch die Fokussierung des Glaubenslebens auf Organisationen und Personen. Dadurch wird der Glauben an Christus besch\u00e4digt, Christentum verkommt zum Clubleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Globalisierung h\u00e4lt noch viele Herausforderungen f\u00fcr den Menschen bereit. Besonders gro\u00df sind die wirtschaftlichen Herausforderungen. Der Aufstieg der asiatischen Schwellenl\u00e4nder und die Schuldenkrise in Europa und den USA geben einen Hinweis darauf. Der christliche Glaube hat sich in der Menschheitsgeschichte als gutes &#8222;Navigationsger\u00e4t&#8220; bei Ver\u00e4nderungen und Herausforderungen bew\u00e4hrt. Der Fall der Mormonen zeigt, dass Navigation auch in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen und schneller Ver\u00e4nderungen m\u00f6glich ist. Doch wir in Europa m\u00fcssen sozusagen erst wieder unser Navigationsger\u00e4t vom Dachboden holen. Wenn wir es abstauben und f\u00fcr die Reise benutzen, dann kann es Zuversicht schenken und Wege in die Zukunft aufzeigen. Und, wor\u00fcber ich gerne mit Mormonen sprechen w\u00fcrde, auch weit dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Christoph Sprich (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.freiewelt.net\">www.freiewelt.net<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00dcber den Autor: Studium der\u00a0Volkswirtschaftslehre in Freiburg, Diplomarbeit \u00fcber Walter Eucken und Friedrich August von Hayek,\u00a0Dissertation \u00fcber die Kritik Hayeks an der Rationalit\u00e4tsannahme. Referent f\u00fcr Au\u00dfenwirtschaftspolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Der Autor \u00e4u\u00dfert hier\u00a0ausschlie\u00dflich seine private Meinung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitalismus und Christentum. Mit Jesus durch die Globalisierung und weiter In der FAZ vom 20. August 2011 ist unter dem Titel &#8222;Mission erf\u00fcllt&#8220; ein lesenswerter Artikel abgedruckt \u00fcber die Heiligen der letzten Tage, also \u00fcber die Mormonen. Man liest dort von zielorientierter und strenger Erziehung, bei der Kirche und Familie im Mittelpunkt stehen. So lernen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":316,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,27],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6917"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/316"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6917"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6917\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6922,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6917\/revisions\/6922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6917"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}