{"id":6907,"date":"2011-08-23T19:29:23","date_gmt":"2011-08-23T17:29:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6907"},"modified":"2011-08-23T19:53:03","modified_gmt":"2011-08-23T17:53:03","slug":"wird-es-ein-tausendjahriges-friedensreich-auf-dieser-erde-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6907","title":{"rendered":"Wird es ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde geben?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Um die Frage, ob es ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde nach Christi Wiederkunft geben wird, gibt es seit den Tagen der Alten Kirche Streit. Nachdem einige der fr\u00fchen Kirchenv\u00e4ter sich ein solches Reich unter der Herrschaft Christi in den buntesten Farben vorgestellt hatten, beendete Augustin diese Spekulationen mit einer neuen Sichtweise, wonach das Friedensreich bereits mit dem Entstehen der R\u00f6misch-katholischen Weltkirche begonnen habe.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformatoren behielten die \u00a0augustinische Skepsis gegen\u00fcber der von ihnen so genannten \u201echiliastischen Schw\u00e4rmerei\u201c bei (\u201eChiliasmus\u201c = Lehre vom Tausendj\u00e4hrigen Reich), so da\u00df die \u00a0evangelische Theologie bis zum Aufkommen des Pietismus die Frage nach einem Tausendj\u00e4hrigen Reich mied. Erst pietistische Theologen wie J. A. Bengel, M. Hahn und Oettinger lehrten wieder ein solches Reich nach Jesu Wiederkunft.\u00a0 Seitdem ist der Protestantismus in dieser Frage gespalten. Im angels\u00e4chsischen Raum herrscht dabei generell eine gr\u00f6\u00dfere Offenheit f\u00fcr die Annahme eines solchen Reichs als bei uns in Deutschland. Was ist aufgrund des biblischen Befunds \u00a0in Offb 20 dazu zu sagen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst ist festzustellen, da\u00df es den Begriff \u201eTausendj\u00e4hriges Reich\u201c in der Johannesoffenbarung nicht gibt. Statt dessen gibt es in Offb 20 zwei Erz\u00e4hlstr\u00e4nge, in denen von 1000 Jahren die Rede ist. Erstens wird der Teufel f\u00fcr 1000 Jahre gebunden und nach den 1000 Jahren \u00a0noch einmal f\u00fcr eine kurze Zeit freigelassen. Zweitens werden die mit einem Auferstehungsleib ausgestatteten \u201eenthaupteten\u201c M\u00e4rtyrer 1000 Jahre lang zusammen mit Christus die zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels richten und regieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auffassung, da\u00df es nach der Bindung \u00a0Satans ein Tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde geben wird, entsteht im wesentlichen durch eine rein chronologische Auslegung von Kapitel 20. Man f\u00fcgt die Abschnitte V. 1-3, V. 4-6, V. 7-10 und V. 11-15 chronologisch aneinander. Dadurch entsteht der Eindruck, da\u00df Christus nach der Bindung Satans zusammen mit den lebendig gewordenen M\u00e4rtyrern 1000 Jahre regieren wird, da\u00df danach der Teufel endg\u00fcltig vernichtet wird und da\u00df dann schlie\u00dflich das Weltgericht abgehalten wird. Danach schlie\u00dflich kommt es in dieser Sichtweise zur Neusch\u00f6pfung von Himmel und Erde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine rein chronologische Auffassung von Kapitel 20 kann jedoch nicht \u00fcberzeugen. Die ganze Johannesoffenbarung ist ja nicht streng chronologisch, sondern theologisch-heils\u00f6konomisch aufgebaut. Das innere Leitthema ist das Verh\u00e4ltnis Christi zu den \u00dcberwindern. Diesem Thema folgt die Struktur. Wie in der Auslegung ausgef\u00fchrt, werden in Kapitel 20 zwei Gerichtsakte geschildert, das Gericht an Satan und an den zw\u00f6lf St\u00e4mmen Israels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schilderung der beiden Gerichtsakte ist nicht chronologisch, sondern verschr\u00e4nkt. Johannes will den Eindruck vermeiden, da\u00df das Gericht erst 1000 Jahre nach der Bindung des Satans vollzogen wird. Deswegen setzt er jeweils den 1. Teil und den 2. Teil der beiden Erz\u00e4hlstr\u00e4nge nebeneinander. Er w\u00e4hlt dazu die rhetorische Figur des Chiasmus, der gegenl\u00e4ufigen Entsprechung. Erst spricht er von Satans Bindung und Hinabwurf in den Abgrund und dann, obwohl der Bericht \u00fcber Satan noch nicht fertig ist, von den Gerichtsthronen, auf denen die auferstandenen M\u00e4rtyrer Platz nehmen. Danach nimmt er den ersten Erz\u00e4hlstrang wieder auf und f\u00fchrt anschlie\u00dfend den zweiten Erz\u00e4hlstrang zu Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese verschr\u00e4nkte Darstellung darf also gerade nicht zur Annahme f\u00fchren, da\u00df der 4. Gerichtsakt (Gericht \u00fcber Israel) erst 1000 Jahre nach der Bindung Satans erfolgt. Mit dem Erweis der chronologischen N\u00e4he des 3. und 4. Gerichtsaktes entf\u00e4llt die Annahme, da\u00df das Gericht \u00fcber Israel (meist das Weltgericht genannt) erst nach den 1000 Jahren stattfindet. Gerade diese Annahme war und ist ein wesentlicher Grund f\u00fcr die \u00dcberzeugung, da\u00df Christus ein Tausendj\u00e4hriges Reich auf dieser Erde errichten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur die Johannesoffenbarung, das gesamte Schriftzeugnis schweigt \u00fcber ein Tausendj\u00e4hriges Reich auf dieser Erde. Es gibt diesen Begriff weder im A.T. noch im N.T. Auch Paulus, der in 1 Kor 15 der Gemeinde Aufschlu\u00df gibt \u00fcber die mit der Wiederkunft Christi zusammenh\u00e4ngenden Ereignisse, sagt davon nichts. Im Gegenteil, er sagt in 1 Kor 15,24 deutlich, da\u00df nach der Wiederkunft Christi die Vollendungszeit beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun mu\u00df man nat\u00fcrlich, wenn man die Lehre von einem tausendj\u00e4hrigen Friedensreich Christi auf unserer Erde nicht \u00fcbernehmen will, zu den einzelnen Aussagen in Offb 20,1-7, wo von den Tausend Jahren die Rede ist, Stellung beziehen. Wie schon gesagt, gibt es hier zwei Erz\u00e4hlstr\u00e4nge, die von Johannes miteinander verschr\u00e4nkt wurden, den Bericht \u00fcber den 3. Gerichtsakt an Satan und den Bericht \u00fcber den 4. Gerichtsakt an den Toten des Volkes Israel. Im ersten Erz\u00e4hlstrang hei\u00dft es, da\u00df Satan 1000 Jahre im Abgrund verwahrt und danach f\u00fcr eine kurze Zeit freigelassen wird, bis er dann in den Feuerpfuhl geworfen wird. Diese Angaben n\u00f6tigen keineswegs zur Annahme einer Tausendj\u00e4hrigen Regierung Christi auf unserer Erde. Warum Christus mit seinem \u00e4rgsten Feind so verf\u00e4hrt, ihn also nicht sofort in den Feuerpfuhl wirft, wissen wir nicht, weil es uns nicht offenbart ist. Der zweite Erz\u00e4hlstrang berichtet von den enthaupteten M\u00e4rtyrern, die bei Christi Wiederkunft lebendig werden und gew\u00fcrdigt werden, am Gericht Christi \u00fcber die Toten Israels mitzuwirken. Dann hei\u00dft es in 20,6, in einer Parallelit\u00e4t zu den 1000 Jahren der Bindung Satans, da\u00df sie 1000 Jahre als Priester Gottes und Christi mit ihm, d.h. mit Gott, regieren werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Aussage kann schon eher zur Annahme eines Tausendj\u00e4hrigen Reiches f\u00fchren. Die Frage ist nur, ob diese Zeitangabe zur Konstruktion einer tausendj\u00e4hrigen Herrschaft Christi auf der alten Erde, die sonst nirgends bezeugt ist, berechtigt bzw. n\u00f6tigt. Das Zeugnis der Johannesoffenbarung steht einer solchen Annahme jedenfalls entgegen. Danach ist den \u00dcberwindern die Mitregentschaft nicht auf der alten Erde, sondern im Neuen Jerusalem verhei\u00dfen (3,12). Nichts spricht also dagegen, da\u00df diese Mitregentschaft 1000 Jahre auf der neuen Erde geschehen wird. Warum ihnen diese Dauer gesetzt ist, wissen wir ebenfalls nicht. Eine Hypothese sei an dieser Stelle erlaubt: Nach 20,5 werden die anderen, die nicht enthaupteten M\u00e4rtyrer nach den 1000 Jahren lebendig gemacht. Auch sie sind ja zur Hochzeit des Lammes berufen. Es wird also nach den 1000 Jahren eine Gesamtregentschaft der 144000 im Neuen Jerusalem geben. Die 1000 Regierungsjahre der \u201eEnthaupteten\u201c gleich nach der Herabkunft des Neuen Jerusalem k\u00f6nnten also vielleicht als eine Art Auszeichnung verstanden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die neuen Natur- und Lebensbedingungen in einer \u201esatanslosen\u201c Zeit, die segensvollen T\u00e4tigkeiten des erneuerten Volkes Israel an den V\u00f6lkern und die Wallfahrten der V\u00f6lker nach Jerusalem, die von den Vertretern des \u201eTausendj\u00e4hrigen Reichs\u201c meist als dessen Hauptkennzeichen angegeben werden, sind damit keineswegs bestritten. Dies alles wird sich zweifellos nach den vier Gerichtsakten Christi ereignen, aber eben nicht in einem \u201eTausendj\u00e4hrigen Reich\u201c auf der alten Erde, sondern auf der erneuerten Erde im Neuen Jerusalem, wie es die Johannesoffenbarung in Kapitel 21 und 22 schildert.<\/p>\n<p><em>Eine Audio-CD mit dem vorstehenden Seminar, das auf dem Kongressen &#8222;Siehe, ich komme bald&#8220; im April 2011 in Bad Gandersheim und Zavelstein gehalten wurde, ist in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes erh\u00e4ltlich (M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode; <a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\">info@gemeindehilfsbund.de<\/a>).\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Frage, ob es ein tausendj\u00e4hriges Friedensreich auf dieser Erde nach Christi Wiederkunft geben wird, gibt es seit den Tagen der Alten Kirche Streit. 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